Die OPEC - Geschichte, Funktionsweise und Auswirkungen auf die Erdöl importierenden Länder
Volkswirtschaftliche Seminararbeit
im Allgemeinen Wahlpflichtfach
„Internationale Wirtschaftsbeziehungen“ - Welthandel, Direktinvestitionen und Globalisierung
vorgelegt an der
Hochschule für Bankwirtschaft (HfB) Frankfurt / M. - Business School of Finance and Management -
im Sommersemester 2006
Daniel Simonis Christian Fingerhut
Kurs: BBA 03Mo1 Kurs: BBA 03Mo1
Frankfurt, Juni 2006
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 3
2 Historie der OPEC 3
3 Strukturen, Richtlinien und Organe 3
3.1 Ziele 3
3.2 Organe der OPEC 3
3.2.1 OPEC - Konferenz (Conference of Ministers) 3
3.2.2 Gouverneursrat (Board of Governors) 3
3.2.3 OPEC-Wirtschaftskommission (Economic Commision Board) 3
3.2.4 Generalsekretariat (Secretary General) 3
3.2.5 Der OPEC Spezial Fund für internationale Entwicklung 3
4 Determinanten der Ölpreise 3
5 Einflussfaktoren eines Ölpreisanstiegs auf die Importländer 3
6 Die wichtigsten Ölkrisen und ihre Auswirkungen. 3
6.1 1973/1974, die „erste Ölkrise“ 3
6.2 1979/1980, die „zweite Ölkrise“ 3
7 Auswirkungen auf die Erdöl importierenden Länder 3
7.1 Staatsperspektive 3
7.2 Produzentenperspektive 3
7.3 Konsumentenperspektive. 3
8 Heutige (zusätzliche) Einflussfaktoren auf den Ölpreis 3
8.1 Aufstrebende Schwellenländer erläutert am Beispiel China 3
8.2 Rolle der OPEC- und Nicht- OPEC-Staaten. 3
9 Fazit 3
10 Anhang. 3
10.1 Literatur- und Quellenverzeichnis 3
10.2 Graphiken. 3
10.3 Eidesstattliche Versicherung 3
Christian Fingerhut & Daniel Simonis, AWPF, M01BBA032
Vorwort
Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der Geschichte und dem Aufbau der OPEC, den ersten beiden Ölpreiskrisen (Ölpreisschocks) in den Jahren 1973/1974 und 1979/1980 sowie deren Auswirkungen auf die makroökonomischen Aggregate wie z.B. Bruttoinlandsprodukt, Inflation und Arbeitslosenquote in den Erdöl importierenden Ländern. Dabei nimmt Deutschland als derzeit fünftgrößter Erdöl importierender Staat eine zentrale Rolle ein.
Anschließend sollen mögliche Parallelen zum aktuellen Ölpreisanstieg gezogen werden, die für die Erdöl importierenden Länder in naher Zukunft eintreten könnten, sowie eine Bewertung vorgenommen werden, inwiefern der heutige Ölpreisanstieg die deutsche Volkswirtschaft beeinflussen könnte und in Reaktion darauf, welche Maßnahmen getroffen werden sollten, um die Abhängigkeit vom Erdöl als wichtigste fossile Energiequelle zu senken.
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1 Einleitung
Öl ist in aller Munde, spätestens nachdem sich in den letzten Jahren der Ölpreis mit einem nachhaltigen Niveau bei rund 70 US-Dollar pro Barrel etabliert hat. Deshalb wurde im Laufe der letzten Jahre auch den letzten Skeptikern klar, dass der „Durst nach Erdöl“, sprich die hohe Nachfrage, insbesondere der westlichen Industriestaaten den Ölpreis langfristig nach oben befördern wird, respektive dieser sich auf dem derzeit hohen Niveau etablieren dürfte.
Die Wurzeln hierfür werden von den Verantwortlichen der hiesigen Erdölkonzerne und von Analysten eindeutig beziffert. Erstens, das rasche, mit einem großen Energiebedarf einhergehende Anwachsen der Weltwirtschaft, derzeit vorwiegend in den asiatischen Volkswirtschaften wie z.B. China oder Indien. Zweitens, die niedrigen Ölreservebestände in den wichtigen Verbraucherländern (wie z.B. den USA) sowie die politische Instabilität in den Hauptproduzentenländern der OPEC (wie Iran, Nigeria und Venezuela) - verbunden mit der Angst vor weiteren Terroranschlägen gegen Einrichtungen von Erdölunternehmen in Saudi-Arabien. Die Industriestaaten befürchten, dass die durch die anhaltend hohen Ölpreise die Erholung der Weltwirtschaft signifikant beeinträchtigen werden könnte.
Eine größere Kapazitätsausweitung in der Produktion der Erdöl exportierenden Länder scheitert derzeit vor allem an der mangelhaften Infrastruktur, da in der jüngsten Vergangenheit zu wenig in die Erweiterung der bestehenden Ölfelder und in das erforderliche Equipment, welches zur Erdölförderung verwendet wird, investiert wurde. Circa 90% der weltweiten Erdölförderung stammt aus Förderfeldern, die vor 20 Jahren erschlossen wurden 1 . Im Gegensatz dazu haben Nicht- OPEC Staaten wie z.B. Russland ihre Förderquoten angehoben. Die Frage ist, inwieweit sich das derzeit hohe Ölpreisniveau auf die wichtigsten makroökonomischen Aggregate wie Output, Inflation oder Arbeitslosigkeit der Erdöl importierenden Länder auswirken wird und ob vergleichbare Entwicklungen stattfinden werden, die während der ersten beiden Ölpreisschocks 1973/1974 sowie 1979/1980 beobachten werden konnten.
1 Vgl. WISU (Juni 2004): Oil Apocalypse Now? Not now - But maybe soon; S.712
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2 Historie der OPEC
Am 14. September 1960 erfolgte die Gründung der OPEC in Bagdad, Irak durch die fünf Erdöl-Förderstaaten Iran, Kuwait, Irak, Saudi-Arabien und Venezuela. Heute hat die OPEC elf Mitgliedsstaaten, wobei neben den fünf Gründerstaaten Algerien (seit 1969), Indonesien (seit 1962), Katar (seit 1961), Libyen (seit 1962), Nigeria (seit 1971) und die Vereinigten Arabischen Emirate (seit 1967) vertreten sind. Das 1973 beigetretene Ecuador schied Ende 1992 wieder aus und Gabun war von 1975 bis Ende 1994 Mitglied. Der Staat Brunei kandidierte 1984 für eine Aufnahme in die OPEC, aber erlangte nicht den Mitgliedsstatus. Seit dem 1.September 1965 ist Wien auf „neutralem Boden“ der Hauptsitz der OPEC, zuvor nannte die OPEC Genf ihren Hauptsitz.
Um die Gründung der OPEC nachvollziehen zu können, muss man sich der Situation gegen Ende der fünfziger Jahre aus Sicht der Erdöl exportierenden Staaten bewusst werden. Bis zum damaligen Zeitpunkt wurde die globale Erdölproduktion von privaten Erdölunternehmen, den sogenannten „Seven Sisters“ (Exxon, Mobil, Socal (Chevron), Gulf, Texaco, BP und Shell) dominiert, die ein starkes Preis- und Mengen-Oligopol bildeten 2 . Zudem überstieg die Weltproduktion an Erdöl - also das Angebot - deutlich die herrschende Nachfrage. Als Konsequenz fielen die Ölpreise und damit auch die Erlöse aus Erdöl der Förderstaaten. In Saudi-Arabien entstand zu dieser Zeit die Idee eines Föderkartells zwischen mehreren Staaten. Ziel dieser Überlegungen war es, einen weiteren Preisverfall für Erdöl zu stoppen. In Anbetracht der immer wichtiger werdenden Erdöleinnahmen für die Produzentenländer selbst und der Absicht, eine Position einzunehmen, die es den Staaten ermöglichte, den Ölpreis selbst zu determinieren, wurde als Folge die OPEC 1960 gegründet. Mit einem Anteil von fast zwei Dritteln der nachweisbaren Weltreserven 3 bildete die OPEC ein „Rohstoffkartell“ 4 , dem es gelang, Preise zu stützen und eine gemeinsame Förderpolitik zu etablieren. Die siebziger Jahre waren für die OPEC von besonderer Bedeutung. Nach wirtschafts- und geopolitischen Konflikten (siehe Punkt 6: Die wichtigsten Ölkrisen und Ihre Auswirkungen) Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre gewann die OPEC mehr und mehr an Marktmacht. Was folgte, war eine weltweite Energieverknappung in den Industrienationen. Dies und die
2 Vgl. Bayern LB (Februar 2006)- Sectoral Report on Oil & Gas
3 Vgl. Schaubild Nr. 11 im Anhang
4 In der Literatur wird oftmals von einem Rohstoffkartell gesprochen. Zahlreiche Wissenschaftler wie Alhajji & Huettner,
Griffin oder Loderer haben ex- post- Untersuchungen der beiden Ölpreiskrisen der siebziger Jahre durchgeführt, ob die OPEC
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nun zunehmend mehr getroffenen Absprachen in der Förderpolitik lösten die erste Ölkrise aus. Zwischen 1973 und 1974 vervierfachte sich der Preis für Rohöl von knapp drei US-Dollar auf fast zwölf US-Dollar pro Barrel 5 . Die OPEC hatte soviel Macht gewonnen, dass oftmals in der heutigen Literatur der damalige Zeitraum als „Höhepunkt der Machterreichung“ bezeichnet wird.
Zwischen 1974 und 1978 wurde der Ölpreis fast halbjährlich erhöht, um der starken Entwertung des US-Dollars seinerzeit entgegenzuwirken. Nachdem einigen OPEC-Staaten nicht mehr genügend finanzielle Mittel zur Weiterfinanzierung der Infrastrukturprogramme zur Verfügung standen und es zu wirtschaftspolitischen Unruhen in der islamischen Welt kam, stiegen die Preise für Erdöl infolge starker Angebotsverknappungen enorm an. In den Industriestaaten kam es zur „Zweiten Ölkrise“ und einer noch stärkeren Weltwirtschaftsrezession als nach der „Ersten Ölkrise“. Infolge dieser starken Wirtschaftrezessionen verschwanden nicht nur die immensen Mehrerträge der „Petrodollars“ der OPEC-Staaten aus den siebziger Jahren, sondern auch erstmals die Marktführung im Bereich Produktion. Aufgrund der starken Preisanstiege hatten viele Nicht-OPEC-Staaten in alternative Energiequellen oder die eigene Förderpolitik investiert. Seinerzeit wurde beispielsweise Kanada vom Nettoimporteur zum Nettoexporteur von Erdöl. Die schwindende Nachfrage nach „OPEC-Öl“ löste ein Überangebot aus, wodurch ab 1982 die Erdölpreise einbrachen. Dieser Preisverfall erlebte Anfang 1986 seinen Höhepunkt, als die Preise auf den Rohstoff- bzw. Erdölmärkten auf bis zu unter zehn US-Dollar pro Barrel fielen. Die Preistaktik war gescheitert und die Macht der OPEC war kurz vor dem Verfall. Einige OPEC-Mitgliedsstaaten begannen mit anderen Erdöl exportierenden Staaten, in Verhandlungen zu treten und verständigten sich auf eine gemeinsame Richtpreispolitik und Förderungsquoten. In den Folgejahren erholten sich die Preise wieder, stiegen aber bis zum Jahr 2000 selten auf mehr als 30 US-Dollar pro Barrel. Ausnahmen waren die Jahre des 1. Golfkrieges 1990/91 6 , als die Preise zeitweilig auf 45 US-Dollar pro Barrel stiegen.
in dieser Phase ein Kartell darstellt(e), mit dem Ergebnis, dass anhand verschiedener Theorien kein signifikanter
Marktbeherschungseinfluss der OPEC festgestellt werden konnte.
5 Vgl. Schaubild 12 im Anhang
6 Vgl. Schaubild 12 im Anhang Seite 6 von 34
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Christian Fingerhut, 2006, Die OPEC - Geschichte, Funktionsweise und Auswirkungen auf die Erdöl importierenden Länder, München, GRIN Verlag GmbH
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