Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Was ist die Grüne Revolution?
1.2 Die naturgeographischen Rahmenbedingungen Indiens
2 Hauptteil
2.1 Entwicklung, Fortschritt und Produktion der Grünen Revolution
2.2 Konfliktstoff Wasser
2.3 Weitere ökologische Auswirkungen
2.3.1 Einsatzgebiete der Grünen Revolution
2.3.2 Böden
2.3.3 Tier- und Pflanzenwelt
2.3.4 Energie
2.4 Soziale Auswirkungen
2.4.1 Arbeitsplätze geschaffen oder zerstört?
2.4.2 Disparitäten zwischen Großbetrieben, Kleinbetrieben und deren Angestellten
2.4.3 Die Verteilung der Nahrung
2.5 Wer zieht den größten Vorteil aus der Grünen Revolution?
2.6 Gen-Revolution
3 Schlussteil
3.1 Bilanz
3.2 Perspektiven für die Zukunft
3.3 Fazit
3.4 Reflexion
Anhang
1 Einleitung
1.1 Was ist die Grüne Revolution?
Die Grüne Revolution ist Ergebnis der Forschungsanstrengungen mehrerer
Agrarforschungsinstitute. Diese wurden nach dem zweiten Weltkrieg in verschiedenen Regionen der Welt gegründet. Ihr Ziel war es, die bevorstehende Hungerkatastrophe, die besonders in Schwarzafrika und im südostasiatischen Raum drohte, zu verhindern. Zuerst zahlten sich deren Anstrengungen in Form von Ertragssteigerungen bei Weizen und Mais aus. Besonders für den asiatischen Raum war aber der Reis ein nicht wegzudenkendes Getreide, bei dem die Ertragssteigerung einen noch größeren Beitrag zu der steigenden Nahrungsmittelversorgung der Bürger beitragen würde, als es bereits der Weizen tat. Die Gründung des „International Rice Research Institute“ (IRRI) bei Manila auf den Philippinen im Jahre 1961 war der erste große Schritt in die Richtung des intensiven Reisanbaus. Aufgrund der drohenden Hungerkrise wurden Sorten entwickelt, welche primär auf die Ertragssteigerung ausgerichtet waren. Diese trugen den Namen „high yielding varieties“ (HYV). 1
Hans-Georg Bohle beschreibt die Grüne Revolution ganz zu Recht als Modernisierungsprogramm, bei dem es um die Einführung von moderner Agrarwissenschaft und neuster Agrartechnik geht. Dieses umfasst:
„(...) die Einführung hochertragreichen Saatguts, die Verwendung hoher Dosen von Düngemitteln und Schädlingsbekämpfungsmitteln, die Ausweitung mechanischer Brunnenbewässerung und den Gebrauch von modernen landwirtschaftlichen Maschinen. Schnelle und nachhaltige Produktionssteigerungen sind das oberste Ziel dieses Modernisierungsprogrammes.“ 2
Es ging also zunächst einmal darum, das gesamte Potential des Bodens zu nutzen und mit entsprechenden Hilfsmitteln die Ernte so ertragreich wie möglich zu machen. Die Grüne Revolution kann aber nicht isoliert als Produktionssteigerungsprogramm gesehen werden. Die mit der Produktionssteigerung verbundenen Ziele aber auch ihre Konsequenzen sind ebenfalls untrennbar mit dem Begriff „Grüne Revolution“ verbunden. Hans-Georg Bohle beispielsweise beschreibt ein überragendes Motiv der Grünen Revolution, wenn er sie bezeichnet als:
1 Vgl. Scholz, Ulrich (1998), S.531 f
2 Bohle, Hans-Georg (1989), S.91
„ein übergreifendes ländliches Entwicklungsprogramm (…), das eine umfassende Lösung der Entwicklungsprobleme im ländlichen Raum anstrebt. Von der Modernisierung der Landwirtschaft versprechen die Planer sich in diesem Zusammenhang neben Produktionssteigerungen eine dauerhafte Überwindung von Armut und Hunger. (…) Aus dieser Sicht ist eine nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität der ländlichen Armen das oberste Ziel der „Grünen Revolution““ 3
Ihr Ziel ist also ein sehr lobenswertes, welches auf den ersten Blick keine Nachteile erkennen lässt. Auf diese Thematik wird allerdings später noch intensiver einzugehen sein. Anhand Indiens soll in dieser Facharbeit ein konkretes Raumbeispiel der Grünen Revolution gegeben werden. Dabei ist aber immer zu beachten, dass ihre Entwicklung in den verschieden Regionen der Welt, sehr unterschiedlich ist. In Afrika zum Beispiel zeigte das Projekt weitaus weniger Wirkung als in Asien. Dies ist aber ein Themenkomplex, der in dieser Facharbeit nicht eingehend behandelt werden kann, da dies ihren Rahmen sprengen würde.
1.2 Die naturgeographischen Rahmenbedingungen Indiens
Agrartechnische Entwicklungen sind natürlich stark abhängig von den naturgeographischen Rahmenbedingungen der jeweiligen Region. Diese sind in Indien sehr verschieden und sollen kurz dargestellt werden.
Indien liegt in Südostasien zwischen ca. 35 - 8° nördliche Breite und 69 - 98° östliche Länge. Etwas mehr als die Hälfte des Landes grenzt an Gewässer. Westlich von Indien liegt das Arabische Meer und östlich der Golf von Bengalen. An der Südspitze Indiens verläuft der Golf von Mannar, der Indien von der Insel Sri Lanka trennt. Das Relief ist sehr vielseitig. Von Gebirgen bis zu Flachebene sind alle Bereiche vorhanden. Im äußersten Norden grenzt Indien an das Himalajagebirge mit Bergen, die mehr als 5000m über NN ragen. Allerdings macht dieses Gebiet nur einen geringen Teil des gesamten Territoriums aus. Es überwiegen Ebenen von null bis tausend Metern. Im Inland überwiegen jedoch Höhen im Bereich von 500-1000m. Durch das Land fließen mehrere Flüsse, die für die Bewässerung der Landwirte von großer Bedeutung sind. Der wohl bekannteste ist der Ganges. 4
3 Bohle, Hans Georg (1989), S.91 f
4 Vgl. Westermann (1996), S.157
Der Norden Indiens, etwa ein viertel des gesamten Landes, befindet sich in der Subtropischen Zone. Der restliche Teil liegt in den Tropen. 5
Entlang der Küste wird Nassreisfeldbau betrieben, da dort Wasser eine Ubiquität 6 ist. Im südlichen inneren Teil Indiens dominiert der Hirseanbau und nördlich des Flusses Narmada beginnt die Region, in der teilweise großflächig Weizen angebaut wird. Im Nordwesten bei Tharr befindet sich ein Wüstengebiet und 100-200 km weiter östlich verläuft die Steppe und Hochgebirgsweide. Vereinzelt fallen kleine Trocken- und Dornsavannen auf. Insgesamt überwiegt allerdings der tropische Feldbau, Ackerbau und tropischer bzw. subtropischer Wald südlich der Hauptstadt Delphi. 7
Im Bereich der Ganges und des Indus, der beiden größten Flüssen Indiens, befinden sich mineralische und hydromorphe Böden, welche eine hohe Fruchtbarkeit aufweisen. Der Norden Indiens weißt ausgenommen der Gebiete der Wüste Tharr und der Himalajagebirge ebenfalls eine hohe Bodenfruchtbarkeit auf. Südlich des nördlichen Wendekreises besitzt der Boden nur noch eine mäßige Fruchtbarkeit. Dort lagern die lateritischen und ferralitischen Böden, welche für die tropische Klimazone charakteristisch sind. 8
Die Zahl der humiden Monate beträgt im größten Teil Indiens zwei bis vier, an der Südküste acht Monate. Dafür sind es jenseits der Küste auf dem 15. Breitengrad nördliche Breite null Monate, in denen die Niederschlagskurve über der Temperaturkurve liegt. In den Monaten Juli bis September schnellt die Niederschlagskurve im gesamten Land in die Höhe. Dies ist die Zeit des Monsuns. Anhand der Abbildung 1 (im Anhang beigefügt), die das Klima in Bombay darstellt 9 , kann man erkennen, dass die Regenzeit von Juni bis September sehr stark ausgeprägt ist und abrupt wieder endet. Dementsprechend kurz fällt die Sonnenscheindauer in diesem Zeitraum aus. Im Juli beträgt sie durchschnittlich nur zwei Stunden pro Tag. Diese Unregelmäßigkeit erschwert den Bauern das Anbauen von Nutzpflanzen, die auf eine geregelte und gleichmäßige Wasserzufuhr angewiesen sind.
5 Westermann (1996), S.221 Karte 1
6 Ubiquität (lateinisch) bedeutet: überall vorkommend, allgemein verbreitet, allgegenwärtig. Beispiel dafür:
Wasser oder Luft
7 Vgl. Westermann (1996), S.162
8 Vgl. Westermann (1996), S.225 Karte 1
9 siehe Abbildung 1 im Anhang
Als vergleichsweise stark fällt der Niederschlag in diesem Zeitraum an der Westküste auf. Der Jahresniederschlag Indiens liegt zwischen 500 und 2000 mm pro m². Im Westen, der Wüstenregion, sind es nur 100-250 mm. Die Temperaturen liegen im Januar auf der nördlichen Hälfte um die 15 - 20 °C und auf der südlichen Hälfte 20 - 25 °C. Im Juli liegen die Temperaturen außer nördlich der Hauptstadt Neu-Delphi und der Westküste zwischen 25 und 30°C. 10
10 Vgl. Westermann (1996), S.144 Karten 1-4
2 Hauptteil
2.1 Entwicklung, Fortschritt und Produktion der Grünen Revolution
Das größte Potential in der Verbesserung der Nahrungsmittelproduktion durch Ackerbau lag im Reis und Weizen, etwas weniger im Anbau von Hirse. US Amerikanische Unternehmen entwickelten auf mexikanischem Gebiet bereits 1946 eine Weizen-Hochertragssorte, welche für deutlich höhere Erträge sorgte, damit einhergehend natürlich auch einen höheren Einsatz von Dünger, Pflanzenschutzmittel und Wasser erforderte. 11
Erst 1966 konnten die Wissenschaftler auch beim Reis eine geeignete Sorte Namens „IR8“ entwickeln, welche sich durch doppelten Körnerertrag auszeichnete. Im Gegensatz zum natürlichen Reis war der „IR8“ allerdings sehr anfällig gegenüber Insekten und Pflanzenkrankheiten, was den verstärkten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln notwendig machte. Des Weiteren musste der Reis eine optimale Wasserversorgung und Mineraldünger bekommen, um die doppelten Erträge auch wirklich erzielen zu können. Dass dies nicht ganz problemlos sein sollte, zeigte sich zum Beispiel auf Java. Dort kam es nach anfänglich guten Erträgen im Jahr 1976 / 77 zu einem Massenbefall durch Insekten. Riesige Flächen Nassreis wurden dadurch zerstört. Grund war der falsche Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, welche die natürlichen Feinde der Reiszikade, hauptsächlich Spinnen, abtötete, und diese nun ungestört die Ernte befallen konnten. Seit diesem einschneidenden Ereignis konzentriert sich die Forschung nicht nur auf einen hohen Ertrag, 12
„sondern auch auf andere wichtige Eigenschaften, wie Resistenz gegen Krankheiten und Insekten, niedriger Wuchs, weniger Stroh, kürzere Vegetationszeit und Unabhängigkeit von der Tageslänge (Tageslichtneutralität). Darüber hinaus strebte man eine erhöhte Toleranz gegenüber ökologischen Stressfaktoren, wie z.B. unregelmäßige Wasserzufuhr, Kälte, Versumpfung und Versalzung an, bis hin zu einer Verbesserung der Koch- und Geschmackseigenschaften“. 13
Die Entwicklung der Hochertragssorten war damit im vollen Gange. Die mit der Zeit neu entwickelten Reissorten hatten mehrere Vorteile gegenüber den traditionellen Sorten.
11 Vgl. Uhlenwinkel, Anke (1997), S.89 f
12 Scholz, Ulrich (1998), S.532
13 Scholz, Ulrich (1998), S.532
Arbeit zitieren:
Leonard Strecker, 2006, Die Grüne Revolution am Raumbeispiel Indiens, München, GRIN Verlag GmbH
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