Inhaltsverzeichnis:
1. EINLEITUNG. 3
2. DAS „ZENTRALE HAUS“ 6
3. DER ZWEITE VERSUCH. 8
3.1. Die Kosel - Variante. 8
3.2. Filigrane Dominanz statt massiger Monumentalität 9
4. DAS MARX-ENGELS-FORUM 12
4.1. 368 Meter vertikaler Manifestation. 12
4.2. Architektur des Fernsehturms 13
4.3. Zwischen Bahnhof Alexanderplatz und Spandauer Straße 14
4.4. Das Marx-Engels-Denkmalensemble. 14
4.5. Eine Liaison, die keine ist. 17
4.6. Die Zukunft des Marx-Engels-Forums. 18
5. ZUSAMMENFASSUNG 19
6. LITERATURVERZEICHNIS 21
7. WEBVERZEICHNIS 22
2
1. Einleitung
Mit der Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 in Berlin-Karlshorst, wurden die Kampfhandlungen des Zweiten Weltkrieges in Europa beendet. Deutschland und Berlin wurden auf der Grundlage der Konferenz von Jalta (4.-11. Februar 1945) 1 in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Die schweren Zerstörungen die von angloamerikanischen Bomberverbänden und vor allem durch die Schlacht um Berlin hinterlassen wurden, bildeten den Ausgangspunkt aller stadtplanerischen Ansätze der Nachkriegszeit. Die Überlegungen der Architekten reichten von radikaler Erneuerung bis hin zu pragmatischen Wiederaufbauvorstellungen des noch ungeteilten Stadtgebiets. Zwischen 1945 und 1948 wurden von verschiedenen Planungsgruppen die bekanntesten Wiederaufbaupläne für Groß-Berlin entwickelt. Unter der Leitung von Hans Scharoun, der im Mai 1945 zum Leiter der Abteilung Bau- und Wohnungswesen des Berliner Magistrats berufen worden war, erarbeitete ein „Planungskollektiv“ den „Kollektivplan“, welcher im Sommer 1946 vorgestellt wurde. 2 Im Kern dieser Überlegung stand die Umwandlung des alten Berlins in eine Bandstadt. Die vorhandene Stadtstruktur sollte aufgelöst und in eine „Stadtlandschaft“ verwandelt werden. Die Vorstellung sah streng voneinander getrennte Wohn- und Arbeitsbänder vor, die dem Flusslauf der Spree folgen sollten. Über ein rechtwinklig angelegtes Schnellstraßennetz sollten die einzelnen, über das Stadtgebiet verteilten Zellen miteinander verbunden werden. Im Mittelpunkt der Stadt sollte das alte Zentrum, jedoch ohne Monumentalarchitektur, wieder aufgebaut werden.
Eine weitere Gruppe begann im Mai 1945 in Berlin-Zehlendorf mit ihrer Arbeit, jedoch wurde sie ab August dem Magistrat und folglich Hans Scharoun unterstellt. Der so genannte Zehlendorfer Plan, dessen Hauptverfasser Walter Moest, Willy Görgen und Joachim Hildebrand waren 3 , ist keine Ergänzung zum „Kollektivplan“, sondern ein unabhängiges Projekt, welches sich vordergründig am Berliner Verkehr orientierte. Die auffälligste Neuerung des Verkehrsplans sah zwei kreuzungsfreie Stadtdurchquerungen für den überörtlichen Verkehr vor, die der vorhandenen, veralteten Stadtstruktur hinzugefügt werden sollten.
1 Der Große Ploetz, Daten-Enzyklopädie der Weltgeschichte, 32. Aufl., WBG, Darmstadt 1998, S. 790.
2 P. Müller, Symbol mit Aussicht - Der Berliner Fernsehturm, Verlag Bauwesen, Berlin 2000, S. 43.
3 ebd.
3
Nach den ersten freien Kommunalwahlen in Berlin am 5. Dezember 1946, aus denen die SPD als Sieger hervor ging, musste Scharoun seinen Posten an Karl Bonatz abgeben. Bonatz’ Bestrebungen, eine Synthese aus Kollektiv- und Zehlendorfer Plan zu erarbeiten, führten zum „Plan 48“ bzw. „Bonatz-Plan“ 4 . Mit der voranschreitenden Teilung der Stadt, wurde Berlin immer mehr zum Schauplatz eines ideologisch geprägten Kampfes zweier vom Grund auf unterschiedlicher Systeme, deren Sprache sich auch in der Architektur wiederspiegeln sollte. In Berlin, der Hauptstadt der am 7. Oktober 1949 gegründeten DDR, fanden die ursprünglich für Groß-Berlin entwickelten Wiederaufbaupläne, von einigen Ideen des „Kollektivplans“ und des „Generalbebauungsplan für Berlin“ von 1949 abgesehen, keine Zukunft.
Fortan wurden die architektonischen Erfahrungen der UdSSR zur treibenden Kraft der städtebaulichen Entwicklung in der DDR. Die neue architektonische Richtung wendete sich ab von einer aufgelockerten, dezentralen Stadt in der Tradition der Gartenstadtbewegung und Großstadtkritik, hin zum politisch motivierten Monumentalbau. Das Fundament der neuen, ideologisch und politisch besetzten Architektur bildeten die „Sechzehn Grundsätze des Städtebaus“. Gemeinsam mit dem „Aufbaugesetz“ 5 vom 6. September 1950 bildeten sie die Grundlage für einen radikalen Stadtumbau, der ohne Rücksicht auf existierende Grundstücksstrukturen vollzogen werden konnte. 6
Im weiteren Verlauf der Arbeit steht nicht die Neugestaltung „Ost-Berlins“ als Ganzes im Vordergrund, sondern das Marx-Engels-Forum als ein Teil des alten Stadtzentrums Ost. Hierbei soll es sich um einen Bauabschnitt handeln, der im Norden von der Karl-Liebknecht-Straße, im Süden von der Rathausstraße, im Osten vom Bahnhof Alexanderplatz und im Westen vom Ostufer der Spree begrenzt sowie in Nord-Südrichtung von der Spandauer Straße durchbrochen wird. Innerhalb des Geländes befinden sich verschiedene Baukörper. Im ersten Teilabschnitt, zwischen Bahnhof Alexanderplatz und Spandauer Straße, befinden sich der Berliner Fernsehturm, die Marienkirche und der Neptunbrunnen.
4 ebd.
5 Das Aufbaugesetz schuf die Voraussetzung zur Aufbaugebietsklärung, d.h. die privaten Rechte an Grund und
Boden sowie an Gebäuden zu beschränken bzw. befristet oder dauernd mit Entschädigung zu entziehen, vgl.
http://www.uni-leipzig.de/~kuge/neu/diskus/2schneider.html#anm.
6 P. Müller, Symbol mit Aussicht - Der Berliner Fernsehturm, Verlag Bauwesen, Berlin 2000, S. 47.
4
Im kleineren Teilstück, zwischen Spandauer Straße und Ostufer der Spree, steht das Marx-Engels-Denkmalensemble. Inwieweit dieser Bauabschnitt wirklich als Marx-Engels-Forum bezeichnet werden darf, soll auch Gegenstand der vorliegenden Arbeit sein. Darüber hinaus geht es im Folgenden nicht um die detaillierte Beschreibung der vier Parkanlagenelemente, von denen jedes für sich kultur- und kunsthistorisch wertvoll ist und Anlass für weitere wissenschaftliche Arbeiten sein könnte, sondern um den Entstehungsprozess des Fernsehturms und der Marx-Engels-Denkmalsanlage.
Anhand der Skizzierung einiger Überlegungen und Entwürfe für den Aufbau des zentralen Bereichs im Zentrum der Hauptstadt der DDR soll der langwierige Werdegang vom Ursprung bis zur Fertigstellung erkennbar werden. Die explizite Auseinandersetzung mit der politischen Situation der 50er und 60er Jahre tritt zurück und wird hierbei nur peripher erwähnt.
5
Arbeit zitieren:
Sven Bluhm, 2005, Zwischen Bahnhof Alexanderplatz und Ostufer der Spree, München, GRIN Verlag GmbH
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