Inhaltsverzeichnis:
1. EINLEITUNG 3
2. DER MALER UND SEINE ZEIT 5
2.1. Die Yuan - Dynastie (1279-1368) 5
2.2. Die Ming-Dynastie (1368-1644) 7
2.3. Der Maler Chang Hung 9
3. CLEARING AFTER SNOW ON THE LING-YEN HILLS (1643) 11
3.1. Bildbeschreibung 11
3.2. Bildkomposition 13
3.3. Malerische Mittel 15
3.4. Siegel 17
3.5. Bildinterpretation 17
4. ZUSAMMENFASSUNG 20
5. LITERATURVERZEICHNIS 22
2
1. Einleitung
Bereits im Altertum war in China die Natur Gegenstand aufmerksamer Beobachtungen. Im Gegensatz zu anderen Ländern, in denen das Maß aller Dinge der Mensch war, über dessen Bild Lebensempfindungen und Vorstellungen von der Welt wiedergegeben wurden, avancierte im Reich der Mitte, geprägt von ausgedehnten Berg- und Flusslandschaften die Natur zum Gegenstand religiöser Verehrung und philosophischen Erfassens. Beeinflusst von der Beziehung zur Natur wie zu einem riesigen Kosmos, von dem der Mensch ein kleiner Teil ist, bildete sich das künstlerische Bewusstsein in China heraus. Das Handeln des Menschen und seine geistige Tätigkeit wurden an der Natur gemessen. Die Wechselbeziehung zwischen Mensch und Natur entwickelte sich zu einem komplizierten, genau ausgearbeiteten ästhetischen System. 1 Infolge der Entdeckung des ästhetischen Wertes der Natur, entstand in China ein räumliches Denken, welches nicht von der Zentralperspektive bestimmt wurde, aber viel früher als in anderen Ländern die Herausbildung des selbstständigen Genres der Landschaftsmalerei bewirkte, das viele Jahrhunderte lang im künstlerischen Leben der Gesellschaft führend war. Die chinesischen Landschaftskompositionen wurden von der Luftperspektive (Vogelperspektive) bestimmt. Es fehlt ein einheitlicher Ausgangspunkt, der Raum dehnt sich gleichsam nach oben aus. Die Berggipfel, die man aus der Vogelperspektive sieht, streben in den Himmel, die Menschen, Hütten und
Waldpfade verlieren sich in den Weiten der Natur. Exemplarisch ist Chang Hungs Bild „Clearing after Snow on the Ling-yen Hills“. 2
1 N. Winogradowa und N. Nikolajewa: Kunst des fernen Ostens, Iskusstwo Verlag Moskau und Verlag der
Kunst Dresden 1980, S. 12.
2 Das Bild ist datiert auf 1643; Hängerolle, Tusche und Farbe auf Papier, 128,9 x 44,7 cm, Museum Rietberg,
Zürich.
3
Die chinesische Landschaftsdarstellung, „shanshui“ (Berge und Gewässer) genannt, ist ihrem Wesen nach symbolisch und trachtet danach, die Einheit und Unendlichkeit des Universums wiederzugeben. Die Beobachtungen der charakteristischsten Besonderheiten der chinesischen Landschaft wurden verallgemeinert und synthetisiert. Aus diesem Grund waren die chinesischen Bilder keine naturgetreuen Abbildungen der Natur. Ihr ganzer kompositioneller Aufbau und die Besonderheiten der Perspektive sollten erreichen, dass sich der Mensch beim Betrachten des Bildes nicht als Mittelpunkt des Weltalls, sondern als kleinstes, dessen Gesetzen unterliegendes Teilchen fühlte. 3 Inwieweit Chang Hung in seinem Bild „Clearing after Snow on the Ling-yen Hills“ diesen technischen Gestaltungsmitteln Rechnung trägt und ob er den philosophischen Gedanken wiederspiegelt, ist die Fragestellung meiner Analyse. Im Kapitel „Der Maler und seine Zeit“ werde ich einen kurzen geschichtlichen Hintergrund skizzieren, der einem besseren Verständnis des Bildes dienen soll. Im anschließenden Kapitel „Clearing after Snow on the Ling-yen Hills“, werde ich das Bild beschreiben, auf die Komposition eingehen, die malerischen Mittel herausstellen sowie die Bedeutung des Siegels im Allgemeinen erklären und das Bild interpretieren.
3 N. Winogradowa und N. Nikolajewa: Kunst des fernen Ostens, Iskusstwo Verlag Moskau und Verlag der
Kunst Dresden 1980, S. 14.
4
2. Der Maler und seine Zeit
2.1. Die Yuan - Dynastie (1279-1368)
Ende des 13.Jahrhunderts war China zum ersten Mal in der Gewalt einer fremden Macht, den Mongolen. Die Eroberer aus dem Norden, legten den Grundstein für die Yuan-Dynastie. 4 Die fast 90 Jahre anhaltende Okkupation veränderte die Entwicklung der verschiedenen Gebiete der traditionellen chinesischen Kultur (Kalligraphie, Malerei, Dichtung und Musik). Oberflächlich betrachtet schien alles in gewohnter Weise fortzubestehen. Die Mongolen holten sich hervorragende Künstler an den Hof, begannen allmählich Beamtenposten mit gebildeten Chinesen zu besetzen und richteten große Aufmerksamkeit auf den Wiederaufbau, der durch die Eroberungskriege zerstörten Städte. Die neuen glanzvollen Paläste und Tempel konnten dennoch nicht über den Verfall und die Verelendung des Landes hinweg täuschen. Die Zeit der Mongolenherrschaft ist gekennzeichnet von Niedergeschlagenheit, Hoffnungslosigkeit und Verzagtheit. In der Folge kam es zum allmählichen Nachlassen der großen geistigen Anstrengungen, die in der Song-Zeit (960-1279) 5 die emotionale schöpferische Grundlage der Poesie und Malerei bildeten. Der größte Teil der Maler, die nicht am mongolischen Hof wirken wollten, fanden Zuflucht in den Südprovinzen. Sie folgten jedoch nicht unmittelbar dem songzeitlichen Stil, vielmehr vereinten sie in ihren Werken Malweise und Handschrift von Künstlern verschiedener Zeiten und versuchten darin ihre Stimmungen und ihre Persönlichkeit auszudrücken. In bis dato unbekanntem Ausmaß verschmolz die Malerei mit der Kalligraphie. In der poetischen Aufschrift verbürgt sich ein geheimnisvoller Sinn, der die Symbolik des Werkes ergänzte und erschloss.
4 Ebd. S. 117.
5 H. Bräutigam und A. Eggebrecht (Hgg.), Katalog: Schätze Chinas aus Museen der DDR, Philipp von Zabern
Verlag, Mainz und Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim 1990, S. 40.
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Arbeit zitieren:
Sven Bluhm, 2005, Chang Hung 'Clearing after Snow on the Ling-yen Hills', München, GRIN Verlag GmbH
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