1 EINLEITUNG 4
2 DAS QUALITATIVE INTERVIEW 5
2.1 ALLGEMEINE CHARAKTERISIERUNG 6
2.1.1 METHODOLOGISCHE ASPEKTE 6
2.1.2 METHODISCH-TECHNISCHE ASPEKTE 8
2.2 FORMEN DES QUALITATIVEN INTERVIEWS 9
2.2.1 DAS NARRATIVE INTERVIEW 9
2.2.2 DAS PROBLEMZENTRIERTE INTERVIEW 10
2.2.3 WEITERE INTERVIEWFORMEN 12
2.3 DIE AUSWAHL DER ZU BEFRAGENDEN 13
2.4 DIE DATENERHEBUNG UND DATENAUFZEICHNUNG 14
2.5 DER LEITFADEN 15
2.6 DIE INTERVIEWSITUATION 15
2.7 DIE AUSWERTUNG UND ANALYSE 17
3 STEINER UND DIE WALDORFSCHULEN 20
3.1 HISTORISCHER KONTEXT 20
3.2 DIE ANTHROPOSOPHIE 21
3.2.1 RELIGIÖSE ELEMENTE 22
3.2.2 MENSCHLICHE ENTWICKLUNG 23
3.2.3 DIE TEMPERAMENTENLEHRE 24
3.3 DIE WALDORFPÄDAGOGIK 25
3.3.1 KUNST ALS PRINZIP 25
3.3.2 DER AUFBAU DES UNTERRICHTS 27
3.3.3 DER KLASSENLEHRER 28
2
4 KRITISCHE ASPEKTE DER WALDORFPÄDAGOGIK 30
4.1 ANTHROPOSOPHISCHE MEDIENKRITIK 31 4.2 DER UMGANG MIT RELIGION 32
4.3 TRADITIONELLE ROLLENKLISCHEES 36
4.4 LEISTUNGSASPEKT UND QUALITÄT DER BERUFS- BZW.
STUDIUMSVORBEREITUNG 38
5 VORÜBERLEGUNGEN ZUR AUSWAHL DER
INTERVIEWPARTNERINNEN UND DURCHFÜHRUNG DER
INTERVIEWS 40
6 LEITFADEN 41
7 EINZELVERLAUFSTABELLEN 44
7.1 EINZELVERLAUFSTABELLE - TRANSKRIPTION 1 44
7.2 EINZELVERLAUFSTABELLE - TRANSKRIPTION 2 53
8 INTERPRETATION 61
9 RESUMÉE 66
10 LITERATURVERZEICHNIS 67
11 ANHANG FEHLER! TEXTMARKE NICHT DEFINIERT.
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1 Einleitung
„Judenfeindlich, dogmatisch, altmodisch: Die Waldorfschulen geraten unter Beschuss. Was ist dran an den Vorwürfen, und wie gut sind Rudolf Steiners Schulen heute?“
Unter diesem Titel war am 17. August 2000 in der „Zeit“ (S. 29) ein Streitgespräch zwischen dem Anthroposophen Walter Hiller und dem Pädagogen Klaus Prange (Universität Tübingen) zu lesen. Waldorfpädagogik ist ein Thema, dass sowohl in den Medien als auch in der akademischen Diskussion seit Jahren aktuell ist und nichts an Brisanz verloren hat. Diese Auseinandersetzung wird hauptsächlich unter pädagogisch-theoretischer Perspektive geführt. Seltener zu finden sind Arbeiten, die sich auf die Praxis beziehen; diese beschäftigen sich mit der Sichtweise der Lehrenden. Diejenige der „Betroffenen“ - der SchülerInnen selbst -scheint kaum Aufmerksamkeit zu finden.
Die Perspektive derer, die die Waldorfschule fast fertig durchlaufen und seit der ersten Klasse von innen her erlebt haben, was Waldorfpädagogik ist, weckt unser besonderes Interesse und ist deswegen Thema dieser Arbeit. Wir arbeiten mit der Methode des qualitativen Interviews und stellen die zunächst vor. Im folgenden gehen wir kurz allgemein auf Rudolf Steiner und die Waldorfschulen ein und fassen anschließend einige der Aspekte zusammen, die immer wieder Anlass für Kritik geben. Der Leitfaden, der unsere Interviews strukturiert, lehnt sich an diese Punkte an. Tabellen, die den Verlauf der einzelnen Interviews darstellen, sowie die Interpretation schließen die Arbeit ab.
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2 Das Qualitative Interview
Die qualitative Sozialforschung ist eine komplexe Art der Forschung bei der das Verständnis im Vordergrund steht. Um Situationen und Ereignisse besser zu verstehen, bedient sich die qualitative Sozialforschung verschiedener Methoden. Hierzu gehören unter anderen die Gruppendiskussion, die Inhaltsanalyse, die teilnehmende Beobachtung, die Biografieforschung und das qualitative Interview. In der Praxis werden meist mehrere Methoden kombiniert um eine Forschungsfrage umfassend zu bearbeiten. Im Rahmen dieser Forschungsarbeit ist dies jedoch aus zeitlichen Gründen nicht möglich. Deshalb werden wir uns im Folgenden auf das qualitative Interview beschränken. In diesem ersten Teil der Forschungsarbeit soll das qualitative Interview als Methode qualitativer Sozialforschung beschrieben werden. Zunächst wird eine allgemeine Charakterisierung dieser Art des Interviews vorgenommen, wofür methodologische und methodisch-technische Aspekte aufgeführt und erklärt werden. Danach werden die verschiedenen Formen des qualitativen Interviews behandelt. Anschließend wird die Auswahl der zu Befragenden und die Datenerhebung und -aufzeichnung erläutert. Der nächste Punkt wird dann die sinnvolle Erstellung eines Leitfadens bilden, wonach die Interviewsituation thematisiert wird. Abschließend wird die Auswertung und Analyse der gewonnenen Informationen behandelt.
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2.1 Allgemeine Charakterisierung
Im Lexikon wird ein Interview mit einer „Befragung“ verglichen und bedeutet soviel wie eine „Unterredung (von Reportern) mit (führenden) Persönlichkeiten über Tagesfragen usw.“. (Duden, 1991, S.363) Diese Alltagsdefinition trifft für unseren Gebrauch des Interviews zwar nicht ganz zu, aber sie kann als Basis für eine erste Charakterisierung des qualitativen Interviews dienen. Das Wort „Befragung“ verweist auf den mündlich-persönlichen Charakter eines Interviews und deutet auf eine gewisse Asymmetrie hin: Eine Person stellt Fragen, die von einer anderen Person beantwortet werden. Nach Lamnek (1989) werden zusätzlich folgende Punkte als kennzeichnend für ein qualitatives Interview herausgestellt: die Nicht-Standardisierung des Interviews, die Offenheit der Fragen, der neutral bis weiche Interviewstil, die vermittelnde sowie ermittelnde Intention und die Beschränkung auf eine Einzelbefragung. Aus dieser ersten Charakterisierung ergeben sich mehrere Aspekte methodologischer, als auch methodisch-technischer Art, die allen Formen qualitativer Interviews gemeinsam sind. Diese werden im Folgenden näher erläutert.
2.1.1 Methodologische Aspekte
Unter methodologischen Aspekten versteht man die Grundprinzipien einer Methode. Beim qualitativen Interview stellen sich sieben Grundprinzipien als wichtig heraus.
Das qualitative Interview unterscheidet sich vom quantitativen Interview hauptsächlich im Grad der Standardisierung. Die quantitative Befragung könnte auch als mündlicher Fragebogen beschrieben werden für den es detaillierte
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Anweisungen jeglicher Art gibt, z. B. wird dem Befragten ein vorgefertigtes Antwortschema bereitgestellt um unerwartete Antworten auszuschließen. Das qualitative Interview hingegen wird nicht durch solche Vorgaben eingeschränkt, sondern beruht auf dem (1) Prinzip der Offenheit. Das heißt, dass der Forscher sich zurückhalten sollte, sich dem Befragten anpassen muss und die Strukturierung des Interviews dem Befragten überlassen. Direkt mit der Offenheit verknüpft, ist das (2) Prinzip der Flexibilität, welches besagt, dass der Forscher auf die individuellen Bedürfnisse des Befragten und die unterschiedlichen Situationen variabel eingehen muss. Damit eng verbunden ist das (3) Prinzip der Prozesshaftigkeit. Nur durch den Prozess werden Deutungs-und Handlungsmuster des Befragten ans Licht gebracht, mit denen weitergearbeitet werden kann.
Ein zweiter Unterschied zum quantitativen Interview ist die Situation in der geforscht wird. In der empirischen Forschung wird die Situation weitgehend kontrolliert um Störfaktoren auszuschalten. Im Gegensatz dazu wird beim qualitativen Interview so weit wie möglich versucht die Natürlichkeit der Situation nicht zu stören. Dieses (4) Prinzip der alltäglichen Situation wird durch das (5) Prinzip der Kommunikativität erreicht. Der Forscher kommt nur durch den persönlichen Dialog zu Ergebnissen. Dieser Dialog wird der Ebene (Sprachniveau, soziale Schicht) des Befragten angepasst.
Ein weiterer Unterschied zur quantitativen Befragung liegt in der Wirklichkeitsdefinition des Befragten. Beim quantitativen Interview wird die Wirklichkeitsdefinition, oder die Weltauffassungen, dem Befragten vom Forscher indirekt vorgegeben. Der Befragte muss sich den Annahmen des Forschers irgendwie anpassen, auch wenn diese Annahmen nicht geteilt werden. Beim qualitativen Interview hat der Befragte die Gelegenheit seine eigenen Auffassungen und „Wirklichkeiten“ mit einzubringen. Der Begriff (6) Prinzip der Relevanzsysteme der Betroffenen beschreibt diesen wichtigen Unterschied. Da diese Wirklichkeitsdefinitionen aber nicht automatisch erkennbar sind, müssen sie vom Befragten auch erklärt werden. Der Interviewer
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muss also Aussagen hinterfragen können, was in der Empirie nicht möglich ist. Dieses sogenannte (7) Prinzip der Explikation bedeutet, dass die Aufforderung zum Nachfragen gegeben ist und Aussagen näher erläutert werden können. (Lamnek, 1989)
2.1.2 Methodisch-technische Aspekte
Unter den methodisch-technischen Aspekten werden die Bedingungen zusammengefasst, welche für den erfolgreichen Ablauf eines qualitativen Interviews von Bedeutung sind. Diese Bedingungen ergeben sich aus den eben erwähnten methodologischen Aspekten.
Da das qualitative Interview auf Offenheit und Flexibilität beruht, müssen die Fragen diese Prinzipien wiederspiegeln. Die Fragen dürfen also nicht geschlossen sein, d.h. die Antworten dürfen kein vorgefertigtes Schema besitzen. Der Interviewer kann sich zwar an einem Leitfaden orientieren, muss diesen aber flexibel handhaben. Er darf nicht auf bestimmte Fragen oder eine bestimmte Reihenfolge von Fragen beharren. Er muss Ausschweifungen und auch Ausweichungen des Befragten akzeptieren und diese auch positiv werten. Eine solche Offenheit erfordert eine hohe Kompetenz des Interviewers. Eine weitere Bedingung für einen ungestörten Ablauf ist eine natürliche, alltägliche Umgebung, die Vertrauen und ein Gefühl des Alltäglichen erweckt. Nur so können Informationen erhalten werden, die zum wirklichen Verständnis eines Problems führen. Der Forscher muss also eine Atmosphäre schaffen, welche entspannt und freundschaftlich ist. Eine solche Atmosphäre lässt sich am einfachsten im Alltagsmilieu des Befragten herstellen. Da ein qualitatives Interview zeitlich nicht begrenzt ist und in dieser Zeit viele Informationen auf den Forscher zukommen, sollte das gesamte Interview auf Tonband oder Video aufgezeichnet werden.
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Diese Informationen können dann nach dem Interview in Ruhe analysiert und ausgewertet werden. (Lamnek, 1989)
2.2 Formen des Qualitativen Interviews
Das qualitative Interview wird von verschiedensten Forschern für verschiedenste Arten der Forschung verwendet. Das hat zur Folge, dass sich im Laufe der Zeit mehrere Formen des qualitativen Interviews entwickelt haben. Diese Formen besitzen Gemeinsamkeiten, welche im voranstehenden Kapital behandelt wurden, aber auch deutliche Unterschiede. In diesem Teil der Arbeit wird eine dieser Formen, das problemzentrierte Interview, herausgegriffen und erklärt. Um die Eigenschaften des problemzentrierten Interviews darzustellen, werden auch andere Formen des qualitativen Interviews zum Vergleich herangezogen.
2.2.1 Das Narrative Interview
Eine wichtige Form des qualitativen Interviews ist das narrative Interview. Es wurde vom Soziologen Fritz Schütze in den 70er Jahren entwickelt. Bei einem solchen Interview wird den Erzählungen des Befragten einen hohen Stellenwert beigemessen. Die „eigenerlebten Erfahrungen“ sollen, so Schütze, das Material für diese Erzählungen bilden. Diese Erzählungen besitzen zwei Vorteile gegenüber anderen Interviewformen:
(1) Durch die Erzählung wird die Handlungsstruktur des Befragten einfacher dargestellt. Bei einer solchen Art der Befragung kommt der Befragte in einen sogenannten Zugzwang der Detaillierung. Der Erzähler muss seine Geschichte
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logisch aufbauen und mit genügend Details ausstatten damit sie für den Zuhörer verständlich wird.
(2) Zusätzlich wird bei einer Erzählung rückblickend analysiert und interpretiert, was sie für die Lebenslauf- und Biografieforschung besonders eignet. Handlungen und Teilerzählungen müssen in die Erzählung als ganzes eingebettet werden und subjektive Ansichten erklärt werden. Durch diese Eigenschaften ermöglicht das narrative Interview eine realistische, logische Erklärung von Handlungen. (Lamnek, 1989)
Die Orientierung an Erzählungen bringt eine sehr offene Gesprächsführung mit sich, wobei die Fragen des Interviewers im Hintergrund stehen und der Erzählfluss das Interview leitet. Für ein solches Interview werden keine theoretischen Konzepte im Voraus erarbeitet. Diese werden im nachhinein auf den Ergebnissen des Interviews aufgebaut. (Lamnek, 1989)
2.2.2 Das Problemzentrierte Interview
1985 entwickelte Witzel das problemzentrierte Interview als Teil einer problemzentrierten Forschungstechnik, bei der das qualitative Interview mit einer Fallanalyse, einer biografischen Methode und einer Gruppendiskussion kombiniert wird. Für die Durchführung dieser Interviewart wird auf die Orientierung an einem bestimmten gesellschaftlichen Problem geachtet. Anzumerken ist auch, dass die Methode sehr flexibel ist, um sich dem Befragten anzupassen, d.h. dass für das problemzentrierte Interview der Prozess unentbehrlich ist. (Flick, 1995)
Diese Methode lebt im Gegensatz zum narrativen Interview von der Frage-Antwort-Asymmetrie. Diese Fragen werden, anders als beim narrativen Interview, im Voraus in einem Leitfaden zusammengestellt, welcher dann die Struktur des Interviews bis zum bestimmten Grad vorgibt.
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Er darf und soll jedoch flexibel sein. Ein problemzentriertes Interview ist also ein halb-standardisiertes Interview.
Witzels Methode unterscheidet sich von anderen Interviewformen auch darin, dass dem eigentlichen Interview Vor- und Nacharbeiten angehängt werden. Die Verwendung eines Kurzfragebogens zur Erfassung von demografischen Daten kann die eigentliche Interviewphase entlasten. Die Entwicklung eines Leitfadens ist als Gedächtnisstütze gedacht, was gerade einem unerfahrenen Interviewer die Arbeit erleichtert. Die Aufzeichnung des Interviews auf Tonband oder Video stammt auch von Witzel. Zusätzlich wird vom Interviewer ein Postskript erstellt, um wichtige (nonverbale) Informationen, die nicht im Tonband erscheinen, festzuhalten. (Flick, 1995)
Insgesamt ist zu erkennen, dass sich das problemzentrierte Interview in der Vorarbeit vom narrativen Interview abhebt. Beim problemzentrierten Interview beschäftigt sich der Forscher schon vor dem Interview mit der Problematik und entwickelt daraus seinen Leitfaden. Diese Vorbereitung ist der Vorbereitung auf ein quantitatives Interview sehr ähnlich, da hierfür z. B. Literaturrecherchen durchgenommen werden. (Lamnek, 1989, 74)
Das problemzentrierte Interview wird in vier Phasen aufgeteilt: 1. Gesprächseinstieg: Hierfür eignet sich eine allgemeine Frage, die das Thema einleitet und den Befragten zum Erzählen auffordert. (Lamnek, 1989) 2. Allgemeine Sondierung: Durch Nachfragen werden zusätzliche Informationen ermittelt. (Flick, 1995) 3. Spezifische Sondierung: Durch Zusammenfassungen und Interpretationen des Interviewers wird das Verständnis erhöht und Widersprüche beseitigt. (Flick, 1995)
4. Ad-hoc-Fragen: Abschließend können direkte Fragen gestellt werden um nicht bearbeitete Themenbereiche anzusprechen. (Lamnek, 1989)
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Diese Aufteilung stört die Offenheit des Interviews nicht, führt aber zu einer Situation in der bereits angesprochene Themen vom Forscher erneut aufgegriffen werden können. Es besteht auch die Möglichkeit Widersprüchlichkeiten oder Unklarheiten zu beseitigen.
2.2.3 Weitere Interviewformen
2.2.3.1 Das fokussierte Interview
Eine weitere Form des qualitativen Interviews, welche wie das problemzentrierte Interview auch halb-standardisiert ist, ist das fokussierte Interview. Merton und Kendall haben diese Form in den 40er Jahren entwickelt um die Wirkung von Medien zu erforschen. Wie beim problemzentrierten Interview wird auch hier ein Leitfaden zur Orientierung verwendet, jedoch ist die zu analysierende Situation eine andere. Die zu Befragenden werden alle einem Reiz (bei Merton und Kendall z. B. ein Film oder eine Radiosendung) ausgesetzt und anschließend zu diesem Reiz befragt. (Flick, 1995)
2.2.3.2 Das Tiefen- oder Intensivinterview
Das Tiefen- oder Intensivinterview wird hauptsächlich in der Psychoanalyse verwendet. Es unterscheidet sich von den bisher behandelten Interviewformen in dem die Deutung von Handlungen nicht allein beim Befragten liegt, sondern zum grossteil vom Interviewer übernommen wird. Das führt dazu, dass Motive und Einstellungen erklärt werden können, welche dem Befragten gar nicht bewusst sind. Diese Deutung wird aber auch in einer Art Alltagsgespräch vorgenommen. (Lamnek, 1989)
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2.2.3.3 Das rezeptive Interview
Das von Kleining (1988) vorgestellte rezeptive Interview ist von allen Formen das offenste und zugleich asymmetrischste. Bei dieser Interviewform wird, wie beim narrativen Interview, keine vorzeitige Beschäftigung mit einem Problem geleistet. Der Interviewer soll sich so weit wie möglich auf das Zuhören beschränken und den Befragten durch „nonverbale, zustimmende und ermunternde Reaktion“ (Lamnek, 1989) zum weitererzählen anregen. Durch die Einhaltung dieser Kriterien eignet sich das rezeptive Interview besonders für die Entdeckung neuer Gebiete. (Lamnek, 1989)
2.3 Die Auswahl der zu Befragenden
Nachdem die Form des Interviews feststeht, werden die zu Befragenden ausgewählt. Dieser Schritt ist für das Ausmaß an Ergebnissen entscheidend. Bei einem qualitativen Interview ist das Ziel, im Gegensatz zum quantitativen Interview, nicht die Verallgemeinerung der Ergebnisse. Also besitzt die Repräsentativität auch keinen sehr hohen Stellenwert. Hier geht es eher darum „typische Fälle“ zu untersuchen. Man versucht also nach den eigenen Fragen und Theorien einige „Typologien“ auszuwählen. Diese Art des „theoretical sampling“ stellt den Forscher aber vor die Fragen: Was ist denn ein typischer Fall? Ist meine Idee eines typischen Falls auch realistisch? Erst nachdem diese Fragen geklärt wurden, kann der Forscher mit der eigentlichen Wahl beginnen. Am einfachsten ist es natürlich immer Personen auszuwählen, welche zum Bekanntenkreis des Forschers gehören. Hier ergibt sich jedoch das Problem, dass gerade diese Personen für ein qualitatives Interview ungeeignet sind. Da oft persönliche Meinungen und intimer Gesprächsstoff das Interview prägen, ist es schwierig diese von einer Person zu erwarten, dessen Bekanntenkreis der Forscher kennt. Andererseits ist es
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nicht leicht fremde Menschen zu einem Interview zu bewegen. Um dieses Problem zu umgehen, kann der Mittelweg des Vermittlers hilfreich sein. Dabei vermittelt eine bekannte Person eine unbekannte an den Forscher. Dadurch wird Vertrauen erweckt, jedoch gleichzeitig eine gewisse Distanz eingehalten. (Lamnek, 1989)
2.4 Die Datenerhebung und Datenaufzeichnung
Die Datenerhebung bei einem qualitativen Interview erfolgt in einer vom Befragten ausgewählten Umgebung. D.h. also, dass die Umgebung eine vertraute ist in der er sich wohl fühlt und möglichst viele verwertbare Informationen liefert. Um den Informationsfluss zusätzlich anzuregen, sollte der Befragte vom Interviewer wie ein Experte behandelt werden, dessen Interview sehr wichtig und interessant für die Forschung ist. Der Forscher muss also flexibel sein, besonders was die Sprache betrifft. In einem qualitativen Interview wird das Sprachniveau des Befragten zur Verständigung benutzt. Die gewonnenen Daten müssen aber auch aufgezeichnet werden um eine spätere Interpretation und Kontrolle zu ermöglichen. Häufig wird ein qualitatives Interview auf Tonband aufgezeichnet, wobei eine Videoaufzeichnung weitere nicht-verbale Informationen liefern kann. Bei dem Einsatz von Tonband kann ein sogenanntes Postskriptum erstellt werden um diese nonverbalen Informationen festzuhalten. Die Verwendung solcher Aufzeichnungsgeräte ist für den Befragten sehr oft ungewohnt, weshalb sie nur mit dessen Einverständnis benutzt werden dürfen. Der Interviewer sollte auch versuchen das Aufzeichnungsgerät möglichst unauffällig im Hintergrund zu behalten, damit es im Laufe des Interviews in Vergessenheit gerät. (Lamnek, 1989)
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2.5 Der Leitfaden
Für die Durchführung eines qualitativen Interviews kann sich ein Leitfaden als nützliche Orientierungshilfe erweisen. Ein Leitfaden besteht aus vorab formulierten Fragen, die dem Interviewer als Gedächtnisstütze dienen. Anhand eines Leitfadens kann der Interviewer kontrollieren ob er die wichtigsten Bereiche im Interview abgedeckt hat und kann sich, wenn nötig, an der Gliederung des Leitfadens festhalten. Der Leitfaden soll jedoch nur als Hilfestellung dienen und nicht endgültig oder unveränderlich sein. Er muss also flexibel gehandhabt werden und im Idealfall wird er auch vergessen. Gerade bei einem problemzentrierten Interview sollte ein Leitfaden entwickelt werden um sich an die Problembereiche und dazugehörigen Fragen zu gewöhnen. (Kaufmann, 1999)
Bei der Erstellung eines Leitfadens sollten möglichst präzise Fragen formuliert werden und in eine logische Reihenfolge gebracht werden. Gedankensprünge sollten vermieden werden, da diese den zu Befragenden verunsichern können. Die ersten Fragen können für den Erfolg des Interviews maßgebend sein. Diese sollten kurz gehalten werden um „das Eis zu brechen“ und Vertrauen zu schaffen. Darauf folgen offenere Fragen, die tiefer liegende Einstellungen erforschen. Um einen solchen Leitfaden zu erstellen, sollten zunächst alle möglichen Fragen notiert werden. Anschließend werden sie dann sortiert. Zentrale Fragen werden herausgestellt und nebensächliche entfernt. Durch diese intensive Beschäftigung mit den Fragen kommt der Interviewer zu einer Präzision seiner Befragung. (Kaufmann, 1999)
2.6 Die Interviewsituation
Nachdem die zu Befragenden ausgewählt wurden, die Datenerhebung undaufzeichnung geklärt wurde und ein Leitfaden entwickelt wurde, kann mit der
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eigentlichen Arbeit des Interviewing begonnen werden. Ein qualitatives Interview zu führen ist nicht einfach und kann für den Interviewer sehr anstrengend sein. Deshalb gibt es einige Überlegungen, die versuchen diesen Prozess zu erleichtern und möglichst produktiv zu gestalten. Zunächst sollte dem Interviewer bewusst werden, dass das Ziel eines qualitativen Interviews, nämlich möglichst authentische Informationen zu sammeln, nur durch eine Art Alltagsgespräch erreicht werden kann. Die beiden Gesprächspartner sollen also weitgehend gleichberechtigt sein. Eine hierarchische Gesprächsführung ruft keine tiefergehenden Antworten hervor. Um diese „Hierarchie zu durchbrechen“ (Kaufmann, 1999) sollte durch den Interviewstil klar werden, dass der Befragte ein geschätzter Experte ist und wichtige Informationen liefern kann. Der Interviewer sollte sich also schon im Voraus klar machen wie er seinem Gesprächspartner dieses Gefühl vermittelt. (Kaufmann, 1999)
Eine zweite Überlegung betrifft die Fragen des Interviewers. Nur durch die richtige Frage im richtigen Moment kann das gewünschte Ergebnis erreicht werden. Natürlich ist es bei einem längeren qualitativen Interview aber nicht immer möglich dies zu tun. Um die richtige Frage stellen zu können muss der Interviewer genau wissen was bereits schon gesagt wurden, ob dieses im Widerspruch zu dem steht was eben gesagt wurde, ob sich vielleicht mehr hinter dem verbirgt was geäußert wurde. Kurz: der Interviewer darf den Überblick nicht verlieren. Falls er tatsächlich in die Situation kommt „hängen zu bleiben“, sollte er darauf vorbereitet sein. Er kann z. B. an dieser Stelle zu einer kurzen Pause überleiten, in der er besprochenes wiederholen kann und die Möglichkeit hat sich neu zu orientieren. (Hierfür kann sich der Leitfaden als besonders wichtig erweisen.) Er sollte sich nur vor dem Interview darüber Gedanken machen wie er eine solche Pause geschickt einleitet und auch wie er danach wieder das Interview einleitet. (Kaufmann, 1999) Andere Überlegungen betreffen die Art und Weise wie sich der Interviewer seinem Gesprächspartner gegenüber verhält. Für den Befragten muss offenkundig sein, dass der Interviewer ihn sympathisch findet und ihm deshalb
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seine gesamte Aufmerksamkeit widmet. Für den Interviewer bedeutet dies am Anfang des Interviews meist Interesse auch vortäuschen zu können. Im Laufe des Interviews sollte sich dieses vorgetäuschte Interesse jedoch in echtes Interesse umwandeln. Der Interviewer sollte zu dem auch Engagement auf dem jeweiligen Gebiet zeigen. Er kann, und soll, also eigene Meinungen und Reaktionen mit in das Gespräch einfließen lassen. Dadurch kann der Befragte den Interviewer einschätzen, was für Vertrauen sehr wichtig ist. In diesem Zusammenhang ist auch die Taktik beim qualitativen Interview zu berücksichtigen. Der Interviewer muss sich nicht unbedingt dem Befragten so zeigen wie er wirklich ist. Verstellungen können hier manchmal positive Auswirkungen haben, solange sie die Aussagen der Befragten nicht verändern, sondern nur ausführlichere Antworten hervorrufen. Z.B. kann der Interviewer vorgeben der gleichen Gruppe anzugehören wie der Befragte um dadurch näheres Vertrauen zu schaffen. Der Einsatz solcher Taktiken ist aber mit Vorsicht zu genießen. Insgesamt sollte der Interviewer im darüber Klaren sein wie er sich der anderen Person zeigt. (Kaufmann, 1999)
2.7 Die Auswertung und Analyse
Die Auswertung und Analyse der beim qualitativen Interview gewonnenen Daten ist der Schritt bei dem der Unterschied zum quantitativen Interview am deutlichsten wird. Hier werden Informationen nicht nur gezählt und notiert, sondern vor den verschiedenen Hintergründen der Befragten interpretiert. Bei dieser Art der Auswertung und Analyse verläuft die Arbeit in vier Phasen:
1. Phase: Die Transkription
Um überhaupt eine Interpretation zu ermöglichen, muss das meist sehr umfangreiche Material transkribiert werden, d. h. in eine schriftliche Form gebracht werden. Um alltagssprachliche Gesten wie Lachen, Pausen oder
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Räuspern in die Transkription einfließen zu lassen, müssen dafür Regeln erstellt werden. Nachdem das gesamte Material in eine lesbare Form gebracht wurde, sollte es noch mal mit der Originalaufnahme verglichen werden um Hörfehler zu verbessern. Dabei können demografische Daten (im Fragebogen erhoben) dem Transkript beigeführt werden.
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2. Phase: Die Einzelanalyse
Nachdem alle Interviews transkribiert wurden, beginnt die Analyse der einzelnen Interviews. Hierbei werden alle Nebensächlichkeiten aus dem Transkript entfernt. Anschließend werden die zentralen Aussagen der einzelnen Interviews hervorgehoben. Durch dieses Kürzen und Hervorheben entsteht eine gekürzte Transkription, die dann analysiert wird. Das Ergebnis dieser Analyse ist eine Charakterisierung der einzelnen Interviews.
3. Phase: Die Generalisierende Analyse
In diesem Schritt werden die einzelnen Analysen betrachtet und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet. Grundtendenzen und verschiedene Typen von Befragten können hier erläutert werden.
4. Phase: Die Kontrollphase
Bei diesem letzten Schritt werden die vollständigen Transkriptionen sowie die Originalaufnahmen noch mal herangezogen, damit Fehler bei der Interpretation verbessert werden können. Wenn im Team gearbeitet wird, dient der gegenseitige Austausch zur ständigen Kontrolle. (Lamnek, 1989)
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3 Steiner und die Waldorfschulen
Nachdem wir uns mit der methodologischen und methodischen Theorie dieser Arbeit beschäftigt haben, soll nun der thematische Hintergrund dargestellt werden, bzw. wir versuchen die Frage ‘Was ist Waldorfpädagogik?’ zu beantworten.
3.1 Historischer Kontext
Richtet man den Blick auf die Geschichte, so lässt sich feststellen, dass die erste ‘Freie Waldorfschule’ im Jahre 1919 gegründet wurde, also zu einem Zeitpunkt, als theoretische und praktische Reformpädagogik eine zentrale Stellung in der deutschen Pädagogik darstellten.
(Politik-)Geschichtlich fällt dieses Datum in die Nachkriegszeit des ersten Weltkrieges, also in eine Phase der gesellschaftlichen und sozialen Neuordnung, was in Hinblick auf drei Aspekte von besonderem Interesse ist:
1. Die Schulgründung geschah auf Initiative eines Unternehmers, nämlich Emil Molt, Direktor der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik. Sie ist also keine private Eliteschule, sondern (ursprünglich) für Kinder der Betriebsangehörigen gedacht; eine in gewissem Sinne sozialistische Komponente lässt sich also nicht leugnen.
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2. Der Einfluss der Idee der Rätedemokratie (die in dieser Zeit eine viel diskutierte und kurzfristig ja auch angewandte Staatsform darstellte) ist bis heute erkennbar, denn die beteiligten Individuen (von den Schülern abgesehen) - also Eltern und Lehrer stellen in den organisatorischen Gremien gleichberechtigte Partner dar, denen nicht hierarchisch ein Direktorium übergeordnet ist. Des weiteren erhält jeder Lehrer das gleiche Gehalt und die gleichen Sozialzulagen.
3. In der Eröffnungsrede am 7. September 1919 stellt sich ihr geistiger Vater, Rudolf Steiner, bewusst gegen den (spätestens seit der Industrialisierung) immer stärker werdenden Materialismus und stellt seine Schule gegen „Konsum“ und gegen die „Technisierung des Menschen“ (Steiner, 1919).
3.2 Die Anthroposophie
Was die Waldorfpädagogik relativ klar von anderen reformpädagogischen Richtungen unterscheidet, ist laut Ullrich (1986), dass sie eben nicht aus reformpädagogischer Bestrebung heraus entstand, und sie auch während und nach ihrer Etablierung nicht den Austausch mit anderen pädagogischen Strömungen suchte. Vielmehr entstand sie aus einer Weltanschauung heraus, und auch nur innerhalb derselben (begrenzte) Entwicklung stattfand: die Anthroposophie.
Wenn wir nun versuchen Anthroposophie (in ihrem Bezug zur Waldorfschule) zu umreißen, dann muss darauf hingewiesen werden, dass dies hier nur ansatzweise geschehen kann. Denn die bereits erwähnte, diesbezüglich zentrale Person, Rudolf Steiner, befasste sich sein gesamtes Leben mit dieser
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‘Geisteswissenschaft’ (nach der Gründung der ‘Anthroposophischen Gesellschaft’ 1902 explizit, davor schuf er innerhalb seiner philosophischen Studien und seiner Arbeiten als Vorsitzender der ‘Theosophischen Gesellschaft’ - deren Vorläufer - ihre Grundlagen), stellt aber nicht direkt den Zusammenhang zwischen seiner Pädagogik und der Anthroposophie dar. Das Verständnis erhellt sich ein wenig, wenn man von der herkömmlichen wissenschaftlichen Bedeutung des Begriffs ‘Geisteswissenschaft’ (Steiner verwendet diesen Ausdruck synonym zu Anthroposophie) absieht und in kritischen Schriften nach Erklärung sucht. So beschreibt sie z.B. Beckmannshagen (1984, S.23) als „hellseherisch gewonnene Anthropologie„, die mit Begriffen des Okkultismus und der Geheimwissenschaften„ arbeitet. Sie stellt also keine pädagogischen Methoden zur Verfügung, so der Waldorflehrer Lindenberg, sondern „eine Methode des Erkennens, eine Art Dinge, Verhältnisse und Menschen aufzufassen„ (1975, S.161). Durch die Auseinandersetzung mit der anthroposophischen Erkenntnistheorie gelange der Mensch zu der von Steiner immer wieder postulierten ‘wahren Menschenerkenntnis’. Oder anders ausgedrückt: Anthroposophie soll die Intuition der WaldorfpädagogInnen so weit geschult haben, dass dieser den jeweiligen Lebensplan bzw. die geistigen Anlagen seiner Zöglinge erfassen kann (Seitz & Hallwachs, 1996).
3.2.1 Religiöse Elemente
Auch wenn er Anthroposophie nicht als Religion verstanden wissen will (es gibt allerdings eine anthroposophische Abspaltung von der Kirche namens ‘Christengemeinde’), so beruft sich Steiner doch immer wieder auf das Christentum (vgl. 4.2).
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Darüber hinaus fließen Elemente fernöstlicher Kulturen, welche wohl an Steiner während seiner Mitgliedschaft in der Theosophischen Gesellschaft gelangten (Wehr, 1994), in sie mit ein. Zentral sind hier die Begriffe ‘Reinkarnation’ und ‘Karma’. Wie oben schon angedeutet, ist es also das Karma, das der Erzieher erahnen soll, um eben den Lebensplan des Kindes zu erfassen.
3.2.2 Menschliche Entwicklung
Das der 7-Jahresrhytmus für den menschlichen Organismus von Bedeutung ist lässt sich naturwissenschaftlich leicht nachweisen. Steiner geht jedoch weiter und ordnet die Ontologie vollständig in diesen Zyklus ein: Mit der Geburt kommt der ‘physische Leib’ zur Welt. In dieser Phase bestimmt das körperliche Wachstum einerseits, und „Nachahmung und Vorbild“ (Steiner, 1907, S.22) andererseits die kindliche Entwicklung. Mit dem Zahnwechsel, um das siebte Lebensjahr herum, findet die Geburt des ‘Ätherleibes’ statt; ab jetzt kommt es zur Herausbildung „der Neigungen, Gewohnheiten, des Charakters, der Elemente (vgl. 3.3.3). Das Ende der Geschlechtsreife (ca. 14-16 Jahre) markiert die Geburt des ‘Astralleibes’. Der junge Mensch erlangt nun die Fähigkeit zu Kritik- und Urteilsbildung.
Im vierten Jahrsiebt erhält der nun erwachsene Mensch sein eigenes ‘Ich’; davor war er noch mehr oder weniger durch Karma und andere Menschen fremdbestimmt (Kowal-Summek, 1993).
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3.2.3 Die Temperamentenlehre
Einen weiteren zentralen Punkt im anthroposophischen Menschenbild stellt die Temperamentenlehre (Kowal-Summek, 1993) dar, mit der sozusagen der persönlichkeitspsychologische Hintergrund geliefert wird. Auch hier greift Steiner auf Bekanntes zurück: Ihr Ursprung lässt sich bereits in der klassischen Antike finden, nämlich bei dem griechischen Arzt Hippocrates (um 440 v. Chr.); auch im Mittelalter und schließlich sogar in der akademischen Psychologie des 19. Jh. war sie das bedeutendste System zur Erklärung der menschlichen Persönlichkeit (danach verlor sie allerdings immer mehr an Bedeutung, da ihr Kritiker einerseits fehlende wissenschaftliche Nachweisbarkeit und andererseits ein deterministisches und unvollständiges Menschenbild vorwerfen). Im Prinzip lässt sich die Temperamentenlehre recht kurz beschreiben; sie geht davon aus, dass bei jedem Menschen einer der vier Körpersäfte Blut, Schleim, gelbe oder schwarze Galle vorherrscht und damit dessen Temperament und (weitestgehend) dessen Charakter bestimmt. Somit werden folgende vier Typen unterschieden:
-Sanguiniker (innerlich wenig stark, leicht abzulenken, oberflächlich, ...) -Phlegmatiker (innerlich wenig stark, ruhig bis faul, neigt zur Unbeweglichkeit, ...)
-Melancholiker (innerlich stark, tiefsinnig, Neigung zum Grübeln, ...) -Choleriker (innerlich stark, leicht erregbar, jähzornig, ...)
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3.3 Die Waldorfpädagogik
Die in der Literatur immer wieder auftauchende Besonderheiten der Waldorfpädagogik sind folgende:
-Erste Gesamtschule Deutschlands
-12 Schuljahre für alle
-Klassenlehrerprinzip (vgl. 3.3.4)
-Koedukation (vgl. 4.3)
-Epochenunterricht (vgl. 3.3.2)
-Keine Schulbücher (vgl. 3.3.1.2. / 4.1)
-Keine Zensuren / kein Sitzenbleiben (vgl. 4.4)
-Große Klassen (bis ca. 40 Schüler)
-Fremdsprachen ab erster Klasse
-Monatsfeier, Jahresfeste, Klassenspiele
-Ungewöhnliche Schularchitektur (vgl. 3.3.1.1)
3.3.1 Kunst als Prinzip
In der (anthroposophischen) Waldorfliteratur wird immer wieder die Bedeutung des ‘Künstlerischen’ betont. Ähnlich wie in der Kunsterziehungsbewegung um 1900 ist dies nicht nur bezogen auf gesonderte Fächer, sondern als umfassendes Erziehungsprinzip anzusehen (Lindenberg, 1975), sowohl ‘aktiv’ von den Schülern ausgehend (vgl. 3.3.1.2), als auch ‘passiv’ auf sie einwirkend (vgl. 3.3.1.1).
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3.3.1.1 Kunst und Natur zur Anregung der Sinne
Entsprechend der Interpretation Steiners die Sinne als ‚Tor zur Welt‘ anzusehen, spielen diese, ähnlich wie in der Montessoripädagogik, eine große Rolle; insofern werden Naturmaterialien und natürliche ‚Urformen‘ immer wieder in den Unterricht integriert, da dadurch Gelerntes einen persönlicheren und mit Empfindungen verbundenen Bezug zum Kind gewinnen würde. Auch die äußere und innere Erscheinung der Waldorfschulen, also Architektur, Raumgestaltung und Farbgebung lassen die große Bedeutung erahnen, die Steiner dem Unterrichtsrahmen zukommen lässt: (Möglichst) keine rechten Winkel, geschwungene und ‚lebendige‘ Formen, jedes Klassenzimmer in einer bestimmten (nach Anthroposophischer Auffassung der Entwicklung entsprechenden) Farbe, etc. .
3.3.1.2 Künstlerisches Lernen und Arbeiten
Besonders, wenn es um das Lernen und Arbeiten des Kindes geht spielt das ‚Künstlerische‘, oder wie in weiterem Sinne auch gesagt werden könnte die Eigenaktivität / das Handwerkliche, eine große Rolle. Das beste Beispiel stellt wohl die Lehrmittelgestaltung dar: Es existieren praktisch keine vorgefertigten Unterrichtsmaterialien, vielmehr liegt sie einerseits in der Hand des Klassenlehrers der vorträgt (ohne dabei selbst Medien - von der Tafel abgesehen - zu benutzen, man könnte fast behaupten, dass er selber das Medium ist), groß angelegte Tafelbilder entwirft, etc., andererseits bei den Schülern selbst, die die Tafelbilder übernehmen und weiter ausführen, ihr Klassenzimmer selbst gestalten (z.B. dem Epochenunterricht entsprechend, zur deutlicheren Veranschaulichung des dort behandelten Themas (vgl. 3.3.2) und oft mit Hilfe von Rhythmus und Musik lernen (Seitz & Hallwachs 1996)
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Schließlich ist aber auch eine große Zahl an ‚rein‘ künstlerischen-handwerklichen Fächern zu finden: Handarbeiten, Werken in den unteren Klassen und z.B. Buchbinden, Schnitzen in höheren Klassen und Musik und Eurythmie während der gesamten Schulzeit.
3.3.1.3 Eurythmieunterricht
Eine Art ‚Krönung‘ der künstlerischen Waldorf-Erziehung stellt die Eurythmie dar, daher sei sie an dieser Stelle noch extra erwähnt. Man könnte sie als eine Mischung aus Gymnastik, Tanz und Ausdruck beschreiben, die das Ziel hat Sprache und Ton durch menschliche Bewegung sichtbar zu machen. In der Kindheit stellt sie eher eine Spielform dar, bei der das Kind einfach nur Lust an Ausdruck durch Bewegung empfinden möge, mit der Zeit soll aber auch Geschicklichkeit und später, wenn z.B. eine Gruppendarbietung für eine Schulaufführung eingeübt wird, soziale Fertigkeiten erlernt werden.
3.3.2 Der Aufbau des Unterrichts
Nur wenige Fächer werden dem Stundenplan der Regelschule entsprechend unterrichtet, nämlich nur jene, die einer gewissen Regelmäßigkeit bedürfen wie Fremdsprachen, handwerkliche Fächer und z.B. Religion. Der Großteil des Lernstoffes wird durch den sogenannten ‚Epochenunterricht‘ vermittelt. Das bedeutet, dass bestimmte (Sub-) Fächer in einer Art Blockunterricht behandelt werden, also über einen bestimmten Zeitraum (ca. sechs Wochen) gibt es einen speziellen Themenschwerpunkt wie Schreiben, Rechnen, Geschichte aber auch Tierkunde oder Gartenbau (Seitz & Hallwachs, 1996).
Begründet wird der Epochenunterricht aus zwei Aspekten:
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1. Die Wissens- bzw. Fertigkeitsvermittlung soll interdisziplinär erfolgen, wodurch sowohl der Transfer zwischen den einzelnen Fächern verbessert würde, als auch Schüler, die mit bestimmten Disziplinen Probleme haben, vor einseitigen Misserfolgserlebnissen bewahrt würden. 2. Während der Epoche ist eine starke Konzentrierung auf das behandelte Thema möglich und an deren Ende könne das Gelernte ins „unbewusste Gedächtnis“ absinken, wo es „verarbeitet wird und nach einer Zeitspanne von mehreren Wochen plötzlich als Wissen und Fähigkeit dem Schüler zur Verfügung steht“ (Seitz & Hallwachs, 1996, S.151).
Es existiert allerdings kein festgelegter Fächerkanon für Waldorfschulen, Steiners Vorgaben dienen lediglich als Orientierungspunkte, denn auch er widerspricht sich selbst immer wieder (z.B. bei der Frage ‚ab welcher Klasse Latein / Griechisch?‘ und ‚Latein oder Griechisch zuerst?‘) (Kowal-Summek, 1993).
3.3.3 Der Klassenlehrer
Da der Klassenlehrer in der Waldorfpädagogik eine so zentrale Rolle spielt, wollen wir ihm an dieser Stelle einen eigenen Topos widmen. Im Gegensatz zur Regelschule beschränkt sich die Zeitspanne als Klassenlehrer für eine bestimmte Jahrgangsstufe nicht auf zwei Jahre, sondern in der Waldorfschule begleitet er sie die ersten acht Jahre ihrer Schullaufbahn. Diese Besonderheit können wir in Zusammenhang mit zentralen Punkten der Anthroposophie sehen. Denn diese Phase entspricht ja der Zeit der Herausbildung des Ätherleibes (vgl. 3.1.2), in der das Kind beginnt Gewohnheiten zu entwickeln und so Beständigkeit benötigt, die es von der „geliebten Autorität des Erziehers“ erhält (Seitz & Hallwachs, 1996, S.115).
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Aber auch Steiners geforderte ‘wahre Menschenerkenntnis‘ (vgl. 3.2) ist in dieser Idee wieder anzutreffen; wobei der Lehrer diese eben nicht nur vor seinem Berufsantritt im Allgemeinen gefunden haben sollte, sondern die er auch im Laufe der Zeit über den einzelnen Schüler gewinnen soll (Lindenberg, 1975). Als Hilfe hierbei dient ihm die schon in 3.1.3 beschriebene anthroposophische Temperamentenlehre. Der Klassenlehrer sollte möglichst bald das jeweilige Temperament der Kinder erkennen; nach dem homöopathischen Grundsatz ‚gleiches mit gleichem zu behandeln‘ versucht er danach sein Verhalten individuell auf das Kind anzupassen und gestaltet die Sitzordnung im Klassenzimmer in der Art, dass jeweils gleiche Temperamente nebeneinander sitzen (Seitz & Hallwachs 1996).
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4 Kritische Aspekte der Waldorfpädagogik
Aus den unterschiedlichsten Richtungen und den verschiedensten Motiven heraus ist in den letzten Jahren reichlich Kritik an den Konzepten der Waldorfpädagogik geäußert worden. Neben persönlichen „Abrechnungen“ ehemaliger WaldorfschülerInnen oder -lehrerInnen (vgl. z.B. Kayser & Wagemann, 1991; Rudolph, 1987) ist es vor allem die Erziehungswissenschaft, die der Pädagogik Steiners eine Reihe von Vorwürfen zu machen hat (z.B. Prange, 1985; Ullrich, 1986). Massiv angegriffen wurde die Waldorfpädagogik aber auch nicht zuletzt von den großen Kirchen; hier reicht die Bandbreite der Argumentation von eher moderaten Einschätzungen bis hin zu umfassenden „Warnschriften“ und „Kriegserklärungen“. WaldorflehrerInnen und
AnthroposophInnen haben ihrerseits nicht nur den eigenen Blick auf die Dinge dargelegt, sondern vereinzelt auch Stellung zu konkreten Schriften genommen; so beginnt sich allmählich ein Dialog anzukündigen (vgl. z.B. Altehage et al., 1992).
Es geht uns nun weder darum, die Kontroverse um die (konfessionellen vs. anthroposophischen) Auslegungen des Christentums im Einzelnen nachzuzeichnen, noch die Frage eines besser oder schlechter pädagogischer Eigenheiten der Waldorfschule gegenüber der „Regelschule“ zu entscheiden. Wir möchten aber einige der in kritischen Schriften genannten Aspekte aufgreifen und sie von einer anderen Seite her beleuchten: aus der Perspektive derer nämlich, die jahrelang diese Schule „von innen“ erlebt haben und nun, fast am Ende ihrer Waldorfzeit, zurückblicken können. Wie sehen SchülerInnen der Oberstufe, die elf, zwölf Jahre mit und in der Waldorfschule gelebt haben, ihre Schule? Welche Vorteile und welche Nachteile sehen sie für sich in ihrer (bzw. ihrer Eltern) Wahl dieser Schule? Verkürzt gesprochen also: Wie war / ist es, WaldorfschülerIn zu sein?
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Im folgenden möchten wir die von uns gewählten Aspekte, anhand derer wir den Leitfaden für unsere Interviews formulieren, vor dem Hintergrund der entsprechenden Literatur kurz darstellen. Es handelt sich ganz allgemein um Themen, mit denen an Waldorfschulen anders umgegangen wird als an Regelschulen, und die uns insofern für unsere Fragestellung besonders interessant erscheinen.
4.1 Anthroposophische Medienkritik
Wie bereits geschildert (vgl. 3.3.1.2), gibt es in Waldorfschulen nur wenig vorgefertigtes Unterrichtsmaterial; selbst die „klassischen“ Medien - Bücherwerden nur sparsam eingesetzt (vgl. Seitz & Hallwachs, 2000). Die schärfere Kritik allerdings trifft die neueren technischen Errungenschaften. Aus anthroposophischer Sicht führt bspw. Fernsehen zu Passivität statt Aktivität, zur Bindung an die materielle Welt statt in höhere (Patzlaff, 1988). Durch das Fernsehen, aber auch durch die unkritische Nutzung anderer Medien, würden unbewusst Botschaften unter Umgehung des Ichs aufgenommen, und gerade bei Kindern in dem Alter, in dem sich ein eigenes kritisches Urteilsvermögen und Wertesystem erst noch ausbilden muss, könnten so größte Schäden in der geistig-seelischen Entwicklung hervorgerufen werden. Zudem überwältige und betäube die Informationsüberflutung, wie sie heute durch die technische Erschlossenheit theoretisch aller Bereiche der Welt gegeben ist, die Wahrnehmung, und führe, da eine Verarbeitung damit nicht möglich ist, zu Oberflächlichkeit und Gleichgültigkeit (Patzlaff, 1988; Seitz & Hallwachs, 2000).
Aus diesen Gründen wird in Waldorfschulen ein weitgehender Medienverzicht praktiziert, wenigstens bis zur Pubertät finden Medien (außer wie gesagt vereinzelt Bücher) keine Verwendung im Unterricht, und auch die Eltern der SchülerInnen werden aufgefordert, Fernsehen, Kassettenrecorder etc. aus dem
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Umfeld ihrer Kinder fernzuhalten bzw. zu entfernen. Dieser bewusste Verzicht setzt außerdem, so die anthroposophische Erläuterung, Kräfte zur Eigenaktivität frei (Altehage et al., 1992).
Wie in den Jahren nach der Pubertät der Einsatz von Medien gehandhabt wird, hängt stark von der Prägung der jeweiligen Schule ab, hier existiert ein breites Spektrum von puritanischer Ablehnung bis zu liberalen Kollegien, für die die Verwendung von Overheadfolien, Videoaufzeichnungen oder PCs
selbstverständlich ist (vgl. Barz, 1996).
4.2 Der Umgang mit Religion
Einer der zentralsten Punkte in der Diskussion um die Waldorfschule ist ihr Umgang mit Religion. Kritik seitens der Kirchen bezieht sich, wie oben bereits angedeutet, hier vor allem auf die steiner´sche bzw. anthroposophische Art der Auslegung christlicher Glaubensinhalte. So geht es um Kernpunkte wie das Verständnis von Gnade und Erlösung (Selbstvervollkommnung vs. göttliche Erlösung), die Offenbarungsfrage (wissen vs. glauben) oder die Frage nach dem, was nach diesem Leben kommt (Lehre von Reinkarnation und Karma vs. Auferstehungslehre) (Barz, 1996).
Beiden, der kirchlichen Apologetik ebenso wie jener der Anthroposophie, so betont Weibring zu recht, ist mit Skepsis zu begegnen, da hinter beiden der absolute Anspruch einer zu glaubenden Heilsbotschaft steht, welcher nicht zuletzt die Erhaltung der eigenen Macht sichern soll.
Pädagogisch aber viel relevanter als diese Streitigkeiten erscheint die Tatsache, dass an Waldorfschulen Religion eine so große Rolle spielt wie wohl an kaum einer anderen Schule. Religion wird, ähnlich wie die Kunst, an
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Waldorfschulen nicht nur als Fach verstanden, sondern darüber hinaus als umfassendes Erziehungsprinzip. Steiners Absicht war eine allgemeinmenschliche Erziehung für das Religiöse, das allen Unterricht durchdringen soll (Altehage et al., 1992; Willmann, 1998).
Und wirklich erkennt man, wirft man einen Blick auf den Schulalltag, deutlich diesen „roten Faden“: Das beginnt mit den sogenannten “Morgensprüchen“, und geht weiter mit der Wahl des Erzählstoffes im Hauptunterricht, der u. a. reichlich Raum für christliche Legenden und Geschichten des Alten Testaments vorsieht, und der Eurythmie (vgl. 3.3.1.3), die neben ihren symboldidaktischen Eigenschaften in manchen ihrer Inhalte selbst eine religiöse und spirituelle Dimension hat und damit zu einer Art Propädeutik für religiöses Lernen und Verstehen wird (Willmann,1998). Nicht zu vergessen ist auch das Feiern des christlichen Jahreskreises - nicht nur die „normalen“, auch unbekanntere Feste, so bspw. die Michaelszeit, werden intensiv begangen (vgl. u. a. Barz, 1996; Weibring, 1998).
Neben dieser religiösen „Grundlage“ gibt es den Religionsunterricht im engeren Sinne an der Waldorfschule in vier verschiedenen Ausprägungen: Die evangelische und die katholische Kirche sowie die Christengemeinschaft erteilen ihren konfessionellen Religionsunterricht. Daneben gibt es den sogenannten „freien christlichen Religionsunterricht“, auf den wir im folgenden noch ausführlicher eingehen werden.
In diesem Zusammenhang ist es noch wichtig zu erwähnen, dass es an der Waldorfschule keine Möglichkeit der Abmeldung vom Religionsunterricht gibt. Anthroposophisch wird hier mit dem Verweis auf eine „wirkliche“ Religionsfreiheit argumentiert, welche nur dann gegeben sei, wenn sie auch die Möglichkeit, religiös zu werden, einschließe. Dazu aber dürfe eine frühe Pflege der religiösen Anlagen nicht versäumt werden (vgl. Carlgren, 1972).
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Als besonders interessant erscheint uns der „freie Religionsunterricht“, da dieser schon aufgrund seiner Stellung gegenüber den anderen Religionsunterrichtsformen eine Sonderrolle einnimmt - zwar steht auch er eigentlich außerhalb des allgemeinen Lehrplans (Carlgren, 1972), wird aber von WaldorflehrerInnen gegeben und ist schon dadurch stärker mit dem Schulganzen verflochten als dies bei den anderen Formen der Fall ist, deren Lehrkräfte einen exterritorialen Status haben (Weibring, 1998; Willmann, 1998). Auffallend sind zudem die Differenzen zwischen Schilderungen, die die Motive seiner Einführung betreffen. Meistens geht die Darstellung in die Richtung, dass der freie christliche Religionsunterricht für die konfessionslosen Kinder der Waldorf - Arbeiterschaft eingerichtet worden wäre. Vielmehr aber ist davon auszugehen, dass es eine anthroposophische Initiative war, die diesen Religionsunterricht hauptsächlich für Kinder anthroposophischer Eltern forderte. Bemerkenswerterweise sprach Steiner selbst von diesem auch nur als „freien Religionsunterricht“ oder „anthroposophischen Unterricht“, die heute gebräuchliche Bezeichnung kam erst später auf und wird erst seit etwa 1983 als feststehender Terminus geführt (Willmann, 1998).
Ziel dieses Unterrichts, so wird auch interessierten Eltern erklärt, eine christlichkonfessionslose Grundlage zu vermitteln, um damit den SchülerInnen spätere einsichtsvolle Stellungnahmen zu religiösen Fragen zu ermöglichen (Carlgren, 1972). Wie dies inhaltlich zu füllen ist, dazu hat Steiner teils detaillierte, teils skizzenhafte Anregungen gegeben; ein Blick in den Lehrplan zeigt in etwa folgendes:
In den ersten vier Klassen sollen Erzählungen religiöses Empfinden wecken und pflegen gegenüber dem Vatergott, dem Göttlichen in der Natur und hohen menschlichen Eigenschaften. Bis zur achten Klasse stellen sodann die Evangelien sowie Biographien historischer Persönlichkeiten vorbildlichen Lebenswandel vor die Augen der SchülerInnen. In den letzten Jahren folgen kirchen- und religionsgeschichtliche Schilderungen, wobei auch Raum für die Darstellung nicht-christlicher Religionen gegeben ist .
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Einmal pro Woche besteht außerdem das Angebot zur Teilnahme an einer von Steiner eingesetzten religiösen Handlung, zu der auch die Eltern der SchülerInnen des freien christlichen Religionsunterricht willkommen sind (vgl. Carlgren, 1972; Richter, 1995).
Auch wenn die Intention, eine ungebundene Auffassung des Christentums vermitteln zu wollen, respektiert werden muss, so bleibt das Fundament für diese „Freiheit“ und partiell auch die Inhalte doch anthroposophisch - und dies ist nach der Umbenennung des Unterrichts (s.o.), der übrigens von der Anthroposophischen Gesellschaft verantwortet wird, nicht mehr deutlich. Eine klarere Bezeichnung dieses Unterrichts, den - nach einer Umfrage des Bunds der freien Waldorfschulen von 1989 - mehr als ein Drittel der WaldorfschülerInnen besuchen, wäre also nicht nur aus Gründen der sachlichen Korrektheit, sondern auch zugunsten von mehr Transparenz angemessen (Willmann, 1998).
Offen bleibt insgesamt die vielfach aufgeworfene Frage, ob die Waldorfschule durch ihren Umgang mit Religion bzw. anthroposophisch gefärbten religiösen Inhalten eine Weltanschauungsschule ist, in deren Pädagogik sich Indoktrination verbirgt, oder aber, wie schon von Steiner immer wieder betont wurde, eine reine “Methodenschule“, in der die Schülerinnen zwar in den Genuss der anthroposophisch gestützten Methodik kämen, von Anthroposophie an sich aber unberührt blieben (vgl. z.B. Altehage et al., 1992; Weibring, 1998). Fähigkeiten zu wecken, indem die Persönlichkeit des Erwachsenen als Suchender erlebt wird, statt Überzeugungen zu überliefern (Altehage et al., 1992) - ob dieses hohe Ziel erreicht wird oder in gewisser Hinsicht doch Anthroposophie vermittelt wird, lässt sich wahrscheinlich letztlich nicht pauschal, sondern nur von Situation zu Situation, Mensch zu Mensch entscheiden und nachfragen.
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4.3 Traditionelle Rollenklischees
Der Umgang mit Rollenklischees und gesellschaftlichen Stereotypen zeigt sich an Waldorfschulen als in manchen Punkten problematisch (Weibring, 1998). Zunächst mutet es seltsam an, dass das überbrachte Ideal der intakten Kleinfamilie mit einer voll verfügbaren Person (sprich die Mutter) bei der Anmeldung eines Kindes an eine Waldorfschule - die ja nicht zuletzt auch von einem großen Eltern- resp. Mütterengagement lebt - immer noch häufig erwartet wird.
Als ein weiteres wäre die Frage nach der Koedukation zu nennen. (vgl. 3.3) Hält man sich den geschichtlich-gesellschaftlichen Hintergrund zu der Zeit vor Augen, als Steiner 1919 seine erste Waldorfschule gründete, so kann man nicht umhin, ihm volle Anerkennung zu zollen für seine Forderung und Verwirklichung der gemeinsamen Erziehung von Mädchen und Jungen, die in seiner Schule sogar zusammen Handarbeits- und Sportunterricht hatten/ haben. Heute allerdings stellt sich die Frage, ob - in Anbetracht der Erkenntnisse der Geschlechtererziehung - eine solche Praxis nicht überholt ist. Sicherlich ist man auch an Regelschulen in diesem Punkt noch nicht viel weiter, aber dort beginnt ein Nachdenken, während sich Waldorfschulen - nicht nur in diesem Punktden pädagogischen Erkenntnissen der letzten achtzig Jahre weitgehend verschließen und die Geschlechterfrage weiterhin ideologisch untermauern. Dieser Punkt schließlich, nämlich das Aufrechterhalten geschlechtsspezifischer Rollenklischees im Unterricht und Schulleben der Waldorfschule, verdient besondere Aufmerksamkeit. Ohne auf einzelne Beispiele eingehen zu können, seien doch einige Bereiche genannt, in denen Mädchen und Jungen auf sehr unterschiedliche Vorbilder und damit Möglichkeiten zur Identifikation treffen: Religiöse Inhalte wie beispielsweise das Vaterprinzip, das der Freie Christliche Religionsunterricht vermittelt, ohne weibliche Bilder daneben zu stellen, vor allem aber auch die zahlreichen Theaterstücke, die an Waldorfschulen von den SchülerInnen aufgeführt werden, sowie die sogenannten „Weihnachtsspiele“
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(Paradiesspiel, Christgeburtsspiel und Dreikönigsspiel), die alljährlich von der LehrerInnenschaft aufgeführt werden, sollen hiermit angesprochen sein. In den Rollenverteilungen solcher Stücke fällt einerseits die Polarisierung („Hure vs. Heilige“), andrerseits die Marginalisierung des Weiblichen auf: Mädchen haben oft unzeitgemäße oder negativ besetzte Rollen, oder spielen unbedeutende Nebenrollen. Dagegen wird das Männliche in einer größeren Variationsbreite dargestellt und bietet den Jungen attraktivere Identifikationsmöglichkeiten. Was die ehemalige Waldorfschülerin Charlotte Rudolph über die Beliebtheit der grimm´schen Märchen an der Schule zu sagen hat, trifft somit auch für viele andere verwendete Texte, die im christlichen Traditionsgut verankert sind, zu:
„Erstens sind sie streng patriarchalisch (...) die positiv geschilderten Frauen überwiegen demütig, schön, fleißig und hilflos, die Männer sind stark, mutig, tapfer, aktiv, redlich und intelligent. darauf können die später erzählten Legenden, Mythen und Sagen aufbauen und diese (bis dahin hoffentlich als “gut“ verinnerlichten) Eigenschaften als
Entwicklungsgeschichte der ganzen Menschen weiterleben lassen.“ (Rudolph, 1987, S.144f)
In Frage zu stellen ist nicht, dass man auch auf solche Quellen und Texte zurückgreift, aber wie die Verwendung solchen Materials aussieht, also konkret in welchen Umfang solche Texte gebraucht werden, ob dabei die Stereotype problematisiert oder evtl. angepasst werden, ob im gleichen Maße „moderne“ Texte verwendet und Stücke zur Aufführung gebracht werden und nicht zuletzt, was das unausgesprochene Interesse hinter dem Gebrauch von Stücken mit stereotypen Rollenmustern ist: Dienen sie einem besseren Geschichtsverständnis, oder findet durch die dahintersteckende Moral subtile Sozialisierung statt?
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4.4 Leistungsaspekt und Qualität der Berufs- bzw. Studiumsvorbereitung
Oft gestellt wird die Frage nach der Leistung an einer Schule, die ohne das System von Notenbeurteilung und Sitzenbleiben arbeitet. (vgl. 3.3)
Noten werden von Waldorfseite beurteilt als „pädagogisch gesehen systemimmanenter Defekt im heutigen Bildungswesen“ (AG freie Schulen, S.200).Die Wortbeurteilungen, die in Waldorfschulen an die Stelle der Noten treten, sowie die Zeugnissprüche, würden, so die anthroposophische Sicht, die Leistung(-sbereitschaft) nach dem jeweiligen Entwicklungsstand fordern und fördern; dem Druck, der dann mit der Abiturvorbereitung systemfremd von außen kommt, seien WaldorfschülerInnen entsprechend durch ihr gesundes Selbstbewusstsein und ihre kreativen Fähigkeiten gewachsen. Es bestünde also kein Anlass zu Prüfungssorgen, wenn regelmäßig mitgearbeitet wurde und der/die SchülerIn sich keiner Selbsttäuschung hingegeben habe (Altehage et al., 1992; Seitz&Hallwachs, 2000). Manche Berichte ehemaliger WaldorfschülerInnen oder -lehrerInnen lesen sich etwas anders; hier ist durchaus von der fehlenden Vorbereitung darauf, die eigenen Leistungen richtig einzuschätzen, sowie von plötzlich hereinbrechenden „Stress“ in der letzten Klasse die Rede (vgl. Weibring, 1998).
Auch die fehlende Differenzierung während der Schulzeit wird sehr unterschiedlich betrachtet: Anthroposophen sehen hier weniger Nachteile als vielmehr den Vorteil, Lernen als sozialen Prozess erleben und begreifen zu lernen (Altehage et al., 1992), während andere Schwierigkeiten in dieser Praxis sehen, zumal bei kognitiv begabteren Kindern (vgl. Weibring, 1998).
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Die praktische Vorbereitung auf eine spätere Berufsentscheidung bzw. -ausbildung scheint durch das breite Angebot an Praktika, die in den Lehrplan eingebunden sind bzw. den SchülerInnen der Oberstufe ermöglicht werden, recht gut; an einigen Schulen existiert darüber hinaus eine spezielle Oberstufendifferenzierung (z. B. Richtung Abitur, Fachabitur oder Gesellenprüfung) und/ oder das Angebot einer handwerklichen Ausbildung während der Schulzeit (Seitz&Hallwachs, 2000).
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5 Vorüberlegungen zur Auswahl der InterviewpartnerInnen und Durchführung der Interviews
Bei der Suche nach InterviewpartnerInnen für unsere Untersuchung war es uns zunächst wichtig, SchülerInnen zu befragen, welche schon einen Großteil ihrer Waldorfschulzeit hinter sich liegen, aber noch nicht die 13. Klasse besucht haben. Diese hat durch die Abiturvorbereitung einen ganz anderen Charakter als die ihr vorangehenden Jahre, und das, so war unsere Vermutung, könnte eventuell den Blick auf die gesamte Schulzeit verzerren.
Von den theoretischen Überlegungen zur Rolle des Religionsunterrichts sowie zur Frage der Geschlechterrollen ausgehend wählten wir ein Mädchen und einen Jungen aus, welche beide am freien christlichen Religionsunterrichts teilgenommen hatten. Beide waren seit der 1. Klasse auf Waldorfschulen gewesen, die eine in städtischer, der andere in ländlicher Umgebung. Entscheidend war hier für uns weniger der Stadt - Land Unterschied, sondern vielmehr ging es uns generell darum mit SchülerInnen zweier verschiedener Schulen zu sprechen. Denn aus der theoretischen Beschäftigung mit dem Thema deutlich geworden war, wie stark sich die Schulen voneinander unterscheiden können - etwa in puncto Umgang mit Medien oder anderen praxisrelevanten Fragen, deren Beantwortung mit der Ausrichtung der Schule (sehr anthroposophisch bis sehr liberal) zusammenhängt.
Die Interviews wurden gegen Ende des Schuljahrs bei den SchülerInnen zuhause geführt.
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6 Leitfaden
Der folgende Leitfaden sollte in seiner teilstrukturierten Form eine grundlegende Orientierung für das Führen der Interviews geben, aber dabei zugleich noch ausreichend Offenheit für den Gesprächsverlauf erlauben. So entsprechen die einzelnen Abschnitte des Leitfadens den
Themenschwerpunkten, die sich aus den theoretischen Überlegungen ergeben haben; die Einzelfragen/punkte haben wir dabei den Kriterien der Gesprächsführung gemäß (Eisbrecherfragen, etc.) umgeordnet bzw. ergänzt.
Vorstellungen, welcher Abschluss? - -... und danach (Traumberuf)? (wenn ja:) - wie daraufgekommen?
- schon mal ‚reingeschnuppert’?
(generell:)
- Angebot an der Schule (Berufsberatung / Praktika) Praktika irgendwie ausgewertet?
-
(z.B.Zeugnis)
-
Wiewerden bei euch an der Schule MEDIEN benutzt? - (Wo(Fächer)?, Welche?, Wie oft?) Wie nutzt du MEDIEN ansonsten? - (Freunde,zu Hause, Freizeit)
Hat sich das im Laufe der Zeit geändert? / Wie war das in den unteren - Klassen?
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• Hinweis auf andere Waldorfschulen
- Gänzlich „andere“ Fächer z. B. EURYTHMIE?
- Aber zusätzlich habt ihr schon noch SPORT?
Schuljahresende - gehört,viel THEATER in der Waldorfschule =>„Jahresabschlussaufführung“? generelle Erfahrungen mit Theater ? - (welcheRollen / Zufriedenheit)
-sonstige Feierlichkeiten zum Schuljahresende / -anfang? ( bei mir gab es immer Schluss- / Anfangsgottesdienst)
-generell: Religiöse Feste / Zeremonien ( „Sonntagshandlungen“)
-Warum warst du im freien Religionsunterricht? (Eltern, Freunde)?
-Wie sieht der eigentlich aus?
-Ist was hängengeblieben?
-Inwieweit hat dich der FU angesprochen - inhaltlich / persönlich?
-Was bedeutet für dich Religion? persönlich (nicht gesellschaftlich)?
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(Weltbild - Jenseits - Gottesbild) ( In diesem Kontext: Thema Beten)
-Schule- da gibt‘s die MORGENSPRÜCHE (Was bedeuten die für dich / Wie wirken die auf dich?)
-Fällt dir noch irgendwas ein? (Irgendwas vergessen vorhin?)
-Herzlichen Dank
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7 Einzelverlaufstabellen
7.1 Einzelverlaufstabelle - Transkription 1
Abschluss/ ich möchte bestimmt auf irgend eine Weise Abitur machen Berufsziel S.1,Z.11
Also erst mal möchte ich eigentlich ein freiwilliges soziales Jahr machen. S.3,Z.18
Ich möchte ehrlich schon gerne einfach studieren und [...] irgendwo ganz weit weg studieren S.1, Z.25
ich möchte irgendwie so mal ganz viel reisen und das tollst für mich wär’ wenn ich Ethnologie studieren könnte S.1, Z.37 Ne, ich bin immer ganz, ganz viel gereist, schon immer, mit meinen Eltern S.2, Z.11
Also [...] wir haben unsere Tagung jedes Jahr immer zu einem Thema [...] und dieses Jahr ist es Berufswege. [...] Und da sind ganz viele Vorträge und so und es ist sicher interessant. [...] Das ist für die Oberstufe. S.2, Z.21
Leistungsaspekt ich hab eigentlich lang hin und her überlegt ob ich jetzt gehen soll oder ob ich an unserer Schule bleiben soll weil’s halt bei uns irgendwie schon sehr stressig ist. Wird von allen Seiten gesagt, aber ich hab’ mich jetzt eigentlich doch entschieden zu bleiben auch weil das 12. Schuljahr noch irgendwie so schön ist [...] das ist dann schon Wert ist dann im 13. Jahr noch mal irgendwie wahnsinnig viel Arbeit zu haben [...]
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wenn man alles nachholen muss was man in den 12 Jahren irgendwie nicht getan hat S.1, Z.12
wenn’s Noten gäbe, dann hätte ich dieses Jahr sicher mehr getan S.24, Z.29
also ich fänd’s schon gut, wenn man irgendwie wirklich [...] gesagt kriegt, wie man [...] steht [...] dass man früher anfängt richtig ernsthaft zu lernen. Das wär schon besser glaub’ ich, einfach für’s Abitur. Weil’s einfach echt irgendwie sehr stressig wird und wir hören dann immer [...] das man ein Jahr wirklich nichts macht außer lernen. Wirklich gar nichts und dann einfach wahnsinnige Angst hat es überhaupt zu schaffen. S.24, Z.34 Also in Sport da kümmert sich eigentlich keiner drum irgendwie gut zu sein. S.11, Z. 20 Praktika Ich bin so froh, dass wir das gemacht haben. Also bei jedem. [...] und es war wirklich total interessant. Und ich glaube man lernt einfach so viel mehr wenn man einfach 2 Wochen lang irgendwas anderes macht als Schule und man gewinnt wirklich so viele Einblicke. [...] und man kommt dann ganz anders in die Schule zurück. S.2, Z. 32
ich glaub’ [...] das prägendste war das Sozialpraktikum. S.3, Z.6 bei dem sozialen Praktikum war das so: man kriegt ein Zeugnis von der Stelle [...] dann gibt es einen Berichtsabend [...] und also die Lehrer schauen dann [...] wie man sich da so verhalten hat. S.3, Z.23
Bewertung von der 1. bis zur 8. Klasse [...] unterrichtet alles der Klassenlehrer [...] und der schreibt einem ein ganz langes, schriftliches Zeugnis. [...] über das soziale Verhalten in der Klasse [...] was man gelernt
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hat und wie man sich weiter entwickelt hat und ob man seine Hausaufgaben gemacht hat. Aber halt auch noch viel mehr nicht nur ob man jetzt gut war oder nicht. [...] jetzt in der Oberstufe [...] kriegt [man] auch so ‘ne Beurteilung. [...] und es ist eigentlich schon mehr so wie ‘ne Note, also man kann eigentlich schon immer erkennen was es so für eine Note ist. S.3, Z.39 eigentlich ganz schön S.4, Z.21
ob das jetzt ‘ne Zahl ist oder ob das jetzt Sätze sind, ist kein Unterschied S.4, Z.34
(Zu Leistungswettbewerb und Noten:) Also jetzt machen wir das [ Zeugnisvergleich mit Nachbarn] schon. [...] das war bei uns auch gar nicht irgendwie, dass [...] jemand beliebter ist, wenn man irgendwie besser oder schlechter ist. S.24, Z.14 dass ist auch das gute an unserer Schule, [...] man kriegt halt nicht richtig Noten und dann macht’s eigentlich nichts, wenn man irgendwie mal nichts tut. Man wird einfach schlechter. Also man fällt nicht gleich durch oder so. S.24, Z.22
Medieneinsatz Wir schauen eigentlich selten irgendwie Filme an S.5, Z.35 früher sind wir manchmal [...] in’s Kino S.6, Z.1 also es gibt halt ein paar Eltern [...] die schon sehr anthroposophisch sind [...] die sehen das sehr ungern S.6, Z.7 Zeitung lesen tun sie z.B. in Geschichte S.6, Z.10 Also man hat ja keine Bücher. [...] und man erarbeitet sich eigentlich ziemlich viel selbst. [...] der Lehrer erzählt [...] was, [...] und dann schreiben wir mit und dann müssen wir halt selber einen Text dazu schreiben. S.6, Z.20
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dadurch, dass man es selber schreibt, ist es natürlich nicht so genau wie wenn man das jetzt aus Bücher lernt, sondern es hängt auch sehr von den Lehrern ab, wie viel die einem mitgeben oder auch nicht. ... Aber es ist auch schon ‘ne ganz interessante Art zu lernen, halt wenn man auch selber gleich irgendwas schreiben muss, dann ist das auch ein ganz anderer Ansatz als wenn man es jetzt nur liest und wenn du’s auswendig lernst. S.6, Z.31 Ich finde jetzt ist ein Moment gekommen wo’s eigentlich fast hinderlich ist [...] Wenn man da jetzt immer wieder irgendwelche kleinen Sachen [...] abmalen muss, dann ist das einfach leichter wenn man das im Buch hat [...] und es geht einfach zu viel Zeit verloren. S.6, Z.40
wenn der Lehrer irgendwas erzählt und dann sitzt man zu Hause und denkt dann: Wie war das genau? und dann schaut man immer wieder im Lexikon nach und weiß es nie so genau. S.7, Z.3 Also ich finde jetzt ist es irgendwann mal [...] einfach wichtig [...] dass man gründlich lernt [...] früher war’s [...] mehr, dass man den Ansatz findet und von Grund auf sich [...] mit dem Stoff so vertraut macht und da fand ich’s schon gut eigentlich. S.7, Z.7 Ja also, es wird irgendwie nicht sehr viel verschiedenes auch gemacht [...] der Unterricht läuft eigentlich immer gleich ab. S.7, Z.15
das ist mir jetzt gar nicht so aufgefallen, aber wenn du das so sagst, also wir machen sehr wenig. S.7, Z.38 also es ist dann oft auch z.B. so, dass [...] die Lehrer uns was für unsere Hefte diktieren, das ist dann halt einfach der Text aus Büchern [...] das ist dann [...] nur noch Zeitverschwendung S.8, Z.7
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wir kriegen auch ganz viele Kopien und z.B. in Latein haben wir ein ganz normales Lateinbuch S.8, Z.11
Eigener Aber ich durfte z.B. bis ich so irgendwie 11 war oder so jetzt nicht Medienkonsum so viel fernsehen S.8, Z.32
Also ich hab` eigentlich nie ferngesehen wo ich klein war. Und das find’ ich auch gut. Also das find ich wirklich gut S.8, Z.34 Das ist einfach nicht für die Entwicklung. S.8, Z.38 Also ich seh’ eigentlich wirklich nicht so wahnsinnig viel fern S.8, Z.39 Koedukation Also früher war das immer zusammen. Jetzt gibt es eigentlich eine Gruppe da sind nur Jungen und eine Gruppe da sind Mädchen und auch ein paar Jungen. Aber da sind glaub ich alle zufrieden. S.11, Z.26
Ja, also ich find’s jetzt [...] ganz gut auch weil das jetzt nicht mehr so viele (Jungen) sind. Ne, eigentlich ist es besser getrennt. S.12, Z.2
es ist irgendwie schon ein bisschen besser, weil dann kommen die Mädchen auch noch mehr zum Zuge. Ja, find ich eigentlich schon besser. S.12, Z.16
Auch die Mädchen haben Technologie und Computer. S.13, Z.13 Theater Das ist ganz, ganz wichtig bei uns an der Schule und es ist auch wirklich mit einer der Gründe wieso ich unsere Schule wirklich so schätz`. Es ist ganz, ganz toll.[...] Und das ist ganz, ganz toll. [...] und es ist einfach ganz, ganz toll und es wirklich `ne ganz wichtige Erfahrung und es schweißt die Klasse wirklich zusammen S.14, Z.9
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Eurythmie Das ist ganz kompliziert. S.9, Z.44
Das ist soviel. Und irgendwie [...] also eigentlich versteht das keiner genau. S.10, Z.6
alle Lehrer sagen eigentlich immer, wenn man irgendwie fragt was das jetzt ist, dann sagen sie ja man muss das für sich selber irgendwie rausfinden. Oder, ja, wenn man’s gescheit macht, dann nimmt man irgendwie mehr daraus mit S.10, Z.9
es ist zu gleichartig [...] nicht sehr individuell [...] ein bisschen zu eng S.10, Z.15
Irgendwie ein schwieriges Thema find` ich S.10, Z.22 Oder halt irgendwie was wir wirklich gerne machen als das was wir jetzt immer wieder gezwungen werden müssen zu machen. S.10, Z.27 (auf die Frage nach besserer Alternative) dann ist das auch `ne ganz gute Entspannung S.10, Z.41 Also [...] ich find’s schwierig weil ich kann mich wirklich nicht ganz begeistern S.11, Z.1 Religion in der Also es trifft sich [...] die ganze Klasse im Theater und dann Schule irgendwie das tollste ist [...] dass dann die ganze Schule ein Lied zusammen singt. (auf die Frage nach Monatsfeiern) S.17, Z.28 (Zum Freichristlichen Unterricht: ) Also das ist nicht so [...] dass wir jetzt im Unterricht irgendwie in irgendeiner Glaubensweise beeinflusst werden. S.18, Z11
das find ich auch ziemlich gut, wenn einem das so offen gelassen wird. S.20, Z.33
nicht das man da irgendwie sehr geprägt wird oder so. S.19, Z.4 weil schon irgendwie Anthroposophie ein bisschen christlich orientiert, also einfach Steiner war halt schon sehr christlich und das ist alles irgendwie schon sehr auf Christus fixiert, aber das hat
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eigentlich überhaupt nichts mit der Pädagogik zu tun. [...] wir lernen jetzt nicht die Anthroposophie in der Schule. [...] der Freie Christliche Religionsunterricht eigentlich am ehesten jetzt so wie Ethik oder so. S.18, Z.17
wir nehmen halt Religion, also verschiedene Religionen durch. [...] also halt so verschiedene Philosophen kann man durchnehmen [...] von der ersten bis zur fünften Klasse haben wir halt das alte Testament durchgenommen S.18, Z.25 Und meine Eltern haben mich da reingetan, weil ich weder evangelisch noch katholisch bin. S.20, Z.3
ich geh jetzt wahrscheinlich woanders hin weil sich das [...] auflöst. Wahrscheinlich in die Christengemeinschaft, weil das ist auch nicht so wahnsinnig anders. S.19, Z.34
Sonntagshandlungen [...] ich bin da manchmal hingegangen, aber man muss da auch nicht hingehen. [...] das ist halt ein bisschen wie so’n Gottesdienst. [...] Meine Eltern sind halt manchmal mit mir hingegangen. [...] vielleicht so wie wenn man manchmal in die Kirche geht [...] es hatte für mich nie irgendwie ’ne Wichtigkeit S.19, Z.38)
[...] man leiert ihn [den Morgenspruch] einfach irgendwie so runter und das ist eigentlich wirklich nicht so wie beten, sondern mehr so wie wenn man „Guten Morgen“ sagt oder so. Aber wenn man [...] auf den Spruch schaut, dann ist das eigentlich wie ein Gebet. S.22, Z.39
diese ganzen Rituale. [...] ich glaube schon, dass das wichtig ist [...] gerade für Kinder, aber auch jetzt [...] dass man ein Gefühl hat von gemeinsam irgendwas sprechen oder singen oder so. S.23, Z.3
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Eigene Ich glaub’ auf jeden Fall, dass es ganz sicher weitergeht. [...] dass Religiosität man mit den toten Menschen zusammen ist. S.21, Z.12 Ich glaub’ eigentlich ziemlich sicher an die Sachen die ich glaub’. [...] Aber es ist ganz wichtig zu glauben. S.21, Z.20 Ich glaub’ sehr an [...] eine wirklich irgendwie spirituelle Kraft, die eigentlich jede Religion hat. [...] ich bin mal in die Kirche gegangen an Weihnachten [...] es war irgendwie ein einschneidendes Erlebnis, weil ich [...] gespürt hab’, wie so viele Leute [...] glauben an irgendwie so viele Kraft, dann ist das einfach auch eine wahnsinnige Kraft, die daraus entsteht. S.21, Z.22 man sollte eigentlich, finde ich diese ganzen Differenzen überwinden [...] Aber vielleicht erst mal irgendwie [...] über so diese ganzen Grenzen so irgendwie so drüber zu schauen. S.S.21, Z. 32 mich faszinieren sehr viele Religionen S.21, Z.42 Ich glaub’ dass macht jeder, ja. [...] das hat wirklich gar nichts mit der Schule zu tun.S.22, Z.16 (auf die Frage, ob sie beten würde) Einschätzung Gerade die Schule in S. hat den Ruf, sehr wenig anthroposophisch der eigenen zu sein. S.23, Z.8 Schule
Es ist eigentlich immer so an unserer Schule, dass viele Sachen geplant werden und weil irgendwie zu wenig Leute da sind, die das organisieren, fällt das irgendwie nieder. S.11, Z.30 Aber das wichtigste ist irgendwie, dass die Lehrer einen Idealismus haben, mit dem sie irgendwie ihre Arbeit machen, weil wenn sie das nämlich nicht machen, dann passiert einfach zu wenig. S.25, Z.28
Es ist immer so ein wahnsinniges Chaos an der Schule S.27, Z.10
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Also es liegt halt echt an der Organisation [...] dass irgendwie keiner sich zuständig fühlt S.27, Z.27
Das ist alles irgendwie so chaotisch [...].Das liegt daran, dass [...] die Hälfte der Lehrer ist mehr jetzt so konservativ anthroposophischer Sicht und alles so kein Fernseher und bloß nicht irgendwie halt irgendwelche Erneuerungen oder so. Und die anderen machen halt ziemlich viele andere Sachen und das ist der eine Grund. S.28, Z.10
ich finde schon, dass irgendwie Waldorfschulen ’ne sehr gute Sache ist, aber es muss auch schon noch ziemlich viel geändert werden, damit es wirklich gut ist. S.27, Z.17
Vergleich -also in Mathe sind glaub’ ich gleich gut wie Gymnasium. Was Waldorfschule/ schon eigentlich auch wichtig ist zu sagen, weil uns immer wieder Staatsschule gesagt wird Waldorfschüler sind irgendwie, gerade in naturwissenschaftlichen Fächern, irgendwie so ziemlich hinterher S.4, Z.41
Es ist überhaupt kein Unterschied glaub ich. Echt. S.9, Z.6 (zum Medienkonsum)
gerade in unserem Alter sind wir überhaupt nicht anders jetzt als Schüler von anderen Schulen. Also wir dürfen die gleichen Sachen, wir machen auch die gleichen Sachen. Ich glaub wir haben vielleicht auch noch ein bisschen irgendwie einen anderen Horizont. S.9, Z.13
man sagt ja immer, dass man Waldorfschüler ganz gut so unterscheiden kann von anderen Schülern, allein so vom Äußeren. Ich weiß nicht ob dass stimmt, aber das ist so [...] ein Vorurteil. [...]. Also, ja, es stimmt schon. [...] Je älter man wird, gibt es schon sehr viele Leute, die irgendwie sehr eigen sind bei uns. Also [...]
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schon individueller, auch so von Kleidung und allem möglichem, Musikgeschmack S.9, Z.16
in der 10. Klasse fängt das [...] an, dass man sich halt ein bisschen mehr voneinander unterscheidet. [...] Gerade bei unserer Schule [...] schon extremer als jetzt an Gymnasien S.9, Z.26
7.2 Einzelverlaufstabelle - Transkription 2
Abschluss/ Also wie’s momentan aussieht streb ich das Abitur an. S.29, Z.13 Berufsziel
weil ich gern später mal [...] in der Filmbranche [...] arbeiten möchte S.29, Z.25
man hat [...] mit dem Abitur viele Möglichkeiten [...] das ist ein Hauptgrund. S.29, Z.28
ich kenn ein paar Freunde [...] die sind [...] schon älter und die arbeiten [...] seit Jahren beim Film S.29, Z.34 ja uns sonst film ich halt manchmal gern so und machen kleine Filme [...] z.B. [...] unser Zehntklassspiel [...] da hab ich dann so ‘n kleinen ‘Making of’ Film drüber gedreht S.29, Z.38
Leistungsaspekt aber Abitur, da muss man schon ziemlich viel lernen. S.29, Z.19
Praktika Ja, [...] da hab’ ich mich drauf gefreut, aber das ist dann leider nicht eingetroffen. S.30, Z.43 ( zum Handwerkspraktikum)
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Also sehr gute Eindrücke und ja denen hat’s allen gefallen und war einfach ‘ne gute Erfahrung mal mit, mit solchen Sachen umzugehen. [...] das viele jetzt auch im sozialen Bereich auch mal später arbeiten wollen. S.31, Z.3 (zum Sozialpraktikum)
Bewertung aber es jetzt nie so, [...] dass man daraus jetzt irgendwie beurteilt wird [...] wie man im Sport drauf sein muss S.36, Z.30 da ist eine Beschreibung [...] wie man sich jetzt im Sozialen so beschäftigt hat, ob man jetzt mit der Gruppe viel gearbeitet hat [...] man sich da jetzt gut einfinden konnte [...] aber nicht jetzt so individuell auf einen, so ganz knall hart S.36, Z.37 das Prinzip wie es an der Waldorf schule abläuft, ist ziemlich gut [...] man weiß [...] wie man steht [...] und der Lehrer weiß auf welchem Stand man ist S.36, Z.47 also ich seh’ das schon als Noten an S.37, Z.9 aber es ist nicht so, dass man wegen einer schlechten Note durchfallen kann oder so was. S.37, Z.7 es ist nicht dieser Notendruck da, trotz [...] das man Noten hat S.37, Z.12
Das ist ‘ne sehr gute Sache, ja. S.37, Z.20
Eher weniger [...] dieses Nachbarprinzip [...] „Was hast du jetzt für Noten?“ ... eigentlich gar nicht. Dadurch [...], dass man eben nur beurteilt wird [...] es wird nicht [...] so klar gesagt S.37, Z.40 Aber was schon immer da war [...] die Eltern lesen das einem vor zu Hause [...] dann war man natürlich schon immer nicht so gut. Aber eher von einem selber aus, und nicht im Vergleich zu, zu einem Klassenkameraden. S.38, Z.8
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Medieneinsatz Aber jetzt so speziell [...] das Medium irgendwie Fernsehen [...] ist eher selten. S.32, Z.3
die Lehrer [...] in den unteren Stufen [...] da wird man schon immer so ein bisschen, natürlich auch von den Eltern [...] mehr von diesem ganzen [...] ferngehalten, vor allem Fernsehen. Weil [...] nach deren [...] pädagogischer Regel [...] das eher nicht so gut ist [...] also mit dem Älterwerden schließt man sich dann eigentlich auch mehr und mehr davon ab. S.33, Z.8
Medien -z.B. geht man halt in diese Mediengeschichte rein [...] z.B. Metaebene Zeitungen [...] analysiert oder so was. Aber [...] dieses ganze Mediumzeug, Waldorfschule und Fernsehen und so was, [...] das wird schon immer sehr fraglich da irgendwie hingestellt S.31, Z.21 dass man erörtert was jetzt am Fernsehen gut ist oder so was. Aber es wird eher so in den Bereichen gehalten. S.32, Z.8
Eigener ich würd’ sagen, nicht das ich viel Fern schaue [...] dann schau ich Medienkonsum halt irgendwie Filme um, aber nicht jetzt irgendwie viel zu konsumieren, sondern um da einfach [...] in dieses Thema reinzugehen, um das zu verstehen, um das kennen zu lernen. S.32, Z.26
ich bin ein ... mittelklassiger Konsument. S.32, Z.38 Aber es ist, ist es, irgendwo ist es schon dann auch so, dass, dass diese Fernsehgeschichte und so was schon ... nicht so ganz dulden. [...] das ist einfach von dem Prinzip her [...] von diese ... pädagogischer Philosophie her, dass das einfach nicht so reinpasst ... weil das einfach im Laufe der Entwicklung [...] zu Störungen führen kann [...] Das ist auch ganz gut [...] dadurch hat
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man auch als Kind eigentlich nie so viel Fernsehen geschaut [...] muss ich sehr befürworten S.52, Z.35
Und selber, in dem Alter, klar, da kann man das, wie ich schon gesagt hab’, wenn man’s kann, ganz gut selbst einschätzen. Und das klappt eigentlich auch ganz gut. S.53, Z.21 es gibt natürlich schon Abende, da hockt man davor und zappt die ganze Zeit durch. Also so geht’s mir ab und zu mal und echt, ich frag dann: „Was soll denn das? Das ist ja ein Schmarren.“ Aber man kann trotzdem nicht aufhören. Also Fernsehen ... das ist schon ‘ne sehr komische Sache, die einen so irgendwie so in einen Bann zieht. S.53, Z.32
Koedukation Die können sich bei allem beteiligen, aber die Mädchen, es ist klar, die grenzen sich immer ein bisschen ab irgendwie in Sport und so was. S.38, Z.30
Aber Fußball gilt klar als irgendwie der Herrensport schlechthin und ... das können nur Jungs. S.38, Z.35
von Anfang an ist man mit Mädchen zusammen [...] Das ist einfach so. S.39, Z.3
Aber ich würd’ nicht sagen, dass ich jetzt mit denen nicht in einer Klasse sein wollte. Also das find ich schon angebracht. S.39, Z.7 grundsätzlich in den Bereichen, vor allem Naturwissenschaften, Mathematik und so, sind die Mädchen eher auch nicht so dabei. [...] Aber deswegen seh’ ich keinen Grund das zu trennen S.39, Z.22
Theater Und die Theaterzeit ist eine sehr gute Sache. [...] überhaupt, dass man die Möglichkeit hat, irgendwie was bühnenmäßig darzustellen, ist schon aufregend und eine sehr gute Erfahrung, die sehr viel
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Spaß bringt und die so lebenserfahrungsmäßig und von sonstigen anderen Sachen echt was bringt. S.39, Z.40
die Rollen [...] das der Lehre die einem zugeteilt hat, aber auch mit, unter anderem, Zusammenarbeit von Schülern. S.41, Z.16 dann waren die Schüler schon manchmal so nicht damit einverstanden. [...] Aber die mussten das dann eigentlich so machen. [...] und das war bei ziemlich vielen Rollen so S.41, Z.26 und manche wollten dann große Rollen haben und haben aber nur eine kleine Rolle gekriegt, konnten aber dann in ‘ner Doppelbesetzung eine kleine Rolle spielen. S.41, Z.34 Also von dem her [...] ist Theaterspielen auch für die Gemeinschaft und so was [...] sehr vorteilhaft, ja. S.45, Z.10
Eurythmie dass man [...] irgendwie von einer geistigen Tätigkeit eigentlich in die körperliche Tätigkeit übergeht. S.33, Z.34 ich muss auch ehrlich sagen, dass ich [...] die Theorie jetzt oder die Intension der Eurythmie [...] was die damit bewirken wollen, also richtig nicht verstanden hab S.33, Z.36 also jetzt kommt’s mir auch so vor, dass man Eurythmie macht um mal sich auch mal zu entspannen, um mal zwischendrin abzuschalten, um [...] auf ganz andere Sachen mal zu kommen als nur dauernd im Unterricht zu sitzen. S.33, Z.40 Also es ist so, in den früheren Klassen macht’s einfach Spaß [...] Und jetzt so ist man, ist man eher so auf ‘ner geistigen Ebene auch, aber da macht das einfach Spaß.S.35, Z.8 naja so 5., 6. Klase fängt das so an, dass man dann eigentlich so fragt, Hey, was ist denn das eigentlich? [...] Und es gibt auch heute noch Leute, also jetzt auch in unserer Klasse, die, die sagen ne, das bringt’s nicht und so. Das ist aber Ansichtssache S.35, Z.16
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Religion Man sitzt halt drin und kriegt da irgendwas vorgeführt und dann geht man wieder. Also so ganz ernst nimmt man das nicht. Und das berührt einen auch nicht oder so, das jetzt der Michaeli ist, weiß sowieso keiner um was es da eigentlich geht. Man sitzt einfach da und kriegt da was vorgetragen. S.46, Z.9 So, aber schon so mit dem Hauch, schon das die Idee schon da ist von Religion S.37, Z.4
also meine Eltern sind Buddhisten [...] klar, die wollten mich dann auch irgendwie in Ethikunterricht oder so was schicken [...] das gab’s zu der Zeit noch nicht so. S.47, Z.24 Und ich war am Anfang im Evangelischen Unterricht und da wurde ich einfach reingesetzt. S.47, Z.29
kurz war ich im Katholischen Unterricht [...] Das hat mir auch nicht so gut gefallen. S.47, Z.34
Und dann kamen wir irgendwie [...] auf den Frei Christlichen Unterricht und da war das so [...] der Unterricht, wo am wenigsten jetzt so dieses, dieses krasse Prinzip von Christentum S.47, Z.36 also es geht [...] am Anfang wird viel mit Heldengeschichten [...] das waren auch heilige Figuren, aber das wird in dem Sinn so dargestellt. S.48, Z.6
dann wurde [...] langsam auch so ein bisschen in so biblische Sachen eingeführt. Aber auch [...] nicht so intensiv, sondern so, dass man ein bisschen so bescheid weiß [...] also die versuchen einen nicht davon zu überzeugen [...] so wie das jetzt so eher in den anderen Religionsunterrichten irgendwie auch so schien [...] Das kann natürlich dann auch daran liegen, [...] das war dann 5., 6. Klasse [...] vielleicht ist das dann ganz anders, auch die Einstellung gegenüber dem Zeug. S.49, Z.13
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Ja, es [...] hat Gebetscharakter auf jeden Fall. [...] Auch christlich, ja, aber, aber es wird nicht so gemacht, als Gebet. Also es ist eher ‘ne Form, dass man eben bei, in der Waldorfschule sehr viel mit Sprache und so was gearbeitet wird. (zu den Morgensprüchen) S.50, Z.33
Sprache Also es ist eher ‘ne Form, dass man eben bei, in der Waldorfschule sehr viel mit Sprache und so was gearbeitet wird. S.50, Z.36 etliche und unzählige, abertausende Sprachübungen [...] ja, weil die so viel Wert drauf legen, dass man seine Sprache gut entwickelt. [...] und das wird da eben jahrelang eben ausgebildet S.51, Z.13
Fußball Es wird nie irgendwie Fußball gespielt [...] weil diese, die Waldorfpädagogen irgendwie davon ausgehen, dass das immer mit so ‘ner gewissen Aggressivität oder so was verbunden ist. [...] also in unserem Alter ist das sowie so klar, also wir müssen wissen was für uns richtig ist. [...] Wenn wir Bock haben Fußball zu spielen, dann spielen wir Fußball S.52, Z.3
Also ... wir schauen genauso fern wie ein Staatsschüler und, oder Vergleichgehen in’s Kino wie die Staatsschüler. S.32, Z.45 Waldorfschule/ Staatsschule
Dann wollte man auch immer Noten haben. Aber irgendwo wollte man sie auch nicht haben um irgendwie mithalten zu können, so Staatsschule und Waldorfschule ist irgendwie so was ganz stranges. S.37, Z.17
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man hört ja immer wieder die Gerüchte [...] im „Jetzt“ war ein guter Artikel über Vorurteile über Waldorfschüler. [...] Ja, was weiß ich, Waldorfschüler waschen sich nie die Haare, Waldorfschüler essen nur [...] Vollkornbrot [...] Und das war ganz nett weil diese Sachen schwirren einfach in der Luft, das ist klar. S.51, Z.37
Waldorfschulen Aber sonst ist eigentlich alles sehr frei. S.36, Z.28 - allgemein
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8 Interpretation
Beide InterviewpartnerInnen schätzen das waldorfpädagogische Prinzip der Notengebung. An den Verbalbeurteilungen werde der eigene Stand gut erkennbar, und letztlich entsprächen diese eigentlich Ziffernnoten. Dabei beeinflusst die schulische Leistung, wie sie sich im Zeugnis wiederspiegelt, bemerkenswerterweise nicht die soziale Rolle in der Klasse. Der fehlende Notendruck wird zwar überwiegend als positiv bewertet, kritisiert wird aber, dass es dadurch auch an einer frühzeitigen Abiturvorbereitung mangelt. Beide sprechen von dem Stress, den dies im Abiturvorbereitungsjahr zur Folge hat. EineR der InterviewpartnerInnen redet in diesem Zusammenhang sogar von großer Angst, die Prüfungen überhaupt zu bestehen. Dass sie das Abitur machen wollen, steht aber für beide fest. Motivation dafür scheinen vor allem relativ klare Studien/Berufswünsche zu sein, welche, so erklären beide, allerdings nicht von der Schule beeinflusst worden wären. Dass es Möglichkeiten zur beruflichen Orientierung und zu außerschulischen Erfahrungen z.B. in Form der Praktika gab, betrachten aber beide als sehr gut und berichten auch von MitschülerInnen, welche dadurch Impulse für ihre Berufswahl gewonnen haben.
Zum Thema Medieneinsatz haben wir beim Durcharbeiten der Transkription bemerkt, dass unsere Fragestellungen eindeutiger hätten sein können, und dass durch die Unklarheit des Begriffs Medien beide InterviewpartnerInnen zunächst einmal mehr die theoretische, also inhaltliche Beschäftigung mit Medien schilderten.
Im folgenden wurde aber auch deutlich, dass Medien zur Wissensvermittlung, wie bspw. Video, kaum benutzt werden, und auch Bücher nur selten zum Einsatz kommen. An deren Stelle treten zahlreiche Kopien, selbständiges
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Mitschreiben und das häufige Diktieren von Texten. Dieser Unterrichtsstil wird ambivalent beurteilt:
Einerseits wird diese andere Art, sich Stoff zu erarbeiten, als positiv und vor allem in den unteren Klassen hilfreich erachtet. Andrerseits wird aber auch deutlich, dass insbesondere in den oberen Klassen der Einsatz von mehr Büchern sinnvoll wäre. Das würde zum einen Zeit sparen und zum anderen Unsicherheiten vermeiden, die durch die unzureichende Fixierung des Lehrstoffs entstehen.
Was den privaten Medienkonsum - hier gingen unsere InterviewpartnerInnen vor allem auf das Thema Fernsehen ein - anbetrifft, halten sich beide für „normal“, machen aber den Eindruck eines sehr reflektierten Medienkonsums, was ja nicht unbedingt der „Norm“ im Sinne von Durchschnitt entspricht. Wir vermuten, dass diese Selbstverständnis mit ihrer eigenen Geschichte und den daraus erwachsenen Werten zusammenhängt. Beide berichten nämlich, dass sie schon als Kind sehr selten fernsehen durften, und erachten dies sowohl für sich selbst als auch allgemein für sehr positiv und gut, denn frühzeitiger, unkontrollierter Fernsehkonsum, so betonen sie übereinstimmend, störe die kindliche Entwicklung.
Wie erwartet werden Mädchen und Jungen an den Schulen unserer InterviewpartnerInnen in allen Fächern gemeinsam unterrichtet. Dies wird von ihr allerdings ganz anders wahrgenommen und bewertet als von ihm. Wir finden diesen Befund sehr interessant (vgl. dazu Einzelverlaufstabellen und Transkription); er ist aber nicht als waldorfspezifisch zu sehen - vielmehr entspricht er einfach allgemein dem, was zum Thema Koedukation diskutiert wird.
Eine Besonderheit der Waldorfschule ist es allerdings, auch im Sportunterricht Mädchen und Jungen nicht generell zu trennen. Die bemerkenswerten geschlechtsrollenspezifischen Unterschiede in den diesbezüglichen
Äußerungen stellen wir deswegen kurz einander gegenüber:
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Unserem Interviewpartner stellt sich die Situation - da er ja auch nicht negativ davon betroffen ist - nicht wirklich als problematisch dar. Sie hingegen nimmt die unterschiedliche Atmosphäre in gemischtem bzw. getrenntem Unterricht deutlich wahr und kommt zu dem Schluss, dass die getrennte Form ihr lieber ist.
An dieser Stelle ist also weiterhin die Frage, ob die scheinbare Gleichberechtigung in Form der Koedukation wirklich beiden Geschlechtern die gleichen Chancen einräumt oder ob nicht ein getrennter Unterricht gerade in Sport den Mädchen gerechter werden würde.
Geschlechtsrollenspezifische Aspekte beim Thema Theater, insbesondere bei der Rollenverteilung, konnten wir nicht ausmachen, unsere Fragen zu diesem Bereich fanden aber große Resonanz. Beide InterviewpartnerInnen zeigte sich sehr begeistert davon, an der Schule so viele Möglichkeiten zu haben, auf der Bühne etwas darzustellen. Sie werteten es als wichtige Erfahrung, die nicht nur viel Spaß, sondern auch eine Menge für die persönliche Entwicklung sowie die soziale Atmosphäre in der Klasse bringt.
Das Thema Eurythmie ist für beide InterviewpartnerInnen ein schwieriges, da sie deren Sinn nicht nachvollziehen können. Während er aber dennoch dem Ganzen eine positive Bedeutung für sich geben kann, indem er es als entspannendes Pendant zum ansonsten gleichförmigen Restunterricht betrachtet, ist ihr der Rahmen zu eng. Sie wünscht sich eher eine offenere, auch individuellere Alternative und schlägt z.B. Tanz vor.
Das Thema Umgang mit Religion bereitete uns im Vorfeld, sowie auch im Gespräch und in der Interpretation gewisse Schwierigkeiten. Da dieses aber ein zentraler Kritikpunkt und für uns eine spannende Frage ist, wollten wir es dennoch nicht außer Acht zu lassen. Unser Interesse galt, wie bereits geschildert (vgl. Kap. 4.2.) , der Frage nach dem "religiösen roten Faden" und
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inwieweit insbesondere der Freie christliche Religionsunterricht, aber auch die Pädagogik der Schule an sich Anthroposophie vermittelt. Der Lehrplan des freien christlichen Religionsunterrichts entspricht nach den Äußerungen unserer InterviewpartnerInnen dem, was wir theoretisch dargestellt haben, und scheint sich auch, wie bereits erwähnt, inhaltlich kaum vom christengemeinschaftlichen Unterricht zu unterscheiden. Zur Frage, inwieweit hier anthroposophische Inhalte transportiert werden, nimmt eineR unserer InterviewpartnerInnen interessanterweise ohne spezifisches Nachfragen eine defensive Haltung ein und betont, dass Anthroposophie an der Schule nicht Lehrstoff ist. Dass die "Idee von Religion" an der Schule vorhanden ist, bestätigen beide, aber während dies ihn relativ unberührt lässt, fasst sie von sich aus die Elemente des "Roten Fadens" unter dem Stichwort "Rituale" zusammen. Sie unterstreicht deren scheinbar inhaltsunabhängige Wichtigkeit für sich, aber auch für Kinder allgemein.
Beide InterviewpartnerInnen fühlen sich in religiösen Fragen nicht von der Schule beeinflusst. Die eigene Religiosität scheint für ihn im Moment kaum eine relevante Frage zu sein; sie wirkt bei diesem Thema um einiges reflektierter sowie auch emotional betroffener, hält dies aber bemerkenswerterweise für vollkommen normal.
Über unsere in der Theorie beschriebenen Themenschwerpunkte hinausgehend ist uns noch einiges aufgefallen.
Zum einen erwähnt unser Interviewpartner wie viel Wert auf Sprache gelegt wird und welche Vorbehalte die Waldorfpädagogik gegen das Fußballspielen hegt. Auf den Hintergrund zum anthroposophischen Umgang mit diesen Themen waren wir beim Lesen der Theorie gestoßen, hatten diese aber nicht in den Bereich unserer Fragestellungen aufgenommen. Insofern bemerkenswert fanden wir es, in spontanen Äußerungen mitgeteilt bekommen zu haben, inwieweit die der anthroposophischen Theorie entsprechenden Botschaften aufgenommen worden sind.
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Zum anderen schildert unsere Interviewpartnerin, das organisatorische Chaos an ihrer Schule, welches ihrer Meinung nach durch das Fehlen der klassischen hierarchischen Schulstruktur entsteht.
Von sich aus haben auch beide InterviewpartnerInnen sich als Waldorfschüler-Innen immer wieder mit den von ihnen sogenannten "normalen StaatsschülerInnen" verglichen. Sie sind sich der verschiedenen Vorurteile über WaldorfschülerInnen bewusst und wollen sich ins rechte Licht rücken. Einerseits betonen sie ihre Ebenbürtigkeit in puncto Leistung, andrerseits unterstreichen sie aber auch, dass sie doch etwas Besonderes sind, gerade in der individuellen Entwicklung.
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9 Resumée
Es ist dieses besondere Selbstverständnis und die im ganzen sehr positive Einschätzung ihrer Schulen, die hervorsticht, betrachtet man insgesamt die Gespräche mit unseren InterviewpartnerInnen.
Dabei wurde dennoch auch Kritik an einzelnen Punkten der Waldorfpädagogik laut. Als wichtige Themen bleiben hier unter anderem der Wunsch nach mehr Lehrmedien, die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Eurythmie oder das Empfinden mangelnder Schulorganisation festzuhalten. Auch bleibt die Frage offen, ob es für die Waldorfschulen noch sinnvoll ist, sich aus der Debatte um die Koedukation auszuklammern und diese einfach unhinterfragt weiter zu praktizieren.
Somit greifen die Aussagen unserer InterviewpartnerInnen Argumente beider Seiten der Diskussion um die Waldorfpädagogik auf, bestätigen aber keine der beiden vollständig.
Bedenkenswert ist also, von welchen Elementen ihrer Pädagogik sich die Waldorfschulen trennen müssten, um das Wertvolle und Besondere ihrer „Erziehungskunst“ voll zur Geltung zu bringen. Oder um es in den wunderbar konkreten Worten unserer Interviewpartnerin zu sagen:
„Ich find schon, dass irgendwie Waldorfschulen ’ne sehr gute Sache ist, aber es muss auch schon noch ziemlich viel geändert werden, damit es wirklich gut ist.“
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Jörn Killinger, 2000, Waldorfpädagogik aus SchülerInnensicht, München, GRIN Verlag GmbH
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