Zurecht wurde der amerikanische Spielfilm „Groundhog Day“ (USA, 1992) mit Bill Murray, Andie McDowell und Stephen Tobolowsky in den Hauptrollen und unter der Regie von Harold Raimis mit einem OSCAR für das beste Drehbuch ausgezeichnet.
Der oft gehörte Satz, ein Tag sei wie der andere, wurde hier zur wunderbaren Filmidee umgesetzt.
Was muss passieren, damit ein griesgrämiger Pessimist wirklich den Tag nutzt?
Wie ändert sich ein Mensch, wenn er seine selbstinszenierten Verantwortungen über den Haufen werfen darf? Jedes Jahr muss der zynische Wetterfrosch Phil (Bill Murray) zum sog. „Groundhog-Day“ nach Punxsatawney zum Murmeltierfest fahren; die Prognose des Nagers zeigt nämlich den weiteren Verlauf des Winters an. Aber in diesem Jahr ist etwas anders als sonst. Am nächsten Morgen wacht Phil nämlich wieder am Murmeltiertag auf und am anderen Morgen wieder und dann wieder und wieder. Alles, was er am Vortag gemacht hat, bleibt ohne Konsequenzen. Er ist in einer Zeitschleife gefangen, die er erst durchbrechen kann, wenn er ein anderer Mensch geworden ist. Zunächst kostet Phil die neu gewonnene Freiheit aus und treibt allerlei Schabernack und zynischen Unsinn. Irgendwann jedoch hat er auch davon genug und möchte sich entnervt und deprimiert das Leben nehmen. Da die vielen Selbstmordversuche allerdings auch nichts nutzen und Phil nach wie vor wieder am Morgen des Murmeltiertages aufwacht, versucht der Griesgram sich ernsthaft zu ändern und erlangt nach einigen Turbolenzen am Ende dabei sogar die Liebe seiner schönen Produzentin Rita (Andie McDowell) (www.film.de).
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Der Protagonist des Films hat es letztendlich relativ einfach. Er kann den immer selben, identischen Tag erleben und an sich arbeiten, sein Verhalten ausprobieren und variieren, bis ihm die optimale, intrinsische Verhaltensvariante gelingt, er sich von Grund auf ändert und schließlich an das Ziel seiner Wünsche kommt, nämlich von anderen Menschen akzeptiert und geschätzt zu werden.
Die Wirklichkeit ist leider, oder Pestalozzi-sei-Dank, anders. Allerdings, kaum ein Jugendlicher und Erwachsener begreift annähernd umfassend die soziale Komplexität und die sich darin permanent ändernden Wirkungszusammenhänge und -gefüge des schulischen Alltags. Hinzu kommt, dass emotionale Sicherheiten und Stabilitäten in diesen Zeiten emotionaler Beliebigkeiten und/oder
Skurrilitäten/Absurditäten (siehe z.B. Medienangebot an Verhaltensmodellen) häufig nur schwer auszumachen sind.
Jugendliche leben im schulischen Kontext in einer schier unübersehbaren Fülle an ständig variierenden und sich verändernden Beziehungsrechnungen, die abhängig sind von unüberschaubaren Variablen und Optionen. Diese bestimmen jedoch, offen oder verdeckt, hoch wirksam über schulischen Erfolg oder Misserfolg.
Die scheinbare Rettung („Oh, Narrenschiff, mein Rettungsboot!“) liegt in der Vereinfachung, in der Simplifizierung, in der Schwarz-WeißÜberzeichnung, in der Reduktion der Fremd- und Selbstwahrnehmung, in der Vernachlässigung, bis hin zur psycho-emotionaler Versteinerung auf allen Seiten.
In der Schule gefrieren Sachanforderungen und -strukturen häufig zu Scheinanforderungen und -strukturen, weil die herausfordernden, standardisierten und institutionalisierten Lern- und Übungsfelder für soziales/emotionales Lernen fehlen, bzw., mit allem Respekt vor dem Fach und den Lehrenden, „nur“ in „Werte und Normen“ thematisiert werden, so
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mal zwischendurch bearbeitet werden, oder in sog. „Verfügungsstunden“ verlagert werden.
Wem nützt die Erkenntnis einer perfekt gelösten mathematischen Gleichung, wenn ein basaler, lebensbedeutsamer Lösungsansatz, der Umgang mit anderen und sich selbst, als „Unbekannte“ in der schüler- und lehrereigenen emotionalen Lebensrechnung vernachlässigt wird, oder nur unzureichend unterrichtlichen Platz einnehmen darf? Was nützt dem Schüler eine sehr gute Beurteilung in Mathematik, wenn er sich schulisch und außerschulisch emotional und sozial „ungebildet“ bewegt? Wie viel Zeit-, Personal- und andere Ressourcen setzt Schule ein, um die oben beschriebenen Lernfelder anzubieten? Welche Chancen verpassen wir als Lehrkräfte, welche Chancen verpasst die Schule insgesamt, wenn es für die Möglichkeit des Erlernens der gegenseitigen Empathie kein Übungs-, Erprobungs- und Trainingsfeld gibt, wenn Selbst- und Fremdwahrnehmung nicht als elementare Schlüsselqualifikation wahrgenommen und als eigenständiges und integriertes Unterrichtsangebot stattfindet? Mangels Zeit, mangels Kompetenz und mangels pädagogischem Selbstbild erschöpfen sich im Unterricht pädagogische Interventionen häufig in einer „brillanten“ erwachsenenzentrierten, rückschauenden und rückwärtsgewandten „Würdigung“ und Bewertung des Schüler-Fehlverhaltens mit anschließendem Erziehungs- und Ordnungsmittel als scheinbar einzig maßgebende Konsequenz. „Was war los?“ „Was hast du gemacht?“ „Das war schlecht, als Konsequenz musst du....“ Kaum zu glauben, wie häufig dieser rückwärtsgewandte Satz in allen Schulformen täglich von Lehrerinnen und Lehrern in verschiedenen intervenierenden Kontexten benutzt wird. Kaum, dass[!Duden1] eine Schülerin oder ein Schüler dieser Interventionsstrategie widerspricht. Warum auch, das war immer so: wenn - dann! Das ist im Prinzip eine wirksame und altbewährte Methode (nebenbei: „Auge um Auge“ macht auf Dauer alle blind!).
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Arbeit zitieren:
Frieda Fredeweß Hagemann, 2003, Antizipationstraining für Jugendliche, München, GRIN Verlag GmbH
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