Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
1.1 Definitionen 2
1.1.1 Suggestion 2
1.1.2 Hypnose 3
2. Vom Exorzismus zum Mesmerismus 3
2.1 Johann Joseph Gassner 3
2.2 Gassner auf dem Prüfstand 4
2.3 Die Theorie des animalischen Magnetismus 4
3. Dr. Franz Anton Mesmer 5
3.1 Herkunft und Ausbildung 5
3.2 Die erste Magnetkur 6
3.3 Die Jahre in Paris 7
3.4 Mesmers Lebensabend 9
3.5 Nachwirkungen 10
4. Marquis de Puységur 10
5. Vom Mesmerismus zur Hypnose 11
6. Zusammenfassung 12
Literaturverzeichnis 13
1
1. Einleitung
Ziel dieser Arbeit soll es sein, einen Überblick über den Mesmerismus und dessen Begründer Dr. Franz Anton Mesmer zu geben, sowie die Verbindung des Mesmerismus zur modernen Hypnose hervorzuheben. Denn obwohl Hypnose oder Trancephänomene wahrscheinlich so alt wie die Menschheit sind 1 , soll gezeigt werden, warum sich die moderne Hypnose als Erbe des Mesmerismus versteht. Obwohl sich beide doch auf den ersten Blick sowohl in der Ausprägung der mit ihnen verbundenen Phänomene, der Erklärung dieser Phänomene und der jeweiligen Anwendung wesentlich voneinander unterscheiden.
1.1 Definitionen
Um ein bestimmtes Wissensgebiet ein- und gegen andere abzugrenzen, ist es immer sinnvoll, die wichtigsten Begriffe zu definieren. Bei den Bezeichnungen „Hypnose“ und „Suggestion“ erweist sich diese Absicht als recht schwierig. Der Grund für diese Schwierigkeiten besteht in der Vielzahl der schon vorhandenen Definitionen, die sich teilweise sehr voneinander unterscheiden oder sogar widersprechen. Um dieses Problem zu verdeutlichen habe ich einige Beispiele dieser verschiedenen Definitionen zusammengetragen.
1.1.1 Suggestion
Da die Hypnose nicht ohne Suggestion definiert werden kann, muss zuerst dieser Begriff geklärt werden. Hippolyte Bernheim sah die Suggestion als einen „psychischen Akt, durch welchen eine Vorstellung in ein fremdes Gehirn eingeführt und von diesem angenommen wird“. 2 Diese Aussage ist Sigmund Freud zu allgemein gehalten. Um den Unterschied zu anderen psychischen Beeinflussungen (z.B. Überredung, Belehrung) zu verdeutlichen und das Charakteristische der Suggestion hervorzuheben, lautet seine Definition folgendermaßen:
1 Es gibt z.B. Aufzeichnungen, die von Trance und Tempelschlaf in der Antike berichten. Der älteste schriftliche Nachweis ist der Demotisch-Magische Papyrus aus dem ersten Jahrhundert nach Christus. Es wird aber vermutet, dass sich diese Aufzeichnung auf noch ältere Quellen aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus bezieht. Hauptanliegen war es, über ein Medium mit der Götter- und Dämonenwelt in Kontakt zu treten, um so einen Blick in die Zukunft zu werfen. Vgl. Bongartz, Walter: Das Erbe des Mesmerismus: Die Hypnose. In: Franz Anton Mesmer und der Mesmerismus. Wissenschaft, Scharlatanerie, Poesie. Hrsg. Gereon Wolters. Konstanz: Universitätsverl. Konstanz, 1988, S. 41.
2 Freud, Sigmund: Bericht über einen Vortrag ›Über Hypnose und Suggestion‹. In: Gesammelte Werke. Nachtragsband. Hrsg. Angela Richards unter Mitwirkung von Ilse Grubrich-Simitis. S.Fischer Verl., 1987, S.166f.
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„die Suggestion bestehe darin, daß ein Gehirn eine ihm von außen dargebotene Vorstellung annimmt, ohne Kritik an ihr zu üben, obwohl es über das Materiale für diese Kritik verfügt.“ 3
1.1.2 Hypnose
Will man sich den Begriff der Hypnose verdeutlichen, wird es ähnlich schwierig. Während man in der Schule von Nancy die Hypnose als einen „besonderen psychischen Zustand, in dem die Suggerierbarkeit gesteigert ist“, 4 sieht und Freud klar feststellt, dass Hypnose durch Suggestion erzeugt wird, 5 geht Prof. Delboeuf (ein belgischer Arzt) sogar soweit zu behaupten: „Es gibt keine Hypnose, sondern nur verschiedene Arten und Grade der Suggerierbarkeit.“ 6
2. Vom Exorzismus zum Mesmerismus
Die eigentliche Geschichte der modernen Hypnose beginnt 1775. In diesem Jahr löst sich die Hypnose von ihrem mystisch-religiösem Hintergrund. Die Hauptrollen in diesem Wandlungsprozess spielen Johann Joseph Gassner (1727-1779), der katholischer Priester und Exorzist war und Dr. Franz Anton Mesmer (1734-1815). Er war Arzt und ein Verfechter naturwissenschaftlicher Prinzipien.
2.1 Johann Joseph Gassner
Johann Joseph Gassner wurde 1750 zum Priester geweiht und war seit 1758 Landpfarrer in einem kleinen Dorf der Ostschweiz. Nach einigen Jahren wurde er häufig von sehr heftigen Kopfschmerzen und Schwindelanfällen geplagt, die besonders stark vor der Predigt oder der Abnahme der Beichte auftraten. Dieser Umstand regte in ihm den Verdacht, dass die Beschwerden vom Teufel verursacht würden. Daraufhin bekämpfte Gassner seine Leiden mit den Riten des katholischen Exorzismus, was ihm auch gelang. Beschwerdefrei beschloss er, auch anderen Menschen mit Exorzismusgebeten zu helfen. Obwohl Gassner sehr erfolgreich exorzierte und beachtlichen Zulauf aus allen Schichten der Bevölkerung
3 Freud, Sigmund, a.a.O., S.167.
4 Freud, Sigmund, a.a.O., S.166.
5 Vgl. Freud, Sigmund, a.a.O., S. 168.
6 Freud, Sigmund, a.a.O., S.168.
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verzeichnen konnte, stand die katholische Kirche seinem Wirken eher misstrauisch gegenüber. Da man sich in der Zeit der Aufklärung befand, wurden übernatürliche Erklärungen abgelehnt, selbst in kirchlichen Kreisen. 7
2.2 Gassner auf dem Prüfstand
Im Spätherbst des Jahres 1775 berief der bayerische Kurfürst eine Kommission zur Untersuchung der exorzistischen Praktiken Gassners ein. Ein Mitglied dieser Kommission war Dr. Franz Anton Mesmer, der erst kurz zuvor viel Aufsehen mit einer neuen Hypothese, Mesmer bezeichnete sie als „Theorie vom animalischen (tierischen) Magnetismus“, erregt hatte. Durch exemplarische Vorführungen demonstrierte er der Untersuchungskommission, dass die Zuckungen und Krämpfe, die auch Gassner während seiner Exorzismen erzeugte, durch den tierischen Magnetismus hervorgerufen wurden und nichts mit dem Teufel oder den Exorzismen Gassners zu tun hatten. Mesmer war der Ansicht, dass Gassner, ohne es zu wissen, durch den tierischen Magnetismus heilte. 8 Nach diesem Ergebnis wurde Gassner in eine kleine Gemeinde versetzt 9 und seine exorzistische Praxis, auf Weisung des Kaisers Josef II. und des Papstes Pius VI., verboten. 10 Das bedeutete einen klaren Sieg der aufgeklärten Kreise, denen Mesmer angehörte, über religionsgebundene, traditionelle Kreise.
2.3 Die Theorie des animalischen Magnetismus
Diese neue Theorie besagte, dass das gesamte Universum von einer Kraft (bzw. einem Fluidum) durchströmt wird, dem animalischen Magnetismus. Dieser verbindet die Menschen, die Erde und die Himmelskörper miteinander. Eine ungünstige Verteilung oder Stockung der magnetischen Energie im Körper wäre die Ursache für die verschiedensten Krankheiten. Genesung könne man nur durch das Wiederherstellen des Gleichgewichts erreichen. Mesmer dachte, er könne mit Hilfe bestimmter Techniken das Fluidum kanalisieren, aufbewahren und anderen Personen übermitteln. Dafür nutzte er anfangs Magnete. Als er „entdeckte“, dass er genügend überschüssiges Fluidum besaß, verzichtete er auf Hilfsmittel. Er strich mit seinen Händen über den Körper des Kranken und erzeugte dadurch die
7 Vgl. Ellenberger, Henry F.: Die Entdeckung des Unbewussten. Geschichte und Entwicklung der dynamischen Psychiatrie von den Anfängen bis zu Janet, Freud, Adler und Jung. Zürich: Diogenes Verl., 1985, S.89-94.
8 Vgl. Tischner, Rudolf und Bittel, Karl: Mesmer und sein Problem. Magnetismus - Suggestion - Hypnose. Stuttgart: Hippokrates-Verl. Marquardt & Cie., 1941, S.63.
9 Vgl. Ellenberger, Henry F.: a.a.O., S.94.
10 Vgl. Tischner, Rudolf und Bittel, Karl: a.a.O., S.65.
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so genannte Krise. Diese äußerte sich vorwiegend in Krämpfen und Zuckungen und bewirkte schließlich die Neuverteilung der magnetischen Energie im Körper des Patienten. 11
Das gesamte System, das Mesmer 1779 in 27 Punkten darlegte, 12 dessen Begründer er war und um dessen wissenschaftliche Anerkennung er ein Leben lang kämpfte, wurde nach Mesmer benannt und als Mesmerismus bezeichnet.
3. Dr. Franz Anton Mesmer
„Immer entsteht geistige Tragik, wenn ein Fund genialer ist als sein
Finder, wenn ein Gedanke, den ein Künstler, ein Forscher faßt, ihm nicht faßbar wird und er ihn halbgestaltet aus den Händen lassen muß. So Mesmer ... Aber Fehlgänger, ist er doch immerhin Vorausgänger, Wegbahner und Zielbereiter, ... der als erster sichtbar die Gewalt der Suggestion mit einer zwar anfängerischen und umwegigen Praxis bewiesen, aber doch immerhin bewiesen gegen das Gelächter, den Hohn und die Verachtung einer bloß mechanischen Wissenschaft.“
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3.1 Herkunft und Ausbildung 14
Franz Anton Mesmer wurde am 23.Mai 1734 in Iznang am Bodensee geboren. Nach einer recht freien und naturverbundenen Kindheit, sein Vater war Förster und Jäger des Fürstbischofs zu Konstanz, erhält der 8-jährige den ersten Unterricht in der Dorfschule, später in einem nahe gelegenen Kloster. Nach einigen Jahren auf dem Jesuitenkolleg zu Konstanz erhält Mesmer ein fürstbischöfliches Stipendium für die Jesuitenuniversität in Dillingen, an der er dann in den Jahren 1750 bis 1754 für die Fächer „logici“, „metaphysici“ und „theologi“ eingeschrieben war. Während dieser Zeit soll sich Mesmer nebenbei noch mit Mathematik, Physik, Astronomie und Französisch beschäftigt haben. 1754 findet sich dann ein
11 Vgl. Ellenberger, Henry F.: a.a.O., S.102.
12 Vgl. Ellenberger, Henry F.: a.a.O., S. 102; Der Originaltitel der Arbeit lautet: Mesmer, Franz A.: Mémoire sur la découverte du Magnétisme Animal, Génève [u.a.] : Didot , 1779
13 Zweig, Stefan: Die Heilung durch den Geist. Mesmer - Mary Baker-Eddy - Freud. Hrsg. Knut Beck. Frankfurt am Main: S.Fischer Verl., 1982, S.119
14 Sämtliche in diesem Abschnitt genannten Lebensdaten sind folgenden Biographien Mesmers entnommen:
Bittel, Karl: Der berühmte Hr. Doct. Mesmer 1734-1815. Auf seinen Spuren am Bodensee, im Thurgau und in der Markgrafschaft Baden mit einigen neuen Beiträgen zur Mesmer-Forschung. Überlingen: Aug. Feyel 1939, S. 8f.; Tischner und Bittel, a.a.O., S. 21,22,24,26,28,30.
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Eintrag Mesmers in der theologischen Fakultät der Jesuitenuniversität in Ingolstadt. Da er aber später den Titel Dr. phil. trug (wobei nicht mehr nachvollzogen werden kann, wann und wo er promovierte), ist anzunehmen, dass Mesmer das Theologie-Studium abgebrochen und sich der Philosophie zugewandt hat. Im Jahre 1759 zog Mesmer nach Wien, um dort Medizin zu studieren. Nach seiner Promotion im Jahre 1766 15 ließ sich Mesmer als Arzt in Wien nieder.
Er heiratete im Januar 1768 die reiche Witwe Maria Anna von Posch. Sie lebten in einem großen Haus, in dem sich Mesmer neben seiner Praxis auch ein Laboratorium einrichtete. Die Mesmers galten als gastfreundlich und offen. Sie gaben große, beliebte Gesellschaften und schlossen Bekanntschaft mit vielen Künstlern (u.a. Mozart).
3.2 Die erste Magnetkur
Im Juni 1774 reiste ein Engländer durch Wien. Um seine Magenkrämpfe zu lindern, benötigte er einen künstlichen Stahlmagneten (in England war die Heilung mit Magneten zu dieser Zeit eine übliche Methode), den er von Maximilian Hell erhielt. Da Hell mit Mesmer bekannt war, erfuhr Mesmer von diesem Vorfall, was ihn zu einer ähnlichen Be-handlung der Jungfer Oesterlin anregte. Sie litt unter einer Reihe von Beschwerden (z.B. unter Krämpfen, Lähmungen, Erbrechen, Schwermut), die Mesmer seit zwei Jahren zu lindern versuchte. Durch die Anwendung der Magnete wurde seine Patientin geheilt, Mesmer hatte seine erste Magnetkur erfolgreich beendet. 16
Nach weiteren Behandlungen erschien im Januar 1775 eine Abhandlung über die Magnetkuren Mesmers, die er an alle Akademien der Wissenschaften in Europa sandte, im Glauben, eine bedeutende Entdeckung gemacht zu haben. Doch die erhoffte Anerkennung blieb aus. Einzig aus Berlin erhielt Mesmer eine Antwort.
15 Der Titel seiner Doktorarbeit lautete „Über den Einfluss der Planeten auf den menschlichen Körper“. Hier lässt sich schon Mesmers kosmisches Weltbild erkennen, das auch die Grundlage seiner späteren Lehre bildet. Vgl. Florey, Ernst: Franz Anton Mesmers magische Wissenschaft. In: Franz Anton Mesmer und der Mesmerismus. Wissenschaft, Scharlatanerie, Poesie. Hrsg. Gereon Wolters. Konstanz: Universitätsverl. Konstanz, 1988, S. 14.
16 Vgl. Tischner, Rudolf und Bittel, Karl: a.a.O., S.33-36.
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Daraus war zu entnehmen, dass die vermeintliche Entdeckung Mesmers nicht ernst genommen wurde und keine weiteren Untersuchungen zu seiner Theorie stattfinden würden. Doch Franz Anton Mesmer war überzeugt von seiner Idee. 17
3.3 Die Jahre in Paris
Nach dem Fall der blinden Musikerin Maria Theresia Paradis kehrte Mesmer Wien den Rücken. 18 Er nahm im Januar 1778 eine Postkutsche nach Paris, wo er im Februar 1778 eintraf. Zweck dieser Reise sollte die wissenschaftliche Anerkennung Mesmers und seiner Theorie vom animalischen Magnetismus sein. 19
Obwohl Mesmer von offizieller Seite sehr viel Ablehnung erfuhr, hatte er, aufgrund seiner zahlreichen Heilerfolge, umso größeren Zuspruch aus der Bevölkerung. Mesmer hatte teilweise so viele Patienten, dass es ihm nicht mehr möglich war, sie einzeln zu behandeln. Daraufhin erfand er eine Art Gruppentherapie am so genannten „baquet“ (magnetisches Pult). Das „baquet“ sollte das Fluidum sowohl speichern als auch konzentrieren und machte somit die Anwesenheit Mesmers nicht mehr unbedingt erforderlich. Es war eine Nachahmung der kürzlich erfundenen Leydener Flasche (bzw. Kleistschen Flasche), in der Elektrizität gespeichert werden konnte. Das „baquet“ bestand aus einem abgedeckten, hölzernen Zuber, der mit Glasscherben, Eisenstücken und Wasser gefüllt war. Aus dem Deckel ragten spitze Eisenstäbe und nasse Seile, die die Patienten berührten, um die magnetische Kraft Mesmers aufzunehmen. 20
Am 16. März 1784 berief der französische König Ludwig XVI. eine Untersuchungskommission ein, die sich aus fünf Mitgliedern der Akademie der Wissenschaften und vier
17 Vgl. Tischner, Rudolf und Bittel, Karl: a.a.O., S.39-41.
18 Diese Behandlung brachte Mesmer viel Ärger ein, der dann in Verleumdung umschlug. Das Fräulein
Paradis war eine Klavierspielerin, die trotz ihrer Blindheit sehr großen Ruhm erlangt hatte. Sie war ein Schützling der Kaiserin Maria Theresia, von der sie ein jährliches Gnadengehalt erhielt. Nachdem sie von den berühmtesten Ärzten Wiens aufgegeben wurde, kam sie zu Mesmer, der sie einer magnetischen Kur unterzog (bestehend aus mehreren Behandlungen). Daraufhin begann sie langsam wieder zu sehen. Da sie seit ihrer frühesten Kindheit blind war, verwechselte sie die Namen von Dingen oder wusste sie nicht sofort. Das nahmen Neider und Feinde Mesmers zum Anlass, zu behaupten, Maria Theresia Paradis sei noch immer blind, Mesmer habe sie nicht geheilt und seine magnetische Kur sei ein einziger Schwindel. Vgl. Kerner, Justinus: Franz Anton Mesmer aus Schwaben, Entdecker des thierischen Magnetismus. Erinnerungen an denselben, nebst Nachrichten von den letzten Jahren seines Lebens zu Meersburg am Bodensee. Frankfurt: Rütten, 1856, S. 61,62,69.
19 Vgl. Tischner, Rudolf und Bittel, Karl: a.a.O., S. 82,85,86.
20 Vgl. Florey, Ernst: a.a.O., S. 26.
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Mitgliedern der Medizinischen Fakultät zusammensetzte. 21 Eine weitere Kommission bildeten Mitglieder der Königlichen Medizinischen Gesellschaft. Es befanden sich einige berühmte Namen unter den Kommissaren, z.B. Lavoisier, Franklin und Guillotin. Die magnetischen Kuren sollten sowohl theoretisch als auch praktisch geprüft werden. Die Untersuchungen fanden im Hospital von d´Eslon (einem der vertrautesten Schüler Mesmers) statt. Dieser Umstand ließ Mesmer heftigst protestieren. Schließlich habe er den tierischen Magnetismus „entdeckt“ und deshalb sollten die entsprechenden Untersuchungen auch zuerst bei ihm erfolgen. Mesmer behauptete später, dass in diesem Fall das Ergebnis der Überprüfung ein anderes gewesen wäre. 22
Die Kommissionsmitglieder waren bei einer Magnetkur anwesend, die Behandlung blieb bei ihnen selbst ohne Resultat. Sie beobachteten aber unterschiedliche Reaktionen und Auswirkungen bei verschiedenen Patienten. Daraufhin führte die Kommission auch einige eigene Experimente durch. Im Ergebnis wurden die Heilerfolge der Einbildungskraft zugeschrieben. Damit war die Theorie Mesmers abgelehnt und für nichtig erklärt. Außerdem wurde sogar gewarnt, dass sowohl das Erzeugen als auch das Erfahren, sogar der bloße Anblick von Krisen der allgemeinen Gesundheit schaden könnten und überdies eine sittliche Gefährdung der weiblichen Patienten bestehen würde. 23
Noch während die Untersuchungskommissionen prüften, wuchs der Einfluss Mesmers ständig. In verschiedenen französischen Städten bildeten sich Vereinigungen, so genannte „Harmoniegesellschaften“, deren Ziel es war, die Lehre Mesmers anzuwenden und zu verbreiten. 24
Im Juli 1791 kehrte Mesmer nach Wien zurück, um nach dem Tod seiner Frau, ihre Hinterlassenschaft zu ordnen. 25
21 Die Königliche Kommission, die hier über Mesmer und seine Theorie entscheiden sollte, hatte schon in der Vergangenheit andere wichtige Entdeckungen oder Erfindungen verworfen und nicht anerkannt. So wurde z.B. der Blitzableiter, von Franklin erfunden, abgelehnt. Ebenso erging es Napoleon, der das Dampfschiff prüfen ließ. Er soll später zu dieser Entscheidung gesagt haben: „Wie dumm, dass ich nicht meinem eigenen Verstande, sondern der Weisheit der Akademie gefolgt bin!“. Vgl. Kerner, Justinus: a.a.O., S. 72f.
22 Vgl. Tischner, Rudolf und Bittel, Karl: a.a.O., S. 103.
23 Vgl. Tischner, Rudolf und Bittel, Karl: a.a.O., S. 105-108.
24 Vgl. Tischner, Rudolf und Bittel, Karl: a.a.O., S. 112.
25 Vgl. Tischner, Rudolf und Bittel, Karl: a.a.O., S. 131,132.
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3.4 Mesmers Lebensabend
Nach einem kurzen Aufenthalt in Paris wurde Mesmer im November 1793 in Wien verhaftet. Er stand unter Verdacht, ein Jakobiner zu sein. Nach seiner schnellen Entlassung im Dezember ließ er sich im Schweizer Kanton Thurgau nieder. Was genau er dort getan hat, ist nicht bekannt. 26
1799 kehrte Mesmer ein letztes Mal nach Paris zurück. Er hatte einen großen Teil seines Vermögens durch die französische Revolution verloren. Zum Ausgleich des Verlustes erhielt er eine staatliche Rente, von der er gut leben konnte. 27
Zwischen 1801 und 1815 zog Mesmer mehrmals um. Während dieser Zeit wird der Magnetismus in Preußen wieder entdeckt. Mesmer erfährt die erste offizielle Anerkennung seiner Arbeit durch den Mediziner Hufeland (seinerzeit die medizinische Koryphäe), der in einer Zeitschrift einen Artikel über Mesmers Leben schreibt. Mesmer erhält eine Einladung nach Berlin, die er ablehnt, da er sich zu alt für solch lange Reisen fühlt. 28
Doch das Interesse der preußischen Ärzte ist geweckt. Wieder wird eine Kommission zur Prüfung des animalischen Magnetismus einberufen. Ein Mitglied dieser Kommission ist der junge Arzt Wolfart. Da Mesmer nicht nach Berlin kommen will, wird Wolfart zum Studium des Magnetismus zu Mesmer geschickt. 29
Das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Mesmer und Wolfart liegt 1814 vor. Der „Mesmerismus“, ein Band mit 356 Seiten. 30
Am 05.März 1815 stirbt Dr. Franz Anton Mesmer in Meersburg.
26 Vgl. Tischner, Rudolf und Bittel, Karl: a.a.O., S. 133-138.
27 Vgl. Tischner, Rudolf und Bittel, Karl: a.a.O., S. 145.
28 Vgl. Tischner, Rudolf und Bittel, Karl: a.a.O., S. 147-155.
29 Vgl. Tischner, Rudolf und Bittel, Karl: a.a.O., S. 157-159.
30 Der Originaltitel lautet: Mesmer, Friedrich[!] A.: Mesmerismus oder System der Wechselwirkungen: Theorie und Anwendung des thierischen Magnetismus als die allgemeine Heilkunde zur Erhaltung des Menschen. Hrsg. K. Ch. Wolfart. Berlin: Nikolaische Buchhandlung, 1814. Vgl. Tischner, Rudolf und Bittel, Karl: a.a.O., S. 163.
9
3.5 Nachwirkungen
Dr. Wolfart errichtete ein magnetisches Spital in Berlin, um das Werk Mesmers weiterzuführen. Im Februar 1817 wurde Wolfart zum Professor ernannt. Damit gab es in Deutschland zwei Lehrstühle für Magnetismus, an den Universitäten in Berlin und Bonn. 31
Im August 1816 wurde das Ergebnis der preußischen Untersuchungskommission veröffentlicht. Darin wird bestätigt, dass eine bisher unbekannte Kraft Einfluss auf den Menschen ausübt und bestimmte Wirkungen verursacht. Damit erfüllte sich der Wunsch Mesmers nach einer wissenschaftlichen Anerkennung des physikalischen Fluids, um die er ein Leben lang gekämpft hatte - 17 Monate nach seinem Tod. 32
4. Marquis de Puységur 33
Durch die französische Revolution in der Entwicklung gestoppt, wurde die Bewegung des Mesmerismus um 1805 von Marquis de Puységur (1751-1825), einem Schüler Mesmers, wieder belebt. Puységur entstammte einer alten französischen Adelsfamilie und war Artillerieoffizier. Obwohl er kein Arzt war und sich aus reinem Interesse mit dem Mesmerismus befasste, gab er den entscheidenden Anstoß zur Wende in der Entwicklung des Mesmerismus.
Einer seiner ersten Patienten war Victor Race, ein junger Bauer, der im Dienst der Familie Puységurs stand. Als Victor magnetisiert wurde, zeigte er keine Krise im herkömmlichen Sinne mit Krämpfen und Zuckungen, sondern verfiel in einen seltsamen Schlafzustand. In diesem Zustand schien er wacher und bewusster zu sein, als im normalen Wachzustand. Weiterhin fiel auf, dass nach Beendigung der Krise auch keine Erinnerungen an diese vorhanden waren.
31 Vgl. Tischner, Rudolf und Bittel, Karl: a.a.O., S. 180-183.
32 Vgl. Tischner, Rudolf und Bittel, Karl: a.a.O., S. 184f.
33 Der Abschnitt über Marquis de Puységur beruht auf den Angaben von Ellenberger, Henry F.: a.a.O., S. 113-119.
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Puységur experimentierte, indem er diese Art der Krise sowohl bei Victor als auch bei anderen Patienten wiederholt hervorrief. Er machte schließlich diese ruhige Form der Krise bekannt, die er auch „vollkommene Krise“ nannte. Sie setzte sich in der Folge als typische Erscheinungsform durch. Ein weiterer Name dieses Zustands war „künstlicher Somnambulismus“, da er dem Zustand des Schlafwandelns (natürlicher Somnambulismus) sehr ähnlich war.
Bedingt durch den starken Zulauf setzte auch Puységur eine Kollektivbehandlung ein. Er übertrug seine „magnetische Kraft“ auf eine Ulme, die auf einem öffentlichen Platz in einem kleinen Dorf stand. In die Hauptäste und um den Stamm wurden Seile gehängt, die sich die Patienten um die erkrankten Körperteile wickelten.
Später erkannte Puységur, dass Mesmers Lehre vom Fluidum nichtig war. Seiner Meinung nach spielte der Wille des Magnetiseurs eine besonders große Rolle bei der Heilung.
5. Vom Mesmerismus zur Hypnose
Die Entwicklung des Magnetismus verläuft in verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich. Während Frankreich und Deutschland sehr schnell von der Welle der Begeisterung erfasst werden, stößt der Mesmerismus in England auf einen starken Widerstand. Dieser wird erst in den 40er Jahren des 19.Jahrhunderts von James Braid durchbrochen. 34
James Braid (1795-1860) wurde in Schottland geboren und arbeitete als Chirurg in Manchester. Angeregt durch Vorführungen des bekannten Magnetiseurs Lafontaine im November 1841, begann er, eigene Experimente durchzuführen. 35
Braid bezeichnete den Trance-Zustand als „nervösen Schlaf“, obgleich ihm klar war, dass er vom normalen Schlafzustand differenziert werden musste. Um jemanden in den „nervösen Schlaf“ zu versetzen, nutzte Braid die Fixationsmethode. Dazu hielt er einen kleinen glänzenden Gegenstand vor die Augen des Patienten, den dieser anstarren sollte.
34 Vgl. Ellenberger, Henry F.: a.a.O., S. 131.
35 Vgl. Gauld, Alan: A history of hypnotism, 1. paperback ed., Cambridge: Cambridge Univ. Press, 1995. p. 279-281.
11
Dieses Verfahren sollte zu einer Überanstrengung der Augen und einer erhöhten Konzentration der Aufmerksamkeit führen. 36
Braid lehnte Mesmers Theorie des Fluidums ab und suchte nach einer anderen Erklärung. Er führte die Hypnose auf den veränderten Zustand des Blutkreislaufes im Gehirn des Patienten zurück. 37
1843 erschien das Buch „Neurypnology or the rationale of nervous sleep, considered in relation with animal sleep“, in dem sich Braid einer neuen Terminologie bediente. So wurde in dieser Veröffentlichung die Bezeichnung „Hypnose“ als neuer Begriff geprägt, der sich in der Folgezeit durchsetzte und bis heute gehalten hat. 38
6. Zusammenfassung
Anhand der gezeigten Entwicklung kann man deutlich den Mesmerismus als den Ursprung der modernen Hypnose erkennen. Insbesondere 2 Gründe lassen diesen Schluss zu. Zum einen erfolgte durch Mesmer erstmals der Versuch einer naturwissenschaftlichen Erklärung der Trancephänomene. Mesmers Ansatz war zwar (wie wir heute wissen) ein falscher, doch selbst nach heutigem Erkenntnisstand kann noch nicht gesagt werden, wie Hypnose genau funktioniert. Zum anderen haben sich die hypnotischen Techniken aus den Techniken der Magnetiseure entwickelt. 39
Was mit einer Idee des Franz Anton Mesmer begann und durch verschiedene Persönlichkeiten weiterentwickelt und verbreitet wurde, ist heute eine nicht mehr wegzudenkende Methode der Behandlung von überwiegend psychosomatischen Störungen mit einer stetig wachsenden therapeutischen Bedeutung.
36 Vgl. Gauld, Alan: a.a.O., p. 281.
37 Vgl. Gauld, Alan: a.a.O., p. 281.
38 Vgl. Gauld, Alan: a.a.O., p. 281.
39 Vgl. Bongartz, Walter: a.a.O., S. 41f.
12
Literaturverzeichnis
Bittel, Karl: Der berühmte Hr. Doct. Mesmer 1734-1815. Auf seinen Spuren am Bodensee, im Thurgau und in der Markgrafschaft Baden mit einigen neuen Beiträgen zur Mesmer-Forschung. Überlingen: Aug. Feyel 1939.
Bongartz, Walter: Das Erbe des Mesmerismus: Die Hypnose. In: Franz Anton Mesmer und der Mesmerismus. Wissenschaft, Scharlatanerie, Poesie. Hrsg. Gereon Wolters. Konstanz: Universitätsverl. Konstanz, 1988, S. 41-54.
Ellenberger, Henry F.: Die Entdeckung des Unbewussten. Geschichte und Entwicklung der dynamischen Psychiatrie von den Anfängen bis zu Janet, Freud, Adler und Jung. Zürich: Diogenes Verl., 1985.
Florey, Ernst: Franz Anton Mesmers magische Wissenschaft. In: Franz Anton Mesmer und der Mesmerismus. Wissenschaft, Scharlatanerie, Poesie. Hrsg. Gereon Wolters. Konstanz: Universitätsverl. Konstanz, 1988, S. 11-40.
Freud, Sigmund: Bericht über einen Vortrag ›Über Hypnose und Suggestion‹. In: Gesammelte Werke. Nachtragsband. Hrsg. Angela Richards unter Mitwirkung von Ilse Grubrich-Simitis. S.Fischer Verl., 1987, S. 165-178.
Gauld, Alan: A history of hypnotism. 1. paperback ed., Cambridge: Cambridge Univ. Press, 1995.
Kerner, Justinus: Franz Anton Mesmer aus Schwaben, Entdecker des thierischen Magnetismus. Erinnerungen an denselben, nebst Nachrichten von den letzten Jahren seines Lebens zu Meersburg am Bodensee. Frankfurt: Rütten, 1856.
Tischner, Rudolf und Bittel, Karl: Mesmer und sein Problem. Magnetismus - Suggestion -Hypnose. Stuttgart: Hippokrates-Verl. Marquardt & Cie., 1941.
Wolters, Gereon (Hrsg.): Franz Anton Mesmer und der Mesmerismus. Wissenschaft, Scharlatanerie, Poesie. Konstanz: Universitätsverl. Konstanz, 1988.
Zweig, Stefan: Die Heilung durch den Geist. Mesmer - Mary Baker-Eddy - Freud. Hrsg. Knut Beck. Frankfurt am Main: S.Fischer Verl., 1982.
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Silvia Dalke, 2004, Mesmerismus: Ursprung der modernen Hypnose, München, GRIN Verlag GmbH
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eine sehr gute kurze Einführung in den Mesmerismus, kompliment...
Mesmer muss man wohl als Heilkünstler auch ansehen, er war auch ein guter Musiker, spielte
einige Instrumente, u.a. die Glasharmonika,
Ritter von Gluck(Komponist) ermunterte Mesmer,
weiterhin auf der Glasharmonika nur zu improvisieren, sein Spiel wäre von grosser Wirkung, also ist Mesmer auch Musiktherapeut
gewesen...
am Monday, September 15, 2008-
Markus Brüggenolte
Dass die Autorin meint, Mesmers Doktortitel Dr. phil. ließe vermuten, dass er Philosophie studiert habe, scheint mir fraglich, da Dr. phil. heute - und vieleicht auch schon damals - einen Doktortitel verschiedener Geisteswissenschaften (Philologie, Geschichte etc.) bezeichnen kann.
Mit freundlichem Gruß
Markus Brggenolte
am Monday, January 31, 2011-