Inhaltsverzeichnis
1. Inklusive und exklusive Identitäten- eine Einleitung 1
2. Nationen 2-4
2.1. Allgemeines zum Begriff „Nation“
2.2. Ebenen des Begriffs "Nation"
2.3. Die moderne Nation- Definition
3. Die nationale Identität- Definition 3-4
3.1. Bestandteile der nationalen Identität
3.2. wichtige Merkmale der nationalen Identität
4. Nationalismus- Definition 4-5
4.1. Hauptmerkmal der Nationalismus
4.2. Der Doppelcharakter des Nationalismus und sein Einfluss auf die nationale
Identit ät
5. Unterschiede zwischen inklusiven und exklusiver Identitäten: Deutschland und
Frankreich im Vergleich 5-6
6. Die Kopftuchdebatte 6-9
6.1. die öffentliche Kritik
6.2. der Fall Ludin
6.3. „entscheidend ist, was im und nicht was auf dem Kopf ist “ - ein Fazit
7. Hintergründe 9- 10
8. Schlussfolgerung 10- 11
9. Literatur 12
1. Einleitung
Diese Seminararbeit behandelt den Wandel und die Unterschiede der nationalen Identität am Beispiel von Deutschland und Frankreich. Sie setzt sich außerdem auch mit der Frage nach den Ursachen und Konsequenzen dieses Wandels auseinander.
Eine Frage, die in der Nationalismus und nationale Identitätsforschung immer wieder auftaucht, bestimmt das Feld des vorliegenden Themas: In wie weit wird die nationale Identität beeinflusst und welche Faktoren tragen dazu bei?
Ein solches Thema wird allerdings ohne bestimmte Voraussetzungen von Grundbegriffen der Nation und des Nationalismus nicht auskommen, weil das Verständnis der nationalen Identität ohne das Verständnis von Nation undenkbar ist und weil der Nationalismus bei dem Wandel der nationalen Identität eine entscheidende Rolle spielt. Deshalb werden auch Grundlagen für die Analyse von Zusammenhängen zwischen Nationalismus, nationaler Identität und Nation erarbeitet. Dazu gehört ihre Begriffserklärung, die Erläuterung ihrer Merkmale und- wie schon erwähnt- die Unterschiede und die Faktoren, die zu dem Wandel der nationalen Identität in Deutschland und Frankreich, beigetragen haben. Ich habe mich entschlossen, den Unterschied in der Einwanderungspolitik zwischen Deutschland und Frankreich wegen zwei Gründen zu analysieren: erstens haben diese Länder bis im Jahr 1999 eine- von einander- völlig verschiedene Einwanderungspolitik betrieben. Dieser Unterschied wird im ersten Beispiel erläutert. Die Gemeinsamkeiten zwischen der deutschen und französischen nationalen Identität, werden anhand des zweiten Beispiels behandelt, wobei damit auch der Wandel dieser Identitäten festgestellt und analysiert wird. Das zentrale Ziel dieser Seminararbeit sind somit die Zusammenhänge zwischen Nation, Nationalismus und nationale Identität festzustellen.
Die Recherchen für diese Seminararbeit beziehen sich auf zwei Hauptquellen. Ein Teil der Informationen, die für diese Seminararbeit erforderlich waren, kommen von zwei Kapitel aus dem Buch „ Am Rande Europas? „ vom Dr. Jerzy Mackow, der Professor für vergleichende Politikwissenschaft im Institut für Politikwissenschaft an der Universität Regensburg ist. In diesem Buch behandelt Pr. Mackow die Geschichte der Entstehung und Entwicklung der Nationen, der Zivilgesellschaft und die außenpolitische Integration der Staaten in Mittel- und Osteuropa.
Die Materialien für die Kopftuchdebatte habe ich von einem Internetquelle genommen, nachdem ich sicher war, dass es sich auch um aktuelle und vertrauenswürdige Informationen handelte.
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2. Nationen
Die Nationen treten in unterschiedlicher Gestalt auf. Ihre Unterschiedlichkeit in Geschichte und Gegenwart geht einerseits auf Unterschiede hinsichtlich der „objektiven“ Eigenarten der betroffenen Population zurück: Sprache, Bräuche, Kultur, Geschichte, Rassenmerkmale, etc. Andererseits resultiert sie aus den „subjektiven“ Eigenarten, die untrennbar mit der nationalen Identität- mit den gemeinsamen Vorstellungen über die eigenen Ursprünge und die eigenen Wesensart- verbunden sind.
In Europa hat es Nationen gegeben, noch bevor der moderne Nationalismus aufkam. In der Literatur zur Nation und Nationalismus gibt es außerdem viele Termini und Konzepte, wenn es um die Nationen geht. Bezüglich dieses Themas aber, ist nur die moderne Nation von zentraler Bedeutung, da in ihr die Zusammenhänge zwischen Nation, Nationalismus und nationale Identität am besten gespiegelt werden.
2.1. Allgemeines zum Begriff „Nation“
Die Idee der Nation entstand in den 18 Jh. in Folge der französischen Revolution. Durch zunehmende Mobilität begünstigt, entfaltete ihre Idee eine hohe Dynamik, die anfangs gegen Feudalismus und Autokratie (Frankreich, Deutschland), gegen wirtschaftlich und politisch einengende Kleinstaaterei (Deutschland), oder aber gegen imperiale Herrschaft (Russland, Donaumonarchie) gerichtet war. Die Vorstellung vom ethnisch homogenen Nationalstaat gipfelte im 20. Jahrhundert in verschiedenen ethnischen Säuberungen und Genoziden.
2.2. Ebenen des Begriffs "Nation"
Nation wird als ethnische Homogenität (als Volk), aber auch als Stamm (Stammesvolk, früher Völkerstamm) verstanden. Diese Definition der Nation geht von der gemeinsamen Abstammung der Angehörigen der Nation und einer daraus resultierenden Kultur- und Spracheinheit aus. Lange Zeit war diese Auffassung vorherrschend, besonders im Mittel- und Osteuropa des 19. und 20. Jahrhunderts, wo sie zur massenwirksamen Ideologie ausgebaut wurde. Heute wird dieses Konzept vielfach angegriffen und kritisiert. Nation ist außerdem die Homogenität der Sprache und Tradition (Kulturnation). Sie ist dann die durch die Geschichte bewahrte Einheit in Sprache, Kultur und Traditionen. Sie lässt sich nicht durch territoriale Grenzen definieren. Dies galt für die Kulturnation Deutschland im 19. Jahrhundert, ebenso für die ungarischen Minderheiten aus den unabhängig gewordenen Nachbarstaaten.
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Gegenwärtig ist z.B. ein gewisses Streben nach einer Nation z.B. unter den Kurden beobachtbar. Dieser Prozess wird allerdings von heftigen Auseinandersetzungen von innen und außen begleitet. 2.3.Die moderne Nation
Die moderne Nation wird als eine, über einen Eigennamen verfügende Population definiert, die ein historisches Territorium, gemeinsame Mythen und historische Erinnerungen, eine öffentliche Kultur für die Massen, eine gemeinsame Wirtschaft und einen „juristischen Code“ der gemeinsamen Rechte und Pflichten besitzt.
3. Die nationale Identität
Die von den meisten Angehörigen geteilten Vorstellungen über die eigene Nation bilden die nationale Identität. Eine alle Schichten der Gesellschaft durchgreifende nationale Identität hatte es vor dem Französischen Revolution nicht gegeben, weshalb diese Revolution von vielen als die Geburtsstunde der modernen Nationen betrachtet wird. Insofern wird deren Entstehung in den Zusammenhang der gesellschaftlichen Veränderungen von revolutionärer Reichweite gebracht, mit zwingenden Folgen für das Verständnis der modernen Nationen
3.1. Bestandteile der nationalen Identität
Die nationale Identität besteht aus drei Teile: Die Vorstellungen über die gemeinsamen Ursprünge, Vorstellungen über die eigene Wesensart und Vorstellungen über die politische Souveränität. Diese drei Bestandteile sind unterschiedlich bei den Nationen. Sie können außerdem in einer ganzen Population nie völlig einheitlich sein. „Doch allein schon die unbestreitbare Tatsache, dass sich alle Betroffenen darüber Gedanken machen, was es bedeutet, ein Deutscher, Spanier, Franzose oder Tscheche zu sein, zeugt von ihrem Glauben, sie hätten als die Deutschen die Spanier oder die Franzosen usw. eine je eigene und gemeinsame Geschichte und Wesensart“ 3
3.2. Wichtige Merkmale der nationalen Identität
Der Wandel der nationalen Identität trägt zur Veränderung der Gesellschaft- ihrer Strukturen und Subkulturen- bei. Wird die nationale Identität zum „Eigentum“ aller Schichten der Gesellschaft, bildet sich eine moderne Nation, so wie es sie heutzutage gibt. Der gesellschaftliche Struktur- und Kulturwandel verändert wiederum die nationale Identität.
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Das gestiegene Bildungsniveau kann z. B auch zur Veränderungen der nationalen Identität führen.
Die nationale Identität enthält- neben den schon erwähnten Bestandteile- auch Vorstellungen über die politische Souveränität. Und gerade diese sind ausschlaggebend dafür, dass die nationale Identität nachhaltig vom Nationalismus geprägt ist, der die Forderung nach der nationalen Einheit hervorbringt. 4. Der Nationalismus
Wenn es um die moderne Nation geht, so wünscht sie sich ihren eigenen Nationalstaat. In der modernen Nation durchdringt der Kerngedanke des Nationalismus alle Schichten der Gesellschaft.
Nationalismus bezeichnet eine politische Ideologie, die Ruhm, Wohlergehen, Macht und meist auch Überlegenheit der eigenen Nation in den Mittelpunkt stellt. Dabei wird die Nation häufig mit Begriffen wie Volk, Kultur, ethnische Abstammung, Territorium, Staat oder Religion gleichgesetzt. Ein Nationalist benutzt einzelne oder alle dieser Attribute, um die Gruppe, der er sich zugehörig fühlt, gegenüber anderen Gruppen hervorzuheben, zu überhöhen und zu idealisieren“ 4.1. Hauptmerkmal des Nationalismus
Hauptmerkmal des Nationalismus ist die Vorstellung, dass die Zusammengehörigkeit verschiedener Gruppen von Menschen ihren Ausdruck in einer "nationalen Einheit" finden sollte. Auf der Grundlage einer gemeinsamen Geschichte, Kultur, Sprache und Tradition wird dieser Begriff der "Nation" als für deren Angehörige und Anhänger wichtigstes identitätsstiftendes Kriterium konstruiert.
Die zunehmende Popularität der nationalistischen Forderung seit dem Ende der 18 Jh. eröffnete die Ära des Nationalismus. Die Teilung Polens in Jahr 1772- 95 erweckte den Nationalismus in Europa. Das polnische Volk forderte seine Einigung zu einem Staat und zum ersten Mal wurde der Ruf vernehmlich, das System der Staaten sei ungerecht, ihre Grenzen unnatürlich und ein ganzes Volk sei seines Rechtes beraubt, ein selbständiges Gemeinwesen zu bilden.
Bei der Entstehung der modernen Nationen spielt der Nationalismus eine entscheidende Rolle. Er produziert den politischen Willen zur Nation. Durch den Entschluss zur nationalen Einheit entsteht die Nation.
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4.2. Der Doppelcharakter des Nationalismus und sein Einfluss auf die nationale Identität Der Nationalismus tritt in unterschiedlicher Art und Intensität bei unterschiedlichen Völkern auf. Seine Art prägt die nationale Identität aus. Nationalismen können, bei der Entscheidung, wem die Nation gehört, mehr oder weniger offen sein. In diesem Sinne gibt es exklusiven und inklusiven Nationalismus.
Wenn der Nationalismus die „nationale Reinheit“ fordert, bekommt er einen exklusiven Charakter, die nicht selten rassistisch gefärbt oder untermauert ist. Setzt sich der Nationalismus dagegen vom Prinzip der „ethnischen Reinheit“ ab und behandelt nicht die Abstammung, sondern die Verpflichtung gegenüber der ethnischen Gemeinschaft als wesentlich für den Zusammenhalt der Nation, kann er durchaus inklusive Züge bekommen. Er ist dann inklusiver Charakter.
Da aber der Nationalismus die nationale Identität entscheidend prägt, wird folglich auch diese Identität einen exklusiven oder inklusiven Charakter haben. Die praktische Konsequenz daraus ist, dass Angehörige anderer Ethnien von Völkern mit inklusiver Identität relativ leicht assimiliert werden können, ohne dabei ihre jeweilige Eigenart zu verlieren.
5. Unterschiede zwischen inklusiven und exklusiver Identitäten: Deutschland und
Frankreich im Vergleich
Dass der inklusive Nationalismus und damit auch die inklusive Identität die Gesellschaft nicht allzu sehr strapaziert, ja sogar ihr förderlich sein kann, ist leicht nachvollziehbar. In diesem Zusammenhang kann der Gegensatz zwischen dem deutschen und dem französischen Nationalismus angeführt werden, den die bekannte vergleichende Untersuchung Roger Brubakers über die Staatsbürgerschaft und Nationalität in Frankreich und Deutschland herausgearbeitet hat.
Brubaker untersucht am Beispiel der Republik Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland (vor der Änderung des Ausländerrechts im Jahre 1999) die Wechselwirkung zwischen dem Verständnis der Nation und der Politik gegenüber den Einwanderern. Brubaker bezeichnet das französische Verständnis der Nationalität idealtypisch als staatsorientiert (politisch) und assimilatorisch, während sich in Deutschland, seiner Meinung nach, ein kulturelles und ausgrenzendes Verständnis sich entwickelt hat. Nur in Preußen hätte es Perioden eines politischen Verständnisses der Nation gegeben: als Deutsche galten zuweilen auch die deutschen Staatsbürger und nicht ausschließlich die in der deutschen Kultur Aufgewachsenen.
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Dieser Unterschied zwischen der inklusiven Identität in Frankreich und der exklusiven in Deutschland schlägt sich bis heute in den prinzipiell unterschiedlichen Einwanderungspolitik beider Länder nieder. Deutschland sei offen gegenüber den ethnischen Deutschen und verschlossen gegenüber den nicht- deutschen Ausländern, was mit der Ablehnung der doppelten Staatsbürgerschaft und der vermissten Assimilierung von Einwanderern einhergehe.
Dagegen lasse Frankreich sowohl die doppelte Staatsbürgerschaft als auch die automatische Einbürgerung der Einwanderer in der zweiten Generation zu. Das politische Verständnis der französischen Nation, das die bürgerlichen Werte und Rechte betont, erleichtere zudem die Assimilation, weil in Frankreich die Einwanderer stolz sein könnten auf ihren neuen Status als Franzosen. Anders als in Deutschland sei in Frankreich das jus soli für den Umgang mit Einwanderern wichtiger als das jus sanguinis. Außerdem werde in Frankreich der Verzicht auf die ursprüngliche Staatsbürgerschaft nicht zur Voraussetzung der Einbürgerung gemacht. Als Gesamtergebnis verlaufen die Assimilation und die Naturalisation der in Frankreich lebenden Ausländer reibungsloser als in Deutschland.
6. Die Kopftuchdebatte
Im vorigen Beispiel wurden die Unterschiede zwischen den französischen und den deutschen Nationalidentitäten in der Einwanderungspolitik vom Jahre 1999 geführt. Die Tatsache, dass es um Politikentscheidungen geht, die in Deutschland z.B. schon seit 1999 obsolet sind, soll die derzeitigen Gemeinsamkeiten zwischen der französischen und deutschen Politik im Bereich Ausländerintegration deutlicher hervorbringen.
Die Kopftuchdebatte als aktuelles Beispiel zeigt den Wandel der nationalen Identitäten in den bereits genannten Beispielstaaten. Damit werden auch die Ursachen und die Konsequenzen dieses Wandels genannt und erläutert.
In Bezug auf dieses Thema allerdings handeln Deutschland und Frankreich fast gleich, d. h: beide Länder haben sich für ein Kopftuchverbot der moslemischen kopftuchtragenden Lehrerinnen, entschieden. In Frankreich allerdings soll in den Schulen nicht nur keine Schleier und Kopftücher, sondern auch keine große Kreuze mehr geben, während in Deutschland dagegen, wo diese Debatte ein Ländersache ist d.h. in denjenigen Länder, die sich für diesen Verbot entschieden haben, wie Bayern, Baden- Württemberg, Hessen und Saarland, nur moslemische Symbole verboten wurden. Ihre Begründung:
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“ Lehrkräfte dürften auch durch ihre Bekleidung keine Bekundungen abgeben, die mit den verfassungsrechtlichen Grundwerten und Bildungszielen nicht vereinbar sind oder den Schulfrieden stören könnten“ - Bayerns Ex- Kultusministerin Monika Hohlmeier (CSU) Die Landesregierungen in München und Stuttgart sehen das Kopftuch nicht alleine als religiöses Symbol an, sondern auch als Zeichen kultureller Abgrenzung. „ Es steht für eine bestimmte Richtung im Islam, die sich an fundamentalistischen Grundsätzen orientiert. Zudem verbindet ein Teil seiner Befürworter damit eine mindere Stellung der Frau in der Gesellschaft“ - Annete Schavan, baden- württembergische Kultusministerin (CDU)
6.1. Die öffentliche Kritik
Selten wurde ein Spruch der obersten Richter in Deutschland derart heftig kritisiert wie dieser. "Nicht gerade hilfreich" nannte Ernst Gottfried Mahrenholtz, der früher selber Vizepräsident des Verfassungsgerichts war, die Entscheidung. Der Präsident des Deutschen Bundestags, Wolfgang Thierse (SPD), bezeichnete sie sogar als "merkwürdig feige". Und auch Bundespräsident Johannes Rau hat seine Ablehnung des Kopftuchverbots an deutschen Schulen im Februar 2004 erneut bekräftigt. "Unser Grundgesetz garantiert Religionsfreiheit für alle, nicht nur für Christen", erklärte Rau. Da der Gesetzgeber kein Definitionsrecht über Zeichen einer Religion habe, müsse er es hinnehmen, wenn eine Muslimin das Kopftuch trägt, um ihren Glauben nach außen zu dokumentieren, so der Bundespräsident.
Ganz ähnlich auch die Meinung der Präsidentin des Goethe-Instituts, Jutta Limbach. Sie lehnte ein Kopftuchverbot mit der Begründung ab, der moderne Verfassungsstaat müsse die kulturelle und religiöse Verschiedenheit zulassen, pflegen und verteidigen. Zur Toleranz gehörten auch wechselseitige Achtung und Verständigung, erklärte Limbach. Als Reaktion auf das Urteil bildete sich außerdem im vergangenen Dezember eine überparteiliche Frauen-Initiative gegen das Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen heraus. Ihr Argument: „Mit einem Verbot würde eine Ausgrenzungspolitik betrieben, die nur den Fundamentalisten in die Hände spiele.“ Auch in Frankreich appellierte der Staatspräsident bereits im vergangenen Dezember in seiner Grundsatzrede an die Fundamente des republikanischen Selbstverständnisses in Frankreich: Der Staat sei zur Neutralität in Bekenntnisfragen verpflichtet.
Doch was hatte eigentlich genau den Stein des Anstoßes für die anhaltende Kopftuchdebatte in Deutschland gegeben?
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6.2. Der Fall Ludin
Ende September 2003 hatte das Bundesverfassungsgericht die Verfassungsbeschwerde der Muslimin Fereshta Ludin angenommen. Die aus Afghanistan stammende Lehrerin war vom Land Baden-Württemberg nicht in den Schuldienst übernommen worden, weil sie im Unterricht das Kopftuch tragen wollte. Dadurch sah nicht nur Ludin das vom Grundgesetz geschützte Grundrecht auf Glaubensfreiheit verletzt.
Auch die Karlsruher Richter pflichteten ihr bei - um zugleich den Weg in die andere Richtung aufzuzeigen. Der Staat könne das Tragen des Kopftuchs im Unterricht durchaus verbieten. Dafür aber brauche es entsprechende Gesetze und die fehlten bislang. Diese Lücke wollten deshalb mehrere Bundesländer schließen. Als erstes reagierte das in Karlsruhe unterlegene Baden-Württemberg. Mitte November 2003 verabschiedete die Landesregierung einen Gesetzesentwurf, demzufolge Lehrerinnen dort künftig kein Kopftuch in der Klasse tragen dürfen. Anfang Dezember brachte dann Bayern ein gesetzliches Verbot auf den Weg. 6.3. Fazit
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Sicherheitsbedrohung durch global agierende Terroristen oder durch negative Entwicklungen in der islamischen Welt bzw. das allgemein negative Stimmungsbild über Muslime in den Islam hineinprojiziert wird. Wenn früher mit dem Kopftuch die Unterdrückung der Frau, ihre Unmündigkeit, Rückständigkeit und Schwäche assoziiert wurde, so sind heute Terrorismus, Extremismus, Anti-Moderne und Ablehnung demokratischer Werte hinzugekommen. Dies wird auch im Rahmen der Überlegungen zur Integration von Muslimen deutlich. Diese wird immer mehr unter sicherheitspolitischen Aspekten geführt.
Doch in der Politik bleibt die Frage nach der Integration von Muslimen und dem Umgang mit muslimischen Frauen mit Kopftuch in erster Linie eine migrationspolitische Debatte, da der Islam als eine fremde Religion betrachtet wird, die mit der Gastarbeitergeneration nach Deutschland hineingetragen wurde. Die wachsende Zahl deutschstämmiger und eingebürgerter Muslime wird dabei zu wenig berücksichtigt.
Das Kopftuch ist somit zum Gegenstand eines Ersatzdiskurses geworden, der eine längst überfällige sachliche und zukunftsorientierte Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Umgang der Gesellschaft mit Muslimen im Besonderen und zugewanderten Menschen im Allgemeinen beiseite schiebt. Sie hat aber auch ganz andere bisher nicht hinreichend reflektierte Fragen aufgeworfen, nämlich: Wie viel Religion vertragen Staat und Gesellschaft?
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Wie viel kulturelle und religiöse Vielfalt will man hier zulassen? Eine solche Debatte verwirkt langfristig das Vertrauen der muslimischen Mitbürger und insbesondere der integrationswilligen muslimischen Frauen mit Kopftuch. Viele von ihnen haben sich aus überkommenen Traditionen befreit und bemühen sich in der Regel um eine Harmonisierung von islamischer Glaubenspraxis und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. Gerade diese Gruppe gerät immer wieder unter die Räder einer noch nicht erfolgten Anpassung der Gesellschaft an veränderte Realitäten. Die wachsende Vielfalt an Kulturen und Religionen und eine veränderte Bevölkerungsstruktur mit einem zunehmenden Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund sind zu einer Realität geworden, die manche verdrängen und andere als Provokation empfinden.
Die Frage ist: Sind die Deutschen ihrerseits bereit für die Integration? Denn, so formuliert es ein Positionspapier der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung: "Man kann nicht einseitig über die Integrationswilligkeit von Migranteninnen und Migranten reden, ohne zugleich die Integrationsfähigkeit der Gesellschaft einzufordern."
8. Schlussfolgerung
Hat sich die nationale Identität in Frankreich und Deutschland gewandelt oder hat sie nicht? Wenn man die Fakten und deren Konsequenzen betrachtet, stellt dann sich auch die Frage, wie es mit der Gleichbehandlung der Religionen, die jede demokratische Ordnung garantieren und schützen sollte, aussieht? Und warum müssen muslimische Intellektuelle an der Ausübung ihres Berufes verhindert werden, nur weil sie zu ihren Überzeugungen, gleich welcher Natur, religiös oder einfach moralisch, stehen wollen?
Das zentrale Ziel dieser Arbeit war jedoch nicht die Erklärung der Ursachen und Hintergründe dieses Problems, sondern die Zusammenhänge zwischen Nation, nationaler Identität, Nationalismus und gesellschaftliche Struktur anhand der Beispiele zu erläutern. Denn anhand der zwei Beispiele wird letztendlich gezeigt, wie die französische und die deutsche nationale Identität sich innerhalb wenige Jahren verändert haben. Es wurde schon bereits erwähnt, dass ein Merkmal der nationalen Identität der Fakt ist, dass sie, mit der Gesellschaftsstruktur und mit dem Prinzip des Nationalismus in einer gegenseitigen Wirkung steht. Der Wandel der nationalen Identität trägt zur Veränderung der Gesellschaft- ihrer Strukturen und Subkulturen bei und auch diese ihrerseits können die nationale Identität genauso gut verändern. Die nationale Identität in Frankreich und Deutschland hat sich gewandelt. Sie ist exklusiverer Natur geworden.
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Wie schon gesagt, ein starker Grund für diese Veränderung, der übrigens auch in andere Staaten, wie in den USA z.B. festzustellen ist, sind der Terrorismus und die negativen Entwicklungen in der islamischen Welt.
Wenn man also das Kopftuchverbot und dessen Konsequenzen betrachtet, könnte man es vielleicht auch als eine radikale Maßnahme mit dunklen und ungerechtfertigen Hintergründen betrachten. Und diese lassen sich - meiner Meinung nach- weder politisch oder juristisch, noch ethisch rechtfertigen.
Dass es aber auch anders gehen kann, zeigt das Beispiel von England. Während Frankreich und Deutschland das Tragen von Kopftüchern in Schulen verbieten, dürfen in Großbritannien selbst Polizistinnen das Kopftuch im Dienst tragen. England spricht dabei von Integration statt Assimilation. Die britische Regierung unterstützt das Recht aller, religiöse Symbole zu tragen. In Großbritannien hat man kein Problem mit dem Ausdruck von Religion. Integration ist ohne Assimilation möglich.
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9. Literatur
1. http//www.wikipedia.de/ Nationen (Stand: 22. 05. 2005)
2 & 3. Mackov, Jerzy: „Ethnie, Nation und nationale Identität“ - in „Am Rande Europas?“
S. 56-57 Hrg: Herder (2004)
4 & 5. http//www.wikipedia.de/ Nationalismus ( Stand: 24. 05. 05)
6. Mackov, Jerzy: „Zivilgesellschaft, Demokratie und supranationale Integration“ - in „Am
Rande Europas?“ S. 70- 72
7. http/www. die Kopftuchdebatte/Qantara.de (Stand: 12. Mai 2005)
8. http/www. die Kopftuchdebatte/der Fall Ludin ( Stand: 19. 05. 05)
9. http/www. die Kopftuchdebatte/das Urteil des BVG ( Stand: 22. 05. 05)
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2005, Inklusive und exklusive Identitäten - Deutschland und Frankreich im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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