INHALT
1. EINLEITUNG
1.1. GRUNDSÄTZLICHE FRAGEN BEZÜGLICH THEMATIK UND METHODIK DER
UNTERSUCHUNG
1.2. DIE GRUNDBEGRIFFE: CHRISTLICH, HELDISCH, HÖFISCH
1.3. ZUR DARSTELLUNG DES TEXTES
2. DER HAGENTEIL ALS EIGENSTÄNDIGE LEISTUNG DES AUTORS:
H ÖFISCHE UNTERHALTUNG UND CHRISTLICH-MORALISCHE BELEHRUNG
2.1. DER HAGENTEIL ALS WESENTLICHER BESTANDTEIL DES GESAMTEPOS
2.1.1. Überblick über den Inhalt und seine Gliederung
2.1.2. Die Frage des Stoffes
2.1.3. Die Frage des Autors
2.2. FORTLAUFENDE ANALYSE UND KOMMENTIERUNG DES TEXTES
HINSICHTLICH DES CHRISTLICHEN GEHALTES
2.2.1. 1. Aventiure: Sigebanthandlung
2.2.1.1. Christliche Topik: media vitae in morte sumus
2.2.1.2. Zeremonien und Sakramente: die Taufe
2.2.1.3. Einbruch des Teuflischen in die höfische Welt 16
2.2.1.4. Gottergebenes Erdulden des Leids 16
2.2.2. Hagens Leben in der Wildnis (2. Aventiure)
2.2.2.1. Das wundersame Walten Gottes
2.2.2.2. Woran erkennt man einen Christen?
2.2.2.3. Armut und Dankbarkeit, religiöse Reife
2.2.2.4. Christlichkeit und Gesellschaftlichkeit
2.2.3. Die Heimreise (3. Aventiure)
2.2.4. Versöhnung und Heirat Hagen als "Valant" (4. Aventiure)
2.2.4.1. Die Versöhnung
2.2.4.2. Abschluß der Aventiure
2.2.5. Zusammenfassung der Einzelbefunde
2.3. INTERPRETATION DER AUSGEWÄHLTEN STELLEN IM ZUSAMMENHANG
DES HAGENNTEILS
2.3.1. Widersprüche in der Darstellung des Charakters Hagens
2.3.2. Das Verhältnis höfischer, heldischer und christlicher Elemente im Hagenteil
2.3.3. Absichten und künstlerische Leistung des Autors des Hagenteils
3. VERGLEICH DES HAGENTEILS MIT DEM NIBELUNGENLIED 4. LITERATURVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG
1.1. GRUNDSÄTZLICHE FRAGEN BEZÜGLICH THEMATIK UND METHODIK DER UNTERSUCHUNG
Ziel der Untersuchung ist die Herausarbeitung des christlichen Gehalts des Hagenteils der "Kudrun" und der Vergleich der künstlerischen Absichten des Autors mit den Hauptaussagen des Nibelungenliedes.
Dabei muß berücksichtigt werden, daß jede Interpretation des Kudrunepos und besonders die ihres christlichen Gehaltes vor Schwierigkeiten steht, die kaum ein anderes Werk der hochmittelalterlichen Heldenepik in diesem Maße bietet. (1)
1. Zunächst ist der Zustand der zudem einzigen überlieferten Handschrift sehr verwahrlost. (2)
2. Des weiteren gibt es kein weiteres Heldenepos (3) des Mittelalters, dessen Stoffgeschichte so unklar und daher umstritten wäre wie die der "Kudrun", was die Unterscheidung von Stoff und Bearbeitung und damit die Bestimmung der Leistung des Autors erschwert. (4) 3. Außerdem ist die künstlerische Formung im Ganzen wie die Gestaltung im Einzelnen in ihrem Umfang, ihrer Tiefe und ihrer Intention ganz offenkundig uneinheitlich. Allgemein wird heute jedoch davon ausgegegangen, daß der Hagenteil eine eigenständige Leistung eines einzelnen Dichters ist. Das Ergebnis der Arbeit bestätigt diese Auffassung. 4. Die vielfältigen Auseinandersetzungen mit der Literatur der Zeit innerhalb der "Kudrun" sind im einzelnen schwer zu beweisen. Noch schwieriger ist ihre Interpretation hinsichtlich ------------------------------------(1) Zum Vergleich der Kudrun mit anderen Werken der Heldenepik eignet sich besonders gut Hoffmann, Werner: Mittelhochdeutsche Heldendichtung. Berlin 1974. (=Grundlagen der Germanistik, Bd. 14).
(2) Zur Handschrift vgl.: Kudrun. Die Handschrift. Hrsg. von Franz H. Bäuml. Berlin 1969. Einen Überblick bietet auch Stackmann in der Einleitung der Kudrunausgabe. (3) Die Frage nach der Einordnung der "Kudrun" in die Heldenepik ist umstritten. Die Verwandschaft der Kudrunstrophe mit der Nibelungenstrophe, hundert eingestreute Nibelungen-strophen, wörtliche Anklänge an das "Nibelungenlied" und vor allem die germanische Wurzel der Hildedichtung sowie die gattungstypische Anonymität sprechen eher für die Zuordnung zur heldischen Epik. Dagegen entspricht der genealogische Aufbau eher den höfischen Epen. Der Sinngehalt der Handlung ist prohöfisch mit spielmännischen Einschlägen (Brautwerbungsschema) und christlich. Diese und andere Befunde sprechen für eine Sonderstellung der "Kudrun" zwischen den Gattungen mit besonderer Nähe zur sogenannten "Spielmannsepik", deren gattungstypologische Bestimmung aber ebenfalls nicht unproblematisch ist. Vgl. u.a. Siebert, Barbara: Rezeption und Produktion. Bezugssysteme in der "Kudrun". Inauguraldissertation Göppingen 1988. (=Göppinger Arbeiten zur Germanistik. Herausgegeben von Ulrich Müller, Franz Hundsnurscher und Cornelius Sommer, Nr. 491). S. 10ff. Eine Gattungstheorie der Heldenepik findet sich bei Hoffmann, Werner, a.a.O., S. 11-63. (4) Zur Stoffgeschichte vgl. Stackmann, Karl: Einleitung. In: Kudrun. Herausgegeben von Karl Bartsch. S. VII-CIV.
der Aussageabsicht des Dichters.
Aufgrund dieser Ausgangslage gilt: Die Interpretation beginnt mit einem Text-Konstrukt und kann schon deshalb nur mit einem wahrscheinlichen, wenn auch möglicherweise in sich schlüssigen Interpretationsentwurf enden. Schon die Erstellung eines normalisierten mittelhochdeutschen Textes stellt eine Interpretationsleistung dar.
Zusätzlich stellen sich weitere Fragen bei der Interpretation des christlichen Gehaltes einer mittelhochdeutschen Heldendichtung:
1. Von welchem mittelalterlichen Verständnis von Christlichkeit im allgemeinen epochalen, die Rezeption der Zeitgenossen bestimmenden, und im besonderen intentionalen, vom Autor dargestellten Sinne ist auszugehen? Es soll vermieden werden, daß die Religiosität des Textsinnes von der Gegenwart her systematisch mißverstanden wird. (1)
2. Es ist schwierig, den christlichen Gehalt genau von dem höfischen, dem altgermanischethischen, dem allgemein-menschlichen und dem Individuellen des Autors abzugrenzen.
1.2. DIE GRUNDBEGRIFFE: CHRISTLICH, HELDISCH, HÖFISCH
Unter dem Begriff des Christlichen soll hier ein Minimalkonsens verstanden werden, dessen feste Grenzen nicht andere Vorstellungen ausschließen soll, sondern einen genauen Vergleich von eindeutig identifizierbaren Vorstellungen gewährleisten soll. (2) Zum allgemeinen kirchlich christlichen Grundbestand scheinen dem Verfasser nach der klassischen katholischen Dogmatik des Mittelalters (3) mindestens die folgenden Punkte zu gehören:
1. der Zugang zur Religion über eine geschichtliche, kirchlich gehütete, schriftliche Offenbarung.
2. der Glaube an einen persönlichen, gewaltigen, lebendigen, verborgenen, heiligen und liebenden Gott als Dreifaltigkeit und als Herrscher innerhalb einer von Engeln und Dämonen bevölkerten Überwelt (Himmel).
3. das Verständnis des Menschen als gefallenen, erbsündigen und der Erlösung bedürftigen Geschöpfes Gottes.
4. der Glaube an Christus als menschgewordenes Wort Gottes.
5. der Glaube an die Erlösung durch den Kreuzestod.
6. die Auffassung von der Kirche als Hüterin der Wahrheit und Verwahrerin der heilspendenden Sakramente. -----------------------------------(1) Dieses Problem wird interessanterweise in der Sekundärliteratur wenig beachtet. Germanisten scheinen sich ohne weiteres für kompetent zu halten, christliche Elemente zu erkennen und zu interpretieren. Mir scheint, daß hier ein Gebiet liegt, für dessen Erforschung die interdisziplinäre Arbeit von Germanisten und Theologen noch Bedeutendes leisten könnte. (2) Zum christlichen Gehalt vgl. Schönbach, Anton Emanuel: Das Christentum in der altdeutschen Heldendichtung. Vier Abhandlungen. Graz 1897.
(3) Zum dogmatischen Stand der Theologie der Zeit vgl. Jedin, Hubert (Hrsg.): Handbuch der Kirchengeschichte. Freiburg 1962. Lortz, Johannes: Geschichte der Kirche in ideengeschichtlicher Betrachtung. 21. Aufl., Münster 1962/64. Natürlich spielen dogmatische Fragen in ihrer theologischen und philosophischen Komplexität keine entscheidende Rolle bei der Interpretation der Kudrun. Die folgenden Punkte sind so allgemein und universal, daß sie auch heute, wenn auch in einem zeitgemäßen Verständnis, dogmatisch gültig sind.
7. der Glaube an die Abhängigkeit des Heils von der Gnade.
8. die Auffassung von einer anzustrebenden gesellschaftlichen Ordnung, die von Liebe geprägt sein soll.
9. der Glaube an ein Gericht, Auferstehung, Seligkeit, Verdammung und ein Reich Gottes. Schon hier kann ohne weiteres festgestellt werden, daß der christliche Gehalt der "Kudrun" im Vergleich zu diesem nichtkontroversen Minimum von Dogmatik relativ gering ist: Es fehlen, von Formeln abgesehen, jegliche Hinweise auf die Punkte 1, die Dreifaltigkeit von 2, 4, 5, 6 und 9. Ihre Präsenz als Glaubenstatsachen ist jedoch nicht auszuschließen. Ihre Abwesenheit erklärt sich aus ihrem "abstrakten Charakter", der zu einer Erzählung, die auch unterhaltsam sein will, nicht paßt. Auffällig sind die Bezüge des Autors zu den Punkten 2, 3, 7 und 8. Es sind dies diejenigen Aspekte des Christentums, die den Menschen in seiner Stellung in der Welt direkt betreffen: seine Schwäche, seine Hilfsbedürftigkeit, seine menschlich-moralische Besserung. Auffällig ist dabei jedoch die relative Schwäche des Bezuges zur Transzendenz: Das Christliche erscheint vielfach als das pragmatisch-ethisch Richtige nach innerweltlichen Maßstäben.
Das spezifisch Religiöse der Transzendenz (Erlösung, Gericht, ewiges Leben) fehlt völlig. Dies weist auf den Vorrang des Höfischen, in das christliche Elemente eingebettet bleiben. Das Christentum allein offiziell theologisch dogmatisch zu bestimmen, trifft die Realität des Christlichen im Mittelalter natürlich nur zum Teil. Es ist zu berücksichtigen, daß die Kirche im Mittelalter eine das gesellschaftliche Leben als Ordnungs- und Bildungsinstitution durchgestaltende Macht im inneren Zusammenhang mit der Feudalgesellschaft war. Kirche und Kultur sind im Mittelalter weitgehend gleichzusetzen. (1)
Insofern erscheint in der Perspektive des Dichters der "Kudrun" vieles als christlich, was nach heutigem Verständnis nur "Zivilisation" wäre. Dies muß bei der Interpretation berücksichtigt werden. Zur allgemeinen Kultur gehörten auch religiös begründete Institutionen wie die Taufe, der Gottesdienst etc., die in der "Kudrun" ganz selbstverständlich erwähnt werden, ohne daß dabei eine besondere religiöse Gefühlstiefe deutlich wird. Die spezifische Christlichkeit kann im weiteren negativ bestimmt werden durch diejenigen gerade für das Mittelalter typischen Elemente, die der "Kudrun" fehlen:
1. Es gibt keine Erwähnung von Heiligen, von Mönchen oder Nonnen. Die kontemplative bis mystische Seite des Christentums fehlt.
2. Das Priestertum wird nur einmal am Rande erwähnt.
3. Die Wunder haben keinen spezifisch religiösen Charakter, sondern stellen nur ungewöhnliche Ereignisse oder Eigenschaften heraus.
Von den christlichen Gehalten in Glaube, Handeln und gesellschaftlichem Leben müssen zwei weitere angrenzende und überlappende Bereiche abgegrenzt werden: die höfische Welt mit ihrem charakteristischen Ethos und das germanische Erbe, das im Stoff, und das heißt vor allem in der Handlung und den Handelnden, weiterlebt. Zur Abgrenzung: Beiden Welten fehlt die Transzendenz. Die höfische Welt braucht sie als solche nicht, da sie sich im Gegensatz zur geistlichen und außerhöfischen Dichtung ganz auf sich selbst konzentriert, und die germanische Tradition hat sie im Prozess der Christianisierung verloren. Gerade dies letztere ist auch ein Beweis ex negativo für die christliche Redaktion: Der germanische religiöse Überbau des Sagenstoffes fehlt völlig. Was bleibt, ist das germanische Sippenethos, das wegen seiner Affinität zum Lehnswesen ------------------------------(1) Vgl. Bosl, Karl: Staat, Gesellschaft, Wirtschaft im deutschen Mittelalter. 6. Aufl., Stuttgart 1982. (= Handbuch der deutschen Geschichte (Hrsg. Karl Gebhardt), Band 7).
verständlich geblieben ist und das heldisch-tragische Weltbild, das aufgrund seiner männlichbrutalen Archaik als Kontrast zur höfisch-femininen "Scheinwelt" interessiert. (1) Bei meiner Untersuchung konzentriere ich mich unverhältnismäßig stark auf den ersten Teil der "Kudrun", der etwa ein Achtel des Textes ausmacht. Dies hat drei Gründe: 1. Bisher ist vorwiegend der Kudrunteil in der Forschung berücksichtigt worden. Es erscheint reizvoll und lohnend, die vernachlässigten Textpartien des Hagenteils einer genaueren Betrachtung zu unterziehen, zumal sich dabei bald zeigt, daß die bisherige Geringschätzung unberechtigt ist und die Bedeutung dieser "Vorgeschichte" für den geistigen Gehalt der Dichtung im Ganzen - im Sinne einer Ouvertüre - von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. (2)
2. Der Hagenteil wird allgemein als eigenständige Schöpfung eines einzelnen Autors betrachtet, der auch die "Kudrun" im Ganzen so wie sie als Text der Ambraser Handschrift zugrundelag, verfaßt beziehungsweise in Teilen überarbeitet hat. (3) Seine genaue Untersuchung führt zu klareren Ergebnissen hinsichtlich der Autorintention als eine Konzentration auf den sehr heterogenen und umstrittenen Kudrunteil. Gerade diese relative Eindeutigkeit der Verfasserfrage ermöglicht es, vom Hagenteil ausgehend das Verhältnis von Stoff und Bearbeitung bei den folgenden Teilen des Epos genauer zu bestimmen.
3. Bei einer stärken Berücksichtigung des umfangreichen Kudrunteils hätte die Untersuchung im vorgegebenen Rahmen viel oberflächlicher oder punktueller ausfallen müssen. Die Konzentration auf den ersten kurzen Teil ermöglicht eine intensive, systematische Analyse bei voller Berücksichtigung des Kontextes, obwohl auch hier am Ende die Einsicht stehen ---------------------------------(1) Zu den Schichten der Ethik in der Kudrun ist die Untersuchung Neumanns zum Nibelungenlied heranzuziehen: Neumann, Friedrich: Schichten der Ethik im Nibelungenliede. In: Festschrift für Eugen Mogk zum 70. Geburtstag, 19.7.1924. Halle (Niemeyer) 1924, S. 119-145. Wieder abgedruckt in: Ders.: Das Nibelungenlied in seiner Zeit. Göttingen (Vandenhoek) 1967. (=Kleine Vandenhoek-Reihe 253 S). S. 9-34. Neumann selbst gesteht im Nachwort zum Wiederabdruck die Fragwürdigkeit des Konzeptes scharf zu unterscheidender "Schichten" ein.
(2) Zur Forschungsgeschichte vgl. Hoffmann, Werner: Kudrun. Ein Beitrag zur Deutung der nachnibelungischen Heldendichtung. Stuttgart (Metzler) 1967. Ders.: Die Hauptprobleme der neueren "Kudrun"-forschung. In: Wirkendes Wort 14, 1964, S. 183-196 und 233-243. Zur neueren Forschung: Siebert, Barbara. Eine vollständige Bibliographie und eine ausführliche Darstellung der Forschungsgeschichte bleibt ein Desiderat der Kudrunforschung. Mit meiner Einschätzung des Hagenteils folge ich den Forschungen von Siefken (vgl. Siefken, Hinrich: Überindividuelle Formen und der Aufbau des Kudrunepos. München 1967.) und Campbell (vgl. Campbell, Ian Richard: Kudrun: a critical appreciation. Cambridge 1978. Auf beide stützt sich auch Barbara Siebert.
(3) Zur Frage der Verfasserschaft vgl. Hoffmann, Werner: Mittelhochdeutsche Heldendichtung. Berlin 1974. S. 117ff.
mußte, daß die gesamte Fülle der Bezüge nicht auszuloten war und sicher nie ganz auszuloten sein wird.
Meine Untersuchung soll möglichst eigenständig und soweit möglich nur auf den Text gestützt vorgehen. Aus diesem Grund verzichte ich weitgehend auf eine direkte Auseinandersetzung mit der weitverzweigten und uferlosen Sekundärliteratur, zumal viele Positionen überholt, abstrus, spekulativ, banal oder subjektiv wertend sind.
1.3. ZUR DARSTELLUNG DES TEXTES
Die Zitate folgen der Textausgabe mit textkritischem Anhang von Karl Stackmann, da sie zum einen die wissenschaftlich aktuellste Textgestalt bietet, zum anderen durch das komplizierte Druckbild die normalisierenden und konjekturalen Eingriffe des Herausgebers im Kontrast zur frühneu-hochdeutschen, bairisch-östereichischen Handschrift Hans Rieds im Ambraser Heldenbuch sichtbar macht und so eine textkritisch abgesicherte Interpretation erleichtert. (1) Aufgrund der Zielsetzung der Arbeit war es jedoch nicht nötig, das komplizierte Druckbild des Textes bei Stackmann zu kopieren und auf einen mir zur Verfügung stehenden restringierten Zeichensatz zu transkribieren, wenn auch bei der Interpretation der Informationsgehalt der Stackmannschen Darstellungsweise berücksichtigt wurde. So fehlt in meiner Wiedergabe der Sperrdruck bei Auslassungen überlieferter Wörter, Kursivdruck bei Veränderungen der überlieferten Wortfolge, die Verbindung von Gerad- und Kursivsatz bei Eingriffen, die nur Teile eines überlieferten Wortes betreffen und die Krux bei nicht heilbaren verderbten Stellen. Ebenso wurde das Längenzeichen für Langvokale weggelassen und Akzente des Verses. Ligaturen von Umlautvokalen wurden durch getrennte Vokale dargestellt.
Wichtige Stellen wurden mit der kritischen Ausgabe der Handschrift und deren textkritischen Apparat verglichen. Dies führte aber nie zu interpretatorischen Konsequenzen, was wohl der textkritischen Sorgfalt und der Zurückhaltung bei Konjekturen der Editoren zu danken ist. 2. DER HAGENTEIL ALS EIGENSTÄNDIGE LEISTUNG DES AUTORS: HÖFISCHE UNTERHALTUNG UND CHRISTLICH-MORALISCHE BELEHRUNG
2.1. DER HAGENTEIL ALS WESENTLICHER BESTANDTEIL DES GESAMTEPOS
2.1.1. Überblick über den Inhalt und seine Gliederung
Der Inhalt läßt sich hinsichtlich der Kriterien Ort, Zeit, Personen und Handlungsstrukturen in 5 Teile gliedern, die den 4 Aventiuren nicht genau entsprechen. Die Teile bilden jeweils eine Überleitung zur folgenden Handlung. Der Bruch der 4. Aventiure in 2 Abschnitte ist offenbar dem Autor der Aventiureneinteilung nicht deutlich geworden, weil er den Text nicht unter demselben Gesichtspunkt betrachtete. Bei der Angabe des Inhalts sollen auch die Hauptmotive und Handlungsstrukturen angegeben werden. -------------------------------
(1) Zu den genannten Textausgaben vgl. Literaturverzeichnis.
Im 1. Teil, der sich mit der 1. Aventiure deckt und den man wegen der Darstellung der Erziehung und Brautwerbung Sigebands als Sigebanthandlung bezeichnen kann, wird dargestellt, wie Sigebant, Sohn des irischen Königs Ger und seiner Frau Uote (Generationenschema), nach dem Tod seines Vaters auf Wunsch seiner Mutter die Ehe mit einer Fürstentochter aus Norwegen schließt, die wie seine Mutter Uote heißt (Brautwerbungsmotiv). Ihnen wird nach drei Jahren (Zeitraffung) ein Sohn geboren, den sie Hagen nennen und standesgemäß erziehen. Während eines von Uote gewünschten Festes (Festmotiv) wird der siebenjährige Knabe Hagen (Zeitraffung) von einem Greifen entführt (Entführungsmotiv).
Die Darstellung der Jugend Hagens und seiner Entführung (Ortswechsel) bildet schon den Übergang zur Haupthandlung der 2. Aventiure, in der Hagens wundersame Rettung aus dem Greifennest und seine Begegnung mit drei früher geraubten Königstöchtern in einer Höhle (überraschender Wechsel, Personenwechsel). Zunächst wird er von ihnen versorgt, dann sorgt er für sie. (Überraschender Wechsel:) Später findet er die Rüstung eines gestrandeten toten Kreuzritters und erschlägt mit Hilfe dieser Waffen die Greifen. Er wächst in der Wildnis zu einem Ritter heran, er erzieht sich selbst. Er erlegt ein Gabilun, trinkt dessen Blut und bekommt so übermenschliche Kräfte.
Im Folgenden entwickelt sich die Überleitung zur nächsten Aventiure: Hagen geht mit den Königinnen zur Küste. Nach vierundzwanzig Tagen erreichen sie sie (logischer Widerspruch) und finden ein Schiff. Der Herr des Schiffes, der Graf von Garade, setzt ein Boot aus, um zu untersuchen, wer um Hilfe ruft.
Die 3. Aventiure handelt von dem Geschehen während der Fahrt auf dem Schiff des Grafen (Ortswechsel, Personenwechsel und Überraschender Themenwechsel:) Als sich herausstellt, daß Hagen der Sohn seines Feindes Sigeband ist, will der Graf von Garade ihn zur Geisel nehmen. Auf Hagens Versprechen, die Feinde zu versöhnen, geht der Graf aus Mißtrauen nicht ein. Hagen wehrt sich, als der Graf ihn angreift und zwingt die Mannschaft und den Grafen nach Irland weiterzusegeln. Trotzdem hält er sein Versprechen. Boten werden zu den Eltern Hagens geschickt, um seine Rückkehr zu melden. Sigeband und Ute reiten den Ankommenden entgegen.
Die 4. Aventiure handelt von der Versöhnung der Feinde (Versöhnungsmotiv), der Heirat Hagens mit einer der Königinnen, Hilde (Eheschließungsmotiv), und von seiner Übernahme der Herrschaft.
Im darauffolgenden Teil der 4. Aventiure ändert sich die Darstellung Hagens deutlich: Hagen wird ein König, dessen Verhalten von "übermuot" zeugt, aber auch von Gerechtigkeit (1). Er wird als "Valant aller künege" bezeichnet. Ihm wird eine Tochter, die nach der Mutter Hilde heißt, geboren (genealogische Struktur). Sie wächst zu großer Schönheit heran (Zeitraffung). Viele Werber halten um ihre Hand an (Brautwerbungsmotiv). Alle läßt Hagen töten. Diese Darstellung der gefährlichen Brautwerbung leitet über zum nächsten Teil des Epos, dem Hildeteil.
Der Überblick ergibt, daß der Hagenteil als Ganzes nach genau angebbaren Strukturprinzipien und unter variierender Kombination derselben Motive einen konsequenten, wenn auch durch überraschende Wechsel weitergetriebenen und am Ende ------------------------------------(1) Zur Vielschichtigkeit der Ausdrücke "übermuot" und "hochvart", "hoher muot", "hochmuot" vgl. den Anhang in: Hoffmann, Werner: Kudrun. Ein Beitrag zur Deutung der nachnibelungischen Heldendichtung. (Habilitationsschrift). Stuttgart (Metzler) 1967. (=Germanistische Abhandlungen, Bd. 17). S. 330-342.
zwiespältigen Handlungsverlauf aufweist. Die Basishandlung besteht in der Entführung, der Rettung und Heimkehr Hagens. Alle anderen Momente sind Erweiterungen und Ausführungen oder überleitende Verformungen dieser Handlungsstruktur, die natürlich selbst in anderen Kontexten wieder als Kernhandlungen fungieren könnten. "Entführung, Abenteuer, Rettung und Heimkehr" ist eine uralte Handlungsschablone, die bis auf den heutigen Tag produktiv ist. Ihr Reiz ist psychologisch leicht zu erklären, interessiert hier aber nicht weiter, weil die eigentliche Leistung des Dichters natürlich nicht in der Anwendung dieses Schemas zu sehen ist, sondern in dessen dichterischer Ausgestaltung.
Diese vollzieht sich nach stereotypen Mustern. Die handelnden Hauptpersonen sind nach dem Genealogieprinzip miteinander verbunden: Ger-Uote; Sigeband-Uote 2; Hagen-Hilde; Bei der Verbindung der Hauptpersonen wird das Brautwerbeschema in verschiedenen Variationen durchgespielt. Im Laufe der Handlung werden typische Themenkomplexe bearbeitet:
1. Erziehung eines Ritters (Sigeband, Hagen)
2. Eigenschaften eines Königs (Ger, Sigeband, Hagen)
3. Konflikt 1: Kampf mit der feindlichen Natur in Form von Ungeheuern (Greife, Gabilun, Löwe)
4. Konflikt 2: Kampf mit Gegnern (Graf von Garade)
5. Die Veranstaltung von großen höfischen Festen: Buhurt in der
1. Aventiure, Empfang Hagens in Garadie in der 4. Aventiure
6. Erkennungszenen (Hagen-Königinnen; Hagen-Graf von Garade; Hagen-Eltern)
7. Begrüßungszenen (Hagen-Eltern)
8. Schwertleite (4. Aventiure)
Diese Themenkomplexe werden weiter gefüllt mit stereotypen Beschreibungsmustern: Art der Bekleidung (die berühmten "Schneiderstrophen", Bsp. 41), der Bewaffnung, der Schönheit einer Frau, der Stärke eines Mannes etc..
Die Beschreibungsmuster werden ausgestaltet durch formelhafte Wendungen: Hagen: "daz wenige kint" ( 79,1; 90,1); "der wenige herre" (90,3); kontrastiv: "daz edele kindel" (78,1). Alle diese Merkmale des Textes sind typisch für höfische Epen und besonders für die Spielmannsepen.
Besonders erwähnenswert sind darüber hinaus die christlichen Motive und Themenkomplexe, die im weiteren der Gegenstand eingehender Untersuchungen sein sollen.
2.1.2. Die Frage des Stoffes
Ein bestimmter Stoff als Vorgabe des Hagenteils ist bis jetzt nicht bekannt geworden. Hagen als Name und seine Eigenschaft als wilder, übermenschlich starker, grausamer, die Werber um seine Tochter Hilde tötende Herrscher, gehört aber sicher zur Tradition des Hildestoffes. Insofern wäre die von dieser Tradition der Aussageabsicht nach abweichende Darstellung von Hagens Jugendgeschichte bis zur Schwertleite Hagens eine "freie Erfindung" des Autors, insofern man, wie kritisch bemerkt werden muß, bei einer Dichtung dieser Art überhaupt mit Recht von "Erfindung" sprechen kann. Die gattungstypische Anonymität der Dichtung läßt vermuten, daß zumindest der Autor selbst das Werk nicht unter dem Gesichtspunkt der "Originalität" betrachtete und betrachtet wissen wollte, was natürlich eine tatsächliche Eigenleistung nicht ausschließt.
Die Frage nach dem Stoff läßt sich nach der Darstellung des Inhalts, seiner Gliederung und Gestaltungsformen auf eine plausiblere Weise beantworten als durch die bisherigen ohnehin unergiebigen historischen Forschungen: Die Basisstruktur ist so allgemein und überzeitlich, daß es mit Sicherheit nicht einen, sondern viele Anklänge zu historischen und zeitgenössischen Dichtungen geben muß, auch wenn wir kein germanisches Vorbild kennen. Man denke nur an die nach demselben Ereignisschema gebaute "Historia Apollonii regis
Tyri", einen kleinen Roman der Spätantike, der über Jahrhunderte bis über das Mittelalter hinaus zur volkstümlichen Lieblingslektüre gehörte, weil er, wenn auch aus einem anderen kulturellen Umfeld stammend, genau dieselben Motive und Formen benutzt wie die "Kudrun". Dieses Basisthema ist psychologisch und anthropologisch universal. Gerade wegen dieser Universalität ist aber bei seiner Deutung auch eine gewisse Zurückhaltung geboten, was die Frage der Aussageabsicht des Autors betrifft.
Die Gestaltungsformen zur Erweiterung des Basisschemas sind allgemein verbreitet, in der höfischen wie der heldischen Epik. Auch von daher gibt es viele Beziehungsmöglichkeiten, die aber vorsichtig zu betrachten sind.
Von der Frage der bewußten Übernahme von Stoffen und absichtlichen Bezügen zu anderen Texten abgesehen, ist allerdings auch schon die bloße Möglichkeit solcher Vergleiche ein lohnenswerter Bestandteil einer Interpretation. Die Tatsache, daß ähnliche Ereignisse in der Kudrun und im Nibelungenlied verschieden dargestellt werden, beweist nicht notwendig eine bewußte Auseinandersetzung des Autors mit einer "Vorlage". Sie verdeutlicht aber ganz unabhängig davon den besonderen Charakter der Darstellungsform. Insofern ist der Vergleich der Kudrun mit anderen Epen der Zeit immer aufschlußreich, auch wenn die faktische Kenntnis des Autors offen bleibt oder allenfalls nach allgemeinem Dafürhalten plausibel erscheint, wenn man die Beziehungen zwischen Autor, Publikum und Dichterkollegen berücksichtigt.
2.1.3. Die Frage des Autors
Über einen bestimmten Autor der Kudrun ist in der Forschung nichts bekannt (1). Aus den bisherigen Feststellungen zu Inhalt, Form und Stoff läßt sich aber "schließen", daß der Text in seiner Einheitlichkeit und Stringenz wohl das Werk eines einzelnen Dichters ist. Während jedoch die Eigenleistung des Autors für den Hagenteil außer Frage steht, bleibt für die beiden folgenden Teile wegen ihrer sicheren Traditions-bestimmtheit das Ausmaß und die Intensität der Überarbeitung sowie die Zahl der beteiligten Personen im Laufe der Überlieferungsgeschichte eine offene Frage. Allerdings bietet das für den Hagenteil gewonnene Ergebnis eine Hilfe für die Beurteilung des Gesamtwerks: Das für den Hagenteil Typische kehrt im Gesamtwerk wieder: die Strukturen, Motive und Beschreibungen, besonders auch der noch darzustellende -------------------------
(1) Vgl. dazu Stackmann, a.a.O., S. XLI. Hoffmann, a.a.O., S. 289ff.
christliche Gehalt. Insofern läßt sich also gerade von dem meist vernachlässigten Hagenteil aus eine sichere Basis für die Beurteilung des Gesamtwerkes gewinnen. Grundsätzlich ist zu der Autorfrage noch anzumerken, daß in ihr ein klassisches Verständnis von Dichtung nachlebt, das den Zugang zum eigentlichen Charakter der Dichtung nicht ermöglicht. Die Frage nach der Persönlichkeit des Autors ist völlig unerheblich für das Verständnis des Wesentlichen eines Werkes, zumal man diese Persönlichkeit nur schwer aus dem Text erschließen kann. Alle Interpretationsmuster in dieser Frage sind typisch neuzeitlich: So wird zum Beispiel aus der "Einheitlichkeit" eines Werks darauf geschlossen, wie viele (möglichst nur einer) am Werk gearbeitet haben, aus der "Uneinheitlichkeit" auf eine Mehrzahl von Autoren. Gerade die Formelhaftigkeit und Schablonenhhaftigkeit der Texte zeigt, daß es den Autoren oder dem Autor im Wesentlichen darauf ankam, Bekanntes und Typisches zu kombinieren, zu variieren und zu amplifizieren (1). Auch die später genauer zu untersuchenden "christlichen" Elemente sind völlig traditionell und stereotyp, ebenso wie auch die Art und Weise der "Auseinandersetzung" des Dichters mit dem Nibelungenliede oder anderen Dichtungen des Hochmittelalters. Hier wird nicht etwa das "Individuelle" und "Neue" "kritisch" gegen die "Absicht" des Nibelungenliedes gesetzt, sondern Topoi der christlichen Tradition andersartigen Topoi entgegengesetzt, wobei dieser Gegensatz auf gesellschaftlichen Wertvorstellungen und Wertkonflikten gegründet ist, nicht auf "Meinungen" eines "freischaffenden" Künstlers. ----------------------------(1) Zu den überindividuellen Formen in der Kudrun vgl. besonders: Siefken, Hinrich: Überindividuelle Formen und der Aufbau des Kudrunepos. München 1967.
2.2. FORTLAUFENDE ANALYSE UND KOMMENTIERUNG DES TEXTES
HINSICHTLICH DES CHRISTLICHEN GEHALTES
2.2.1. 1. Aventiure: Sigebanthandlung
2.2.1.1. christliche Topik: media vitae in morte sumus
König Ger, Vater von Sigeband, vermählt mit Ute, stirbt noch vor der Eheschließung seines Sohnes. Zu seinen Tod schreibt der Erzähler der "Kudrun":
Dar nach in kurzen stunden do schiet si der tot, so noch den edelen liuten geschiht
Diese Digression ist besonders aufällig, weil sie sich von dem vorangehenden und nachfolgenden höfischen Geschehen (Ausbildung des jungen Sigeband zum Ritter, Brautwerbung) abhebt.
Diese dem Sinne nach hervorgehobene Stellung gibt auch --------------------------(1) Seit ahd. Zeit hat das Wort (ahd. "sorga") zwei Hauptbedeutungen. Einerseits bedeutet es "Unruhe, Angst, quälender Gedanke", meist im Plural gebraucht. Die zweite Bedeutung besonders für die präfigierten Verbalformen ist "Bemühung um Abhilfe". Die erste Bedeutung ist hier natürlich auch thematisch passend. Vgl. Duden Etymologie. Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Günther Drosdowski, Paul Grebe u.a. In Fortführung der "Etymologie der neuhochdeutschen Sprache" von Konrad Duden. Bibliographisches Institut Mannheim/Wien/Zürich (Dudenverlag) 1963. (=Duden, Bd. 7).
Anlaß zur Frage, ob es sich hierbei um einen redaktionellen Einschub handeln könnte: Die Strophe ist als ganze konsequent durchgestaltet und nur in der Anfangszeile inhaltlich durch das Personalpronomen "si" mit dem vorhergehenden Text verbunden. Da es jedoch keine sprachlich-stilistischen Besonderheiten gibt, bleibt die Frage des Einschubs eine bloße Möglichkeit.
Die Frage nach der Bedeutung von "urkunde" ist lange umstritten gewesen. Vom Sinnganzen des Textes aus ist die Bedeutung "Zeichen" naheliegend. "Stiftungen" wäre hier ein sonderbar fernliegender Gedanke. Auch der Gedanke an eine mögliche Anspielung auf den Tod eines dem Autor gegenwärtigen Fürsten erscheint dem Sinn nach abwegig, wenn es natürlich auch nach der Syntax und Lexik der Strophe nicht ausgeschlossen ist. (1) 2.1.1.2. Zeremonien und Sakramente: die Taufe
Nach der Vermählung Sigebants mit Uote wird ihr Sohn Hagen geboren. Dabei wird die Taufe des Kindes erwähnt: In den naechsten drin jaren, so wir hoeren sagen, si begunde bi dem künige ein edel kint tragen. daz wart <...> getoufet unde sit genennet bi sinem namen Hagene: da von man daz maere wol erkennet. (22) Die Erwähnung der Taufe ist als solche nicht ungewöhnlich in der Heldenepik, zeigt aber doch, daß dem Autor die christlichen Riten und Kulte geläufig und so selbstverständlich waren, daß er sie in den Stoff einfügte. Isoliert genommen beweist eine solche Stelle für den religiösen Charakter einer Dichtung freilich nichts. Es muß aber die generelle Tendenz einer Dichtung berücksichtigt werden, in die eine solche Stelle sich einfügt. So gesehen verstärkt diese Erwähnung der Taufe die christliche Tendenz der Überformung des Stoffes durch den Autor. Ein Bezug auf vorliegenden Stoff kann in 22,4b gesehen werden. Der Name Hagen und damit verbundene traditionelle Geschichten, vielleicht die besonders archaischen von Hagen dem "Valant aller Künege", waren dem Autor wohl ebenso bekannt wie seinem Publikum.
--------------------------------------(1) Zur Geschichte der Deutung dieser Strophe vgl. Schützeichel, Rudolf: Zu Kudrun 5,3. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur begründet von Hermann Paul und W. Braune, Bd. 82, S. 116ff.
2.1.1.3. Einbruch des Teuflischen in die höfische Welt
Bei der Veranstaltung eines höfischen Festes wird Sigebants und Utes Sohn Hagen durch einen Greifen entführt. Dieses Geschehen wird vom Erzähler so kommentiert: Des wirtes ungelücke nahen do began, da von er und frou Uote groziu leit gewan. ez het der übele tiuvel gesant in daz riche sinen boten verre. daz ergieng in allen klageliche. (54)
Der Greif, in der germanischen Vorstellungswelt ein mit dem Drachen gleichbedeutendes Untier, das aufgrund seiner großen Stärke gefürchtet wurde, wird hier als Bote des Teufels, also auf dem Hintergrund christlicher Vorstellungen, gedeutet. Der Teufel als Versucher und Schädiger der Menschen wird als Ursache der Handlung angegeben, keine bloße Naturkraft und auch nicht menschlicher Wille wie im Nibelungenlied. Seine Macht bricht in der Stimmung der Festfreude über die Menschen herein, stellt also ihre höfische Heiterkeit grundsätzlich in Frage und verkehrt sie in "klage". Die Heiterkeit zeigt sich in ihrer Relativität vor dem Hintergrund eines ganz anders gearteten überweltlichen Kräfteverhältnisses. Diese Hinterwelt ist der Welt der Menschen fern ("von verre"), aber in ihrer Macht überlegen und bricht in Augenblicken der Unaufmerksamkeit (vgl. 53), in der sich die höfische Welt ganz auf ihre Freude konzentriert, von außen herein, um die "freude" in "klage" (54), "not" (60) und "leit" (61) zu verwandeln, indem gerade das den Menschen Liebste genommen wird. 2.1.1.4. Gottergebenes Erdulden des Leids
Auf den Raub ihres Sohnes durch den teuflischen Greifen reagieren Sigeband und Uote, seine Frau, Mutter Hagens, so: Der wirt weinte sere, sin brust diu wart im naz. diu edele küniginne mit zühten sprach do daz, daz er die klage lieze, daz liut laege allez tot: "ez müeze sich verenden, als got von himele gebot." (62)
Das Unglück, das vom Teufel über die Menschen gebracht wurde, wird also in Gottes Willen aufgehoben: Alle Menschen müssen sterben. Gott hat gegeben, Gott hat genommen, der Name des Herrn sei gepriesen. Das Leid wird als Prüfung erfahren, die standhaft ertragen werden muß. Dies entspricht ganz der Haltung Kudruns in ihrer Leidenszeit, wie sie in den Av. 20 und 21 beschrieben wird. Auffällig ist, daß der Frau hier die Rolle zugeschrieben wird, das religiöse Moment zu verdeutlichen und außerdem vollendete Selbstbeherrschung zu zeigen, während der Vater, Sigeband, seinem Leiden völlig ausgeliefert erscheint: Er weint geradezu unheldisch und unhöfisch fassungslos: eine Reaktion, die im "Nibelungenlied", aber auch in Artusepen nicht vorstellbar ist und die gerade in ihrem Kontrast zum beherrschten und zugleich tief religiösen Verhalten der Frau und Mutter überraschend und daher eindrucksvoll ist.
2.2.2. Hagens Leben in der Wildnis (2.Aventiure)
2.2.2.1. Das wundersame Walten Gottes
Nachdem er von dem Greifen entführt wurde, wird Hagen in das Nest zu den jungen Greifen getragen. Der Erzähler kommentiert dieses Geschehen:
Ez (daz kint, A,d.V.) was noch unerstorben, wan ez got gebot. (68)
Ins Nest zu den Jungen geworfen entkommt Hagen ihren Klauen:
Also diu kunft des alten zuo dem neste ergie, daz kint er uz den klawen zuo den jungen lie. do zuhte ez
Einer der jungen Greifen will ihn vom Nest wegtragen, dabei entkommt Hagen. Hagen findet in einer Höhle drei Königstöchter, die ebenfalls von den Greifen verschleppt worden waren. Der Erzähler kommentiert dieses Geschehen erneut durch Herstellung eines religiösen Bezuges:
Got tuot michel wunder; des mac man verjehen. von der grifen sterke was ouch e geschehen, daz drier künige tohter waren dar getragen. si sazen da vil nahen. nu kan iu niemen gesagen, (73) wie si den lip nerten ie so manigen tac, wan daz ir got von himile vil gnaediclichen phlac. (74,1/2)
Wie das Unglück der Macht des Teufels zugeschrieben wurde, so das Gute, zumal wenn es wunderbar erscheint, der Güte Gottes und seiner Gnade. Das Wunderbare besteht immer darin, daß denen, die unschuldig in Not sind, geholfen wird, zum Beispiel indem einem Menschen von Gott besondere Kräfte verliehen werden (1). Das den Menschen Feindliche erscheint dabei als Gestalt der Natur in überdimensionaler Größe. Das Göttliche ist zugleich das Gesellschaftliche: Die drei Königinnen und Hagen bilden eine Art künstliche Familie. Das von außen in die Gesellschaft Hineindringende, Störende, ist zugleich das Unmenschliche. Wie anders ist hierin das Nibelungenlied: Gerade die Menschen sind dort die Träger des Bösen, die die Gesellschaft von innen heraus zerstören - um einer Vorstellung von Heldentum willen, die in ihrer Übermenschlichkeit zugleich unmenschlich ist und in ihrer Zerstörungswut keine Grenzen kennt. Der Greif in der Kudrun dagegen ist eingeordnet, dem Schöpfungs- und Herrschaftswillen Gottes letztlich untertan, und daher keine grundsätzliche Herausforderung für die Gesellschaft, sondern Mahnung, ihr eigentliches Fundament im Religiösen zu bedenken.
2.2.2.2. Woran erkennt man einen Christen?
Als die Königinnen Hagen zum ersten Mal sehen, fragen sie ihn, ob er ein Christ sei oder ein "twerc" oder "merwunder". Hagen wird "minnecliche" empfangen, nachdem er sich als Christ ausgegeben hat: alles unmuotes was ir herze vol, e daz si erfünden, daz er ein kristen waere. (76, 2/3) Do sprach daz edele kindel: "lat mich iu wesen bi, ob ir daz welt gelouben, daz ich ein kristen si. (78, 1/2)
Woran haben die Königinnen es erkannt, daß er ein Christ war, und was bedeutete dieses Christsein genau für sie, ist hier die Frage, die sich vom modernen Verständnis her stellt. Die bloße Behauptung von seiten Hagens, Christ zu sein, erscheint als zu geringer Beweis, um den Königinnen ihre Angst zu nehmen. Wichtig ist hier wie bei der späteren parallellen Begrüßungs- und Identifikationsszene (Hagen-Graf) die Beschreibung des angstbetont empfundenen Bereiches, aus der die fremde Person zu kommen scheint: Hagen wird zunächst für ein "merwunder" oder "twerc" gehalten, also durchaus für ein "vernunftbegabtes Lebewesen" im modernen Sinne, aber doch zugleich für ein zu fürchtendes, wohl mit übernatürlichen Kräften begabtes Wesen aus einer den Menschen fremden und feindlichen, der Natur eng verbundenen Welt, die jedoch nicht mit der religiösen Welt verbunden ist: Der Teufel, der den Greif aussendet, und die Zwerge oder Wassermänner sind ohne Beziehung. Sie stammen aus verschiedenen Sphären: der Teufel aus der christlichen, die anderen aus dem germanischen Volksglauben. Diese Elemente der germanischen heidnischen Naturauffassung sind in der angeführten Szene der Frage nach dem "Christentum" Hagens direkt entgegengesetzt, wodurch deutlich wird, inwiefern das Christliche mit dem Gesellschaftlichen und Menschlichen überhaupt identifizert wird. --------------------------------(1) Später wird berichtet, wie Hagen die Waffen eines Schiffbrüchigen aus einer Kreuzfahrerflotte ( ein grozez gotes her (85,2)) findet und damit alle Greifen tötet. Dazu schreibt der Autor: des half im got von himele; ja mohte er solher krefte niht gewalten. (94,4). Seine Tat wird als "michel wunder" (95,1) beschrieben
2.2.2.3. Armut und Dankbarkeit, religiöse Reife
Die Königinnen haben Hagen nur wenig anzubieten, sind aber in ihrer Armut hilfsbereit, dankbar und zufrieden. Der Erzähler bemerkt: si lebeten gotes güete und waren in ir tumben jaren wise. (81,4) Diese Erwähnung der Weisheit bei jungen Menschen, denen diese Weisheit üblicherweise nicht eignet, findet sich noch an anderen Stellen des Werks. Wichtig ist die Bedeutung, die der Weisheit gegeben wird: Verzicht, Einfachheit des Lebens, Bedürfnislosigkeit in Verbindung mit Dankbarkeit gegenüber Gott, ist die Haltung, die gelobt und damit dem Leser indirekt tadelnd oder lobend empfohlen wird.
In der Zeit nach den Bewährungsproben wird beschrieben, wie sie nicht nur durch Speise stärker wurden sondern
ouch kuhten sich ir sinne von gotes meisterschaft. (105,2)
Dies klingt wie eine Paraphrase des Bibelwortes: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Dieser Kommentar des Autors zum Lebensstil und zur Art der Selbsterziehung der Kinder ist besonders bedeutsam, weil diese ja in der Wildnis fern von aller höfischen oder christlichen Gesellschaft leben und dennoch religiös sind, wie sie auch die Regeln des höfischen Lebens beachten.
2.2.2.4. Christlichkeit und Gesellschaftlichkeit
Schließlich werden die vier Verschollenen von einem vorbeifahrenden Schiff aus Garade aufgenommen. Es wiederholt sich die Erkennungsszene zwischen Hagen und den Königinnen: Die Männer der Besatzung "forchten wildiu merkint, do si die frouwen am dem stade sahen" (109,4). Hagen wird jedoch als Christ erkannt: do erkaltete ir gemüete, do er Krist so frevenliche nande. (111,4) Der Graf zweifelt jedoch noch immer, ob es sich bei den Königinnen um "schrawaz" oder "merwunder" handelt (112,3), da ihre Körper "in jungen mies gewunden" (113,3) sind. Um sich zu versichern wählt er die folgende Methode: Er begunde fragen, e er zem stade gie: "sit ir kint getoufet, waz tuot ir danne hie?" (113,1/2)
Neben der erneuten Hervorhebung des wundersamen Waltens Gottes ist dieser Teil der Aventiure besonders interessant wegen der auffällig parallell strukturierten Wiederholung der Erkennungszene, in der es darum geht, die Angst vor unheimlichen Naturkräften dadurch zu überwinden, daß das bedrohlich erscheinende fremde Wesen sich in seiner Christlichkeit ausweist, was in der ersten Szene durch einfache Behauptung, in der zweiten durch "frevenliche" Nennung des Namens Christi erfolgt. Vielleicht ist damit die magische Vorstellung verbunden, daß ein Naturwesen den Namen Christi nicht aussprechen kann. Wichtiger als dies ist jedoch, daß die eigentliche Identifikation als Mensch durch Inaugenscheinnahme geschieht, daß also der Beweis der Christlichkeit wesentlich im äußeren Erscheinuungsbild, im Gebrauch der Sprache und der Form der Bitte um Hilfe gesehen zu werden scheint, weswegen auch Hagen von vornherein keine Angst vor den Königinnen oder den Matrosen hat. Zivilisiertheit und Menschenähnlichkeit, verstärkt durch offenkundige Hilflosigkeit, sind das, was Angst beseitigt und Hilfsbereitschaft ermöglicht. Das Christliche wird mit menschlicher Kultur überhaupt identifiziert und dem "Wilden", Naturhaft-Dämonischen gegenübergestellt. Dies ist nicht Indiz für die religiöse Oberflächlichkeit des Dichters, sondern in erster Linie für die Selbstverständlichkeit des christlichen Weltbildes und Ausdruck dafür, daß die Christianisierung Deutschlands zugleich eine Kultivierung darstellte,
angefangen von der Bändigung der Naturgewalten durch Schhaffung einer "Kultur"-landschaft bis hin zur Erziehung im Geiste der Eintracht und gegenseitigen Hilfe.
2.2.3. Die Heimreise (3. Aventiure)
An Bord des Schiffes geben die vier Verschollenen ihre Herkunft bekannt. Der Graf von Garade bemerkt, daß alles mit Gottes Wille und Gnade geschehen sei (121) Hagen erklärt seinen siegreichen kampf mit den Greifen durch Gottes Güte (125). Der Graf von Garade, so stellt sich heraus, ist ein Feind von Hagens Vater. Hagen schlägt vor:
so getrouwe ich wol versüenen ir haz und iuwer striten. lat mich gnaedicliche zuo
2.2.4. Versöhnung und Heirat; Hagen als "Valant" (4. Aventiure) 2.2.4.1 Die Versöhnung
Die vierte Aventiure bildet den Abschluß des ersten Teils der Kudrun-Dichtung, des sogenannten Hagenteils. Wie alle anderen Teile endet schon dieser erste mit einer großangelegten Versöhnungszene und einer auf die Versöhnung folgenden Eheschließung. Hagen hiez genaedic den von garadie sin den künig und die liute durch den willen sin, daz er vergaebe schaden unde schulde. Hagene der junge der gewan den pilgerinen hulde. (158) Do der künic mit kusse versuonte sinen zorn, do muoste man in gelten swaz si heten verlorn. daz was in frume vil groziu und was ouch Hagenen ere. sit wurden si vinde mit dem von Irlande nimmer mere. (159)
Wichtig ist die Verbindung von persönlichem Verzeihen, das mit einem Kuß besiegelt wird und der Nennung von "gnade" und "hulde", Begriffen die in der religiösen Sprache besonders häufig zur Kennzeichnung von Gottes Hinwendung zu den Sündern gebraucht werden. Im Gegensatz zur "erbärmde" (1), mit der Kudruns Verhalten später charakterisiert wird, sind die genannten Wörter jedoch germanischen Ursprungs (2). Ihre vorchristliche Grundbedeutung ist hier aber christlich vertieft zu verstehen, da die Gesamthandlung christlich geprägt ist. Das Verzeihen erfolgt aus freien Stücken, ohne äußere Notwendigkeit. Wichtiger noch: Es erfolgt gegenüber einem Todfeind, der durch sein Verhalten dem Königgssohn Hagen gegenüber (Geiselnahme, Tötungsversuch) eigentlich kein Entgegenkommen erwarten kann. Es handelt sich bei Hagens Verhalten geradezu um "Feindesliebe". Für wie unüblich und überraschend diese christliche Haltung der Autor diese Haltung zumindest im Rahmen der Handlung und vielleicht des Stoffes gehalten haben muß, ergibt sich daraus, daß Hagen selbst dem Grafen gegenüber seine Zweifel zum Ausdruck bringt, ob sein Vater ihm wohl verzeihen werde, denn er, Hagen, habe im Lande keine Macht (140). Bemerkenswert ist auch, daß Hagen sofort anerkennt, daß dem Grafen von seinem Vater ein Leid geschehen sei. Er denkt also nicht dynastisch, sondern ethisch und ist dem Feind seines Vaters gegenüber sogar zu einem indirekten Schuldeingeständnis fähig (131).
2.2.4.2. Abschluß der Aventiure
Nach der kirchlichen Inthronisation des Prinzenpaars (Nach siten christenlichen wihen man do hiez/beide zu der krone. ... (179, 1/2))
wird ein ritterliches Fest dargestellt. Im Folgenden wird Hagens neuartiger Charakter als hochmütiger "Valant aller künige" (196,4) dargestellt. Die Beschreibung der Geburt und Erziehung Hildes (Hilde II) bis zum Beginn der Brautwerbungen bildet schon die Überleitung zum Hildeteil. --------------------------------(1) ahd. *ab-armen ist präfigierte Lehnübersetzung von lat. "misereri". (2) ahd. ginada: Schonung, Hilfe; ahd. huldi: Gunst, Freundlichkeit, Treue, Schutz.
2.2.5. Zusammenfassung der Einzelbefunde
Im Hagenteil der "Kudrun" läßt sich in der Darstellung der Handlung und besonders in den Erzählerkommentaren eine deutliche, mit dem gesamten Epos übereinstimmende Tendenz zur Hervorhebung christlich-religiöser Denk- und Verhaltensweisen erkennen, sowie eine den Charakter der Selbstverständlichkeit besitzende Erwähnung christlicher Zeremonien bzw. Sakramente. Als typisch christliche Denkweisen erscheinen
- die Betrachtung des Welt als Ort der Prüfung durch Leiden;
- die Sicht des Lebens als von Sorge und der Erwartung des Todes getragen;
- die Vorstellung von einem übermächtigen Walten Gottes und, in Übereinstimmung mit Gottes Willen, der teuflischen Mächte;
- der wunderbare Charakter des göttlichen Wirkens. Typisch christliche Verhaltensweisen sind:
- die Bereitschaft zur Vergebung und Versöhnung gegenüber Feinden, auch wenn sie sich unwürdig verhalten;
- die Betonung der Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit gegenüber körperlichen Bedürfnissen;
- die Hervorhebung der geistig-religiösen Erziehung.
Charakteristisch für die alles durchdringende kulturelle Wirksamkeit des Christentums allgemein erscheint die Tatsache, daß Christlichkeit, Zivilisation, Bändigung der Affekte und Schutz vor den dämonischen Naturmächten identifiziert werden.
2.3. INTERPRETATION DER AUSGEWÄHLTEN STELLEN IM ZUSAMMENHANG DES HAGENTEILS
2.3.1. Widersprüche in der Darstellung des Charakters Hagens
Entgegen dem durch Analyse ausgewählter Textstellen gewonnenen Befund deutlicher und nicht wegzuleugnender Zeichen von tiefwurzelnder Christlichkeit gerade in Hagens Haltung, entspricht dieses Bild nur zum kleinen Teil der Gesamtdarstellung Hagens. Gerade in der scharfen Abgrenzung dieser verschiedenen Weisen seiner Darstellung wird die Uneinheitlichkeit und Widersprüchlichkeit des Textes deutlich: Hagen wird gegen Ende der 4. Aventiure zunehmend als aggressiv, unversöhnlich, rechthaberisch, grausam und unvernünftig dargestellt, nachdem sein Charakter vorher nur stereotyp als "wild" gekennzeichnet und er selbst "ungefüege" genannt wurde. Die Darstellung seiner übermenschlichen Kräfte, die er zuerst von Gott, später aber durch das Blut des Gabilun bekommt, seiner Kämpfe mit dämonischen Naturwesen etc., liegen auf einer anderen Ebene als der des Musterritters und miles christi und können nicht über den Bruch in der Darstellung seines Charakters hinwegtäuschen. Dieser Bruch in der Darstellung ist ziemlich genau zu lokalisieren: Es sind die Strophen 165 bis 167, mit denen auf eine für epische Anfangsstrophen typische Weise Hagen wie eine dem Leser/Hörer fremde Person eingeführt wird, indem seine schon bekannte Biografie zum Teil verzerrt oder unrichtig wiederholt wird. Zudem findet sich ein möglicher Bezug zur Tradition des Stoffs, da der Autor die Biografie einleitet durch den Satz: des horte man in dem lande von dem helde sagen unde singen: (166,4) Der Autor war also bemüht, den überkommenen Stoff in sein Werk einzufügen, vielleicht auch, um sein Werk durch Wiederholungen zu erweitern, griff dabei auf einen Einzeltext zurück# und versuchte ihn dem Ganzen einzufügen, indem er fingierte, daß sein Auszug als "sagen unde singen" von Hagens Zeitgenossen hervorgebracht worden und ihm zu Ohren
gekommen sei.
Der hierauf folgende Text ist nun eine sehr heterogene Mischung aus der Charakteristik des "übermuot(es)" (203) Hagens als des bekannten "Valant(es) aller künige" (196,4) mit seinen grausamen Praktiken bei der Abweisung von Brautwerbern und Rivalen um die Machtstellung und sympathischen Zügen wie der Rücksicht auf die Armen, der "milte" als Herrschertugend, sowie höfischen Topoi unter besonderer Hervorhebung der "minne" und der Festfreude. Man kann feststellen, daß die unsympathischen kritischen Töne zum Ende der Aventiure hin deutlicher werden.
Diese Fakten lassen sich durch folgende Hypothese integrieren: Der Autor hat die Hagenhandlung als Vorhandlung des Epos einheitlich gestalten wollen. Da er jedoch eine Überleitung zur folgenden Hildehandlung finden mußte, in der gemäß der Stofftradition Hagen als "valant aller künige" auftritt, so mußte gegen Ende die negative Seite des Charakters Hagens stärker betont werden, was dem Dichter aber nur unter Inkaufnahme eines Stilbruches möglich war: Der junge Prinz Hagen und der König Hagen sind zwei fast völlig verschiedene Personentypen. Eine Deutung im Sinne des moderenen psychologischen Entwicklungskonzeptes kann hier entgegen mancher Tendenz in der neueren Forschungsliteratur eindeutig abgewiesen werden, weil eine Entwicklung als solche motiviert werden müßte, wenn es dem Autor darum ginge, eine sich entwickelnde Persönlichkeit darzustellen. Eine solche Motivierung fehlt jedoch völlig. Der Hochmut ist Charaktereigenschaft und in der Epik Beschreibungselement eines Typus, kein Anlaß einer Entwicklung. Das Königtum mit seiner Machtstellung und der daraus folgenden Verführung zur Despotie hätte eine solche Motivierung zur Veränderung eines Charakters bieten können. Diese fehlt im Text jedoch völlig.
2.3.2. Das Verhältnis höfischer, heldischer und christlicher Elemente im Hagenteil
Die Hypothese des letzten Kapitels wird gestützt durch den Vergleich der in der Überschrift genannten Elemente: Das Höfische bildet den einheitlichen "Kitt" des ganzen Teiltextes, in den die heterogenen christlichen und heroisch-sagenhaften Elemente in unterschiedlichem Mischungsverhältnis als "Fremdkörper" eingebettet sind, wobei alle drei Elemente in verschiedener Weise den Funktionen der Dichtung entsprechen: Das christliche Element ist fast rein lehrhaft. Allenfalls die Kurz-Kommentare könnten als Füllsel oder Formeln gedeutet werden, nicht aber die strophischen Digressionen. Das heldisch-sagenhafte Element mit seiner Grausamkeit und seiner Abenteuerlust ist hauptsächlich Element der Unterhaltung. Im Gegensatz zum "Nibelungenlied" hat die Grausamkeit der geschilderten Personen und Handlungen im Hagenteil nur selten eine lehrhafte Funktion. Während im NL die höfische Welt durch archaische Kräfte in Frage gestellt wird, bleibt sie im Hagenteil im Wesentlichen intakt. Das archaische Verhalten des erwachsenen Hagen wird als Form höfischer Untugend indirekt in die höfische Welt integriert, nicht als absolut in Frage stellend konstruiert. Daher fehlt den dargestellten Handlungen hier auch der ersthafte Zug, den das NL im Ganzen hat. Die Grausamkeit Hagens erscheint in eins schablonenhaft und übertrieben. Die Nähe zum Märchen in seiner Unwirklichkeit und zur Spielmannsepik in ihrem Unernst ist hier gegeben. Wo der Ernst sich nicht kaschieren und das Unheil nicht verleugnen läßt, wird es zum Teil christlich eingebunden und gedeutet: Der Greifenraub entspricht einer Handlung des Teufels; Im Kampf mit den Greifen steht Gott Hagen bei; Der Tod des Königs ist Teil der göttlichen Vorsehung.
Unterhaltung ist an ernsthaften Gegenständen nur möglich, wenn sie durch christliche Deutung geläutert wird, oder wenn sie in den Rahmen höfischer Tugendvorstellungen eingebunden bleibt: Hagens Grausamkeit ist "übermuot", nicht Auflehnung gegen die höfische Ordnung als solche, sondern schuldhaftes Versagen.
2.3.3. Absichten und künstlerische Leistung des Autors des Hagenteils
Das Ergebnis der vorigen beiden Kapitel führt direkt zu der Frage nach den Intentionen und Leistungen des "Autors". Gerade aus der uns auffälligen Sperrigkeit der zu verbindenden Elemente und ihrer Heterogenität auch in der Bearbeitung des Autors läßt sich diese Frage gut beantworten. Es muß jedoch beachtet werden, daß das, was uns heterogen erscheinen mag, für den Autor eine Sinneinheit bedeuten konnte. Für den Autor waren die Regeln des höfischen Lebens selbstverständlich. Die höfische Welt war ihm im Gegensatz zur feindlichen und teuflischen Naturwelt der Hort der Kultur im Sinne der geordneten und gedeuteten Menschenwelt schlechthin und schon deshalb gleichbedeutend mit Christlichkeit. Dies ist ein Punkt, an dem die Zeitgebundenheit einer von heute ausgehenden Interpretation berücksichtigt werden muß: Das spezifisch Religiöse des Christentums stand für einen Menschen des Mittelalters noch in keinem Gegensatz zu gesellschaftlichen Normen. Kultur und Religion konnten als Einheit verstanden werden, obwohl das in der Artusepik nicht so selbstverständlich ist wie für den Autor der "Kudrun".
Auch das Archaische oder Extreme des Stoffes wird nur durch die Brille des Hofes oder unter religiösem Aspekt wahrgenommen. Die höfische Welt wird affirmativ dargestellt und dem Hörer des Epos also nahegebracht. Mit der Darstellung des Höfischen verbindet sich auch ein Teil der Unterhaltungsabsicht (in der Darstellung von Kämpfen und Festen) mit lehrhaften Tendenzen (Erziehung von Rittern und Prinzen).
Während einerseits das Höfische als das Zivilisatorische schon als christlich erscheint, wird umgekehrt das religiöse Moment wirksam, um die sittlichen Maßstäbe des höfischen Lebens zu vertiefen. Darin kann im Vergleich zum "Nibelungenlied" und auch zur Artusepik das Unterscheidungsmoment der "Kudrun" gesehen werden. Auch das Überschreiten der höfischen Zuchtgrenzen hat von hieraus gesehen eine zum Teil vertiefende Funktion: Der freien Gemütsbewegung wird mehr Raum gegeben.
Das germanisch-heldische Element dient fast nur noch der Unterhaltung oder dem Kontrast zur höfischen und christlichen Weltsicht, ohne diese in Frage zu stellen. 3. VERGLEICH DES HAGENTEILS MIT DEM NIBELUNGENLIED (1)
Hagen gehört in den Stoffkreis der Hildesage. Seine Jugendgeschichte ist möglicherweise die weithin "eigenständige" Leistung des Kudrundichters. Sie spielt im Gesamtepos die Rolle einer Vorgeschichte im Sinne einer Ouvertüre: Alle inhaltlichen und gehaltlichen Motive der Gesamtdichtung werden angesprochen: der Kontrast der höfischen und naturhaft-heldischdämonischen Welt; die christliche Weltschau des Kommentators; die Strukturierung des Textes als variierende Folge von Brautwerbe, Brautraub-, Kampf-, Versöhnungs- und Festritualen; die Aufschwellung der Handlung durch breite Schilderungen des höfischen Lebens gemäß den üblichen Topoi der Heldenepik und Artusepik. Auffällig erscheint aber insgesamt das Gewicht der christlichen Kommentare im Hagenteil, besonders im Vergleich zum folgenden Hildeteil.
Im Vergleich zum "Nibelungenlied" ist auffällig, daß gerade -------------------------------(1) In meinem Vergleich folge ich vor allem der m.E. mustergültigen, äußerst detailreichen Darstellung Barbara Sieberts, a.a.O., S. 1-80.
die märchenhaften (drei Jungfrauen in der Höhle, die von Wurzeln leben) und die sagenhaften (Kampf mit dämonischen Greifen und einem Gabilun, dessen Blut zur Stärkung getrunken wird) Elemente dort fehlen, daß die christliche Deutung fehlt, die Versöhnung undenkbar erscheint und in der Kudrun das "leit" in Eheschließung, Versöhnung und Festfreude endet. Somit sind alle Motive der Antithetik schon in der Hagenhandlung vorhanden. Erwähnenswert ist jedoch dabei die Veränderung der Perspektive des Archaischen. Es wird nicht nur abgewiesen, sondern auch abgewertet und in seinem Unterhaltungsaspekt in den Bereich des Phantastisch-Unernsten verwiesen.
Im Hagenteil gibt es auch eine Fülle von direkten Anspielungen auf und Parallelen zum Nibelungenlied, aus denen geschlossen werden kann. daß der Autor der Kudrun das Nibelungenlied kannte und bewußt auf die Aussagen des Nibelungenliedes Bezug nehmen wollte. Deutlichster Hinweis ist die Existenz von eingestreuten Nibelungenstrophen im Text und die offenbare Verwandtschaft der Kudrunstrophe mit der Nibelungenstrophe. Außerdem ist die erste Strophe der Kudrun der zweiten und der zwanzigsten des Nibelungenliedes stilistisch und inhaltlich nachgebildet. Es handelt sich dabei allerdings um einen ganz typischen schablonenhaften Anfang für ein Epos. Insofern sollte die Anspielung nicht zu intensiv interpretiert werden. Immerhin wird man feststellen können, daß durch solche Anklänge der gebildete Zuhörer auf das Nibelungenlied verwiesen werden konnte und so auf einen Vergleich beider Epen eingestimmt wurde.
Wichtiger sind aber stoffliche und motivliche Anspielungen, die in ihrer Deutlichkeit direkt auf das Nibelungenlied bzw. den Siegfriedstoff zielen: -Hagen wie Siegfried wachsen in der außerhöfischen Wildnis auf. -Sie wachsen vor der Schwertleite zum Ritter heran. -Sie kämpfen gegen Ungeheuer.
Besonders für den letzten Punkt ist eine Anspielung auf den Siegfriedstoff eindeutig. Hagen erlegt ein "gabilun", einen Drachen und trinkt dessen Blut, um 12-fache Männerstärke zu gewinnen. Dabei mußte jeder Zuhörer an Siegfried denken. Trotzdem darf man nicht vergessen, daß die genannten Motive für beide Dichtungen nicht "originell" sind, sondern Variationen uralter Mythenmotive, die es in allen Kulturen der Welt gibt. Wichtiger als die genannten Parallelen zum Siegfriedstoff und zum Nibelungenlied sind die kontrastiven Abweichungen: Während Siegfried das Außerhöfische aus eigenem ungeselligen Drang zur wilden Einsamkeit (Motiv des Recken) aufsucht, wird Hagen gegen seinen Willen entführt und beginnt in der Wildnis nach höfischen Normen zu leben, die Wildnis zu überwinden und ins Gesellschaftlich-Höfische zu transformieren. Siegfried ist im Sagenstoff wie noch im Nibelungenlied der unbezähmte Wilde, der die Normen der Gesellschaft letzlich mißachtet. Hagen dagegen ist in der Darstellung des Kudrundichters wohl ganz abweichend vom "Valant"-Stoff innerhalb der Hildesage der von Gott her lebende, der höfischen Welt verpflichtete und in der Erziehung durch Frauen (minne/dienst) menschlich gereifte Musterkönig, der die Werte des Christlich-Höfischen vorbildlich vertritt. Auch die Rolle der Frauen wird in der Kudrun auf andere Weise geschildert als im Nibelungenlied. Hier erscheint die Frau als Bedrohung (Brünhilt), als kindlich-unbeherrscht (Eifersucht) und sogar als menschlich entartet (Kriemhilt). Die Ehen sind problematisch und zum Scheitern verurteilt. Das Verhältnis der Gatten ist Ausdruck und Teil derselben Konflikte, die die Gesamthandlung bestimmen. Im Hildeteil der Kudrun dagegen übernehmen manche Frauen die Erziehung des Mannes und steuern sein Verhalten in eine höfischchristliche Richtung, in der dann folgerichtig auch der Dienst an der verehrten Frau bedeutsam ist. Frauen werden in der Kudrun auch als menschlich überlegen dargestellt. Die Ehen sind alle eher harmonisch und stellen gegenüber der äußeren Handlung Ruhezonen dar. Die Ehe ist geradezu Teil des glücklichen Ausgangs aller Verstrickungen der Handlung und eng verbunden mit der Versöhnung von Gegnern und der allgemeinen Freude bei ritterlichen Festen.
Zusammenfassend kann man sagen, daß der Autor der Kudrun im Hagenteil ein ziemlich konsequentes Gegenbild gegen den wohl sehr populären Siegfriedstoff entwickelt, wie ihn sein Publikum wohl aus Varianten des Nibelungenliedes und ähnlichen Siegfried-Dichtungen kannte. Die grundsätzliche Infragestellung der in der Wirklichkeit des Hochmittelalters wirklich brüchigen und oberflächlichen Scheinwelt des "höfischen" Rittertums im Rückgriff auf die germanische Tradition, die in der Wirklichkeit unterschwellig in mehr oder weniger christlicher Verbrämung weiterwirkte, wird in der "Kudrun", die schon einer ruhigeren Epoche angehörte als das Nibelungenlied, zugunsten einer harmonisierenden, christlich überhöhten Bejahung und Idealisierung der höfischen Welt zurückgewiesen. Sie enthält Modelle der Konfliktregulierung und der Harmonisierung menschlicher Beziehungen durch gesellschaftliche Institutionen wie die Ehe. Ihren unterhaltsamen Reiz gewinnt aber auch die "Kudrun" hauptsächlich durch den bunten heldisch-heidnischen Stoff, den der Dichter oftmals nur mühsam oder gar nicht in christlich-höfische Formen zwingen konnte. Insofern ist auch die "Kudrun" ebenso wie das Nibelungenlied Ausdruck gesellschaftlicher Spannungen und Entwicklungen und nicht "bloße" Unterhaltung wie die Spielmannsepik oder reine höfische Ideologie wie die Artusepen Hartmanns auf weiten Strecken. Aufgrund des Reichtums an Stoff, der vielfältigen inneren Bezüge zur Dichtung der Zeit, der tiefreichenden geistigen Problematik und des Ausdrucks der gesellschaftlichen Spannungen der Zeit verdiente die Kudrun eine höhere Wertschätzung als sie sie bis heute erfahren hat. Vielleicht hat gerade ihre Vielschichtigkeit und ihre Stellung zwischen den Gattungen sowie ihre Gegenstellung zum Nibelungenlied dazu beigetragen, daß ihr dieses und andere Werke, die in ihrer Aussageabsicht und Gestaltung einheitlicher sind, der bequemeren Einordnung und Interpretation halber vorgezogen werden. (1) ----------------------------------(1) Dies gilt besonders auch für den akademischen Lehrbetrieb, in dem das Nibelungenlied sehr häufig und intensiv, die Kudrun aber gar nicht oder nur als Nebenthema zum Nibelungenlied behandelt wird.
LITERATURVERZEICHNIS
1. Textausgaben des Nibelungenlieds und der Kudrun Ich zitiere nach folgenden Ausgaben:
Kudrun. Hrsg. von Karl Bartsch. Neue, ergänzte Ausgabe der 5. Aufl. überarbeitet und eingeleitet von Karl Stackmannn. Wiesbaden (F.A. Brockhaus) 1980. (=Deutsche Klassiker des Mittelalters ohne Band-Nummer).
Nibelungenlied. Nach der Ausgabe von Karl Bartsch herausgegeben von Helmut de Boor. 21., revidierte und von Roswitha Wisniewski ergänzte Auflage. Wiesbaden (F.A. Brockhaus) 1979. (=Deutsche Klassiker des Mittelalters, Bd.3). Daneben wurde herangezogen:
Kudrun. Hrsg. von Barend Symons. (1. Aufl. 1883). 4. Aufl., bearbeitet von Bruno Boesch. Tübingen (Niemeyer) 1964. (=Altdeutsche Textbibliothek, Bd. 5). Kudrun. Herausgegeben und erklärt von Ernst Martin. 2., verbesserte Auflage, Halle 1902. (=Germanistische Handbibliothek, begründet von Julius Zacher, II). Kudrun. Die Handschrift. Hrsg.von Franz H. Bäuml. Berlin 1969. Ambraser Heldenbuch. Vollständige Facsimile-Ausgabe im Originalformat des Codex Vindobonensis Ser. nova 2663 der Österreichischen Nationalbibliothek. Kommentar von Franz Unterkirchner. Graz 1973. (Codices selecti, Bd. 43).
Das Nibelungenlied. -Kudrun. Text, Nacherzählung, Wort- und Begriffserklärungen Werner Hoffmann. Darmstadt (wbg) 1972. Zur vorläufigen Orientierung wurde herangezogen
Neumann, Friedrich: Kudrun. Karl Simrocks Übersetzung. Eingeleitet und bearbeitet von Friedrich Neumann. Stuttgart (Reclam) 1958. 2. Sekundärliteratur
Bender, Ellen: Nibelungenlied und Kudrun. Eine vergleichende Studie der Zeitdarstellung und Geschichtsdeutung. Frankfurt/Main/Bern/New York/Paris (P.Lang) 1983. (=Europäische Hochschulschriften. Reihe I: Deutsche Sprache und Literatur. Bd. 994). Borst, Arno (Hrsg.): Zur höfischen Gesellschaft und höfischen Kultur: Das Rittertum im Mittelalter. Darmstadt (wbg) 1976.(=Wege der Forschung, Bd. 349). Bumke, Joachim: Höfische Kultur. Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter. 2 Bde München 1986.
Campbell, Ian Richard: Kudrun: a critical appreciation. Cambridge 1978.
Curtius, Ernst Robert: Europäische Literatur und Lateinisches Mittelalter. 7. Aufl., München (Francke) 1969.
De Boor, Helmut: Die höfische Literatur. Vorbereitung, Blüte, Ausklang. In: De Boor/Newald: Geschichte der deutschen Literatur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Band 2. München (C.H. Beck) 1953. 6. Aufl., 1964.
Duby, Georges: Die drei Ordnungen. Das Weltbild des Feudalismus. Frankfurt/Main (Suhrkamp) 1981.
Duden Etymologie. Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Günther Drosdowski, Paul Grebe u.a.. In Fortführung der "Etymologie der neuhochdeutschen Sprache" von Konrad Duden. Bibliographisches Institut Mannheim/Wien/Zürich (Dudenverlag) 1963. (=Duden, Bd. 7)
Gurjewitsch, Aaron: Das Weltbild des mittelalterlichen Menschen. München 1980. Hashagen, Justus: Mittelhochdeutsche Laienethik als Forschungsproblem. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte, 60, 1941, S.67-74. Wiederabgedruckt in: Ritterliches Tugendsystem. Hrsg. von Günter Eifler. Darmstadt (wbg) 1970. S. 106-115. Hoffmann, Werner: Kudrun. Ein Beitrag zur Deutung der nachnibelungischen Heldendichtung. (Habilitationsschrift). Stuttgart (Metzler) 1967. (=Germanistische Abhandlungen, Bd. 17).
Ders.: Mittelhochdeutsche Heldendichtung. Berlin 1974. (=Grundlagen der Germanistik, Bd. 14).
Ders.: Die `Kudrun': Eine Antwort auf das Nibelungenlied. In: Nibelungenlied und Kudrun. Hrsg. von Heinz Rupp. Darmstadt (wbg) 1976. (=Wege der Forschung, Bd. 54). S. 599-620. Ders.: Die Hauptprobleme der neueren "Kudrun"-Forschung. In: Wirkendes Wort 14, 1964, S. 183-196; 233-243.
Lämmert. Eberhard: Bauformen des Erzählens. Stuttgart (J.B. Metzler) 1955. Lexer, Mathias: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. Bd. I-III. Leipzig 1872-78. Neumann, Friedrich: Schichten der Ethik im Nibelungenliede. In: Festschrift für Eugen Mogk zum 70. Geburtstag, 19.7.1924. Halle (Niemeyer) 1924, S. 119-145. Wieder abgedruckt in: Ders.: Das Nibelungenlied in seiner Zeit. Göttingen (Vandenhoek) 1967. (=Kleine Vandenhoek-Reihe 253 S). S. 9-34.
Nibelungenlied und Kudrun. Herausgegeben Heinz Rupp. Darmstadt (wbg) 1976. (=Wege der Forschung Bd. 54).
Ritterliches Tugendsystem. Herausgegeben Günter Eifler. Darmstadt (wbg) 1970. (=Wege der Forschung, LVI).
Schönbach, Anton Emanuel: Das Christentum in der altdeutschen Heldendichtung. Graz 1897. (Über die Kudrun: S. 109-208).
Schröder, Walter Johannes: Spielmannsepik. Stuttgart (Metzler) 1962. (=Realienbücher für Germanisten. Abteilung Literaturgeschichte).
Schützeichel, Rudolf: Zu Kudrun 5,3. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur begründet von Hermann Paul und W. Braune, Bd. 82, S. 116ff. Siebert, Barbara: Rezeption und Produktion. Bezugssysteme in der "Kudrun". Inauguraldissertation, Göppingen 1988. (=Göppinger Arbeiten zur Germanistik. Herausgegeben von Ulrich Müller, Franz Hundsnurscher und Cornelius Sommer, Nr. 491). Siefken, Hinrich: Überindividuelle Formen und der Aufbau des Kudrunepos. München 1967. Stackmann, Karl: Einleitung. In: Kudrun. Herausgegeben von Karl Bartsch. S. VII-CIV. Veith, Werner: Topos. In: Fischer Lexikon Literatur. Bd. 2. Frankfurt 1965. S. 563-570. Wenzel, Horst: Höfische Geschichte. Tradition und Gegenwartsdeutung in den volkssprachigen
Chroniken des hohen und späten Mittelalters. Bern/Frankfurt am Main/Las Vegas (P.Lang) 1980. (=Beiträge zur Älteren Deutschen Literaturgeschichte herausgegeben von Joachim Bumke, Thomas Cramer u.a., Bd. 5).
Wisniewski, Roswitha: Kudrun. 2., überarb. und erw. Aufl., Stuttgart 1969. (=Sammlung Metzler, Bd 32).
Arbeit zitieren:
Martin Gabel, 1993, Analyse des christlichen Ethos der "Kudrun" unter besonderer Berücksichtigung des Hagenteils (1.-4. Aventiure), München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Manipulation der Werbesprache dargestellt an TV-Spots
Referat / Aufsatz (Schule), 20 Seiten
Theodor W. Adorno: Literatur und gesellschaftliche Wirklichkeit - Zur...
Seminararbeit, 13 Seiten
Adornos Ästhetik - Die gebrochene Erhabenheit
Ästhetik des Leidens?
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Tempuswandel - Zur Entstehung, Bedeutung und Funktion doppelter Perfek...
Seminararbeit, 33 Seiten
Goethes und Schillers Balladenschaffen in der Epoche der Klassik
Das Balladenjahr
Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
Hausarbeit (Hauptseminar), 27 Seiten
Orientalismusbegriff - Edward Said's Buch "Orientalismus"...
Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien
Seminararbeit, 11 Seiten
Kunst als Statthalter unbeschädigten Lebens
Einführung in Adornos Ästhetik
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Essay, 23 Seiten
Stereotypen und ihr Einsatz in überzeugender Werbung
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Hausarbeit, 19 Seiten
Metafiktion und Intertextualität in Calvinos se una notte d'invern...
Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Wenn die Ehre über Leichen geht… Ermordet Brentano seine Charaktere de...
Selbstmord, Kindsmord, Hinrich...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 29 Seiten
Metafiktionales Erzählen in Italo Calvinos Roman "Wenn ein Reisen...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Das Radio, ein neues Medium zur Propaganda Verbreitung im Nationalsozi...
Radiopropaganda im Nationalsoz...
Medien / Kommunikation - Mediengeschichte
Seminararbeit, 13 Seiten
Zur Rolle der Frauen in Wolframs von Eschenbach "Parzival"
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 16 Seiten
Wertung der weiblichen Figuren bei Hartmann von Aue und Chrétien de Tr...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 20 Seiten
Zur Gattungsgeschichte der Ballade und ihrer historischen Entwicklung
Seminararbeit, 28 Seiten
Martin Gabel hat den Text Analyse des christlichen Ethos der "Kudrun" unter besonderer Berücksichtigung des Hagenteils (1.-4. Aventiure) veröffentlicht
Martin Gabel hat einen neuen Text hochgeladen
Der Schutz bekannter Marken unter besonderer Berücksichtigung der zivi...
Vertrags- und Haftungsfragen u...
Enzo Baiocchi
0 Kommentare