II
Inhalt
1 Einführung 1
2 Problemstellung und Gang der Untersuchung 1
3 Historische Entwicklung der Writer-Szene und von „rechten Cliquen“ 2
3.1 Entstehung des Writings 2
3.2 Herausbildung von „rechten Cliquen“ 4
3.3 Fazit aus der historischen Entwicklung 5
4 Die Bedeutung von Peer-groups 5
5 Writing und rechte Cliquen als Jugendkulturen ? 6
5.1 Pluralität des Jugendbegriffes 7
5.2 Begriffsgeschichte von Jugendkultur 7
5.3 Teilkulturen oder Subkulturen ? 9
6 Differenzierende Betrachtung 10
6.1 Selbstdefinition und thematischer Fokus 10
6.1.1 Writing als performative Kultur 10
6.1.2 Der Doppelcharakter einer rechten Jugendkultur 11
6.1.3 Differenzierende Betrachtung von Selbstdefinition
und thematischem Fokus 12
6.2 Thematische Reichweite 12
6.2.1 Lebensweltliche Verankerung und Stellenwert des
W r i t i n g 1 3
6.2.2 Vom Sinn, in einer rechten Clique zu sein 13
6.2.3 Differenzierende Betrachtung der thematischen
R e i c h w e i t e 1 4
III
6.3 Geschlechtsbezogene Orientierung und Zusammensetzung 15
6.4 Identifikationen, Abgrenzungen, Gegnerschaften
7 Zusammenfassende Schlussbetrachtung 20
Q u e l l e n v e r z e i c h n i s
- Literatur
- Internetquellen
1
1 Einführung
Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit werden die Jugendkulturen von Writern und „rechten“ Cliquen sein. Im Fokus der Analyse wird stehen, was den Jugendszenen, die von außen betrachtet so enorm verschieden aussehen, gemeinsam ist. Anhand der ausgewählten Jugendkulturen sollen so die im Kurs Sozialpsychologie und Sozialisationstheorie I anhand der Hausarbeit „I just write my name: Graffiti- ein gesellschaftliches Phänomen“ gewonnenen Erkenntnisse differenzierter und theoretischer überprüft und vertieft werden um auf diesem Weg eine Grundlage für die fundierte wissenschaftliche Bearbeitung des Graffitiphänomens im Rahmen des empirischen Praktikums zu legen.
Entscheidend für die Wahl von „rechten Cliquen“ als vergleichenden und relativierenden Untersuchungsgegenstand erschien der scheinbar offensichtliche Unterschied zwischen den beiden thematisierten Formen von Jugendkultur, mittels dem sich das jugendliche Bestreben nach Anerkennung und Mitgestaltung innerhalb von Gruppen und gesellschaftlicher Teilhabe manifestiert. Wie sich im Verlauf der Untersuchung gezeigt hat, finden sich neben markanten Unterschieden vor allem hinsichtlich des Charakters der analysierten Jugendszenen unerwartete Parallelen, die den Schluss zulassen, dass Kriterien existieren, die ebenso typisch und markant für die Gesamtheit von Jugendkultur sind.
Ein weiterer Grund, um zur differenzierten Betrachtung der Szene der Graffitisprüher diesen die „rechten Cliquen“ gegenüber zu stellen, besteht in der Meldung über den Zuwachs an rechtsextremen Straftaten aus dem Frühjahr dieses Jahres, und das damit verbundene erhöhte öffentliche Interesse an dieser Problematik. 1
2 Problemstellung und Gang der Untersuchung
In der vorliegenden Arbeit werden nunmehr die Jugendkulturen der Graffitisprüher, die im Folgenden als Writer 2 bezeichnet werden, und die der „rechten Cliquen“ untersucht, um zu analysieren, worin Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser Gruppen bestehen, und den markanten Charakter der zu thematisierenden Verhaltenweisen, Ideologien und Strukturen der
1 Vgl. http://www. sueddeutsche.de, letzter Zugriff 20.09.2006
2 Die Sprüher „schreiben“ ihren Namen mit Hilfe von Marken, Farbrollern, Sprühdosen etc. Resultierend aus dem amerikanischen Ursprung der Szene leitet sich somit der Begriff des „Writers“ für einen Akteur dieser Kultur aus „to write“ ab. Der Begriff ist auch der meistverwendete innerhalb der Szenensprache der Jugendlichen .
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jeweiligen Jugendkultur auch im Hinblick auf die Gesamtheit von Jugendkulturen auszumachen.
Zunächst werden hierzu die Gruppen in Bezug auf ihre historische Entwicklung sowie ihren aktuellen Entwicklungsstand beleuchtet. Hier wird sich zeigen, dass sich die Akteure beider Formen von Jugendkulturen in Gleichaltrigengruppen zusammenschließen, weshalb in dem entsprechenden Abschnitt die Bedeutung dieser Peer-groups thematisiert wird. Im nächsten Schritt wird analysiert werden, worin die Merkmale von Jugendkulturen bestehen. Hierzu werden die Begriffe Jugend, Kultur und Subkultur definiert. Im Hauptteil der Arbeit werden dann die thematisierten Jugendkulturen unter verschiedenen Aspekten miteinander verglichen. Zur strukturierten Betrachtung dienen von Albert Scherr und Bernard Schäfers als besonders relevant erachteten Dimensionen von Jugendkulturen, in Bezug auf ihre Selbstdefinition und den thematischen Fokus, ihre thematische Reichweite, sowie die geschlechtsbezogene Zusammensetzung und Orientierung. Darüber hinaus dienen als Vergleichsdimensionen Begriffe wie Identifikation, Abgrenzung und Gegnerschaften, sowie die Strukturmerkmale der Gruppen. Abschließend wird Grad und Form der Abgrenzung von gesellschaftlichen Institutionen sowie den Werten und Normen der dominanten Kultur im Fokus dieser Analyse stehen. 3
3 Historische Entwicklung der Writer-Szene und von „rechten Cliquen“
Im folgenden Abschnitt findet eine kurze Einführung in die thematisierten Jugendkulturen statt. Hier werden, wie auch in den weiteren Kapiteln, zunächst die Merkmale der Writer-Szene erläutert, woran sich eine Beschreibung der Merkmale von „rechten Cliquen“ anschließt. Zum Ende eines jeden Abschnitts werden diese Merkmale dann analysiert und miteinander verglichen.
3.1 Entstehung des Writings
Graffiti sind keine Erfindung dieser Zeit. Geändert haben sich aber die Erscheinungsformen und die Anzahl ihrer Verbreitung durch Jugendliche und Kinder. Unter dem Thema des Erscheinungsbildes der Stadt haben sie Anlass zu politischen Auseinandersetzungen geboten
3 Vgl. B. Schäfers/ A. Scherr 2005, S. 135
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und zur Einführung von speziellen Ermittlungsgruppen der Polizei und des Bundesgrenzschutzes geführt. 4
Das Graffiti-Phänomen in der heutigen Form hat seinen Ursprung in New York und verbreitete sich Anfang der achtziger Jahre weltweit. Jugendliche aus den damaligen Armenvierteln nutzten die New Yorker U-Bahn als rollende Leinwand um ihren Namen mittels bunter aufgeblasener Buchstaben zu verbreiten. 5 Die ursprüngliche New Yorker Szene dient bis heute als Orientierungsmuster für die lokalen Szenen der sich global entwickelnden Szene der Writer. Die Umsetzung des amerikanischen Ideals variiert allerdings aufgrund regionaler Gegebenheiten, wie z.B. der rechtlichen Situation oder den ökonomischen Verhältnissen. Wegen dieses Spannungsverhältnisses zwischen Globalisierung und Lokalisierung ist die Graffiti-Szene als eine glokale anzusehen. 6 In der Kultur der Writer wird mit Hilfe des selbst gewählten Pseudonyms, des Tags, im soziokulturellen Umfeld agiert. 7 In der Sprache der Sprüher wird als vorrangiges Ziel das Erreichen von Fame angegeben. 8 Hierzu versuchen die Writer den individuellen Namen und den ihrer Gruppe, der Crew, die aus den engsten Freunden besteht, durch viele, aufwändige, nach den Wertvorstellungen innerhalb der Kultur hochwertige Aktionen in der der Szene bekannt zu machen. Darum verbirgt sich hinter den häufig komplexen und scheinbar unleserlichen Schriftzügen der Writer in erster Linie die Botschaft, dass dieser an einen bestimmten Ort präsent war oder ist. Durch das Hinterlassen seines Namens in Form von Tags oder Pieces wird dem Betrachter aufgezeigt: Ich war hier !
Diese Botschaft richtet sich in erster Linie an andere Writer, welche die Geheimsprache der Writer-Szene entschlüsseln können, und die aufgrund eigener Erfahrungen so die Qualität des Pieces bewerten können. Auf diese Weise kommt dem Urheber des Werkes die angestrebte Anerkennung in der Szene der Writer zu.
Wichtig ist noch darauf zu verweisen, dass die Writer-Szene in Deutschland einen Zusammenhang mit der HipHop Szene aufweist. Als HipHop wird gemeinhin eine kulturelle Bewegung, die ihre Ursprünge in den afroamerikanischen Ghettos New York Citys der 1970er Jahre hat und sich mittlerweile zu einer weltweiten Subkultur der urbanen Jugend (Jugendkultur) entwickelt hat. Aufgrund ihrer Ursprünge versteht sich HipHop als Street Culture, als Kultur, die zum erheblichen Maße auf der Straße gelebt wird. Die ursprünglichen,
4 Vgl. Qualifizierter Sachbericht des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, http://www.HipHop-Hamburg.de, Zugriff 19.03.2006
5 Vgl. O. Schnurr 2006, S. 7ff
6 Vgl. G. Klein 2003 S. 89ff
7 Das Tag ist das Pseudonym des Writers, mit dem er sich von den Anderen abgrenzt
8 Unter Fame verstehen die Writer in den Ruhm innerhalb der Szene. Möglichst viele Fame zu erreichen wird innerhalb der Werten und Normen der Writer als eines der höchsten Ziele gesehen.
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integralen Bestandteile (die so genannten vier Elemente) der Hip-Hop-Kultur sind Rap (MCing), DJing, Breakdance und Graffiti. 9
3.2 Herausbildung von „rechten Cliquen“
Seit Beginn der neunziger Jahre hat sich in den neuen und alten Bundesländern eine jugendkulturell neue Erscheinungsform im „rechen Lager“ entwickelt. Diese „rechten Cliquen“ sind in unterschiedlichem Ausmaß rechtsextrem orientiert und konturieren sich mit eigenen Symbolen, Sprachcodes und einer spezifischen Musik als Jugendkultur. Die Einstellungen und Verhaltensweisen der Akteure stammen aus dem Ideologiebereich des Rechtsextremismus, ihre Sympathien zum organisierten Rechtsextremismus sind dabei unterschiedlich ausgeprägt. 10
In diesem Zusammenhang erscheint es sinnvoll, den Begriff des Rechtsextremismus genauer zu analysieren, denn dieser fungiert als Sammelbegriff für eine Vielzahl von Erscheinungsformen, die sich gegen die fundamentalen Prinzipien des demokratischen Rechtsstaats richten. Mehr oder minder eigen sind diesen Erscheinungsformen ideologische Basiselemente, die zu einer näheren Definition des Terminus „Rechtsextremismus“ führen. 11 Die relevanten Definitionskomponenten sind in erster Linie übersteigerter Nationalismus und als besondere Form hiervon der Ethnozentrismus, der vornehmlich aufgrund historischkultureller oder biologischer Eigenschaften bestimmt wird. Des Weiteren zu nennen sind Rassismus, Antisemitismus, Militarismus und Autoritarismus. Ein weiteres Ideologieelement besteht in Intoleranz, die als Antipluralismus zu verstehen ist. Neben diesen Hauptbestandteilen existieren noch eine Reihe weiterer Elemente, wie die Verherrlichung des Nationalsozialismus, die Leugnung oder Verharmlosung der Kriegsschuld, die Neigung zu Konspirationstheorien oder Ablehnung von Partikularinteressen. 12 Zusammenfassend ist Rechtsradikalismus als ein antidemokratisches, politisches Konstrukt zu verstehen das sich aus Teilen unterschiedlicher Ideologien zusammensetzt, die in der betrachteten Jugendkultur der „rechen Cliquen“ in unterschiedlichen Ausprägungsgrad vorhanden sein können. 13
9 Vgl. http://www.wickipedia.de, Suchwort: HipHop, letzter Zugriff 12.04.2006
10 Vgl. Hafeneger/Jansen 2001, S. 27
11 Vgl. Sellmeier in: Kloninger 2006, S. 14
12 Vgl. Sellmeier in: Kloninger 2006, S. 15ff
13 Vgl. Hafeneger/Jansen 2001, S. 27
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3.3 Differenzierende Betrachtung zur Entwicklung
In beiden Jugendkulturen organisieren sich die Akteure in Form von Gruppen, die rechten Jugendlichen organisieren sich in Cliquen, den Writern dient in der Regel die Crew, die aus mehreren befreundeten Writern besteht, welche sich gegenseitig motivieren und unterstützen, als zentraler Bezugspunkt für ihre Aktionen. 14 Beide Gruppen unterscheiden unter diesem Aspekt kaum voneinander, und sind daher unter Oberbegriff der Peer-groups summierbar. Wegen des, insbesondere für Adoleszenten typischen Verhaltens, sich in Gruppen zusammenzuschließen, erscheint es an dieser Stelle angebracht die Bedeutung dieser Gleichaltrigengruppen zu analysieren.
4 Die Bedeutung von Peer-groups
Gleichaltrigengruppen, sog. Peer-groups, treten in ihrer Bedeutung für den Sozialisationsprozess von Individuen immer stärker neben die von Familien, Erziehungs- und Bildungssystemen, wobei es aber wichtig ist darauf zu verweisen, dass nicht alle Jugendlichen dieser Organisationsform zuzuordnen sind.
Die Peer-group bildet einen Sammelbegriff für lebensaltertypische, altershomogene Gruppenbildungen, was als allgemeine jugendliche Verhaltenstendenz anzusehen ist. 15 Aus diesem Grund kann ihnen auch die Funktion der tertiären Sozialisation zugeschrieben werden. 16 Peer-groups spielen eine vermittelnde Rolle, denn sie bilden ein Verbindungsglied zwischen der Familie und den politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereichen der Gesellschaft. 17 Innerhalb der Gruppe erhalten Jugendliche die Möglichkeit, sich zusätzlich zu den primären Familienrollen auch die abstrakten, nach Leistungs- und Statuskriterien aufgebauten Anforderungen des Freizeit- und Erwerbssystems anzueignen. 18 In den Gleichaltrigengruppen werden Jugendliche mit ähnlichen Bedürfnissen zusammengeführt. Innerhalb der Gruppe werden sie als vollwertige Mitglieder wahrgenommen, haben sich gleichzeitig aber auch den Regeln der Gemeinschaft zu unterwerfen. Sie erhalten die Möglichkeit, Aufgaben und Funktionen für eine Gruppe zu übernehmen, die selbst mit gestalten.
14 Vgl. Schwarzkopf 1994, S. 54
15 Vgl. Hafenneger/ Jansen 2001, S.13
16 Vgl. Hurrelmann 2002, S. 239
17 Vgl. Eisenstadt 1966, S. 280
18 Vgl. Hurrelmann 2002, S. 240
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Aus diesem Grund sind Peer-groups auch der gesellschaftliche Ort, an dem sich am häufigsten Abweichung und Kriminalität entwickeln kann.
Ein Mindestmaß an Nonkonformität erscheint allerdings als notwendig, damit die Peer-groups ihre Sozialisationswirkung entfalten können, da durch die begrenzte Abweichung von gesellschaftlichen Regeln die Gruppen ihren Mitgliedern ein Experimentieren und Neudefinieren von eben diesen Normen sowie eine selbst bestimmte Aneignung der Umwelt, welche Voraussetzung für ein selbstständiges Rollenverhalten in komplexen Gesellschaften ist, gestatten. 19
Die Grenzen zwischen strukturierten, formellen Jugendgruppe und einer unstrukturierten, informellen Jugendclique sind aus dem Blickwinkel von Jugendlichen fließend und mit Übergängen verbunden. So existieren beispielsweise auch innerhalb von Verbänden organisierten Jugendgruppen Cliquen. Von einer Clique kann gesprochen werden, wenn damit selbst gewählte und relativ selbst organisierte, spontane, erwachsenenunabhängige informelle Gruppierungen im lokalen Nahraum und Milieu gemeint sind. 20 Die Crews der Writer sind unter Berücksichtigung dieses Aspektes daher eindeutig mit Cliquen gleichzusetzen. Die Wirklichkeit der Cliquenrealität entsteht im Miteinander der Kommunikation der Jugendlichen. Entwickeln solche Cliquen einen strukturierten überörtlichen Zusammenhang sind diese unter dem Begriff der Szene summierbar. In diesem Sinne können Cliquen Teil einer größeren Szene sein, wo die kulturelle Zugehörigkeit mit vielfältigen und jeweils identifizierbaren Merkmalen zum Ausdruck gebracht wird. Diese Merkmale sind Garanten der Selbstbehauptung, für soziale Anerkennung und ästhetisch-kulturelles Eigenleben gegenüber der Umwelt von Jugendlichen. 21
Anlässlich dieser Merkmale stellt sich die im nachfolgenden Abschnitt behandelte Frage, wie sich aus diesen Szenen eine Bewegung entwickelt, die, wie in der vorliegenden Arbeit thematisiert, als eine Jugendkultur bezeichnet werden kann.
5 Writing und rechte Cliquen als Jugendkulturen ?
Es erfolgt nun der Versuch die Bedeutung der Begriffe Jugend, Kultur und Subkultur zu bestimmen, um anhand der in den jeweiligen Definitionen aufgeführten Kriterien die Szene
19 Vgl. Hurrelmann 2002, S. 240
20 Vgl. Hafenneger/ Jansen 2001, S.13ff
21 Vgl. Hafenneger/ Jansen 2001, S.14
21 Vgl. B. Schäfers/ A. Scherr 2005, S. 23
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der Writer und der „rechten Cliquen“ zu analysieren, ob diese unter den Oberbegriff von Jugendkultur zutreffend charakterisiert und typisiert werden
5.1 Pluralität des Jugendbegriffes
Bei dem umgangssprachlich genutzten Wort Jugend, handelt es sich um keinen klar definierten wissenschaftlichen Begriff. Jugend existiert nicht als eine eindeutig bestimmbare Sozial- oder Altersgruppe. Es ist für diese Analyse aber notwendig festzustellen wer als Jugendlicher gilt, und welche Annahmen, Erwartungen und Merkmale mit diesem Begriff verknüpft sind. Aus diesem Grund soll für die vorliegende Arbeit der Jugendbegriff nach den Erkenntnissen der Autoren Schäfers und Scherr definiert werden, die Jugend als eine gesellschaftlich institutionalisierte, intern differenzierte Lebensphase, deren Verlauf, Ausdehnung und Ausprägungen im Wesentlichen durch soziale Bedingungen und Einflüsse, wie sozioökonomische Lebensbedingungen, den Strukturen des Bildungssystems, rechtlichen Vorgaben sowie Normen und Erwartungen bestimmt sind, sehen. Jugend bildet in diesem Ansatz keine homogene Sozialgruppe, sondern umfasst unterschiedliche Jugenden, darum sind die gesellschaftsstrukturell bedingten Unterschiede zwischen den jeweiligen Jugenden zu berücksichtigen, und die Adoleszentenphase ist als sozialer Prozess, in dem die Bedeutung der Erfahrung des Heranwachsens sozial beeinflusst und überformt wird, zu verstehen. 22
Hieraus lässt sich die Frage ableiten, warum in der gegenwärtigen Zeit viele Jugendbewegungen und Szenen als Jugendkulturen bezeichnet werden, empfiehlt sich der im Folgenden vorgenommene Rückblick über die Entstehung des Jugendkulturbegriffes:
5.2 Begriffsgeschichte von Jugendkultur
Der Begriff Kultur stammt aus dem lateinischen und bezeichnete zunächst: Ackerbau, Pflege, Veredelung, Vervollkommnung (des Geistes, der Seele und der Sitten). Kultur wurde als das Gegenteil zur Natur verstanden.
Sozialwissenschaftlich gelten als Formen der Kultur Sprachen und Symbole, Werte und Normen, Rituale und Alltagsästhetiken bzw. die Wahrnehmungs-, Deutungs- und Handlungsmuster sozialer Gruppen, sozialer Klassen und Milieus. Der Begriff wird nicht
22 Vgl. B. Schäfers/ A. Scherr 2005, S. 134
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normativ, sondern deskriptiv und nicht allein im Hinblick auf die Werke der Hochkulturen (die Künste, die Philosophie, die Wissenschaften) verwendet, sondern umfassender. 23 Kultur ist somit ein ständiger Prozess d. praktischen Aushandelns v. Regeln, nach denen Menschen leben und zeigt sich in Form der Gesellschaft im Vollzug des praktischen Lebens. Unter diesem Gesichtspunkt, lassen sich daher auch die polarisierenden und provozierenden, in weiten Teilen nonkonformen Szenen der Writer und der rechten Cliquen als Jugendkulturen bezeichnen, da der Kulturbegriff differenzierter gefasst ist, und eine andere Qualität erhält. In diesem Zusammenhang sei auf Walter L. Bühl und seine Stufenordnung von Kultur verwiesen, in denen Kultur als Sinnordnung in verschieden Qualitätsstufen, beginnend bei der sog. Trivialkultur, über Lebenskultur bis hin zur Hochkultur klassifiziert wird. 24
Norbert Elias entwickelte ein Modell des sog. „Zivilisationsprozesses“. Dabei verwendet er nicht den Begriff "Kultur" als Grundbegriff, sondern führt den Begriff des "sozialen Habitus" ein, was die Gesamtheit der gemeinsamen Gefühls-, Denk- und Handlungsgewohnheiten der jeweils betrachteten Gesellschaft bzw. Gruppe meint (im Unterschied zu den individuellen, nicht geteilten Gewohnheiten). 25
Der für die Jugendkulturforschung gültige Kulturbegriff ist demnach weiter gefasst als der klassische Bildungsbürgerliche. Er unterstreicht das Moment der Selbsttätigkeit von gesellschaftlichen Individuen, Gruppen und Klassen, ihre interpretativen, synthetisierenden und innovativen Leistung auf der Grundlage vorgefundener natürlicher und gesellschaftlicher Bedingungen. 26
Unter diesen Aspekt erscheint es daher angebracht, die thematisierten Jugendszenen als Jugendkulturen zu bezeichnen, was darauf verweist, das ihre Entstehung in engem Zusammenhang mit jenen gesellschaftlichen Entwicklung steht, in welchen Jugend erst zu einer eigenständigen Lebensphase bzw. Alters- und Sozialgruppe werden konnte. So sieht J.R. Gillis historische und gegenwärtige Jugendkulturen als Beleg dafür, dass Jugend ihre eigene Geschichte macht, d.h. selbst eine aktive Rolle beim Hervorbringen jener sozialen und kulturellen Formen spielt, die typisch für diese Lebensphase waren und sind, 27 Abschließend ist darauf zu verweisen, dass allein das Distinktionsbedürfnis von Jugendlichen, sich mittels Stilmerkmalen wie Kleidung, Tattoos, Piercings, Frisuren etc. von Erwachsenen und anderen Jugendlichen abzugrenzen kein ausreichender Indikator ist, um eine Jugendkultur
23 Vgl. B. Schäfers/ A. Scherr 2005, S. 134ff
24 Vgl. http.://www.wikipedia.de, Suchwort Bühl, Zugriff 03.11.2006
25 Vgl. http.://www.wikipedia.de, Suchwort Elias, Zugriff 19.10.2006
26 Vgl. Lindner in: B. Schäfers/ A. Scherr 2005, S. 135
27 Vgl. J.R. Gillis 1984, S. 11
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zu definieren. Von dieser eher stilistischen Selbstinszenierung sind daher die hier thematisierten eigenständigen Jugendkulturen der Writer und die der rechten Jugendlichen deutlich zu unterscheiden, die sich wie im Folgenden aufgezeigt wird, durch eigensinnige ästhetische, ethische oder politische Orientierungen definieren, bzw. beanspruchen, einen eigenständigen Lebensstil jenseits der gesellschaftlichen Konventionen zu realisieren. 28 Es stellt sich darüber hinaus die Frage, ob das subversive Verhalten, das beiden Kulturen zu Eigen ist, und mit dem sich die Akteure bewusst und gewollt gegen die aus ihrer Sicht „offizielle“ (dominante bzw. hegemoniale) Kultur abgrenzen, diese als Subkultur bzw. Gegenkultur bestimmbar macht. Eine formale Annäherung an diese Problematik erfolgt im folgenden Abschnitt.
5.3 Teilkulturen oder Subkulturen ?
Eine der frühesten Definitionen von Subkultur, stammt von Robert R. Bell. Er versteht unter Teilkulturen ein relativ kohärentes kulturelles System, das innerhalb des Gesamtsystems unserer nationalen Kultur eine Welt für sich darstellt. In solchen Subkulturen entwickeln sich strukturelle und funktionale Eigenheiten, die ihre Mitglieder in einem gewissen Grade von der übrigen Gesellschaft unterscheiden. 29
Eine zusätzliche Orientierungsmöglichkeit bieten der Ansatz von Miller Er definiert Subkultur als ein kulturelles Teilsystem einer übergreifenden Einheit dessen Werte und Normen denjenigen des Gesamtsystems widersprechen können, wobei dem Konfliktelement zumindest manifest keine zentrale Bedeutung zukommt. 30
Unsere pluralistisch-individualistische Gesellschaft ist kein kulturell homogenes Gebilde, daher erscheint es problematisch anzugeben, was die offizielle, dominante oder hegemoniale Kultur ausmacht. In diesem Zusammenhang sei an die Diskussion über den Begriff der Leitkultur zu Beginn dieses Jahres erinnert.
Zwischen gesellschaftlichen Teilkulturen als Teil der „offiziellen Kultur“ bis zur bewusst und offensiv von der „offiziellen“ Kultur abweichenden Bewegung befindet sich ein breites Spektrum an Möglichkeiten, die hinsichtlich der Inhalte und „Stile“, der Größe der Gruppe bzw. Szene, ihrer Aktionsbereitschaft, bezogen auf die vorliegende Arbeit insbesondere auch
28 Vgl. B. Schäfers/ A. Scherr 2005, S. 133
29 Vgl. Bell 1961, aus B. Schäfers/ A. Scherr 2005, S. 136
30 Vgl. Miller 1958, Yinger 1960, aus S. Lamnek 1993, S. 306
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im Hinblick auf provokative Aktionsformen, sowie ihrer alters- und schichtspezifischen Besonderheiten teilweise erheblich variieren. 31
Dieser Aspekt wird zusammen mit den anderen Vergleichsdimensionen im nun folgenden Hauptteil der Arbeit analysiert.
6 Differenzierende Betrachtung
Nachdem in den vorigen Abschnitten die relevanten Begriffe bestimmt wurden, findet sich im Hauptteil der Analyse eine differenzierende Betrachtung der Jugendkulturen von Writern und „rechten Cliquen“. Zur Strukturierung der Betrachtung konzentriert sich die Analyse auf die die folgenden Dimensionen, in denen die für jeweilige Kultur typische Ausprägung von Grad und Form der Abgrenzung von den gesellschaftlichen Institutionen sowie den Werten und Normen der dominanten Kultur in den einzelnen Untersuchungsabschnitten eine dominierende Rolle spielt: 32
- Selbstdefinition und thematischer Fokus (6.1);
- thematische Reichweite (6.2);
- geschlechtsbezogene Orientierung und Zusammensetzung (6.3);
- Identifikationen, Abgrenzungen, Gegnerschaften und Strukturmerkmale (6.4);
6.1 Selbstdefinition und thematischer Fokus
In diesem Abschnitt soll untersucht werden, um welche Art von Jugendkulturen es sich bei den thematisierten Szenen handelt.
6.1.1 Writing als performative Kultur
Writing ist eine performative Kultur, und seine Erfahrbarkeit besteht in dem Erstellen von Schriftzügen. 33 Die Writer wiederholen diese Erfahrung ständig in dem Bestreben, die Qualität ihrer Schriftzüge zu verbessern und mittels der Quantität ihrer Werke den Bekanntheitsgrad in der Subkultur zu erhöhen.
31 Vgl. B. Schäfers/ A. Scherr 2005, S. 136
32 Vgl. B. Schäfers/ A. Scherr 2005, S. 135
33 Vgl. G.Klein 2003, S. 186
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Im Gelingen und Scheitern des Performativen, d.h. im Bemühen um lebensweltliche Aushandlung und Aneignung globaler Symbole und Images liegt die Möglichkeit der subversiven Praxis der Writer begründet, nicht im Widerstand gegen globale Bilder. 34 Die Erklärungen für dieses gesellschaftliche Phänomen sind vielfältig, verbinden sich aber alle in einem wesentlichen Punkt: Es geht immer um die sozialen Strukturen von Gesellschaft, in welche Adoleszenten „hineingepresst“ werden und sich oftmals nicht nur in einer gewissen Erwartungshaltung, sondern gar einem starken Druck ausgesetzt sehen. So gesehen ist Writing einer von verschiedenen möglichen Reflexen aus dieser gesellschaftlich schwierigen Situation. 35
Ist es den Jugendlichen gelungen, ihren Namen zu etablieren, genießen sie den angestrebten Fame in der Subkultur Graffiti. Sie erhalten nicht nur eine Form von Anerkennung durch emotionale Zuwendung ihrer Peers, sondern erfahren eine hohe soziale Wertschätzung für die individuellen Fertigkeiten und die gezeigten performativen Leistungen. Die Anerkennung anderer Jugendlicher stellt einen der maßgeblichen Gründe für das zum Teil äußert riskante Verhalten dar, daher steigern gefährliche Aktionen die Anerkennung in der Szene. 36 Die Qualität der erfahrenen Anerkennung richtet sich dabei nach der Art und Weise, wie konkrete persönliche Eigenschaften der Person die moralischen Grundüberzeugungen der sozialen Wertegemeinschaft des Writings repräsentieren. 37
6.1.2 Der Doppelcharakter einer rechten Jugendkultur
Seit der Wiedervereinigung hat die Zahl der „rechten Cliquen“ zugenommen. Während im Gebiet der alten Bundesrepublik Organisationen und Parteien dominieren, wird das Bild in Ostdeutschland vom Rechtsextremismus als Bewegung bestimmt. 38 Wegen der starken Differenzierungen innerhalb und zwischen den Cliquen erscheint die Einordnung unter dem Oberbegriff einer politischen Jugendkultur verfrüht. Vielmehr besteht eine Art Doppelcharakter aus der Einheit von gewöhnlicher, erlebniszentrierter Jugendkultur und politischer Aktion: Auf der einen Seite haben die rechten Cliquen autonome Wurzeln und werden vielfach von Dynamik bestimmt, andererseits teilen sie ihren Platz am rechten Rand des politischen Spektrums mit den aufgezeigten radikalen Positionen sowie extremen Parteien. Die Jugendkultur der rechten Cliquen nimmt damit eine besondere Position
34 Vgl. G. Klein 2003, S. 187
35 Vgl. J. Wohlfahrt 1998, S 84
36 Vgl. O. Schnurr 2006, S. 179
37 Vgl. O. Bartelds 2006, S. 14
38 Vgl. M. Kohlstock in: U.Benz/ W.Benz 2003, S.189
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innerhalb der Gesamtheit der Jugendkulturen ein, denn sie bewegt sich faktisch im Umfeld von Organisationen und Parteien, ohne doch deren Jugendabteilung zu sein. 39
6.1.3 Differenzierende Betrachtung von Selbstdefinition und thematischem Fokus
Wie aufgezeigt sind Jugendkulturen dadurch charakterisiert, dass sich junge Leute in altershomogenen Gruppen zusammenfinden und dabei eigene, jugendtypische Verhaltensweisen praktizieren. Der thematische Fokus dieser Verhaltensweisen wurde im obigen Abschnitt für beide Kulturen erläutert.
Nach Bourdieu ist jedes Feld durch ein spezifisches soziales Netzwerk gekennzeichnet, welches nach einer für das Feld spezifischen Logik funktioniert. Sie bestimmt das feldimmanente Beziehungsgeflecht, welches er als ein Spiel kennzeichnet, dessen Funktion im Kampf um soziale Macht liegt. 40 Im Writing wird diese spezifische Logik von der Performativität bestimmt, die für die Herstellung von Praxis konstitutiv ist. 41 Anders verhält es sich, wie erläutert, bei der Kultur der rechen Cliquen, und hierin ist auch der für diesen Abschnitt wesentliche Unterschied der beiden analysierten Jugendkulturen zu sehen. Die Zugehörigkeit zur rechten Clique begründet sich in erster Linier aus der gemeinsamen „rechten“ Einstellung, wobei es den Mitglieder überlassen wird, diese Einstellung zu formen und gemeinsam auszugestalten. Der Doppelcharakter von rechten Cliquen markiert darüber hinaus ein mögliches Rekrutierungsfeld für den rechtsextremistischen Nachwuchs, was die besondere politischen Verantwortung zur Prävention und Intervention für diese Jugendlichen zum Ausdruck bringt, und somit die Differenzierung zur Writerszene deutlich unterstreicht, da diese in Relation hierzu als eher unpolitische Jugendkultur über ein geringeres Provokationspotential verfügt.
6.2 Thematische Reichweite
Unter dem Aspekt der thematischen Reichweite werden im Folgenden die zu untersuchenden Jugendkulturen analysiert. Es stellt sich dabei jeweils die Frage ob es sich um den Entwurf einer erstrebenswerten Lebenspraxis oder um eher Freizeit bezogene Orientierungen handelt.
39 Vgl. M. Kohlstock in: U.Benz/ W.Benz 2003, S.189
40 Vgl. P. Bourdieu 1998, S. 64
41 Vgl. G. Klein 2003, S. 198
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6.2.1 Lebensweltliche Verankerung und Stellenwert des Writing
Besonders zu berücksichtigen bei der Betrachtung der lebensweltlichen Verankerung und des Stellenwertes für die Akteure der Writingkultur ist die Tatsache, dass gerade die mit der Strafverfolgung verbundene Illegalität, und die für die Writer daraus resultierende notwendige Subversivität ihres Verhaltens eine nicht unerhebliche Anziehungskraft auf ebendiese ausübt. Hieraus entwickelt die Subkultur der Writer, wie jede Jugendkultur eine eigene Habitus- und Raumgrammatik, die ihren performativen Praktiken ein eigensinniges, exklusives und Grenzen markierendes Gepräge geben. Der Habitus eines Menschen ist nicht sein persönlicher, individueller Ausdruck im Handeln, sondern bringt das zum Vorschein, was ihn zum gesellschaftlichen Wesen macht: seine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe oder Klasse und die Prägung, die er durch diese Zugehörigkeit erfahren hat. In diesem von Bourdieu geprägten Begriff des Habitus zeigen sich die feinen Unterschiede. 42 Die Writer erfahren aus den Peers ihrer Subkultur neben der Anerkennung für ihren Style umso mehr Fame für illegale Schriftzüge je konfliktreicher die Verhältnisse unter denen ihre Schriftzüge entstehen ausgestaltet sind. Gerade die diese Illegalität beeinflusst den Habitus der Writer als Mitglieder von Peers in Form ihrer Crews nicht unerheblich, und verstärkt darüber hinaus die Verbundenheit der Akteure.
Der Grad der Identifikation innerhalb der Writing-Szene korreliert darum zu einem hohen Maße positiv mit der aus dieser erfahrenen Anerkennung. Ebenfalls verfestigt sich das Bewusstsein der Akteure Writer zu sein verfestigt mit der zunehmenden Zugehörigkeitsdauer zur Jugendkultur, und die individuell gelebten Merkmale der Lebensführung führen zur Entwicklung einer Art Lebensstil der Writer, was eine Zugehörigkeit zu dieser Gruppe zum Ausdruck zu bringt, nicht zuletzt um sich durch diesen von anderen Jugendlichen abzugrenzen. 43
6.2.2 Vom Sinn, in einer rechten Clique zu sein
Die Mitglieder der rechten Cliquen bezeichnen sich i. d. R. als „Rechte“. 44 Die Selbstdarstellung als „Rechter“ ist das nach außen hin sichtbare Merkmal um Zugehörigkeit zu Gruppe zum Ausdruck zu bringen. Die rechte Orientierung bietet die Möglichkeit des
42 Vgl. H. Korte 2004, S. 137
43 Vgl. O. Bartelds 2006, S. 14
44 Vgl. K. Jabs in: Frindte 1995, S. 196
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Einstiegs in die Gruppe und funktioniert als Mechanismus für Zusammenhalt. Für einzelne Mitglieder hat diese Bedeutung eine Orientierungsfunktion für die persönliche Entwicklung, die bis zu strafrechtlicher Verfolgung führen kann. In diesem Zusammenhanghang ist auf den unterschiedlichen Ausprägungsgrad von rechtsextremistischen Verhaltensmustern in den Cliquen zu verweisen, weshalb für diese Untersuchung im Folgenden zwischen „weichen-“, „mittleren-“ und „harten-“ Cliquen differenziert wird. 45 Für andere Cliquenmitglieder ist das „Rechtssein“ mit den thematisierten extremen politischen Einstellungen verbunden, und diese politische Selbstkategorisierung hat eine entscheiden Funktion für die Wahrnehmung der Umwelt, die über die Dauer der Zugehörigkeit zur Jugendkultur der rechten Cliquen hinausgeht. 46 Exemplarisch für die Unterschiede der thematischen Reichweite von rechter Jugendkultur erscheint hierbei, das während in einer „weichen“ Clique das Freizeitleben und ein feindliches Verhältnis zu anderen (multikulturellen) Cliquen dominiert und in Teilen von „mittleren“ Cliquen die Feindschaft und rechte Orientierung deutlich ausgeprägt ist (trotzdem aber der Cliquenalltag vor allem in gemeinsamer Freizeitgestaltung besteht), eine „harte“ Clique mit ihrer politisch-ideologisch gestützten Freund-Feind-Dynamik eine innere Verbundenheit und Nähe aufzeigt, der auf eine politische und lebensweltlich eingebundene „Totalität“ hinweist. 47
6.2.3 Differenzierende Betrachtung der thematischen Reichweite
Die Cliquen und Crews entstehen und bilden sich im lebensweltlichen, sozialen und politischen Kontext der Jugendlichen, hier bekommen sie für gewisse Zeit eine sozioemotionale Qualität sowie einen Zugehörigkeitssinn. In ihren Gruppen haben die Jugendlichen ihre zentrale Selbstwert- und Anerkennungsquelle gefunden. In beiden Jugendkulturen besteht die Gefahr, dass sich nonkonforme Einstellungen und Verhaltensweisen, die zur Gruppenzugehörigkeit vorausgesetzt werden, zu Abweichung und Kriminalität entwickeln können, was bei der Kultur der Writer aufgrund der Tatsache dass unbefugte Gestaltung von Eigentum eine Straftat darstellt, häufig der Fall ist. 48 Aber auch in dieser Kultur agieren Jugendliche, die ihre Aktionen auf gesellschaftlich tolerierte, legale Flächen beschränken, weshalb auch hier nach „weichen-“, „mittleren-„ und „harten“ Crews zu differenzieren ist. Wie erläutert, wird die Identität als Writer habitualisiert, es stellt sich aber
45 Vgl. B. Hafenneger/ M.M. Jansen 2001, S.210ff.
46 Vgl. K. Jabs in: Frindte 1995, S. 197
47 Vgl. B. Hafenneger/ M.M. Jansen 2001, S.222
48 Vgl. § 303, 3 StGB
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die Frage welchen Einfluss dieses Verhalten auf die langfristige Prägung des Einzelnen ausübt, da erfahrungsgemäß die Identifikation mit der Subkultur mit zunehmenden Alter abnimmt. Es erscheint bemerkenswert, dass die Mitgliedschaft in der Crew, genau wie in der rechten Clique mit einer unangepassten Outsider-Position verbunden ist. Diese Position äußert sich allerdings auf völlig differente Art und Weise.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage ob bei rechten Cliquen die verinnerlichten Ideologien bei den Akteuren aufgrund der, zumindest partiell, politischen Verordnung stärker ausgeprägt sind, und darüber hinaus demokratiefeindlicherer Gefahren beinhalten, da durch die Wahl einer rechten Partei die Möglichkeit besteht dieser Ideologie Ausdruck und Geltung zu verleihen. Die starre Bindung an die konventionellen Werte des Mittelstandes lässt sich hierbei als Ursache für die in der Szene herrschende autoritäre Unterwürfigkeit und Aggression, die Stereotypie sowie Machtdenken und Destruktivität ausmachen. 49
6.3 Geschlechtsbezogene Orientierung und Zusammensetzung
Welche Rolle spielt das Geschlecht der Akteure innerhalb der Subkulturen, und welchen Stellenwert hat dieser Aspekt für die Zusammensetzung der jeweiligen Gruppen ?
6.3.1 Der Normenkodex im Writing in Bezug auf die Geschlechterrolle
Die Herkunft der Writer ist keiner speziellen Gesellschaftsschicht zuzuordnen. Auffällig erscheint aber, dass die Szene sehr männlich dominiert ist. Weibliche Writer treten, bis auf wenige Ausnahmen, fast kaum aktiv in Erscheinung, was sich auf den im Writing vorherrschenden Wettkampfgedanken zurückführen lässt. 50
An diese patriarchatstheoretische Überlegung ist Bourdieus Position anschlussfähig. Nach seinen Schlussfolgerungen scheitert ein performativer Akt wenn die Position des Akteurs nicht sozial legitimiert ist. Wenn man die historische Entwicklung des Writings berücksichtigt, wird man feststellen, dass seit Beginn der Entwicklung einer globalen Writingkultur die Szene von männlichen Sprühern dominiert wurde. Aus diesem Grund könne die Aktion weiblicher Writer niemals dem für die Writerszene charakteristischen subversiven Verhalten entsprechen. Aus Bourdieus Position erscheint die Durchbrechung des männlichen Normenkodex sowie der feldspezifischen Regeln nicht möglich. 51
49 Vgl. Sellmeier, D. in Kloninger 2006, S. 40
50 Vgl. M. Schwarzkopf 1994, S. 46
51 Vgl. G. Klein 2003, S. 207
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So bleibt weiblichen Writern um in der Szene der Writer zu bestehen nur die Möglichkeit den feldimmanenten und performativen Regeln des Writings konform zu handeln, da es im Writing nicht möglich scheint, einen spezifischen weiblichen Habitus hervorzubringen. 52
6.3.2 Konstruktion eines „rechten Habitus“
Der cliqueninterne Umgang zwischen den Geschlechtern ist eindeutig von Ungleichheiten bestimmt. Dies lässt sich auf ein maskulines Leitbild zurückführen, dass von Werten wie Härte, Leistung, Kampf, Ausdauer und Abenteuer geprägt und damit habitualisiert wird. 53 In diesem Zusammenhang sei darauf verwiesen, dass die Propagierung der genannten Werte ihren Ursprung in der im nationalsozialistischen Deutschland vorherrschenden Ideologie hat. In den Cliquen der rechten Jugendlichen finden sich Partnerbeziehungen, doch die Mädchenorientieren sich als Freundinnen eindeutig an den Vorgaben der jeweiligen Freunde und Wortführer. Der Umgang der Jugendlichen untereinander ist dabei ausgesprochen geschlechtrollenspezifisch. Durch eine „Versorgungsaufgabe“ z. B., die sowohl von den weiblichen als auch den männlichen Cliquenmitglieder reflektiert wird, sehen sich die Mädchen in der Lage durch eben diese Versorgung Einfluss auf die Versorgten auszuüben. 54 Hieraus lässt sich schließen, das weibliche Mitglieder zu einem hohen Maße überhaupt nur dann in der Clique anerkannt, wenn sie sich in einer „Partnerbeziehung“ zu einem Gruppenmitglied befinden. Mit dem Ende einer Beziehung verlieren die weiblichen Mitglieder i. d .R. ihre Zugehörigkeitsberechtigung. 55
6.3.3 Differenzierende Betrachtung zur geschlechtsbezogenen Orientierung und Zusammensetzung
In beiden Jugendkulturen spielt Weiblichkeit so gut wie keine Rolle, da ein eindeutig männlich dominierter Habitus vorherrscht. Beim Writing lässt sich dies mit dem aus der Performativität der Kultur begründeten Ideal des männlichen und subversiven Outsiders begründen, so dass bis auf wenige Ausnahmen keine weiblichen- oder gemischten Writer-Crews oder existieren.
52 Vgl. G. Klein 2003, S. 208
53 Vgl. S. Fischer 2006, S. 148
54 Vgl. K. Jabs in: Frindte 1995, S. 206/207
55 Vgl. B. Hafenneger/ M.M. Jansen 2001, S.214
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Partnerbeziehungen zwischen Writern sind daher auch als absolute Ausnahmen zu sehen, was sich durch die generell vorherrschende Exklusivität der Writingkultur begründen lässt. Innerhalb von rechten Jugendcliquen erhalten weibliche Jugendliche fast ausschließlich Zugang zur Gruppe, wenn sie eine „Partnerbeziehung“ zu einem Gruppenmitglied eingehen. Resümierend lässt sich feststellen, dass der wesentliche Unterschied in der Vergleichsdimension der geschlechtlichen Verortung in der Tatsache begründet liegt, dass es sich im Hinblick auf die Selbstdefinition der thematisierten Gruppen um deutlich voneinander differierende Entwürfe handelt, die von den Begriffen Performativität auf der einen, und Doppelcharakter von politischer und erlebniszentrierter Jugendkultur auf der anderen Seite determiniert werden.
6.4 Identifikationen, Abgrenzungen, Gegnerschaften und Strukturmerkmale
Der folgende Abschnitt setzt sich mit den Merkmalen und Ausprägungen von Identifikation, Abgrenzung, Gegnerschaften von Writern und „rechten Cliquen“ sowie deren Strukturmerkmalen im Verhältnis zu politischen Ideologien, zu Parteien und zu anderen Jugendkulturen auseinander.
6.4.1 Auseinandersetzung mit den Normen und Werten der „dominanten Kultur”
Jugendkulturellen Szenen bieten Jugendlichen ideale Orte, an denen sie ihre persönliche und soziale Identität suchen und erproben können. Hieraus resultiert bei der Kultur der Writer die Entstehung einer gesellschaftlichen Konfliktstelle zwischen jugendlichen Formen der Freizeitgestaltung, der Identitätssuche und der damit verbundenen der Auseinandersetzung mit den Normen und Werten der „dominanten Kultur”.
Es ist in diesem Zusammenhang zu beachten das Writing der Weg ist, für den sich einige Jugendliche mit allen Risiken entschieden haben, um ihre Identität zu suchen und ihren Weg zu finden. Die von den Vorbildern der Graffiti-Szene gelebten Verhaltensmuster bieten Jugendlichen ein ideales Erprobungsangebot. Sie spiegeln die von der individualisierten und pluralisierten Gesellschaft produzierten und propagierten Werte wieder und ermöglichen eine Auseinandersetzung mit dieser. Die Anforderung der Szene, einen eigenen Style zu entwickeln unterstützt den einzelnen Jugendlichen bei seinem Streben nach Unverwechselbarkeit und es
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erlaubt ihm, sich aus der Masse hervorzuheben. 56
Das Subversive und Grenzbereiche erforschende Verhalten der Akteure unterstützt die Kohäsion und damit den Zusammenhalt der Gruppenmitglieder, die einerseits versuchen, sich gegen die konkurrierenden Writercrews im Kampf um Anerkennung in Form des idealisierten, szenetypischen Modell von Fame durchzusetzen, andererseits sich auch ständig in einer Auseinandersetzung um das „Erscheinungsbild der Stadt” und dem „Sicherheitsgefühl des Bürgers” befinden, was wiederum die Möglichkeiten im Wettkampf untereinander nicht unerheblich determiniert. Die Suche nach einem, Raum, einer performativen Bühne für und durch die Jugendlichen wird dabei mit ungleichen Chancen geführt: auf der einen Seite die meist in rechtlichen Belangen unbedarften Jugendlichen - auf der anderen Seite die staatliche Macht mit ihren Institutionen sowie gut informierte Großbetriebe mit ihren effektiven zivilrechtlichen Interessensvertretungsmöglichkeiten. 57 Es erscheint in diesem Zusammenhang wichtig, erneut darauf zu verweisen, das die Writingkultur in der unserer westlichen Wertegemeinschaft häufig, aber nicht zwingend einen historisch durch den kulturellen Transfer aus dem New York der siebziger Jahre bedingten Zusammenhang mit der HipHop-Szene aufweist, wobei sich momentan eine immer stärkere Trennung aller Teilkulturen des Hip Hops voneinander vollzieht. Trotzdem weist der Ursprungsmythos der HipHop-Kultur weiterhin einen in seiner Bedeutung zwar abnehmenden, dennoch deutlich prägenden Einfluss zur Bildung eines habitualisierten Bewusstseins der Akteure aus. 58 Nicht nur die Szene-Sprache verweist hierbei auf den amerikanischen Entstehungszusammenhang. Auch in den sozialen Problemlagen, die zur Entstehung auf den Straßen New Yorks geführt haben, erkennen sich die Jugendlichen dieser Zielgruppe wieder. 59
6.4.2 Ideologie von Ungleichheit und Ungleichwertigkeit
Die Herausbildung des neuen Rechtsextremismus hat ihren zentralen Bezugspunkt in der Ablehnung von Einwanderung und der hieraus resultierenden Feindseligkeit gegenüber den Migranten. Der gegenwärtigen rechtextremistischen Verhaltensweisen radikalisieren sich auch durch die in der Mitte von Gesellschaft verbreitete Fremdenfeindlichkeit.
56 Vgl. Qualifizierter Sachbericht des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, http://www.HipHop-Hamburg.de, Zugriff 19.03.2006
57 Vgl. O. Bartelds 2006, S. 8ff
58 Vgl. G. Klein 2003, S. 55ff
59 Vgl. Qualifizierter Sachbericht des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, http://www.HipHop-Hamburg.de, Zugriff 19.03.2006
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Rechtsextremismus lässt sich als Ideologie von Ungleichheit und Ungleichwertigkeit charakterisieren. Dabei verbinden sich rassistische und nationalistische Abwertungen anderer mit der Selbsterhöhung des eigenen Volkes. 60
Wie bereits erläutert, deckt die Ausprägung dieser Ideologiefragmente, wie auch die Anknüpfung an Elemente der nationalsozialistischen Ideologie, ein hohes Spektrum von geringen bis extremen Tendenzen.
Diese Ideologie legitimiert demnach die Ausgrenzung und Ungleichbehandlung von, auf Basis von rassistischer und nationalistischer Konstruktion als Fremden eingeordneter Menschen. 61 Die Gegengruppen werden stigmatisiert, indem ihnen Verhaltensweisen zugeschrieben werden, die von der dominanten Kultur abgelehnt werden. 62 In der maskulinen Jugendkultur, die häufig ein aggressives, teilweise gewalttätiges Auftreten mit einer zitierenden Stilpraxis verbindet, übernehmen die Jugendlichen Zeichen, die ihre Bedeutung in nationalistischen, kämpferischen und rassistischen Bewegungen erhalten haben. In diesem Zusammenhang sei auf den Einfluss verwiesen, den die mediale Inszenierung von rechten Ideologieelementen vor allem in Form von rechter Musik, zur Herausbildung und Manifestierung eines solchen Verhaltens ausübt.
Ein weiterer Aspekt der aus dem ausgeprägten Freund-Feind-Denken resultiert, ist eine Art Opfersicht auf die eigene Gruppe. Diese entspringt dem Erleben Dritter und deren Darstellungen aus abstrakten, den eigenen Erfahrungen entfernten Sphären. Durch die Gruppendynamik in der Clique werden diese Wahrnehmungsfilter ausgeformt und entwickeln sich zu gruppeninternen Normen und Werten weiter, was dazu führt dass sich die Clique zunehmend als „rechte“ Gruppe organisiert und inszeniert. .
6.4.3 Differenzierende Betrachtung von Identifikation, Abgrenzungen, Gegnerschaften und Strukturmerkmalen
Die Akteure beider Jugendkulturen grenzen sich durch different ausgeprägtes nonkonformes Verhaltens bewusst von den Werten und Normen der dominanten Kultur ab. Eine Ursache hierfür scheint in dem knappen Angebot an gesellschaftlichen Partizipationsmöglichkeiten, insbesondere am Arbeitsleben und an politischen Entscheidungsprozessen, dem Versagen traditioneller und moderner Erziehungsvorstellungen den Reaktionen der Gesellschaft auf unerlaubtes Sprühen, zu liegen.
60 Vgl. B. Schäfers/ A. Scherr 2005, S. 130
61 Vgl. B. Schäfers/ A. Scherr 2005, S. 130
62 Vgl. K. Jabs in: Frindte 1995, S. 205
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Das illegale Graffiti-Sprühen speist seine Energie aus dem mehr
oder weniger bewusst reflektierten Gefühl Jugendlicher, dass es nicht akzeptabel ist, durch die Zielrichtung und die Modalitäten des Umbaus der postindustriellen Gesellschaft von der Teilhabe an Lebenschancen und Selbstverwirklichungsmöglichkeiten ausgegrenzt zu sein. Illegales Graffiti-Sprühen kann unter diesem Blickwinkel als Protest gegen die subjektiv so interpretierte Zuweisung verstanden werden, die gefürchtete Rolle des Verlierers zu akzeptieren.
In der Abgrenzung von der vorherrschenden Kultur und der Suche nach Anerkennung in der Szene, der diese Jugendlichen angehören möchten, wird ein eigener Weg gesucht. Writer beanspruchen außer einem eigenen Alias-Namen als Ausdruck ihrer künstlerischen Identität und den Anschluss an die Normen und Werte einer Gruppe auch einen eigenen Raum auf der Straße (Revier). Sie erlangen Status oder „FAME” innerhalb ihrer Szene durch das Erfinden neuer Stile. Stil im künstlerischen Ausdruck, in der Kleidung, im Konsumverhalten wird als eine Form der Identitätsbildung benutzt, zugleich als Verweigerungsgeste oder, z.B. durch Übertreibung oder Persiflierung, als Form indirekter
Infragestellung von Herrschaftsstrukturen eingesetzt. Der Stil der Writingkultur hat sich nicht nur in Amerika, sondern in der ganzen westlichen Welt verbreitet und unterliegt einem ständigen Veränderungsprozess, der sich aus der Eigendynamik dieser Szene heraus ständig weiter entwickelt.
Betrachtet man die Strukturen der jeweiligen Gruppe, so lässt sich ausmachen, dass die Partizipation und Anerkennung in der Kultur der Writer aufgrund des performativen Charakters exklusiver ist, als in den eher multipel strukturierten „rechten“ Jugendcliquen.
7 Zusammenfassende Schlussbetrachtung
In der vorliegenden Arbeit wurde deutlich, das beide Jugendszenen anhand der vorliegenden Definitionen von Jugendkultur auf Grund ihrer Standardisierung von Kommunikation, Denken, Empfinden und Handeln und der individuellen ästhetisch-expressiven Ausdrucksweise eindeutig unter der Oberbegriff von Jugendkultur einzuordnen sind. Ein Problem zur Differenzierung von rechten Cliquen bestand hierbei darin, dass die zur sichtbaren Gruppendefinition verwendeten Signale keine zwingenden Schlüsse auf Verbreitung und Intensität von rechtsextremen Einstellungen zulassen.
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Besonders auffällige Parallelen weisen dabei beide Bewegungen in der untergeordneten Rolle ihrer weiblichen Mitglieder auf, wobei in der Writerkultur aufgrund des zentralen Wettkampfgedankens Weiblichkeit insofern keine Rolle zu spielen scheint, als dass für die Bewertung der Qualität der Schriftzüge das Geschlecht der Urheber unerheblich ist. In den „rechten Cliquen“ findet Weiblichkeit nur in männlicher Begleitung statt. Ein junges Mädchen gehört hier nur für die Dauer einer „Partnerschaft“ zu einem männlichen Gruppenmitglied zu der Clique.
Hieran lässt sich im Übrigen der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Jugendkulturen feststellen, der in der Tatsache begründet liegt, dass es sich im Hinblick auf die Selbstdefinition der thematisierten Gruppen um deutlich voneinander differierende Entwürfe handelt, die von den Begriffen Performativität auf der einen, und Doppelcharakter von politischer und erlebniszentrierter Jugendkultur auf der anderen Seite determiniert werden. Diese Differenzierung führt dazu, dass hinsichtlich der Exklusivität der jeweiligen Gruppen Unterschiede bestehen, die sich an unterschiedlichen Selektionsgraden ausmachen lassen, welche auf der Seite der Writerkultur deutlich ausgeprägter erscheinen, was auch an der Tatsache zu erkennen ist, dass für Laien die Schriftzüge von Writern kaum zu entziffern sind und sich zu einer Art Geheimsprache entwickelt haben. In diesem Zusammenhang spielt auch der Konkurrenzkampf in der Writerkultur eine Rolle, und dieser Wettkampfgedanke macht ein weiteres wichtiges Unterscheidungskriterium aus, da derartige Leistungsnormen in den rechten Cliquen nicht bestehen. Hier wird sich in erster Linie von Andersdenkenden abgegrenzt, was sich an der häufig gewalttätigen Attitüde von „rechten Cliquen“ manifestiert. Weiterhin zeigte die Analyse, dass sich die Akteure beider Kulturen in jeweils unterschiedlicher Ausprägung als gesellschaftliche Außenseiter fühlen. Dieses Bewusstsein prägt den subversiven Charakter, der aufgrund von Kriminalisierung bei den Sprühern, und der politischen provokanten Einstellung von rechten Jugendlichen, die ebenfalls bis zu strafrechtlicher Verfolgung reichen kann, zu hoher Kohärenz innerhalb der beiden Jugendkulturen führt. Dies lässt Rückschlüsse für ähnliche Merkmale bei vergleichbaren Bewegungen zu, in denen das Distinktionsbedürfnis ihrer Mitglieder einen hohen Ausprägungsgrad erreicht.
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IV
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http://www.HipHop-Hamburg.de, letzter Zugriff 19.03.2006 http://www.sueddeutsche.de, letzter Zugriff 20.09.2006 http://www.wickipedia.de, letzter Zugriff 12.04.2006
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