Inhaltsverzeichnis
VORWORT 1
1 THEORIE. 1
1.1 BEGRIFF DER MORALISCHEN INTELLIGENZ 1
1.1.1 HERKUNFT. 1
1.1.2 DEFINITION. 2
1.1.3 VERWENDUNG. 2
1.2 NOTWENDIGKEIT DER MORALISCHEN INTELLIGENZ 3
1.2.1 GLOBALISIERUNG. 3
1.2.2 NEBENWIRKUNGEN DES ERFOLGS 4
1.2.3 ALTRUISMUS ZUR SICHERUNG DER GESELLSCHAFT. 5
1.3 PRINZIPIEN DER MORALISCHEN INTELLIGENZ 6
1.3.1 INTEGRITÄT. 7
1.3.2 VERANTWORTUNG 7
1.3.3 MITGEFÜHL 8
2 PRAXIS. 9
2.1 MITARBEITER 10
2.1.1 AUSWIRKUNGEN AUF DIE PERSON 10
2.1.2 AUSWIRKUNGEN AUF DAS UNTERNEHMEN. 11
2.2 VERANTWORTUNGSTRÄGER. 12
2.2.1 AUSWIRKUNGEN AUF DIE PERSON 12
2.2.2 AUSWIRKUNGEN AUF DAS UNTERNEHMEN. 12
2.3 MARKT 13
2.3.1 VERBRAUCHER. 13
2.3.2 STAAT. 14
2.3.3 PARTNER UND MITBEWERBER 14
3 REFLEXION. 15
3.1 RISIKEN 15
3.1.1 REALISIERBARKEIT 15
3.1.2 MESSBARKEIT 16
3.1.3 WETTBEWERBSFÄHIGKEIT 16
3.2 CHANCEN. 17
3.2.1 VERTRAUENSVORSPRUNG. 17
3.2.2 QUALITÄTSVORSPRUNG 18
3.2.3 RENTABILITÄTSVORSPRUNG. 18
3.3 FAZIT 19
3.3.1 ALLGEMEIN 19
3.3.2 PERSÖNLICH 20
QUELLENVERZEICHNIS 21
ERKL ÄRUNG 22
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
Vorwort
Die vorliegende Arbeit dient primär zur Unterstreichung folgender These:
1 THEORIE
Im ersten Teil wird der Begriff der moralischen Intelligenz erklärt, auf die ihn modern werden lassenden Fragestellungen eingegangen und schließlich drei Kernprinzipien der moralischen Intelligenz vorgestellt.
1.1 Begriff der moralischen Intelligenz
1.1.1 Herkunft
Der Begriff wurde von Daniel Golemans „Emotionale Intelligenz“ 1 entlehnt. Goleman beschreibt dabei in seinem gleichnamigen Bestseller die Fähigkeit, die eigenen Emotionen erkennen und gewinnbringend damit umgehen zu können, als eine Form der Intelligenz. Doug Lennick und Fred Kiel griffen dieses Konzept auf und beantworteten die Frage nach Ursprung und Ausprägung des moralischen Verhaltens eines Individuums - besonders im Hinblick auf das Geschäftsleben - in ihrem Buch „Moral Intelligence“ 2 , welches die Grundlage dieser Arbeit darstellt.
1 Goleman, D.: EQ - Emotionale Intelligenz, Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, 1997
2 Lennick, D., Kiel, F.: Moral Intelligence, Verlag Redline Wirtschaft, 2006 (folgend als „M. I.“ bezeichnet)
Seite 1
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
1.1.2 Definition
Folgende Begriffe werden im erwähnten Buch wie folgt kurz umrissen: 3
• Moralische Intelligenz
Jener Teil von uns, der unserem moralischen Kompass seine Gestalt gibt und dafür sorgt, dass unsere Ziele diesem Kompass entsprechen.
• Moralische Kompetenz
Die Fähigkeit, gemäß unseren moralischen Prinzipien zu handeln.
• Emotionale Kompetenz
Die Fähigkeit, in moralisch anspruchsvollen Situationen unsere eigenen Emotionen und die anderer Menschen zu steuern.
1.1.3 Verwendung
Die untenstehende Grafik ist hilfreich, um weitere Begriffe und deren Verwendung einordnen zu können:
Abb. 1: Die moralischen Fähigkeiten bilden zusammen mit der emotionalen Kompetenz das Kontrollorgan zwi-
schen den immanenten und erworbenen Prinzipien, den daraus entwickelten (Lebens-)Zielen und den konkreten
Verhaltensmustern. 4
3 M. I., S. 105
4 M. I., S. 111
Seite 2
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
Jede Person besitzt die drei unter 1.1.2 genannten Kernfähigkeiten, durch die der moralische Kompass, die persönlichen Ziele und die Verhaltensmuster gesteuert werden. Die Ursachen für Fehlverhalten sind oft in der Grundhaltung, d. h. im moralischen Kompass der betreffenden Person, zu suchen. In Abbildung 1 soll unter anderem veranschaulicht werden, dass sich diese „moralischen Viren“ auf das Verhalten auswirken und so destruktive Emotionen gebildet werden können. Je ausgeprägter die moralische Intelligenz und je trainierter die moralische und emotionale Kompetenz ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, solche Viren erkennen und beseitigen zu können.
Im Buch „Moral Intelligence“ wie auch in der vorliegenden Arbeit wird allerdings die Trennung der beiden Begriffe „moralische Intelligenz“ und „moralische Kompetenz“ nicht konsequent verfolgt. Oftmals wird von einer „ausgeprägten moralischen Intelligenz“ oder einer „Steigerung der moralischen Intelligenz“ gesprochen, obwohl durch den Kontext ein Bezug zur Handlung - und nicht zur Einstellung - deutlich wird und somit die Benutzung des Begriffs „moralische Kompetenz“ korrekt wäre. Einer der Gründe hierfür mag sein, dass beide Begriffe neu sind und sich deren Konnotation 5 noch nicht ausreichend festigen konnte.
1.2 Notwendigkeit der moralischen Intelligenz
1.2.1 Globalisierung
Da die Welt wirtschaftlich und kulturell immer stärker zusammenwächst, ist es von großer Wichtigkeit, sich der Motivation des eigenen Handelns in vollem Umfang bewusst zu sein. Nur so ist ein vorurteilsfreier Austausch von Gütern jeder Art möglich. Das Ziel soll dabei nicht die innere Gleichschaltung aller Kulturen, Nationen und Wirtschaftsregionen sein, sondern die Vorantreibung eines weltweit anerkannten und als positiv erfahrbaren Verhaltenskodex.
Das Finden eines solchen universellen Ethos ist das oberste Ziel des „Projekt Weltethos“, aus dessen Erklärung zu entnehmen ist:
5 Konnotation: die Nebenbedeutung eines Wortes
Seite 3
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
Wir verurteilen den Missbrauch der Ökosysteme unserer Erde. Wir verurteilen die Armut, die Lebenschancen erstickt; den Hunger, der den menschlichen Körper schwächt; die wirtschaftlichen Ungleichheiten, die so viele Familien mit Ruin bedrohen. Wir verurteilen die soziale Unordnung der Nationen; die Missachtung der Gerechtigkeit, welche Bürger an den Rand drängt; die Anarchie, welche in unseren Gemeinden Platz greift; und den sinnlosen Tod von Kindern durch Gewalt. Insbesondere verurteilen wir Aggression und Hass im Namen der Religion. […] Wir bekräftigen, dass es eine unwiderrufbare, unbedingte Norm für alle Bereiche des Lebens gibt, für Familien und Gemeinden, für Rassen, Nationen und Religionen. Es gibt bereits uralte Richtlinien für menschliches Verhalten, die in den Lehren der Religionen der Welt gefunden werden können und welche die Bedingung für eine dauerhafte Weltordnung sind. 6
Das Konzept der moralischen Intelligenz orientiert sich größtenteils nicht an kulturell oder religiös geprägten, sondern an global anwendbaren Prinzipien. Dies spricht gegen eine alleinige Ausrichtung auf den „gesunden Menschenverstand“, da dessen Definition stark von der Haltung des Einzelnen abhängt. Vielmehr verlangt das Konzept nach einer Orientierung an der modernen Prinzipienwissenschaft, was bedeutet, dass z. B. eine „tue recht und scheue niemand“-Mentalität nicht unbedingt Zeichen moralischer Intelligenz ist.
1.2.2 Nebenwirkungen des Erfolgs
Leistung ist die Bemessungsgrundlage jedes wirtschaftlichen Werts. Leider wird dabei oft nicht der Weg zum Ziel betrachtet, sondern lediglich, ob dieses erreicht wurde oder nicht. Es muss ins Bewusstsein gerückt werden, dass die Wahl der dazu verwendeten Mittel im Wesentlichen den moralischen Kompass des Handelnden widerspiegelt. Sich Mitteln zu bedienen, die allgemein als nicht moralisch oder von Stakeholdern 7 als schädlich empfunden werden könnten, spräche gegen eine vernünftige, vorausschauende Sichtweise. Bei der Einfahrt in einen Hafen werden Schiffe oft von Schildern mit der Aufschrift „Achten Sie auf Ihr Kielwasser“ begrüßt. Fährt das Schiff zu schnell, so erzeugt es in seinem Kielwasser hohe Wellen, die ein kleineres Boot zum Kentern bringen können.
6 Erklärung zum Weltethos, Piper Verlag München, 1993, S. 2
7 Stakeholder: Anspruchsgruppen; alle von einer Geschäftswirkung betroffenen Personen oder Gruppen
Seite 4
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
Auch Sie müssen auf Ihr Kielwasser achten. Sie müssen die negativen Konsequenzen sehen, die Ihre Tätigkeit in der Umgebung hervorrufen kann, in der Sie sich bewegen. 8 Demzufolge sollte Leistung - sei sie auch noch so herausragend - nie rein sachlich und nie nur nach Erfolgszahlen bewertet werden. Denn jedes Unternehmen bewertet den Mensch als Ganzes, und auch jeder Verbraucher bewertet ein Unternehmen als Ganzes (was am Beispiel des Ölkonzerns Shell durch die Brent-Spar-Krise deutlich zu sehen war). Nicht zuletzt aus diesem Grund wird von Verantwortungsträgern in Unternehmen immer mehr ein sich nach einem von der Gesellschaft befürworteten Kodex richtendes Verhalten gefordert.
1.2.3 Altruismus zur Sicherung der Gesellschaft
Wir sind allesamt fehlbare, unvollkommene Menschen mit Grenzen und Mängeln. Wir wissen um die Wirklichkeit des Bösen. Gerade deshalb aber fühlen wir uns um des Wohles der Menschheit willen verpflichtet, das auszusprechen, was Grundelemente eines gemeinsamen Ethos für die Menschheit sein sollten - für die Einzelnen ebenso wie für die Gemeinschaften und Organisationen, für die Staaten ebenso wie für die Religionen selbst. Denn wir vertrauen darauf: Unsere oft schon jahrtausendealten religiösen und ethischen Traditionen enthalten genügend Elemente eines Ethos, die für alle Menschen guten Willens, religiöse und nicht religiöse, einsichtig und lebbar sind. 9 Sich um das Wohl unserer Gemeinschaft zu sorgen, ist Bestandteil unserer Natur. Ziel ist es, die Mitglieder der Gesellschaft dadurch zu schützen und miteinander für Wohlstand und Frieden zu arbeiten. Zur Realisierung dieser Ziele - vor allem in Zeiten der Not und Bedrängnisbenötigen wir Durchhaltevermögen und moralische Intelligenz.
8 M. I., S. 265
9 Erklärung zum Weltethos, S. 6f
Seite 5
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
1.3 Prinzipien der moralischen Intelligenz
Cola Company.
Bei einem Unternehmen, dessen Ruf als „wertvollster Vermögensgegenstand“ (Isdell) gesehen wird, mag dies noch als selbstverständlich erscheinen. Doch es spricht mehr für den Einsatz solcher Verhaltensregeln als die bloße Reputationssteigerung - allem voran der „Stakeholder Value Ansatz“ 11 , welcher 1984 durch R. Edward Freeman bekannt wurde. Vier Jahre später fand dieser Ansatz Einzug in die Minnesota Principles 12 , welche vom Center for Ethical Business Cultures 13 (CEBC) in Minneapolis niedergeschrieben wurden. Diese Organisation wurde 1978 mit der Vision gegründet, „eine bedeutende Anlaufstelle für die Zusammenführung von ökonomischer Erfahrung und starrer Erkenntnis zu sein sowie durch Forschung den Verantwortungsträgern zu helfen, ethische Werte zu kreieren und zu erhalten“. 14
10 Stand 2006: $ 67 Mrd., Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Markenwert (04.04.07)
11 Vgl. Freeman, R.: Strategic Management: A stakeholder approach, 1984
12 Quelle: http://www.cebcglobal.org/Publications/Principles/MinnesotaPrinciples.htm (07.04.07)
13 CEBC im Internet: http://www.cebcglobal.org
14 „To be a leading edge resource integrating business experience with academic rigor and research to help lead-
ers create and sustain ethical cultures.“
Seite 6
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
Heute veröffentlichen auf der Internetseite des CEBC weitere 42 weltweit agierende Firmen ihre „Codes of Conduct“ 15 und legen sich damit selbst strenge Auflagen auf. Die drei Begriffe Integrität, Verantwortung und Mitgefühl finden sich dabei in jedem Kodex wieder.
1.3.1 Integrität
Integrität ist gleichbedeutend mit Authentizität und bedeutet, dass man sagt, wofür man steht, und zu dem steht, was man sagt. Selbsterkenntnis ist die Voraussetzung dafür, dass man durchweg mit Integrität handeln kann. Daher ist es so wichtig, sich Klarheit bezüglich der Gestalt des eigenen moralischen Kompasses zu verschaffen. Das eigene Verhalten am moralischen Kompass auszurichten bedeutet auch, dass man anderen zeigt, welchen Prinzipien man besondere Bedeutung beimisst, und sich selbst dafür zur Rechenschaft zieht, dass die eigenen Entscheidungen und Verhaltensweisen mit diesen Prinzipien übereinstimmen. 16 Integrität im orthodoxen Sinne ist neutral. Als integer gilt, wer
• an den eigenen Überzeugungen festhält,
• seinen Überzeugungen gemäß handelt,
• seine Überzeugungen transparent gestaltet.
Dabei findet keine Bewertung der Überzeugungen statt; man unterscheidet also nicht zwischen gut und böse. Im alltäglichen Gebrauch wird Integrität jedoch als etwas grundsätzlich Positives verstanden. Der Grund hierfür könnte die Etymologie des lateinischen Wortes „integritas“ 17 sein, aus dem sich das deutsche Wort Integrität entwickelt hat und welches ein semantisch weites Feld abdeckt.
1.3.2 Verantwortung
Der wesentliche Bestandteil des persönlichen Verantwortungsbewusstseins ist die Bereitschaft, anzuerkennen, dass man für die Ergebnisse seiner Entscheidungen verant-wortlich ist. Alles was wir tun, unterliegt dem Gesetz von Ursache und Wirkung. Jede unserer Handlungen wirkt sich aus, wobei sie ihm Normalfall mehrere Dinge bewirkt.
15 Codes of Conduct: Verhaltensregeln, Ethikkodex
16 M. I., S. 125f
17 integritas: Unversehrtheit, Keuschheit, Ganzheit, Ursprünglichkeit, Gesundheit, Reinheit
Seite 7
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
Einige Konsequenzen unserer Handlungen sind geplant, andere unbeabsichtigt. Die persönliche Wahl zu haben bedeutet, dass wir die Verantwortung für alle Konsequenzen unseres Verhaltens tragen müssen, seien sie nun beabsichtigt oder nicht. 18 Als verantwortungsbewusst gilt, wer
• sich der Folgen seines Handelns bewusst ist,
• zu den Folgen seines Handelns steht und sich ihnen nicht entzieht,
• bereit ist, für das Handeln anderer (dem eigenen Wirkungsradius zurechenbarer) Personen Rechenschaft abzulegen.
Verantwortung zu übernehmen bedeutet also, Antworten geben zu können auf Fragen zu Folgen des eigenen Handelns sowie des Handelns bestimmter, der eigenen Verantwortlichkeit überstellter, Personen bzw. Gruppen.
1.3.3 Mitgefühl
Wir sollten uns von vornherein der Tatsache bewusst sein, dass sowohl ich als auch Sie Fehler machen werden. Als Ihr Vorgesetzter werde ich gelegentlich meine Arbeit nicht perfekt machen. Und es wird Tage geben, an denen Sie nicht in bester Verfassung sein werden. Wenn Sie mir nicht verzeihen können, dass ich nicht immer der perfekte Vorgesetzte sein werde, wird unsere Beziehung nicht funktionieren. Sie wird emotional schmerzhaft sein, und keiner von uns wird seine besten Leistungen erbringen. Wenn wir einander verzeihen können, dass wir nicht vollkommen sind, werden beide Seiten in der anderen eine wertvolle Unterstützung finden. Wir werden imstande sein, einander zu helfen und unser Bestes zu geben. 19
Das Wort Mitgefühl wird in der Fachsprache zusehends von seiner gräzisierten Form Empathie verdrängt. Als empathisch gilt, wer
• sich in Situation und Emotion des Gegenübers hineinversetzt,
• den Bedürfnissen des Gegenübers angemessen entgegenkommt,
• eigene und fremde Fehler verzeiht.
18 M. I., S 140
19 M. I., S. 159
Seite 8
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
In mitfühlender Form aktiv Sorge für andere zu tragen ist nicht gleichzusetzen mit Selbstvergessenheit. Es ist vielmehr wichtig, eine gesunde Mitte zwischen dem Kümmern um das eigene Ich bzw. den Unternehmenszielen und dem Kümmern um andere bzw. den Mitarbeitern zu finden.
2 PRAXIS
Im zweiten Teil wird gezeigt, wie sich die Steigerung des Faktors moralische Intelligenz auf das Unternehmen und dessen Umfeld auswirkt. Dies wird an drei Hauptgruppen deutlich gemacht: an den Mitarbeitern und Verantwortungsträgern für sich und im Kontext des Unternehmens sowie an drei verschiedenen Anspruchsgruppen am Markt. Um Wiederholungen zu vermeiden, wird im Folgenden der „moralisch intelligente Mitarbeiter / Vorgesetzte“ als miM bzw. miV bezeichnet und grob durch diese Merkmale definiert:
• integer (mit Überzeugungen gemäß der gesellschaftlich als positiv angesehenen Moral)
• verantwortungsbewusst
• mitfühlend
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
2.1 Mitarbeiter
2.1.1 Auswirkungen auf die Person
Es ist allgemein bekannt, dass die glücklicheren Mitarbeiter zugleich die produktiveren Mitarbeiter sind. Doch in wie weit trägt ein hohes Maß an moralischer Intelligenz zum persönlichen Glück bei?
Abb. 3: Maslowsche Bedürfnispyramide 20
Die Bedürfnispyramide wird von unten nach oben „abgearbeitet“. Erst, wenn der Mensch die erste Stufe erklommen, d. h., seine Grundbedürfnisse befriedigt hat, kann er sich ungeteilt der nächsten Stufe widmen. Die höchste Stufe ist die Selbstverwirklichung, zu der auch das „Streben nach dem allgemein Guten“ gerechnet wird. Einem Mitarbeiter, dem die Möglichkeit gegeben wird, Gutes zu tun, wird somit auch die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung gegeben, wodurch sich sein Selbstwert entschieden erhöhen kann.
20 Quelle: http://www.erfolgs-werkstatt.de/html/maslowsche-beduerfnispyramide.html (04.04.07)
Seite 10
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
Zudem können drei weitere Punkte hervorgehoben werden, die insbesondere bei miMs zu beobachten sind:
• Wertschätzung
Ein miM kann sich mit Sicherheit eines höheren „Marktwerts“ erfreuen als ein Angestellter, dessen Verhalten als nicht moralisch oder gar als fragwürdig eingeschätzt wird.
• Vertrauen
Einem Menschen mit unerschütterlicher Integrität wird größeres Vertrauen entgegengebracht als einem Opportunisten, der Gefahr läuft, seine Überzeugungen unter Druck zu wechseln.
• Zufriedenheit
Da zu den moralischen Kompetenzen auch gelungenes Selbstmanagement gehört, kann dem miM generell eine höhere Zufriedenheit zugesprochen werden.
2.1.2 Auswirkungen auf das Unternehmen
Größtenteils sind die Auswirkungen hoher moralischer Intelligenz auf die Person als solche schon Argument genug, diesen Mitarbeitern z. B. bei der Rekrutierung den Vorzug zu geben. Doch gibt es noch Punkte, die unter Berücksichtigung des Wirtschaftszieles eines Unternehmens besondere Aufmerksamkeit verdienen.
• Verminderung von Krankheitstagen
Laut einer Studie der Initiative Gesundheit und Arbeit sind Mitarbeiter, die mit dem Unternehmen, ihrer Tätigkeit oder ihrem Entgelt nicht zufrieden sind, öfter krank als zufriedene Mitarbeiter. Der wirtschaftliche Schaden beläuft sich dabei deutschlandweit auf mehr als 45 Mrd. Euro. 21
• Vermeidung von Kriminalität
Hier ist nicht nur der wirtschaftliche Schaden zu beachten, sondern auch das Betriebsklima. Überall dort, wo Mitarbeiterkontrollen zur Vermeidung interner Diebstähle angeordnet wurden, mussten später wieder die Wogen zwischen Firmenleitung und Belegschaft geglättet werden.
21 Zusammengetragen aus Dokumenten von http://www.iga-info.de (04.04.07)
Seite 11
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
• Stärkere Loyalität
Ein miM zu sein bedeutet zwar nicht, mit allen Entscheidungen der Geschäftsführung einver-standen zu sein, jedoch bilden ein offenes Verhältnis und gute Kommunikation die Grundlage einer gesunden Konfliktprävention. So ist es dem miM durch die Verminderung innerer Konflikte möglich, stets im Sinne der Geschäftsführung zu handeln.
2.2 Verantwortungsträger
2.2.1 Auswirkungen auf die Person
Was unter 2.1 erwähnt wurde, gilt natürlich auch für den Vorgesetzten. Aufgrund der verant-wortungsvollen Position sollten folgende Punkte allerdings noch zusätzlich berücksichtigt werden.
• Entscheidungsstärke
Ein miV steht nicht bei jeder Entscheidung vor einer immer wiederkehrend neuen Herausforderung, sondern er bezieht seine Prinzipien in den Entscheidungsfindungsprozess mit ein und kann dadurch sicherer in seinen Entscheidungen sein.
• Ausgeglichenheit
Ein Mensch, der sich durch seinen Beruf oder durch persönliche Situationen dazu entschließt, unlauter zu arbeiten, zu lügen oder zu betrügen, steht im Vergleich zu einem ausgeglichenen Individuum unter ungleich höherem Distress 22 . Die Kräfte eines guten bzw. schlechten Gewissens werden in der Psychologie auch als „Karma-Effekt“ 23 bezeichnet.
2.2.2 Auswirkungen auf das Unternehmen
• Unbestechlichkeit
Eine integre Führungskraft beweist in Situationen, aus denen sie persönliche Vorteile zum Schaden der Firma ziehen könnte, Standhaftigkeit und Unbestechlichkeit.
22 Distress: negativer Stress durch unangenehme Zustände oder Reize
23 Karma: spirituelles Konzept, wonach jede (gute wie böse) Tat unweigerlich eine Folge nach sich zieht
Seite 12
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
• Positives Betriebsklima
Psychische Fehlbelastung am Arbeitsplatz kann für den Einzelnen, aber auch für die gesamte Belegschaft, ein hoher leistungsmindernder Faktor sein.
Abb. 4: Ergebnisse einer Pilotuntersuchung mit 130 Beteiligten aus acht verschiedenen Betrieben. 24 Interessanterweise rangiert Mobbing nicht auf der Top Ten der Belastungsskala. Stattdessen beschweren sich über zwei Drittel der Befragten über unzureichende Anerkennung durch ihre Vorgesetzten, und mehr als ein Drittel bemängelt deren Führungsstil. Ein miV würde demzufolge sehr zur Senkung der psychischen Belastungen am Arbeitsplatz beitragen und somit das Betriebsklima ausschlaggebend verbessern.
2.3 Markt
2.3.1 Verbraucher
Anhand welcher Kriterien entscheiden Verbraucher, von welcher Firma sie Leistungen beziehen wollen? Sicherlich stellt die Qualität des Angebots zunächst die höchstpriorisierte Ent-
24 Schmidt,H. (Hrsg.): Pilotbericht: Erprobung einer Handlungshilfe zur Erfassung physischer und psychischer
Belastungen, Selbstverlag Diekholzen, 2005
Seite 13
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
scheidungsgrundlage dar. Dennoch muss beachtet werden, dass der Verbraucher mit zunehmendem Wohlstand zunehmend idealistisch entscheidet. 25 Er kann es sich leisten, z. B. teurere Bio- oder TransFair-Produkte zu kaufen, oder Unternehmen zu boykottieren, mit deren Art und Weise zu wirtschaften er nicht einverstanden ist.
Signalisiert das Unternehmen durch seine Politik ein ethisch korrektes und sozial umsichtiges Verhalten, kann es durch diese Reputationssteigerung (vor allem gut situiertes) Klientel gewinnen.
2.3.2 Staat
Die deutsche Regierung befürwortet und unterstützt verantwortungsbewusstes weil umwelt-freundliches Handeln. Die „Förderung von Einzelmaßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien“ soll von 131 Mio. (Ist 2005) auf 180 Mio. Euro (Plan 2006) gehoben werden. Das EU-Gesamtvolumen zur Umweltförderung betrug 2005 ca. 11 Mrd. Euro. 26 Entschließt sich ein Unternehmen, ökologisch rücksichtsvolle Prinzipien in seine Leitlinien zu integrieren und umzusetzen, so zeigt dies nicht nur einen verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umwelt, sondern wird auch durch staatliche Subventionierungen sowie durch spezielle Interessensgruppen („grünes Klientel“) honoriert.
2.3.3 Partner und Mitbewerber
Eine auf transparenten Werten beruhende Unternehmenspolitik und Kommunikationskultur schafft beiderseitiges, unbezahlbares Vertrauen. Hierzu ein Beispiel aus dem Buch „Moral Intelligence“:
Don MacPherson von Modern Survey kann bezeugen, dass das Eingeständnis von Irrtümern positive Folgen haben kann. „Einmal erstellten wir einen Bericht für die Abteilungsleiter eines Fortune 500-Unternehmens. Wir machten einen Fehler bei wichtigen Daten. Aus Versehen berücksichtigten wir in den Ergebnissen nicht alle Umfragedaten, was das Gesamtbild erheblich verzerrte. Wir wussten natürlich, dass sie nicht
25 Zusammengetragen aus Dokumenten von http://www.sinus-sociovision.de (07.04.07)
26 Vgl. 20. Subventionsbericht des Deutschen Bundestags
Seite 14
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
herausfinden konnten, dass der Bericht fehlerhaft war, wenn wir sie nicht darüber aufklärten. Doch wir wollten nicht, dass sie Entscheidungen auf der Grundlage falscher Daten fällten. Daher war es keine Frage, dass wir sie über unseren Irrtum in-formieren würden. Wir debattierten lediglich darüber, wie wir die Sache angehen sollten. Ich rief meine Kontaktperson beim Klienten an, klärte sie über das Ausmaß des Problems auf und unterbreitete ihr einen Lösungsvorschlag. Ihre Reputation war ihr und uns wichtig, und es war unerlässlich, dass wir die alleinige Verantwortung für den Fehler übernahmen. Wir erstellten den Bericht neu - selbstverständlich kostenlos - und übernahmen in einer unterzeichneten Mitteilung die Verantwortung. Dieses Unternehmen ist heute unser bester Klient, und unsere Kontaktperson ist dieselbe Frau wie damals, die vorbehaltlos zu uns steht.“ 27
Da jede Aktivität eines Unternehmens mit Menschen zu tun hat, erzielt ein moralisch intelligentes Verhalten ganzheitliche Erfolge. Im vorhergehenden Beispiel spielt die Kontaktperson des Klienten eine wichtige Rolle, deren Reputation durch die umsichtige Vorgehensweise der Beraterfirma erhalten blieb. In diesem Zusammenhang bedeutet ein ganzheitlicher Erfolg also, dass dem Geschäftszweck durch die moralisch einwandfreie Haltung, die man dem Geschäftspartner entgegenbrachte, gedient wurde.
3 REFLEXION
Der dritte Teil besteht aus einer kritischen Betrachtung mit abschließendem Resümee.
3.1 Risiken
3.1.1 Realisierbarkeit
Das Bewusstsein dafür, die Einhaltung moralisch wertvoller Standards z. B. durch eine „moralische Qualitätssicherung“ zu überwachen, ist allgemein noch sehr gering. Dies mag an folgenden Fragen liegen, auf die nur individuell Antwort gegeben werden sollte:
27 M. I.: S. 143f
Seite 15
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
• Greife ich mit der Einführung eines Ethikkodex zu sehr in das Persönlichkeitsrecht meiner Mitarbeiter ein?
• Schaffe ich mit der Überwachung der Einhaltung eines Ethikkodex Misstrauen?
• An welchen Prinzipien, Werten und Überzeugungen sollte ich mich orientieren? Gibt es überhaupt die generell anerkannte ethische Norm?
3.1.2 Messbarkeit
Noch gibt es kaum etablierte Möglichkeiten, die moralische Intelligenz eines Mitarbeiters oder eines Unternehmens zu messen. Dies macht eine Zieloperationalisierung unmöglich und schafft so Unsicherheit. Nur aus langfristig angelegten Berichten könnte man Erfolg oder Misserfolg der Maßnahmen zur Steigerung der moralischen Intelligenz ablesen. Hier muss auch in besonderer Weise darauf geachtet werden, einen Menschen nicht in seiner Person zu verletzen. Jemand mit niedriger moralischer Intelligenz dürfte nicht als „schlechter Mensch“ gelten und so in seiner Person abgewertet oder gar entwürdigt werden.
3.1.3 Wettbewerbsfähigkeit
Manche Werte einiger Kulturkreise stehen im Gegensatz zueinander. So ist z. B. Bestechung in manchen Regionen Teil des Tagesgeschäfts, während es in Deutschland gesetzlich verboten ist und als moralisch verwerflich gilt. Das bestätigt auch Wigand Cramer, der in folgendem Ausschnitt eines Artikels der FAZ zu Wort kommt:
Das Ziel, doppelt so schnell zu wachsen wie die Weltwirtschaft, erreiche Siemens nur mit Geschäften in Schwellenländern wie China, Indien, Indonesien und Russland - am besten mit Projekten industrieller Infrastruktur. „Jeder weiß, dass das sowohl geographisch als auch von den Zielkunden her die Bereiche sind, in denen Korruption nun mal zum Geschäft gehört.“ 28
28 FAZ: Globalisierung kennt keine Moral, 28.11.06
Seite 16
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
Unternehmen, die in solchen Dilemmata entscheiden müssen, stellen sich die Frage nach der eigenen Wettbewerbsfähigkeit, sollten sie bestimmte Geschäftsgebaren durch einen Ethikkodex ausschließen.
3.2 Chancen
3.2.1 Vertrauensvorsprung
Durch die transparente Gestaltung einer sich an wertvolle, ethische Normen orientierende Unternehmensphilosophie wird nach innen wie nach außen Vertrauen geschaffen. Dessen sind sich Geschäftsführer durchaus bewusst und versuchen, die dadurch gesteigerte Glaubwürdigkeit sichtbar zu machen. Diesem Bedürfnis ging die DEKRA Certifications GmbH nach, die 2006 eine Ethik-Zertifizierung entwickelte: Mit ethischen Werten zum wirtschaftlichen Erfolg
Aus dem kürzlich auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellten Leitfaden „Ethik im Unternehmen“ entwickelten die Zertifizierungsspezialisten der DEKRA Certification GmbH mit Prof. Dr. Joachim Kohlhof vom Ethik Colleg Mehren/Eifel ein Zertifizierungsverfahren. „Damit haben wir zum ersten Mal ein zentrales Instrument geschaffen, um ethisches Handeln im Unternehmen von der Idee zur Realität zu begleiten und die dauerhafte Beachtung der Ethikcodes zu sichern,“ erläutert Thomas Bergler, Geschäftsführer der DEKRA Certification GmbH. 29
Der Anbieter erhofft sich, Unternehmen für die Zertifizierung dadurch gewinnen zu können, indem er den Zuwachs an Image, Vertrauen und Glaubwürdigkeit betont. Doch mit einer Zertifizierung allein wird sich dieses Ziel schwer erreichen lassen. Was zählt, sind moralisch intelligente Verhaltensweisen: durch Beständigkeit der Werte und Durchhaltevermögen in Krisenzeiten fassen Verbraucher stabiles Vertrauen in ein Unternehmen.
29 DEKRA zertifiziert ethisches Handeln in der Wirtschaft, 16.11.06, Quelle: http://www.dekra.de (10.04.07)
Seite 17
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
3.2.2 Qualitätsvorsprung
Abb. 5: Einflussnahme der „weichen Faktoren“ auf die Produkt-
bzw. Dienstleistungsqualität.
3.2.3 Rentabilitätsvorsprung
Hierzu das Ergebnis einer Studie der DePaul University, Chicago: Forscher der Fakultät für Rechnungswesen und Managementinformationssysteme verglichen die finanziellen Ergebnisse von 100 Unternehmen, die im Jahr 2001 von der Zeitschrift Business Ethics zu den „Best Corporate Citizens“ 30 gezählt wurden, mit den übrigen Unternehmen aus dem Index S&P 500. Die Einstufung beruhte auf einer quantitativen Bewertung der Unternehmensleistungen für ach Interessengruppen: Aktionäre, Beschäftigte, Kunden, Gemeinde, Frauen, Umwelt ausländische Interessengruppen sowie Minderheiten. Die Autoren der Studie gelangten zu dem Schluss,
30 Corporate Citizenship: bezeichnet das bürgerschaftliche Engagement in und von Unternehmen, die eine mittel-
und langfristige unternehmerische Strategie auf der Basis verantwortungsvollen Handelns verfolgen und sich
über die eigentliche Geschäftstätigkeit hinaus als „guter Bürger“ aktiv für die lokale Zivilgesellschaft oder z. B.
für ökologische oder kulturelle Belange engagieren.
Seite 18
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
dass die finanziellen Ergebnisse der „Best Corporate Citizens“ deutlich besser waren als jene der übrigen S&P 500-Unternehmen. Die Durchschnittsergebnisse der Best Citizens, die auf der im Jahr 2001 von Business Week vorgenommenen Einstufung der finanziellen Gesamtergebnisse beruhten, fielen um mehr als 10 Prozentpunkte besser aus als die Durchschnittswerte der übrigen S&P 500-Unternehmen. In der Zeitschrift Strategic Finance, die die Studienergebnisse veröffentlichte, hieß es dazu: „Dies weckt Zweifel an dem beharrlichen Mythos, dass aufrichtiges, prinzipientreues Verhalten zusätzliche Kosten verursacht und damit die finanziellen Ergebnisse eines Unternehmens negativ beeinflusst.“ 31
Dieser Studie ist zu entnehmen, dass der Rentabilitätsvorsprung eine in Zahlen ausgedrückte Summe von Effekten - hervorgerufen durch moralisch intelligentes Verhalten - abbildet. Momentan gibt es noch keine Studie, die den Gegenbeweis antritt.
3.3 Fazit
3.3.1 Allgemein
Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Förderung der moralischen Fähigkeiten (moralische Intelligenz, moralische Kompetenz und emotionale Kompetenz) aller in einer Unternehmung Beschäftigten sich durchweg positiv auswirkt - auf den Geschäftsgegenstand ebenso wie auf das gesamte Umfeld des Betriebs. Der Geschäftsgegenstand ist ohnehin nicht zum Selbstzweck bestimmt, sondern sein Zweck wird durch die Gesellschaft definiert. Ergo verwirkt ein Unternehmen, das durch sein Wirtschaften nicht der Gesellschaft im Ganzen dient, seine Legitimation. 32
Um dies zu vermeiden gilt es, sich mit den universellen ethischen Standards der heutigen Zeit auseinanderzusetzen und deren Implementierung und Umsetzung im betrieblichen Alltag konsequent zu verfolgen. Nur so wird ein gewinnbringender, jeder Anspruchsgruppe gerecht werdender Austausch von Gütern und Leistungen möglich sein. Dies wird als übergeordnetes Ziel von der Mehrheit der Unternehmer stets bejaht, doch es muss auch im Kleinen und Konkreten
31 M. I., S. 52f, entnommen von Strategic Finance, Bd. 83, Nr. 7, Januar 2002, S. 20
32 Vgl. Ulrich, P.: Integrative Wirtschaftsethik, Verlag Paul Haupt Berne, 1993, S. 438ff
Seite 19
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
befürwortet und realisiert werden. Um diese Umsetzung im Kleinen erfolgreich durchführen zu können, bedarf es des Engagements jedes Einzelnen, welcher unablässig seine moralischen Fähigkeiten zu überprüfen und zu erweitern hat.
3.3.2 Persönlich
Ein „Code of Conduct“ ist meines Erachtens ein unerlässliches „Handwerkszeug des Mitein-anders“ für jedes Unternehmen jeder Größe. Nur durch diese Transparenz und Messbarkeit des eigenen Handelns werden wir in der Lage sein, das Credo des wirtschaftlichen Erfolgs durch Leitlinien abzulösen, die auf ganzheitlichen Erfolg hinführen. Dieser ist unsere einzige Chance, auf lange und globale Sicht hin kulturell und wirtschaftlich in altruistischer Manier zu wachsen.
Aus diesem Grund möchte ich mit folgendem Appell schließen: Wir müssen nach einer gerechten sozialen und ökonomischen Ordnung streben, in der jeder die gleiche Chance erhält, seine vollen Möglichkeiten als Mensch auszuschöpfen. 33
33 Erklärung zum Weltethos, S. 3
Seite 20
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
Quellenverzeichnis
Bücher und Schriften Lennick, Doug Moral Intelligence, Verlag Redline Wirtschaft, 2006
Kiel, Fred
Küng, Hans Erklärung zum Weltethos, Piper Verlag München, 1993
Ulrich, Peter Integrative Wirtschaftsethik, Verlag Paul Haupt Berne, 1993
(Hrsg.) Internet
http://de.wikipedia.org/wiki/Markenwert (04.04.07)
http://www.cebcglobal.org (07.04.07)
http://www.erfolgs-werkstatt.de/html/maslowsche-beduerfnispyramide.html (04.04.07)
http://www.iga-info.de (04.04.07)
http://www.sinus-sociovision.de (07.04.07)
http://dip.bundestag.de/btd/16/010/1601020.pdf (07.04.07)
http://www.dekra.de (10.04.07) Sonstige
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.06
Seite 21
WIRTSCHAFTLICHER ERFOLG DURCH MORALISCHE INTELLIGENZ Matthias Schlarb, April 2007
Erklärung
Ich versichere, dass ich diese Betriebswirtarbeit selbständig verfasst, keine anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel verwendet und alle wörtlich oder sinngemäß übernommenen Stellen in der Arbeit regelgerecht gekennzeichnet habe.
Mir ist bekannt, dass die Betriebswirtarbeit oder Teile aus ihr im Rahmen des Bildungsauftrags der Fachschule Dritten zugänglich gemacht werden können, dass dies aber durch einen der Arbeit beigelegten Sperrvermerk ausgeschlossen werden kann.
Böblingen, 23. April 2007
_____________________________ Ort, Datum
Seite 22
Arbeit zitieren:
Matthias Schlarb, 2007, Wirtschaftlicher Erfolg durch moralische Intelligenz, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Moralität und ökonomische Rationalität - Integrative Wirtschaftsethik ...
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
360°-Feedback: Definition, Ablauf sowie Chancen und Risiken
BWL - Personal und Organisation
Hausarbeit, 11 Seiten
Mobbing - Ausgrenzungsphänomene in der Arbeitswelt
Psychologie - Sozialpsychologie
Magisterarbeit, 132 Seiten
Mitarbeiterkonflikte und die Rolle der Führungskraft als Mediator
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Organisationsentwicklung nach dem Zusammenschluss zweier Vertriebsorga...
Studienarbeit, 57 Seiten
Matthias Schlarb hat den Text Wirtschaftlicher Erfolg durch moralische Intelligenz veröffentlicht
Matthias Schlarb hat einen neuen Text hochgeladen
DaJerof hat den Text Wirtschaftlicher Erfolg durch moralische Intelligenz kommentiert
Shareholder Value versus Stakeholder Value
Ein Vergleich des US-amerikani...
Markus Skrzipek
Controlling zwischen Shareholder Value und Stakeholder Value
Neue Anforderungen, Konzepte u...
Regina W. Schröder, Friederike Wall
DaJerof
Hilfreiche Arbeit ....
Sehr geehrter Herr Schlarb,
besten Dank für die fundierte und hilfreiche Arbeit.
Ich werde die Inhalte im Team mit Sicherheit gewinnbringend verwenden können.
Nevio DaJerof
www.dajerof.com
am Monday, September 15, 2008-