Gliederung
1. Einleitung
2. Verschiedene Ansätze von Aggression
3. Das Weibliche und Aggression
a) Frauen und Aggression
b) Die Entwicklung des kleinen Mädchens
c) Das Bild der Frau in den Medien
4. Soziale Arbeit und der Umgang mit weiblicher Aggression
5. Resümee
6. Quellenverzeichnis
7. Anhang
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1. Einleitung
Die Aggression - ein mit einem weiblichen Artikel besetztes Wort. Wie passt dies zusammen, "da im allgemeinen davon ausgegangen wird, dass Aggressivität ein sehr männliches Persönlichkeitsmerkmal und Verhaltensmuster ist.“ (Christa Bast: Weibliche Autonomie und Identität, S. 52). Schon aus dieser grammatikalischen Wirklichkeit stellt sich die Frage, ob die Aggression wirklich weiblich ist und wie Frau damit umgeht. Männer führen Kriege, stehen ihren Mann im Beruf, waren schon als Junge wild und ungezähmt, schneller und aggressiver. „Männer sind im Durchschnitt größer, schwerer und kräftiger als Frauen, und sie haben z.B. eine größere Vitalkapazität (Atemluft). Dadurch wird körperlich-aggressives Verhalten bei Männern mehr begünstigt als bei Frauen“. (Selg: Psychologie der Aggressivität, S. 115).
Ist alleine durch diese Naturgegebenheit dem Mann die Aggression auf den Leib geschnitten und fühlen wir Frauen uns deshalb „unklar im Kopf, sprachlos und ein bisschen blöd, wenn wir versuchen uns durchzusetzen und den eigenen Standpunkt klarzumachen. Wir lernen nicht nur Streit und Aggression zu fürchten, wir stellen lieber keine präzisen Fragen und machen keine klaren Aussagen, wenn wir unbewusst fürchten, dass wir damit Differenzen zutage fördern, den Gesprächspartner in Bedrängnis bringen und schließlich auf uns selbst zurückgeworfen sind?“ (Harriert Goldhor Lerner: Wohin mit meiner Wut? S. 89) Wo bleibt da das kleine Wörtchen „die“, das anscheinend schon als Beiwort der Weiblichkeit, der Aggression seine Kraft nimmt und eben diesen Antagonismus hervorruft? Konnte schon damals als Eva den verbotenen Apfel vom Baum im Garten Eden nahm und später Kain seinen Bruder Abel erschlug von weiblicher und männliches Aggression gesprochen werden? „ In der Bibel, sicher einem der ältesten und meistverbreiteten Bücher der Welt, ist kaum die Schöpfung kurz berichtet und das Paradies kurz beschrieben, da wird bereits Aggression um Aggression kurz geschildert (…) Die Schlange, wohl Maske des Teufels überredete das erste Menschenpaar zum Sündenfall,; diese Verführung kann als subtile, indirekte Aggression gelten“. (Herbert Selg: Psychologie der Aggressivität, S. 1) Sind der Sündenfall und der Brudermord, der im alten Testament die erste menschliche aggressive Handlung als Inhalt hat, typische erste Beispiele geschlechtsspezifischen Umgang mit Aggression oder gibt es keine signifikanten Unterschiede im Aggressionspotential der beiden Geschlechter? Anne Campell schreibt in ihrem Buch „Zornige Frauen - wütende Männer“: „ Ich glaube, dass Männer und Frauen sich in ihrem Aggressionsverhalten deshalb unterscheiden, weil sie die Bedeutung von Aggression unterschiedlich auffassen. Frauen
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betrachten Aggression als zeitweiligen Kontrollverlust, verursacht von überwältigendem Druck und gefolgt von Schuldgefühlen. Männer sehen Aggression als Mittel, Kontrolle über andere Menschen auszuüben, wenn sie das Bedürfnis empfinden, Macht und Selbstwertgefühl zu erlangen.“ (S. 10)
Stellen Sie sich nun eine Szene vor, in der es um Aggression geht….. Wahrscheinlich entsteht in Ihrer Phantasie eine Gewaltszene. Und wer ist der Aggressor? - wahrscheinlich ein Mann. Laut der Kriminalstatistik (siehe Anhang) werden „nur“ 10% aller Straftaten von Frauen ausgeübt. Durch die häufigen Schlagzeilen und die starke Verknüpfung von Aggression und Mann-Sein wird die weibliche Aggression fast vergessen.
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2. Verschiede Ansätze von Aggression
• 35-jähriger überfährt absichtlich Unbekannte
• Fünf Jahre Haft für Tötung von Zwillingen • Frau verfolgt Priester - Bewährungsstrafe SZ Nr. 95/ April 05
„Eine Aggression besteht in einem gegen einen Organismus oder ein Organismussurrogat gerichteten Austeilen schädigender Reize (schädigen meint beschädigen, verletzen, zerstören und vernichten; es impliziert aber auch … Schmerz zufügen, störende Ärger erregende und beleidigende Verhaltensweisen, welche der direkten Verhaltensbeobachtung schwer zugänglich sind); eine Aggression kann offen (körperlich, verbal) oder verdeckt (phantasiert), sie kann positiv (von der Kultur her gebilligt) oder negativ (missbilligt) sein. (Selg, S. 4) Wir kennen alle diese verschiedenen Ausprägungen von Aggression, sie begleiten uns mehr oder weniger durch unser Leben, geben dem Alltag seine „Würze“ oder auch seine „Schattenseiten und nicht wirklich lassen uns solche Überschriften, wie aus der SZ entnommen, erschaudern. Über den Bildschirm flackern täglich viel zu viele Morde und die Computerspieleindustrie verdient sich eine goldene Nase mit Gewaltspielen. Jede zweite Frau erfährt in ihrer Partnerschaft/Beziehung körperliche und seelische Gewaltanwendung, Kinder werden sexuell missbraucht. Nach dem Grundgesetz haben alle Menschen ein Recht auf ein Leben ohne Gewalt und Diskriminierung und auf eine freie Entfaltung der Persönlichkeit.
Doch ist das, was als Spitze des Eisberges zu sehen ist als das zu verstehen, mit dem sich seit Freud und Adler unzählige von Psychologen und Wissenschaftler beschäftigen. Sigmund Freud hat die bekannteste Theorie für die Entstehung von Aggression entwickelt. Enttäuscht und desillusioniert von den Grausamkeiten des ersten Weltkrieges entwickelte Freud die Theorie von Eros und Thanatos. Er nahm an, dass der Todestrieb vielleicht einzudämmen aber nicht aufzuheben sei. Er ging davon aus, dass Feindseligkeit im Menschen gespeichert werden kann, bis sie irgendwann überfließt.
Für Freud war die Aggressivität lange nur eine Komponente der Sexualität oder der Ich-Triebe. Der Aggression ordnete er einen eigenen Trieb zu, den Todestrieb, dem er als Gegenspieler den Eros zuordnete.
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Auch Konrad Lorenz betrachtete Aggression als Instinkt, der von Generation zu Generation weitergegeben wird. Jedoch „eine Trieblehre zu akzeptieren heißt auch, eine leidlich periodische Triebbefriedung als notwendig anzusehen.“ (Selg, S. 20)
Es lässt sich für die Erklärung von Aggression eine zweite große Theorie anführen, die Frustrations-Aggressions-Theorie. Die Forschergruppe um Dollard (1939) besagt darin:
1. Aggression ist immer eine Folge von Frustration.
2. Frustration führt immer zu einer Form von Aggression.
Stark vom Behaviorismus sowie von Freud beeinflusst, definieren die Frustrations-Aggressions-Theoretiker Frustration als Vereitlung einer Handlung, die eine Belohnung oder Befriedigung herbeigeführt hätte. Das wir ständig daran gehindert sind, die Belohnung zu erhalten, die wir anstreben - eine Beförderung, einen Parkplatz, einen Sexualpartner -, sammeln sich unsere Frustrationen im Verhältnis dazu an, wie hoch wir das Ziel einschätzen.“ (A. Campell, zornige Frauen - wütende Männer, S. 25)
Um frustriert zu werden, muss es zuvor ein Bedürfnis gegeben haben. Karen Horney hat in ihrem Buch „Our inner conflicts“, New York 1945 die Angst-Aggressions-Thematik auf drei Grundmotive reduziert:
• Das Bedürfnis, auf andere Menschen zuzugehen (z.B. Liebe)
• Das Bedürfnis, von anderen Menschen wegzustreben (z.B. Unabhängigkeit) • Das Bedürfnis, gegen andere Menschen Stellung zu beziehen (z.B. Macht)
Nach diesen drei Grundbedürfnissen handeln wir Menschen und unsere Reaktionen fallen danach aus, inwieweit wir uns in unserem Verlangen nach Liebe, Unabhängigkeit oder Macht gesehen, verstanden und angenommen fühlen, je nach unserem Grundszenario, welches in der Kindheit seine Wurzeln hat. Eltern, die ihre Kinder schlagen und lieben können einen Boden für diese Verknüpfung von Liebe und Gewalt bereiten und das „erwachsene Kind“ wird sich später in dieser Konstellation sicher fühlen, obwohl es dem Bedürfnis nach Liebe im ursprünglichen Sinn nicht entspricht.
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Sollte es aber wirklich so einfach sein, dass Aggression eine Trieb- oder Frustrations-Aggressions-Theorie ist, dann würde beide Aggressivität entschuldigen. In der behavioristischen Theorie gilt die Annahme, dass Aggression sich durch den aggressiv erzielten Vorteil verstärkt und somit erlernt ist. Der Psychoanalytiker Stavor Menzos geht davon aus, dass es keinen eigenen Aggressionstrieb gibt, sondern Aggression ein Bestandteil von Sexualität ist. Aggression kann also nicht losgelöst von Sexualität betrachtet werden, was auf den Freud’schen Ansatz hindeutet.
„Dass Aggressionen - etwa die Art, wie man andere Menschen bedroht, schlägt, erschießt, vergiftet - gelernt werden, leugnen nicht einmal Vertreter der Trieb- und Frustrations-Aggressionstheorie gänzlich. Es ist daher präzisierend zu ergänzen: Nach lernpsychologischer Sicht werden auch die Bereitschaft zu Aggression und der Drang oder bei einigen Menschen erkennbare Lust auf Aggression gelernt (und auch wieder verlernt). Es gibt keinen angeborenen Trieb und keine spezifischen Auslöser, die Aggression erzwingen.“ (Selg, S. 28)
Das Wort Aggression kommt von dem Lateinischen adgredere und bedeutet etwas anpacken, herangehen. Die Möglichkeit zur Aggression ist mit der Möglichkeit verbunden sich in diesem Leben tatkräftig durchzusetzen, anderen Menschen gegenüber zu behaupten, sich tatkräftig eine eigene Existenz zu sichern, um die im Leben anstehenden Probleme, Konflikte und Aufgaben befriedigend zu lösen. Aggression ist aus einer anderen Sicht im weitesten Sinne Energie, die in sinnvollen und menschenwürdigen Handlungen ihren Ausdruck findet. Aggression ist in diesem Sinne nicht nur die Möglichkeit wütend werden zu können und schon gar nicht, Destruktivität hervor zu bringen, sondern kann vielmehr als positives Potenzial für Kreativität und Konstruktivität betrachtet werden
Doch was uns tagtäglich vorgeführt wird ist destruktiv - Gewaltverbrechen, die hauptsächlich von Männern begangen werden, genauso Verkehrsunfälle infolge riskanter und aggressiver Fahrweise, Schlägereien in Schulhöfen, vor allem zwischen Jungs. Bleibt da nicht die wohl ganz logische Schlussfolgerung, dass Aggression männlich ist. In der Regel wird Aggression als destruktiv und zerstörerisch eingestuft. Auch „die Konflikte um diese Form der Aggression werden allein von Männern ausgetragen (…) in aggressiver Auseinandersetzung, die zwischen einzelnen Lagern stattfinden.“ (A. Buchta: Aggression von Frauen, S. 18) Mit dieser Einstufung wird deutlich, dass der Begriff Aggression im Alltagsverständnis fast identisch geworden ist mit dem Begriff Gewalt und dass die oben genannte Bedeutung von positiver konstruktiv-schöpferischer Aggressionsenergie fast verschwunden scheint. Frauen fällt die Definition und das Zurechtfinden mit dem Terminus Aggression schwer und darin
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wird auch das Dilemma sichtbar, in dem die Frau steckt. Übrig bleibt die Frage nach der „weiblichen Aggression“ und deren Entwicklung, Einfluss, sowie Gestaltungsmöglichkeiten.
Theoretische Entwicklungslinien der Aggression im Überblick:
3. Das Weibliche und Aggression
a. Frauen und Aggression
Laut der Bielefelder Soziologin Chr. Schmerl lassen sich zwischen den Geschlechtern keine wesentlichen Unterschiede in Bezug auf Aggressionsverhalten feststellen. „Auch Frauen sind zu allem fähig. Größere männliche Aggressivität ist, wenn überhaupt, nur bei Kindern und Heranwachsenden nachzuweisen (…) Je erwachsender die Jugendlichen werden, desto mehr gleichen sich die Aggressionsmethoden einander an. Mädchen haben dabei offensichtlich einen Entwicklungsvorsprung. Sie lernen früh, ihre Attacken sprachlich oder mit indirekten Mitteln auszuleben. Wo die Jungen sich noch prügeln, halten die Mädchen sich an üble Nachrede, Freundschaftsentzug, Verächtlichmachen, Verspotten. Dabei sind sie genauso aggressiv, wenn nicht sogar aggressiver als Jungen.“ ( Sabine Etzold, Die Zeit, 46/2001 in www.zeus.zeit.de).
Schon Simone de Beauvoir schrieb in ihrem Buch „Das andere Geschlecht“: Man kommt nicht als Frau zu Welt, man wird es.“ Wie beeinflusst nun schon allein die Tatsache, als Mädchen zur Welt zu kommen und in eine patriarchale Welt hineingeboren zu werden, die Beziehung zu aggressiven Impulsen? Bietet eine Gesellschaft mit ihrer verstärkt auf männliche Werte orientierten Sozialisation Frauen die Möglichkeit, ihre aggressive Energie in Form von Selbstbewusstsein und wirklicher weiblicher Integrität zu leben? „Anpassung wie Rebellion sind Formen der Abhängigkeit und haben eine gemeinsame Herkunft: Indem die Mutter die Sichtweise des Mannes übernimmt, akzeptiert sie seinen Mythos der Macht und leitet unbewusst jene Prozesse ein, die ihre Kinder entweder zu angepassten oder zu rebellischen Verhalten führen.“ (Arno Gruen: Der Wahnsinn der Normalität, S. 102). Anpassung als auch Rebellion (siehe Frauenbewegung) sind Formen von aggressivem Verhalten und Frauen wie auf den Leib geschneidert. Vor allem die Anpassung ist ein weibliches Phänomen, welches sich durch alle Schichten zieht und eventuell erscheinende Anflüge von aggressivem Verhalten durch das männliche Gegenüber nach dem Motto „Bist
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du süß, wenn du wütend bist“, gleich wieder auf die hintersten Ränge verweist und dem ganzen einen niedlichen, wenig bedrohlichen und verharmlosten Charakter zuweist. Falls es in einer männlichen Welt nicht möglich ist, eine weiblich starke und natürliche Aggression, welche nicht von Macht sondern vom Herzen her geleitet ist, um Grenzen aufzuweichen und Neues hereinzulassen, zu leben, dann ist es wohl verständlich, dass Frauen andere Wege suchen und auch finden, um „Gleichberechtigung“ auch auf dem Gebiet der Aggression, mit ihren Impulsen nach Selbstbehauptung und Durchsetzung“ zu finden.
„Bei Frauen ist die Angst vor der Aggression eine Angst, Beziehungen zu zerstören; bei Männern ist sie die Angst vor dem Versagen, davor zu kämpfen und zu verlieren oder nicht Manns genug zu sein, um überhaupt zu kämpfen.“ (A. Campell, zornige Frauen - wütende Männer, S. 23) Frauen werden zu Fürsorglichkeit erzogen, sie leisten mehr emotionale Arbeit und fühlen sich oft verantwortlich für das Glück anderer. Dabei ist „Selbstaufgabe ist die schmerzhafteste Folge unterdrückter Aggression.“ (G. Lerner, Wohin mit meiner Wut, S. 41) Frauen neigen ganz besonders dazu ihre Aggressionshemmung in einem Extrem bis hin zur Selbstaufgabe zu entwickeln. In dieser Selbstaufgabe leben andere Menschen das Leben für einen. „Zum Klärungsprozess im Umgang mit unseren eigenen Aggressionen gehört auch, dass wir lernen, loszulassen; wir müssen die Vorwürfe jenem anderen Menschen gegenüber aufgeben, von wir meinen, dass er unsere Probleme verursacht und uns an unserem Glück hindert. Wir müssen von der Vorstellung lassen, es sei unser Auftrag, andere zu verändern und ihr Fühlen, Denken und Handeln zu beeinflussen. Das heißt jedoch nicht, dass wir jede Art von Verhalten akzeptieren oder passiv hinnehmen sollen. Ein Leben nach dem Motto „Leben und leben lassen“ kann auch ein Zeichen von Selbstaufgabe sein, wenn wir nicht klarstellen, was wir in Beziehung zu anderen für akzeptabel und wünschenswert halten und was wir ablehnen. Es ist nur wichtig, wie wir unsere Position vertreten.“ (G. Lerner, Wohin mit meiner Wut, S. 97)
Doch inwieweit werden Muster durch Erziehung weitergegeben und erhalten ihre Berechtigung, vielleicht sogar in ihrem pathologischen Ausdruck in einer „macht- und männerorientierten“ Umwelt?
„Solange Männer Machtpositionen innehaben, sind es ihre Überzeugungen, auf die es ankommt, und sie neigen dazu, weibliche Aggression - weil sie männlichen Begriffen unerklärlich bleibt - als komisch, hysterisch oder verrückt anzusehen.“ (A. Campell, zornige Frauen - wütende Männer, S. 16)
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b. Die Entwicklung des kleinen Mädchens
„Die Geschlechtszuschreibung bei der Geburt, die ein wesentlicher Faktor bei der Entwicklung der Kerngeschlechtsidentität ist, gilt als der erste Organisator der Geschlechtserfahrung, denn sie setzt einen ganzen Sozialisationsprozess in Bewegung, der das kleine Mädchen lehrt, dass sie weiblich ist.“ ( A. Buchta, Aggression von Frauen, S. 56) Aus diesem heraus begreift sich das Mädchen zuerst als weiblich und dann setzen eine Identifizierung mit der Mutter und ein bestimmtes Verhalten dem Vater gegenüber ein. Dort hinein wirken die Einstellungen der Eltern, vor allem der Mutter, dem Geschlecht des Kindes gegenüber, sowie kulturabhängige Vorstellungen von dem was Männlich und Weiblich ist.
„Weibliche Sozialisation zeichnet sich gegenüber männlicher dadurch aus, dass der Vergesellschaftungsprozess in seiner für Mädchen differierend-spezifischen Ausprägung und Funktion mit dem Tag der Geburt beginnt. Die ersten Verdinglichungsmechanismen setzten jedoch bereits vor der Geburt ein.“ ( Christa Bast, Weibliche Autonomie und Identität, S. 23) „Mütter geben nun einmal den Träumereien über eine zukünftige Tochter ein anderes Gewicht als denen über einen Sohn.“ (Halberstadt-Freud in A. Buchta, Aggr. von Frauen, S. 77). In diese Phantasie hinein spielen die eigenen positiven und negativen Erfahrungen mit der Mutter und die immer noch nicht vollzogene Ablösung von ihr, die immer noch vorhandenen eigenen infantilen Wünsche und all die Vorstellungen darüber, was diese gleichgeschlechtliche Kind als Surrogat eines selbst nicht gelebten Leben verwirklichen soll. Jungen stehen oft für den Wunsch eines Stammhalters, eines männlichen Erben und Namensträger. Vieles davon läuft unbewusst ab und prägt aus langer weiblicher Tradtition heraus (Mutterschaft ist eine Erfahrung, die mindestens drei Generationen umfasst), sowie aus dem im kollektiven Unbewussten gespeicherten Erfahrungen über weibliches Verhalten (vor allem die katholische Kirchengeschichte trägt dazu bei) die Vorstellungen, wie ein Mädchen zu sein hat. Mit der Geburt erfüllt sich der Wunsch der Eltern oder nicht und durch die Natur des Geschlechts setzt eine geschlechtstypische Reaktion auf das Kind ein. Obwohl unsere kulturellen Normen im Umbruch sind, „so ist doch immer noch die lange patriarchale Tradition unserer Gesellschaft spürbar (…) Das Ideal der „guten Mutter“, verinnerlicht und über Generationen von Frauen, Müttern an ihre Töchter weitergegeben, verbunden mit dem
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Tabu der Aggression, ist auch heute noch wirksam, sonst würde es die Frauen nicht in derartige Konflikte stürzen.“ (A. Buchta, Aggression von Frauen, S. 70) Zwischen Tochter und Mutter entsteht eine innige Verbindung, denn in der Gleichgeschlechtlichkeit verbirgt sich ein Verstehen, in der das männliche Baby in seiner geschlechtlichen Andersartigkeit eine andere Wertigkeit erfährt. „Diese Entwicklung (hier die weibliche gemeint) wird sehr davon abhängen, inwieweit ihre heterosexuelle Mutter, sozialisiert in einer patriarchalen Gesellschaft, homoerotische Impulse der Tochter gegenüber zulassen kann. Unterliegt sie sehr dem Homosexualitätstabu, wird die Tochter mit ihren vitalen, sexuellen und aggressiven Impulsen bei der Mutter ins Leere fallen. .“ (A. Buchta, Aggression von Frauen, S. 84)
In der zweiten Hälfte des zweiten Lebensjahres vollzieht sich für die Tochter ein wichtiger Entwicklungsschritt. Das Mädchen hat die Aufgabe sich von der Mutter abzulösen, sich zu differenzieren, aber gleichzeitig muss sie sich mit ihr als Frau identifizieren. „Damit aber die kleine Tochter in ihrer primären Identifikation mit der Mutter als Frau mit ihrer „Weiblichkeit“ auch Selbstbehauptung, Abgrenzung, damit verbunden aktives Wünschen und Wollen in ihr Selbstbild mit aufnehmen kann, ist aber eine aktive Mutter allein keine hinreichende Voraussetzung für die Verknüpfung von Weiblichkeit und Aktivität. Es muss als zweite Voraussetzung hinzukommen, dass das Kind selbst - bislang noch unreflektiertetwas vom Vater wünscht und will, genauso wie von der Mutter. Der Vater muss daher als befriedigendes Objekt eingeführt sein.“ (A. Buchta, S. 98)
Das Mädchen, natürlich genauso wie der kleine Junge ist abhängig von der Spiegelung der Eltern, die im günstigsten Falle alle Affekte als natürliche Regung eines wachsenden Selbst mit einschließt und nicht aus eigenen negativen Projektionen von vornherein ausschließt oder sanktioniert. „ Aber in der Dynamik des Ablöseprozesses geht es vor allem auch darum, die Mutter innerlich einen symbolischen Tod sterben zu lassen. Der „innere Mord“ an den Eltern ist der Kernkonflikt (…). Zuerst muss die Mutter ihrer Autorität „beraubt“ werden, später dann der Vater.“ (A. Buchta, Aggression von Frauen, S. 125) Im günstigsten Fall unterliegt auch die Aggression keinem Tabu und steht für die kindliche Konfliktlösung zur Verfügung. „In dieser Entwicklungsphase stellt sich natürlich die Frage nach dem Maß von Aggression, welche das Mädchen für sich selbstbehauptend in Anspruch nehmen kann. Das Mädchen benötigt „Spiegelung“ ihrer eigenen widerständigen, ärgerlichen und wütenden Gefühle durch die Mutter. Sie benötigt hier nicht Bindung, sondern Unterstützung und Anerkennung der eigenen Potenz und ein Vorbild beim Versuch, in die Welt zu gehen.“ (A. Buchta, Aggression von Frauen, S. 125)
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Haben beide Elternteile eine liebevolle Beziehung zueinander, so kann das Mädchen aus der Enttäuschung der Triangulierung, dass das Liebespaar nicht Mutter und Tochter (oder auch Vater - Tochter) heißt, sondern Mutter und Vater, ein gesundes Ich entwickeln, das es befähigt, später selbst als erwachsene und reife Frau in den Kreislauf von Partnerschaft und Mutterschaft einzutreten. „Eine Mutter, die ihren lesbischen Komplex so gelöst hat, so dass sie mir ihrer psychosexuellen Identität zufrieden ist, kann die Tochter liebevoll und empathisch zu Triebverzicht und Identifizierung mit ihrem Geschlecht anleiten und auch ihren Zorn verständnisvoll tolerieren, so dass die Tochter ihre Aggression nicht im Übermaß nach innen richten muss.“ (A. Buchta, S. 99)
Wen man jedoch beobachtet, wie stark Frauen an das Leben ihrer Mutter oder sogar Großmutter gefesselt bleiben, ihre Aggressionen nach innen richten, davon körperlich oder/und seelisch krank werden und ihre Daseinsberechtigung stark aus Mutterschaft und dem „Dienen“ des Mannes ableiten, so entwickelt sich diese Spirale der defizitären weiblichen Selbstbehauptung und aggressiven positiven Fortschreitens immer mehr in einen Irrgarten, dessen Ausgang nicht gefunden wird. Die aggressive Seite der Frau, wie auch ihre Sexualität wird durch das aufoktroyierte „Mutter- und Frauenideal“ (der eigenen Mutter und der Gesellschaft) verleugnet und findet in einer Delegation an den Mann seine Ausdrucksweise. Es wird davon ausgegangen, dass Abhängigkeit ein weibliches Verhaltensmuster ist und Aggression ein mehr männliches. In dieser Abhängigkeit steckend sucht sich weibliche Aggression andere Wege, um gesellschaftsfähig zu werden. Frauen bevorzugen mehr indirekte Formen. Dazu gehören z.B.:
o Krankheit (als Selbstbestrafung oder Bestrafung anderer)
o Überfürsorgliches, streng „liebevolles“ Verhalten o „Verrücktmacher“ (double-bind-Kommunikation) o „chronische“ Zweifel und Selbstabwertung o Hilflosigkeit (Manipulation und Ausnutzung) o Depression
o Selbsthass (häufig in Spannungskopfschmerzen und Migräne spürbar) o Schuldgefühle o Sexuelle Frigidität und Eifersucht
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Natürlich werden diese Instrumente auch von Männern benutzt, jedoch läuft weibliche Aggression mehr innen ab, männliche mehr im Außen.
c. Das Bild der Frau in den Medien
Sozialisation erfolgt nicht nur über die Primärfaktoren Geschlecht und Entwicklung in der Herkunftsfamilie sondern wird unter anderem auch stark über mediale Faktoren beeinflusst. Die Welt wird über Medien vermittelt, gewissermaßen ins Wohnzimmer geholt und daraus bekommt das in den Medien vermittelte Frauen- und Mädchenbild eine besondere Wichtigkeit.
„Wie „Frau“ in der Öffentlichkeit dargestellt, welches Bild von ihr verbreitet und rezipiert wird, hängt primär von der Sichtweise der von männlichen Eliten dominierten Massenmedien und ihrem Umgang mit Geschlecht als Kategorie und mit der Darstellung und Verbreitung von Geschlechtsdifferenzen ab (…) Das Bild, das Medien von „Frau“ zeichnen, deutet auf die realen gesellschaftlichen Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern hin (…) Viele Jahrhunderte hindurch ist das Bild der Frau in den Medien das des Mannes von der Frau. Geschlechtsdifferenzen und Geschlechterordnung bestimmen die Darstellung der „Frau“ in ihrer „Besonderheit“ und auch Minderheit als Benachteiligte, deren spezifisch weibliche Interessen nicht berücksichtigt oder aber unterdrückt werden, allein weil sie in der Geschlechtszugehörigkeit begründet sind.“ (H. Baumann, „Frauen-Bilder“ in den Medien, Kurzbeschreibung im Internet unter www.uni-regensburg.de)
Frauen in der Werbung sind frohgelaunt und unbelastet bei der Verrichtung von Hausarbeit. „Sie sind attraktiv, schlank und gut gekleidet (…) besorgt um ihre Familie (…) sind angepasst und unterwürfig, dürfen nicht aktiv und schon gar nicht aggressiv sein - dann sind sie „Hexen“ - zeichnen sich durch hochausgeprägte soziale Fähigkeiten, Mitleidsempfinden, Hilfsbereitschaft und attraktiven Gesamteindruck aus.“ (Ch. Bartl, Weibliche Autonomie, S. 123)
Wenn wundert es da noch, wenn Aggression ein für uns Frauen verschlüsseltes Wort ist, dessen Code in der Männerwelt liegt.
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4. Soziale Arbeit und der Umgang mit weiblicher Aggression
Soziale Arbeit wird an der Basis zum überwiegenden Teil von Frauen ausgeführt. Deren Vorstellungen und Erfahrungen mit eigener Aggression prägen sicherlich den Umgang mit den ihnen anvertrauten Klienten und beeinflussen die Beziehung. Sozialarbeiter ermöglichen die Chance für eine Nach-Sozialisation im Erwachsenenalter. Es „wäre zu erwarten, dass angesichts der festgestellten rollenstereotypischen Sozialisation und Erziehung, die Mädchen um einen Gutteil ihrer Lebenschancen bringt, spätestens im Erwachsenenalter diese sozusagen ihr Leben selbst in die Hand nehmen und nun -unbelastet von erzieherischen Eingriffen- danach streben ihre Autonomieansprüche durchzusetzen.“ (Christa Bast, Weibliche Autonomie und Identität, S. 172). Die Sozialarbeiterin kann der Klientin etwas anbieten, das sie befähigt, ihr bisheriges Verhalten, ihr bisheriges Lebensskript zu überdenken und neu zu gestalten. Dazu geben sie Hilfestellung und zeigen neue Wege auf.
Darin liegt eine große Verantwortung und um verantwortlich handeln zu können ist es wichtig, sich seine eigene Geschichte angesehen zu haben, denn die Gefahr der Gegenübertragung ist in diesem Bereich sehr groß. Der soziale Arbeitsbereich ist geprägt vom Umgang mit Menschen, deren Leben wiederum geprägt ist von „Defiziten“. Es ist ein Mangel an inneren und äußeren Ressourcen, an Liebe und Selbstachtung, an finanziellen Mitteln und gesunden Lebensumfeldern, an gesellschaftlicher Anerkennung und lebensbejahenden Werten und Zielvorstellungen. Aggression, vor allem die destruktive in Form von physischer und psychischer Gewaltanwendung, Erniedrigung, sexuellem Missbrauch und einem Verlieren von weiblicher Kraft und weiblichen Selbstbewusstsein ist darin weit verbreitet, fast an der Tagesordnung wie z.B. in der Arbeit bei „Frauen helfen Frauen“. „ Frauen mit niedrigem Selbstwertgefühl, hohem Abhängigkeitsgefühl, hohem Schuldgefühl, hoher Depressivität und einem traditionellen Rollenverständnis werden vorrangig Opfer männlicher Gewalt.“ (H. Selg, Psychologie der Aggression, S. 133)
Es ist oft eine körperliche, geistige und seelische „Armut“ vorhanden, welche jedoch auch in dem destruktiven Lebensumfeld keine Gesundung hin zu mehr Lebensqualität und -fülle erfahren kann. Das Leben wird zum Überleben und Aggression oft der einzige Weg, um sich lebendig zu fühlen, am Leben teilzunehmen.
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Insofern ist die Auseinandersetzung und Verarbeitung der eigenen Lebensgeschichte auch im Bereich des Umgangs mit eigener und fremder Aggression für die Sozialpädagogin äußerst wichtig. Hatte sie z.B. selbst einen Vater, der häufig gewalttätig wurde oder erfuhr sie sogar in ihrer Kindheit selbst sexuelle Übergriffe so wird sie mit großer Wahrscheinlichkeit auf dieses von einer Klientin vorgebrachte Thema anders reagieren, als wie wenn dies in ihrer Lebensmatrix nicht gespeichert ist. Vor allem wenn bei ihr viel noch im Unbewussten ist, so läuft wie in einem geheimen Film ihre Geschichte parallel zur Geschichte der Klientin ab und eine Vermischung beider lässt alles andere als Objektivität und professionelle Hilfeleistung zu.
Aber auch in der Arbeit mit Frauen, kommt es vor allem dann, wenn die Beziehung, wie oft in der sozialen Arbeit, einen therapeutischen Aspekt beinhaltet, zu einer Reaktivierung der früheren Konflikte mit der Mutter aus der Zeit der Wiederannäherung. „Es geht um diesen Doppelaspekt in der Beziehung zur Mutter: sich zu differenzieren, um eine eigenständige Identität zu erlangen, und sich zu identifizieren mit der Mutter als Frau - zwei Reifungsaufgaben des kleinen Mädchen, die in eine entgegengesetzte Richtung drängen.“ (A. Buchta, Aggression von Frauen, S. 177) Dieses frühere Szenarium wird oft in die aktuelle Beziehung zur Sozialpädagogin übertragen, vor allem wenn die „Arbeitsbeziehung“ über einen längeren Zeitraum geht und zeitlich intensiv ist. „In der Inszenierung dieser frühen Wünsche und Konflikte geht es um schwierige Prozesse, die auf einer Beziehungsebene stattfinden, auf der noch ein enges Verhältnis der Tochter zur Mutter besteht mit noch unklaren Ich-Grenzen (...) Wenn nun aber auch in der Therapie (genauso wie im sozialarbeiterischen Setting) das Aggressionstabu greift, läuft die Therapeutin (genauso die Sozialarbeiterin) Gefahr, sich in den eigenen Ablösungsschwierigkeiten mit ihrer eigenen Mutter zu verirren“ (A. Buchta, Aggression von Frauen, S. 179)
Die Frau in der sozialen Arbeit hat auch einen „Vorbildcharakter“. Sie arbeitet mit Menschen, welche aus Randgruppen stammen, starke Verletzungen erlitten haben und dadurch sehr verletzlich sind. Sie braucht ein gutes Selbstbewusstsein, eine gute Verankerung in sich selbst, um all den Stürmen von außen gewachsen zu sein und sich nicht davon mitreißen zu lassen. Ich sehe in ihr auch das Bild der „Kämpferin“, jedoch eine die von ihrem Herzen geleitet wird und in jedem Menschen das Gute, unabhängig von seinen Taten und Handlungen, sieht.
Pater Amsel Grün und Linda Jarosch schreiben in ihrem Buch „Königin und wilde Frau“ S. 84 sehr bezeichnend:
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Die Kämpferin in uns ist die Hüterin verletzbaren Lebens. Sie braucht die Aggression, um ihre Verletzlichkeit zu schützen. Sie kennt ihre empfindsamen Seiten, sie weiß, was sie kränkt, und sie hat gelernt, damit achtsam umzugehen. Um die Kämpferin in uns zu achten, müssen wir unsere verletzbaren Seiten achten (…) Die Kämpferin kämpft hier nicht gegen jemand, sondern sie kämpft für sich, für ihre Würde als Frau und in ihr inneres Kind zu schützen (…) Die Kämpferin in uns lässt sich die Spielregeln von anderen nicht aufzwingen, sie kämpft nach ihren Regeln. Sie setzt ein entschiedenes Nein zu anderen: „Halt! Auf dieser Ebene will ich nicht mit dir reden. Aber ich höre zu, wenn du mir offen sagst, was du wirklich willst!“. Sie nimmt ihre Aggression wahr und setzt sie als Zeichen der Abgrenzung und des Schutzes für sie selbst (…) Frauen wollen eher Harmonie und Frieden. In ihrer Aggression fürchten sie sich oft davor, zerstörerisch zu wirken oder die Liebe anderer zu verlieren. Ein Nein zu anderen kann jedoch gleichzeitig ein Ja zu sich selbst bedeuten. Dieses Ja spiegelt wieder, was ich in mir achten und schützen will und ich damit auch anderen zumute (…) Ohne Verbindung zum Herzen und zum Bauch werden Menschen hart. Sie schalten ihr Mitgefühl für Schwächere aus. Weil sie sich selbst nicht spüren, können sie auch nicht erahnen, wie andere sich fühlen.
Frauen in der sozialen Arbeit brauchen ein gesundes Verhältnis zu ihrer Aggression, einerseits um sich abgrenzen zu können, ein klares Ja zu sich selbst aufbauen zu können und andererseits um als Kämpferin, verbunden mit Herz, Bauch und Verstand für die Belange des Klienten einzutreten. Sie zeigen neue Wege oder Auswege und ein Vorwärtsgehen braucht immer eine Portion Aggressionsenergie. Vor allem in einer nach dem männlichen Prinzip orientierten Welt ist es von enormer Wichtigkeit kraft- und liebevolle weibliche Aggression, die nicht trennt, sondern verbindet und Mauern nicht vergrößert sondern verkleinert, in den sozialen Alltag hineinfließen zu lassen, um zu einer Heilung des Menschlichen beizutragen.
5. Resümee
Diese Hausarbeit wurde neben all der Faszination und Komplexität über das Thema zu einer eigenen Auseinandersetzung mit meiner weiblichen Aggression und meinen Verhältnis zu meiner Mutter und natürlich zu meiner Tochter. Neben der anfänglichen Aggression in Bezug auf die Wahl des Themas, wurde sie immer wieder periodisch mit aggressiven Tendenzen über den „Mann“ begleitet und brachte mich in Gespräche und Auseinandersetzungen mit
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Freundinnen. Dies zeigt mir auch auf, wie wichtig es ist, sich unter Frauen mit der Thematik auseinanderzusetzen und sich der Verantwortung zu stellen, die wir Frauen in Bezug auf soziale Strukturen in der Gesellschaft haben.
Eine klare Schlussfolgerung, dem Thema zugeordnet, ob Aggression nun weiblich ist oder nicht, ist schwer zu treffen. Wenn wir bei der herkömmlichen Erklärung von Aggression, die einem männlichen Rollenbild zugeordnet ist bleiben, dann verneine ich es ganz klar. Diese Art der Aggression braucht unsere Gesellschaft auch nicht - davon haben wir schon viel zu viel. Ich wünsche mir, dass wir Frauen den Mut haben, unserem weiblichen Gespür zu vertrauen und unsere Stärken zu zeigen, dass wir Freude haben an unserem Frausein und an unseren aggressiven Impulsen. Es ist an der Zeit weibliche Werte mehr und mehr in die Welt hinein zubringen.
Mühldorf, 24.05.2005 Fraunhofer Mona
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6. Quellenverzeichnis
Buchta Anneliese: Aggression von Frauen, Entwicklungspsychologie, Psychodynamik und Psychotherapie, Verlag Kohlhammer, 2004
Bast Christa: Weibliche Autonomie und Identität, Untersuchungen über die Probleme von Mädchenerziehung heute, Verlag Juventa, 1988
Baumann H.: „Frauen-Bilder“ in den Medien, Zur Rezeption von Geschlechtsdifferenzen, Verlag Daedalus, 2000
Campell Anne: Zornige Frauen - wütende Männer, Wie das Geschlecht unser Aggressionsverhalten beeinflusst, Verlag Fischer, 1995
Goldhor Lerner Hariette: Wohin mit meiner Wut?, Neue Beziehungsmuster für Frauen, Verlag Fischer, 1992
Grün Anselm, Jarosch Linda: Königin und wilde Frau, Lebe was du bist!, Vier-Türme-Verlag, 2004
Gruen Arno: Der Wahnsinn der Normalität, Realismus als Krankheit: Eine grundlegende Theorie zur menschlichen Destruktivität, Verlag dtv, 1994 Selg Herbert: Psychologie der Aggressivität, Verlag Hogrefe, 1997
Websites
Die Zeit, Auch Frauen sind zu allem fähig, Ausgabe 46/2001, www.zeus.zeit.de, 18.04.2005 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Kinder, Kriminalstatistik der Bundesrepublik Deutschland, www.gender-mainstreaming.net, entnommen 08.05.2005
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Arbeit zitieren:
Monika Fraunhofer, 2005, Ist die Aggression wirklich weiblich? - Frauen und deren Umgang mit Aggression, München, GRIN Verlag GmbH
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Für MS Word 2003 - Update 2010
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Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
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