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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeines
2.1. Biografischer Hintergrund des Schriftstellers
2.2. Der Roman „Jakob der Lügner“ und seine Verfilmungen eine kurze
Inhaltsangabe
3. Darstellung des Ghettolebens in Beckers Werk und den Verfilmungen
3.1. Darstellung der Umgebung in den Filmen an Hand stilistischer Mittel
3.2. Die Darstellung bei Becker im Gegensatz zu Berichten aus dem historischen
Ghetto
3.3. Die Allgegenwärtigkeit des Holocaust im Hintergrund
3.4. Die Thematisierung des Widerstandes
4. Zusammenfassung
5. Literatur
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1. Einleitung
„Ein wichtiges Motiv für mich diese Geschichte überhaupt aufzuschreiben, war doch nicht nur, den heutigen Lesern Geschichtsunterricht geben zu wollen […]“ 1 Dies sagt der Schriftsteller Jurek Becker in einem Radiointerview 1975 kurz nach der Premiere der ersten Verfilmung seines Romans „Jakob der Lügner“.
Dieser Roman wird in der folgenden Arbeit jedoch gerade hinsichtlich des geschichtlichen Hintergrundes untersucht. Es wird die Darstellung des Holocaust sowohl im Buch, als auch in den beiden Verfilmungen von 1974 und 1999 analysiert, denn in einer Handlung, die in einem jüdischen Ghetto in Polen im Winter 1944 spielt, muss die Thematik des Holocaust eingearbeitet werden. Zudem ist der Schriftsteller selbst Jude und Überlebender dieser Zeit, was im Folgenden noch näher betrachtet werden wird. Neben einigen wichtigen Ereignissen aus dem Lebenslauf Beckers wird in dieser Arbeit vor allem die Darstellung des Lebens im Ghetto im Roman und in den Verfilmungen untersucht, miteinander verglichen und in Kontrast gesetzt zum Leben im historischen Ghetto. In diesem Kontext werden die visuelle oder im Buch beschriebene Darstellung des Ghettos und die Thematisierung des Widerstandes hinsichtlich der Holocaust – Thematik untersucht.
Da die Arbeit in ihrem Umfang begrenzt ist, wird davon abgesehen eine detaillierte Inhaltsangabe des Romans vorzunehmen, da dies den Rahmen auf Grund der Komplexität des Werkes sprengen würde. Zudem wird von einer literarischen Analyse, die im Hinblick auf die Grundlage der Arbeit, des Romans, nahe liegt, Abstand genommen. Hier geht es in erster Linie um eine Analyse aus Sicht des Historikers, nicht des Literaten. In diesem Zusammenhang ist auch die Literaturlage zu sehen. Die angeführte Literatur beschäftigt sich oftmals mit der literarischen Analyse und Erörterung bestimmter Problemkreise im Roman, die meist wenig mit der Holocaust – Thematik zu tun haben, so wird z. B. das Konstrukt der Lüge immer wieder analysiert und gedeutet. Dies wird ebenfalls keinen Eingang in diese Arbeit finden, ebenso wie bestimmte inhaltliche Differenzen zwischen Roman und den Verfilmungen hier nur in soweit dargestellt werden, als dass sie für die Bearbeitung des Themas von Bedeutung sind.
1 Jung, Thomas: Widerstandskämpfer oder Schriftsteller sein. Jurek Becker – Schreiben zwischen Sozialismus und Judentum. Eine Interpretation der Holocaust-Texte und deren Verfilmungen im Kontext. Frankfurt am Main
1998, S. 100
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Verfasst wird die Arbeit in der neuen deutschen Rechtschreibung, wobei direkte Zitate
und Eigennamen keine Änderung erfahren.
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2. Allgemeines
2.1.Biografischer Hintergrund des Schriftstellers
Jurek Becker, der Autor des Romans „Jakob der Lügner“, um den es in dieser Arbeit geht, wird offiziell am 30. September 1937 im polnischen Lódz geboren, das zu dieser Zeit schon ein Ghetto besitzt, in dem auch Beckers Eltern, weil sie Juden sind, leben müssen. Das Datum ist wahrscheinlich nicht Beckers wirklicher Geburtstag, denn seine Geburtsurkunde ging bei der Zerstörung der Stadt verloren, aber da jeder ein offizielles Geburtsdatum haben muss, ist dies das Datum, das heute bekannt ist. 2 Über die frühen Jahre (1939 – 1945), die Becker u. a. in den Konzentrationslagern Ravensbrück und Sachsenhausen verbringt, ist nichts Näheres bekannt, da sich Becker selbst an diese Zeit kaum erinnert. Die Familie wird getrennt, so wird der Vater nach Auschwitz deportiert, überlebt aber im Gegensatz zu den meisten Familienmitgliedern.
„Als der Krieg zu Ende war, hatte sich meine Familie, eine ehedem fast unübersehbare Personenschar, wie ich höre, auf drei Überlebende reduziert: auf meinen Vater, auf eine Tante […] und auf mich.“ 3 Das Kind Becker und seine Mutter werden zunächst ins Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert, später dann nach Ravensbrück. In den Lagern bestimmen Angst und Langeweile das Leben des Kindes, dessen Überleben sich nur aus der Rolle der Mutter erklären lässt. Allerdings stirbt die Schützerin und zentrale Person in Beckers Leben kurz nach der Befreiung von Ravensbrück an Tuberkulose. 4 Den Vater findet Becker durch die Hilfe der amerikanischen Organisation „Joint“ wieder und sie lassen sich in dem von den Russen besetzten Teil Berlins nieder. Der damals Achtjährige lernt erst jetzt die deutsche Sprache und kommt in die Schule. 1955 macht er sein Abitur und wird zwei Jahre später nach dem Absolvieren seines Wehrdienstes Mitglied der SED. Als 1969 sein erstes Drehbuch von der DEFA abgelehnt wird, wo er fest angestellter Autor ist, beginnt er mit dem Schreiben von Prosatexten. Sein erster Roman „Jakob der Lügner“ spielt in einem Ghetto. 5 Doch Becker ist nach eigener Aussage nicht dazu in der Lage sich an das Ghetto von Lódz zu erinnern. „Dennoch habe ich Geschichten über Gettos geschrieben, als wäre ich ein Fachmann. Vielleicht habe ich gedacht, wenn ich nur lange genug schreibe, werden die Erinnerungen schon kommen.“ 6
2 Vgl. Gilman, Sander L.:How I became a German: Jurek Beckers life in five worlds. Washington 1999, S. 3 3 Heidelberger – Leonhard, Irene (Hrsg.): Jurek Becker. Frankfurt am Main 1992, S. 191 4 Gilman, Sander L.:How I became a German: Jurek Beckers life in five worlds. Washington 1999, S. 7 5 Vgl. Heidelberger – Leonhard, Irene (Hrsg.): Jurek Becker. Frankfurt am Main 1992, S. 191 f. 6 Ebd., S. 192
Quote paper:
Bettina Nolde, 2003, Die Darstellung des Holocaust in Jurek Beckers "Jakob der Lügner", Munich, GRIN Publishing GmbH
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