Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung. 3
2) Der 20. Pliniusbrief - der Augenzeugenbericht 1) 4
3) Wer war Plinius der Jüngere? 8
4) Der 16. Pliniusbrief - Das Schicksal von Plinius dem Älteren 22) 11
5) Die Pliniusbriefe und was damals wohl 'tatsächlich' geschah 15
5) Verwendete Literatur 19
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1) Einleitung
Am 24. August des Jahres 79 n. Chr. (oder 832 ab urbe condita) zerstörte ein heftiger Ausbruch des nahe gelegenen Vulkans Vesuv nicht nur den Ort Pompeji, sondern auch die benachbarten kampanischen Landstädte Herculaneum und Stabiae. Sie wurden dabei durch eine meterhohe Asche-und Bimssteinschicht verschüttet bzw. durch vom Berg herabfließendes Magma begraben.
Die wichtigsten antiken Schriftquellen zu diesem Ereignis, in Teilen sogar in Form eines Augenzeugenberichts, stammen von dem römischen Juristen und Staatsbeamten Plinius dem Jüngeren. Im sechsten Buch seines Gesamtwerkes "Die zehn Bücher der Briefe des Gaius Plinius Caecilius Secundus" berichtet er in zweien dieser Briefe an den Historiker Tacitus von der Katastrophe. Der 16. Brief dient hierbei der Schilderung des Todes seines Onkels Plinius d.Ä. im Zusammenhang mit dem Vulkanausbruch. Im 20. Brief berichtet er dann über seine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse während der Katastrophe. Wie aus dem Text der Briefe zu entnehmen ist, wurden sie auf Wunsch von Tacitus verfasst. Diese beiden Briefe bilden das zentrale Thema der vorliegenden Arbeit.
Entgegen der chronologischen Reihenfolge wird hierbei zuerst im zweiten Abschnitt der 20. Brief, der Augenzeugenbericht, behandelt, worauf im dritten Kapitel Person und Lebensweg von Plinius d. J. skizziert werden. Das vierte Kapitel dient der Erörterung des 16. Briefes. Im fünften Abschnitt schließlich wird der Frage nachgegangen, inwieweit die Pliniusbriefe den 'wahren' Ablauf der damaligen Ereignisse korrekt wiedergeben.
Da die beiden Pliniusbriefe wesentliche Grundlage dieser Arbeit sind, wird aus Vereinfachungsgründen auf ausführliche Zitatverweise darauf verzichtet. Besonders wörtliche Wiedergaben ohne besonderen Hinweis beziehen sich immer auf diese Quellen. Bei anderweitig verwendeter Literatur wird gemäß wissenschaftlicher Übung verfahren. Die im Text angegebenen Jahreszahlen beziehen sich stets auf 'n. Chr.'.
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2) Der 20. Pliniusbrief - der Augenzeugenbericht 1)
"Wenn gleich Schauer mich fasst und Entsetzen, will ich beginnen." Diesen Satz stellt Plinius d.J. quasi als Motto über den 20. Brief. Nachdem er im 16. Brief den Vesuvausbruch aus der Sicht seines Onkels geschildert hatte, stellt diese Schrift, ebenfalls auf Wunsch von Tacitus verfasst, die Fortsetzung seiner Darlegungen aus eigenem Erleben dar.
Der Bericht setzt in dem Augenblick ein, als Plinius d.Ä. die Familie in Misenum verlassen hatte, um seinen Freunden in der sich abzeichnenden Katastrophe zu Hilfe zu kommen. Plinius d. J. fährt fort: "Vorausgegangen waren mehrere Tage lang nicht eben beunruhigende Erdstöße - Campanien ist ja daran gewöhnt -; in jener Nacht wurden sie aber so stark, dass man glauben musste, alles bewege sich nicht nur, sondern stehe auf dem Kopfe". Wie er deutlich hervorhebt waren, und sind es bis heute, Erbeben in Kam-panien ein Teil der täglichen Normalität.
Im Laufe der Nacht schwellen sie aber zu beängstigender Stärke an. Plinius versucht trotzdem die Ruhe zu bewahren, aber: " Es war bereits um die erste Stunde, (6 - 7 Uhr früh, d. Verf.) und der Tag kam zögernd...herauf. Die umliegenden Gebäude waren schon stark in Mitleidenschaft gezogen, und...[wir] [empfanden] starke und begründete Furcht, dass sie einstürzen könnten". In Gesellschaft seiner Mutter und eines Freundes aus Spanien wird er nun doch unruhig: "Jetzt erst schien es uns ratsam, die Stadt zu verlassen". "Als wir die Häuser hinter uns hatten blieben wir stehen. Da sahen wir allerlei Sonderbares, Beklemmendes geschehen". Nachdem er die sichtbaren Auswirkungen der sich bewegenden Erdkruste auf ihre Transportgefährte beschrieben hat, fährt er fort: "Außerdem sahen wir, wie sich das Meer in sich selbst zurückzog und durch die Erdstöße gleichsam zurückgedrängt wurde. Jedenfalls war der Strand vorgerückt und hielt zahllose Seetiere auf dem trockenen Sande fest".
Plinius schildert hier nicht nur die Wirkungen eines Bebens zu Lande, sondern beobachtet auch recht genau die Vorgänge, die durch das begleitende Seebeben auf die Grenzlinie zwischen Meer und festem Land bewirkt werden.
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Obwohl der Freund ihn nun drängt weiterzufliehen - wohin sagt er nicht - will Plinius vorerst doch noch die Stellung halten, da er über das bis dahin unbekannte Schicksal seines Onkels in Sorge ist. Jedoch: "Nicht lange danach senkte sich jene Wolke [die über dem Vesuv hing, d. Verf.] auf die Erde, bedeckte das Meer, hatte bereits Capri eingehüllt und unsichtbar gemacht, hatte das Kap Misenum unseren Blicken entzogen". Nun drängt ihn auch seine Mutter ernsthaft zur Flucht. Er als junger Mann könne es noch, und sie wolle nicht an seinem Tode schuldig sein. Er lässt sich auf ihre Einlassungen aber nicht ein, fasst sie bei der Hand und zieht die Widerstrebende mit sich. "Schon regnete es Asche, doch zunächst nur dünn. Ich schaute zurück: im Rücken drohte dichter Qualm, der uns, sich über den Erdboden ausbreitend, wie ein Gießbach folgte". Sie weichen etwas vom Wege ab, um nicht in die Menge der fliehenden Menschen zu geraten. "Kaum hatten wir uns gesetzt, da wurde es Nacht, aber nicht wie bei mond-losem, wolkenverhangenem Himmel, sondern wie in einem geschlossenen Raum, wenn man das Licht gelöscht hat".
Plinius beschreibt im Folgenden eindringlich das Verhalten der einzelnen Menschen angesichts der sich zuspitzenden Naturkatastrophe: Das Weinen der Frauen, das Jammern der Kinder, das Schreien der Männer, die Suche nach verlorenen Angehörigen und das lautstarke Beklagen des eigenen Schicksals. Er sieht Menschen angesichts des drohenden Todes um ihr Leben flehen, zu den Göttern beten oder diese angesichts der Katastrophe verleugnen. Andere wiederum verbreiten erfundene oder übertriebene Schreckensmeldungen und Gerüchte.
Der junge Mann erlebt hier Menschen, wie sie sich angesichts derartiger Umstände an jedem Ort und zu jeder Zeit verhalten. Das sind nicht Bewohner des römischen Reiches im (nach unserer Zeitrechnung) ersten nachchristlichen Jahrhundert, sondern Kreaturen, die in Panik verfallen sind. Auch die göttliche Existenz wird auf einmal an sehr irdischen Maßstäben gemessen.
"Dann hellte es sich ein wenig auf, doch war es anscheinend nicht das Tageslicht, sondern ein Vorbote des nahenden Feuers. Aber das Feuer blieb in ziemlicher Entfernung stehen; es wurde wieder dunkel, wieder fiel Asche, dicht
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und schwer..." Nach dieser glücklichen Wendung stellt er in einem Akt der Selbstbetrachtung fest, dass er angesichts der Gefahr nicht einmal geklagt habe; dies aber weniger aus 'stoischer' Ruhe, sondern nur aus der Überzeugung er hätte "... - fest geglaubt, ich ginge mit allem und alles mit mir zugrunde".
Langsam neigt sich die Katastrophe ihrem Ende zu: "Endlich wurde der Qualm dünner und verflüchtigte sich sozusagen in Dampf oder Nebel. Bald wurde es richtig Tag, sogar die Sonne kam heraus, doch nur fahl wie bei einer Sonnenfinsternis". Die ganze Gegend war mit einer Schicht von Asche und Bimsstein überzogen. Er kehrt nach Misenum zurück und beobachtet erneut das Verhalten der Menschen, diesmal, nachdem sie mit dem Leben davongekommen sind. Er stellt dabei eine Mischung aus Furcht und 'Galgenhumor' fest. Seine Mutter und er machen sich weiterhin Sorgen um den Verbleib des Bruders bzw. Onkels.
Der Brief schließt mit der persönlichen Bemerkung an Tacitus: " Dies alles gehört gewiss nicht in ein Geschichtswerk, und so wirst du es lesen, ohne Gebrauch davon zu machen;..." Aber genau dorthin gehört eine derartige Beschreibung! Es könnte aber auch sein, dass diese Art der Formulierung nur eine versteckte Aufforderung an den befreundeten Historiker war. In welcher Form schildert Plinius d.J. seine Erlebnisse? Er tritt uns in diesem Brief als realistischer und rational denkender Beobachter entgegen. Der Bericht ist ohne jegliches Pathos und zusätzliche Merkmale verfasst: kein Eingreifen der Götter, Zauberei oder andere metaphysische Einflüsse. Plinius beschreibt die Vorgänge als das, was sie waren: eine Naturkatastrophe, der die Menschen hilflos ausgeliefert sind und der sie, wenn überhaupt, nur durch schnelles und richtiges Reagieren entkommen können. Keine Rede auch von einem göttlichen Strafgericht, das in anderen Geschichtsepochen oder bei religiös vorgeprägten Beobachtern wohl das Hauptthema gewesen wäre. Einzelereignisse und das Verhalten der Menschen werden trotz der Kürze der Niederschrift anschaulich und detailliert wiedergegeben. Dieser Zug wird auch späterhin in seinem Wesen deutlich, wenn er im 20. Brief des ersten Buches anmerkt, dass vor Gericht nicht die Kürze einer Rede wichtig sei, sondern die Tatsache, alle wesentlichen Aspekte auszuleuchten und darzustellen. 2) Leppman stellt darüberhinausgehend fest, dass sich
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Arbeit zitieren:
Siegfried Exler, 2001, Der Ausbruch des Vesuv 79. n.Chr. in der Schilderung von Plinius dem Jüngeren, München, GRIN Verlag GmbH
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