Inhaltverzeichnis
1. Vorwort 3
2. Einleitung 4
3. Eigene Überlegungen zu Etymologien 5
4. Zur Definition von Etymologie 6
5. Geschichte der Etymologie 8
5.1 Bei den Griechen. 8
5.2 Von den Römern bis zum Mittelalter 11
5.3 Renaissance 13
5.4 Aufklärung 16
5.5 Die „Entdeckung“ der Sanskrit-Grammatik 17
6. Schlusswort 19
7. Quellenverzeichnis 20
7.1 Wörterbücher. 20
7.2 Sekundärliteratur 20
7.3 Internetseiten 21
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1. Vorwort
Ich habe mir oft die Fragen gestellt, warum manche Wörter in bestimmten verschiedenen Sprachen so ähnlich sind. Wieso sind z.B. Wörter, wie die, die man sehr früh beim Fremdspracherwerb lernt - Zahlen, Personal Pronomen, Familienmitglieder u.s.w., in einer Vielfalt von Sprachen gewissermaßen gleich?. Z.B. die deutsche Zahlwörter zwei/drei heißen auf English two/three, auf Spanisch dos/tres, auf Bulgarisch две/три, auf Lateinisch duo/trēs, auf Russisch две/три. Und wenn man sich die Mühe macht, auch Altgriechisch zu lernen, stellt man fest, dass es duo/treîs heißt.
Bei den Personalpronomen ist das gleiche zu beobachten - du heißt auf Englisch you, auf Spanisch tú, auf Bulgarisch ти, auf Lateinisch tū, auf Russisch tы, auf Altgriechisch sú. Dies lässt die Vermutung zu, dass die oben genannten Wörter eine gemeinsame Quelle aufweisen, oder dass eine der aufgelisteten Sprachen selbst diese Quelle ist.
Aber nicht nur die zwischensprachlichen Laut- und Bedeutungskonvergenzen von bestimmten Wörtern haben mein Interesse für die Sprachwissenschaft und besonders für die Etymologie geweckt, sondern auch die innersprachlichen (eine einzelne Sprache betreffend). Ähnlich haben die Griechen versucht, vor mehr als 2500 Jahren den wahren/ursprünglichen Sinn des Wortes 1 zu finden. Noch früher als die Griechen haben die Inder ihre immer stärker von der Alltagsprache abweichenden religiösen Texte untersucht und beschrieben. So wollten sie die heiligen Texte für die folgenden Generationen verständlich bewahren.
1 Definition von Etymologie laut Duden Deutsches Universalwörterbuch (CD-ROM); Als zweite Bedeutung
von Etymologie gibt Duden Herkunft und Geschichte eines Wortes und seiner Bedeutung an.
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2. Einleitung
In der folgenden Arbeit wird die Geschichte der Etymologie thematisiert. Als erstes werden einige Etymologien verfolgt. Um dem Leser einen Überblick zu geben, was verschiedene Sprachwissenschaftler über Etymologie sagen, werden anschließend Etymologie-Definitionen dargestellt. Allerdings haben viele Religionen schon vor der Entstehung der Wissenschaft einen „Vorschlag“ gegeben und den Ursprung der Menschen und in dieser Art auch die Entstehung der Wörter beschrieben. Im Rahmen meiner Arbeit werde ich diese „vorwissenschaftlichen“ Quellen vernachlässigen. Im Anschluss präsentiere ich die Geschichte der Wissenschaft Etymologie aus europäischer Perspektive. Dabei werde ich mich nur auf die Zeitspanne von Griechenland bis zur „Entdeckung“ der Sanskrit-Grammatik beschränken, um so den Rahmen meiner Arbeit nicht zu sprengen. D.h. die moderne etymologische Forschung 2 , wie wir sie heute kennen, wird nicht diskutiert, sondern nur deren Vorentwicklung. Ich möchte außerdem anmerken, dass ich dem Sprachvergleich „sprungweise“ Beachtung schenken werde, weil ich der Überzeugung bin, dass viele linguistische Disziplinen sich erst in den letzten zwei Jahrhunderten als eigenständigen Wissenschaften etabliert haben. Eine klare Grenze zwischen den linguistischen Teilgebieten in der Vergangenheit ist daher nur schwer zu ziehen. Außerdem kann man nicht etymologisieren, ohne die Dialekte und die Standardsprachen seines Forschungsraumes, und die Beziehungen zwischen ihnen in Betracht zu ziehen. Sprachliche Varietäten unterliegen einem permanenten Wandel, und der politische Faktor spielt dabei sehr oft eine wichtige Rolle bei der Feststellung Sprache oder Dialekt.
2 Einige Grundprinzipien der modernen Etymologie sind die Betrachtung von Laut- und Bedeutungswandel in
synchroner und diachroner Sicht und deren Ausnahmen. Wobei die Wortfeldtheorie von Jost Trier eine
beachtliche Ergänzung ist (Die Bedeutung eines Wortes kann nicht isoliert betrachtet werden, sondern die
vielfältigen Verbindungen zu Bedeutungen von anderen Wörtern müssen ebenfalls beachtet werden). Für
einen vollständigeren Überblick vgl. auch Abaev, Vasily I. (1956:177-199), „Die Prinzipien etymologischer
Forschung“. In Schmitt, Rüdiger (Hrsg.), Etymologie.
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3. Eigene Überlegungen zu Etymologien
Das bulgarische Wortpaar разхождам се - разходка (spazieren gehen -Spaziergang) oder die deutschen Vokabel brechen - Bruch - Brocken sind intralinguale Beispiele, die deren phonetische, sowie semantische Ähnlichkeit gut sichtbar machen. Diese Lemmata sind in Wörterbücher zu finden, wie auch ihre Geschichte bis zu einer gewissen Zeit zurück in die Vergangenheit. Der Zusammenhang kann aber auch durch das Sprachbewusstsein gesichert 3 werden. Diese Zusammenhänge sind nicht nur Teil meines Interesses, sondern sie sind auch von vielen linguistischen Laien beobachtet und thematisiert worden. Ebenfalls Komposita (z.B. Achillesferse) und Sprichwörter (Es geht zu wie in Sodom und Gomorrha/ Wissen, wie der Hase läuft) haben eine Geschichte, die nicht immer ohne Aufwand herzuleiten ist. Bei Achillesferse wissen die meisten von uns (die im 21. Jahrhundert leben), dass dieses Kompositum aus der griechischen Mythologie kommt - Achilles ist Urenkel des Zeus, Sohn des Myrmidonenkönigs Peleus und der Nereide Thetis, die Achilles unverwundbar macht, indem sie ihn in den Fluss Styx tauchtmit Ausnahme der Ferse, an der sie ihn festhält. Achilles wird später an seiner Ferse tödlich verletzt, daher kommt auch die Bedeutung von Achillesferse - verwundbare, empfindliche, schwache Stelle eines Menschen. 4 Bei der Geschichte des Satzes Es geht zu wie in Sodom und Gomorrha handelt sich um zwei Städte - biblische Sündenpfuhle, die wegen ihrer Lasterhaftigkeit zerstört wurden. Sie werden an mehreren Stellen in der Bibel als warnendes Beispiel für das herangezogen, was passiert, wenn Menschen sich unmoralisch verhalten. 5 Meiner Hypothese zufolge hat diese Redewendung den deutschen Sprachraum mit dem Beginn des Christentums betreten. Nicht so einfach herzuleiten sind viele andere Wörter und Redewendungen, deren Geschichte und Ursprung aufgrund der zerstörten oder gar fehlenden Antike-Schriften nicht belegt werden können.
3 Trier, Jost (1981:9), Wege der Etymologie, hrsg. von Hans Schwarz.
4 Duden Deutsches Universalwörterbuch (CD-ROM).
5 Für mehr Information und Redewendungen siehe Röhrch, Lutz (1992), Das große Lexikon der
sprichwörtlichen Redenarten.
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4. Zur Definition von Etymologie
Etymologie gehört zu den diachronen Sprachwissenschaften, d.h. die Untersuchungsobjekte bzw. Wörter werden in ihrer Entwicklung untersucht. Ich benutze den Begriff Untersuchungsobjekt deshalb, weil die Etymologie sich nicht ausschließlich auf die Geschichte der Wörter begrenzt. Ihre Aufgabe besteht darin, das formale Sprachmaterial zu determinieren, das derjenige verwendete, der ein Wort als erster geschaffen hat, und zugleich die Vorstellung, die er mit diesem Wort ausdrücken wollte. 6 Außer der Geschichte des betreffenden Wortes muss sie den Fakten der Lautgeschichte und der Geschichte der Wortbildung […] sowie der Bedeutungsgeschichte Rechnung tragen, sie muß die Zusammenhänge mit der bezeichneten Sache […] und das Verhältnis des Wortes zu stammverwandten Bildungen klarlegen. 7 Diese Definitionen zeigen die Beziehungen der Etymologie zu anderen sprachwissenschaftlichen Disziplinen: Phonologie und Lautgeschichte, Morphologie, Semantik und Syntax, wobei die von Pisani vorgeschlagene Begriffbestimmung sehr an vorwissenschaftlichen Diskussionen der griechischen Antike erinnert, auf die ich im späteren Verlauf dieser Arbeit einen detaillierten Blick werfe. Abaev, seinerseits gibt eine ausführlichere und klarere Definition der Aufgabefelder der Etymologie. 1. Erbwörter einer bestimmten Sprache mit den Wörtern der verwandten Sprachen und Dialekte zu vergleichen und deren formale und inhaltliche Geschichte bis in die Grundsprache zurückzuverfolgen; 2. Wörter, die sich als abgeleitet innerhalb einer bestimmten Sprache (innersprachliche Derivate) erweisen, hinsichtlich ihrer Bestandteile, der Wurzel, des Stammes und der Formantien im Rahmen dieser Sprache zu identifizieren; 8 3. bei Lehnwörtern deren Quelle zeigen.
Von einer wenig anderen Sicht stellt Jost Trier die Etymologie dar. Er fügt eine zweite Bedeutung der Etymologie hinzu und weist auf die interdisziplinären Eigenschaften dieser Wissenschaft hin. Für Trier heißt Etymologie:
6 Pisani, Vittore (1975:79), Die Etymologie.
7 Schmitt, Rüdiger (1977:4), Etymologie. 8 Abaev, Wassily I. (1956:179).
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das Bemühen, die Verwandtschaft zwischen den Wörtern zu klären und auf Grund der erkannten Verwandtschaft die Geschichte der Wörter möglichst weit zurückzuverfolgen. Dabei verstehn wir unter Wort die Ganzheit von Wortleib und Wortinhalt. Etymologie ist demnach Wortgeschichte mit Bevorzugung jener Strecken, welche nicht (meine Hervorhebung) im Licht historischer, literarischer, lebendiger Bezeugung liegen. Man verwendet aber das Wort Etymologie noch in einem zweiten Sinne. Auch das Ergebnis jener Bemühung wird Etymologie genannt. So sagt man: Die Etymologie von Baum ist nicht ganz geklärt, die von Wunder noch immer dunkel, aber von frz. père sei lat. pater 9 (patrem).
9 Trier, Jost (1981:11).
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5. Geschichte der Etymologie
5.1 Bei den Griechen
Die Geschichte und die Frage nach dem wahren Inhalt des Wortes beschäftigt die Menschheit seit mehreren Jahrhunderten, erste Belege dafür aber sind bereits aus der griechischen Antike überliefert worden. Einige griechische Dichter haben sich schon im 7. bis 4. Jahrhundert v. Chr. mit Namensdeutungen und Wörtererklärungen beschäftigt, zum Beispiel der mutmaßliche Verfasser der Odyssee - Homer. In seinen Epen neigt der blinde antike Dichter dazu, seinen Charakteren Namen zu geben, die oft doppeldeutig sind und dem Leser eine gewisse Interpretationsfreiheit überlassen. Das bekannteste Beispiel dafür ist der Name Odysseus. So wies derselbe Name auf das beklagenswerte Geschick des πολύτλας wie auf den ‚Mann des Zornes’ hin. 10 Anderseits werden in dem homerischen Epos Odyssee, vermutlich aus dem Bedürfnis nach Klarheit, erklärende Worte und sogar ganze Verse dazu verwendet, die Mehrdeutigkeit bestimmter Ausdrücken zu reduzieren. So fordert der Autor die Muse auf: Von dem Mann erzähle mir, Muse, dem weit verschlagen, der sehr viel umhergeirrt ist[…] Es bedeutet nicht den Mann von beweglichem Sinn, sondern einen Mann vieler Irrfahrten. 11
Später im 5. Jahrhundert v. Chr. bietet Platon die erste ausführliche Auseinandersetzung mit etymologischen Problemen. In seinem Dialog Kratylos, in dem die Philosophen Kratylos, Hermogenes und Sokrates diskutieren, stellt Platon die sprachphilosophischen Anstrengungen der vorhergehenden Philosophen und jenen seiner Zeit dar. Welche Absichten der Verfasser sich auch immer gesetzt haben mag, dieser Dialog markiert den Beginn einer Linguistik und vor allem einer Etymologie, die, vom reinen Empirismus ausgehend, sich als Wissenschaft zu etablieren sucht. 12 In Teilen des Dialogs ergibt sich immer wieder die Frage: Gibt es Wörter von Natur aus (φύσει) ODER
10 Pfeiffer, Rudolf (1978:19f), Geschichte der klassischen Philologie.
11 Pfeiffer, Rudolf (1978:19).
12 Pisani, Vittore (1975:14).
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als Ergebnis von Übereinkunft (νόµω, späterhin θέσις)? 13 D.h. kamen den Dingen ihre Bezeichnungen von Natur aus zu, sprich ihrem Wesen nach, dann waren die Wörter also richtig, weil sie das Wesen der Dinge (ursprünglich) trafen ODER waren die Dinge einmal willkürlich so benannt worden, dann waren die Wörter bloß konventionelle Bezeichnungen, die keine Wahrheit enthielten. Beiden Seiten haben ihre Schwachstellen: Gegen die erste Auffassung könnte das Argument stehen, dass es in den Sprachen der Welt verschiedene Bezeichnungen für die gleichen Gegenstände oder Prozesse gibt. Die zweite Meinung ist für viele nicht ausreichend, weil man dann vom Wort aus gar keinen Zugang mehr zum Wesen der Sache hatte. Denn es war klar: Wenn das Wort das Wesen der Dinge spiegelte, musste man durch die Betrachtung des Wortes zur Erkenntnis der Sache kommen. 14 In beiden Fällen besteht die wage Vorstellung, dass es einen ersten Namensgeber gab. Dies kann meiner Ansichten nach, teilweise durch die Religion, oder die griechischen Götter erklärt werden.
Einen Ausschnitt des Dialogs von Sokrates und Hermogenes ist in Arens zu finden. Interessanterweise spricht Sokrates dort über die Lautsymbolik: Ich fürchte zwar, mein Hermogenes, es wird lächerlich erscheinen, wenn durch Nachahmung mit Buchstaben und Silben die Dinge sich offenbaren sollen, doch die Sache ist unvermeidlich […] Zunächst nun kommt mir das Rho (ρ) wie ein Werkzeug jeder Art von Bewegung vor… Der Laut ρ… war allem Anschein nach ein treffliches Werkzeug der Bewegung für den Namengeber, um mögliche Ähnlichkeit mit der Bewegungskraft zu erzielen, wenigsten benutzt er sie vielfach dazu. Zunächst ahmt er in den Wörtern ρ́ ει̃ ν 15 (strömen) […] θραύειν (reiben) […] θρύπτειν (brechen) […] Mit der Lautsymbolik und der Onomatopöie kann der Ursprung eines kleinen Teils der Wörter bestimmter Sprache erläutern werden. Jedenfalls dürfte sowohl der Onomatopöie wie der Lautsymbolik für die Etymologie nur geringe Bedeutung beigemessen sein 16 . Trotzdem bin ich der festen Überzeugung, dass ohne deren Impulse die
13 Pfeiffer, Rudolf (1978:87f); vgl. auch Arens, Hans (1969:7), Sprachwissenschaft.
14 Arens, Hans (1969:7). 15 Arens, Hans (1969:10).
16 Sanders, Willy (1967:12), „Grundzüge und Wandlungen der Etymologie“. In: Schmitt, Rüdiger (Hrsg.),
Etymologie.
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Volksetymologie für die erneute wissenschaftliche Anregung nicht hätte beitragen können und so die daraus resultierenden etymologischen Untersuchungen nie stattgefunden hätten. In dieser Art und Weise haben die Lautsymbolik und Lautmalerei indirekt die etymologischen Untersuchungen von Linguisten positiv stimuliert. Platons Dialog Kratylos ist in vieler Hinsicht für die Geschichte der Etymologie bedeutend. Prof. Rudolf Wachter von der Universität Basel zählt auf seiner Internet-Seite 17 zur Vorlesung Etymologie fünf Punkte auf, die besonders wichtig sind: 1. Argumente dafür, dass sich Bezeichnungen durch Beifügen oder Weglassen von Lauten 18 und dass sich auch die Laute verändern (418b). verändern (399a) 2. Entlehnung aus Barbarensprachen wird als Erklärungsmöglichkeit in Betracht gezogen (409e/410a), um die Schwierigkeiten mit einigen ganz kurzen Wörtern auszuweichen, die kaum weiter zerlegt und mit innergriechischen Bezügen erklärt werden können. So seien πυ̃ ρ ‘Feuer’, ΰδωρ ‘Wasser’ und κύων ‘Hund’ von den Phrygern übernommen. 3. Gewisse Wörter könnten wegen ihres hohen Alters und der vielfältig wirkenden Veränderungen nicht mehr erklärbar sein (421c-d). […] Er verfolgt das Prinzip der Sprachveränderung in der Zeit aber nicht weiter. 4. Durch fortgesetzte Analyse von Wörtern kommt man zu einem Punkt, wo die Einzelteile nicht weiter zerlegbar sind und also die Stufe der Grundwörter erreicht ist (422a/b). […] Platon hat also die grundlegende Bedeutung der Verbalwurzel praktisch erfasst […], er hat die Wurzeln aber typischerweise noch nicht so isoliert, wie wir dies heute nach altindischer Tradition zu tun pflegen. 5. (Hier äußert er sich über die Lautsymbolik, worüber ich früher in meiner Arbeit geschrieben habe.)
Ich möchte hier eine kleine Bemerkung zu Punkt 4 machen. Die in Kratylos aufgestellten Regeln können nicht als Ersatz für die heute geltenden Lautgesetze dienen. Es handelt sich (bei Platon) nicht um morphologisch gesetzmäßige Veränderungen, sondern um willkürliche und völlig subjektive Eingriffe in die Lautstruktur der Wörter. Erst später am Ende des 18. Jahrhunderts wird der Jurist und Indoeuropäist Sir William Jones von der Royal Asiatic Society auf die Zusammenhänge und Gemeinsamkeiten von Latein,
17 Wachter, Rudolf (2006), Geschichte der etymologischen Forschung auf
http://pages.unibas.ch/klaphil/idg/Etymologie/Vorl/kap2a.html.
18 Die Nummer in den Klammern markieren die relevanten Stellen in Kratylos laut Wachter.
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Griechisch, Sanskrit und den germanischen Sprachen hinweisen. In einen Vortrag macht er die europäischen Philologen auf Sanskrit aufmerksam, was viele Konsequenzen mit sich trägt. Es wird später Sanskrit-Literatur massenhaft übersetzt, wodurch die Sanskriterforschungen der alten Inder in das Blickfeld rückrn und so auch das Konzept der Morphem.
Eine ähnliche Sprachphilosophie wird auch von den Stoikern einigen Jahrzehnten später in der Antike vertreten. Sie fußt auf den von Platon dargelegten Methoden. Die Stoiker sind der Auffassung, dass die Sprache in der Seele des Menschen entstanden ist und demnach jede Sprachaussage eine dem Wesen ihres Gegenstandes übereinstimmende Wahrheit zum Ausdruck bringt. Aus stoischer Sicht liegt die Aufgabe des Etymologen primär darin, die Angemessenheit des Wortes für den bezeichneten Gegenstand zu zeigen und darzulegen, welche religiösen, moralischen und metaphysischen Wahrheiten in der Bezeichnung des Gegenstandes verborgen liegen. 19
5.2 Von den Römern bis zum Mittelalter
Die Römer entwickeln keine selbständige Sprachwissenschaft. Sie bedienen sich hauptsächlich des Wissens, das die Griechen vor ihnen erarbeitet haben. Der erste nennenswerte römische Polyhistor Marcus Tirentius Varro, der unter anderem sich auch mit Sprachforschung beschäftigt, zeigt in seinem Werk De lingua latina großes Interesse für die Etymologie. Es berücksichtigt außerdem auch die Unterschiede zwischen dem Latein und dem Griechischen. De lingua latina ist deswegen für die Sprachwissenschaft interessant, weil Varro sich dort als Vermittler von vorhergehenden Diskussionen zeigt. Dabei ist in erster Linie die Kontroverse zwischen Anomalisten (deskriptive Einstellung, Sprache ist ungeordnet) und Analogisten (präskriptive Einstellung, Sprache ist regelhaft) zu nennen 20 . Dank seiner Schriften ist deren Gedankengut erhalten geblieben. Varro rekonstruiert frühere Sprachzustände und ist sich der diachronen Lautveränderungen
19 Pisani, Vittore (1975:29).
20 Pfaffel, Wilhelm (1980:353), „Prinzipien der varronischen Etymologie“. In: Mayrhofer, Manfred et al.
(Hrsgg.), Lautgeschichte und Etymologie.
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bewusst. Er postuliert ausdrücklich die historische Existenz von Wörtern wie arimenta und vollige; für das Verhältnis von volligo : lolligo und arimenta : armenta nimmt er das Eintreten diachroner Lautveränderungen an. 21 Weiterhin unterscheidet Varro nur vier Redeteile: Nomen (inkl. Pronomen und Adjektiv), Verbum, Partizip und Partikel 22 , wobei seine Abhängigkeit von den griechischen Grammatikern deutlich bemerkbar ist. Dennoch, während für die griechischen Philosophen die Untersuchung der Formen der Wörter in erster Linie dazu diente, sich deren ursprüngliche Bedeutung zu erschließen, steht für die römischen Grammatiker hauptsächlich die Erschließung der ursprünglichen Form sowie die Beziehung zwischen den Wörtern im Vordergrund. 23
Als eigentlicher Begründer der mittelalterlichen Wortforschung ist Isidorus von Sevilla zu nennen. Der Erzbischof des spanischen Westgotenreich wird um 560 im heutigen Cartago, Spanien geboren und zieht mit seiner Familie Mitte des 6. Jahrhunderts nach Sevilla, wo er das Wissen von Autoren der Spätantike sammelt und ordnet. Isidorus beschäftigt sich mit unterschiedlichen Wissensgebieten und verfasst seine Werke primär auf Latein. Er hinterlässt eine enorme Anzahl von Arbeiten, wobei besonders sein 20 Bücher umfassendes Werk Etymologiarum sive origium libri XX (kurz: Etymologiae) bekannt ist, eine Art Enzyklopädie. Dort äußert sich Isidorus in Hinsicht auf den Wert der Etymologie: Sobald man sieht, woher ein Wort stammt, erkennt man rascher seine Bedeutung: Kenntnis der Etymologie erleichtert die Anschauung jeder Sache. 24 Ansatzpunkt seiner Untersuchungen sind nicht die Dinge, sondern ihre Bezeichnungen, durch deren etymologische Herleitung sowohl die Aussagekraft der Wörter sichtbar wird, als auch zugleich die betrachtete Sache klarer wird. 25 Es handelt sich hier sowohl um die theoretische Etymologie-Definition von Isidorus, als auch um Isidor(u)s methodisches Prinzip, das den Tausenden seiner Worterklärungen zugrunde liegt. 26
21 Pfaffel, Wilhelm (1980:358).
22 Arens, Hans (1969:30).
23 Pisani, Vittore (1975:36).
24 Die Übersetzung stammt aus Trier, Jost (1981:29).
25 Sanders, Willy (1967:21f); vgl. auch Trier, Jost (1981:29f).
26 Sanders, Willy (1967:22).
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Isidorus bewahrt und vermittelt nicht nur das Wissen der Antike, sondern er erfüllt es innerlich mit dem Geiste des Christentums. Die Etymologie nimmt im Mittelalter eine charakteristische Wendung ins Theologische. Ging dieWorterklärung der Antike wesentlich von Ideenassoziationen aufgrund der Kriterien Klang und Bedeutung aus, so sucht die Etymologie des Mittelalters, gestützt auf die Heilige Schrift, den in jedem Wort eingeschlossenen sensus spiritualis zu enthüllen und somit den beim Schöpfungsprozess in der Kreatur versiegelten Sinn der Sprache dem Menschen zu erschließen. 27 Diese Tendenz bleibt bei vielen mittelalterlichen Grammatikern und Sprachforschern erhalten. In seinem Buch Die Etymologie kritisiert Pisani das Fehlen jeglicher historischer Einsicht, auch dass es niemandem gelingt, auf dem Gebiet der Phonetik, die Gleichförmigkeit der innerhalb derselben Tradition und im selben Zeitabschnitt eingetretenen Veränderungen zu erkennen. 28 Der Etymologie jener Zeiten fehlen gewisse Prinzipien und Ansätze: Die Grundlage eines klaren Wissens um das historische Gewordensein der Sprachen und deren historische Beziehungen […], die in ihren Veränderungen Gesetzmäßigkeiten und nicht mehr die zügellose Laune des Zufalls entdeckt. 29
5.3 Renaissance
Zwei, meiner Ansicht nach, für alle Wissenschaften in Europa sehr bedeutende Ereignisse des 15. Jahrhunderts sind erstens das Erfinden des mechanischen Buchdrucks 30 von Gutenberg in Mainz und zweitens die Invasion der Türken nach Europa. Der Verfall des Byzantischen Reiches führt dazu, dass viele griechische Gelehrte in den Westen wanden und mit sich zahlreiche griechische Handschriften bringen. Diese zwei Geschehnisse dienen als Zündstoff für eine neue Epoche in Europa - der Renaissance.
27 Sanders, Willy (1967:25).
28 Pisani, Vittore (1975:34f).
29 Pisani, Vittore (1975:35f).
30 Buchdruck mit beweglichen Metall-Lettern.
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In der Renaissance gibt es zahlreiche Universalgelehrten, die einen enormen Wissensbestand ermitteln. Der Italiener Filippo Sassetti, der sich als Missionär zwischen 1583 und 1588 in Indien aufhält, sendet in seinen Briefen detaillierte Beschreibungen über die dortigen Sprachen nach Hause. Er erkennt viele Gemeinsamkeiten des Sanskrits mit dem Lateinischen (bzw. Italienischen). Unsere heutige Sprache hat vieles gemeinsam mit ihr (Sanskrit), darunter viele Wörter, besonders die Zahlwörter: 6, 7, 8 und 9, Die, serpe und viele andere. 31 Leider haben die Schriften keinen „fruchtbaren Boden“ gefunden. Joseph Justus Scaliger verfasst 1599 einen Aufsatz, Opuscula Varia, in dem er die bekannten Sprachen Europas in vier Gruppen gliedert. Die vier Wörter: Deus, Θεός, Godt und Boge dienen ihm als Kennzeichen der vier größeren Muttersprachen Lateinisch, Griechisch, Germanisch und Slawisch. Die restlichen Sprachen sieht er als Abkömmlinge oder Dialekte der vier größeren Sprachen. 32 Ein wunderbarer Aufsatz mit fortschrittlichem Denken, leider ist er aber ein Einzelereignis in der Sprachgeschichte geblieben und führte zu keinen großen wissenschaftlichen Fortschritt.
An dieser Stelle muss der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz erwähnt werden, der einen wichtigen Beitrag zur Sprachwissenschaft leistet, besonders zur Sprachverwandtschaftstheorie und Etymologie. Er erkennt in den gemeinsamen Wörtern vieler Sprachen Eurasiens den Überrest einer gemeinsamen Sprache. Sooft man also dasselbe oder etwas veränderte(!) Wort bei den Bretonen, Germanen, Lateinern, Griechen, Sarmaten, Finnen, Tataren, Arabern gemeinsam findet, was nicht selten ist, zeigt dies einen Überrest einer alten gemeinsamen Sprache. 33 Er ist sich auch des Sprachwandels bewusst: Einige Hunderte ähnlicher Menschen könnten leicht in ihren Nachkommen eine neue 34 aus dem Italienischen oder Sprache hervorbringen, so wie die Sprache der heutigen Räter Gallischen entstellt ist, wie beide ihrerseits wieder aus dem Lateinischen: solche wiederholte Entstellungen von Entstellungen löschten schließlich die ursprüngliche 35 Grundzüge aus.
31 Arens, Hans (1969:73).
32 Arens, Hans (1969:74-76).
33 Arens, Hans (1969:97).
34 Volk aus der Alpenraum, Namensgeber der späteren römischen Provinz Raetea. 35 Arens, Hans (1969:97).
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Leibniz ist deswegen für die Etymologie hoch interessant, weil er bedeutend besser als frühere Wissenschaftler argumentiert und seine Thesen mit historischem Belegmaterial stützt. Er zieht das Forschungspotenzial geographischer Namen in Betracht: Ich bemerkte […], dass die Flußnamen, da sie gewöhnlich aus ältesten Zeit stammen, am besten die alte Sprache […] bezeichnen, weswegen sie eine besondere Untersuchung verdienen. 36 Er erkennt, außerdem, den Bedeutungswandel (am Beispiel von Auge), was (die diachrone Betrachtung) besonders bedeutsam für die heutige Wissenschaft Etymologie ist: Aus aqua, aigues, auwe haben die Franzosen schließlich eau gemacht, […] wobei vom ursprünglichen Wort nichts übrigbleibt. Auwe, Auge ist bei Deutschen heute einen Ort, den das Wasser häufig überspült […]; insbesondere aber bezeichnet das Wort eine Insel, wie im Namen des Klosters Reichenau […]. Und das muss bei vielen germanischen und keltischen Völkern der Fall gewesen sein, denn daher kommt es, daß alles, was gleichsam inmitten einer Art Fläche isoliert ist, Auge oder Ooge, oculus genannt worden ist. So nennt man Ölflecken auf dem Wasser bei den Deutschen; und bei den Spaniern ist ojo ein Loch. Aber Auge, Ooge, oculus, occhio etc. ist speziell und par excellence für œil verwandt worden, welches dieses auffallende isolierte Loch im Gesicht bildet. Zweifellos kommt das französische œil daher, aber sein Ursprung ist nicht erkennbar, wenn man nicht entwicklungsgemäßig vorgeht, wie ich es getan habe; es scheint, daß das όµµα und όφις der Griechen aus derselben Quelle stammen. Oe oder Oeland ist bei den Nordgermanischen 37 eine Insel; und es gibt im Hebräischen noch eine Spur davon, wo Ai eine Insel ist. Der Universalgelehrte führt Briefkorrespondenz mit anderen Forschern. Mit seinen Überlegungen fordert er viele Untersuchungen, woraus Wörterbücher zu den deutschen Dialekten und Althochdeutschen, zum Gotischen und vielen anderen lokal nahe legenden Sprachen entstehen. Mit Leibniz ,werden einige die ersten Grundzüge der Etymologie gesetzt. Generell dürfte man den Etymologien nur Glauben schenken, wenn man eine ganze Anzahl übereinstimmender Indizien dafür hat. 38 Doch auch bei ihm fehlt eine konsequente Theorie der Sprachverwandtschaft. Ohne eine Theorie des regelmäßigen Lautwandels ist jede Etymologie mehr ein Zufallstreffer als ein Beweis für Wortverwandtschaft.
36 Arens, Hans (1969:101). 37 Arens, Hans (1969:100f).
38 Arens, Hans (1969:101).
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5.4 Aufklärung
Einige Jahre nach Leibniz erkennt der Niederländer Lambert ten Kate, der sich mit der Bau der germanischen Sprachen befasst, den Ablaut der starken Verben als Gesetzmäßigkeit. Er glaubt, daß man die Gesetze der Sprache finden und nicht machen muß. 39 In der Anleitung seiner Arbeit Verwandtschaft der gotischen und der niederländischen Sprache verurteilt der deskriptive Grammatiker das „Glückspiel“ der damaligen etymologischen Forschung und setzt ein Grundprinzip für Sprachvergleichung und Etymologie zu Papier, das der späteren Forschung eine gewisse Systematik beschafft. Ich binde mich in meinen Ableitungen an ein so strenges Gesetz, daß ich keinen einzigen Buchstaben zu verändern, zu versetzen noch hinzu- oder hinwegzutun suche, außer in Kraft einer durchgeführten Ordnung oder Regel. 40
Ein sehr fortschrittlicher Eingriff in die Sprachgelegenheiten jener Zeit macht Job Ludolf 41 . Er bestand nämlich darauf, sich beim Sprachvergleich nicht nur auf die Wörter zu beziehen, sondern auch auf den Sprachbau. Die Erkenntnis, dass die Zusammenhänge von Phonologie bzw. Phonetik 42 und Syntax eine wichtige Rolle bei der Komparatistik spielen, ist außerordentlich bedeutsam, denn sie bildet auch einen Teil der Grundsatzbasis der modernen Wissenschaft Etymologie.
Im Zeitalter der Aufklärung und genauer betrachtet gegen Ende des 18. Jahrhunderts existiert in Europa eine steigende Tendenz, europäische und nicht-europäische Sprachen zu beschreiben und zu erforschen. Auch werden zahlreiche Wörterbücher und Grammatiken unbekannter Sprachen erfasst.
39 Arens, Hans (1969:105).
40 ebd.
41 Auch als Hiob Ludolpf in anderen Quellen zu finden.
42 Ich benutze hier den Begriff Phonetik, obwohl man in Europa oft noch bis hin in den 18. Jahrhundert dazu
neigte, die Wörter orthographisch zu betrachten. Davon ergeben sich mindestens zwei Probleme, nämlich: 1. Alle Wörter unterliegen einen permanenten Lautwandel, wodurch die gestrebte Symmetrie zwischen
der lautlichen und orthographischen Darstellung sich verwischt und
2. Oft entspricht die orthographische Darstellung der Wörter nicht deren lautlichen (ausgeschlossen
IPA), weil die meisten Schriftsprachen tendenziell einen geringeren Orthographie- als Lautinventar
haben.
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Diese in erster Linie aufwendige Datensammlung wird ihr enormes Potenzial erst im folgenden Jahrhundert aufbringen, wenn die Grammatik der Inder die europäische Aufmerksamkeit auf sich zieht
5.5 Die „Entdeckung“ der Sanskrit-Grammatik
Dies geschieht Ende des 18. Beginn des 19. Jahrhunderts, als Sir William Jones (s.o. S. 7) einen Vortrag in Calcutta hält. In den folgenden Jahren steigt das Interesse der europäischen Sprachforscher am Sanskrit enorm. Es werden zahlreiche Bücher und Grammatiken aus dem Indischen übersetzt, mitunter ein sehr einflussreiches Werk. Die vom indischen Grammatiker Pānini überarbeitete Sanskrit-Grammatik, die von J. Wilkins 43 1808 übersetzt wiurde, stammt vermutlich aus dem 4-5. Jahrhundert vor Chr. Pānini war nur der letzte Redaktor des Buches und nicht sein Verfasser 44 . Das Wissen, das diese Grammatik beinhaltet und vermittelt, wurde schon Jahrhunderte davor gesammelt. Dieses hoch entwickelte Werkzeug initiiert eine rasche Entwicklung der linguistischen Teilgebiete in Europa. Vor allem aus der indischen Phonetik bzw. Phonologie ist viel zu lernen. Die Inder haben eine Lautschrift entwickelt, die Akzent, Prosodie, Silbenqualitäten und Vokallängen darstellen konnte - ein IPA-Schrift-Vorgänger, der bis ins 19. Jahrhundert einzigartig ist. Außerdem bleibt die Einführung des indischen Morphemkonzepts in Europa nicht ohne Konsequenzen und fordert eine neue Richtung in der Sprachwissenschaft - die morphem-analytische Methode.
Im folgenden 19. Jahrhundert werden die sprachwissenschaftlichen Disziplinen, darunter auch Etymologie, intensiv entwickelt. Die Forscher, denen hier ein besonderer Verdienst zukommt, die ich hier aus Platzgründen aber nur flüchtig erwähnen kann, sind Friedrich Schlegel, der Däne Rasmus Kristian Rask und Franz Bopp, mit seiner ersten Arbeit Über das Conjugationsystem der Sanskritsprache in Vergleichung mit jenem der
43 Thieme, Paul (1980:491f), „Etymologie - einst und heute“. In: Mayrhofer, Manfred et al. (Hrsgg.),
Lautgeschichte und Etymologie.
44 Arens, Hans (1969:167).
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griechischen, lateinischen, persischen und germanischen. Ihr folgt später seine Grammatik vieler germanischen Sprachen, womit Bopp einen enormen Beitrag zu den vergleichenden Sprachwissenschaften und Etymologie leistet. 45 Bahnbrechend ist auch Jacob Grimm 46 , der Verfasser der ersten umfassenden Grammatik, die sog. Deutsche Grammatik mit allen wesentlichen Laut- und Formengesetzen, und Begründer der Germanistik in ihrem ganzen Umfang. 47 August Friedrich Pott stellt mit seinem Werk Etymologischen Forschungen auf dem Gebiete der Indo-Germanischen Sprachen erstmals eine systematische Darstellung der „neuen“ wissenschaftlichen Disziplin Etymologie. 48 Unzweifelhaft, bis zum modernen Stand der Etymologie ist es noch ein langer Weg. Dennoch kann bleibt festzuhalten, dass die Etymologie nach der Mitte der 19. Jahrhundert über eine solide methodische Basis verfügt.
45 Arens, Hans (1969:175ff); vgl. auch Sanders, Willy (1967:41f); und Malkiel, Yakov (1993:9f), Etymology;
und Pisani, Vittore (1975:112f).
46 Grimm hat Ausdrucke wie Ablaut, Umlaut, schwach und stark bei Verben in die Sprachwissenschaft
eingeführt. Zusammen mit Rask gelten sie als Begründer der historischen Lautlehre.
47 Sanders, Willy (1967:42).
48 Sanders, Willy (1967:43); vgl. auch Arens, Hans (1969:230ff); und Pisani, Vittore (1975:40f).
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6. Schlusswort
Im Verlauf meiner Arbeit wurde die Entstehung einer linguistischen Wissenschaft, die Etymologie, in Europa verfolgt, in einer Zeitspanne von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Wir haben gesehen, dass die Erforschung der Sprache unterschiedlich motiviert sein kann. Im antiken Griechenland wurde die sprachliche Forschung von der philosophischen Aufklärung hervorgehoben, oder, wie bei Homer (auch) aus philologischen Gründen. Wogegen sie in Indien typisch religiös motiviert war, zur Erhaltung von den wedischen 49 Texten, die unter dem permanenten Sprachwandel eine lautliche und metrische Abweichung aufwiesen.
Wir haben auch gesehen, wie die Bedeutung von Etymologie durch die Jahrhunderte sich verändert hat. Von den Griechen, die nach dem ursprünglichen und wahren Sinn des Wortes gesucht haben, bis in die Gegenwart, wo die Etymologie die Entstehung und die geschichtliche Veränderung (lautliche wie semantische) der Wörter, Phrasen und Redewendungen verfolgt. Ferner erfahren wir von der Etymologie nicht nur etwas über die Herkunft der Wörter, sondern auch über Kulturgeschichte. Mit Hilfe der Wissenschaft Etymologie können Historiker demnach ihre Funde und Thesen zusätzlich stützen.
49 Adjektiv von Weda, auch Veda - die heiligen Schriften der altindischen Religion.
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7. Quellenverzeichnis
7.1 Wörterbücher
Duden Deutsches Universalwörterbuch (CD-ROM)
7.2 Sekundärliteratur
Abaev, V. I. (1956), „Die Prinzipien etymologischer Forschung“. In: Schmitt, Rüdiger
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Pisani, Vittore (1975), Die Etymologie. Geschichte - Fragen - Methode. München.
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7.3 Internetseiten
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geändert am 03.11.2004.
Wachter, Rudolf (2006), Geschichte der etymologischen Forschung auf
http://pages.unibas.ch/klaphil/idg/Etymologie/Vorl/kap2a.html. Zuletzt geändert am
27.02.2007.
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Luben Alargov, 2007, Geschichte der Etymologie - Von der Antike bis ins 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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