Abstract
Die Arbeit geht zunächst der Etymologie des Begriffs 'Literatur' nach und differenziert dessen Verwendung im englischen und im deutschen Sprachgebrauch. Unterschiedliche Konzeptionen des Terminus werden vorgestellt und besprochen: die Begrenzung auf 'bedeutende' Werke; literarische, alltägliche und wissenschaftliche Sprache sowie das expressive und pragmatische Element und schließlich der referentielle Aspekt mit seinem Merkmal der Fiktionalität. In den literarischen Gattungen (Lyrik, Epik, Drama) besteht ein Bezug auf eine Welt der Fiktion, Zeit und Raum eines Romans sind nicht die des wirklichen Lebens. Die Bemerkung der Literaturtheoretiker Warren und Wellek, dass es sich bei der Unterordnung unter das wichtigste Kriterium der Fiktionalität nicht um eine wertende handelt, verdient besonders betont zu werden. Zu Literatur zählt auch "the worst novel, the worst poem, the worst drama". Im letzten Teil wird ein Schema vorgestellt, das Textsorten nicht nur nach Gebrauchstexten und fiktionalen Texten unterscheidet, sondern die Bezeichnung 'literarische Gebrauchstexte' einführt, um auch Mischformen wie politischen Texten, Werbetexten und journalistischen Texten gerecht zu werden. Unter Gebrauchsliteratur versteht Gero von Wilpert nichtfiktionale Texte, die nach literarisch-ästhetischen Kriterien ihre Aussage in ein literarisiertes Gewand kleiden.
I
Inhaltsverzeichnis
Abstract. I
Inhaltsverzeichnis. II
1 Zur Etymologie des Wortes 'Literatur' 3
2 Sprachgebrauch und Fiktionalität 5
3 Zwischen ästhetischer Distanz und Realitätsbezug. 9
Literaturverzeichnis. 14
II
1 Zur Etymologie des Wortes 'Literatur'
Die Zahl der Textsorten 1 hat heute ein solches Ausmaß erreicht, dass man sie gar nicht mehr Gewinn bringend aufzählen kann. Das bedeutet, dass es Schwierigkeiten bei dem Versuch gibt, zu einer Einteilung oder Ordnung zu gelangen. Dennoch reißen die Bemühungen nicht ab, "möglichst viele Texte unter einige wenige charakteristische allgemeine Merkmale" zusammenzufassen. 2 Dies führte zu einer heftigen Diskussion darüber, was denn Literatur eigentlich sei, und die Uneinigkeit hat bis heute angedauert. 3
Als erste Herangehensweise ist es ratsam, über die Etymologie der Grundbedeutung - d. h. einem früheren Sinn - des Wortes 'Literatur' nachzugehen. Im Lateinischen gibt es gleich mehrere Bezeichnungen, die man in Verbindung mit 'Literatur' bringen kann: littera = Buchstabe; litterae = das Schreiben, die Schriften, die Bücher, der Brief - die Briefe, die Wissenschaft - die Wissenschaften; litterator = Sprachgelehrter; litteratura = Buchstabenschrift, Alphabet.
In diesem Zusammenhang führt das Concise Oxford Dictionary (COD) mehrere Erklärungen unter dem Stichwort literature an: "(…) realm of letters, writings of country or period; (…) the books etc. treating of a subject; (colloq.) printed mat- ter; (arch.) acquaintance with books." 4
1 Den Terminus 'Textsorte' kann man grob als "Zusammenfassung von Texten mit einheitlichen übereinstimmenden Stilmerkmalen zu einer Gruppe" definieren.
2 H. Ludwigsen (1981), Sprachbetrachtung und Textanalyse, 4. A., Bad Homburg v. d. Höhe, S. 75.
3 Allerdings ist kritisch anzumerken, dass die Problematik, Textsorten (d. h. funktional definierte Sprachformen) zu bestimmen, nicht zu eng mit der Kontroverse um den eher wertenden Literaturbegriff verbunden werden sollte.
4 Meine Hervorhebungen im Zitat.
3
Im Englischen scheint der Begriff literature in weiterem Sinne angewandt zu werden als z. B. im Deutschen. Größere Wörterbücher führen als Übersetzung, unter der Sprachgebrauchsebene colloquial, "Informationsmaterial" an, wozu sämtliche Werbebroschüren und beschreibendes Material gehört, z. B. "(…) literature about our refrigerators/package holidays" 5 In unserer Sprache klingt ein dermaßen extensiver Gebrauch ungewöhnlich, eine ähnliche Verwendung des Begriffs findet sich am ehesten in Bezug auf Fach- und Sachbücher (z. B. Sachliteratur zum Thema Schlankheitskuren, Wellness etc.).
5 Hornby (1982), Oxford Advanced Learner's Dictionary of Current English, 13. Druck. [In der 11. Auflage des Concise Oxford English Dictionary wird unter dem Eintrag literature an dritter Stelle "promotional or advisory leaflets and other material" angeführt.]
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2 Sprachgebrauch und Fiktionalität
Die meisten der oben genannten lateinischen Bezeichnungen betonen den Charakter des schriftlich Fixierten. Mit dieser Definition, die alles Geschriebene abdeckt, beginnen Warren und Wellek ihre Abhandlung "The Nature of Literature". Als Vertreter einer besonders weiten Auslegung wird E. Greenlaw angeführt, der unter Literatur nicht nur belles lettres sowie gedruckte oder geschriebene Aufzeichnungen versteht, sondern alles, was in Verbindung mit der Kulturgeschichte steht und einen Beitrag zu dieser leistet. Die Autoren haben folgende Einwände gegen eine solche Auffassung: streng literarische Studien werden abgedrängt und alle Unterscheidungen gehen verloren, was zur Folge hat, dass Literatur nach äußeren Kriterien beurteilt wird. Auch das spezifische Gebiet und die spezifische Methode von Literatur werden verleugnet.
Der zweite Ansatz zur Definition von Literatur besteht darin, eine Begrenzung auf 'bedeutende Bücher' vorzunehmen. Inbegriffen sind sämtliche Werke, unabhängig vom Thema (Geschichte, Philosophie, Wissenschaft), die durch literarische Form oder Ausdruck bestechen. Die Beurteilung erfolgt entweder nach ästhetischem Wert (Gedichte, Dramen, Romane) oder nach intellektueller Bedeutsamkeit zusammen mit ästhetischen Gesichtspunkten, wobei die Ästhetik sehr eng gefasst wird. Es handelt sich also um ein Werturteil. Warren und Wellek sehen die Gefahr darin, dass - in der Literaturgeschichte - auf die 'großen Denker' wie z. B. Adam Smith nur bruchstückhaft eingegangen wird und unfachmännische Abhandlungen über deren Fachgebiet geschrieben werden. Des Weiteren trägt diese Begrenzung nichts zum Verständnis der Kontinuität der literarischen Tradition, der Entwicklung der literarischen Gattungen und der Natur des literarischen Prozesses bei. Die Anwendung der genannten Kriterien auf philosophische, historische oder ähnliche Bücher würde zu einer ausfallend ästhetischen Betrachtungsweise führen. Die Autoren versuchen in ihren folgenden Darlegungen, den Begriff der 'Literatur' klarer zu fassen.
5
Literatur begrenzen sie auf die "Kunst der Literatur" und beziehen orale Ausdrucksformen ein. Hauptunterscheidungen müssen zwischen literarischem, alltäglichem und wissenschaftlichem Gebrauch der Sprache gemacht werden:
Wissenschaftliche Sprache 6 ist rein 'denotativ', es besteht ein eins-zu-eins Verhältnis zwischen Zeichen und Bezeichnetem. Das Zeichen führt uns eindeutig zum Bezeichneten und ist damit transparent.
Literarische Sprache besteht dagegen aus Ambiguitäten, ist reich an Homonymen sowie willkürlichen oder irrationalen Kategorien und von historischen Ereignissen, Erinnerungen und Assoziationen durchdrungen. Sie ist also äußerst 'konnotativ'. Hinzu kommt, dass sich literarische Sprache durch das Ausdruckselement auszeichnet. Der Schriftsteller übermittelt seine Stimmung und Haltung und möchte den Leser beeinflussen und schließlich verändern. Die Sprache der Literatur betont das Zeichen als solches, den reinen Symbolismus des Wortes. Das kann z. B. durch das Metrum, die Alliteration und Klangmuster geschehen. Das pragmatische Element ist in der Literatur in unterschiedlichem Ausmaß vorhanden: in bloßer Poetik nur in sehr geringer Ausprägung, an didaktischen oder satirischen Gedichten hat es schon entscheidenden Anteil. Obwohl philosophische und didaktische Gedichte die Sprache der Wissenschaft benutzen, können einige von ihnen nicht aus der Literatur ausgegrenzt werden.
Kurz zusammengefasst lauten die Unterscheidungen: Literarische Sprache ist viel tiefer in der historischen Struktur der Sprache engagiert und benutzt das expressive und das pragmatische Element, die die wissenschaftliche Sprache so weit wie möglich zu verhindern sucht.
Schwieriger ist da schon die Ausgrenzung der alltäglichen Sprache, die nicht einheitlich ist, sondern Varianten wie umgangssprachlichen Gebrauch, Slang, offizielle Sprache, Sprache der Religion und vieles mehr beinhaltet. Viele Merkmale der literarischen Sprache gelten auch für anderen Sprachgebrauch,
6 Beim Kursivdruck handelt es sich auch auf den folgenden Seiten um meine Hervorhebungen.
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mit Ausnahme des wissenschaftlichen. So kann man in der alltäglichen Sprache die Elemente feststellen, die schon oben für literarische Sprache erwähnt sind. Die alltägliche Sprache möchte am häufigsten Ergebnisse erreichen, Handlungen und Meinungen beeinflussen, eine reine Begrenzung auf die kommunikative Funktion wäre aber falsch.
In erster Linie handelt es sich zwischen literarischer und alltäglicher Sprache um eine quantitative Unterscheidung. Erstere wählt bewusst und systematisch aus dem Sprachschatz aus, und in der Poetik wird eine Organisation und Straffung der Alltagssprache deutlich. Obwohl der Dichter sich bei seinem Sprachgebrauch kaum an eine bestehende Konvention hält, gibt es eine Einheit in den literarischen Werken, es kann nicht so einfach ein Wort oder die Stellung eines Wortes verändert werden. Literatur löst unmittelbar keine Handlungen aus, was dagegen in der alltäglichen Sprache ständig geschieht. 7 Die Kunst legt eine Art Rahmen auf, der die Aussage des Werkes aus der Welt der Realität herausdrängt. Dies alles führt zu allgemeinen Begriffen der Ästhetik: Warren und Wellek sprechen von "unvoreingenommener Betrachtung", "ästhetischer Distanz" und "Einrahmung". Literarische Werke sind nur solche, in denen die ästhetische Funktion dominiert. Die Autoren räumen ein, dass der Übergang zwischen literarischer und nichtliterarischer Äußerung fließend ist, man kann also nicht sämtliche didaktischen und satirischen Gedichte bei der Begriffsbestimmung von Literatur ausschließen. Auch Übergangsformen wie Essay, Biografie und rhetorische Literatur müssen beachtet werden.
7 Hier erweist sich der Bezug auf die Pragmalinguistik als aufschlussreich. 'Sprache' wird in dieser Bezugswissenschaft der Fremdsprachendidaktik nicht als ein System sprachlicher Formen angesehen, sondern als ein "Aspekt menschlichen Handelns (Kommunikation = mit Sprache etwas [miteinander] tun)". Dabei geht es vor allem um die Analyse des Sprechaktes und die Darstellung seiner einzelnen Komponenten. Die Übersicht unterschiedlicher Sprechakte aus der Kontaktschwelle Deutsch veranschaulicht, wie stark Sprechabsichten, Sprechhandeln und konkretes Handeln ineinander greifen. Zum pragmatisch-funktionalen Konzept zählen auch die Analyse und das Verständnis von Rollen und Situationen. Siehe Neuner, G./Hunfeld (1993), H., Methoden des fremdsprachlichen Deutschunterrichts: Eine Einführung, Berlin (Langenscheidt), S. 84, 88, 94, 152.
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Am deutlichsten wird das Wesen der Literatur unter dem referentiellen Aspekt. In den literarischen Gattungen (Lyrik, Epik, Drama) besteht ein Bezug auf eine Welt der Fiktion, Zeit und Raum eines Romans sind nicht die des wirklichen Lebens. Es ergeben sich selbst in realistischen Romanen künstlerische Konventionen, z. B. ähneln sich naturalistische Romane in vielerlei Hinsicht (Thema, Charakterisierung etc.), ein weiteres Beispiel bietet das Drama. Fiktionalität ist das wichtigste Merkmal von Literatur. Dieser Literaturbegriff ist beschreibend und nicht wertend, wo Fiktionalität bei einem bedeutenden Werk fehlt, ist es nur angebracht, dieses zur Philosophie, Rhetorik, zum politischen Pamphlet oder ähnlichem zu rechnen.
Gegen Ende weisen die Autoren noch darauf hin, dass imaginative Literatur keine Bilder gebrauchen muss. Bildhaftigkeit sei kein essentieller Zug für fiktionale Darstellung und es gebe auch rein darlegende Gedichte ("poetry of statement"). Die Bezeichnung eines literarischen Werkes als Organismus sei irreführend, da nur der Aspekt der Einheit in der Vielfalt betont werde. Zu einfach mache man es sich auch, wenn man von der "Identität von Inhalt und Form" spreche. Die Illusion, jedes inhaltliche oder technische Element eines Werkes müsste gleichermaßen nützlich sein, werde genährt und hindere uns daran, das Werk in seiner Ganzheit zu betrachten.
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3 Zwischen ästhetischer Distanz und Realitätsbezug
Insgesamt gesehen ist es den Autoren gelungen, über die äußerst eng oder weit gefasste Definition von Literatur 8 hinauszugehen, sie nennen eine sehr brauchbare und hilfreiche Anzahl von Merkmalen, die auf alle 'wirkliche' Literatur zutreffen sollen und womit die Einteilung von Texten unter dem Aspekt des Literarischen sehr erleichtert wird. Die Bemerkung von Warren und Wellek, dass es sich bei der Unterordnung unter das wichtigste Kriterium der Fiktionalität nicht um eine wertende handelt, verdient besonders betont zu werden. Zu Literatur zählt auch "the worst novel, the worst poem, the worst drama".
Die Grenzen zwischen den Textsorten sind fließend geworden - die Unterscheidung innerhalb der fiktionalen Texte in hohe Dichtung und Trivialliteratur ist insofern problematisch, da sich ästhetische Strukturelemente in beiden Bereichen finden und die dargestellte Welt jedes Mal eine Fiktion des Autors ist. Der Begriff 'Trivialliteratur' sollte am besten geschichtlich-geschmackssoziologisch verwendet werden, um die Toleranzgrenze der herrschenden Geschmacksträger einer Zeit festmachen zu können. 9
Shipley führt die Beständigkeit von Literatur gerade darauf zurück, dass es einen Mittelweg zwischen den Erwartungen der Massen und der individuellen Formulierung für wenige gegeben hat.
8 Eine zu eng gefasste Definition von Literatur bedeutet die Begrenzung auf "hohe anerkannte Dichtung" oder great books, ein sehr weiter Literaturbegriff hingegen bezieht alles Gedruckte und Geschriebene auf Basis der lateinischen Bezeichnung littera ein.
9 Haugg/Migner (1978), Deutschvorbereitung Sekundarstufe II, S. 163. [Heutzutage hat es sich eingebürgert, anstelle von Schund- oder Trivialliteratur, die eine sogenannte 'niedrige' Literatur in Opposition zur 'hohen' Literatur bezeichnen, den neutraleren Terminus 'populäre Literatur' zu verwenden. Des Weiteren existiert der Begriff der 'Massenliteratur', der in erster Linie ein soziologisches Phänomen (Literatursoziologie) benennt und nicht zwangsläufig wertend konnotiert sein muss.]
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Erstere Haltung bringe die Gefahr der Massenproduktion von Literatur mit sich, die zweite Einstellung könne leicht zu Schwülstigkeit und Dekadenz führen. 10
Auch Gero von Wilpert versteht in seiner zweiten Definition unter Literatur die sogenannte schöne Literatur oder Belletristik, die nicht zweckgebunden oder an einen Gegenstand geknüpft ist, sondern eigenständig aus sich heraus besteht und das Kriterium der gemüthaften und ästhetischen Gestaltung erfüllt. Dazu gehören auch mündliche Überlieferungen wie Mythen und Sagen. Unter dem Stichwort "Belletristik" findet man dann auch den Hinweis, dass leichte Unterhaltungsliteratur inbegriffen ist und die Belletristik als Gegensatz zur Sachliteratur (non-fiction) zu verstehen ist. 11
Roger Fowler weist wie Warren und Wellek darauf hin, dass literarische Werke die Leserschaft durch ein ästhetisches Erlebnis (stasis) bewegen und nicht zu Handlungen - wie z. B. für die Veränderung der Welt zu kämpfen - veranlassen. Das Erlebnis sei von einer gezügelten, "unwirklichen" Art und fürs persönliche Verhalten irrelevant. Besonders bildhaft und treffend wird diese Einsicht durch folgenden Satz Fowlers ausgedrückt: "that which pumps our adrenalin is not art." Propaganda und Pornografie seien kinetisch und deshalb keine Kunst. 12
Obwohl Literatur häufig bestimmt nicht unmittelbare Handlungen auslöst oder gar zu diesem Zweck geschaffen wird, ist dies meines Erachtens aber kein völlig feststehendes Kriterium. Johann Wolfgang Goethes Werther hatte nach seinem Erscheinen eine Selbstmordwelle zur Folge, Friedrich Schiller musste nach der Aufführung der Räuber (Bewegung des Sturm und Drang) die Flucht ergreifen, und im Elisabethanischen Zeitalter wurde Shakespeares Schauspieltruppe beauftragt, für die Verschwörer unter Essex ein Königsdrama aufzuführen, das
10 Shipley, Dictionary of World Literature, S. 253.
11 Wilpert, Gero v. (1979), Sachwörterbuch der Literatur, 6. A., Stuttgart.
12 Fowler, R., A Dictionary of Modern Critical Terms, S. 135.
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den Sturz des Monarchen zeigt. Es kommt demnach auf die Zeitumstände, die gesellschaftlichen Gegebenheiten an, diese nehmen Einfluss auf die Gestaltung und Wirkung von Literatur. Fowler geht bei seiner Definition von dem gegenwärtigen Gebrauch des Ausdrucks 'Literatur' aus und verweist darauf, dass es seit Platon keine Übereinstimmung darin gegeben habe, was denn Literatur eigentlich sei. Er hält weniger die Frage "Ist dies Literatur?" für wichtig als die Frage "Warum nennen wir das Literatur?" Der Großteil der Literatur wird von der herrschenden Kultur anerkannt und kann als kulturelle Institution betrachtet werden. Fowler geht also im Zusammenhang mit Literatur viel stärker auf die Gesellschaft ein als Warren und Wellek. In Verbindung mit der Fiktionalität spricht Fowler von der ästhetischen Distanz zum Leser. Der Leser kann Molly Bloom oder Lolita mögen, aber niemals körperlich lieben, und nach A. Macleish, den Fowler anführt, sind die Aussagen eines Gedichtes "gleichbedeutend mit" und damit "unwahr" ("equal to: not true"), d. h. fiktional ohne Entsprechung in der Wirklichkeit. Der Autor stimmt in vielen Punkten mit Warren und Wellek überein, nur zum Schluss betont er, dass die von der allgemeinen Ästhetik herrührende Definition von Literatur um Kriterien vermehrt werden muss, die sich auf das linguistische Medium beziehen (z. B. Roman Jakobson). Fowler zählt Warren und Wellek zu den Vertretern einer älteren Tradition.
In der Literaturwissenschaft hat sich der Begriff 'Text' für alles Geschriebene als Oberbegriff durchgesetzt. Als erster Versuch ist es meiner Ansicht nach angebracht, die Texte auszugrenzen, die sich auf eine wirkliche Kommunikationssituation beziehen, d. h. ein realer Sender wendet sich an einen realen Empfänger in einer realen Welt. Dazu gehören z. B. Geschäftsbriefe, Zeitungsannoncen, Gebrauchsanweisungen, Kochrezepte, Reiseprospekte, Versandhauskataloge und vieles mehr. Alle diese Texte sind Wirklichkeitsaussagen, auch Gebrauchstexte genannt. Literatur unterscheidet sich vom Gebrauchstext durch mehrere Merkmale:
Literatur ist bewusst gestaltet, auf Dauer angelegt und als Einheit komponiert. Die Literatursprache überlagert die Sprachzeichen mit zusätzlichen Bedeutungsebenen (wie Bildhaftigkeit, Mehrdeutigkeiten, Konnotationen, Klang).
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Literatur hat einen anderen Bezug zur Wirklichkeit. Die dargestellte Welt ist eine Erfindung des Autors, er schafft eine "selbständige 'Welt der Fiktion' mit redenden und handelnden Personen, Dingen und Sachverhalten, die ohne ihn in dieser Weise nicht existieren würden." 13
Wenn man nun aber ein Sachbuch oder eine Biografie (auch Pressetexte, politische Texte, Werbetexte etc.) zur Hand nimmt, genügt diese Zweiteilung in Gebrauchstexte und Literatur nicht mehr. Diese Texte stehen gleichsam in der Mitte zwischen fiktionalen Texten und Gebrauchstexten. Sie beziehen sich auf eine reale Umwelt in Gegenwart oder Vergangenheit und gestalten diese mit den stilistischen Mitteln fiktionaler Texte.
13 Ludwigsen, H. (1981), Textanalyse, S. 77.
14 Ludwigsen, H. (1981), S. 77, S. 107 (Schaubilder)
12
Man spricht dabei von literarischen Gebrauchstexten oder Gebrauchsliteratur. Es ergibt sich insgesamt die folgende Übersicht:
Dieser Ansatz soll nur zur Vereinfachung und Zusammenfassung dienen und klare Kategorien zur Verfügung stellen, nach denen man Texte einteilen kann. Nicht zu übersehen ist, dass sich durch die Einführung der Bezeichnung 'Gebrauchsliteratur' eine Ausweitung des traditionellen Literaturbegriffs ergibt, weshalb Wilpert auch von einer umstrittenen Begriffsprägung spricht. Nach ihm versteht man unter Gebrauchsliteratur nichtfiktionale Texte, die nach literarischästhetischen Kriterien ihre Aussage in ein literarisiertes Gewand kleiden.
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Literaturverzeichnis
FOWLER, R., A Dictionary of Modern Critical Terms.
HAUGG/MIGNER (1978), Deutschvorbereitung Sekundarstufe II, München
HORNBY (1982), Oxford Advanced Learner's Dictionary of Current English, 13. Druck.
LUDWIGSEN, H. (1981), Sprachbetrachtung und Textanalyse, 4. A., Bad Homburg v. d. Höhe.
NEUNER, G./HUNFELD (1993), H., Methoden des fremdsprachlichen Deutschunterrichts: Eine Einführung, Berlin (Langenscheidt).
SHIPLEY, J. T., Dictionary of World Literature.
SOANES C./STEVENSON A. (2004), Concise Oxford English Dictionary (COED11) on CD-ROM, 11 th ed.
SYKES, J. B. (1982), The Concise Oxford Dictionary (COD), 7 th ed.
WELLEK/WARREN (1948), Theory of Literature, New York.
WILPERT, GERO V. (1979), Sachwörterbuch der Literatur, 6. A., Stuttgart.
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M. A. Michael Röder, 1989, Was ist Literatur?, München, GRIN Verlag GmbH
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kommentar.
my favourite°°°°hehe
werde ich genauer lesen und studieren °°°
...so schwerig, eine grosse Arbeit zu schaffen...
god bless me
am Monday, October 13, 2008-