Das zu rezensierende Werk ist in zwei Teile und 20 Kapitel unterteilt. Kapitel eins zeigt in einer Retrospektive die gesellschaftliche Stellung der Frau vor und zur Zeit des Propheten Muh ammad sowie dessen persönliche Beziehung zum weiblichen Geschlecht. Um die Behauptung zu stützen, schon zu dieser Zeit hätten Frauen ihren Beitrag zu Musik und Poesie, aber auch Politik geleistet, nennt sie die Namen der Poetin Al-Khansā, der ägyptischen Königin Shadjārat Al-Dūrr (auch bekannt als Um Khalīl) und der Patriotin Nasībeh, die mit
Muh ammad in den Krieg zog. Über die tatsächliche Bedeutsamkeit dieser Persönlichkeiten lässt sich hier nur spekulieren, da die Autorin keine Quellenangaben macht.
Kapitel zwei behandelt unter dem Titel „Social Reforms“ die Verbesserung der Frauenrechte mit Ankunft des Islam. Die Autorin erörtert die Themen Polygamie, Scheidung und Verschleierung, verstrickt sich dabei aber in Widersprüche. Sie kritisiert die Polygamie als Herabwertung für die Frau und stellt fest, dass nur wenig gebildete Muslime mehrere Frauen heiraten; gleichzeitig lässt sie völlig außer Acht, dass auch Muh ammad mehrere Frauen hatte. Die problematischste Stelle dieses Kapitels und des gesamten ersten Teils des Werkes ist die Behauptung „Arab women were, and are still, perfectly free“ 1 . Die Autorin selbst zeigt im Folgenden etliche Beispiele, die der Definition von „perfectly free“ nicht gerecht werden. So äußert sie noch in Kapitel zwei die Hoffnung, wenn auch wenig zuversichtlich, das Kopftuch eines Tages ablegen zu können. In Kapitel drei kommt sie auf diverse Frauenbewegungen zu sprechen, z.B. den „Congress of the International Alliance of Women“ und die „Arab Woman Association“, in denen sich Musliminnen und Christinnen zusammenfanden. Hier zeigt sich erstmals der historische Charakter des Werkes, da die Autorin offensichtlich alle Aktivistinnen kennt. Nach der Autorin sind deren Bemühungen karitativ, ohne die politischen Ziele der Palästinenser aus den Augen zu verlieren; man kümmert sich z.B. um die Familien hingerichteter Rebellen. Leider werden keine Mitgliederzahlen genannt.
1 S. 43
2
In Kapitel vier schildert die Autorin die Anfänge politischer Aktivität arabischer Frauen. In Bezug auf ihre anfängliche Untätigkeit drückt die Autorin sich sehr unpräzise aus: Man habe sich in dieser Hinsicht auf die Männer verlassen, „[…] perhaps under pressure of uncontrollable circumstances […]“ 2 . Nach den Aufständen von 1929 findet am 26.10. desselben Jahres der erste Frauenkongress statt, bei dem die Balfour-Deklaration 3 als inakzeptabel zurückgewiesen wird. Eine entsprechende Erklärung wird abgegeben, die man der Frau des Hochkommissars vortragen will. Man gestattet lediglich eine Vorsprache beim Hochkommissar selbst; das Treffen mit einem Mann bedeutet für die arabischen Frauen zwar einen Bruch mit der Tradition, wird aber abgehalten. Im Anschluss daran findet die erste Frauendemonstration statt. Ein Foto dieser Demonstration ist dem Kapitel beigefügt. In Kapitel fünf wird von der Demonstration gegen den Besuch Lord Allenby’s 4 berichtet.
Das letzte Kapitel des ersten Teils beinhaltet lediglich einige Gedanken der Autorin zu Palästina, so z.B. die Überzeugung, Palästina müsse doch eigentlich ein Land des Friedens wie kein anderes sein, da es alle drei Weltreligionen in Jerusalem beherberge. Dieser Blickwinkel ist zwar erfrischend anders als sonstige Argumentationen, die meist nur anführen, alle drei Religionen hätten Besitzansprüche. Leider unterstreicht die Autorin ihren Gedankengang mit der Aussage, die Gesichter der gläubigen Muslime würden sich fünfmal am Tag gen Jerusalem richten 5 , was schlichtweg falsch ist. Die Gebetsrichtung wurde schon zu Zeiten Muh ammads von Jerusalem nach Mekka geändert. Diese Aussage, vermutlich um die Bedeutung Jerusalems für die Religionen zu betonen, lässt die Argumentationsweise der Autorin unglaubwürdig erscheinen.
2 S. 67
3 1917; die britische Regierung erklärt darin u.a. den Willen, eine nationale Heimstätte der Juden in
Palästina zu errichten.
4 Eroberer Ägyptens und Palästinas 1918
5 S. 101.
3
Kapitel sieben, das erste Kapitel des zweiten Teils, gibt Einführung in die geographische, demographische und administrative Struktur Palästinas. Außerdem geht die Autorin auf die Husain-McMahon-Korrespondenz 6 , das Sykes-Picot-Abkommen 7 und die Balfour-Deklaration ein. Sie erklärt das Sykes-Picot-Abkommen für nichtig, da es H usaīn b. ´Alī nicht vorgelegt wurde. Warum die Autorin in diesem Zusammenhang teilweise auch von „König H usaīn“ spricht, obwohl er lediglich Sharīf von Mekka war, ist unklar; zwar wurden ihm
nach dem Sykes-Picot-Abkommen Aufgaben eines Regenten zuteil, doch genau dieses Abkommen erkennt die Autorin nicht an. Weiterhin weist die Autorin ausdrücklich darauf hin, dass Präsident Wilson bei der Versailler Friedenskonferenz gefordert hatte, dem politischen Willen der Völker, die einst unter osmanischer Herrschaft gelebt hatten, gerecht zu werden. Die Autorin kritisiert, dass die europäischen Mächte ohne Hinzuziehung der Ergebnisse einer entsprechenden Untersuchungskommission ein Mandatssystem für Palästina beschlossen.
Direkte Folgen dieses Beschlusses werden in Kapitel acht geschildert. Da erste Unruhen entstehen und Frankreich die Verwaltung Syriens übernimmt, kommt es in Haifa am 13.12.1920 zum Dritten Palästinensisch-Arabischen Kongress. Folgende Doktrinen werden verabschiedet: 1. Die Verdammung der zionistischen Politik, die die Errichtung einer nationalen Heimstätte für Juden nach der Balfour-Erklärung vorsieht. 2. Die Nicht-Akzeptanz der jüdischen Einwanderung. 3. Die Einrichtung einer nationalen, repräsentativen Regierung. Die Ergebnisse des Kongresses werden von der britischen Regierung ignoriert. Beigefügt ist die Fotografie einer Demonstration in Jaffa. Von ersten Gerüchten über jüdischen Waffenschmuggel wird in Kapitel neun berichtet. Aufgeheizt wird die Lage zusätzlich, als die britische Regierung die Verfassung Palästinas verabschiedet, ohne die Bevölkerung zu Rate zu ziehen.
6 1915/16; der britische Hochkommissar Ägyptens verspricht den Arabern die Selbstständigkeit,
sollten sie Großbritannien im Krieg gegen das Osmanische Reich unterstützen.
7 Mai 1916; Frankreich und Russland beschließen in einem Geheimabkommen die Aufteilung des
Osmanischen Reiches nach Kriegsende.
4
Arbeit zitieren:
Marina Schmidt, 2007, Rezension: Mogannam, Matiel: The Arab Woman and the Palestine Problem, 2. Auflage, Hyperion Press: London, 1937, München, GRIN Verlag GmbH
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