INHALTSVERZEICHNIS
I. EINLEITUNG 3
II. ZUSAMMENFASSUNG/ WIEDERGABE DER REDE 3
a )Die Geschichte des Humanismus und seine Zielsetzung 4
b )Heidegger und das Ende des klassischen Humanismus 5
c )Die Selbst-Züchtung des Menschen nach Nietzsche 7
d )Platos Hüter im Menschenpark 8
III. DARSTELLUNG DER DEBATTE 9
a )Kritik an Peter Sloterdijk und der „Elmauer Rede“ 9
b) Die Rechtfertigung von Peter Sloterdijk 11
c )Kritische Würdigung / Eigene Meinung zu der Rede 12
IV. SLOTERDIJK WEITERGEDACHT - EIN KURZER BLICK IN DEN
MENSCHENPARK DER ZUKUNFT 13
V. LITERATURVERZEICHNIS 15
I. Einleitung
Im Jahr 1999 hielt der Philosoph Peter Sloterdijk (geb.1947) anlässlich einer Heidegger-Tagung auf dem Schloss Elmau eine Rede mit dem Titel „Regeln für den Menschenpark. Ein Antwortschreiben auf den Brief des Humanismus“.
Dieser, als „Elmauer Rede“ bekannt gewordene Vortrag sorgte in den folgenden Wochen für hitzige Diskussionen unter den Gelehrten. Bereits 1997 hatte Sloterdijk die gleiche Rede schon einmal gehalten, ohne dass sie aber sonderlich beachtet wurde, oder gar einen Skandal auslöste.
Sloterdijk versucht, in seiner Rede, auf komplizierte und oft mehrdeutige Weise sich mit dem Problem der Anthropotechnik 1 und den damit verbundenen Niedergang des Humanismus zu befassen, indem er sich nicht direkt auf aktuelle Themen, wie etwa Gentechnik und deren ethische Folgen bezieht, sondern die bekannten Philosophen Heidegger, Nietzsche und Plato zu Rate zieht.
Die folgende Facharbeit wird sich vor allem mit dem Inhalt der Rede und der entstandenen Debatte um sie beschäftigen. Das Ende der Facharbeit werden eine persönliche, kritische Betrachtung der einzelnen Standpunkte und eine kurze Weiterentwicklung der Gedanken Sloterdijks beschließen
II. Zusammenfassung/ Wiedergabe der Rede
Sloterdijk beginnt seine viel diskutierte und umstrittene Rede, indem er zunächst eine neue Definition des Humanismus und seiner Geschichte anbietet. Mit den Sätzen „Bücher, so hat der Dichter Jean Paul einmal bemerkt, sind dickere Briefe an Freunde. Mit diesem Satz hat er Wesen und Funktion des Humanismus quintessentiell und anmutig beim Namen genannt: Er ist Freundschaftsstiftende Telekommunikation im Medium der Schrift.“ 2 offenbart eine völlig neue Ansicht der Thematik. Er charakterisiert im Folgenden den Humanismus völlig neu, nämlich als eine Textkultur, ausschließlich bestehend auf dem geschrieben bzw. gedruckten Wort.
1 eigene Wortneuschöpfung, meint etwa Humangenetik
2 Sloterdijk, S.7
a)Die Geschichte des Humanismus und seine Zielsetzung
Diese Botschaft des Humanismus habe seinen Anfang vor mehr als 2500 Jahren in Griechenland gefunden und sei über die griechischen Sender über die Epochen hinweg und trotz Fehlern in der Interpretation und Wiedergabe an römische Freunde oder Empfänger gesendet worden. Die Botschaft habe, durch das erneute niederschreiben auch über den Zerfall des Groß-Römischen-Reiches hinaus erhalten werden können. Bis zu diesem Zeitpunkt sei der Humanismus eine Auffassung gewesen, die von einer speziellen, kleinen Gruppe vertreten wurde. Die Humanisten selber beschreibt er zunächst als Zugehörige einer „Sekte der Alphabetisierten“ 3 . „Das Muster der literarischen Gesellschaft“ 4 , wie Sloterdijk den Humanismus auch bezeichnet, habe sich schließlich aber in den Nationalstaaten des 19. und 20. Jahrhundert zum Standart in der politischen Gesellschaft ausgeweitet. Die Nationen hätten sich von nun an in „durchalphabetisierten Zwangsverbände, die auf eine jeweils im Nationalraum verbindlichen Lektürekanon eingeschworen wurden“ 5 organisiert.
Die Blütezeit dieses literarisch-bürgerlichen Humanismus macht Sloterdijk in den Jahren 1789 bis 1945 fest, in denen die Macht der Lehrer und Autoren ungebrochen war, der wahren Substanz des bürgerlichen Humanismus nachzukommen. Diese Substanz war, laut Sloterdijk, „die Vollmacht, der Jugend die Klassiker aufzuzwingen und die universelle Geltung nationaler Lektüren zu behaupten.“ 6
Das Ende dieser Zeit ist nach Sloterdijk nicht etwa auf die Faulheit oder den Unwillen der Menschen sich mit Literatur zu beschäftigen zurückzuführen, sondern auf die Unfähigkeit der Literatur in einer Multimedialengesellschaft und Massenkultur ein telekommunikatives Band zwischen den Menschen zu knüpfen. Sloterdijk erkennt, dass die Literatur neben den neuen Medien lediglich eine untergeordnete Rolle in der heutigen Gesellschaft spielt und dass dies folgenschwere Konsequenzen für den Humanismus hat. Er sieht die Grundlagen der heutigen Gesellschaft als post-/marginal- literarisch und post-/marginal- epistologisch und folglich als post-humanistisch an.
Im nun folgenden Abschnitt der Rede sieht Sloterdijk das Ziel des Humanismus darin, der „Bestialisierung der Menschen“ 7 entgegen zu wirken. Seiner Ansicht nach versucht der
3 Sloterdijk, S.11
4 Sloterdijk, S.11
5 Sloterdijk, S.11
6 Sloterdijk, S.13
7 Sloterdijk, S.16
Humanismus den in jedem Menschen tobenden Kampf zwischen tierischen und menschlichen Tendenzen zugunsten der menschlichen zu entscheiden und den Menschen durch die Literatur zu entbestialisieren. Als Gegenpol zu den „entbestialisierten“ Lektüren stellt er die römischen Gladiatorenkämpfe (die sich aber in der heutigen Zeit durch Action-Filme ect. ersetzen lassen) als Unterhaltung für die Bestie im Menschen.
Mit dieser Sicht der Dinge formuliert Peter Sloterdijk die Frage nach dem Humanismus unumgänglich als Medienfrage, wenn Medien als „kommunionale und kommunikative Mittel“ 8 aufgefasst werden, durch die jeder Mensch seinen Charakter zu formen vermag.
b)Heidegger und das Ende des klassischen Humanismus
Nach der Bestimmung des Zieles des Humanismus und dem Aufstellen der These über das Ende des Humanismus begibt sich Sloterdijk im anschließenden Teil seiner Rede an die Interpretation des ersten von drei Philosophen: Martin Heidegger und dessen Arbeit „Über den Humanismus“ (geschrieben 1946). In der Aufgabe des Wortes Humanismus, welche Heidegger in einem Schreiben an einen Kollegen fordert, erkennt er eine Strategie Heideggers „die wirkliche Denkaufgabe, die in der humanistischen oder metaphysischen Tradition bereits als gelöst erschienen wollte, in ihrer anfänglichen Einfachheit und Unausweichlichkeit“ 9 neu zu überdenken. Gemeint ist damit schlicht die Frage, wie man den Humanismus nach den Ereignissen des 2.Weltkreiges noch als Lösung ansehen kann. Sloterdijk ist der Meinung, dass für Heidegger Christentum, Marxismus und Existentialismus lediglich Unterordnungen und Spielarten des Humanismus seien, die aber dennoch keine Antwort auf das Wesen des Menschen bieten würden, sondern sie lediglich umgingen. Heidegger bescheinige dem Humanismus weiterhin, „Agent eines zweitausendjährigen Nichtdenkens zu sein“ 10 und die eigentliche Antwort auf die Frage nach dem Wesen des Menschen blockiert zu haben. Er sähe die große Schwäche des Humanismus darin, die Menschlichkeit des Menschen nicht hoch genug anzusetzen, sondern in als animal rationale zu bezeichnen, also lediglich als ein Tier mit zusätzlichen geistigen Faktoren bzw. Einflüssen. Dass diese Verneinung des Humanismus nicht zu einem Inhumanismus führt, begründe Heidegger damit, dass „der Mensch der vom Sein selbst Angesprochene und […] zu seiner
8 Sloterdijk, S.19
9 Sloterdijk, S.23
10 Sloterdijk, S.24
Arbeit zitieren:
Stephan Happel, 2004, Die Züchtung eines Übermenschen? Darstellung und kritische Würdigung der Debatte um Peter Sloterdijks Regeln für den Menschenpark, München, GRIN Verlag GmbH
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