2
Inhalt
1. Einleitung 3
2. Definition des Terminus „Vulgärlatein“ 4
3. Quellen des Vulgärlateins 6
3.1. Intendiert verwendetes Vulgärlatein 6
3.2. Nicht intendiert verwendetes Vulgärlatein 6
3.3. Romanische Sprachen 7
4. Sprachliche Eigenschaften 8
4.1. Phonologie 8
4.2. Morphologie 9
4.3. Syntax 10
4.4. Lexikologie 11
5. Fazit 12
6. Literaturverzeichnis 13
3
1. Einleitung
Will man heutzutage wissen, wie im Lateinischen die eine oder andere Substantiv- oder Verbform, wie dieser oder jener Satz konstruiert wird, so schlägt man in einer der zahlreichen Schulgrammatiken der lateinischen Sprache nach. Durch ihren normativen Charakter lehren sie uns, was richtig ist und was nicht. Man mag sich dabei aber fragen, mit welchem Recht die Entscheidung über die Richtigkeit in einer Sprache, die seit vielen Jahrhunderten niemand mehr als Muttersprache erlernt, gefällt werden kann. Die Grammatiker legitimieren ihre Regelung des Lateinischen durch intensive Auseinandersetzung mit den beiden klassischen Autoren Cäsar und Cicero. Demzufolge bildet deren individueller Stil die Grundlage für das Schullatein. 1
Im Sinne der didaktischen Reduktion mag diese willkürliche Einengung des Blickfelds für den Fremdsprachenerwerb annehmbar sein, aus sprachwissenschaftlicher Sicht aber müssen weitere Aspekte der lateinischen Sprache berücksichtigt werden. Vor allem die gesprochene Sprache rückt dabei ins Interesse der (romanistischen) Sprachwissenschaft. Vergleicht man einige romanische Sprachen miteinander, fallen zahlreiche Gemeinsamkeiten auf, die ganz und gar nicht mit dem klassischen Latein vereinbar sind. Daher muss es eine Sprachvarietät gegeben haben, welche man wissenschaftlich als Vulgärlatein bezeichnet.
Im Folgenden soll eine genauere Definition des Vulgärlateins gegeben, die Quellenlage dargestellt und daran eine exemplarische Sprachbeschreibung des Prototyps „Vulgärlatein der Romania“ unternommen werden.
1 Vgl. z.B. Rubenbauer, Hans/ Hofmann, J.B. ( 12 1995): Lateinische Grammatik. Bamberg-München, S. 3.
4
2. Definition des Terminus „Vulgärlatein“
1866 führte der Romanist Hugo Schuchardt den Fachterminus „Vulgärlatein“, den er vom lateinischen sermo vulgaris ableitete, in die Sprachwissenschaft ein. 2 Dieser Aus-
druck wird von manchen Linguisten abgelehnt, da das Adjektiv „vulgär“ im Allgemeinen eine abwertende Konnotation hat. Tatsächlich ist vulgaris das Adjektiv zum lateinischen vulgus, das soviel wie „niederes Volk“ oder „Pöbel“ bedeutet. In der Antike wurde dieses Wort allerdings nicht nur abwertend 3 sondern auch ganz neutral 4 verwendet.
Alternativ wären folgende Ableitungen möglich: Latein des einfachen Volkes (sermo proletarius/plebeius), Alltagslatein (sermo cotidianus), umgangssprachliches Latein (sermo familiaris), ländliches Latein (sermo rusticus) und Verkehrslatein (sermo peregrinus). 5 Diese Ausdrücke können jedoch nur als Hyponyme verwendet werden. Nichts-
destotrotz veranschaulichen sie die Dimensionen des Vulgärlateins, denn sie charakterisieren verschiedene Varietäten im Bereich des Diastratischen (rusticus, proletarius, und plebeius, evtl. auch vulgaris), im Bereich des Diatopischen im gesamten Imperium Romanum (peregrinus, evtl. auch rusticus) und im Bereich des Diaphasischen (cotidianus, familiaris).
Demgemäß kann der Terminus „Vulgärlatein“ auf jede Art der gesprochenen Nähesprache aller Lateinsprecher angewendet werden. Tatsächlich finden sich auch in Ciceros Briefen Elemente des sermo familiaris in einer dennoch weitgehend distanzierten Schriftsprache. Doch diese subtilen Abweichungen von der puritas 6 sollen hier nicht
näher untersucht werden. Es ist, wenn man so will, nur eine besonders schwache Varietät des Vulgärlateins.
2 Vgl. Klare, Johannes (2005): Französische Sprachgeschichte. Stuttgart, S. 22.
3 Z.B. Cicero: Academica (1.2) “qui nulla arte adhibita […] vulgari sermone disputant”.
4 Z.B. benannte Hieronymus seine lateinische Bibelübersetzung für das Volk Vulgata.
5 Zit. n. Klare a. a. O., S. 22,
Sokol, Monika (2001): Französische Sprachwissenschaft. Eine Einführung mit thematischem Reader. Tübingen, S. 188.
6 Unter puritas versteht man die reine Form des klassischen Lateins.
Arbeit zitieren:
Christian Koch, 2006, Vulgärlatein, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Ein kurzer Überblick
Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde
Seminararbeit, 16 Seiten
Antonin Artaud: Vom Surrealismus zum Mythen-Theater der Moderne
Hausarbeit, 20 Seiten
Identität und Einstellungen im frankophonen Kanada
Romanistik - Französisch - Sonstiges
Forschungsarbeit, 36 Seiten
Management interculturel: Comparaison du management et de l'organi...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit, 39 Seiten
Antonin Artaud - Vom „Theater der Grausamkeit“ zum „Theater des Unbeha...
Exposé
Seminararbeit, 11 Seiten
Die Bedeutung des Benediktinerordens für die Entwicklung der deutschen...
Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
Seminararbeit, 15 Seiten
Gleich und trotzdem verschieden : Der dimensionale Kulturvergleich bei...
Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)
Hauptseminararbeit, 40 Seiten
Martin Luthers Schriftsprache - Der lange Weg zum heiligen Wort
Hausarbeit, 15 Seiten
Antonin Artauds "Theatre de la Cruauté" - kann es heute ein...
Hausarbeit, 11 Seiten
Weltbild und Literatur – Motivation für das Interesse an der Welt am B...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hauptseminararbeit, 33 Seiten
Sprachkontakte des Französischen in Quebec
Francais Québécois - Das Franz...
Französisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hauptseminararbeit, 26 Seiten
Semantische Integration, Akzeptanz und Entlehnungsmotive von Anglizism...
Romanistik - Französisch - Linguistik
Seminararbeit, 39 Seiten
Über das Problem der Sprachnorm und den Status des Joual in Québec
Romanistik - Französisch - Linguistik
Seminararbeit, 15 Seiten
Christian Koch hat den Text Vulgärlatein veröffentlicht
Christian Koch hat einen neuen Text hochgeladen
Vom Vulgärlatein zu den romanischen Einzelsprachen
Überlegungen zur Aufgliederung...
Wolfram Euler
Einführung in die französische Sprachwissenschaft
Ein Lehr- und Arbeitsbuch
Horst Geckeler, Wolf Dietrich
Einführung in die Romanische Sprachwissenschaft
Französisch, Italienisch, Span...
Anja Platz-Schliebs, Emilia Merino Claros, Natascha Müller
Romanistik in Schule und Universität
Akten des Diskussionsforums "R...
Bettina Bosold-DasGupta, Andre Klump
Was kann eine vergleichende romanische Sprachwissenschaft heute leiste...
Romanistisches Kolloquium XX
Wolfgang Dahmen, Günter Holtus, Johannes Kramer, Michael Metzeltin, Wolfgang Schweickard, Otto Winkelmann
0 Kommentare