Inhalt
1. Einleitung
2. Kommunikative Isolation
3. Dialoganalyse
3.1 Selbstgespräch
3.2 Lottes Suche nach Meggy
3.3 Meggy und Lotte I
3.3 Zwischenspiel
3.4 Meggy und Lotte II
4. Szenische Metapher
5. Schluß
Literatur
3
1. Einleitung
Das vorliegende ausgearbeitete Referat beschäftigt sich mit dem Theaterstück "Groß und Klein" von Botho Strauß. Der Schwerpunkt liegt auf den thematisierten Kommunikationsstörungen und -formen, wie sie Strauß in der vierten Szene anhand eines Dialogs an der Gegensprechanlage vorführt. "Groß und Klein", uraufgeführt an der Berliner Schaubühne im Jahre 1978, ist in zehn Szene unterteilt: Marokko, Nachtwache, Zehn Zimmer, Groß und Klein, Station, Familie im Garten, Falsch verbunden, Diktat, Der eklige Engel, In Gesellschaft.
Die seperaten Szenen werden lose durch die Protagonistin Lotte aneinander gebunden. Lotte wandelt von einer Szene in die nächste, von einem "Ort der bundesdeutschen Beton-, Verwaltungs-, Konsum- und Freizeitkultur" 1 wie es im Kindlers Neuen Literatur Lexikon heißt, von einer Station zur anderen. Mit dramaturgischen Mitteln wird die von Strauß prognostizierte Vereinzelung des Individuums dargestellt. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Stationsdrama mit subjektiver, expressiver Dramaturgie. 2
2. Kommunikative Isolation
Es geht in dem Stück darum, daß Menschen unfähig erscheinen, miteinander anteilnehmend in Kontakt zu kommen. Dieses Thema wird von Strauß in eine Vielzahl von Facetten unterteilt. Das dramaturgische Mittel ist die Grafikerin Lotte, die während des Handlungsverlaufs in den einzelnen Stationen versucht, ihre kommunikative Isolation zu durchbrechen.
In der Szene "Marokko" redet Lotte mit sich selbst und belauscht ein Gespräch, dessen Adressat sie nicht ist. In "Nachtwache" führt sie ein oberflächliches Gespräch am Fenster. Lottes Gesprächspartnerin wirft ihr zweckgebundene Kommunikation und reine Konversation vor.
In der Szene "Zehn Zimmer" irrt Lotte durch die Wohngemeinschaft ihres Mannes Paul Liga, von dem sie getrennt lebt. In jeden Zimmer werden verschiedene Formen der Kommunikation und Kommunikationskooperation durchgespielt. In einem Zimmer trifft sie auf ein Zelt, in dem ein Mädchen wohnt, welches nur durch Bewegungen des Zelts auf Lotte reagiert. Als Lotte sich um das Mädchen kümmert, wird sie von einem Bewohner auf die stillschweigende (!) Hausordnung hingewiesen: "Im Prinzip kommt hier jedes Zimmer allein zurecht [...]. Nicht soviel Getue."
Der Höhepunkt der Szene ist der Diaabend. Ein ältes Ehepaar zeigt den Hausbewohnern Dias, die den normalen Tagesablauf des Ehepaars abbilden. Die Hausbewohner erfahren die Wirklichkeit des alten Ehepaares aus der zweiten Hand. Sie führen ein sekundäres Leben und können ihre Isoliertheit von der Gesellschaft nicht aufheben. 3 Es entsteht der Eindruck, daß nicht nur die Kommunikation, sondern das Leben vermittelt ist. Als Zeichen dafür setzt Strauß den Fernsehapparat ein, den Lotte während der Szene "Zehn Zimmer" mit sich herumträgt. Von ihm malt sie sogar ein Tennisspiel ab.
1 Kindlers Neues Literatur Lexikon. Stichwort: Botho Strauß/Groß und Klein.
2 Vgl. Faber (1992). S. 249.
3 Kleines deutsches Dramenlexikon. Stichwort: Botho Strauß/Groß und Klein
Arbeit zitieren:
Tankred Stachelhaus, 1998, Botho Strauß: "Groß und klein" - Kommunikationsstörungen, München, GRIN Verlag GmbH
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