Gliederung
Gliederung 2
Einleitung. 4
1 Nationalsozialismus und Wissenschaft. 5
1.1 Rassentheorie 5
1.1.1 Inhalt: 5
1.1.2 Die „wissenschaftlichen“ Konstrukte der NS-Rassenideologie 5
1.1.3 Rassentypologien und Rassentheorien. 5
1.2 Sozialdarwinismus 6
1.2.1 Kritik: 6
1.2.2 Ideologie: 7
1.2.3 Rechtfertigung der Überlegenheit der nordischen Rasse: 7
1.3 Lebensraumtheorie. 7
1.3.1 Friedrich Ratzels Lebensraumtheorie (1901) 8
1.3.1.1 Naturalistischer Fehlschluss. 8
1.4 Eugenik, Rassenhygiene und Euthanasie. 9
1.4.1 Ursprung des Konzepts: 9
1.4.2 Eugenik in Deutschland 9
1.4.2.1 Historischer Hintergrund: Industrialisierung in Deutschland: 9
1.4.2.2 Bereits im wilhelminischen Kaiserreich: 9
1.4.3 Eugenische Forschung: 10
2 Die nationalsozialistische Wissenschaftspolitik und ihre Folgen. 11
2.1 Gleichschaltung und “Entjudung“ 11
2.2 Forschungslenkung 11
2.3 Folgen für die deutsche Wissenschaft. 12
2.3.1 Nachteile hatten (einige Beispiele): 12
2.3.2 Einfluss auf Deutschlands wissenschaftliche Stellung: Behauptungen 12
2.3.3 Nachweis: 12
2.3.4 Militarisierung der Wissenschaft 13
2.3.5 Nützliche Disziplinen wurden gefördert: 13
3 Altorientalistik „Wissenschaftliche Beweise“ für die nationalsozialistische
Ideologie 14
Altorientalistik 14
Eigene Forschungsinstitute: 14
3.1 Welteislehre 14
3.1.1 Integration der Welteislehre in die NS-Ideologie: 15
3.2 Thule 15
4 Die Rolle der Wissenschaftler im Dritten Reich. 16
4.1 Menschenversuche. 16
4.2 Wissenschaftler und Nationalsozialismus. 16
4.2.1 Wissenschaftler als Opfer 16
4.2.2 Wissenschaftler als Täter 17
4.2.3 Wissenschaftler als Opportunisten. 17
4.3 Fazit: 18
5 Zusammenfassung. 19
5.1 I Wissenschaft und Nationalsozialistische Ideologie. 19
5.2 II Die NS-Wissenschaftspolitik und ihre Folgen 19
5.3 III Die Rolle der Wissenschaftler im Dritten Reich. 19
6 Anlage: 20
Quellenanalyse : H. Weinert (1934) 20
6.1 Zitate und Auffälligkeiten. 20
6.2 Interpretation: 22
7 Quellen 23
Einleitung
„Die bisherige Forschung hat eine Auseinandersetzung mit dieser Problematik [wissenschaftlicher Antisemitismus] durch die vereinfachende, pauschale Bezeichnung als "pseudowissenschaftlich" eher vermieden und das Thema zu entschärfen versucht.“ (Dr. Dirk Rupnow)
In diesem Referat stelle ich die Wissenschaftspolitik der Nationalsozialisten dar und diskutiere ihre Auswirkungen. Dabei liegt mein Schwerpunkt auf den Versuchen, die nationalsozialistische Ideologie wissenschaftlich zu rechtfertigen. Abschließend diskutiere ich, welche Rolle die Wissenschaftler im Nationalsozialismus spielten.
1 Nationalsozialismus und Wissenschaft
„Der Nationalsozialismus war keine Philosophie und keine rational begründete Ideologie. Es war eine Weltanschauung, die nicht notwendig begründet werden mußte, solange sie nur befolgt und gelebt wurde.“ (Hans Fischer 1990)
1.1 Rassentheorie
1.1.1 Inhalt:
• Arier (ursprüngliche Sprecher der indogermanischen Sprachen) bildeten eine eigene Rasse.
• Diese sei mit den nordischen Völkern identisch.
• Überlegenheit der Arier
• Starker Antisemitismus: Juden als Rasse
1.1.2 Die „wissenschaftlichen“ Konstrukte der NS-Rassenideologie
• Verwendung des Begriffs „Arier“, der von allen ernsthaften Rassenforschern abgelehnt wurde
o „Heute ist die Bezeichnung arisch wissenschaftlich unbrauchbar geworden und
• Verfolgung der Zigeuner (Roma und Sinti), obwohl sie „Arier“ sind (Abstammung aus Indien, Sprachen sind Dialekte des Sanskrit)
• Behauptung Rasse liege im Blut begründet, obwohl, bereits nachgewiesen war, dass der Zellkern der Träger der Erbinformation ist (sogar Chromosomentheorie)
• Lehre vom „nordischen Blut“, obwohl die Blutgruppenverteilung dagegen sprach
• Mythische Konzepte (z. B. „Rassenseele“) ohne Bezug zur Wissenschaft i
1.1.3 Rassentypologien und Rassentheorien
o Hitlers Rassentypologie:
o alle kulturellen Leistungen seien von Ariern erbracht wurden; kultureller Einfluss
o Juden, Roma und Sinti werden von Hitler teilweise als Halbaffen bezeichnet ii
• Einteilung in „höhere“ und „niedere“ Rassen, aufgrund äußerer Merkmale,
o „Es kann also der Fall vorliegen, dass die am Körper eines Menschen feststellba-
o „Wirkönnen einem Menschen nicht nach dem Kopfindex nachrechnen, ob er für
• Grundlegender Fehler: Vernachlässigung der Varianz innerhalb der Rassen
• Gestützt von der Erkenntnis, dass nicht alle Menschen gleich sind und die Unterschiede zum Teil auch genetisch bedingt sind.
1.2 Sozialdarwinismus
• Fehlinterpretation der Lehre Darwins:
1. Überleben des Bestangepassten wurde zu „Recht des Stärkeren zu überleben“
1.2.1 Kritik:
• Naturalistischer Fehlschluss von Naturbeobachtung auf Handlungsvorschriften des Menschen
• Behandlung von Völkern/ Rassen/ Gesellschaften wie Individuen
• Der Natur ist es egal, ob eine Rasse/ ein Volk überlebt, den Menschen könnte es ebenfalls egal sein
• Grundlegendes Missverständnis der Evolution: Nicht Individuen, Arten, Rassen oder Völker sind egoistisch, sondern Gene
• Vermengung von Rassen ist ebenfalls eine biologische Tendenz
Ernst Haeckel (1834-1919): Sozialdarwinismus in Deutschland, Nationalsozialisten griffen auf einige seiner Aussagen zurück
1.2.2 Ideologie:
o Kolonialisierung und Auslöschung indigener Völker wird als Beweis für die Überlegenheit der weißen Rasse gesehen (Indianer, Aborigines)
o Angst, von „minderwertigen Rassen“ beherrscht zu werden
o Legitimation des Genozids
1.2.3 Rechtfertigung der Überlegenheit der nordischen Rasse:
pseudo-darwinistische Begründung der Überlegenheit der nordischen Rasse:
• Überlegenheit der nordischen Rasse wegen stärkerem Selektionsdruck (Thomas Huxley (1825-1895, Darwins Bulldogge) und William McDougall (1871-1939), beide Engländer)
Entwicklung von kulturellen Techniken Schnellere Elimination von Schwachen und Unintelligenten 1
1.3 Lebensraumtheorie
Blut und Bodenideologie: Das Blut (=die Rasse) ist die Legitimation eines starken Volkes sich auszudehnen (zentrales Dogma der NS-Ideologie)
Am 23.November 1939 führte Hitler vor seinen Oberbefehlshabern aus:
1 Wenn diese Argumentation zuträfe, dann müssten die Inuit die intelligenteste „Rasse“ sein. Die Behaup-
tung ist nicht mit dem empirischen Ergebnis vereinbar, dass die mittlere Intelligenz von Asiaten höher ist, als die
von Weißen Europäern/ Amerikanern (Reynolds, C. R., Chastain, R. L., Kaufman, A. S. and Mclean, J. E. (Win
1987). "Demographic Characteristics and IQ among Adults - Analysis of the WAIS-R Standardization Sample
as a Function of the Stratification Variables". Journal of School Psychology 25 (4): 323-342.
DOI:10.1016/0022-4405(87)90035-5.)
„Die steigende Volkszahl erforderte größeren Lebensraum. Mein Ziel war, ein vernünftiges Verhältnis zwischen Volkszahl und Volksraum herbeizuführen. Hier muß der Kampf einsetzen. Um die Lösung dieser Aufgabe kommt kein Volk herum oder es muß verzichten und allmählich untergehen.“ v
Es wird propagiert, dass der Lebensraum nicht ausreiche; ab 1937 herrschte - insbesondere in der Landwirtschaft - Arbeitskräftemangel
Bereits 1932: Entschließung des deutschen Ärzteverbandes zur Rassenhygiene (September 1932):
„Die Verbreitung und Vertiefung erbkundlicher Kenntnis und Lebensauffassung durch eine bessere Ausbildung der Ärzte in der Eugenik und durch die Aufklärung des ganzen Volkes ist angesichts des bedrohlichen Geburtenrückganges als unentbehrliche Vorbedingung zur Erhaltung des gesunden Erbgutes in unserem Volke mit allen Mitteln in die Wege zu leiten.“ vi
Dieser Lebensraum sei im Osten zu finden (minderwertige Ostrassen)
1.3.1 Friedrich Ratzels Lebensraumtheorie (1901)
• Friedrich Ratzel (1844-1904)
• Anthropogeografie (Verhältnis von Raum und Mensch) und politische Geografie
• Enge, spirituelle Verbindung zwischen Raum und Volk
• Völker sind Organismen mit einem „natürlichen Expansionstrieb“
• Expansion = organisches Wachstum; = Zeichen von Gesundheit
• Besetzung von ökologischen Nischen Verdrängung der anderen Arten;
• Anpassung an die ökologische Nische Bevölkerungswachstum Weiterziehen
Naturalistischer Fehlschluss 1.3.1.1
• „Geschichte ist ein permanenter Kampf um Lebensraum“
Sozialdarwinismus:
• Völker auf starkem Boden entwickeln großartige Kultur gewinnen Raum (als Lebensraum, ökonomische Stütze oder kulturelles Einflussgebiet)
• Völker, die „auf schwachem Boden“ stehen, werden ausgerottet
Naturalistischer Fehlschluss
• Direkter Einfluss auf Hitler und die NS-Geopolitik: Staat als Organismus, Lebensraumkonzept, Expansionspolitik, Blut-und-Boden-Ideologie vii viii ix x
1.4 Eugenik, Rassenhygiene und Euthanasie
• 14. Juli 1933: Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses xi
• Zwangssterilisation, Isolation (Arbeitslager) und Vernichtung von Personen mit unerwünschten Genen (Fremdrassige, psychisch Kranke, Erbkranke)
1.4.1 Ursprung des Konzepts:
• Francis Galton (1822-1911): GB
• Studien zu „Anlage oder Umwelt“, erste Zwillingsstudien
• Ergebnis: Anlage sei wichtiger als Umwelt
• Schlussfolgerungen:
1.4.2 Eugenik in Deutschland
• Entstehung im 19. Jahrhundert: Im wilhelminischen Kaiserreich
• Begründer: Wilhelm Schallmayer (1857-1919) und Alfred Ploetz (1860-1940)
1.4.2.1 Historischer Hintergrund: Industrialisierung in Deutschland:
• Rasante Bevölkerungsentwicklung: 1816: 24,83 Mill.; 1914: 67,81 Millionen
• steigendes Wohlstandsniveau: bessere medizinische Versorgung + Sozialsystem
1.4.2.2 Bereits im wilhelminischen Kaiserreich:
• Mangelnde Bereitschaft die Entwicklung aufzufangen
• Psychiatriekasernen (eher Gefängnisbedingungen als Heil- und Pflegeanstalt)
• Überlebensquote. 22,5-54%
1.4.3 Eugenische Forschung:
• Nachweis, dass bestimmte Krankheiten vererbt werden
• Untersuchung der Vererbung dieser Krankheiten
• Befinden sich die Kulturvölker in einer Degeneration?
• Feststellung des gesundheitlichen Zustands und dessen Entwicklung (z. B. Wehrstatistik)
•
Auswirkungen der Lehre von Malthus
•
Nachrechnung, welche Kosten der Gesellschaft entstehen
•
(Kaiser, Nowak, & Schwartz 1992 xiii )
2 Die nationalsozialistische Wissenschaftspolitik und ihre Folgen
2.1 Gleichschaltung und “Entjudung“
• März-April 1933: Gleichschaltung der Länder Gleichschaltung der Universitäten
• April 1933: Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums
schaftler, teilweise bis zu 30%) werden entlassen
2.2 Forschungslenkung
• Besetzung von Lehrstühlen mit Anhängern der NS-Ideologie: Hans J. K. Günther erhielt gegen den Widerstand der Universität Jena Lehrstuhl für Sozialanthropologie
• Mittelvergabe und Kontrolle:
• Mittelvergabe, Auszeichnungen und Berufungen
• Kontrolle: Unterbindung von der die Weltanschauung gefährdenden Forschung („Dienststelle für die Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Erziehung der NSDAP“, „Parteiamtliche Prüfungskommission zum Schutz des nationalsozialistischen Schrifttums“)
• Zahlreiche Organisationen Bindung an die NSDAP
2.3 Folgen für die deutsche Wissenschaft
2.3.1 Nachteile hatten (einige Beispiele):
• Physik
• Mathematik
• Psychologie
2.3.2 Einfluss auf Deutschlands wissenschaftliche Stellung: Behauptungen
• 1939: Zeitschrift „Chemische Industrie“ stellt fest, dass Deutschland seine füh-
• VerbreiteteAnsicht: Nationalsozialisten (Hitler) hielten nicht viel von Wissenschaft
• Schweizer Bericht über die Einflussnahme der Nationalsozialisten auf die For-
2.3.3Nachweis:
• Etat
1934: 73,2 Millionen Reichsmark () für Forschung (=517,5 Millionen €) xv 1934: Etat des Propagandaministeriums>69 Millionen Reichsmark 2005: Forschungsetat von Bund und Ländern>29,8 Mrd. € (57,6-facher Betrag)
• Anteil der Nobelpreise, die an Deutsche Wissenschaftler vergeben wurden:
xvi
• Rückgang der Studierendenquote (bedingt durch Studienbeschränkungen)
o 1933: 115’197 Studierende
o SS 1939: 56'477 Studierende
• Anzahl von Promotionen und Habilitationen ging zurück
• Absinken der Prüfungsleistungen von Studenten (Propaganda und Kriegsvorbereitung vs. Bildung)
• Ingenieurmangel (rückläufige Absolventenquote)
2.3.4 Militarisierung der Wissenschaft
• Kriegschemie, Kriegsgeografie, Kriegsgeologie, Kriegsmathematik, Kriegsphysik, Kriegspsychologie, Kriegsmedizin
• „Wir müssen Kleinarbeit leisten für den Ausbau des Weges, den der Führer uns
2.3.5 Nützliche Disziplinen wurden gefördert:
Disziplinen, die als praktisch wichtig empfunden wurden waren im internationalen Vergleich modern und gehörten zur Spitzengruppe:
3 Altorientalistik „Wissenschaftliche Beweise“ für die nationalsozialistische Ideologie
Altorientalistik
•
Nachweis, des arischen Einflusses auf große Kulturen: „arische Reiche“ in
Eigene Forschungsinstitute:
• Reichsinstitut für Geschichte des neuen Deutschland: rassistische und antisemitische Geschichtsinterpretation
o Juden als Urheber von Missständen (Brunnenvergiftung)
o Geschichte als Kampf gegen die Juden
o Anwendung der Rassenlehre auf die Geschichte
• Ahnenerbe
• offiziell „Studiengesellschaft für Geistesurgeschichte Deutsches Ahnenerbe e.V.“
• gegründet im Juli 1935 von Himmler (legte Aufgaben fest), Wirth und Darré
• Forschungs- und Lehrgemeinschaft der SS (offiziell erst ab 1939)
• Ziele:
3.1 Welteislehre
• verkündet seit 1894 von Hans Hörbiger (1860-1931, Österreicher Kälteingenieur)
• Hitler und Himmler waren überzeugte Anhänger
• Himmler: „unsere nordischen Vorfahren erstarkten inmitten von Eis und
• simples, überschaubares Weltbild als Gegenentwurf zur „Verjudung der Wissenschaft“ (gemeint ist vor allem die moderne Physik Einsteins)
• Grundthesen:
3.1.1 Integration der Welteislehre in die NS-Ideologie:
• Arier gelangten durch einen Eiskometen auf die Erde --> entwickelten sich
• Die germanische Hochkultur wurde zerstört als ein früherer Mond auf die Erde stürzte
• zyklisches Weltbild der Welteislehre --> Wiederkehr der arischen Hochkultur
3.2 Thule
• Ursprung: Helena Blavatsky: „The secret Doctrine“, 1888 in den USA: „Die arische Rasse wurde im fernen Norden geboren.“, das „arische Element“ in der „Rasse der Atlanter“
• Dr. Wilhelm Dahm: Thule (Insel im Norden Europas) sei der Ursprungsort der arischen Rasse; bewohnt von riesigen arischen Herrenmenschen, mit dem Kosmos magisch ver-bunden. Den Menschen des 20. Jh. psychisch und technologisch überlegen xix
• Zielstellungen des Ahnenerbes:
o Nachweis, dass die arische Hochkultur und Thule existiert haben
o Entdeckung des verloren gegangenen Wissens der arischen Hochkultur
• Methoden:
o Expeditionen nach Island (Thule) und Südamerika (Atlantis)
o Studium der Edda
o Rassenforschung an den nordischen Menschen
4 Die Rolle der Wissenschaftler im Dritten Reich
4.1 Menschenversuche
• Unterdruckversuche (Luftwaffe): Terminaler Versuch, Verweilen in großen Höhen (Abbildung): Sigmund Rascher, KZ Dachau
• gewissenloses Karrierestreben
• Senfgasversuche (bereits im Ersten Weltkrieg eingesetzter chemischer Kampfstoff): „Verhalten von Gelbkreuz (Lost) in lebenden Organismen“
• Fleckfieberversuche: Wirksamkeitsstudie für Impfstoffe, mit ungeimpfter Kontrollgruppe und Personen, die infiziert wurden, um die Bakterien am Leben zu erhalten (450+120 Teilnehmer)
• Hirts „jüdische Skelettsammlung“: Auswahl von 115 KZ-Häftlingen, die sofort vergast wurden
• Mengeles Zwillingsversuche (Untersuchung der Schmerzempfindlichkeit, Reaktion auf Infektionen und Bluttransfusionen)
• Gasbrandversuche: Zufügen tiefer Schnittwunden, Infektion der Wunden, (Hinzufügen von Holz- und Glassplittern), Behandlung mit Sulfonamiden (unwirksam)
• Kälteversuche von Rascher: Forschungsauftrag: „Wiedererwärmung bei allgemeiner Abkühlung des menschlichen Körpers, Heilung bei teilweisen Erfrierungen, Kälteanpassungen des menschlichen Körpers“, 80 von 300 Häftlingen starben, Überlebende wurden erschossen xx xxi xxii
4.2 Wissenschaftler und Nationalsozialismus
4.2.1 Wissenschaftler als Opfer
4.2.2 Wissenschaftler als Täter
• Antijüdische Tendenzen gab es an vielen Universitäten bereits vorher, z. B. Universität Tübingen: Vermeidung jüdischer Professoren und jüdischer Studenten
• Bereits in der Weimarer Republik waren sozialdarwinistische, militant völkische und rassistische Vorstellungen in weiten Teilen des akademischen Milieus verbreitet und gesellschaftsfähig.
• Viele Professoren waren konservativ oder anti-republikanisch
• Unterstützung durch völkisch-rassische Forschung und Lehre
• 5. März 1933: „Bekenntnis der Professoren zu Adolf Hitler“
• Selbstgleichschaltung wissenschaftlicher Organisationen (u.a. DFG und Studentenorganisationen Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund)
• 10. Mai 1933: Deutsche Studentenschaft und NS Deutscher Studentenbund organisieren die Bücherverbrennung
• Wissenschaftler denunzierten Kollegen
• Wertemangel wird deutlich, wo sich Möglichkeiten ergeben.
• Unterstützung des NS-Regimes auch während des Krieges:
„Als die NS-Führung den II. WK entfesselte, konnte sie damit rechnen, dass die Mehrheit der wissenschaftlichen Intelligenz auch weiterhin ihr Regime unterstützen würde. Damit erreichte die Wissenschaft in Deutschland die tiefste Stufe ihrer Existenz.“ (Klaus Scheel, 1979)
4.2.3 Wissenschaftler als Opportunisten Ziel: Akademische Laufbahn:
Wahl von Forschungsthemen, die politisch wichtig erschienen (z. B. Geschichte des Hakenkreuzes)
Zahlreiche NSDAP-Eintritte TH Berlin: 1932: 37 Mitglieder; 1933: 82 Anteil von SS-Mitgliedern mit Universitätsabschluss stieg deutlich an:
• Jan. 1928- Dez. 1930: 12,3 %
• Feb. 1933- Jun. 1934: 44,1 %
Wissenschaftler boten sich den NS an, verlagert z.T. ihr Arbeitsgebiet Treuegelübte, Nützlichkeitsbeteuerungen und nationalsozialistische Losungen werden in die ansonsten wissenschaftlichen Arbeiten integriert Kein Widerstand gegen die Entlassung jüdischer Wissenschaftler
• Bespiele: Hans Weinert, Max Planck
5 Zusammenfassung
5.1 I Wissenschaft und Nationalsozialistische Ideologie 1. „Die nationalsozialistische Ideologie“ gab es nicht.
2. Führerprinzip, Antisemitismus, Rassentheorie, Sozialdarwinismus, Eugenik/ Euthanasie und Lebensraumtheorie waren zentrale Elemente nationalsozialistischer Ideologie. 3. Die nationalsozialistischen Ideologien waren mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen ihrer Zeit unvereinbar.
4. Wissenschaftlicher Rassismus und Eugenik waren eine Kontinuität in der europäischen Geistesgeschichte.
5.2 II Die NS-Wissenschaftspolitik und ihre Folgen
5. Die Universitäten und Forschungseinrichtungen wurden im März/ April 1933 gleichgeschaltet.
6. Mit dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums (April 1933) wurden jüdische oder linke Wissenschaftler (insgesamt circa 4000, 15-20 % aller Wissenschaftler) entlassen.
7. Die nationalsozialistische Wissenschaftspolitik förderte vorwiegend Projekte, welche die NS-Ideologie stützen sollten oder kriegswichtig erschienen. 8. Insgesamt wurde die Deutsche Wissenschaft stark geschädigt. 9. Dennoch gab es im Dritten Reich auch seriöse wissenschaftliche Forschung auf hohem Niveau.
5.3 III Die Rolle der Wissenschaftler im Dritten Reich
10. Zahlreiche Wissenschaftler verstießen - ideologisch motiviert - gegen wissenschaftliche Prinzipien; Pseudowissenschaftliche Untersuchungen waren die Folge. Gleichzeitig blieben viele Wissenschaftler aufrecht und unabhängig.
11. Ärzte und Wissenschaftler verstießen gegen ethische Normen und beteiligten sich aktiv an der Vernichtung nationaler und ethnischer Minderheiten. 12. Die Wissenschaftler des Dritten Reichs waren
aber überwiegend rationale Opportunisten.
6 Anlage:
Quellenanalyse: H. Weinert (1934)
Dr. Hans Weinert (1887-1967) war außerordentlicher Professor ( = Professor ohne eigenen Lehrstuhl) für Anthropologie an der Universität Berlin.
Im Folgenden analysiere ich sein Buch „Biologische Grundlangen für Rassenkunde und Rassenhygiene“, das 1934 im Enke-Verlag erschien.
6.1 Zitate und Auffälligkeiten
• Im Register sind die Stichworte „Arier“ und „Jude“ nicht enthalten
• Vermittlung und Verteidigung vieler auch heute noch unterrichteter Inhalte: z. B.
• Kritik an populären, ideologischen Missverständnissen
• Bewusstsein der Beschränktheit der wissenschaftlichen Erkenntnisse der Zeit:
• Die Rolle der Biologen:
• Keine biologische „Begründung“ der Verschiedenwertigkeit der Rassen
6.2 Interpretation:
Hans Weinert kennt die Grenzen seiner Disziplin und tritt für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Erkenntnissen der Rassenkunde ein. Er widerspricht der Ideologie des Nationalsozialismus nicht direkt. Wenn es für ihn wissenschaftlich vertretbar ist, zeigt er Übereinstimmungen zur nationalsozialistischen Politik und die Bedeutung seiner Disziplin auf. Dies ist zum Beispiel beim Thema Eugenik der Fall. Insgesamt sehe ich Hans Weinert als einen aufrechten Wissenschaftler. Opportunismus lässt sein Buch lediglich hinsichtlich der aus sei- ner Sicht wissenschaftlich vertretbaren Eugenik erkennen.
7 Quellen
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ii Nach Sigfried Wölffling: Wissenschaft und Medizin im Dienst der Verfolgung und Vernichtung der Zigeuner unter dem Nationalsozialismus. In Brentjes, B. (1992). Wissenschaft unter dem NS-Regime. Peter Lang Europäisher Verlag der Wissenschaften: Berlin, Bern. Seien dies Aussagen aus Hitlers „Mein Kampf“. iii Weinert, H. (1934). Biologische Grundlangen für Rassenkunde und Rassenhygiene. Enke, Stuttgart. iv Social Darwinism. (2006, October 23). In Wikipedia, The Free Encyclopedia. Retrieved 10:16, October 23, 2006, from http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Social_Darwinism&oldid=83177457 v Artikel Lebensraum im Osten. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 30. Oktober 2006, 17:27 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Lebensraum_im_Osten&oldid=23200590 (Abgerufen: 31. Oktober 2006, 12:00 UTC) vi Kaiser, Nowak, & Schwartz, Dok. 137 Seite 185 vii http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/wegbereiter/lebensraum/
viii Artikel Friedrich Ratzel. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 12. Oktober 2006, 10:30 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Friedrich_Ratzel&oldid=22501861 (Abgerufen: 23. Oktober 2006, 12:58 UTC)
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x Fischer, H. (1990). Völkerkunde im Nationalsozialismus. Hamburger Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte (Band 7). Dietrich Reimer Verlag: Berlin, Hamburg.
xi Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses (14.07.1933), in: documentArchiv.de [Hrsg.], URL: http://www.documentArchiv.de/ns/erbk-nws.html, Stand: 31.10.2006.
xii Francis Galton. (2006, October 23). In Wikipedia, The Free Encyclopedia. Retrieved 14:19, October 23, 2006, from http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Francis_Galton&oldid=83206148
xiii Kaiser, J-C., Nowak, K., & Schwartz, M. (1992). Eugenik, Sterilisation, „Euthanasie“: politische Biologie in Deutschland; 1895-1945. Buchverlag Union: Berlin.
xiv Der Tod der deutschen Wissenschaft, in: Der Aufbau, Nr. 40/41 vom Oktober 1934; Zitat nach Klaus Scheel: Die Wissenschaft des Deutschen Faschismus auf dem Weg in den Zweiten Weltkrieg.
xv Artikel Reichsmark. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 19. Oktober 2006, 07:39 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Reichsmark&oldid=22758957 (Abgerufen: 5. November 2006, 18:59 UTC)
xvi Erstellt nach Daten von http://www.nobelprize.org .
xvii Mode, M. Altertumswissenschaften und Alterstumswissenschaftler unter dem NS-Regime. Gedanken zum Niedergang deutscher Wissenschaften. In Brentjes: Wissenschaft unter dem NS-Regime. xviii eigene Übersetzung eines Zitats nach Quelle X (russianbooks)
xix Thule. (2006, October 27). In Wikipedia, The Free Encyclopedia. Retrieved 11:17, October 29, 2006, from http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Thule&oldid=84035456
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xxii http://www.ns-archiv.de/medizin/unterkuehlung/sigmund-rascher.php Gil Trevizo and Dirk R. Festus Festerling: Ahnenerbe-SS: MONTSEGUR AND THE CATHARS.
Hariolf Grup, Iciar Dominguez Lacasa, Monika Friedrich-Nishio (2002): Innovation and growth in Germany in the past 150 years. Paper to be presented at the DRUID Summer Conference on "Industrial Dynamics of the New and Old Economy - who is embracing whom?" Copenhagen/Elsinore 6-8 June 2002 Theme A.
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Falk Lieder, 2006, Wissenschaft im Dritten Reich, München, GRIN Verlag GmbH
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