aus Neigung”? Und wenn ja, gilt dies auch für das Handeln von Unternehmen, für die Wirtschaft an sich?
Oder besteht nicht doch ein unauflösbarer Gegensatz zwischen Ethik und Ökonomie? Die Ethik, wie sie gemeinhin verstanden wird, als Anleitung und Orientierung zum Handeln entlang moralischer Normen, notfalls auch zum eigenen Nachteil. Daneben die Ökonomie, die als Ziel die stetige Besserstellung des Einzelnen hat. Das ständige Streben nach dem individuellen Vorteil.
Doch kann es nicht um Nullsummenspiele zwischen Gemeinnützigkeit und Unternehmensnutzen gehen. Es gibt auch keine zwei konkurrierenden Rationalitäten. Wäre dem so, wäre dies das Aus für die Ethik. Denn auch das gesellschaftlich engagierte Unternehmen bleibt ein Unternehmen im Wettbewerb. Gesellschaftliches Engagement darf dem Unternehmen Vorteile verschaffen, nein, es muss dies sogar leisten. Die Ethik und die Ökonomie befinden sich also nicht in einem antagonistischen, sondern in einem komplementären Verhältnis. (Habisch, 2005: 19) Wann immer Konflikte in diesem Verhältnis auftauchen, muss ein Weg gefunden werden, beides (wieder) miteinander verträglich, und im besten Fall sogar füreinander fruchtbar und gewinnbringend zu machen. (Suchanek, 2001: 1) Zusammengefasst besteht somit das grundlegende Defizit ethischen Handelns von Unternehmen unter Bedingungen des Wettbewerbs darin, dass die von einzelnen Unternehmen übernommene gesellschaftliche Verantwortung von den weniger moralischen Konkurrenten ausbeutbar und folglich nicht stabil ist. Somit müssen die von Seiten der Ethik an die Unternehmen gerichteten normativen Empfehlungen, um Chance auf Realisierbarkeit zu haben, aus den empirischen Bedingungen einerseits und den moralische Idealen andererseits hervorgehen.
Veränderte Rahmenbedingungen und ein Lösungsvorschlag Den Unternehmen wird vor allem auch dadurch zunehmend mehr gesellschaftliche Verantwortung zugewiesen, da sie ihre Aktivitäten in einem Feld sich rasant verändernder Rahmenbedingungen vollziehen. Ein Faktor, der dieses Mehr an Verantwortung beschleunigt, ist die gravierende Erhöhung der potentiellen Transparenz, bedingt durch neue Informations- und Kommunikationsbedingungen. Informationen können weltweit an unterschiedlichste Empfängerkreise überliefert werden; Anteilseigner erfahren detaillierter, inwiefern die jeweiligen unternehmerischen Aktivitäten ihre eigenen Interessen tangieren. Suchanek und Lin-Hi gehen sogar so weit, diese erhöhte Option der Aufdeckung unternehmerischen Fehlverhaltens als „Demokratisierung der Information“ zu bezeichnen.
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(Suchanek/ Lin Hi, 2006: 5) Der Aufdeckung der Verfehlungen seitens der Unternehmen können Sanktionen, eine negative Berichterstattung und im negativsten Fall Boykottaufrufe, Kampagnen und Aktivitäten von Pressure Groups (z. B. Umweltbewegungen) folgen. Sanktionen als eine Infragestellung der unternehmerischen licence to operate. Denn diese licence to operate - die gesellschaftliche Legitimationresultiert nicht mehr nur allein aus betriebswirtschaftlicher Wertschöpfungsaktivität. Vielmehr erfolgt die Sicherung dieser durch angemessene Berücksichtigung gesellschaftlicher Forderungen, oder anderes formuliert: durch die Übernahme unternehmerischer Verantwortung. Diese licence to operate wird auch bei der Unterscheidung zwischen Legalität und Legitimität des Handelns von Unternehmen deutlich. Unternehmen verhalten sich nämlich nicht nur dann ethisch korrekt, wenn sie sich im relevanten rechtlichen Rahmen bewegen. Denn das legale Verhalten von Unternehmen, muss noch lange kein legitimes Verhalten sein. Letzten Endes ist die Zustimmung der jeweiligen Gesellschaft und der Stakeholder zu den unternehmerischen Entscheidungen entscheidend.
Des Weiteren erodiert das öffentliche Vertrauen in Unternehmen zunehmend. Teilweise geht dies sogar einher mit einer Hinterfragung des marktwirtschaftlichen Systems an sich. Die dem Einzelnen sich verschließende Sinnhaftigkeit des Systems verursacht einen Legitimationsdruck der Marktwirtschaft, der sich umgehend auf die Unternehmen überträgt - in den Augen vieler die einzig wahren Profiteure des Systems. Neues Vertrauen in die Wirtschaft und in die Unternehmenseigner ist notwendig - zum Wohle aller! Die oben erwähnte Unternehmens- bzw. Wirtschaftsethik befasst sich mit der Auflösung des angesprochenen Konflikts zwischen Gewinn und Moral. Ziel muss die Festsetzung einer adäquaten Rahmenordnung sein, in der der klassischen Handlungsethik eine Institutionen- bzw. Bedingungsethik vorgeschaltet ist. Nur durch diese Bedingungsethik läuft das Unternehmen nicht mehr Gefahr, dass seine vorgeschalteten Vorleistungen von anderen Akteuren ausgenutzt werden. Dieser unternehmensethische Entwurf geht zurück auf den Ökonomen Karl Homann, der Wirtschaftsethik als ökonomische Theorie der Moral begreift. Homann bezeichnet die Institutionen- bzw. Bedingungsethik auch als Anreizethik, da das Handeln der einzelnen Unternehmen durch Vorteilserwartungen bzw. Anreize gesteuert wird. Neben dem individuellen Vorteilsstreben treten die moralisch bevorzugten Resultate als Nebenprodukte auf.
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Dieser Konflikt zwischen Gewinn und Moral, zwischen Ethik und Ökonomie, ist am stärksten im internationalen Kontext sichtbar. Je nach Land werden von Seiten der Stakeholder teilweise vollkommen unterschiedliche Erwartungen an die Unternehmen gerichtet. Doch bezieht sich im herkömmlichen Sinne die gesellschaftliche Moral auf einen definierten Raum, mit einer relativ homogenen Bevölkerung. Jedoch sind die eben als zur Konfliktauflösung zwischen Gewinn und Moral unabdingbare erwähnte
Institutionenethik sowie ein (rechtlich) bindendes Normensystem - wenn überhaupt - nur im Rahmen von Nationalstaaten oder besser in einem einheitlichen Kulturkreis möglich. Somit bestehen für transnational agierende Unternehmen besondere Herausforderungen. Globale soziale und ökologische Rahmenbedingungen scheinen darum dringend geboten. (Maucher, 2007:25, 76)
Nach wie vor „bestimmt das Sein das Bewusstsein“
Wahrgenommene gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen darf jedoch nicht mit dem Gutmenschentum verwechselt werden. Das freiwillige Engagement der Unternehmen kann und muss in erster Linie auf dem wirtschaftlichen Erfolg basieren. Denn nur ein wettbewerbsfähiges, ökonomisch gesundes Unternehmen ist in der Lage, sich nachhaltig für gesellschaftliche Problemlösungen einzusetzen. Hierbei spielt für die Unternehmen auch die eigene Zukunftssicherung eine entscheidende Rolle. Ökologische, soziale Stabilität und Weiterentwicklung und ökonomisches Wachstum sind für das Fortbestehen des einzelnen Unternehmens bedeutsam und werden somit zu betriebswirtschaftlichen Messgrößen. Engagement muss, ähnlich wie eine unternehmerische Investition, bilanzierbar gemacht werden. Dr. Florian Langenscheidt zu Folge ist die Globalisierung ohne eine gelungene CSR-Ausgestaltung gar nicht zu bewältigen ist. Die beträchtliche Anzahl an unterschiedlichsten Beziehungen zwischen Händlern und Zulieferern, Mitarbeitern und Konsumenten verschiedenster Kulturkreise und die daraus resultierenden unzähligen ordnungspolitischen Aufgaben überfordern den Staat. Vielmehr müssen die Beteiligten selber ihr zukünftiges Miteinander verhandeln und in Verhaltensmaßstäben (code of conducts) festschreiben.
Mehr Schein als Sein?
Prof. Dr. André Habisch stellt in Frage, dass die Interpretation unternehmerischen Gemeinwohlengagements als rückwärtsgewandte Selbstlegitimation die einzig mögliche
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ist. Stimmt es, dass sich Unternehmer mit Hilfe gesellschaftlichen Engagements nur freikaufen und nachträglich den überkommenden Moralvorstellungen ihrer Zeitgenossen Tribut zollen? Diese Meinung teilen sowohl liberalistische als auch sozialistische Denker. Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen ist für sie nichts weiter als ein fadenscheiniges Täuschungsmanöver. (Habisch 2005: 14,16,17) Doch geht diese Kritik von liberalistischer und sozialistischer Seite an der Realität gesellschaftlich engagierter Unternehmen vorbei. Unternehmerische Rationalität ist nach Habisch die Triebfeder gesellschaftlichen Engagements. Das Unternehmen als „Corporate Citizen“ - die eigenen Interessen werden mit denen des Gemeinwesens zum gegenseitigen Vorteil verknüpft. Die Professionalisierung des ehrenamtlichen Engagements von Unternehmen als Ausdruck unternehmerischer Rationalität. Und in letzter Konsequenz muss das Entstehen eines Marktes dazu beitragen, die Anbieter in einen öffentlichen Wettbewerb um das gelungenste Engagement zu versetzen. Denn durch die Konkurrenz der Unternehmen um die besten Ideen zur Lösung der gesellschaftlichen Probleme des 21. Jahrhunderts profitieren letztendlich alle Beteiligten!
Verwendete Literatur:
- Habisch, Prof. Dr. André: Unternehmergeist in der Bürgergesellschaft, in: Langenscheidt, Dr. Florian (Hrsg.): Deutsche Standards. Unternehmerische Verantwortung, Deutsche Standards EDITIONEN GmbH, Köln, 2005
- Homan, Karl: Competition and Morality, Wittenberg-Zentrum für Globale Ehtik e.V., Diskusskionspapier Nr. 2006-4
- Langenscheidt, Dr. Florian (Hrsg.): Deutsche Standards. Unternehmerische Verantwortung, Deutsche Standards EDITIONEN GmbH, Köln, 2005
- Maucher, Sebastian: Gewinn und Moral in einer globalisierten Wirtschaft. Chancen und Grenzen internationaler Wirtschafts- und Unternehmensethik, VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken, 2007
- Suchanek, Andreas: Ökonomische Ethik, Mohr Siebeck Verlag, Tübingen, 2001
- Suchanek, Andreas/ Lin-Hi, Nick: Eine Konzeption unternehmerischer Verantwortung, Wittenberg-Zentrum für Globale Ethik e.V., Diskussionspapier Nr. 2006-7
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Arbeit zitieren:
Katrin Kubica, 2007, Die Verantwortung transnationaler Unternehmen - Der Spagat zwischen Moral und Rendite, München, GRIN Verlag GmbH
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