1) Domestikation und ihre Auswirkungen 3
2) Die einzelnen Haustierarten 5
3) Verbreitung 7
Literatur: 9
2
"Haustiere in der Bronzezeit"
1) Domestikation und ihre Auswirkungen
Die Domestikation von Haustieren erfolgte zumeist im Gebiet des sog. "Fruchtbaren 1 Von dort erfolgte ihre Ausbreitung
Halbmondes" (Vorderasien) im 9. Jahrtausend v.Chr.
im 7. Jahrtausend zuerst im Mittelmeerraum, dann im Zuge der sogenannten „Neolithischen Revolution“ in einer zweiten Welle im restlichen Europa (Mitte 6. Jts.). Mit dem Ende des Neolithikums waren die vier wichtigsten Haustiere Rind, Schwein, Schaf/Ziege in ganz Europa bekannt. Größere Neuerungen traten erst wieder mit Beginn der Eisenzeit auf, weshalb die Haustierforschung der Bronzezeit bisher eher ein unbearbeitetes Feld darstellt 2 . Funde sind zudem spärlich.
3 (kleiner als die
Die Domestikation führt in der Regel zur Veränderung der Körpergröße Urform) und -gestalt (Hornausbildung Veränderung der Sinnesleistung (Hell-Dunkel-Sehen, Kurzsichtigkeit) und zur Beeinträchtigung des Kreislaufes bis hin zum Verlust der Überlebensfähigkeit in freier Wildbahn. Der Hormonhaushalt kann bis hin zur Dauerbrunst gesteigert werden, die Fortplanzungsrate (erhöhtes Jungtier-, bzw Legeaufkommen, Steigerung der Milchleistung) steigt wesentlich an. Die gezielte Zuchtauswahl, etwa unter dem Aspekt der „Friedfertigkeit“ und der geringeren Menschenscheu führt zu einem dem Wildtier 5 .
gegenüber geänderten Verhalten
1 N. Benecke, Der Mensch und seine Haustiere. Die Geschichte einer jahrtausendealten Beziehung (Stuttgart 1994) 95 - 102.
2 K. E. Behre, Landwirtschaftliche Entwicklungslinien und die Veränderung der Kulturlandschaft in der Bronzezeit Europas. In: B. Hänsel (Hrsg.), Mensch und Umwelt in der Bronzezeit Europas. Abschlußtagung der Kampagne des Europarates: Die Bronzezeit: Das erste goldene Zeitalter Europas an der Freien Universität Berlin, 17. - 19. März 1997 (Kiel 1998) 91; J. Schibler / M. Veszeli, Die Tierknochen der Seeufersiedlungen von Zug-Sumpf und ihre Bedeutung im Rahmen der bronzezeitlichen Wirtschaft im nördlichen Alpenvorland. In: M. Seifert / St. Jacomet / S. Karg / J. Schibler / B. Kaufmann, Die spätbronzezeitlichen Ufersiedlungen von Zug-Sumpf 1: DieDorfgeschichte (Zug 1996) 324.
3 A. Jockenhövel, Agrargeschichte der Bronzezeit und vorrömischen Eisenzeit (von ca. 2200 v.Chr. bis Christi Geburt). In: J.Lüning / A. Jockenhövel / H. Bender / T. Capelle, Deutsche Agrargeschichte. Vor- und Frühgeschichte (Stuttgart 1997) 169, Abb. 4; Benecke Tabelle 21, 23, 24.
4 Benecke (Anm. 1) Tabelle 22.
5 Zu den Auswirkungen der Domestikation ganz allgemein: Benecke (Anm. 1) 41 – 58.
3
Erkenntnisse über die Tierdomestikation und -nutzung stammen im Wesentlichen aus Knochenfunden (Siedlungsbefunde, Gräber, Opferstätten) und bildlichen Darstellungen (Felsbilder), für die späte Bronzezeit im Mittelmeerraum auch aus schriftlichen Quellen.
6
Zusätzlich ermöglichen Funde von Arbeitsgerät (Pflüge, Joche) und Pflugspuren Rückschlüsse auf Haustierhaltung und die Art ihrer Nutzung. Der Nachweis einer Nutzung als Arbeistier erfolgt etwa bei Rindern über Abnutzungsspuren an den Hörnern (Zuggeschirrnutzung) und an den Knochen (Arthrosen), aber auch über typischen Frakturen etwa durch das "Tüdern" = Anbinden der 7 . Bei Pferden finden sich Abnutzungsspuren an den Zähnen
Schweine bei der Waldmast durch Nutzung von Trensen 8 .
Die Einführung von Haustieren führte zu einem stetigen Rückgang der Jagdtiere im Nahrungsaufkommen 9 , allerdings auch zu einer teilweisen Verdrängung und Ausrottung 10 . Im Gegenzug sind jedoch z.B. mit Feldhase oder Rebhuhn auch erste
vieler Wildtiere „Kulturfolger“ anzutreffen, die vor allem die von Menschen zwecks Ackerbau gerodete Flächen nutzen.
6 Behre (Anm. 2) 97f.
7 Benecke (Anm. 1) 166f, Abb. 80.
8 Benecke (Anm. 1) Abb. 69, 70.
9 N. Benecke, Haustierhaltung, Jagd und Kult mit Tieren im bronzezeitlichen Mitteleuropa. In: B. Hänsel (Hrsg.), Mensch und Umwelt in der Bronzezeit Europas. Abschlußtagung der Kampagne des Europarates: Die Bronzezeit: Das erste goldene Zeitalter Europas an der Freien Universität Berlin, 17. - 19. März 1997 (Kiel 1998) 67; Benecke Abb 36.
10 Benecke (Anm. 9) 71.
4
2) Die einzelnen Haustierarten
11 . Er taucht bereits am Übergang vom
Als frühestes Haustier ist der Hund anzusehen Spätpleistozän zum Frühholozän (13.000 – 7.000 v. Chr.) auf und diente wohl zumeist als 12 .
Jagdhelfer, Hüte- und Hofhund, wohl eher selten auch als Fleisch- und Felllieferant Von „Rassehunden“ kann noch nicht gesprochen werden, eher von „unspezialisierten Gebrauchshunden“, die für die jeweils vorgesehenen Tätigkeiten speziell abgerichtet wurden.
Die Hunde der Bronzezeit entsprechen größenmäßig dem heutigen Foxterrier, 13 .
Zwergschnauzer oder Zwergpudel
14 , Schwein
Während der "Neolithischen Revolution" verbreiten sich Rind in ganz Europa. Am Ende des Neolithikums sind diese „großen Vier“ fester Bestandteil der bäuerlichen Wirtschaftsweise 17 .
Von „Rassetieren“ im heutigen Sinn kann auch hier nicht die Rede sein. 18 .
Zunächst erfolgte wohl hauptsächlich die Nutzung dieser Tiere als Fleischlieferant
Vermutlich in der Bronzezeit wurde die „Bewirtschaftung“ dann erweitert. Bei Rindern tritt vermehrt die Nutzung zur Milchgewinnung und die Verwendung als Zugtier auf 19 . Das Rind taucht außerdem im Bestattungs- und Opferkult auf 20 .
Mit der „Erfindung“, bzw. der Einführung des Wollschafes wird das neolithische Haarschaf 21 und die Wollproduktion intensiviert. Eine Nutzung zur Milcherzeugung ist
abgelöst schwer nachzuweisen, aber stark anzunehmen. Auch hier liegt eine Verwendung im Bestattungs- und Opferkult vor 22 .
Das Schwein muß wohl von Anfang an als reiner Fleischlieferant angesehen werden 23 . Er
11 Zur Entwicklungsgeschichte des Hundes allgemein: Benecke (Anm. 1) 208 – 228. 12 Schibler (Anm. 2) 334.
13 Jockenhövel (Anm. 3) 165.
14 Zur Entwicklungsgeschichte des Rindes allgemein: Benecke (Anm. 1) 260 – 288. 15 Zur Entwicklungsgeschichte des Schweines allgemein: Benecke (Anm. 1) 248 – 260. 16 Zur Entwicklungsgeschichte von Schaf/Ziege allgemein: Benecke (Anm. 1) 228 – 248. 17 B e n e c k e ( A n m . 9 ) 6 1 .
18 Benecke (Anm. 9) 62; Jockenhövel (Anm. 3) 170f.
19 Benecke (Anm. 1) 142 – 147, Abb. 56 – 61; Benecke (Anm. 9) 64f; Schibler (Anm. 2) 327. 20 Zu Opfer und Kult siehe: Benecke (Anm. 1) 68 – 71, Abb. 12 – 14. 21 Benecke (Anm. 1) 136 – 139; Benecke (Anm. 9) 65.
22 Vergleiche Anm. 20.
23 Schibler (Anm. 2) 332 deutet den hohen Anteil der Schweineknochen in den Höhensiedlungen von Zug-Sumpf als Hinweis auf die Nutzung der Siedlungen als Fluchtburgen.
5
24 .
diente als Nebeneffekt wohl zusätzlich als „Mülleimer“. Es taucht nicht als Opfertier auf
25 . Es taucht zwar
Als echter Newcomer der Bronzezeit muß das Pferd betrachtet werden schon im Endneolithikum auf, setzt sich jedoch erst in der Bronzezeit richtig durch. Seine Domestikation erfolgte zwar hauptsächlich in den Steppen Osteuropas, jedoch sind die Tiere in Mitteleuropa wohl doch nicht wie lange Zeit angenommen aus den östlichen Regionen importiert, sondern entstammen einer eigenen Domestikation.
Das Pferd wurde wohl in erster Linie als Trag-, Zug- und (speziell in Mitteleuropa) als Reittier genutzt, diente aber auch als Prestige- und Kultobjekt (Bestattungen, Opfer). Zur Fleischgewinnung wurde es wohl nur in Ost-, nicht jedoch in Mitteleuropa gezielt genutzt.
26 , etwa zeitgleich wohl auch die
Erst in der späten Hallstattzeit treten das Haushuhn 27 auf. Der Nachweis, ob es sich tatsächlich um domestizierte Tiere handelt
Hausgans oder um Wildtiere ist archäologisch allerdings schwierig. Eine endgültige Ausbreitung des Geflügels erfolgt erst in der Eisenzeit.
Die Veränderung im Kreislauf der Tiere (zunehmende Krankeitsanfälligkeit), sowie eine 28 . Damit
vermutete Klimaverschlechterung führen zum Beginn der Aufstallung der Tiere verbunden wird eine Veränderung im Hausbau greifbar. Außerdem beginnt vermutlich die notwendige Lagerung von Futtermitteln.
Interessant ist die Frage nach der Domestikation der Biene. Sie ist als Wildnutzung bereits seit dem Mesolithikum belegt. Für die Zeit um 1100 v. Chr. sind Funde sogenannter „Klotzbeuten“, also Teile von Stämmen mit eingeschlossenen Bienennestern, belegt. Es ist jedoch fraglich, ob hier schon von einer Domestikation gesprochen werden kann.
Andere heute geläufige Haustiere wie die Katze, das Kaninchen, der Karpfen oder die 29 .
Hausente tauchen erst später, teilweise erst im Mittelalter in Mitteleuropa auf
24 Vergleiche Anm. 20.
25 Benecke (Anm. 9) 61, 65 - 67; Jockenhövel (Anm. 3) 165; zur Entwicklungsgeschichte des Pferdes allgemein: Benecke (Anm. 1) 288 – 310.
26 Benecke (Anm. 9) 62, Abb. 1; Jockenhövel (Anm. 3) 169, zur Entwicklungsgeschichte des Huhnes allgemein: Benecke (Anm. 1) 362 – 372.
27 Benecke (Anm.9) 61f; zur Entwicklungsgeschichte der Gans allgemein: Benecke (Anm. 1) 372 – 379. 28 Behre (Anm. 2) 93 – 95, Abb. 3; Benecke (Anm. 1) 162 – 166; Jockenhövel (Anm. 3) 172. 29 Benecke (Anm. 1) 105; zur Entwicklungsgeschichte dieser Beispiel-Tierarten: Benecke (Anm. 1) 344 – 353, 356 –
6
3) Verbreitung 30
Die Funde für die Haustierhaltung sind spärlich, der Forschungsstand läßt zurzeit noch zu wünschen übrig. Trotzdem lassen sich wohl grob einige oberflächliche Einteilungen vornehmen.
An der Küste scheint durch die gesamte Bronzezeit hindurch nur das Rind eine größere Rolle gespielt zu haben.
In der Frühen und mittleren Bronzezeit sind die Funde in Mitteldeutschland (heute Gebiet Ostdeutschland) spärlich und wenig aussagekräftig. In der Spätbronzezeit übersteigt die gemeinschaftliche Hauptnutzung von Rind/Schwein die Nutzung der Kombination Rind/Schaf/Ziege.
Für Westdeutschland sind die Funde zu spärlich, um eine Aussage zu treffen. Das mag am Forschungsstand, vielleicht aber auch an einer geringeren Siedlungsdichte liegen. Im Alpenraum ist die Verteilung aufgrund der Kleinräumigkeit und der unterschiedlichsten geographischen Bedingungen sehr unterschiedlich.
In Osteuropa überwiegt in der Früh- und Mittelbronzezeit die Haltung von Rind/Schaf/ Ziege. Hier finden sich auch die einzigen Hinweise auf gezielte Fleischnutzung von Pferden. In der Spätbronzezeit werden die Funde dann seltsamerweise recht spärlich, die Verteilung uneinheitlich.
362, 406 – 411, 379 – 383.
30 Benecke (Anm. 1) 113 – 115, Tabelle 14; Benecke (Anm. 9) 62 – 64, Abb 2, 3; Jockenhövel (Anm. 3)166 – 168.
7
Literatur:
K.E. Behre, Landwirtschaftliche Entwicklungslinien und die Veränderung der Kulturlandschaft in der Bronzezeit Europas. In: B. Hänsel (Hrsg), Mensch und Umwelt in der Bronzezeit Europas. Abschlußtagung der Kampagne des Europarates: Die Bronzezeit: Das erste goldene Zeitalter Europas an der Freien Universität Berlin, 17. - 19. März 1997 (Kiel 1998) 91-109. N. Benecke, Der Mensch und seine Haustiere. Die Geschichte einer jahrtausendalten Beziehung (Stuttgart 1994).
N. Benecke, Haustierhaltung, Jagd und Kult mit Tieren im bronzezeitlichen Mitteleuropa. In: B. Hänsel (Hrsg), Mensch und Umwelt in der Bronzezeit Europas. Abschlußtagung der Kampagne des Europarates: Die Bronzezeit: Das erste goldene Zeitalter Europas an der Freien Universität Berlin, 17. - 19. März 1997 (Kiel 1998) 61-75.
A. Jockenhövel, Agrargeschichte der Bronzezeit und vorrömischen Eisenzeit (von ca. 2200 v.Chr bis Christi Geburt). In: J. Lüning / A. Jockenhövel / H. Bender / T. Capelle, Deutsche Agrargeschichte. Vor- und Frühgeschichte (Stuttgart 1997) 165-175.
J. Schibler / M. Veszeli, Die Tierknochen der Seeufersiedlungen von Zug-Sumpf und ihre Bedeutung im Rahmen der bronzezeitlichen Wirtschaft im nördlichen Alpenvorland. In: M. Seifert / St. Jacomet / S. Karg / J. Schibler / B. Kaufmann, Die spätbronzezeitlichen Ufersiedlungen von Zug- Sumpf 1: DieDorfgeschichte (Zug 1996) 305 – 343, 368 – 369.
St. Jacomet / J. Schibler, Schlussfolgerungen aus einem Vergleich von Pflanzenspektra und Tierknochenspektra der Bronzezeit. In: M. Seifert / St. Jacomet / S. Karg / J. Schibler / B. Kaufmann, Die spätbronzezeitlichen Ufersiedlungen von Zug-Sumpf 1: DieDorfgeschichte (Zug 1996) 344 – 349.
9
Quote paper:
Florian Gils, 2005, Haustiere in der Bronzezeit, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 35 Pages
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 15 Pages
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 20 Pages
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Termpaper, 14 Pages
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Script, 46 Pages
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 39 Pages
Florian Gils has published the text Haustiere in der Bronzezeit
Florian Gils has uploaded a new text
Medieval Rural Settlement in Marginal Landscapes: Peuplement Rural Dan...
Jan Klapste, Petr Sommer
Postsozialistischer Wandel ländlicher Siedlungen in Mecklenburg
Determinanten - Prozesse - Mod...
Christian Rogge
Umwelt-Wirtschaft-Siedlungen im dritten vorchristlichen Jahrtausend Mi...
Internationale Tagung Kiel 4.-...
Walter Dörfler, Johannes Müller, Anke Wesse
Befestigungsanlagen Im Griechischen Raum in Der Bronzezeit Und Ihre En...
Georgios Kalogeroudis
0 comments