Vorwort
Als der österreichische Erzherzog Ferdinand Max, am 10 April 1864 dem Ruf des mexikanischen Volkes folgend, - zumindest machte es ihm die ausgesandte Delegation so glauben, - nach Mexiko ging, um da als Kaiser Maximilian I.zu regieren, folgte ihm auch eine Schar von mehreren tausend Österreichern, um als Freiwillige in seine Dienste zu treten. Während die Aufmerksamkeit der damaligen Öffentlichkeit fast ausschließlich dem tragischen Schicksal des Kaisers galt und auch die literarische Aufarbeitung durch die Nachwelt auf dessen Person und sein politisches Umfeld fokussiert war, scheint das Österreichische Freiwilligenkorps in Vergessenheit geraten zu sein. Ich muss auch zugeben, dass mir die Existenz dieser Truppe erst aufgefallen ist, nachdem ich auf einer englischsprachigen Webseite, The Austro-Hungarian Army, unter dem Titel The Mexican Adventure Näheres darüber erfahren konnte.
Was ich da fand war aber nicht genug, um meine Neugier zu befriedigen, denn diese erfasst mich, wenn es um das Thema Österreichs Militär im Ausland geht, ein Interesse, das ich als Teilnehmer an 2 Auslandseinsätzen im Rahmen der Vereinten Nationen in Ägypten und Syrien, gewonnen habe.
Das darauf folgende Quellenstudium gab mir einen Einblick in Verhältnisse, die trotz der fast 150 Jahre, die inzwischen vergangen sind, nichts von ihrer Aktualität verloren hatte. Im Spätherbst 1973, als Österreich erstmalig eine Friedenstruppe, ein Bataillon in der Stärke von 600 Mann an den Suezkanal entsandte, war der Nahe Osten für die Organisatoren ebenso Neuland wie Mexiko, wohin das Freiwilligenkorps 1864 gebracht werden sollte. Wenn ich an die Transportprobleme von 1973 denke, mit welchen die Verlegung des österreichischen Bataillons von Wien nach Ägypten verbunden waren, kann man den Logistikern von 1864 nur Bewunderung zollen. Es dauerte einen Monat die 600 Mann des Bataillons im Lufttransport in das Einsatzgebiet am Suezkanal zu bringen und weitere 3 Monate, bis auch die Mehrzahl der Fahrzeuge und die schwere Ausrüstung im Seetransport herangeschafft war. Unsere Vorfahren schafften das in der gleichen Zeit mit 7000 Mann, die in einer Seereise von sechs Wochen über den Atlantik fuhren. Derartige Vergleiche, wie Führungsprobleme, Unkenntnis der Verhältnisse und Mängel an der Ausrüstung, könnten noch beliebig angestellt werden, um einen aktuellen Bezug herzustellen.
Die gegenwärtigen Auslandseinsätze Österreichs im Auftrag der Vereinten Nationen dienen vorwiegend zur Erhaltung des Friedens oder eines friedensähnlichen Zustandes, wie etwa 1973 zur Überwachung eines Waffenstillstandsabkommens nach dem Jom Kiepuhrkrieg oder derzeit im Kosovo. Und sie erfolgen ausnahmslos unter einem Mandat der Völkergemeinschaft, das von den Konfliktparteien zumindest formell anerkannt wird. Auch das Freiwilligenkorps sollte ursprünglich eine friedenserhaltende Mission erfüllen, so zumindest wurde es vielfach von den Werbeagenten behauptet und letztlich glaubte das auch Kaiser Franz Josef, der seinem Bruder Maximilian auf diese Weise behilflich sein wollte. Dass das Ganze auf einem Irrtum beruhte konnten die Einen nicht wissen und wollten vor allem die Anderen nicht wahrhaben.
Neben der Darstellung und Beschreibung der Ereignisse und Handlungen, geht es mir auch um den Versuch, diese von den herkömmlichen Klischees gesäubert, dem Leser näher zu bringen.
Ich darf mich daher für die Unterstützung bedanken, die mir von verschiedener Seite zuteil wurde, vor allem aber bei Hofrat Dr. Erwin A. Schmidl, der mir wertvolle Unterlagen zur Verfügung gestellt hat.
Imst, am 9. August 2008
Der Verfasser
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Kapitel
Der Traum vom Imperium
Vom ersten Kaiserreich zur Republik
Maximilians mexikanisches Abenteuer und die Reaktion der Öffentlichkeit
2. Kapitel
Für Maximilian nach Mexiko
Die Aufstellung des Korps
Gliederung und Ausrüstung
Überfahrt und Eintreffen in der neuen Welt
3. Kapitel
Der Kampf um die Sierra del Norte
Die kaiserliche Armee und ihre Verbündeten
Graf Thuns Mexikanische Territorialdivision
Der Alleingang des Major Kodolitsch
Thuns Offensive in der Sierra
4. Kapitel
Der Anfang vom Ende
Der Schwarze Erlass
Die Abschiebung
Von Matamoros bis Carbonera
Die Auflösung des Korps
5. Kapitel
Das Ende des Imperiums
Die Nationalarmee
Die Zeit der Verräter
Schlussbetrachtung und Nachlese
Anhang
Bibliographie
Anmerkungen und Quellenangaben
Der Traum vom Imperium
Vom ersten Kaiserreich zur Republik:
Mexikos Kampf um seine Unabhängigkeit begann 1810 und es brauchte 10 Jahre, bis das Land sich von der spanischen Bevormundung losgesagt hatte. Der Preis, den das damals 7 Millionen Einwohner zählende Land zu zahlen hatte, waren etwa 700 000 Tote und eine weitgehend zerstörte Wirtschaft. In dieser so gut wie hoffnungslosen Lage wählte ein verfassungsgebender Kongress den militärischen Führer des Unabhängigkeitskampfes, General Augustin Iturbide, zum Kaiser.
Die Entscheidung zur erblichen Monarchie entsprach durchaus der damaligen Auffassung, die diese Regierungsform für die geeignetste Möglichkeit hielt, das Land aus der Krise zu führen, über die Person des Monarchen hatte man allerdings andere Vorstellungen Dem Beispiel Griechenlands folgend, das zur gleichen Zeit den jungen Wittelsbacher Prinzen Otto zum König erwählte, sollte eine Person des europäischen Hochadel gewonnen werden. Doch da für das ferne Mexiko kein Interessent, - auch nicht aus der zweiten und dritten Garnitur, - zur Annahme dieser offenbar zweifelhaften Würde bereit war. entschloss sich der Kongress den verdienten und immerhin adeligen General die Kaiserwürde anzutragen. Mit seiner nur 11 Monate dauernde Regentschaft schienen alle Zweifler am Bestand dieses neuen Kaiserreiches recht behalten zu haben. Iturbides Herrschaft, überfordert von Finanznot und innenpolitischen Zwistigkeiten, endete bald durch den Putsch seines bisher engsten Mitstreiters, Generals Santa Anna, der Iturbide absetzen und des Landes verweisen ließ. Nach einem vergeblichen Versuch nach Mexiko zurückzukehren, ereilte ihn das selbe Schicksal wie sein späterer Nachfolger Maximilian vor einem Exekutionskommando
Erster Präsidenten der Republik wurde General Guadalupe Vittoria, die tatsächliche Macht im Lande aber teilten sich die verschiedenen Kriegsherren, von denen sich schließlich Santa Anna 1835 durchsetzen konnte und das Land in eine zentralistisch geführte Diktatur führte. Doch es waren nicht nur die innenpolitischen Differenzen, die das Land nicht zur Ruhe kommen ließen. Vor allem waren es die Vereinigten Staaten, die das Nachbarland als ihr Interessengebiet ansahen, sowie Frankreich, das seine macht- und wirtschaftspolitischen
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Einflüsse in Lateinamerika auszudehnen bestrebt war. Doch es waren nicht nur die innenpolitischen Differenzen, die das Land nicht zur Ruhe kommen ließen, sondern die Vereinigten Staaten, die das Nachbarland als ihr Interessengebiet ansahen und Frankreich, das seine macht- und wirtschaftspolitischen Einflüsse in Lateinamerika auszudehnen bestrebt war. Ihre Ansprüche zu realisieren, hatten die Franzosen bald einen geeigneten Anlass gefunden, um wegen angeblicher Gewalttätigkeiten gegen französische Bürger gefunden, Mexiko den Krieg zu erklären. Im Oktober 1838 erschien ein französisches Geschwader unter Admiral Baudin und zwang nach längerer Beschießung die im Fort San Juan d'Ulloa eingeschlossenen mexikanischen Truppen zur Kapitulation. Nach britischer Vermittelung, konnte im März 1839 ein Friedensvertrag geschlossen werden, in dem Frankreich eine Entschädigung von 600,000 Pesos zugesprochen bekam.
1846 waren es dann die Vereinigten Staaten von Amerika, ihre Gebietsansprüche am Rio Grande und auf Kalifornien anzumelden. Den offiziellen Anlass lieferte Texas, das seit seiner Lossagung von Mexiko 1836 zwar als unabhängige Republik von Mexiko geduldet, gegen den Willen Mexikos 1845 als Bundesstaat in den Verband der Vereinigten Staaten eingetreten war. Um einen Angriff der Mexikaner abzufangen, drangen US-Truppen unter General Taylor über den Rio Grande vor und siegten bei Monterrey, während eine Amerikanische Invasionsarmee 1847 bei Vera Cruz landete. Nachdem es in Kalifornien zur Rebellion angloamerikanischer Siedler gegen den mexikanischen Staat gekommen war, wurden die Kampfhandlungen auf Kalifornien ausgedehnt und Los Angeles besetzt. Als im September 1847 die US- Truppen schließlich Mexiko-Stadt besetzten konnten, musste sich Mexiko geschlagen geben. Im Vertrag von Guadalupe Hidalgo, der am 2. Februar 1848 geschlossen wurde, verlor Mexiko alle jenseits des Rio Grande del Norte gelegenen Gebiete, die heutigen US-Bundesstaaten Nevada, Utah, New Mexiko, Colorado, Wyoming und Teile von Arizona sowie Kalifornien. Als Trostpflaster, wurde eine Zahlung von 15 Mill. Dollar, etwa das doppelte jenes Betrages, den sie wenige Jahre später für den Erweb von Alaska an Russland zahlen werden, vereinbart. Wie vorteilhaft dieser Zwangsverkauf für die Amerikaner ausfiel, lässt sich daran ermessen, dass das gesamte Areal von 1,5 Millionen Km² zum Preis von einem Dollar pro Km² verhökert wurde.
Die darauf folgenden Jahre waren einerseits von der Regierung des Präsidenten Santa Anna, der das Land in einer zentralistischen Diktatur zu reformieren versuchte, und andererseits von einem Dauerkonflikt zwischen Konservativen und Liberalen Parteien geprägt, bei dem es vorrangig um das Verhältnis zwischen Kirche und Staat ging.
Die ersten Versuche einer Säkularisierung des Kirchenbesitzes führten 1857 zu einem 5 Jahre währenden Bürgerkrieg, in dem es Benito Juarez gelang, die Oberhand zu behalten. Von einem allgemeinen Frieden im Lande konnte jedoch keine Rede sein, zumal sich die Konservativen und ihre Anführer Marquez, Vicario, Cobos, Mejia, in den Provinzen halten konnten
Juarez erste politische Entscheidung war die obsolete Verfassungsreform von 1857, die letztlich Auslöser des Bürgerkrieges war, wieder in Kraft zusetzen und die Säkularisierung des Kirchenbesitzes in die Praxis umzusetzen, sowie den Staatshaushalt zu sanieren. Während der Einzug der Kirchengüter im Ausland wenig Aufsehen erregte, - der Erzbischof von Mexiko und die Mehrzahl der Bischöfe wurden wegen ihrer Parteinahme am Bürgerkrieg des Landes verwiesen, - waren die außenpolitischen Konflikte mit der Sanierung der Staatskassen vorprogrammiert, nachdem die Regierung beschlossen hatte die Rückzahlung der Auslandsschulden auf zwei Jahre auszusetzen.
Die Intervention der Franzosen
Frankreich, England und Spanien als Hauptgläubiger beschlossen daher am 31. Okt. 1861 in der Konvention von London eine gemeinsame Intervention "um ihre daselbst lebenden
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Untertanen zu schützen und die Republik Mexiko zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen zu zwingen".
Damit begann im Dezember 1861 der Interventionskrieg, aus dem sich England und Spanien bald wieder zurückziehen werden, Frankreich jedoch einen langjährigen und am Ende wenig ruhmreichen Kleinkrieg führen soll. Die treibende Kraft war Napoleon III. selbst, der seinen Traum, die Mittelamerikanischen Staaten Mexiko, Guatemala und Bolivien in eine von Frankreich protegierte Monarchie zusammenzuführen, verwirklichen wollte. Nach anfänglichen Rückschlägen, - die Niederlage bei Puebla wird heute noch als mexikanischer Nationalfeiertag begangen, - konnten die Franzosen unter Forey und Bazaine schließlich die Kontrolle über das Gebiet zwischen Mexiko City und der Atlantikküste erringen und Präsident Juarez samt den Resten seiner republikanischen Truppen in den Norden des Landes zu verdrängen.
In der Hautstadt hatte sich unter den Schutz der Franzosen eine "Junta Superior del Gobierno" mit General Almonte an der Spitze und die Einberufung einer aus 215 Personen bestehenden Notabelnversammlung veranlasst. Diese beschloss am 8. Juli 1863 die Einführung einer absoluten, erblichen Monarchie und proklamierte den von der Regierung vorgeschlagenen
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Erzherzog Ferdinand Max von Österreich zum Kaiser. Die Idee zu dieser Personalentscheidung ist Napoleon selbst und vielmehr noch seiner Gattin Eugenie zuzuschreiben werden, da die ehrenwerten Notabeln von den Vorgängen im Hause Habsburg kaum Kenntnis haben konnten. Vielmehr war es Napoleons richtige Einschätzung der Vertrauensseligkeit und des politischen Ehrgeizes des Habsburgers, der mit dem Angebot der Kaiserwürde über den Verlust der Regentschaft über das Königreich Lombardo-Venezien getröstet werden sollte.
Maximilians mexikanisches Abenteuer und die Reaktion in der Öffentlichkeit
Obwohl bereits im Herbst 1861 die ersten vorsichtigen Anfragen von Vertretern der Konservativen Partei Mexikos publik wurden, hatten Kaiserhof und Regierung es verstanden, so wenig als möglich an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen. 1 Zwar berichtete die Wiener Abendpost unter dem Titel die mexikanische Angelegenheit in regelmäßiger Folge von den militärischen Erfolgen der französischen Interventionstruppen gegen Benito Juarez´ republikanische Armee, doch mit dem Eintreffen einer offiziellen Delegation der mexikanischen Notabelnversammlung im Oktober 1863, die Erzherzog Ferdinand Max zur Annahme der Kaiserwürde ersuchten wollte, konnte man die Öffentlichkeit nicht mehr im Unklaren lassen. Das Aufsehen war beträchtlich und umso verständlicher, zumal der Erzherzog und seine Gattin in allen Bevölkerungsschichten sehr beliebt waren.
Hinter den Kulissen hielt sich Begeisterung allerdings in bescheidenen Grenzen. Vor allem war es Kaiser Franz Josef selbst, der für Napoleon III. wenig Sympathie aufbringen konnte und das nicht nur nicht nur wegen der noch offenen Rechnung für die Niederlage von Solferino von 1859.
Es war vielmehr Napoleons Großspurigkeit, wie sie sich in der Interventionspolitik in Mexiko manifestierte und daher ablehnen musste, weil sie ganz und gar nicht seinem
einfachgestrickten Charakter entsprach. Auch waren die von seinem Außenminister Graf Rechberg eingeholten Erkundigungen über die tatsächlichen Zustände in Mexiko, sowie die in London und Washington getätigten Konsultationen, wenig geeignet, des Kaisers Bedenken zu zerstreuen. Obwohl die Vereinigten Staaten durch den seit April 1861 währenden Sezessionskrieg vorrangig mit sich selbst beschäftigt waren, konnte kein Zweifel daran bestehen, dass sie im Falle eines Sieges eine von Österreich oder Frankreich protegierte Monarchie in ihrer Nachbarschaft nicht dulden würden. Die gleichen Bedenken teilt auch die österreichische Presse, wie hier die Tageszeitung Das Vaterland vom 12. April 1864. 2
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oder eine schärfere Formulierung, wie sie die Wiener Abendpost kolportiert:
Für den Kaiser gab es daher keine andere Alternative, als Österreich aus der Angelegenheit weitgehend herauszuhalten und die Staatsraison über alle familiären Aspekte zu stellen und seinen Bruder zum Verzicht auf alle Agnatenrechte zu veranlassen, falls er das Kronangebot annehmen sollte. 3
Als am 3. Oktober 1863 die Delegation der mexikanischen Notabelnversammlung in Österreich ankam, wurde er fürs Erste ein offizieller Empfang durch Hof und Regierung versagt.
Entsprechend reserviert verhielt sich auch der Erzherzog selbst, indem er der Delegation der Notabelnversammlung Mexikos, die am 3. Oktober 1863 offiziell mit ihrem Angebot vorsprach, zu verstehen gab, dass er die Annahme der Kaiserwürde von der Zustimmung des Volkes von Mexiko abhängig mache.
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Um diese Bedingung zu erfüllen wurde im März 1864 eine Volksabstimmung inszeniert, die ein überwältigendes Votum für die Monarchie erbrachte.
Der nachstehenden Notiz in der Wiener Zeitung vom 12. Juni 1864 ist zu entnehmen, dass die Veröffentlichung des Ergebnisses des Referendums eine geraume Zeit in Anspruch genommen hat, nicht zuletzt deshalb, weil ein Rechtsgutachten eines britischen Historikers die seine Glaubwürdigkeit untermauern sollte. Tatsächlich aber war es ein Scheinergebnis, das mit Hilfe und der sogenannten Adhäsionsakte, - das sind die Melderegister über die letzte Volkszählung, - zustande gekommen war.
Den anderen Part der Überzeugungstour übernahm Napoleon selbst, der dem arglosen Erzherzog jegliche erdenkliche Unterstützung zusagte aber dazu verleitete, die angefallenen Kosten der französischen Intervention dem mexikanischen Staat anzulasten. Dass damit die zum Aufbau des Kaiserreichs gedachte Staatsanleihe bereits verpfändet war und die gesamte Finanzgebarung über das Pariser Finanzkonsortium abgewickelt werden musste, blieb allerdings unerwähnt.
Ob Maximilian, wie er sich bereits nennen ließ, auch in dieser Angelegenheit Opfer einer groß angelegten Täuschungsaktion wurde, oder wissentlich seine Zustimmung gab, ist heute
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nicht mehr nachvollziehbar. Sicher ist, dass die latente Finanznot des mexikanischen Staates eine der Hauptursachen für das Scheitern seines Kaiserreiches war. Der begeisterte Empfang des Kaiserpaares mag zwar ebenfalls eine gelungene Inszenierung gewesen sein, unbestritten aber ist, dass die breite Masse der Bevölkerung die Beendigung des Bürgerkrieges herbeisehnte und daher große Erwartungen in seine Person setzte. Als Maximilian trotz aller Bedenken von Kaiserhof Politik und Familie, am 10. April 1864 das Angebot der Kaiserwürde annahm und seinen Eid auf den Staat Mexiko, von dessen Rechtmäßigkeit er überzeugt war, leistete, war das Spektrum der Reaktion der Öffentlichkeit dementsprechend breit und von Wohlwollen und Optimismus, bis warnender Skepsis getragen.
Von einem „Medienrummel“, wie er in der einschlägigen Literatur Erwähnung findet, 4 kann allerdings nicht die Rede sein, denn trotz des Aufsehens, das die Mexikanische Angelegenheit erregte, galt die Aufmerksamkeit der Medien jenen Ereignissen, welche die Monarchie substanziell betrafen, wie etwa der Dänische Krieg, an dem seit Februar 1864 ein ganzes österreichisches Armeekorps und ein Flottenverband beteiligt waren. 5 Allein die tägliche Kriegsberichterstattung über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren, verlangte von den Redaktionen die volle Ausschöpfung ihrer Leistungsfähigkeit was Kommunikationsmittel und Druckkapazität der damaligen Verhältnisse anbelangt. Ebenso beschäftigte der bereits seit Jänner des Vorjahres währende polnische Aufstand gegen die Zarenherrschaft neben der Presse auch die Behörden, die neben der Aufrechterhaltung der Sicherheit an der Galizischen Grenze ein enormes Flüchtlingsproblem zu lösen hatten. In der seriösen Tagespresse blieb daher neben der Berichterstattung über den Krieg im Norden und dem Aufstand im Osten und den Kommentaren zu den internationalen Aktivitäten, war der Kolportage über das mexikanische Abenteuer nur wenig Raum zur Verfügung, Grund genug für den Boulevard und die Witzblätter, sich dem Thema umso mehr zuzuwenden.
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Im Übrigen bemühte sich die Tagespresse mit sachlich fundierten Kommentaren zur politischen und militärischen Lage eine positive Stimmung im Lande zu erzeugen. So befasst sich Die Presse in ihrer Ausgabe vom 31. März 1864 ausführlich mit der Problemantik der Annahme der Kaiserkrone und dem damit verbundenen Verzicht auf die Agnatenrechte Maximilians, während die amtliche "Wiener Abendpost" ein etwas optimistisches Bild über die politischen und militärischen Verhältnisse in Mexiko zu vermitteln bemüht ist. So schrieb die "Abendpost", dass die Pazifikation Mexikos stetig weitere Fortschritte mache und die Truppen der Republikanischen Gegenregierung von Benito Juarez vor dem Zusammenbruch stünden.
Tatsächlich hatten die etwa 30.000 Mann starke französische Invasionsarmee von Marschall Bazaine, die Provinzen um Mexiko-City bis zur Küstenregion mit der Hafenstadt Vera Cruz unter Kontrolle bringen können, während Benito Juarez, dessen Amtszeit noch dazu abgelaufen und eine Wiederwahl aus begreiflichen Gründen nicht möglich war, um sein militärisches und politisches Überleben bangen musste.
1 Konrad Ratz; Kampf um Mexiko...S 25: „Am 18. September unterrichtete der österreichische Außenminister Graf Rechberg...Erzherzog Max in Miramare über dieses Vorhaben. Ferdinand Max glaubte in aller Naivität, Franz Josef habe ihm diese Gelegenheit verschafft.“
2 Das Vaterland, Ausgabe vom 12. April 1864, Ausschnitt aus dem Leitartikel Die Krone von Mexiko
3 Die Tageszeitung Die Presse widmet in ihrer Ausgabe vom 31. März 1864 der Problemantik der Annahme der Kaiserkrone und den damit verbundenen Verzicht auf die Agnatenrechte Maximilians einen ausführlichen Artikel.
4 Brigitte Hamann: Mit Kaiser Max in Mexiko, aus dem Tagebuch des Fürsten Carl Khevenhüller, Gamillscheg, Kaiseradler über Mexiko Daniek, Sie zogen nach Mexiko
5 Wegen der rechtswidrigen Einerleibung der Herzogtümer Holstein und Lauenburg durch den dänischen König Christian IX. wurde durch den Deutschen Bund die Bundesexekution verhängt, die von Preußen und Österreich vollzogen wurde. Der Krieg begann am 1. Februar 1864 und endete mit dem Frieden von Wien am 30. Oktober
1864.
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Walter Klinger, 2007, Für Kaiser Max nach Mexiko - Das Österreichische Freiwilligenkorps in Mexiko 1864/67, Munich, GRIN Publishing GmbH
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