Universität Duisburg-Essen, (Campus Essen) Fachbereich 3
Deutsche Sprachgeschichte
SS 2007, 9. Fachsemester
Zum Ablaut im Deutschen
(vom Vorgermanischen bis zum Neuhochdeutschen)
Volodymyr Kalinkin
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung...3
2. Der Ablaut im Vorgermanischen...5
3. Der Ablaut im Germanischen...7
4. Der Ablaut im Althochdeutschen...9
5. Der Ablaut im Mittelhochdeutschen...11
6. Der Ablaut im Neuhochdeutschen...13
7. Zusammenfassung...13
1. Einleitung
Ablaut ist der regelmäßige Wechsel bestimmter Vokalqualitäten und Vokalquantitäten in etymologisch zusammengehörigen Wörtern, der auf die indogermanische Akzentverhältnisse zurückgeht.[1] Im Deutschen ist der Ablaut zu einem Ablautsystem ausgebaut worden, das bei den starken Verben bis heute erhalten ist.
Der Ablaut ist für den Unterschied zwischen Präsens, Präteritum und Partizip 2. verantwortlich, und damit ist der Ablaut das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen unregelmäßiger und regelmäßiger Konjugation:[2]
lieben-liebte-geliebt (regelmäßig)
singen-sang-gesungen (unregelmäßig)
Die Verben, die nur mit Ablaut ihre Formen bilden, sind die starken Verben. Sie bilden die Hauptgruppe der unregelmäßigen Verben. Ihr kennzeichnendes Merkmal in der Formenbildung ist der Wechsel des Stammvokals, der Ablaut. Die starken Verben ändern den Stammvokal im Präteritum und meistens im Partizip Perfekt:[3]
singen-sang-gesungen, liegen-lag-gelegen
Man kann alle ablautenden Verben im Deutschen in 3 Gruppen unterteilen:[4]
binden-band-gebunden
fahren-fuhr-gefahren
heben-hob-gehoben
Der Ablaut ist durch die Einwirkung des freien Wortakzents auf der indogermanischen Sprachstufe entstanden. Auf Grund der Rekonstruktion kann angenommen werden, dass das Indogermanische über einen sog. freien (beweglichen) Akzent[5] verfügte. In Sprachen mit freiem Akzent kann jeder Vokal und jede Silbe (Stammsilbe, Affix, Endung) betont werden und die Unterschiede in der Akzentstelle sind bedeutungsunterscheidend. Die meisten Forscher vermuten, dass das Indogermanische über einen musikalischen und einen dynamischen Tonakzent verfügte. Über die genaue Art der Tonführung lässt sich bei den genannten Akzentarten wenig sagen, da die germanische Sprachen den tonischen Akzent umgestaltet haben.
2. Der Ablaut im Vorgermanischen
Zum Vorgermanischen ist dieses Akzentsystem aufgegeben worden. Der Akzent wurde auf die Wurzelsilbe festgelegt. Die musikalische und dynamische Akzente sind verschwunden. Die Artikulation der Vokale hat die bedeutungsunterscheidende Funktion bekommen. Als Ausgangspunkt diente der indogermanische Wechsel des Vokals e zu o,[6] der durch unterschiedliche Vokal- und Konsonantenumgebung seine Qualitäten geändert hat (z. B. Abtönung, Dehnung oder Schwund des Vokals). An den Stellen, wo ein Vokal ausfiel, wurde Sonant[7] vokalisiert und silbertragend. Sonanten enthalten ein vokalisches Element, was im Germanischen die Sprossung eines u auf der Schwundstufe ermöglicht. Das uwird benötigt, da die Wurzelbetonung im Germanischen einen Vokal in der Wurzel verlangt. Als Beispiel nehmen wir das Verb binden (Ablautreihe 3) im Präteritum und im Partizip Perfekt:
[1] Vgl. Hennings, 2001, S. 47.
[2] Vgl. Grammatik Duden, 1998, S. 126.
[3] Vgl. Dreyer, 2000, S. 37.
[4] Vgl. Kern, 1977, S. 19.
[5] Freier Akzent wird auch im Metzler-Lexikon als ungebundener Akzent mit der Bedeutungsdifferenzierenden Funktion bezeichnet.
[6] Vgl. Ehrismann, 1976, S. 75.
[7] Laut Metzler-Lexikon 1993, S. 561, ist ein Sonant (lat. sonare `klingen´) ein stimmhafter Sprachlaut, welcher einen Silbenkern bilden kann.
Arbeit zitieren:
Volodymyr Kalinkin, 2007, Zum Ablaut im Deutschen - Vom Vorgermanischen bis zum Neuhochdeutschen, München, GRIN Verlag GmbH
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Maia Inauri
Gute Zusammenfassung!.
Diese Zusammenfassung zum Thema Ablaut ist sehr klar und deutlich gemacht. Einfach beschrieben und gut strukturiert. Große Hilfe für alle, wer sich mit dem Thema Ablaut im Deutschen beschäftigt. Wir danken dem Autor!
am Saturday, May 10, 2008-