Gliederung
1 Einleitung 3
1.1 Sexuelle Belästigung im Beschäftigtenschutzgesetz 4
1.2 Die Formen der Sexuelle Belästigung. 5
2 Personenkonstellationen in Belästigungssituationen 6
2.1 Alter der Belästiger und der Belästigten 6
2.2 Betriebszugehörigkeitsdauer der Belästiger und der Belästigten. 7
2.3 Berufliche Position des Belästigers im Verhältnis zur Belästigten. 9
3 Sexuelle Belästigung aus verschiedenen Perspektiven. 11
3.1 Organisatorische Perspektive. 11
3.2 Soziokulturelle Perspektive 12
3.3 „Natürlich-biologische“ Perspektive. 13
4 Sexuelle Belästigung im Strafrecht. 17
4.1 Auszug aus dem Strafgesetzbuch. 17
5 Schlussbetrachtung. 22
6 Literaturverzeichnis 23
2
1 Einleitung
Das Problem der Sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz ist nicht neu - es existiert, seitdem
es außerhäusliche Frauenerwerbsarbeit gibt. 1 Die Thematisierung des Problems in Unternehmen und der Öffentlichkeit ist dagegen eine relativ neue Erscheinung. Wie bei vielen anderen Themen auch, wurde Sexuellen Belästigung in den USA, im Vergleich zu
Deutschland, verhältnismäßig früh diskutiert. 2
Bei Sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz handelt es sich nicht um eine Randerscheinung; laut verschiedener Erhebungen in der Europäischen Union (EU) werden 40-50% der Arbeitnehmerinnen belästigt. Das zeigt, dass es sich um ein dem normalen Arbeitsalltag zugehöriges
Problem zu handeln scheint 3 . Dabei beschränken sich die negativen Auswirkungen von Sexuellen Belästigung nicht nur auf die direkt betroffenen Personen, für die die Belästigung häufig dazu führt, dass sie den Spaß an ihrem Beruf verlieren, psychisch angespannt sind und sich ausgeliefert fühlen. Die Folgeerscheinungen wie Stress, Ängste, Depressionen und Aggressionen, können auch die Arbeitsleistung und -zufriedenheit beeinträchtigen. Konkrete Auswirkungen wären beispielsweise der Abbruch der Karriere, der Verlust des Arbeitsplatzes
und Arbeitsunfähigkeit. 4
Öffentliche Diskussion und Enttabuisierung sind die wichtigsten Voraussetzungen für strukturelle Veränderungen. Ohne eine öffentliche Auseinandersetzung über die- bis vor wenigen Jahren nachhaltig verleugnete und totgeschwiegene- Problematik können Betriebe und Verwaltungen kein Problembewusstsein entwickeln. Enttabuisierung ist ein schwieriger und konfliktreicher Lernprozess, der sich zwischen radikalen Forderungen auf der einen und
heftigem Widerstand auf der anderen Seite bewegt. 5
Noch von wenigen Jahren wurde das Problem „Sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz“ auch von Frauenbeauftragten und Gleichstellungsstellen kaum wahrgenommen. Selten, aber
1 Vgl. Deutscher Gewerkschaftsbund (Hrsg.): Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz; Düsseldorf 1998, S. 5
2 vgl. Meschkutat B; Holzbecher M: Sexuelle Belästigung und Gewalt: (K)ein Thema für Personalverautwortliche?; in: Krell,
Gertraude: Chancengleichheit durch Personalpolitik: Gleichstellung von Frauen und Männern in Unternehmen und Verwaltungen;
rechtliche Regelungen - Problemanalysen - Lösungen; 2. Auflage; Gabler Verlag; Wiesbaden 1998; S. 398
3 Vgl. Führing M: Ursachen und Funktionen Sexueller Belästigung am Arbeitsplatz; Rainer Hampp Verlag München und Mering; Mering 200; S. 10
4 Vgl. Führing M: Ursachen und Funktionen Sexueller Belästigung am Arbeitsplatz; Rainer Hampp Verlag München und Mering; Mering 200; S. 10
5 Vgl. Sadrozinski R; Grenzverletzungen, Sexuelle Belästigung im Arbeitsalltag; Fischer Taschenbuch Verlag GmbH; Frankfurt am Main 1993; S. 87
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doch zunehmend häufiger meldeten sich Frauen, die sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz erlebt hatten, mit dem Wunsch nach Unterstützung. Vor allem aber offenbarte sich das Ausmaß des berührten Tabus: In weit größerem Maße als bei anderen Benachteiligungen und Diskriminierungen von Frauen im Arbeitsleben werden bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz Widerstände und Abwehr lebendig. Sie reichen vom Herunterspielen und InfragestelIen des Konfliktgehalts bis zu scharfen Angriffen auf die persönliche Glaubwürdigkeit der Klägerin. Sexuelle Belästigung ruft emotional stark besetzte und tabuisierte Betroffenheit auf den Plan: Es geht um Macht und Ohnmacht, um Herrschaftsmuster in der Geschlechterbeziehung in Verbindung mit Sexualität. Es zeigte sich, dass individuelle offene Gegenwehr im Einzelfall zwar erfolgreich die Mauer des Schweigens durchbrechen kann und das Opfer am Ende nicht isoliert ist. Gleichzeitig ist aber die betroffene Frau den Belastungen und Verletzungen einer Konfrontation in einem von Macht geprägten Raum schutzlos ausgesetzt. Deshalb kann dies nicht der einzige Weg sein, auf dem eine Veränderung des öffentlichen Bewusstseins und des institutionellen Umgangs mit sexistischen Übergriffen und Belästigungen in der Arbeitswelt vorangebracht wird. 6 Frauenbeauftragte, Gleichstellungsstellen und betriebliche Frauenvertretungen haben demgegenüber in den letzten Jahren versucht, mit Hilfe betrieblicher Befragungen, Untersuchungen und Kampagnen einen Raum für breite öffentliche Auseinandersetzung und Enttabuisierung zu schaffen. 7
1.1 Sexuelle Belästigung im Beschäftigtenschutzgesetz
In der Literatur findet sich eine große Anzahl unterschiedlicher Definitionen für Sexuelle Belästigung, aber gibt es bislang noch keine offizielle und allgemein gültige Definition. Seit dem 1. September 1994 wird im Beschäftigtenschutzgesetz explizit der Problembereich Sexuelle Belästigung geregelt.
"Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist jedes vorsätzliche, sexuell bestimmte Verhalten, das die Würde von Beschäftigten am Arbeitsplatz verletzt. Dazu gehören: 1. sexuelle Handlungen und Verhaltensweisen, die nach den strafgesetzlichen Vorschriften unter Strafe gestellt sind,
6 Vgl. Sadrozinski R; Grenzverletzungen, Sexuelle Belästigung im Arbeitsalltag; Fischer Taschenbuch Verlag GmbH; Frankfurt am Main 1993; S. 88
7 Vgl. Sadrozinski R; Grenzverletzungen, Sexuelle Belästigung im Arbeitsalltag; Fischer Taschenbuch Verlag GmbH; Frankfurt am Main 1993; S. 88
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2. sowie sonstige sexuelle Handlungen und Aufforderungen zu diesen, sexuell bestimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie Zeigen und sichtbares Anbringen von pornographischen Darstellungen, die von den Betroffenen
erkennbar abgelehnt werden.“ 8
1.2 Die Formen der Sexuelle Belästigung
Es gibt vier Kategorien der Belästigungsformen:
1. Verbal: obszöne Witze und Anspielungen, zweideutige Bemerkungen über Figur und sexuelles Verhalten, Aufforderungen zum Geschlechtsverkehr, unerwünschte Einladung mit eindeutiger Absicht, Avancen sowohl schriftlich als auch telefonisch. 9 Sexuelle
Auszüglichkeiten machen offenbar einen wesentlichen Bestandteil der Gesprächen am Arbeitsplatz aus. Die Frauen können sich über die Witze und Anspielungen ihrer Kollegen,
Vorgesetzten oder Klienten vielfach nicht amüsieren. 10
2. Nonverbal: Anstarren, Hinterherpfeifen, taxierende Blicke, Aufhängen von Pin-ups und pornographischen Bildern am Arbeitsplatz, auffordernde Gesten, Exhibitionismus. 3. Physisch: Unerwünschter körperlicher Kontakt, „zufällige“ Berührung von Körperteilen wie Brust und Genitalien, Po-Kneifen oder Klapsen, Aufgedrängte Küsse und Umarmungen, (versuchte) Vergewaltigung. Schwere Formen sexuelle Übergriffe, die auf den Intimbereich der Frauen gerichtet sind, finden allerdings vielfach unter Ausschluss eines Publikums statt. Unter diesen Bedingungen kann das zudringliche Verhalten für das Opfer zu einer massiven Bedrohung seiner körperlich-sexuellen Unversehrtheit erwachsen, deren Endpunkt nicht mehr
einschätzbar ist. 11
4. Sexuelle Erpressung: Androhung beruflicher Nachteilen bei sexueller Verweigerung,
Versprechen beruflicher Vorteilen bei sexuellem Entgegenkommen. 12
8 Beschäftigtenschutzgesetz vom 24.6.1994: §2 (2); in Arbeitsgesetze; DTV; München 1998; S. 49
9 Vgl. Führing M: Ursachen und Funktionen Sexueller Belästigung am Arbeitsplatz; Rainer Hampp Verlag München und Mering; Mering 200; S. 15
10 Vgl. Schnock B; Die Gewalt der Verachtung, Sexuelle Belästigung von Frauen am Arbeitsplatz; Röhrig Universitätsverlag; St. Ingbert 1999; S. 59-66
11 Vgl. Schnock B; Die Gewalt der Verachtung, Sexuelle Belästigung von Frauen am Arbeitsplatz; Röhrig Universitätsverlag; St. Ingbert 1999; S. 143
12 Vgl. Führing M: Ursachen und Funktionen Sexueller Belästigung am Arbeitsplatz; Rainer Hampp Verlag München und Mering; Mering 2001; S. 15
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2 Personenkonstellationen in Belästigungssituationen
In einer Studie des Bundesministeriums für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit werden in der Branchenuntersuchung zu Sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz die Variablen Alter, Betriebszugehörigkeit, relative berufliche Position und Familienstand von Tätern und Opfern erfasst.
2.1 Alter der Belästiger und der Belästigten
Abbildung 1: Alter der Belästiger und der Belästigten zum Zeitpunkt der Belästigung
Quelle: Eine Erstellung in Anlehnung an: Holzbecher, Monika; Braszeit, Anne; Müller, Ursula; Plogstedt, Sibylle: Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz; Kohlhammer Verlag; Stuttgart 1990; S.265
In der oben stehenden Abbildung wird die prozentuale Verteilung von vier Gruppen in den einzelnen Altersklassen gegenübergestellt. Für die Branchenuntersuchung werden von
Holzbecher et al. 1981 Fragebögen als auswertbar angegeben. 13 Mit Ausnahme der Angaben zur Altersverteilung der männlichen Erwerbspersonen stammen die Zahlen aus der Branchenuntersuchung der BMJFFG-Studie. Die Spalte "Belästigte Frauen" stellt dabei die von SB betroffene Teilgruppe der insgesamt befragten Frauen dar. Die Angaben über das Alter der männlichen Belästiger ergeben sich aus dem Kenntnisstand der Betroffenen.
13 Vgl. Holzbecher, Monika; Braszeit, Anne; Müller, Ursula; Plogstedt, Sibylle: Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz; Kohlhammer Verlag; Stuttgart 1990, S. 253
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Arbeit zitieren:
Ina Aleksandrovich, 2008, Sexuelle Belästigung von Frauen am Arbeitsplatz - Ursachen und Gegenmaßnahmen, München, GRIN Verlag GmbH
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