1. Vorwort
Als die grosse Auswahl an Büchern für diese Arbeit bekannt gegeben wurde, stach mir eines gleich ins Auge: der Spieler. Im Gegensatz zu den andern Titeln, kann man vieles bereits aus dem Titel herauslesen.
Da ich selber auch ab und zu an Wettspielen teilnehme, faszinierte mich das Thema Spielsucht von Anfang an. Nach einigen kurzen Recherchen über das Buch, stellte ich fest, dass dieses Buch für einen Einstieg in die russische Literatur ideal wäre. Da dieses Buch eher zu den kleineren Werken Dostojewskijs gehört, war es unter anderem auch ein gutes Einstiegsbuch in die Werke von Dostojewskij. Dieses kleine Meisterwerk ist sehr stark autobiographisch geprägt und zeigt viele Parallelen zu Dostojewskijs wahrem Leben.
Die Spielsucht an sich ist ein klassisches Thema, dem sich viele Autoren angenommen haben, um die menschliche Natur und deren Leidenschaft zu ergründen. In diesem Bereich ist Dostojweskijs „der Spieler“ sicherlich ein Literatur Klassiker.
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2. Inhalt
1. Vorwort. 1
2. Inhalt. 3
3. Einleitung. 4
3.1 Spielen 4
3.2 Spielsucht 4
4. Inhalt. 5
4.1 Hoffnung. 5
4.2 die Wende 5
4.3 der Untergang 5
5. Der Autor 7
5.1 Fjodor Michailowitsch Dostojewski. 7
5.2 Biographie 7
5.3 Einfluss. 8
6. Entstehungsgeschichte. 9
6.1 Dostojewski und seine Spielsucht 9
6.2 Seine Liebe zu Apollinaria Suslowa 10
7. Das Buch 10
7.1 Der Spieler 10
7.2 Schreibstil 13
8. Schlusswort. 13
9. Literaturverzeichnis. 15
9. 15
3
3. Einleitung
3.1 Spielen
Spielen ist menschlich. Sowohl im Kindesalter als auch im Erwachsenenalter beansprucht das Spielen seinen Platz im Leben. Spielen fördert nicht nur den sozialen Kontakt mit unsern Mitmenschen, sondern lässt uns in gewisser Weise auch den Alltag vergessen. Kinder lernen spielerisch neue Dinge, um sich in unserer Welt zu Recht zu finden. Spielen sollte somit eine nicht zwecks- orientierte Tätigkeit sein und einen primären Teil unseres Lebens einnehmen. 3.2 Spielsucht
Eine Form des Spielens ist die des Glücksspiels. Die Charakteristik der Glücksspiele ist der Entscheid des Zufalls über den Gewinn und Verlust. Bestandteile des Glücksspieles sind Einsatz, ein Gewinn oder das Risiko des Verlustes. Geld als Einsatzmittel macht das Spiel um so bedeutender. Ein schneller finanzieller Gewinn verlockt nicht nur Spieler, sondern ist auch für die Betreiber sehr lukrativ. Dabei gehen die Spieler ein hohes Risiko des Verlustes ein, was die Betreiber des Glücksspiels nicht tun. Glücksspiele gibt es in vielen Ausführungen: Roulette, Lotterien, Wetten, Black Jack usw.…
Während viele, jene Spiele um Gewinn, ohne weitere Probleme in das Alltagsleben einbauen können, wird es für andere zu einer zwanghaften Tätigkeit - zur Spielsucht.
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4. Inhalt
4.1 Hoffnung
Die Handlung nimmt ihren Lauf, als der Hauslehrer, Aleksej Iwanowitsch, zu den seinen in Roulettenburg hinzustösst. Hier wartet der hoch verschuldete General mit seiner Familie auf die Nachricht, dass die schwerreiche und angeblich todkranke Tante das Zeitliche segnen wird. Nur dieses Erbe kann ihn vor dem totalen Ruin bewahren und die Schulden bei dem Franzosen des Grieux begleichen. Auch würde dieser finanzielle Vorschub die Heirat mit Madame Blanche äusserst begünstigen. Der etwas ältere General ist unsterblich in die junge Blanche verliebt. Ebenfalls buhlt des Grieux um die Hand von Polina, der Stieftochter des Generals, mit der er ein heimliches Bündnis hat. Nicht nur der Franzose ist von Polina entzückt, sondern auch der Brite, Mr. Astley ist insgeheim in Polina verliebt. Auch Aleksej Iwanowitsch hält seine Gefühle für Polina, in die er unsterblich verliebt ist, nicht zurück. Jedoch erntet er von dieser nichts als Spott und Verachtung. Sie spannt ihn für ihre Zwecke ein und schickt ihn ins Spielhaus, um für sie Geld zu gewinnen. 4.2 die Wende
Während alle auf die Nachricht des Todes der Tante warten und hoffen, erscheint diese plötzlich persönlich in Roulettenburg und demonstriert ihre robuste Gesundheit. Nachdem die grosse Überraschung gewichen ist, ist der General äusserst frustriert. Zudem lässt die Tante ihn unverhohlen wissen, dass er kein Geld von ihr erhalten würde. Gleichzeitig findet die Tante gefallen am Roulette. Die Familie muss tatenlos zuschauen, wie die Tante Tag für Tag in den Spielsälen verkehrt und dort ihr Vermögen liegen lässt. Auch die Bemühungen Alexejs, die Tante davon abzuhalten, scheitern. Von niemandem lässt sie sich etwas sagen und weist die Familie und ihre Anhänger in ihre Schranken. 4.3 der Untergang
Schliesslich kommt es zur Katastrophe: die Tante hat fast ihr gesamtes Vermögen beim Roulette verspielt und kehrt wieder nach Moskau zurück. Der General steht kurz vor dem Zusammenbruch, da ihn Madame Blanche verlassen hat und sein Erbe nicht mehr vorhanden ist. Somit ist die Verehelichung mit der Französin ein für alle Mal geplatzt. Auch des Grieux, der einsieht, dass der General verloren ist, lässt 5
Polina fallen und verlässt die Familie. Die Lage Polinas und des Stiefvaters ist somit aussichtslos.
Daraufhin offenbart Polina Alexej ihre Liebe. Dieser rennt sofort zum Roulette, um Geld für Polina zu beschaffen, damit diese ihre Schulden bei Grieux begleichen kann. Tatsächlich gewinnt Alexej 200‘000 Francs beim Roulette und will einen Anteil seines Gewinnes Polina überlassen. Obwohl er vorerst einzig aus dem Grund, Polina zu helfen, Roulette spielen geht, wird er mehr und mehr zu einem Spieler. Als Polina erkennt, dass die Spielsucht seine Liebe zu ihr verdrängt hat, flüchtet sie zu Mr. Astley, der sie aufnimmt. Auch mit ihm pflegt Alexej eine freundschaftliche Beziehung, die aber nicht ins Vertrauliche geht.
Da nun Alexej ein reicher Mann geworden ist, beginnt ihn Madame Blanche zu umgarnen. Diese überredet ihn, mit ihr nach Paris zu gehen. Dort angekommen, verprasst Blanche sein Geld innerhalb kurzer Zeit und behandelt ihn wie ihr Schosshündchen. Schliesslich heiratet Blanche den, ihr nachgereisten General, einzig seines Ranges wegen und lässt Alexej fallen. Doch dies stört ihn nicht besonders, auch nicht, dass die Französin mit seinem Geld die Hochzeit finanziert. Verarmt verlässt er Paris und schlägt sich als Lakai durch. Das verdiente Geld bringt er immer wieder an die Spieltische und verliert. Zufällig begegnet er wieder Mr. Astley und auch dessen Nachricht, dass Polina ihn liebe und wiedersehen möchte, kann Alexej nicht davon abhalten, noch ein letztes Mal Roulette spielen zu gehen. Die Spielsucht hat ihn vollends im Griff und hier endet der Roman ohne jede Hoffnung, dass Alexej sich je wieder bessern und sich von der Spielsucht losreissen könnte.
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5. Der Autor
5.1 Fjodor Michailowitsch Dostojewski
Dostojewski gehört zu den zentralen Vertretern des Realismus in der russischen Literatur und gehört zu den bedeutendsten Autoren des 19. Jahrhunderts. Seine Leser begeisterte er nicht nur mit moderner psychologischer Erzählweise, sondern, zieht sie auch mit seiner philosophischen Komplexität seiner Romane, in seinen Bann.
"Wenn wir eine der wesentlichsten Aufgaben der Kunst darin erblicken, unsere Rezeption der Wirklichkeit, des Menschen und des Lebens, zu erweitern und zu vertiefen, so können wir Dostojewski als Künstler ohne Zögern neben Shakespeare stellen. Es wird schwer sein, einen zweiten Autor zu finden, dessen Drang, die Geheimnisse des menschlichen Bewußtseins mit all seiner Angst, seinen dramatischen Konflikten und Widersprüchen
aufzudecken, so ungestüm gewesen wäre wie der Dostojewskis." 1
5.2 Biographie
Dostojewski wird als zweites von sieben Kindern eines Militärarztes, 1821 in eine verarmte Adelsfamilie hineingeboren. Nach dem Tod der Mutter zieht er nach Petersburg und beginnt dort von 1838-1843 sein Bauingenieurstudium in einer Militärakademie. 1839 wird sein Vater durch seine leibeigenen Bauern auf seinem Landgut ermordet. Vier Jahre später schliesst er sein Studium im Rang eines Offiziers ab. Gleichzeitig verabschiedet er sich von der Armee, um als freier Schriftsteller zu arbeiten. 1946 veröffentlicht er sein Erstlingswerk: Arme Leute. Dostojewski wurde schlagartig berühmt und die russischen Zeitgenossen feierten ihn als ein Genie. 1847 veröffentlicht er „die Wirtin“, tritt der revolutionären Bewegung bei, wird später wegen staatsfeindlichen Aktivitäten verhaftet und zum Tode verurteilt. Unmittelbar vor der Hinrichtung wird er durch Zar
1 Janko Lavrin
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Nikolaus I begnadigt. Jedoch wird er zu vier Jahren Exil mit Zwangsarbeit und anschliessendem Militärdienst verurteilt. In der Haft wird seine epileptische Erkrankung diagnostiziert. 1857 heiratet er Maria Dimitrijewna Issajewa und wird wegen schweren epileptischen Anfällen aus der Armee entlassen. Darauf erscheinen „Ein kleiner Held“, „Onkelchens Traum“ und „Aufzeichnungen aus einem
Totenhaus“, ein Dokument aus seiner Exilzeit. 1861 erscheint die erste Ausgabe der Zeitschrift „Die Zeit“, die von Dostojewski und seinem Bruder gemeinsam redigiert wird. 1862 erfolgt die erste Europareise nach Berlin, Köln, Dresden, Paris, London, Wien, Florenz und Genf. Ein Jahr darauf, wird „die Zeit“ wegen eines als antipatriotisch eingeschätzten Artikels verboten. Im selben Jahr macht er eine zweite Auslandsreise nach Frankreich, Deutschland und Italien. 1864 erscheint das erste Heft der von Dostojewski neu gegründeten Zeitschrift „die Epoche“. Im selben Jahr sterben seine Frau und sein Bruder. 1866 erscheinen „Schuld und Sühne“, das ein Teil der Weltliteratur wurde, und „der Spieler“. Ein Jahr später heiratet er seine Stenographistin Anna Snitkina und flüchtet wegen Schulden ins Ausland. 1869 erscheinen „der Idiot“ und ein Jahr später „der ewige Gatte“. 1873 arbeitet er als Redakteur für die konservative und slawophile Zeitschrift „Der Bürger“. „Die Dämonen“ erscheinen als Einzelausgabe in drei Bänden. 1875 erscheint „der Jüngling“. In den folgenden Jahren engagiert er sich mehr und mehr in politischen und sozialen Bereichen. 1880 erscheint sein Meisterwerk „Brüder Karamasow“. 1881 stirbt Dostojewski an einem Lungenemphysem als Neunundfünfzigjähriger. An seiner Trauerfeier nehmen 60 000 Trauergäste teil. 5.3 Einfluss
Dostojewski nahm durch seine grossen Werke einen grossen Einfluss auf die Literatur des 20. Jahrhunderts. Vor allem auf die existentialistische und expressionistische Strömung, waren seine Einflüsse sehr gross. Auch hatte er eine Vorbildsfunktion für den deutschen Naturalismus. Viele Autoren liessen sich von ihm beeinflussen, unter andrem Friedrich Nietzsche, Marcel Proust, William Faulkrier. Albert Camus usw.. In vielen seiner Romane durchleuchtet Dostojewski die menschliche Natur in all ihren Abgründen.
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6. Entstehungsgeschichte
Um den Vertrag mit seinem Verleger einzuhalten und damit einer Geldbusse wegen Verspätung zu entgehen, schreibt Dostojewskij diesen Roman in nur 25 Tagen. Jeweils von 12 bis 16 Uhr diktiert Dostojewski diesen Roman seiner späteren Frau und Stenographin Anna Grigorjewna Snitknina. Schon seit seinem ersten Besuch im Casino trägt Dostojewski die Idee, ein Buch über einen jungen Spieler zu schreiben, mit sich herum. Deshalb ist das Buch sehr stark autobiographisch geprägt. In diesem kleinen Roman verarbeitet er zwei persönliche Erlebnisse: Seine Spielsucht und seine Liebe zu Apollinaria Suslowa. 6.1 Dostojewski und seine Spielsucht
Dostojewski war durch und durch ein Spieler. Stets hatte er Schulden. Er schrieb fast all seine Romane unter Schuldendruck. Er war wahrhaftig ein Berufsliterat, ein Lohnsklave der Verleger. Um der finanziellen Katastrophe zu entrinnen, begann er zu spielen. Dies tat er aber nie aus Leidenschaft. Einzig allein aus dem Grund, sich und den seinen ein angenehmes Leben zu gestalten, die Schulden für sich und den Bruder zu tilgen, sich wieder einmal eine Atempause zum Schreiben eines Romanes zu gönnen. Doch er ist, wie der Held Alexej Iwanowitsch aus dem Roman, auf der Suche nach Freiheit. Er war nämlich der Auffassung, dass Armut knechtet. In den Glücksspielen sieht er die Möglichkeit, der Armut zu entkommen. Ab und zu gewinnt er, doch schlussendlich steht er fast immer mit leeren Händen da. Egal, wo er spielt, in Saxon-les-Bains, Homburg oder in Wiesbaden, immerzu verliert er. Einige dieser Spielorte tauchen auch im Roman auf. So ist Wiesbaden vermutlich, das im Roman erwähnte Roulettenburg. Er war jahrelang ein Spieler, der nicht loslassen konnte. „Nicht zum Vergnügen Spiele ich, es war der einzige Ausweg“ 2 Seiner Frau Anna schickte er immer wieder chiffrierte Telegramme, damit der Hotelier nichts von seiner erneuten Pleite mitbekommt und berichtet ihr, dass er ein todsicheres System erfunden hat. Darauf eine Nachricht, dass er doch alles verloren hat. Der versprochene Abschied vom Spielen kam jedoch unerwartet. Nach einem weiteren schweren Verlust in Wiesbaden sucht er in seiner Verzweiflung einen
2 Dostojewski, 2005, S 183
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russischen Priester auf und findet sich in einer Synagoge wieder, im Glauben, es sei eine orthodoxe Kirche.
„Es war, als hätte man mich mit kaltem Wasser übergossen.“ 3 Der Schock war gross und wirkte wie eine Therapie. Nach diesem Erlebnis setzte er sich nie wieder an einen Spieltisch. 6.2 Seine Liebe zu Apollinaria Suslowa
Ein zweites Thema, das er in diesem Roman verarbeitet, ist seine Liebe zu Apollinaria Suslowa. Im Roman selber, wird sie von der Polina verkörpert. Sie war einst eine Mitarbeiterin bei der Zeitschrift „die Zeit“ und war eine Vertreterin der Frauenemanzipation in den sechziger Jahren. 1863 trifft er sich mit seiner Geliebten in Wiesbaden und setzt sich in ihrer Begleitung zum ersten Mal ans Roulette. Die Leidenschaft für Polina und das Spielen, wie auch im Buch, verschmelzen. So wird deutlich, warum er als Schauplatz Wiesbaden in Form von Roulettenburg gewählt hat. An diesem Ort paaren sich die Liebe und die Spielsucht, und der Konflikt beginnt. 1865 stellt er der unstet Geliebten einen Heiratsantrag. Ein Antrag, der von ihr abgewiesen wird, weil sie seine Spielsucht nicht mehr ertragen kann. »Jetzt warte ich jeden Augenblick, dass er kommt und sagt, er habe alles verspielt. Dann
werden wieder Kleider und Paletot verpfändet. Ach wie mir das alles zuwider ist.« 4 7. Das Buch
7.1 Der Spieler
Der Schauplatz ist wie erwähnt Roulettenburg. Die Hauptfigur, welche in ICH-Form erzählt, ist Alexej Iwanowitsch, der von seinen Erfahrungen berichtet. Das Buch ist in drei Phasen gegliedert. Am Anfang wird der Leser ins kalte Wasser geworfen und er taucht in eine Welt voller Wirrungen und Intrigen. Man wird mit der Hierarchie der Gesellschaft konfrontiert. Vieles wird noch nicht verraten und erst nach und nach werden die Beziehungen untereinander aufgedeckt.
3 Dostojewski, 2005, S 184
4 Apolinaria Suslowa
10
Das Leben in Roulettenburg wirkt leicht und lebenswert. Die Gesellschaft um den General leistet und gönnt sich viel Luxus, obwohl das Geld fehlt. Den vermutlich eintreffenden Sturz des Generals in der Gesellschaft kann man bereits hier vorahnen. Es ist makaber, wie der General und seine Anhängerschaft bangend auf die Todesnachricht der Tante warten. Hiermit kritisiert der Autor die russische Gesellschaft. Er kritisiert seine Faulheit. Seine Faulheit und die Hoffnung, am Spieltisch in kurzer Zeit viel Geld zu gewinnen.
Indirekt übt er auch Selbstkritik an sich aus, indem er das Spielen ablehnt. Dadurch spürt man, dass Dostojewski versucht hat, sich gegen seine Spielsucht zu wehren. Die zweite Phase beginnt mit der Ankunft der Tante und die Handlung nimmt einen grotesken Lauf. Wahrlich ist sie das Glanzstück des gesamten Romans. Ihren Charakter kann man mit einer Palette an Beschreibungen wiedergeben: kindisch, strikt, aufbrausend, klug, gütig und doch eigensinnig. Diese prächtige Gestalt in Form einer alten Russin ist ihm meisterhaft geglückt. Interessant war ihr Verhalten gegenüber ihrer Lakaien. Sie behandelt sie als ein Stück Dreck, als Nichts. Sie sehen es sogar als Ehre an, ihr dienen zu dürfen. Die einzigen Personen, die sie respektiert, sind Mr. Astley und Alexej selbst. Es gibt einige Verzweigungen innerhalb der Geschichte. So wird zum Beispiel Alexejs Schicksal anhand der reichen Tante, die fast ihr gesamtes Vermögen verliert, vorweggenommen,
Besonders eindrücklich sind die Szenen in den Spielsälen. Keiner vermag, diese, so exzentrisch genau zu beschreiben, als einer, der die Spielsucht selbst erlebt hat wie Dostojewskij. Aus der Ich-Form wirkt das ganze Geschehen im Spielsaal sehr authentisch und man spürt förmlich den Drang des Spielers, einen Einsatz zu setzen. Hier ist ein kleiner Auszug, wie sich Alexej in den Rausch spielt: „Ich war wie von Fieber geschüttelt und schob den ganzen Haufen Geld auf Rot - und kam plötzlich zur Besinnung! Ein einziges Mal an diesem Abend, bei diesem Spiel, fuhr mir kalter Schrecken durch die Glieder und liess Hände und Beine erzittern. Mit entsetzen wurde mir plötzlich bewusst, was es für mich bedeuten würde, zu verlieren! Der Einsatz war mein
Leben!“ 5
5 F.M. Dostojewski, 2005 S 133/134
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Ihm gelingt fabelhaft, das Innenleben eines Spielers darzustellen. Der Spieler hängt sein Schicksal an Rouge und Noir und wird von diesen innerlich zerrissen. Hier kann Dostojewski seine gesamte Erfahrung, die er einst selbst als Spieler gemacht hat, mit einfliessen lassen.
Für die Liebe zu Polina würde der junge Mann alles tun. „ Sie sagten mir letzthin auf dem Schlangenberg, dass Sie bereit seien, auf mein
erstes Wort hin kopfüber in die Tiefe zu springen, (…)“ (Polina zu Alexej) 6 Hier wird deutlich, dass er bereit war, für die Liebe zu sterben. Doch erwidert diese seine Gefühle nicht im Geringsten. Hält ihn weiterhin in ihrer Sklaverei. Seine Bereitschaft, ihr zu helfen, missbraucht sie für ihre Vorteile. Teilweise nehmen die Handlungen sogar sadomasochistische Züge an. Alexej Iwanowitsch ist nicht fähig, sich und seiner Liebe treu zu bleiben. Aber genau dieses irdische Mass macht den Spieler so sympathisch.
Auch die Frage nach der Existenz des Menschen taucht auf. Der Spieler setzt seine ganze Existenz aufs Spiel. Die Motive, die ihn dazu verleiten, sind von Mal zu Mal verschieden. Am Anfang ist es die Liebe, die Liebe zu Polina, die Alexej zum Spielen motiviert. Später ist diese Liebe der Leidenschaft gewichen, dann der Freiheit, der Wunsch frei zu sein und nicht als Lakai dienen zu müssen. Die Tiefe der menschlichen Leidenschaft wird dadurch ergründet.
Die dritte Phase beschreibt Alexejs Dahinvegetieren ohne irgendein Ziel zu haben. Er fällt in der Gesellschaft immer tiefer und landet sogar im Gefängnis. Irgendwie hat man das Gefühl, dass das Spielen seine Lebensenergie ausgesaugt hätte, die Lust am Leben. Mehr und mehr versucht er, sein Schicksal heraus zufordern. Irgendwann ist dann die Grenze erreicht, an der das Schicksal nichts Gutes mehr bereit hält. Die Hoffnung aber gibt er nie auf.
Dostojewski drückt in seinem Roman bewusst den verschiedenen Nationen einen Stempel auf. Die Engländer deutet er als sparsame und höfliche Menschen. Die Franzosen wiederum sind zwar äusserlich schön, aber innerlich gemein. Dies ist
6 Dostojewski, 2001, S 14
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durch das ganze Buch hindurch zu beobachten. Er vergleicht die russische Formlosigkeit, das Alles-oder-Nichts Prinzip, mit der bürgerlich europäischen Form. „Darauf, dass die Fähigkeit, Kapital zu erwerben, den Katechismus aller Tugenden und Vorzüge eines zivilisierten westlichen Bürger geradezu dominiert. (…)Der Russe hingegen ist nicht bloss unfähig, kapital zu erwerben, nein, er verjubelt es auch noch auf irgendwie albere und hässliche Art. (…)folglich machen uns solche Methoden wie das Roulette froh (…) kann man doch dort ohne Mühe, auf einen Schlag, (…) zum
reichen Mann werden“ 7
Diese Ideen tauchen jedoch nur am Rande auf und werden vom Auf und Ab von Liebe und Roulette verdrängt. 7.2 Schreibstil
Das Buch ist in Romanform verfasst. Von der ersten Seite an wird klar, dass Dostojewski kein begeisterter Romantiker war. Seine Sätze sind bedacht und leicht. Sein Schreibstil nimmt sogar satirische Züge an und widerspiegelt die kühle Art des Schriftstellers. Mit der Ankunft der Tante wird sein Stil ernster. Was anfangs noch sehr detailliert beschrieben wurde, wird gegen Ende immer knapper. Er erzählt nur noch das Notwendigste, während am Anfang alles penibel genau erläutert wurde. Wiederholungen sind kein Tabu für den Autoren. Der Roman ist gespickt von Fremdwörtern. Vor allem das Französische gebraucht er regelmässig.
8. Schlusswort
Der Reiz des Buches ist Alexej, der sich bewusst dem bösartigen Schicksal hingibt. Die Entwicklung eines jungen Mannes von hoffnungslos verliebt bis zu einem abgestumpften Menschen, wird grandios erzählt. Die Erlebnisse rund um Roulette sind eindrucksvoll beschrieben und lassen den Leser in die Welt der Spielsucht eintauchen. Die Tiefe der menschlichen Leidenschaft wird vom Autor ergründet. Dieser verarbeitet mit diesem Werk selbst, seine einstige Spielsucht und seine nie erfüllte Liebe zu seiner Geliebten. Zusammengefasst wird die menschliche Psyche nur kurz gestreift und dadurch eignet sich das Buch hervorragend als Einstieg.
7 F.M. Dostojewski, 2005, S.31
13
„Überall habe ich die Grenze überschritten, überall.“ 8
8 F. M. Dostojewski
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9. Literaturverzeichnis Bücher Primärliteratur
Fjodor Dostojewskij, Der Spieler, Düsseldorf und Zürich 2001 Fjodor Dostojewskij, Der Spieler, Stuttgart 2005 Sekundärliteratur
Fjodor Dostojewskij, Der Spieler, Stuttgart 2005, S.181-190 Dostojewski, Der Spieler, Späte Romane und Novellen, München 1999, S.749-790 Braun, Maximilian, Dostojewskij. Das Gesamtwerk als Vielfalt und Einheit. Göttingen 1976, S.148-156
Sekundärliteratur Internet
http://deaddodo.org/ugugu/Fjodor_Dostojewskij , 15.04.2008 http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Spieler_(Roman), 01.05.2008 http://de.wikipedia.org/wiki/Fjodor_Dostojewski, 03.05.2008 http://www.dostojewsky.de/dostojewskij_biographie.php?lpos=1, 15.04.2008 http://www.forum-gluecksspielsucht.de/aktuelles/news537.html, 26.04.2008 http://www.hamburger-bildungsserver.de/faecher/deutsch/weltliteratur/dostojewski/ 22.04.2008
http://www.hr-online.de/website/rubriken/kultur/index.jsp, 25.04.2008 http://www.literaturcafe.de/spieler/spieler.html, 03.05.2008 http://www.whoswho.de/templ/te_bio.php?PID=495&RID=1, 25.04.2008
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Bilder
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