Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Zeitliche Dynamik: Zunehmende Erwerbsorientierung der Frauen und ihre
Folgen 4
3. Kinderlose Akademikerinnen: Kritische Betrachtungen zur aktuellen Debatte
und empirische Befunde 5
4. Die Theorie rationalen Handelns 8
4.2 Wert - Erwartungstheorie (WET): Betrachtung der zwei grundsätzlichen
Handlungsoptionen von Hochschulabsolventinnen - Kind oder Karriere 10
4.3 Ergänzende Erklärungsansätze: Die ökonomische Theorie der Familie 14
5. Kritische Nachbetrachtungen und Diskussionen 15
Quellenangaben 18
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1. Einleitung
Sie können nicht gebären“ (Ravera 1986: 33).
Sinkende Geburtenraten und ein Land, das in Folge dessen immer mehr vergreist, sind Themen, die nicht neu sind. Kinderlosigkeit wird zunehmend zur Selbstverständlichkeit. Besonders geraten dabei Akademikerinnen in den Fokus der Aufmerksamkeit und glaubt man den Medien, so scheinen sie letztendlich Schuld an der Misere „vergreistes Deutschland“ zu sein. Nach aktuellen Angaben des Mikrozensus sind 40% der Hochschulabsolventinnen kinderlos im Vergleich zu 20% der Frauen der Allgemeinbevölkerung. Diese derzeitige Thematisierung in den Medien bietet eine gute Basis, um sich mit der Fertilität von
Akademikerinnen zu beschäftigen. Zunächst soll anhand empirischer Studien 1 überprüft werden, ob Akademikerinnen denn tatsächlich prozentual gesehen seltener Kinder bekommen als die Allgemeinbevölkerung und ob es innerhalb
dieser Gruppe 2 einen zunehmenden Trend in Richtung Kinderlosigkeit gibt. Wenn sich die Annahme, dass mit steigendem Bildungsniveau die Fertilitätsrate sinkt, sich bestätigt, soll dieses Erklärungsproblem auf die Theorie rationalen Handelns angewendet werden. Sie soll kombiniert werden mit der momentan stattfindenden öffentlichen Debatte, die sich durch eine nun folgende Sammlung zahlreicher Zeitungsartikel widerspiegeln wird. Denn obwohl es in der Literatur selbstredend viel Material zur Familiensoziologie und der immer wieder debattierten Problematik der Unvereinbarkeit von Familie und Beruf gibt, so wurden die Akademikerinnen bisher eher verhalten betrachtet. Glaubt man den Medien und aktuellen Studien, ist Akademikerinnen ihre Karriere zunehmend wichtiger als die Familie. Ist Kinder kriegen out? Oder spielen möglicherweise externe Effekte eine Rolle, die bisher eher im Hintergrund standen? Im nachfolgenden soll mittels der Wert-Erwartungstheorie im Rahmen von Rational-Choice zumindest skizzenhaft versucht werden, mögliche Erklärungen aufzuzeigen und diese auch kritisch zu betrachten.
1 Die Recherche aktuellen Materials hat m.E. die größten Probleme mit sich gebracht.
Methodische Mängel innerhalb des Mikrozensus, die noch Erläuterung finden werden sowie die
eher eingeschränkte Vergleichbarkeit der Daten durch die einzelnen Institute, haben die Probleme
nicht unbedingt gemindert.
2 Die Gruppe der Akademikerinnen ist durchaus nicht homogen. So gibt es Unterschiede je nach
Fachrichtung, aber auch ein Ost-West-Gefälle. Allerdings kann hier nicht weiter ausdifferenziert
werden, so dass als gemeinsamer Nenner das höchst mögliche Bildungsniveau steht.
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2. Zeitliche Dynamik: Zunehmende Erwerbsorientierung der Frauen und ihre Folgen
Die 50er und 60er Jahre symbolisieren das letzte Goldene Zeitalter der Kernfamilie und dem damit einhergehenden Baby-Boom. Pluralisierungsprozesse und jene Vorstellungen dessen, was denn nun normal ist und was nicht, haben den Frauen die nötigen Freiräume geschaffen (Vgl. Lüscher & Lange 1996, S.27ff.). Auch U. Beck (1996) spricht von der Demokratisierung der Familie und es zeigt sich, besonders analog zu Kirchen, der Zusammenbruch von bisherigen Abhängigkeits- und Autoritätsstrukturen und eines damit verbundenen Empfindens von Freiheit (Vgl. Beck 1996, S.37f.). Auch nach Ziefle (2004) ist die Erwerbsbeteiligung der Frauen kontinuierlich angestiegen, wodurch aber die zunehmende Erwerbsorientierung sowie das Erwerbspotential letztendlich zu einem kaum miteinander vereinbaren Punkt von Familie und Karriere für die Frauen führt (Vgl. Ziefle 2004, S.213). Insbesondere Hochschulabsolventinnen sehen sich in Folge dessen mit steigenden Opportunitätskosten in Bezug auf den Kinderwunsch konfrontiert, so dass generell von einem negativen Zusammenhang zwischen Frauenerwerbstätigkeit und Geburtenraten gesprochen werden kann. Und obwohl Diskrepanzen hinsichtlich von Qualifikationen abgebaut wurden, folgte damit nicht automatisch eine Integration der Frauen in akademische Berufe (Vgl. Seeg 2000, S.34). Seeg, dabei an Dölling (1997) orientiert, geht sogar soweit zu behaupten, dass es ein beständiges Ziel sei, geschlechtshierarchische Statusdistributionen aufrechtzuerhalten. „Die Frauenfrage darf nicht auf die Kinderfrage reduziert werden. Letztlich stellt die Kinderfrage nur ein Symptom mangelnder Gleichberechtigung dar“ (Seeg 2000: 111). Für viele Frauen ist die Berufstätigkeit zu einem festen Bestandteil ihrer Biografie geworden. Sie gibt ihnen die Möglichkeit, außerfamiliäre Erfahrungen sowie finanzielle Unabhängigkeit zu sammeln und für ihren Verdienst Anerkennung zu gewinnen. Rost & Schneider (1996) sprechen von ersten Anzeichen einer Stigmatisierung von Kinderlosigkeit.
„Der bewußte Verzicht auf Kinder ist für eine wachsende Zahl von Frauen und Männern
in Deutschland die Antwort auf die Erfordernisse einer modernen, individualisierten
Lebensführung. Während Elternschaft ein Stück weit quer liegt zu den Erfordernissen der
Moderne, schafft und erhält der Verzicht auf Kinder Mobilität, Unabhängigkeit und
Selbstbestimmung“ (ebd. 1996: 245).
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In Deutschland fehlen die zum Teil notwendigen Strukturen und Institutionen, zum anderen konnte in Studien ermittelt werden, dass heutzutage viel gegen Kinder spräche: Lebensfreude oder eine Sicherung im Alter werden durch Kinder nicht unbedingt gesteigert. Kinder sind für viele mittlerweile zum Synonym von Einschränkungen in jeglicher Hinsicht geworden. Der Nobelpreisträger Paul Samuelson spitzt diese Auffassungen noch zu, indem er behauptet, dass ein ökonomisch rational handelnder Mensch ohnehin keine Kinder haben könne. Letztendlich ist es aber eine Tatsache, dass auch in der heutigen Zeit ebenso Akademikerinnen Kinder bekommen und orientierend an Samuelson könnte man sich nun fragen, ob sie denn tatsächlich so irrational handeln oder aber, ob sie nicht durchaus ihre Handlungsalternativen gut durchdenken.
3. Kinderlose Akademikerinnen: Kritische Betrachtungen zur aktuellen Debatte und empirische Befunde
Das Erklärungsproblem, wonach ein hoher Bildungsabschluss von Hochschulabsolventinnen zu einer tendenziell geringeren Geburtenrate gegenüber der Allgemeinbevölkerung führt bzw. was mögliche Ursachen für diesen Zusammenhang sein könnten, soll zunächst anhand empirischer Studien und gegenwärtiger Artikel belegt werden.
Nach dem Artikel „Karriereknick Kind“ (Die Welt, 8.03.2006) zu Folge, sind zwar immer mehr Frauen in Führungspositionen vertreten, Kinder werden aber
nach wie vor als Karriereknick betrachtet. 3 Die Soziologin Gisela Erler (Die Welt, „Fußnoten“, 17.07.2003) vertritt in diesem Zusammenhang jene Ansicht, dass die Gründung einer Familie nach wie vor erwünscht ist, aber nicht mehr um jeden Preis. Für viele Frauen sind die Kosten, den Beruf für die Familie aufzugeben oder zu riskieren, mittlerweile zu hoch, so dass das doch zunächst angestrebte Glück im Laufe des Lebens einen Knick erhält. Je länger die Ausbildung dauert, „desto mehr wird die Glücksvorstellung, Kinder haben zu wollen, von der Unmöglichkeit eingeholt, sie bekommen zu können. Bildung ist also ein Familienverhinderer“ (ebd. 2003). Doch die Debatten kreisen nicht nur um den „Gebärstreik der Akademikerinnen“, scharfe Kritik lässt sich auch bezüglich jüngst veröffentlichter Daten vernehmen. So wirft das deutsche Institut für
3 Das Ergebnis konnte durch eine Befragung mit 500 erfolgreichen Frauen durch die EAF
(Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft) erzielt werden.
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Wirtschaftsforschung (DIW) in Die Welt („Studie: Akademikerinnen haben häufiger Kinder als angenommen“, 26.05.2006) dem Mikrozensus enorme methodische Mängel vor nach Veröffentlichung einer Pressemitteilung, wonach auf deren Datengrundlage 40% der Akademikerinnen kinderlos sind. Diese angegebene Zahl könne so aber nicht stimmen. Die im amtlichen Mikrozensus ermittelten Daten seien insofern falsch oder verzerrend, als dass bei den befragten Frauen lediglich ermittelt wurde, wie viele Kinder zum Befragungszeitpunkt im
Haushalt leben. 4 Auch die Altersgrenze der befragten Frauen von 39 Jahren scheint fraglich bzw. unangemessen, bekommen doch immer mehr Frauen mit 40 Jahren oder älter noch Kinder. Das DIW hält fest, dass im Mittel weniger als 25% der Akademikerinnen nie Kinder bekommen werden gegenüber einem
Durchschnittswert von 20% 5 in der Allgemeinbevölkerung. Orientiert man sich demnach an den Daten des DIW, scheint der Einwand zunächst fraglich, allein die Hochschulabsolventinnen seien schuld an den sinkenden Geburtenraten. Diesbezüglich wird jedoch häufig eingewandt, dass kinderlose Akademikerinnen insofern dem Staat höhere Kosten verursachen, da davon ausgegangen wird, dass sie ihre Kinder besonders gut fördern. Wirth & Dümmler (2004) erklären die aktuelle Fokussierung damit, dass die mit zunehmenden Bildungsniveau verursachte Kinderlosigkeit Ungleichheitspotentiale in sich birgt, denn die Kosten müssen von den weniger Privilegierten getragen werden. Auch in Die Zeit („Von wegen 40 Prozent“, 9.10.2005) wurden die veröffentlichten Daten des Mikrozensus diskutiert. Um die Verwirrung noch größer zu machen, folgten neue Berechnungen des BiB (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung), wonach letztendlich ungefähr 30% der Akademikerinnen kinderlos sind. Sehr anschaulich
und übersichtlich ist eine Veröffentlichung des statistischen Bundesamtes 6 , das die Daten zur Kinderlosigkeit des Mikrozensus mit denen aus der Studie des DIW auf Grundlage des SOEP vergleicht, wobei dies insofern problematisch war, als das Alters- u. Bildungsgruppen und Geburtenkohorten unterschiedlich definiert sind. Nach Ergebnissen des Mikrozensus bleiben 30% der Frauen der
4 Mit anderen Worten: Jene Kinder, die zeitweise nicht daheim lebten (z.B. Au Pair etc.) oder
bereits ausgezogen sind (Lehre, Ausbildung...), wurden nicht in die Statistik mit einbezogen.
5 Dieser Wert wurde vom DIW in Zusammenarbeit mit Infratest Sozialforschung ermittelt. Der
Mikrozensus kommt seinen Berechnungen hier zufolge auf 24%.
6 „Kinderlosigkeit von Akademikerinnen im Spiegel des Mikrozensus“
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Geburtsjahrgänge1951 - 62 mit Universitätsabschluss dauerhaft kinderlos 7 , kontrastiv zu 24% der Frauen derselben Geburtsjahrgänge aller Bildungsgruppen.
Das DIW ermittelte 29% der Frauen mit Universitätsabschluss 8 in den Geburtenjahrgängen 1951 - 65 als dauerhaft kinderlos gegenüber 20% der Frauen aller Bildungsgruppen. Auch Wirth & Dümmler (2004) beschäftigen sich mit der Frage, ob der Hochschulabschluss generell mit einer geringeren Geburtenrate einhergeht oder aber, ob aufgrund der langen Ausbildungszeiten die Familiengründung später erfolgt. Sie konnten feststellen, dass der Hochschulabschluss/ Fachhochschulabschluss bei Frauen zu einer im Vergleich mit mittleren und unteren Bildungsgruppen um eine in etwa fünf Jahre spätere Familiengründung führt. Allerdings war die Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Hochschulabschluss auch schon 1970 mit 67% überdurchschnittlich hoch. Es gibt demnach einen engen Zusammenhang zwischen Qualifikation und Familiengründung und einen Trend in Richtung Kinderlosigkeit bei Hochschulabsolventinnen. Als eine mögliche Ursache für diese zunehmende Kinderlosigkeit, die mit den Geburtsjahrgängen 1957 /58 einsetzt, könnte jener sein, dass Kinder bekommen und eine Eheschließung in einem engen Zusammenhang stehen, wobei hier Vorsicht geboten sein sollte, was was bedingt. Die Autoren geben an, dass der sinkende Kinderwunsch Ursache für die sinkende Heiratsrate ist und nicht umgekehrt. Und so weisen auch die Gruppen mit dem höchsten Anteilen an Ledigen (Frauen mit Hochschul- /Fachhochschulabschluss und Abitur) die höchste Kinderlosigkeit auf. Nach Wirth & Dümmler steht die Entscheidung für oder gegen Kinder in einem engen Zusammenhang mit dem Ausbildungsniveau der Frau, gleichzeitig betonen sie, dass das Ausmaß der Kinderlosigkeit überschätzt wird.
Abschließend sei hierzu angemerkt, dass es sich nur um eine grobschichtige Zusammenfassung handelt, sie spiegelt aber m.E. sehr gut die Unstimmigkeiten und Unübersichtlichkeiten wider. Tendenziell, unabhängig auf welche Ergebnisse man sich bezieht, weisen Akademikerinnen eine niedrigere Fertilitätsrate auf. Dieses Problem soll nun im Folgenden theoretisch versucht werden zu erklären.
7 ohne Frauen mit einem Abschluss einer Fachschule in der DDR
8 einschließlich in der DDR sowie im Ausland erworbener Universitätsabschlüsse
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4. Die Theorie rationalen Handelns
4.1 Modellierung der theoretischen Annahmen und Anwendung des konkreten Erklärungsproblems
Nach Nave - Nerz (1988) bilden die Lebensziele jenen Maßstab, der Grundlage für unser Handeln bildet. Nach ihren Ergebnissen und derzeitigen Forschungsstandpunkt, kann auch für heute geltend gemacht werden, dass die Familie einen wichtigen Platz einnimmt und es bezüglich der Präferenzordnung
kaum Veränderungen gab. So ermittelte auch das BiB 9 in Zusammenarbeit mit der Robert Bosch Stiftung und einer Datenbasis von 10.017 Befragten 10 in einer Studie aus dem Jahr 2005, dass der derzeitige Kinderwunsch in Deutschland höher ist als die Geburtenrate. Frauen wünschen sich im Schnitt 1,75 Kinder, während die Geburtenrate aber nur bei 1,37 je Frau liegt. Doch nicht das individuelle Handeln der Hochschulabsolventinnen führt zu den sinkenden Geburtenraten. Sie reagieren lediglich auf sich verändernde externe Effekte. Und so gibt auch Nave-Herz (1988) bereits an, dass den veränderten Restriktionen nur ein Entscheidungskonflikt zwischen Kind und Karriere folgen kann. Diesem Konflikt wird versucht zu entgehen, indem erst der Kinderwunsch hinausgezögert wird. Im Ergebnis wird dann häufig Kinderlosigkeit als Konfliktlösungsstrategie entwickelt. Und genau hier soll die Theorie rationalen Handelns ansetzen. Wie kann eine mögliche Kosten - Nutzen - Abwägung aussehen? Warum entscheiden sich immer mehr Hochschulabsolventinnen gegen ein Kind bzw. warum fällt trotz anscheinend immer höher werdenden Kosten dennoch die Entscheidung für ein Kind? Es könnte davon ausgegangen werden, dass bei jeder Frau im Laufe ihres Lebens ein Kinderwunsch besteht und dieser auch realisiert wird. Aber nicht ohne Grund soll sich im Folgenden auf die Gruppe der Akademikerinnen konzentriert werden, da davon ausgegangen werden kann, dass ihnen aufgrund ihrer hohen Investition in Bildung diese Entscheidung für ein Kind schwerer fallen wird bzw. sie mit höheren Opportunitätskosten rechnen müssen. Diese Struktur einer Mikro - Makro- Erklärung soll sich nun an der „Colemanschen Badewanne“ (Vgl. Erzrodt 2003, S.13) orientieren. Die Phänomene auf der Makroebene werden als Ausgangsbedingungen (Logik der Situation) betrachtet, auf die schon
9 http://www.bosch-stiftung.de/download/060628_pi_kinderwunsch_in_Deutschland.pdf
(17.07.2006)
10 Ziel der Studie, die 2005 erstmals durchgeführt worden ist, ist die Erhebung der
Familienbeziehungen sowie die Einstellung zu Familienpolitik. Insgesamt 5505 Befragte befanden
sich in einer Altersgruppe von 20 bis 49 Jahren.
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eingegangen wurde. Die entscheidenden Ereignisse und daraus resultierende Ergebnisse sind z.B. Individualisierung, Gleichberechtigung von Frau und Mann. Die gesellschaftlichen Folgen, hier im speziellen die sinkende Fertilitätsrate, kann und sollte über das individuelle Handeln der Hochschulabsolventinnen erklärt werden (Logik der Selektion). Die Hochschulabsolventinnen orientieren sich an den Restriktionen und Bedingungen der Makroebene und treffen davon ausgehend ihre Entscheidung. Dieses individuelle Handeln führt aggregiert zu dem zu erklärenden Phänomen auf der Makroebene - der sinkendenden Geburtenrate. Um die Überlegungen nun fortsetzen zu können, sollen kurz die Kernannahmen des Modells der Theorie erläutert werden. Generell werden Entscheidungen als Nutzenkalkulationen in bezug auf diverse Alternativen betrachtet. Die Hypothese der Präferenzen ist die Bedingungen für das Handeln von Akteuren, das dann wiederum aus Sicht der Individuen zur Realisierung der Ziele beiträgt. In Anlehnung an das Erklärungsproblem, der niedrigen Geburtenraten von Akademikerinnen in Deutschland, gibt es nun für diese Gruppe zwei
Handlungsalternativen: Karriere oder Familie. 11 Die Hypothese der Handlungsbeschränkungen umfasst alles, was diese angestrebte Zielerreichung ermöglicht oder behindert. Die Handlungsbeschränkungen auch
Opportunitätskosten, bezeichnen im Falle der Entscheidung für ein Kind das Risiko im beruflichen Bereich, Aufstiegsmöglichkeiten einzubüßen. Auch nach beruflichem Wiedereinstieg sind Mobilität und Flexibilität eingeschränkt. Fehlende oder unzureichende Möglichkeiten, die der Staat den Eltern zur Verfügung stellt (z.B. Kindergarten etc.) sind ebenfalls als
Handlungseinschränkungen zu verstehen. Der finanziellen Aspekt darf nicht außer Acht gelassen werden, allerdings wird dieser m.E. häufig überschätzt bzw. die Rechtfertigung, man könne sich kein Kind leisten, erscheint für manche überzeugender, als die Aussage, man möchte aus purem Egoismus kein Kind. Die Hypothese der Nutzenmaximierung besagt, dass die Individuen solche Handlungen, orientiert an den Handlungsbeschränkungen, ausführen, die ihre
11 Oder anders formuliert: Für oder gegen eine Familiengründung. Zwar haben durchaus einzelne
Studien belegen können, dass Karriere und Kind sich nicht unbedingt ausschließen müssen,
allerdings soll sich hier auf typische Fälle, und eben nicht auf Ausnahmen, bezogen werden. Und
auch nach Goebel (1996) konnten von den drei ermittelten Frauentypen - jene, für die der Beruf
im Vordergrund steht; jene die Beruf und Familie vereinbaren wollen und die Familienfrauen
(Vgl. ebd., S.38), nur Erste und Letzte verifiziert werden.
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Ziele in höchstem Maße realisieren. Selbstredend können mit Kind und Karriere jeweils Kosten und Nutzen verbunden werden. Doch diese Bewertungen und Erwartungen werden noch im Weiteren näher betrachtet. Um nun im konkreten die Logik der Selektion besser betrachten zu können, erscheint es empfehlenswert, eine Variante der Theorie rationalen Handelns, die Wert - Erwartungstheorie (WET), anzuwenden, da davon ausgegangen wird, dass bei der Entscheidung Kind oder Karriere diese Handlungskonsequenzen mit gewissen Unsicherheiten behaftet sind. Die WET als eine Variante der Theorie rationalen Handelns kann dem weiten Modell zugerechnet werden. Demnach können alle Arten von Präferenzen Verhalten erklären und alle Arten von Restriktionen beeinflussen menschliches Handeln. So sind auch soziale und psychische Kosten/ Nutzen zulässig (Vgl. Nauck 1989, S.52). Eine vollständige Information der Akteure wird nicht vorausgesetzt. Des Weiteren geht es nicht um die objektiven, sondern um die wahrgenommen Restriktionen der Akteure, denn jedes Verhalten ist rational, auch wenn es sich oft an inadäquaten Informationen und Prognosen orientiert (Vgl. ebd., S.50). Die Akteure handeln, als ob sie ihren Nutzen maximieren würden.
4.2 Wert - Erwartungstheorie (WET): Betrachtung der zwei grundsätzlichen
Handlungsoptionen von Hochschulabsolventinnen - Kind oder Karriere
Die Grundidee dieser Variante einer Theorie rationalen Handelns lautet wie folgt: „Personen wählen aus einem set überhaupt verfügbarer oder möglicher Handlungsalternativen diejenige, die am ehesten angesichts der vorgefundenen Situationsumstände bestimmte Ziele zu realisieren verspricht“ (Esser 1991: 54). Sie ist nach Meinung von Esser die Erklärung, die noch am ehesten für die Logik der Selektion in Frage kommt und es kann gut möglich sein, dass sie „the One and the Only ist und eben nicht [sic] einseitig immer nur einen Aspekt des Handelns berücksichtigt“ (Esser 1999b: 248). Durch diesen theoretischen Ansatz soll nun das Handeln von Hochschulabsolventinnen überprüft werden. Die Entscheidung gegen ein Kind und demnach für eine Karriere wird also als die Konsequenz einer Kosten - Nutzen - Abwägung im Folgenden betrachtet. Die Grundvariablen dieses Modells bestehen aus den Erwartungen und Bewertungen. Nach Esser (Vgl. 1999b, S. 249ff.) erlaubt die WET ferner auch kausale Erklärungen. Im Explanandum findet sich das jeweilige Handeln der Akademikerinnen. Um dieses
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zu erklären, müssen alle Alternativen benannt werden. Im Folgenden soll von nur zwei konträren Alternativen des Handelns dieser Personengruppe ausgegangen werden. A1= Kind; A2= Karriere
In den Randbedingungen finden sich die im Folgenden noch erläuterten Erwartungen und Bewertungen, das Gesetz besteht aus einer Regel für die EU -Gewichtung sowie einer Regel für die Handlungswahl. Nachdem die Alternativen benannt sind, muss für jede die Folgen, die teils (un-)erwartet und teils (un-)erwünscht sind, beschrieben werden. Die Bewertungen können nun davon ausgehend positiv, negativ oder neutral ausfallen. Die Erwartungen verknüpfen dann die Alternativen mit den dazugehörig bewerteten Folgen. Diese Alternativen werden evaluiert und in einem letzten Schritt erfolgt die Selektion. Nach Esser (Vgl. 1991, S.54f.) werden die dabei resultierenden verschiedenen Kombinationen miteinander verglichen. Der Prozess der Handlungswahl kann dabei in drei Schritte zerlegt werden. Bei der Kognition der Situation sind bestimmte Rollenstereotype und der institutionelle Kontext von Bedeutung. Erwartungen werden in Form von eingeschätzten Wahrscheinlichkeiten strukturiert. Es folgt die Evaluation der Konsequenzen bestimmter Handlungen. Die Alternativen werden vor dem Hintergrund der eigenen Präferenzen und der Wahrscheinlichkeit darüber, dass eine bestimmte Handlung zu einer bestimmten Folge führt, bewertet. Und eben dieser bereits beschriebene Prozess, bei dem die SEU - Werte kalkuliert werden, bilden den Kern der Theorie. Er besteht zunächst aus einem Satz an bewerteten Zielsituationen vor dem Hintergrund der eigenen Präferenzen. Die nachfolgenden Ausführungen orientieren sich demnach auf zwei Schwerpunkte - die Betrachtung der jeweiligen Kosten und Nutzen bei der Wahl für eine der Alternativen. Dabei soll als Grundlage zum Teil die Ausführungen von Esser (1999a, S.309f.) dienen. Er selbst bezieht sich dabei auf die Theorie von Harvey Leibenstein (1957). Relevant erscheinen von den drei beschriebenen Arten von Nutzen - dem Konsumnutzen, dem Einkommensnutzen, dem Versicherungsnutzen, für die heutige Zeit nur noch Erstgenanntes. Mit dem Konsumnutzen ist jener Wert gemeint, „den Kinder für ihre Eltern ‚an sich’ stiften, wie Zuneigung, Bereicherung des Lebens, persönliche Erfüllung usw.“ (Esser 1999a: 310). Es kann davon ausgegangen werden, dass dieser, entgegen den beiden anderen Arten, konstant geblieben ist. Auch die Kosten können
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differenziert werden. Mit direkten Kosten „sind alle unmittelbar mit der Kindererziehung zusammenhängenden Aufwendungen gemeint: vor allem Ernährung, Kleidung, Ausbildung“ (ebd.: 310). Unter indirekte Kosten fallen Opportunitätskosten der Kindererziehung an, wie z.B. der enorme zeitliche Aufwand, den Kinder in Anspruch nehmen, wodurch wiederum für andere Aktivitäten weniger oder gar keine Zeit mehr ist. Besonders ist hier relevant die Erwerbstätigkeit der Frauen, denn die Geburt eines Kindes reduziert nicht nur direkt das Einkommen, sondern auch indirekt das erworbene Humankapital. Diese Opportunitätskosten steigen proportional zu den Chancen für Frauen in der Berufstätigkeit. Der Prozess der Bewertung der SEU - Kalküle geht in einem nächsten Schritt auf den Satz an möglichen Handlungsalternativen ein. Für jede einzelne Handlungsalternative A in Bezug auf jedes Ziel O wird eine Gewichtung mit der jeweils zugehörigen subjektiven Wahrscheinlichkeit p vorgenommen, so dass ein Produkt gebildet wird (O * p). Zunächst soll die Berechnungsgrundlage für Alternative 1, die Entscheidung für ein Kind, aufgezeigt werden. EU (A1) = p1 * U(A1) - U(A2) - U(K)
Diese Berechnungsgrundlage für Alternative 1 ergibt sich zum einen aus dem Konsumnutzen eines Kindes (U(A1)), der mit einer gewissen Unsicherheit behaftet ist, denn „the decision to bear the first child must always be made without full knowledge of what the actual experience of motherhood will be“ (Gerson 1985:138). Fällt die Entscheidung für ein Kind, müssen nun von diesem zu erreichendem Nutzen der Nutzen einer Karriere ( U(A2)), der als relativ sicher angenommen werden kann, abgezogen werden sowie auch die direkten Kosten für
ein Kind ( U(K)) 12 , die nicht exakt vorher bestimmbar sind, aber dennoch mit dem statistischen Erwartungswert beziffert werden können. Als nächsten Schritt sollen nun die Betrachtungen für Alternative 2 folgen. EU (A2)= p2 * U(A2) - U(A1)
Die Entscheidung für die Karriere ist selbstredend stark geprägt durch den mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit (p2 >>p1) eintretenden Nutzen (U(A2)) hieraus. Dabei können natürlich die Gewichtungen der einzelnen Faktoren unterschiedlich ausfallen, aber hauptsächlich tragend sind hierbei der monetäre Aspekt sowie das
12 Experten schätzen, dass Eltern zwischen 180.000 und 350.000 Euro in die Erziehung ihres
Kindes investieren bis es wirtschaftlich selbstständig ist.
http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/finanzen/geld/special_familie_geld/index,pag
e=3509378,chunk=1.html (24.09.2006)
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damit zu erzielende Prestige in der beruflichen Position. Da in dieser Arbeit nur von diesen beiden Handlungsalternativen ausgegangen werden soll, müssen entsprechend die Opportunitätskosten des nicht erfüllten Kinderwunsches( U(A1)) abgezogen werden. In einem weiteren Schritt sollen nun Überlegungen folgen, um zu ermitteln, welche Alternative aus Sicht der Hochschulabsolventinnen nachvollziehbarer ist.
U(A1) = U(A2) ( Annahme von Indifferenz zwischen Kind und Karriere) EU (A1) = (p1 - 1) * U (A1) - U (K) EU (A2) = (p2 -1) * U (A1) EU (A1) < EU (A2)
Zusammenfassend lässt sich aufgrund dieser Gleichung folgendes festhalten: Selbst unter der Annahme von Indifferenz und Rationalität wird ersichtlich, dass sich viele Akademikerinnen unter den genannten Modellprämissen aus dem Erwartungsnutzenkalkül wohl eher für den Karriereweg entscheiden. Man könnte nun überlegen, unter welchen Bedingungen, da dies ebenfalls empirisch im vorherigen Abschnitt belegt wurde, sich Hochschulabsolventinnen dennoch für ein Kind entscheiden. Hierfür muss gelten:
Der Nutzen eines Kindes muss deutlich größer sein als der Nutzen der Karriere. Mit steigenden Kosten für ein Kind muss sich erstgenannter Nutzen ebenfalls erhöhen, um rational aus dem Erwartungsnutzenkalkül die Entscheidung fällen zu können. Da für diese Theorie die subjektiven Bewertungen und Erwartungen grundlegend sind, werden die Entscheidungen rational in Bezug auf die eigenen Präferenzen gefällt. Beispielsweise könnte so die Entscheidung bei zwei Frauen in ähnlich hohen Positionen entsprechend den vorgegebenen Handlungsalternativen sehr unterschiedlich ausfallen.
Zusammenfassend sei noch einmal festgehalten, dass entgegen dem Nutzen eines Kindes, der Nutzen einer Karriere vom Bildungsstand abhängt und dieser bei Akademikerinnen entsprechend höher ist. Wie aus der Gleichung auch ersichtlich wird, dürfte die Entscheidung für ein Kind besonders Akademikerinnen relativ schwer fallen, da für sie zum einen der Nutzen einer Karriere sehr hoch sein
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dürfte, zum anderen demgegenüber der Nutzen eines Kindes ungewiss ist und zugleich auch noch direkte und indirekte Kosten verursacht werden. Des weiteren sollte ergänzend noch erwähnt werden, dass die zu erwarteten Folgen eigentlich empirisch belegt sein müssten, also eine Erhebung zu den Präferenzen mittels eines Fragebogens erfolgen sollte, doch dies würde mit Sicherheit den Rahmen dieser Arbeit sprengen, wäre aber zugleich eine gute Ergänzung, die in weiteren Schritten vorgenommen werden könnte.
Hinsichtlich der Brückenhypothesen, die die Verknüpfungen zwischen der Logik der Selektion und der Situation darstellen, sei noch kurz folgendes festgehalten: Der Vorgang und die Benennung der Alternativen, Folgen, Bewertungen sowie den Erwartungen beschreiben die Situation. Die Matrix p sowie die Folgen O enthalten die Verbindung, die nötig ist zu den Situationseigenschaften und den entsprechenden Variablen einer Handlungstheorie (Vgl. Esser 1999b, S.261f.). Diese Brückenhypothesen erheben nicht den Anspruch auf universale Gültigkeit. Letztendlich hängt die Entscheidung für ein Kind von der subjektiven Bewertung der Karrieremöglichkeiten (U(A2)) und der subjektiven Bewertung eines Kindes (U(A1)) ab. Unterschiedlich ausgeprägte Karrieremotivationen führen zu unterschiedlichen Gewichtungen und so bei der einen oder anderen Frau zu einem Kinderwunsch.
4.3 Ergänzende Erklärungsansätze: Die ökonomische Theorie der Familie Das Fertilitätsverhalten von Hochschulabsolventinnen kann mit Sicherheit auch aus anderen theoretischen Perspektiven betrachtet werden. Aus diesem Grund soll ein weiterer Ansatz der Vollständigkeit halber kurz skizziert werden. Bei dieser Theorie wird ebenfalls davon ausgegangen, dass die Individuen versuchen, ihren individuellen Nutzen zu maximieren (Vgl. Hill & Kopp 2002, S.115ff.).
Allerdings wird entgegen der traditionellen Theorie hier das Individuum nicht als Konsument, sondern als Produzent angestrebter commodities (gemeint sind damit Güter, die auch direkt einen Nutzen bringen) betrachtet. Demnach kann so weiter angenommen werden, dass die Menschen ihre Zeit „entsprechend den erzielbaren (Grenz-) Nutzen in Haus- und Lohnarbeit“ (ebd.: 119) einteilen. Bezieht man nun im Konkreten diese Aussage auf Akademikerinnen, so wird unschwer ersichtlich, dass mit höherem Bildungsniveau auch ein höheres Einkommen erzielt werden kann. Gleichzeitig verursacht die Hausarbeit aufgrund der Erhöhung des
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Einkommens und der Opportunitätskosten mehr Kosten. Und so kann auch mit diesem Theorieansatz das veränderte Fertilitätsverhalten als „eine vernünftige Anpassungsstrategie (der Frau) an veränderte sozialstrukturelle
Randbedingungen“ (ebd.:212) hergeleitet werden.
5. Kritische Nachbetrachtungen und Diskussionen
Wenn man die moderne, hektische Gesellschaft von heute betrachtet, dann fällt es nicht unbedingt schwer, nachzuvollziehen, warum die Geburtenrate immer mehr sinkt. Für viele ist die Anschaffung von Kindern in erster Linie mit Kosten verbunden. Besonders Frauen mit einem Hochschulabschluss werden sich aufgrund ihrer hohen Investitionen in ihre Bildung die Entscheidung für eine Familie sehr gut überlegen, so dass der Kinderwunsch zwar zum Großteil bestehen bleibt, seine Realisierung aber zurücktritt bzw. in die Zukunft verschoben wird. Allerdings müssten selbst laut Mikrozensus - Daten 60% der Akademikerinnen mindestens ein Kind haben. Selbstredend ist dies eine schreckliche Bilanz, noch dazu scheint der Trend in Richtung Kinderlosigkeit erst zu beginnen, aber dennoch gibt es Akademikerinnen, die trotz aller scheinbarer Vernunft, Kinder bekommen. Sind diese Frauen nun irrational? Ist die Theorie rationalen Handelns einfach nicht auf die komplizierte Psyche der Frau anwendbar? Nun, m.E. ist diese Thematik nach wie vor wunderbar geeignet, um diese Theorie anzuwenden. Es scheint viel wahrscheinlicher, dass jene Frauen bei der Entscheidung für ein Kind sich unter einigen differenzierenden Konstellationen befanden. Und an den Analysen von Wirth & Dümmler (2004) orientiert, scheint eine stabile Partnerschaft ein wichtiger Faktor für die Entscheidung Kind zu sein, denn „Frauen in Führungspositionen haben meistens entweder keine Familie oder einen Mann, der ihre Karriere mitträgt (...)“ (Seeg 2000:104). Die von Nave-Herz (1988) angesprochene möglich, fehlende subjektive Nutzeneindeutigkeit, die auch in den Berechnungen zum Ausdruck kamen, sind m.E. der ausschlaggebende Punkt. Da Akademikerinnen, so die Annahme, bestrebt sind, ihren Nutzen zu maximieren, fällt eben die Entscheidung für eine Karriere aufgrund der Unsicherheit bezüglich des Nutzens eines Kindes. Des Weiteren wollen viele Frauen sich auch gar nicht zwischen Kind und Karriere entscheiden. So schaffen sie nach Geburt des Kindes den Wiedereinstieg in den Beruf, schalten einen Gang zurück und arbeiten Teilzeit oder mit geregelten
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Arbeitszeiten. Außerdem, und das hat der zweite Teil der Berechnungen gezeigt, muss jenes Karrierestreben der Frauen zureichend ausgeprägt sein. Nicht jede Frau mit Hochschulabschluss wird Ambitionen haben, beruflich „ganz vorn“ mit zu spielen. Viele sehen auch in „einfachen“ Tätigkeiten ihre Erfüllung. Sicherlich sind dies Auswirkungen der Persönlichkeit, des Studienfachs oder anderer Faktoren. Und so fügen Blossfeld et al. (1993) abschließend hinzu, dass falls Frauen ihr Bildungsniveau nicht über eine Erwerbstätigkeit in Karriereressourcen umsetzen können oder wollen, dass dann mit der Erhöhung des Bildungsniveau allein kein ökonomischer Konflikt zur Geburt des Kindes geschaffen sei (Vgl. Blossfeld et al. 1993, S.218f.).
Die WET, auch wenn vielleicht der Eindruck entstanden sein könnte, ist nun nicht unbedingt die Lösung aller Probleme oder die Theorie schlecht hin. Es gibt verschiedene Paradoxien, die durch diese Theorie nicht erklärt werden können. So führt Erzrodt (2003) an, dass entgegen der Annahme der EU-Theorie, dass die Wahl einer Handlung nur von dem zu erwarteten Nutzen abhängt, auch viele Personen die Wahl einer Alternative von den vergangenen Kosten abhängig machen Dieser so genannte „sunk cost“ - Effekt beschreibt damit jenen Zustand, dass Handlungen, in die viel in der Vergangenheit investiert wurde, auch dann noch ausgeführt werden, wenn der erwartete Nutzen geringer ist als der erwartete Nutzen der Alternativhandlung. Abstrahierend könnte nun speziell an dieses Forschungsproblem angelehnt, diskutiert werden, dass der zusätzliche Nutzen durch mehr Einsatz für Karriere-Frauen in ihren Beruf stetig abnimmt. Gemeint ist dabei nicht nur unbedingt primär der monetäre, sondern auch der zeitliche Aufwand. Dieser abnehmende Grenznutzen einer Karriere rechtfertigt dann in
diesem Fall nicht unbedingt, die Entscheidung, kinderlos zu bleiben. 13 Die von Nave - Herz angesprochenen fehlende subjektive Nutzeneindeutigkeit könnte auch auf einen weiteren Kritikpunkt, die Erfassung und Einschätzung der Wahrscheinlichkeiten, anzuwenden sein. Nach Erzrodt (2003) wenden Individuen verschiedene heuristische Verfahren an, die in der Folge aber zu systematischen Abweichungen von den statistischen Gesetzen der WET führen. Es wird dann von einem sogenannten Sicherheitseffekt gesprochen. Viele sichere Ereignisse werden in eine andere Kategorie verordnet als die unsicheren (Vgl. Erzrodt, S.62). Es
13 Ergänzend sollte aber vielleicht an dieser Stelle darauf verwiesen werden, dass gerade diese
Tatsache ein Grund dafür sein könnte, dass viele Frauen in höheren beruflichen Positionen
zunehmend erst später Kinder bekommen.
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kommt zur Bildung einer Präferenz für sichere Ergebnisse sowie die Überschätzung geringer Wahrscheinlichkeiten. Verständlicherweise sind viele Individuen im Bezug auf solch elementare Lebensentscheidungen in höchstem Maß Risikoavers, d.h. dass sich bei gleichem Erartungsnutzen wohl eher für das sichere Ergebnis entschieden wird. Generalisierend könnte nun für Hochschulabsolventinnen angenommen werden, dass sich entgegen den Annahmen der WET und unter der Prämisse der Risikoaversion sie sich eher für den Karriereweg entscheiden.
Dennoch erscheint diese Theorie für dieses Problem plausibel und anwendbar. Auch diese Theorie bleibt natürlich nicht von Kritik verschont. Es kann aber angenommen werden, dass gerade innerhalb der WET beispielsweise Emotionen, besonders hier bei der Entscheidung für oder gegen ein Kind, eine Rolle spielen. Dies ist ein Faktor, der kritisiert wird, da er häufig vernachlässigt wird. Und besonders im Falle der Akademikerinnen wird gut ersichtlich, dass sie durch die jeweiligen Kosten und Nutzen durchaus beeinflusst sind, was ebenfalls die Annahmen des Modells der Theorie rationalen Handelns unterstützt. Ansatzweise problematisch könnte der Vorwurf der Tautologie speziell des weiten Modells sein, wozu auch die WET zu rechnen ist. Da aber hier die Präferenzen sowie auch die Restriktionen betrachtet wurden, die in Beziehung zu dem Verhalten der Hochschulabsolventinnen stehen, dürfte dieser Vorwurf nicht mehr viel an Gewicht haben.
Abschließend sei noch vermerkt, dass das Thema in dieser Arbeit aufgrund seiner Komplexität nur angerissen werden konnte. Es wurde versucht, anhand aktueller Studien diese Thematik theoretisch zu fundieren. Gleichzeit war aber nicht beabsichtigt, Lösungsmöglichkeiten dieses Dilemmas zu ermitteln. Es sollte ein Verständnis für die m.E. zum Teil auswegslose Situation von Akademikerinnen aufgezeigt werden, denn es scheint, dass sie sich trotz bewusst wahrgenommenen höheren Nutzens einer Karriere die Entscheidung gegen ein Kind nicht leicht machen.
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Arbeit zitieren:
Christiane Matthes, 2006, Das Fertilitätsverhalten von Akademikerinnen und die negative Korrelation zwischen Geburtenrate und Bildungsniveau, München, GRIN Verlag GmbH
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