Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Entstehung der Kinderuniversität 3
3. Kurzportrait der Kinderuniversität Dresden 5
4. Resonanz 6
4.1. Kinder 6
4.2. Professoren 7
5. Trägt die Teilnahme an einer Kinderuniversität zur Entwicklungsförderung bei 9
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1. Einleitung
„Der, die, das – Wer, wie, was? – Wieso, weshalb, warum? - Wer nicht fragt bleibt dumm. Tausend tolle Sachen, die gibt es überall zu sehn - Manchmal muss man fragen, um sie zu versteh'n“ Der bekannte Refrain des Titelsongs der Sesamstraße beschreibt die Sicht vieler Kinder. Wenn sie anfangen zu entdecken und Zusammenhänge zu verstehen stellen sie noch viele Fragen, doch nicht alle können gleich von Lehrern, Eltern oder anderen Bezugspersonen beantwortet werden. Noch bevor ihr Interesse daran vergeht, sollte man geeignete Formen finden, diese Fragen zu beantworten – als eine dieser Formen hat sich das Projekt „Kinderuniversität“ diese Aufgabe gestellt.
Zunächst habe ich etwas über die Entstehung und Geschichte der Kinderuniversitäten zusammengetragen. Ausführlicher werde ich danach auf die Kinderuniversität Dresden eingehen. Da dies noch ein sehr junges Projekt ist und erst im Frühjahr letzten Jahres startete, gibt es noch wenig über die Geschichte zu sagen und auch Auswertungen liegen noch keine vor. Dennoch habe ich versucht viele Fakten zu sammeln, damit man sich ein genaueres Bild machen kann.
Die darauf folgende Resonanz seitens der Kinder und Professoren, die schon mal an einer der vielen deutschen Kinderuniversitäten teilgenommen haben, soll verdeutlichen, dass eine Notwendigkeit besteht dieses Kinderprojekt in allen Universitätsstädten zu realisieren bzw. zu erweitern.
Zum Schluss möchte ich auf die These: „Die Teilnahme an einer Kinderuniversität trägt zur Entwicklungsförderung bei“ eingehen. Hier wird der Frage nachgegangen, inwieweit der Besuch der Kinderuniversität in diesem Lebensabschnitt Einfluss auf die Entwicklung des Kindes nehmen kann. Danach wird die Notwendigkeit der Kinderuniversität aus kultur- und bildungspolitischer Sicht betrachtet und gezeigt, inwieweit sich dieses Projekt, das durch ehrenamtliches Engagement gekennzeichnet ist, auf Bildungsverläufe auswirken kann.
2. Entstehung der Kinderuniversität
Die ,,Universität für Kinder" wurde in Tübingen im Jahr 2001 ins Leben gerufen. Die Idee zu einer Kinderuniversität hatten Ulla Steuernagel und Ulrich Janßen, beide Journalisten beim Schwäbischen Tagblatt in Tübingen. Ulla Steuernagel ist Mutter von zwei Kindern und wurde von diesen immer wieder mit komplexen Fragestellungen konfrontiert. ,,Wer weiß schon auf die Schnelle und mitten im Alltagstrubel zu beantworten, warum Menschen sterben müssen. Wer kann schon so genau sagen, warum es Arme und Reiche gibt, die Vulkane so heiß oder
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die Dinos ausgestorben sind. Antworten darauf müssten eigentlich die dafür zuständigen Wissenschaftler geben." 1 "’In Tübingen wimmelt's von Professoren, und es wimmelt von Kindern - man sollte sie zusammenbringen’, war Ulla Steuernagels Idee [...]. Warum nicht Universitätsgelehrte fragen, wenn Eltern und Lehrer mit ihrem Latein am Ende sind? Zu Themen, für die sich Kinder brennend interessieren, die aber an der Schule zu kurz kommen?“ 2 „Mit dieser Idee wandten sich beide Journalisten an den Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsabteilung der Universität Tübingen, Michael Seifert. [...] Seifert sah darin nicht nur eine erstklassige PR-Idee, [sondern] hatte auch einen idealistischen Hintergedanken: ‚Ich wünsche mir, dass mehr Kinder durch diese Aktion die Universität als offene Institution sehen und sie ohne Scheu betreten. Und sich dann vielleicht bei der Wahl der Ausbildung daran erinnern.’" 3 Außerdem erklärt er: „"Die Kinderuni soll ein Appetithäppchen sein, das Kinder neugierig auf Wissen macht. Was sie mit nach Hause nehmen, sind Wissenstrophäen. Sie sind stolz darauf, Eltern oder Freunden etwas Wissenschaftliches erklären zu können". 4 Zusammen stellten sie die Idee Prof. Eberhard Schaich, Rektor der Tübinger Universität vor. Er ermutigte sie zu diesem Vorhaben und gab ihnen freie Hand zur Entwicklung des Projektes „Kinderuniversität“.
“Zur ersten deutschen Kinder-Uni kamen im Jahr 2002 über 5000 Kinder. Die Vorlesungsreihe für Kinder wurde auf Anhieb ein Riesenerfolg und lockte zahlreiche Medienvertreter nach Tübingen. [...] So beschlossen die Universität und das Schwäbische Tagblatt eine Fortsetzung. Die Kinder-Uni wird [mittlerweile] von einem kleinen Team vorbereitet, dem der Pressesprecher der Universität Tübingen, Michael Seifert, und die beiden Tagblatt-Journalisten Ulla Steuernagel und Ulrich Janßen angehören. [D]as Buch „Die Kinder-Uni“ ist [im März 2003] auf den Markt gekommen[, g]eschrieben haben es die Erfinder der Kinder-Uni mit Unterstützung der Kinder-Uni-Professoren.“ 5 Mittlerweile gibt es in Deutschland über 30 Universitäten, die das Konzept übernommen haben und auch Vorlesungen für Kinder halten.
1 Janssen, Ulla und Ulrich Steuernagel: „Die Kinderuni“. Klett Verlag. 2003. Seite 7
2 Mösle, Marianne: „Die Jüngsten wollen’s wissen“. Die Zeit. Stand: 20.12.2004 http://www.zeit.de/archiv/2002/29/200229_c-kinderuni.xml 3 Brasch, Christine: „Gar keine dumme Idee – die Kinder-Uni“. Homepage des Goethe-Instituts. Juli 2003. Stand : 20.12.2004 http://www.goethe.de/kug/buw/stu/thm/de51274.htm 4 Löffler, Udo: „Warum bauen Ritter Burgen?“. Bildung PLUS. 21.06.2004. Stand: 20.12.2004 http://bildungplus.forum- bildung.de/templates/imfokus_inhalt.php?artid=317&start=0&str1=kinderuni&str2=&str3=&lib=&art=&details = 5 Homepage der Eberhard Karls Universität. Was ist die Kinder-Uni?. Stand: 20.12.2004 http://www.uni-tuebingen.de/uni/qvo/kinderuni-2003/kiu03-03.html
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3. Kurzportrait der Kinderuniversität Dresden
Am 04.05.2004 fand die erste Veranstaltung der neugegründeten Kinderuniversität Dresden statt. Ein halbes Jahr vorher starteten „die TU Dresden, das Hygiene-Museum und die Sächsische Zeitung [...] dieses Projekt“ 6 nach dem Vorbild der ersten Kinderuniversität in Tübingen. Im Sommersemester finden die Vorlesungen im neuen Hörsaal des Hygienemuseums statt und im Wintersemester auf den Campus der Technischen Universität. Die ersten Vorlesungen für Kinder im Umfang von 45 Minuten gab es im Sommersemester von Mai bis Juni mit den Themen: „Warum können Bäume nichts vergessen?“, „Warum wird nicht jeder Millionär?“, „Wie und warum lernten unsere Vorfahren, aufrecht zu gehen?“, „Warum sind wir alle Kinder des Universums?“ und „Warum sind wir alle so schrecklich neugierig?“. Im Wintersemester fanden Veranstaltungen vom Oktober bis Dezember statt, dabei ging es um die Fragen: „Warum sind wir alle Kinder des Universums?“, „Warum kann ein Flugzeug fliegen?“, „Warum brachten Scherben nicht allen Athenern Glück?“, „Warum sind Zellen wie kleine Fabriken mit winzigen Maschinen?“ und „Warum tun uns Haustiere gut?“. Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren konnten sich anmelden, bekommen einen echten kleinen Studentenausweis und können sich fühlen wie echte Studenten, deren Fragen von einem echten Professor beantwortet werden. 7 Eltern dürfen nicht mit an den Vorlesungen teilnehmen, können das Geschehen aber über eine Videowand im Nachbarhörsaal verfolgen. Das große Leitwort der Dresdner Kinderuni ist die Frage nach dem „Warum?“, die sich Kinder immer wieder selber und vor allem anderen stellen. „Meist sind es knifflige Fragen zu den Zusammenhängen der Welt. So etwas lern[en sie] später, in der Berufsausbildung oder beim Studium. Aber die Fragen hab[en Kinder] jetzt schon [...]. [Denn w]er zu lange auf Antwort warten muss, verliert die Lust am Fragen.“ 8 Die erste Vorlesung „Warum wird nicht jeder Millionär?“ hielt Volkswirtschafts-Professor und derzeitiger Ministerpräsident Georg Milbradt vor 600 Kindern. Er selbst ist angetan von der Idee und sagte im Vorfeld, er werde versuchen „statt vor Studenten vor Kindern zu sprechen und auf kindgerechte Art ein Wirtschaftsthema herüberzubringen“, denn schließlich ist jedes Kind, durch das Taschengeld schon einmal mit Wirtschaft in Berührung gekommen. Auf die Frage ob es wohl leichter oder schwieriger wird vor Kindern zu sprechen, sagt Milbradt:
6 Schön, Stephan: „Kein Märchen: Eine Vorlesung“. Sächsische Zeitung, 03.04.2004 http://www.ku-dresden.de/artikel.asp?id=600658 7 Homepage der Kinderuniversität Dresden. Programm. Stand: 18.12.2004 http://www.ku-dresden.de/programm.asp 8 Homepage der Kinderuniversität Dresden. Warum. Stand: 18.12.2004 http://www.ku-dresden.de/warum.asp
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„Kinder sind wissbegierig, das macht es leichter. Es kindgerecht zu vermitteln, macht es sicher schwerer.“ 9 Klaus Vogel, Direktor des Dresdner Hygiene-Museums sieht es nicht als ein einfaches Projekt: „Kinder sind ziemlich kritisch, manchmal gnadenlos kritisch. [...] Man kommt bei Kindern nicht ungeschoren davon, wenn man ihnen Käse erzählt oder sie langweilt“ und beschreibt das Lehren der Professoren vor Kindern als ein Abenteuer. Der Soziologe Karl Lenz warnt davor die Lehrveranstaltung als Routine zu sehen und dass Vorwissen der Kinder zu unterschätzen.
„Wissenschaft ist spannend, man muss sie nur den Kindern zeigen, glaubt auch Hermann Kokenge, Rektor der TU Dresden.“ Die Organisatoren hoffen vor allem, den Wissensdurst und die Wissbegierde der Kinder zu nutzen und ihr Interesse für die Wissenschaft frühzeitig zu wecken. 10 Und da der Erfolg der Dresdner Kinderuniversität immer mehr zunimmt, was man vor allem daran festmachen kann, dass es mehr Anmeldungen als Plätze gibt, geht das Projekt nun in das 3. Semester. Ab dem 21. Februar starteten die Anmeldungen für das Sommersemester 2005 diesmal mit den Themen: „Warum sind die Wünsche von Kindern wichtig für die Stadtentwicklung?“, „Warum können Bakterien auch unsere Freunde sein?“, „Warum ist die Antarktis der Kühlschrank der Erde?“, „Warum wurde Harry Potter zum Bestseller?“ und „Warum ist Spielen wichtig?“. Es ist geplant die Veranstaltungen wieder im Audimax der TU Dresden durchzuführen und die Abschlussveranstaltung im Hygienemuseum.
4. Resonanz
4.1. Kinder
Die Kinderuniversität ist bei Kindern durchweg auf positive Resonanz gestoßen, was sich vor allem anhand der, hohen Besucherzahlen verdeutlichen lässt, denn auf allen Internetauftritten verschiedener Kinderuniversitäten in Deutschland ist zu lesen, dass sämtliche Plätze schnell vergeben waren.
Aus den von mir herangezogenen Zeitungsartikeln ist zu entnehmen, dass die Kinder freiwillig auf Freizeit, die sie im Freibad oder mit Freunden verbringen könnten, zu Gunsten der Kinderuniversität verzichteten: ,,Trotz Freibad und hitzefrei an der Schule rücken jede Woche zwischen 500 und 900 Schüler an [...]“. 11
9 Schön: „Kein Märchen: Eine Vorlesung“. SZ. 2004
10 Schön, Stephan: Eltern müssen draußen bleiben. Sächsische Zeitung. 03.04.2004
http://www.ku-dresden.de/artikel.asp?id=600656
11 Mösle: „Die Jüngsten wollen’s wissen“. Die Zeit. 2004
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An den Reaktionen der befragten Kinder lässt sich verdeutlichen, dass das Konzept von Ulla Steuernagel, komplexe Fragestellungen des Alltags, auf die Eltern nicht immer eine Antwort haben von Wissenschaftlern beantworten zu lassen, erfolgreich angenommen wurde und Vorurteile abgebaut werden konnten: „Sie sind ziemlich alt. Sie haben einen weißen Kittel an und eine Brille auf der Nase. Ihr Haar lichtet sich bereits und unterm Arm tragen sie stets ihre Aktentasche mit Notizen. Vor allem aber reden sie ziemlich eigenartig; weil sie so schlau sind. Ein bisschen lernen und vor allem lesen müssen sie aber auch noch. Sie haben ein sehr stressiges Leben. Für die Schüler der Klasse 7.1 im Gymnasium Großzschachwitz steht das Bild vom Professor fest. Sie werden es gewaltig korrigieren müssen. Nicht nur, dass Professoren mitunter viel jünger als ihre Lehrer in der Schule sind; dass die Schüler selbst viel häufiger eine Brille tragen als die Professoren und dass nur ganz selten ein weißer Kittel im Schrank hängt. [...] Der Botaniker und Professor [Andreas Roloff] muss bei den Vorurteilen der Schüler erst einmal laut lachen. ‚Da werden wir wohl was geradebiegen müssen.’“ 12 Die Kinder gaben ebenfalls mehrheitlich an, dass die in den Vorlesungen behandelten Themen ein Kriterium waren, weshalb sie die Kinderuniversität besuchten. Denn viele der Themen waren für sie äußerst spannend, da sie in ihren jeweiligen Interessensgebieten lagen und sie sich noch stärker mit diesem Thema auseinandersetzen wollten. ,,Warum Lukas hier ist? Blöde Frage, weil ihn die Themen interessieren, sagt er. Vor allem die erste Vorlesung über Vulkane hat ihm gefallen, warum sie Feuer speien, was toll an ihnen ist und wie gefährlich sie sind. Dass der Professor auf einem Vulkan sogar seinen Schlafsack ausgerollt und dort geschlafen hat, findet er ‚voll krass’.“ 13 „Am Ende findet Saskia, 8 Jahre, sie sei ‚ein bisschen schlauer geworden’. Es sei anders als in der Schule, weil man keine Hausaufgaben kriege und weil der Professor alles besser erkläre. [Auch] Maximilian glaubt, alles verstanden zu haben[, d]och spätestens auf dem Weg nach Hause tauchen bestimmt neue Fragen auf.“ 14
4.2. Professoren
Doch nicht nur die Kinder haben Erfahrungen auf einem neuen Gebiet gemacht, auch die Professoren wurden mit einer neuen Erfahrung konfrontiert: „Wenn ein Hochschullehrer so
12 Schön: „Eltern müssen draußen bleiben“. SZ. 2004
13 Mösle: „Die Jüngsten wollen’s wissen“. Die Zeit. 2004 14 Zickgraf, Arnd: „Jumbojet der fliegenden Klassenzimmer“. Bildung PLUS. 24.06.2004. Stand: 20.12.2004 http://bildungplus.forum- bildung.de/templates/imfokus_inhalt.php?artid=318&start=0&str1=kinderuni&str2=&str3=&lib=&art=&details =
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eine Vorlesung hinter sich gebracht hat, sieht er die Welt mit anderen Augen’“. 15 Prof. Dr. Speckmann beschreibt es so: „Es reizt mich einfach, anderen Menschen die Dinge weiterzugeben, die mich selbst begeistern. [...] Was einem am Herzen liegt, das möchte man [...] ja auch weitergeben.“ 16 Für die meisten Professoren ist es noch ‚Neuland’ und eine interessante Erfahrung, doch diese Euphorie war nicht bei allen gleichermaßen vorhanden, als ihnen das Projekt Kinderuniversität vorgestellt wurde: „’Ich war zwischendurch etwas skeptisch, ob sich Kinder wirklich für die Uni interessieren und etwas von den Vorlesungen haben′, sagt Hermann Bausinger, emeritierter Professor für Kulturwissenschaft und Referent des Tages. Bedenken hatte er auch, ob sein Thema bei den Kindern ankommt: Warum lachen wir über Witze? Als ob dieser Titel nicht allein schon Abwechslung in den trockenen Wissenschaftsbetrieb bringen würde.“ 17 Laut Aussage der Professoren war die Teilnahme an der Kinderuniversität eine Herausforderung, denn sie mussten Menschen ohne akademische Vorbildung, die Inhalte ihres jeweiligen Fachgebietes erklären. Die besondere Herausforderung bestand darin, das Wissen kindgerecht und zugleich wissenschaftlich fundiert zu vermitteln. „Sich Menschen ohne akademische Vorbildung verständlich zu machen ist auch für einen Gelehrten kein Kinderspiel. Aber ein Anspruch für die Zukunft.“ 18 Und „[w]as bei Studierenden als selbstverständlich und als Grundlage für Vorlesungen vorausgesetzt wird – hier [muss] es infragegestellt werden.“ 19 Es ist „[e]in neues Aufgabenfeld, ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Auch für die Professoren, die in erster Linie etwas von der Wissenschaft, aber erst in zweiter Linie etwas von Didaktik und Pädagogik verstehen.“ 20
15 Mösle: „Die Jüngsten wollen’s wissen“. Die Zeit. 2004
16 Bergs-Winkels, Dagmar Dr.: „‚Mamis letzte Hoffnung’“. Bildung PLUS. 05.07.2004. Stand: 20.12.2004 http://bildungplus.forum- bildung.de/templates/imfokus_inhalt.php?artid=321&start=0&str1=kinderuni&str2=&str3=&lib=&art=&details = 17 Mösle: „Die Jüngsten wollen’s wissen“. Die Zeit. 2004 18 Mösle: „Die Jüngsten wollen’s wissen“. Die Zeit. 2004 19 Zickgraf: „Jumbojet der fliegenden Klassenzimmer“. Bildung PLUS. 2004 20 Mösle: „Die Jüngsten wollen’s wissen“. Die Zeit. 2004
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5. Trägt die Teilnahme an einer Kinderuniversität zur
Entwicklungsförderung bei?
Den Mittelpunkt in der Kinderuniversität bilden Kinder im Alter von 6 - 13 Jahren, diese Lebensphase wird in der Entwicklungspsychologie als spätere Kindheit beschrieben und vollzieht sich vom Schuleintritt bis zum Beginn der Vorpubertät. 21 Gerade in diesem Lebensabschnitt kann die Teilnahme an der Kinderuniversität Einfluss auf die Entwicklung des Kindes nehmen, da es beginnt, sich zunehmend kritisch mit seiner Lebensumwelt auseinander zu setzen. 22 Diese Phase beschreibt den naiven Realismus, der ,,gekennzeichnet ist, durch eine zunehmende realistische Einstellung dem Leben gegenüber und durch die Auseinandersetzung des Kindes mit der Welt der Schule." 23 Diese Lebensphase kann in zwei weitere Abschnitte unterteilt werden: den naiven Realismus in der Alterstufe von ca. 5 - 8 Jahren, und den kritischen Realismus von 9 - ca. 13. In der Phase des naiven Realismus ,,ist das Kind noch sehr in seine engere Umwelt eingebunden und dieser - sowie Autoritäten gegenüber - unkritisch." 24 Die Denkstrukturen im naiven Realismus sind egozentrisch ausgerichtet. In dieser Phase ist das Kind in seinem Denken auf wenige Dimensionen zentrieren. Im kritischen Realismus, der sich ungefähr bis zum 13. Lebensjahr vollzieht, erweitern sich die Persönlichkeitsstrukturen der Kinder in den kognitiven, sozialen und emotionalen Bereichen. 25 Er ist im Wesentlichen durch ,,größere Selbstständigkeit, größere Distanz vom Eigenerlebnis, größere Komplexität, größere Fähigkeit zur Strukturierung und Planung, Abstraktionsfähigkeit und zunehmen der Sprache beim Lösen von Problemen“ 26 gekennzeichnet. Die gesteigerte Abstraktionsfähigkeit und die Fähigkeit komplexere Strukturen zu erfassen, kann durch die Kinderuniversität gefördert werden. Den Kindern werden komplexe Gesellschafts- und Wirtschaftszusammenhänge altersgerecht erklärt, die für sie nicht in ihrer mittelbaren Erlebniswelt liegen und dennoch im Kontext ihrer Umwelt von unmittelbarer Bedeutung sind.
Es ist klar, dass auf die menschliche Entwicklung drei große Faktoren Einfluss nehmen: die Kultur, die engere Umwelt wie Familie, Schule und Freunde und die weitere Umwelt in Form der Gesellschaft. Im Fall der Kinderuniversität kann die Teilnahme an einem Ereignis der gesellschaftlichen Umwelt einen nachhaltig prägenden, meist positiven Effekt auf die
21 Schenk-Danziger, Lotte: „Entwicklung Sozialisation Erziehung, Schulalter und Jugendalter. Klett-Cotta. 1993. Seite 233 22 Schenk-Danziger: „Entwicklung Sozialisation Erziehung, Schulalter und Jugendalter“. 1993. Seite 233 23 Schenk-Danziger: „Entwicklung Sozialisation Erziehung, Schulalter und Jugendalter“. 1993. Seite 233 24 Schenk-Danziger: „Entwicklung Sozialisation Erziehung, Schulalter und Jugendalter“. 1993. Seite 233 25 Schenk-Danziger: „Entwicklung Sozialisation Erziehung, Schulalter und Jugendalter“. 1993. Seite 233 26 Schenk-Danziger: „Entwicklung Sozialisation Erziehung, Schulalter und Jugendalter“. 1993. Seite 263
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individuelle Entwicklung hinsichtlich des Bildungsverlaufs der Kinder nehmen: ,,,Wenn ich groß bin, werde ich Professor′, weiß Agnes (9) schon jetzt.“ 27 Dieser Kommentar des Mädchens zeigt, dass sie aufgrund des Besuches der Kinderuniversität für sich ein späteres Berufsziel definiert. Sicherlich ist fraglich, ob die 9-jährige diesen Berufswunsch bis zum Ende ihrer Schullaufbahn behalten wird, dennoch kann dieses Erlebnis unbewusst positiv prägend sein und Einfluss auf die Wahl ihres Bildungsweges nehmen. Hier hat die Kinderuniversität Einfluss auf die Motivation zum Lernen genommen.
Außerdem stellt die Kinderuniversität einen Weg dar, Kinder an die Lebenswelt der Erwachsenen heranzuführen. Die Inhalte der jeweiligen Vorlesungen wurden kindgerecht und zugleich wissenschaftlich fundiert vermittelt. Die Kinder wurden nicht nur in spezielle Themengebiete eingeführt, sondern auch mit den universitären Ritualen vertraut gemacht. Dies hat zur Folge, dass sich Kinder in der Welt der Erwachsenen akzeptiert fühlen und mit einem kindlichen Ernst teilnehmen.
Es ist sicher unterschiedlich, wie lange diese Motivation auf die Schüler wirkt. Es kann sich durchaus um eine kurzfristige Motivation handeln, die auf die weitere Schullaufbahn keine längerfristigen Auswirkungen hat. Werden die Schüler aber weiterhin von ihren Lehren motiviert, als ein Ziel das Hochschulstudiums im Auge zu behalten, kann diese Motivation durchaus langfristig auf die Entwicklung des Schülers einwirken. In jedem Fall ist die Kinderuniversität eine kleine Lebens- und Lernerfahrung, die einen positiven Einfluss auf die weitere Entwicklung der Kinder haben kann.
27 Biewald, Nicole: „Die Uni der klugen Knirpse“. BILD Thüringen. 01.07.2003
http://www.fh-erfurt.de/kinderuni/medien-spiegelbild.htm
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Literaturverzeichnis
Janssen, Ulla und Ulrich Steuernagel: „Die Kinderuni“. Klett Verlag. 2003. Schenk-Danziger, Lotte: „Entwicklung Sozialisation Erziehung, Schulalter und Jugendalter.“ Klett-Cotta. 1993
Bildung PLUS: www.bildungplus.forum-bildung.de Die Zeit: www.zeit.de Eberhard Karls Universität Tübingen: www.uni-tuebingen.de Goethe-Institut: www.goethe.de Fachhochschule Erfurt: www.fh-erfurt.de Kinderuniversität Dresden: www.ku-dresden.de
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Quote paper:
Antje Schöne, 2005, Kinderuniversitäten, Munich, GRIN Publishing GmbH
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