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Gliederung
Gliederung. 2
Einleitung 3
1) Vorläufer der modernen Umweltbewegung Amerikas 4
2) Gifford Pinchot und wissenschaftliche Erhaltung 4
3) John Muir und Schutz der Wildnis 6
4) Die 30er Jahre: New Deal und Aldo Leopold. 7
5) Nach 1945: Die Ära des unhinterfragten Wachstums. 8
6) Die Anfänge der modernen Bewegung. 9
7) Eine Massenbewegung. 11
8) Umweltschutz geht in die Gesetzgebung ein 13
9) Weg von der Strasse. 14
10) Atomenergie. 16
11) Giftige Abfälle, Umweltgerechtigkeit und Basisbewegungen. 17
12) Unter Reagan: Spaltung des parteiübergreifenden Konsens, Wachstum und
Fragmentierung der Bewegung 19
13) Kleiner Ausblick auf die 90er und Schluss. 22
Literatur. 27
Anmerkung
Die Bezeichnung „Amerika“ wird hier aus stilistischen Gründen mit den USA gleichgesetzt.
Begriffe aus dem amerikanischen werden teilweise unübersetzt genannt und wenn dies
notwendig erscheint, übersetzt bzw. erläutert. Als Anhang sind einige Tabellen angefügt, die
sich zum einen auf die Entwicklung der Mitgliederzahlen der amerikanischen
Umweltorganisationen und zum anderen auf die Entwicklung der öffentlichen Meinung
hinsichtlich der Umwelt beziehen
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Einleitung
Die amerikanische Umweltbewegung und ihre Organisationen entstanden als Reaktion auf die Verschlechterung der Umweltbedingungen. Dies ist ein Prozess, der sich bis heute fortsetzt. An dieser Stelle sei grob darauf angesprochen, um welche Probleme es sich dabei handelt: (1) We are exceeding the capacity of the natural environment to absorb our waste products
(2) We are depleting a number of resources that are necessary for human life (3) We are transforming increasing portions of the natural world to serve human needs (4) Human activities are disrupting the global climate (Brulle 2000, S.1) Zunächst wird in diesem Aufsatz auf die Wurzeln der amerikanischen Umweltbewegung im 19. Jahrhundert eingegangen. Es sei hier angemerkt, dass das Thema Umweltbewegungen ein internationales ist. Auch wenn sich dieser Aufsatz auf die USA beschränkt, so liegt es in der Natur der Sache, dass es viele internationale Zusammenhänge gibt. Dies gilt insbesondere für Probleme, deren Auswirkungen nicht auf einen Staat begrenzt sind, wie das Ozonloch oder die globale Erwärmung, aber ebenso gab es bereits im 19. Jahrhundert viele grenzüberschreitende Beeinflussungen. Diese Arbeit beschränkt sich jedoch weitestgehend auf den amerikanischen Kontext. Schon im 19. Jahrhundert zeichnete sich ein Konflikt ab, der bis heute weiterträgt. Dabei ging es um die utilitaristisch orientierte Nutzung der Natur auf der einen Seite und den Schutz der Natur um ihrer selbst Willen auf der anderen Seite. Anschliessend wird auf die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts eingegangen, die vom New Deal Roosevelts und von Aldo Leopold geprägt wurden. Der Zweite Weltkrieg stellte einen Einschnitt dar, der die Umweltbewegung in den Schatten stellte. Erst in den 60er Jahren trat sie wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein und wandelte sich zum Ende dieser Dekade zur modernen Massenbewegung. In den 70er Jahren entstanden viele Umweltregulationen und die Bewegung institutionalisierte sich und bewegte sich weg von der Strasse hin zum Mittel der politischen Reformen. Neue Umweltprobleme, die schwerer zu fassen waren, wie Atomenergie und giftige Abfälle, traten in Erscheinung. Letzteres förderte die Entstehung neuer, lokaler Basisorganisationen. Die 80er Jahre waren von der Opposition zu Reagans Politik und der Differenzierung der Umweltbewegung geprägt. Auf die 90er Jahre wird in dieser Arbeit noch ein kurzer Blick geworfen, ehe ein Fazit gezogen wird. Der Schwerpunkt des Textes liegt zwischen 1945 und 1990, insbesondere ab 1962. Die Auswirkungen der Präsidentschaft Clintons auf die Umweltbewegung wird nicht mehr behandelt, ebensowenig wie der Umbruch, welcher mit der Ära von Bush junior einsetzte. Weniger stark behandelt wird die Institutionengeschichte von etwa dem Forest Service, dem
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National Park Service, dem Bureau of Land Managment und dem Bureau of Reclamation; sie werden jedoch immer wieder erwähnt. Nicht eingegangen wird auf kleinere Stränge der Bewegung wie Ökofeminismus und Ökotheologie.
1) Vorläufer der modernen Umweltbewegung Amerikas
Der Beginn der amerikanischen Umweltbewegung als Massenbewegung liegt in den 60er Jahren. Viele deuten das Erscheinen von Rahel Carsons Buch Silent Spring im Jahre 1962 als ihren Anfang. Betroffenheit um Schutz und Erhaltung der Natur gab es allerdings zumindest schon seit den letzten Dekaden des 18. Jahrhunderts. Es ging zu dieser Zeit -verstärkt insbesondere im 19. Jahrhundert- vor allem um den Erhalt und Schutz von Wald und Wasser, außerdem wurden die ersten Nationalparks im 19. Jahrhundert gegründet. Die erste Welle entwickelte sich aus den Folgen der industriellen Revolution, infolge welcher die Natur hauptsächlich als billige Ressource für Rohstoffe sowie als Müllhalde für die ungewollten Ausstöße der Industrien betrachtet wurde. Dazu wuchs die sie nutzende Bevölkerung stetig an und die Industrie wandelte sich kapitalintensiveren, marktorientierten Methoden der Produktion zu. Dadurch entstanden eintönigere Landschaften, welche von Monokulturen dominiert wurden.
Es gab bereits zu dieser Zeit verschiedene Formen des Umweltbewusstseins. Zum Einen war dies die wissenschaftliche Erhaltung (scientific conservation), bei welcher es um die Einbeziehung der Wissenschaft ging, um die Ressourcen der Natur effizient zu nutzen und langfristig zu erhalten, zum Anderen war es der Schutz der Wildnis (wilderness preservation), wo Räume in der Natur geschaffen werden sollten, die frei von Menschen seien sollten; Ziel war es dabei, bestimmte Tierarten oder besondere Gebiete zu schützen.
2) Gifford Pinchot und wissenschaftliche Erhaltung
Im Jahre 1864 wurde Man and Nature veröffentlicht. Dieses Buch von George Perkins Marsh gilt als Urquell der Erhaltungsbewegung (conservation movement). Seit Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Zusammenhänge zwischen Entwaldung und Trockenheit wissenschaftlich erforscht. Expansion von Industrie, Handel und landwirtschaftlicher Nutzung sowie das Bevölkerungswachstum führten zu immer mehr Abholzungen. Die neue Idee war nun, mit Hilfe der Wissenschaft den Ertrag der nachwachsenden Ressourcen zu schätzen und so eine nachhaltige Nutzung zu ermöglichen. Eine wichtige Rolle sollte dabei dem Staat als Eigentümer von Wäldern und Flüssen zukommen, der die Interessen des Gemeinwohls vor dem Eigennutz von Privatleuten und Firmen beschützen sollte. Marshs Werk führte zur
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Etablierung eines nationalen Waldsystems und nationaler Waldreserven, zu welchen der Kongress 1873 eine Petition erliess. Neben dem Wald sollten auch die Nutzung von Boden, Wasser und die Jagd auf wilde Tiere und auf Fische gemanagt werden. Es ging im Kern um eine rationale und weitsichtige Form der Ressourcennutzung als Schutz gegen die industrielle und landwirtschaftliche Expansion. Insbesondere die Pioniere und Bauern standen im negativen Blickpunkt als Wettbewerber um die Nutzung von Territorium. Einzig dem Staat wurde zugetraut, sich um den nachhaltigen Erhalt der Ressourcen zu kümmern, statt kurzfristig und profitorientiert zu denken. Es ging nicht darum, der Nutzung der Natur Einhalt zu gebieten. So äußerte sich Gifford Pinchot, der Gründer des United States Forest Service, folgendermaßen: „the job was not to stop the axe, but to regulate its use“. Weiter hieß es nach ihm:“(The) real problem of conservation is plainly a problem of efficient development and utilization“. Und in einem Artikel schreibt Pinchot:
(Conservation) is the wise and far-sighted use of all the things -natural, artificial, and spiritualwhich men require upon this earth...It is the background, the spirit, and the strength of the progressive movement in American public life. It is the forward-looking point of view. It is the signboard on the road to a greater and better America (Guha 2000, S.31). Zum einen war die Rede von Apokalypse, so etwa nach Marsh:
„The earth is fast becoming an unfit home for its noblest inhabitant, and another era of equal human crime and human improvidence...would reduce it to such a condition of impoverished productiveness, of shattered surface, of climatic excess, as to threaten the deprivation, barbarism, and perhaps even extinction of the species (Guha 2000, S.32). Zum anderen war die Rede von der Erlösung durch die rationale und langfristige Planung wider die Verschwendung. Der Mensch wurde also als destruktiv dargestellt, zugleich wurden ihm jedoch auch Fähigkeiten zur Wiederherstellung unterstellt. Nötig waren dazu allerdings der öffentliche Besitz von Wald und Wasser. Aus diesen Gedanken entstanden Institutionen wie der US Forest Service und das Bureau of Reclamation. Marsh starb 1882. Sein Werk wurde auch international gelesen.
Einflüsse auf die amerikanische Bewegung gab es auch aus Deutschland, welches Vorreiter in der wissenschaftlichen Forstwirtschaft war. So ließ sich Gifford Pinchot bei Dietrich Brandis, dem Begründer des Indian Forest Departments, in Bonn schulen. Bei der wissenschaftlichen Forstwirtschaft wurden quantitative Methoden eingesetzt, um die Erträge von Wäldern nicht mehr auf der Fläche basierend, sondern in Abhängigkeit von Boden, Sorte und Alter genauer zu schätzen. Brandis lehrte auch andere US-Förster in diesen Methoden, zudem war Deutschland Vorbild mit seinem Konzept „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“. Pinchot richtete nach seinem Besuch in Deutschland eine Forstschule an der Yale University ein, welche führend in Lehre und Forschung wurde.
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3) John Muir und Schutz der Wildnis
1872 wurde mit Yellowstone der erste Nationalpark weltweit gegründet. Die amerikanischen Nationalparks gelten heute als die am besten geführten auf dem Globus. Ebenso in den USA war es, wo sich intellektuelle Denker am eingehendsten mit der Bedeutung der Wildnis für den menschlichen Geist beschäftigten. Hintergrund dieser wilderness conservation waren westwärts ziehende europäische Siedler, welche die Umwelt mit Axt und Feuer zerstörten. Eine der Persönlichkeiten, die sich am lautesten, längsten und effektivsten darüber beklagten, war der 1838 in Schottland geborene und später in Kalifornien lebende Schriftsteller John Muir. So beschrieb selbiger in einem 1897 erschienenen Artikel zunächst in poetischer Weise Schönheit, Vielfalt, Einzigartigkeit und Reichtum der amerikanischen Wälder, ging dann auf die Indianer ein, welche im Einklang mit ihnen lebten, um dann den Bruch in der Geschichte wie folgt zu umschreiben:
But when the steel axe of the white man rang out in the startled air, the doom (of the forests) was sealed...In the settlement and civilization of the country, bread more than timber or beauty was wanted; and in the blindness of hunger, the early settlers, claiming Heaven as their guide, regarded God’s trees as only a larger kind of pernicious weed, extremely hard to get rid of...Thence still westward the invading horde of destroyers called settlers made its fiery way over the broad Rocky Mountains, felling and burning more fiercely than ever, until at last it had reached the wild side of the continent, and entered the last of the great aboriginal forests on the shores of the Pacific (Guha 2000, S.50).
Muir wanderte tausend von Meilen durch das Land und wurde als Schriftsteller und Redner bekannt. 1892 gründete er den Sierra Club, die einflussreichste amerikanische Organisation, welche sich für den Schutz der Wildnis einsetzte und bis heute einsetzt. Muir war ein Denker, der seiner Zeit voraus war. Er glaubte daran, dass die Wildnis nicht nur aus utilitaristischökonomischen Gründen erhalten werden musste, sondern auch um ihrer selbst willen. Als Sohn eines evangelischen Priesters wuchs er mit der christlichen Tradition auf, welche den Menschen über die restlichen Kreaturen stellt. Für ihn jedoch repräsentierte jedes Tier und jede Pflanze einen Teil des göttlichen Kosmos, der Mensch war nur ein Teil des Ganzen: „The universe would be incomplete without man; but it would also be incomplete without the smallest transmicroscopic creature that dwells beyond our conceitful eyes and knowledge“ (Muir nach Guha 2000, S.52). Wälder und Berge hatten für ihn nicht nur Bedeutung als Quellen von Holz und Flüssen, sondern als Quelle des Lebens.
Zu Beginn des 20.Jahrhunderts gab es mehr und mehr Stadtbürger, die ihre freie Zeit in den Nationalparks verbrachten. Diese waren mächtige Fürsprecher für den Erhalt der wilden Gebiete. Der erste Nationalpark, der aus rein ökologischen Gründen geschaffen wurde, war allerdings erst der Everglades Nationalpark 1934. Zuvor war eher der kulturelle
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Nationalismus eine starke Triebfeder für die Gründung von Nationalparks gewesen. Die beeindruckende Größe und das beeindruckende Alter der amerikanischen Berge und Wälder waren auch ein Ersatz für die reichen Traditionen Europas hinsichtlich Kunst und Architektur, welche den Vereinigten Staaten fehlten. Auch Muir war ein Patriot, bedeutender war jedoch seine ökologische Stimme. Heute ist er eine Art Kultfigur der Umweltbewegung, der sich für die Natur unabhängig von ihrem wirtschaftlichen Wert einsetzte. Auch noch in die erste Welle der Umweltbewegung fällt die Gründung der National Audobon Society 1905, die wie der Sierra Club bis heute sehr einflussreich geblieben ist.
4) Die 30er Jahre: New Deal und Aldo Leopold
Mit dem ersten Weltkrieg flaute die Bewegung ab. In den 30er Jahren des 20.Jahrhunderts wurde das Land nicht nur durch die ökonomische Krise, sondern auch durch Überschwemmungen und extreme Dürren geplagt. Der damalige Präsident Franklin D. Roosevelt setzte Programme in Gang, um die Erosion zu verhindern und Überschwemmungen zu kontrollieren. Bei diesen Programmen wurden Arbeitslose eingesetzt und somit die Lösung des ökonomischen Problems mit der Lösung des ökologischen Problems verknüpft. Zur selben Zeit machte eine Persönlichkeit von sich reden, der für die amerikanische Umweltbewegung eine ähnliche Bedeutung zukommt wie für John Muir. Aldo Leopold wurde 1887 geboren, erwarb einen Abschluss an der Yale School of Forestry und arbeitete anschließend von 1909 bis 1933 für den United States Forest Service, worauf er Professor an der Wisconsin University wurde. Während seiner Laufbahn wandelte sich Leopold vom wissenschaftlichen Erhalter in der Tradition des Gifford Pinchot -welche auch den Forest Service prägte- zu einem Verfechter einer Idee, die Muir nahe kam und noch weiter ging. Während seiner Zeit im Forest Service entwickelte er noch ein Management für Wild, um ähnlich wie für Holz zuvor einen möglichst nachhaltigen Ertrag aus ihm herauszuholen. Mit der Zeit lernte er dabei die kulturelle und ökologische Bedeutung des Wildes zu schätzen. Bei einem Besuch in Deutschland 1935 erschrak er über die monotone und künstliche Forstwirtschaft dort: „Never before or since have the forests of a whole nation been converted into a new species within a single generation...The Germans taught the world to plant trees like cabbages“ (Guha 2000, S.55).
Muir war eher ein Moralist gewesen und einer, der sich die Wissenschaft selber beigebracht hatte. Leopold dagegen war eher geschulter Ökologe, der sich in einen Ethiker gewandelt hatte. Während Muir sich auf das Verhalten innerhalb von Parks konzentrierte und gegenüber jeder menschlichen Störung von außen feindlich eingestellt war, ging es Leopold mehr um
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das alltägliche Verhalten gegenüber der Natur auch außerhalb von Nationalparks. So sagt der Historiker Fleming über ihn:
National parks and national forests were seen as the goal of a pilgrimage, holy places set apart under the care of a jealous priesthood of conservationists...He wanted to strip the conservation ideal of its remote and sacred aspects and make the cultivation of a loving and wondering attitude toward other organisms and toward the land itself a matter of voluntary daily practice in modest contexts, particularly when men were unobserved and unintoxicated by the gigantic and patently sublime (Fleming über Leopold nach Guha 2000, S.57). Neu an Leopolds Gedankengut war, dass es nicht mehr um den Schutz einzelner Spezies ging, sondern um den Schutz der biologischen Vielfalt. Zudem erkannte er, dass die Wildnis nicht geschützt werden konnte, ohne dass die Ökonomie sich stärker an ökologischen Prinzipien orientierte. Ethisch ging es ihm darum, der Natur gegenüber nicht nur während Wochenendausflügen, sondern auch im Alltag eine rücksichtsvolle und neugierige Einstellung zu hegen. 1935 gründete er die Wilderness Society.
5) Nach 1945: Die Ära des unhinterfragten Wachstums
Die „grüne Welle“ der 30er Jahre wurde durch den Zweiten Weltkrieg verdrängt. Anschließend machte sich eine optimistischere Stimmung breit, als noch in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, welche eher vom Schock geprägt wurde. Es herrschte vor allem der Wunsch nach Wohlstand, Konsum und Privatbesitz in Form von Autos, Häusern, Kleidung, Essen und Unterhaltung. Auch die Ziele der Regierungen waren meist ökonomisch dominiert. Mit Hilfe Von Wissenschaft und Technik konnten im damals dominanten Denken alle Probleme gelöst werden. „Americans had become the people of the technological solution to all classes of problems, and they had faith in the prosperity that their ingenuity would bring“ (Rothman 1998, S.2). Umweltorientiertes Denken hatte es dementsprechend schwer, Beachtung zu finden. Vielmehr wurde gefordert, Natur und natürliche Ressourcen noch intensiver zu nutzen. Stellvertretend für dieses Denken schrieb Henry Morgenthau anlässlich der Gründung der Weltbank 1945: „(The bank would help create) a dynamic world economy in which the peoples of every nation will be able to enjoy, increasingly, the fruits of material progress on an earth infinitely blessed with natural riches“ (nach Guha 2000, S. 66). Knappheiten konnten mit Hilfe von Technik und Wissenschaft beseitigt werden. In den zwei Dekaden, die dem Zweiten Weltkrieg folgten, gab es nur wenige kritische Stimmen, denen mit Unverständnis, Gleichgültigkeit oder gar Feindlichkeit begegnet wurde. Der Optimismus gründete auch darin, dass die US-amerikanische Gesellschaft immer reicher wurde. Immer mehr Menschen konnten sich eigene Häuser leisten und zogen aus den Städten
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in die Vororte. Es wurde immer mehr konsumiert, was einen immer größeren Verbrauch von Ressourcen zur Folge hatte. Neben Holz für Häuser und Benzin für immer mehr Autos, die viel verbrauchten, konnte die Industrie dank Chemie und neuer Technologien neue Konsumgüter auf den Markt bringen. Damit verbunden war allerdings auch ein Anstieg von Abfällen des ökonomischen Wachstums, sichtbar an sinkender Qualität von Luft und Wasser und der Veränderung der amerikanischen Landschaft. War die Industrie vor dem Krieg hauptsächlich auf die großen Städte des Nordostens konzentriert, breitete sie sich mit Hilfe des Krieges über das ganze Land aus und brachte ihre positiven wie negativen Konsequenzen in Regionen, die noch keine Erfahrung damit hatten. Allgemein gab es zu dieser Zeit einen Mangel an Wissen über den Einfluss von chemischen und industriellen Prozessen auf Land und Leute. Neben den negativen Konsequenzen ermöglichte die Industrie jedoch den Sieg im Zweiten Weltkrieg sowie den enormen wirtschaftlichen Aufschwung, der auch für benachteiligte Gruppen neue Chancen eröffnete.
Die Autos der 40er und 50er waren groß und wurden größer. Deren bleihaltige Emissionen formten den „Smog“ (zusammengesetzt aus smoke und fog), der üblich wurde in amerikanischen Städten. Diese Nebeneffekte wurden jedoch als Teil des Preises für den Fortschritt akzeptiert. „During the 1950s, people thought about the problems of people, not about the condition of the physical world and the implications of human actions for long-term survival of the species” (Rothman 1998, S. 15).
Conservation als politische Kraft befand sich 1945 an seinem schwächsten Punkt. Prototyp dieser Richtung war der Sierra Club, dessen Mitglieder meist gebildet, reich und weiß waren. Er konzentrierte sich auf spezielle Gebiete abseits der Städte. Den Mitgliedern, die durch eine gewisse Arroganz der Privilegierten gekennzeichnet waren, ging es ums Wandern in der Natur als ästhetische Erfahrung. Den vorherrschenden Paradigmen der Zeit wurde nicht widersprochen. „...the Sierra Club simply did not respond with any vigor to his calls to defend the wild. Instead, the club remained rooted in the class based, archaic form of clubbiness that emphasized outdoor experience, not protection” (Rothman 1998, S. 23).
6) Die Anfänge der modernen Bewegung
In den 60er Jahren begannen die Werte der amerikanischen Gesellschaft sich zu transformieren. Nun ging es stärker um die Lebensqualität, die unter anderem durch die Verhinderung chemischer Gifte und gestiegener Wertschätzung der ästhetischen Qualitäten der natürlichen Welt verbessert werden sollte. Den Anfang dieser Transformation machten Individuen mit ihren Veröffentlichungen, allen voran die Biologin Rahel Carson mit „Silent
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Spring“ 1962. Seit dem Zweiten Weltkrieg wurden für die Schädlingsbekämpfung bei Pflanzen vermehrt chemische Substanzen, also Pestizide und Insektizide wie DDT, eingesetzt. Von 1947 stieg die Produktion solcher Stoffe in den USA von 125 Millionen Pfund zu 637 Millionen Pfund 1960. Sie wurden tonnenweise auf Pflanzen versprüht. Carson machte in ihrem Buch deutlich, wie das Gift in Boden und Wasser und die Nahrungskette eindrang und so auch zur Gefahr für den Menschen wurde. Der Titel stummer Frühling zielte auf die Vorstellung eines Frühlings ohne Vögel und somit ohne Gesang, ab, weil die Würmer, welche die Vögel fraßen, das Gift in sich trugen. Das Buch war von literarischer wie wissenschaftlicher Qualität. Neu war die Betrachtung von Natur als Gesamtsystem statt die Konzentration auf einzelne Arten oder Gebiete. „Beneath and beyond the facts lay a deeper philosophical argument, to the effect that nature was to be respected as a `complex, precise and highly integrated system of relationships between living things which cannot safely be ignored any more than the law of gravity can be defied with impunity by a man perched on the edge of a cliff`” (Guha 2000, S.71). Carson kritisiert denn auch das zeittypische Spezialistentum, welches vor allem Chemiker und Physiker, weniger Biologen prägte. Sie sähen nur kleine Ausschnitte statt einem ganzen, komplexen System. Carson forderte, mit mehr Vorsicht und mit biologischen, statt mit Brutalität und mit chemischen Mitteln in die Natur einzugreifen.
Silent Spring wurde ein Bestseller mit über 500.000 verkauften Exemplaren und fand viele auch prominente Befürworter, darunter Präsident John F. Kennedy. Es hatte einen dramatischen Einfluss auf die Öffentlichkeit nicht nur in den USA und führte zu gesetzlichen Verboten von Chemikalien. „Not since the appearance of John Maynard Keynes’ General Theory of Employment, Interest and Money (...) did a single book have such a dramatic and simultaneous impact on public opinion, scientific research, and state policy” (Guha 2000, S.72).
Mit dem Buch wurden verborgene Ängste gegenüber den Konsequenzen von technologischen Innovationen angesprochen, welche es schon nach dem Abwurf der Atombomben über Japan gegeben hatte, die jedoch aufgrund der Atmosphäre der 50er versteckt worden waren. Es entwickelte sich ein Bewusstsein für neue Umweltprobleme. Sie waren komplexer in der Herkunft (neue Technologien), ihre Folgen waren verzögert, komplex und schwer aufzudecken und sie hatten Konsequenzen für Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen. Neben Silent Spring gab es weitere alarmierende Veröffentlichungen, oft mit apokalyptischen Titeln: The Destruction of California (Dasmann); The Population Bomb (Ehrlich); The Tragedy of the Commons (Hardin); The Closing Circle (Commoner). Deutlich wurde in den
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vielen Veröffentlichungen nach 1962 auch, dass es Unstimmigkeiten darüber gab, was die Hauptursache für die Probleme war. Ehrlich sah es im Bevölkerungswachstum, Commoner in den riskanten modernen Technologien, Hardin stellte fest, dass individuelle Freiheiten geopfert werden müssten, um größere Freiheit für alle zu erlangen, der Club of Rome sprach von den limitierten Ressourcen der Erde, andere wie Arné Naess konzentrierten sich auf ethische und religiöse Aspekte in der Beziehung zur Natur. Einigkeit herrschte in der Ablehnung der bisher herrschenden Unschuldsideologie.
7) Eine Massenbewegung
1969 gab es eine Ölkatastrophe vor der Küste von Santa Barbara. Dieser Ort in Kalifornien war für seine natürliche Schönheit im ganzen Land berühmt und wurde von einer reichen Elite bewohnt. Diese beiden Faktoren führten dazu, dass der Katastrophe -welche nur eine unter vielen war- nationale Aufmerksamkeit zuteil wurde. Aus ihr wurde deutlich, dass auch die privilegiertesten von derartigen Gefahren betroffen sein konnten. Zuvor herrschte ein Denken vor, wonach man sich die Gefahren aussuchen konnte und ein Job mit höherer Gefährdung dafür im Ausgleich besser bezahlt wurde. Durch die Ölkatastrophe von Santa Barbara wurde Verschmutzung noch stärker ein öffentliches politisches Thema. „Pollution (...) was a threat to the quality of life that Americans valued“ (Rothman 1998, S.104). Eine wichtige Rolle spielten bei diesem Prozess auch die Massenmedien. Im Unterschied zu anderen sozialen Bewegungen der Zeit, wie der Bürgerrechtsbewegung, der Emanzipation der Frauen und der Friedensbewegung, war die moderne Umweltbewegung weniger trennend und konnte so leichter einen Platz im Mainstream Amerikas finden. Es war eine Bewegung der Mittelklasse, welche universelle Bedenken widerspiegelte. Der Generationenkonflikt fand in der Umweltbewegung kaum statt. Eine zynische Interpretation vom Soziologen Denton E. Morrison legte dies so aus: „The environmental movement especially seemed to have potential for diverting the energies of a substantial proportion of young people away from more bothersome movements and into (groups) that seemed to stand for something close to Country, God, Motherhood and Apple Pie, and that, at worst, (was) clearly the safest movement in town“ (nach Guha 2000, S.81). Entsprechend fiel die Unterstützung für sie in der Bevölkerung auch breiter aus. Dies zeigte sich besonders am Earth Day am 22. April 1970, welcher auch die neuen Strategien der sozialen Bewegungen dieser Zeit widerspigelte. An dieser Demonstration nahmen über 20 Millonen Menschen teil. Es wurden Bäume gepflanzt, Diskussionen über die Umwelt abgehalten, Müll aufgeräumt und vor verschmutzenden Fabriken demonstriert. Ziel
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des Cheforganisator Denis Hayes war es gewesen, einen Konsens für die Unterstützung der umweltbezogenen Themen zu schaffen, anstatt mit radikaler Politik zu polarisieren. Earth Day wurde beschrieben „as the largest, cleanest, most peaceful demonstration in American history“ (Rothman 1998, S.123). Die Umweltbewegung zog es nun zunehmend auf die Straße und vor die Gerichte. „To `Plant more trees´, and `Save the Grizzly´ was added a more threatening slogan: ´Sue the bastards´“ (Guha 2000, S.80). Nach Dunlap und Mertig waren vor allem die folgenden Gründe ausschlaggebend für das Auftauchen der modernen Umweltbewegung: 1. The 1960s had given rise to an activist culture that encouraged people, especially youths, to take direct action to solve society’s ills. 2. Scientific knowledge about environmental problems such as smog began to grow, as did media coverage of such problems and major accidents such as the 1969 Santa Barbara oil spill. 3. A rapid increase in outdoor recreation brought many people into direct contact with environmental degradation and heightened their commitment to preservation. 4. Perhaps most fundamentally, tremendous post-World War 2 economic growth created widespread affluence, eventually lowering concern with materialism and generating concern over the quality of life. 5. Many of the existing conservation organizations broadened their focus to encompass a wide range of environmental issues and attracted substantial support from foundations, enabling them to mobilize increased support for environmental causes. In the process they transformed themselves into environmental organizations (Dunlap und Mertig 1992, S.2).
Von 1960 bis 1969 versiebenfachte sich die Mitgliederzahl der conservation Organisationen von 123.000 auf 819.000. Von 1969 bis 1972 wuchs die Mitgliederzahl nochmal um 300.000 Personen bzw. um 38% (siehe Tabelle 1, S.25). Im gleichen Zeitraum wurden neue Umweltorganisationen gegründet: 1967 Environmental Defense Fund (EDF) und 1970 National Resources Defense Council (NRDC), welche sich in ihrer Mischung aus Juristen und Wissenschaftlern ähnelten und hauptsächlich Prozesse führten. 1969 wurde Friends of the Earth (FoE) und 1970 Environmental Action gegründet, beides radikalere Organisationen, wobei die erstere sich vor allem in Opposition gegen Großunternehmen sah, während letztere aus dem Earth Day entstanden war und aus Studenten bestand, die sich als neue Linke betrachteten. 1972 entstand noch das Environmental Policy Institute, welches keine
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Mitgliederstruktur besaß, von reichen Patronen unterstützt wurde und sich auf Lobbying konzentrierte.
Auch Meinungsumfragen belegten die zunehmende öffentliche Sorge um die Qualität der Umwelt. So verdreifachte sich der Anteil derjenigen, die meinten, dass Wasser -und Luftverschmutzung mehr Aufmerksamkeit der Regierung zuteil kommen sollte, von 17% 1965 auf 53% 1970 (Dunlap 1992, S.93 /Tabelle 2, S.26).
8) Umweltschutz geht in die Gesetzgebung ein
Der Konsens darüber, dass etwas verändert werden müsste, wirkte sich am signifikantesten auf neue Gesetze aus. Die Umweltgesetzgebungen bis 1970 hatten nur schwache Auswirkungen gezeigt: „Legislation without powerful impact on behavior had been the norm. In the changing cultural climate, it increasingly seemed an insufficient remedy“ (Rothman 1998, S.115). Ein widerstrebender Präsident Nixon unterzeichnete 1969 den National Environmental Policy Act (NEPA), der breite Unterstützung von Bevölkerung und Kongress fand. Mit den in diesem Gesetz festgeschriebenen Verpflichtungen zeigte sich der dramatische Wandel, den die Bedeutung der Umwelt für die Amerikaner vollzogen hatte. Ein Teil des NEPA war das environmental impact statement (EIS), welches die Auswirkungen jeder staatlichen Unternehmung beschreiben sollte. Dadurch entstand ein neuer Level der Verantwortlichkeit für die Entwicklung staatlicher Projekte. Das EIS hatte allerdings auch seine Mängel. So war es nur erforderlich, zerstörerische Handlungen zu erklären, nicht jedoch, sie zu stoppen. So wurde es oft zu einem anpassungsfähigen Dokument, das sich weniger nützlich im Lösen von Umweltproblemen zeigte.
Im Dezember 1970 entstand mit der Environmental Protection Agency (EPA) das Herzstück des aufkommenden staatlichen Umweltregulierungssystems. Verschieden Teile der staatlichen Bürokratie, die mit der Umwelt zu tun hatten, wurden hier vereinigt und zentralisiert, so etwa die Federal Water Quality Administration und die National Air Pollution Control Administration. Hatte es bis jetzt für private wie öffentliche Unternehmungen gereicht, wenn sie ökonomisch gerechtfertigt wurden, sollte mit Hilfe der EPA ein Wandel stattfinden:
This powerful new agency (...) signaled the advent of a world in which the federal government and private industry would assess the consequences of their actions before initiating them and would consider alternatives to any damge that might be caused. It was a new era for Americans. The federal government assumed a greater level of responsibility for environmental conditions than previously had been expected or required by law (Rothman 1998, S.119).
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Projekte, von denen ein Jahrzehnt zuvor kaum jemand Notiz genommen hätte, konnten jetzt Titelseiten-Themen werden. Andere Gesetze wurden verabschiedet, so der Clean Air Act (1970), der Water Quality Improvement Act (1970), der Federal Environmental Pesticides Control Act (1972), der Endangered Species Act (1973) und weitere. Neben der öffentlichen Zustimmung war für Nixon ausschlaggebend, dass er mit der Unterstüzung der Umweltbewegung die Legitimation des Staates verbessern konnte, welcher durch den Vietnam Krieg und kulturelle Gegenbewegungen in eine instabile Lage geraten war: „To contain this destabilization, the Nixon administration sought to ´make peace´ with the environmental movement, which appeared to be the least radical and threatening aspect of the counter-culture. Nixon and his associates had no personal commitments to environmental values“ (Dryzek 2003, S.59).
Ab Mitte den frühen 70er Jahren sanken die Zuwachsraten der Mitgliederzahlen der Umweltorganisationen. Dies war zum einen auf den Eindruck zurückzuführen, dass sich die Politik jetzt um alles kümmerte, da die Umweltaktivisten in den Verwaltungen saßen. Zudem kam mit Präsident Carter ein Mann ins Amt, der der Umweltbewegung wohlgesonnen schien. Die öffentliche Aufmerksamkeit für die Thematik sank. Dies drückte sich auch in Meinungsumfragen aus. So schrumpfte der Anteil derjenigen, die die Verminderung von Luft -und Wasserverschmutzung als eines der zwei oder drei ernsthaftesten Probleme im Lande sahen von 44% 1970 auf 18% 1976 (siehe Tabelle 3, S.27). Zudem wurde sie durch die Ölkrise 1973 und die durch den Vietnamkrieg ausgelöste Inflation auf andere Bereiche gelenkt. Der Optimismus, der die 60er Jahre noch geprägt hatte, begann allmählich zu schwinden. Dies wirkte sich auch auf die Wahrnehmung der Umweltbewegung aus. Sie schien die Probleme der unteren Schichten nicht zu würdigen, was besonders in Zeiten, da immer mehr industrielle Arbeitsplätze verloren gingen, negativ gesehen wurde. Carter versprach, sich für Erhaltung und für die Entwicklung erneuerbarer Ressourcen einzusetzen. Einmal im Amt, änderte er jedoch den Kurs und setzte auf Kernenergie und synthetischen Treibstoff (was misslang). Ein Grund dafür war Carters Memoiren zufolge auch der politische Druck, den insbesondere die Auto -und Ölindustrie ausübten.
9) Weg von der Strasse
Die 70er Jahre waren von der Institutionalisierung, Professionalisierung und Routinisierung der Umweltbewegung gekennzeichnet. Durch die Einbindung in die Politik in Washington gelang es zwar, viele neue Gesetzgebungen zu installieren, der Schwung der Anfangszeit war jedoch in Folge der Bürokratisierung abgeklungen. Entsprechend interessierten sich Medien
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und Öffentlichkeit weniger für die Bewegung. Diese Abläufe sind für soziale Bewegungen im Allgemeinen typisch. Typisch war es dann auch, dass es zur Fragmentierung innerhalb der Bewegung kam zwischen Aktivisten, die von der Routinearbeit und den Kompromissen der Politik frustriert waren, und denjenigen, die innerhalb des Systems arbeiten wollten (Dunlap und Mertig 1992, S.3). Dabei ging es um die Frage, welche Strategie benutzt werden sollte, um die angestrebten Ziele zu erreichen. Neben der Aufklärung, wie sie beispielsweise Carson mit Silent Spring betrieben hatte, gab es die Möglichkeit der direkten Aktionen, die von vielen jedoch als zu aggressiv angesehen wurden, und, was die bevorzugte Taktik der Mehrheit war, den Weg über politische Reformen. Die Politik sollte dabei mit legalen Mitteln beeinflusst werden. Dafür waren Vollzeit-Lobbyisten in Washington von Nöten, die Druck auf Politiker ausüben sollten. Dies war ein normaler und notwendiger Weg, um die eigenen Interessen bei der Gesetzgebung eine Rolle spielen zu lassen. Eine der wichtigsten Waffen war dabei die Führung von Prozessen, außerdem wurden genehme Kandidaten im Wahlkampf unterstützt. Von 1969 stieg die Anzahl der Umweltlobbyisten von zwei auf 40 1985 an. Das Lobbying erforderte Kontinuität und Erfahrung in wissenschaftlicher und juristischer Hinsicht. Zudem erforderten immer größere Mitgliederzahlen finanzielle Planung und Kontrolle und die Erhaltung des nicht gewinnorientierten Steuerstatus eine detaillierte Buchführung. Dies bedeutete die oben angesprochene Professionalisierung der Umweltbewegung. Dave Forman, der ehemals Mitglied der Wilderness Society gewesen war und 1980 aus Frustration über diese Entwicklungen die radikale Organisation Earth First! gründete, merkte dazu an: „The American system is very effective at co-opting and moderating dissidents by giving them attention and then encouraging them to be ´reasonable´ so their ideas will be taken seriously“ (Foreman nach Dryzek 2003, S.88). Etwas positiver beschrieb der Journalist Jon Margolis die Sache:
I think when you come to Washington you learn to play the game and there are people for whom that’s a bad thing. I don’t think it’s a bad thing. I mean democracy is a conversation...You get to know people and they are not such bad guys. You know, you go out and have a drink with them after the session in a congressman’s office (and see) they have a legitimate constituency also...Somebody has got to come to Washington and cut a deal at some point. Former Governor Hickel of Alaska once said to me, at some point somebody’s got to say yes, otherwise nothing gets done. And what gets done may not be entirely what an environmental group wants, but...it’s better to save half a million acres than to save no acres (Margolis nach Dryzek 2003, S.88).
Anders ausgedrückt wurde die Umweltbewegung ein Teil des Mainstream, was nicht allen Teilnehmern der Bewegung gefiel. Die Gefahren dabei waren, dass visionäre Ziele und charismatische Personen zu sehr in den Hintergrund traten und durch Managmentfähigkeiten
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ersetzt wurden und dass Karrieredenken bei den Professionellen und Passivitätsgefühle bei den Freiwilligen in Erscheinung traten (Mitchell 1992, S.20).
10) Atomenergie
Ende der 70er Jahre gab es zwei Ereignisse, die für größere Gefahren als Luft -und Wasserverschmutzung standen: Atomenergie und giftige Abfälle. Sie kennzeichneten die neuen Risiken besonders für die menschliche Gesundheit, welche die moderne Lebenswelt mit sich brachten. Mit der Atomenergie wurden alte Ängste der Amerikaner angerührt, die es verdeckt seit dem Abwurf der zwei Atombomben über Japan gegeben hatte. Trotz der Gefahren wurde Atomenergie als unverzichtbar gesehen, zunächst als Waffe im kalten Krieg, später für die zivile Energiegewinnung. Bis 1963 gab es überirdische Tests in Nevada und auf den Bikini Inseln, bis dies international verboten wurde. Anschließend wurde unterirdisch weitergetestet. Die zivile Nutzung startete etwas später, 1957 wurde mit dem Bau des ersten Atomkraftwerks in Pennsylvania begonnen. Atomkraft stand damals für sauberere Luft und billigen Strom. Die negativen Konsequenzen waren jedoch zu dieser Zeit kaum bekannt. Die Atomic Energy Commission und das Militär handelten unter strenger Geheimhaltung. In Bezug auf Fragen der nationalen Sicherheit galt das Hinterfragen von Gesundheitsrisiken als unverantwortlich und unpatriotisch. Arbeiter, welche an den Atomwaffen mitbauten, hatten das Risiko als Teil der Arbeit zu akzeptieren. Hinzu kam, dass gesundheitliche Folgeerscheinungen verspätet auftraten und ein Zusammenhang nur schwer bewiesen werden konnte.
Während der kulturellen Revolution der 60er Jahre keimten erste Widerstände in der Bevölkerung gegen die Nutzung der Atomenergie auf. Diese wurde durch ein allgemein wachsendes Misstrauen gegenüber der Regierung, den erstarkenden Individualismus und die verborgenen Ängste gegenüber der Atomenergie hervorgerufen. In den 70er Jahren setzte sich die Meinung durch, dass die mit Atomenergie verbundenen Risiken den Nutzen überwogen. Nach 1974 wurde kein neues Atomkraftwerk mehr zugelassen. Am 28. März 1979 wurden die Ängste der Amerikaner bestätigt. Im Atomkraftwerk von Three-Mile Island gab es einen Zwischenfall. Letztlich trat zwar keine Strahlung nach außen, dennoch gab es eine panische Reaktion in der Umgebung, die sich in den Medien darin wiederspiegelte, dass der Unfall in zwölf aufeinander folgenden Tagen auf den Titelseiten der Zeitungen erschien und wichtigstes Thema im Fernsehen war. Über 200.000 Menschen flohen aus der Region. Dieser Vorfall wurde zum Wendepunkt für die amerikanische Atomindustrie:
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Although no significant amount of radiation was released as a result of the partial meltdown, the accident cost the nuclear power industry much more than the one billion dollars in cleanup costs. Three-Mile Island destroyed what remained of American public confidence in nuclear power (...) Three-Mile Island confirmed the promise of nuclear power was a threat, and no one in the United States could ever fully believe in the industry again (Rothman 1998, S.147). Es war das Watergate der Atomenergie.
11) Giftige Abfälle, Umweltgerechtigkeit und Basisbewegungen
Ein anderer Vorfall erlangte 1978 unter dem Namen Love Canal, welcher sich nahe der Niagara Fälle im Staate New York befand, traurige Berühmtheit. Im ganzen Lande waren giftige Abfälle, die aus der Nutzung von Chemikalien stammten, gelagert. Meist wurden sie in abgelegenen Plätzen liegengelassen, doch diese Plätze blieben nicht immer verlassen. So war es auch in diesem Fall. Bisher war die Gefahr durch giftige chemische Abfälle noch nicht als solche erkannt worden. Spätestens mit Love Canal änderte sich dies. In den 30er und 40er Jahren hatte die Hooker Chemical Company einen hydroelektrischen Kanal mit giftigen Abfällen gefüllt. 1953 verkaufte die Firma das Gelände und es wurde eine Schule auf diesem Grundstück erbaut. Bald entstand eine gewöhnliche Arbeitersiedlung um sie herum, die ihren Lebensunterhalt der chemischen Industrie verdankte. Bis in die 70er Jahre schien nichts Ungewöhnliches vorgefallen zu sein. Neben einem in der Luft hängenden Geruch gab es allerdings verhältnismäßig viele Fälle von Krankheiten, Geburtsdefekten, Fehlgeburten und Krebs. Zunächst erschien dies lediglich als individuelles Pech. Nach genauerer Prüfung der Gegend durch Epidemiologen stellte sich jedoch heraus, dass es ein Muster hinter den scheinbar individuellen Tragödien gab. Bis 1978 wurde von lokalen Politikern abgestritten, dass irgendetwas hier nicht stimmte, obwohl ihnen schon 1976 klar war, dass es hier gefährliche Abfälle gab. Auch nachdem die Environmental Protection Agency 1977 empfahl, die Bewohner zu evakuieren, geschah nichts. Erst nach einer anhaltenden Kampagne eines Reporters und von Anwohnern wie Lois Gibbs wurden die Informationen öffentlich. Am 2. August wurde vom Gesundheitsbeauftragten Love Canal offiziell als eine große Gefahr für die öffentliche Gesundheit bezeichnet. Nun wurde für die Anwohner klar, dass hinter den vielen Krankheitsfällen nicht individuelles Schicksal stand, sondern eine der Firmen, von welchen sie gelebt hatten. Die staatlichen Stellen hatten versagt und verstärkten damit noch die Wut der Menschen. Sie reagierten mit Panik darauf, dass ihre sichere Nachbarschaft sich nun als gefährliche Gifthalde herausstellte. 237 Familien wurden umgesiedelt und das Gelände musste aufwändig gereinigt werden. 1980 wurde an 11 von 36 Anwohnern von Love Canal Chromosomenschäden festgestellt. Love Canal war jedoch nur
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der bekannteste unter vielen anderen Fällen, in welchen die giftigen Nebenprodukte der Industrie eine Gesundheitsgefährdung darstellten. Als Reaktion darauf entstanden viele kleine, lokale (sogenannte grass roots) Basisorganisationen, welche Regierung und Unternehmen herausforderten. Außerdem wurde eine Liste mit anderen gefährdeten Plätzen von der EPA aufgestellt. Eine neue Gesetzgebung, der Superfund Act, zwang die Verschmutzer theoretisch, für die Kosten ihrer Taten selber aufzukommen und stellte 1.6 Milliarden Dollar zur Reinigung von giftigen Abfallhalden zur Verfügung. Unter der beginnenden Präsidentschaft von Reagan und der neuen Vorsitzenden der EPA, Anne Gorsuch, kam diese Gesetzgebung jedoch nicht zum Zuge. Vielmehr hatte die EPA 1983, als Gorsuch zurücktrat, alle Glaubwürdigkeit verspielt, die sie bis vor kurzem noch gehabt hatte und versagte darin, die Öffentlichkeit vor gefährlichen Abfällen zu schützen (Rothman 1998, S.148).
Ein neues Konzept innerhalb der Basisbewegung war der Begriff von Umweltgerechtigkeit bzw. environmental justice. Dahinter stand die Erkenntnis, dass Afroamerikaner vor allem im Süden des Landes stärker giftigen Abfällen ausgesetzt waren. Umwelt wurde damit zum neuen Thema für die Bürgerrechtsbewegung. In den Mainstream Umweltorganisationen waren Afroamerikaner unterrepräsentiert, hier fühlten sie sich stärker angesprochen. Soziale Gerechtigkeit und Umwelt wurden hier als Themen verknüpft und es sollte etwas gegen den üblichen Handel Jobs gegen Umwelt getan werden (Bullard 1992, S.39). Rothman merkt dazu allerdings an, dass vor allem die weisse Bevölkerung der unteren Schichten von giftigen Abfällen betroffen gewesen wären: „Clearly poorer communities were disproportionally affected, and some of those communities included large numbers of Hispanics and African Americans. It was equally apparent that the vast majority of people affected by toxic waste in the United States had long been and continued to be lower-middle-class whites“ (Rothman 1998, S.164). Als Zielfaktoren für die Auswahl als Platz für giftige Abfälle sieht er vor allem einen niedrigen Bildungsstand der Bevölkerung, die meist römisch-katholisch ist und durch Jobs an die Müllhalde gebunden ist; afroamerikanische Gemeinden bezeichnet er als „too fractious. Except in specific situations, such as those revealed by sociologist Robert Bullard in his study of Houston, it was difficult to find African Americans systematically singled out“ (Rothman ebd.).
Allgemein zeichneten sich die lokalen Basisorganisationen (grass roots), die seit dem Ereignis von Love Canal entstanden, dadurch aus, dass ihre Themen -wie giftige Abfälle- nah am Leben sowie dringend und konkret waren und kein abstraktes Problem ansprachen. Führend beteiligt waren oft Frauen, welche oft geringe politische Erfahrung mitbrachten. Ausserdem
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sprachen sie die Bevölkerung mit niedrigerem Einkommen an, im Gegensatz zu Organisationen wie dem Sierra Club oder der National Audobon Society. Es ging hier eher um Umwelt als Gesundheitsgefährdung denn um Umwelt als Wissenschaft oder als Schutz schöner Landschaften. Gekennzeichnet waren diese Organisationen ausserdem durch ein gewisses Misstrauen gegenüber Regierungsstellen und der Wissenschaft. Mit der Politik wurden negative Erfahrungen gemacht und daraufhin stärker darauf gesetzt, selber mitzuentscheiden, die Wissenschaft wurde nur akzeptiert, wenn sie den eigenen Zwecken diente (Freudenberg 1992, S.27).
12) Unter Reagan: Spaltung des parteiübergreifenden Konsens, Wachstum
und Fragmentierung der Bewegung
Nachdem die Umweltbewegung in den Jahren unter Carters Präsidentschaft weniger Zulauf gefunden hatte, gab es mit dem neuen Präsidenten Reagan und seiner Politik einen Wachstumsschub für die Umweltorganisationen. Insbesondere die Ernennung von James Watt zum Innenminister 1981 führte dazu, dass der bisher vorherrschende Konsens die Umweltpolitik betreffend und über die Parteigrenzen hinweg ein Ende fand. Watt strebte an, geschütztes Land aus staatlichem Besitz an die die Kontrolle der Nationalstaaten zu geben und der Nutzung der natürlichen Ressourcen den Vorzug gegenüber ihrem Schutz zu geben. Watt stammte aus dem Westen und war mit der traditionellen individualistischen Einstellung aufgewachsen, die Wachstum und der Wirtschaft den Vorzug gab. Auf die Umweltbewegung wirkte er wie die Verkörperung des Teufels. Er drückte jedoch auch die Gefühle einer Gegenbewegung zur Umweltbewegung aus. In Zeiten, in welchen industrielle Arbeitsplätze abgebaut wurden, erschienen geschützte Gebiete manchem als Chance für ökonomisches Wachstum und für die Schaffung von Arbeitsplätzen. Insbesondere der Endangered Species Act fand oft Widerspruch, wenn es so wirkte, als ginge es um die Entscheidung zwischen entweder Arbeitsplätzen oder dem Schutz einer Eulenart. Reagans Regierung versuchte die die Werte der Umweltbewegung als Werte einer elitären und wohlhabenden Gruppe darzustellen, die andere daran hindern wollte, ähnlichen Reichtum zu ergattern, und nicht als Werte, die in der amerikanischen Gesellschaft wurzelten. Die Republikaner hatten sich auf der politischen Skala insgesamt nach Rechts bewegt und bevorzugten jetzt einen ganz andere Umweltpolitik als die ihrer republikanischen Vorgänger. Unter Watt betrieb das Innenministerium eine neue Politik der Landnutzung. Die Kontrolle über die natürlichen Ressourcen sollte dereguliert werden und Bergbau und Kohleabbau ermöglicht werden. Damit spiegelte Watt den Willen einer Bewegung wider, die als Sagebrush Rebellion von sich reden
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machte. Dieser vom Westen und insbesondere von Nevada ausgehenden Bewegung ging es darum, dass die Bundesstaaten mehr Macht über die Nutzung ihres Landes haben sollten gegenüber dem Zentralstaat. Darin spiegelten sich der traditionelle westliche Individualismus und ein Misstrauen in die Regierung und Umweltregulationen. Im Übrigen fanden sich darin Befürworter eines fiktionalen freien Marktes wieder sowie die Ränder des politisch rechten wie linken Flügels. Hauptsächlich ging der Protest von ländlichen Regionen und Viehzüchtern aus, die jedoch kaum die gesamte westliche Bevölkerung repräsentierten. Der bisherige Konsens zwischen den beiden grossen Parteien über die staatliche Regulierung der Landnutzung, den es seit den 50er Jahren gegeben hatte, wurde in den frühen 80er Jahren gespalten: „Concerned more with the development of federal ressources by bussiness interests and the comfort of visitors to national park areas, Watt turned old allies against each other and fragmented the political structure of the environmental movement“ (Rothman 1998, S.179). Beigetragen hatte dazu auch die ökonomische Krise.
Auf diese Art von Politik folgte als Reaktion nun ein ungeheures Wachstum an Mitgliedern und Beiträgen für die Umweltorganisationen. Die Wilderness Society beispielsweise wuchs von 1980 bis 1983 um 144%, der Sierra Club um 90% (siehe Tabelle 1, S.25). Das Wachstum hielt die nächsten Jahre an. Darin zeigte sich, dass die Mehrheit der Bevölkerung die neue Politik als Bedrohung der eigenen Interessen wahrnahm. Dies spiegelte sich auch in Meinungsumfragen wieder. So stieg die Anzahl derer, denen die Umweltschutzgesetze nicht weit genug gingen, von 33% 1980 auf 48% 1983 und gar 54% 1990 (siehe Tabelle 4, S.28). Obwohl die Umweltbewegung während der Reagan Ära weniger Erfolge als noch in den 70er Jahren vorzuweisen hatte, reifte sie nun hinsichtlich ihrer Erfahrung, ihres Wissens und ihrer Schärfe. Die Bewegung wurde revitalisiert, ohne dass die Reagan Administration davon abgehalten werden konnte, Umweltreformen zu stoppen. Dies zeigte die Nachteile der Strategie, sich ausschliesslich auf den Regierungsapparat zu verlassen. Neben der Opposition gab es noch andere Gründe für die Revitalisierung der Bewegung. Es gab neue Umweltprobleme, die weniger lokal begrenzt und schwerer zu fassen waren als die alten, wie etwa saurer Regen oder das Ozonloch. Die Bedrohlichkeit und Sichtbarkeit der Umweltprobleme war für die gesamte Bevölkerung greifbar. Weiterhin wurde durch die Etablierung von Umweltwissenschaften die zunehmende Verschlechterung der Umweltbedingungen gesellschaftlich anerkannt. Und schliesslich etablierte sich ökologisches Bewusstsein als neuer amerikanischer Wert in Schulen und Kirchen (Dunlap und Mertig 1992, S. 5).
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Neben der Spaltung des parteiübergreifenden Konsenses fragmentierte die Politik von Reagan und Watt auch die Umweltbewegung. Es entstanden radikale Organisationen wie Earth First! (1980), die sich von dem Hauptstrom der Umweltorganisationen abgrenzten. Einer der Vorreiter des neuen Strömung war Dave Foreman, der zuvor Mitglied der Wilderness Society gewesen war und nun Mitbegründer von Earth First!. Er hatte genug von den Kompromissen mit der Politik, welche er als Ausverkauf der eigenen Interessen betrachtete, und befürwortete Taten zur Rettung der Umwelt. Dabei wurden auch illegale Methoden in Kauf genommen. Foreman sagte:
We must place our bodies between the bulldozers and the rain-forest; stand as part of the wilderness in defense of herself; clog the gears of the polluting machine; and with courage oppose the destruction of life (Foreman nach Guha 2000, S.84). Die Philosophie dahinter war die sogenannte deep ecology, die der Norweger Arné Naess begründet hatte. Dabei wurde der Mensch auf die gleiche Stufe wie andere Arten gestellt, die Natur wurde als ganzes gesehen und hatte einen intrinsischen Wert, der unabhängig vom Menschen existierte. Der Mensch erschien in diesem Biozentrismus vor allem als Bedrohung für andere Spezies der Erde. Diese Philosophie griff älteres Gedankengut von Leuten wie Muir und Leopold auf. Da die Interessen der Natur genauso wichtig seien wie die der Menschen, so wurde argumentiert, sei auch Sabotage zu ihrem Schutz erlaubt. Kritisiert wurde deep ecology für ihre Menschenfeindlichkeit, ihre Blindheit gegenüber Umweltproblemen ausserhalb der Wildnis wie etwa Gesundheitsschäden für Menschen, für das Ignorieren von sozialen Ungleichheiten und der Stadt, die schlicht als unnatürlich verneint wurde.
Für die Umweltbewegung insgesamt stellte diese Spaltung auch eine Stärkung dar. Mitglieder der herkömmlichen, grossen Organisationen erschienen in Verhandlungen mit Politikern jetzt viel näher, da es den Politikern immer noch lieber war, mit ihnen zu verhandeln, als mit den meist langhaarigen und bärtigen Extremisten. Obwohl oder gerade weil die Umweltbewegung sich in den 80er Jahren erstmals ausserhalb der politischen Macht sah, bekam sie in dieser Zeit mehr öffentliche Aufmerksamkeit denn je, über Kohleabbau und das Abholzen von Wäldern wurde in den Medien ausführlich berichtet. Der neue extreme Flügel mit seinen radikalen Strategien war durchaus eine wertvolle Ergänzung für die Bewegung in Zeiten, in welchen man von der politischen Machtausübung weitestgehend entfernt war: „Although some environmentalist insiders resented the appearance and the tactics of organizations such as Earth First!, the emergence of the fringe became a very valuable addition to what was previously a limited repertoire of tactics and approaches“ (Rothman1998, S.186). Die 80er Jahre wirkten polarisierend. Auch andere staatliche Stellen verfolgten eine zunehmend
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ökonomisch orientierte Handlungsweise, so der Forest Service. Konzentriert auf Abholzung subventionierte er die schwächelnde Holzindustrie, ohne wirklich langfristig Stabilität und Arbeitsplätze zu sichern. Dies führte zu Protesten und veranlasste Gruppen wie Earth First! Zur sogenannten ecotage (aus sabotage und ecology). Die Umweltbewegung wurde in den 80er Jahren vielfältiger in ihrem Spektrum und so gross, dass sie am Ende des Jahrzehnts zum amerikanischen Mainstream gehörte. Nun traten globalere Umweltprobleme wie das Ozonloch und die globale Erwärmung in den Vordergrund.
13) Kleiner Ausblick auf die 90er und Schluss
Die 90er jahre sollten von einer weiteren Polarisierung geprägt werden. Der 1994 gewählte republikanische Kongress strebte eine Deregulierung des Staates an, die auch die Umweltregulierungen wie etwa den Endangered Species Act betrafen. Der Wunschgedanke dahinter war, alle Regulierungen für die Ökonomie zu streichen, damit es wieder einen ähnlichen Wohlstand wie in füheren Jahren gebe. Das Problem für die Umweltbewegung war, dass sie auf diese unbeliebten staatlichen Regulierungen angewiesen war. Die ökonomische Unsicherheit veranlasste Holzfäller etwa dazu, den Schutz einer Eulenart durch den Endangered Species Act für die Krise ihrer Industrie verantwortlich zu machen, obwohl von den Schutzbestimmungen nur kleine Waldgebiete betroffen waren, die der Holzindustrie auch nicht wieder auf die Beine geholfen hätten. Ein Teil dieser gegen staatliche Regulierung gerichteten Bewegung wurde unter dem namen Wise Use bekannt. Wenn die Idee der lokalen Kontrolle zwar intellektuell und emotional viele Befürworter in Amerika hatte, so entwickelte sich gegen diese Bewegung jedoch eine Gegenbewegung aus den Städten heraus, da viele die grossartigen Landschaften, in denen sie ihre Freizeit verbrachten, in Gefahr sahen. Es wurde klar, das die Wise Use Bewegung in Wirklichkeit nicht wie behauptet für das Gemeinwohl, sondern für eigennützige Ziele eintrat:
...the public began to see the local control movement for what it really was: a form of elitism that sought, in the guise of protecting private property, to lock up valuable resources from public use. In effect, the public began to recognize that the Wise Use Movement was exactly what it claimed ist opponents to be: a special-interest group that sought to claim a part of the inheritance of all Americans for a very small and very vocal group (Rothman 1998, S.207). Als geschützte Naturreservate waren die Gebiete für alle Menschen da, um sich zu erholen; von einer wirtschaftlichen Nutzung profitierte nur eine kleine Gruppe, und dies auch nur für einen begrenzten Zeitraum.
Dennoch war es jetzt schwieriger denn je, Kompromisse zwischen zwei immer weiter voneinander entfernten Seiten zu finden. Die Umfragen belegten, dass die Umwelt der
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Mehrheit der Amerikaner sehr am Herzen lag (Siehe auch Tabellen). Zugleich belegten andere Umfragen, dass ökonomische Ziele als wichtiger gesehen wurden als Bedenken um die Umwelt. Über alles wurde in der amerikanischen Kultur nach wie vor Gewinnsucht, Bequemlichkeit und Konsum geschätzt. Der Schutz der Umwelt erforderte auch Verzicht, was nicht in die amerikanische Kultur passte. Umweltschutz war populär, aber es war fraglich, ob dies ausreichte, um den Erhalt der Umwelt zu gewährleisten. Die Umweltbewegung hatte ohne Frage viel geleistet: Die Umwelt war sauberer geworden, Gesetze schützten bedrohte Arten, die Städte waren nicht mehr so wie früher mit Smog gefüllt. In anderen Fragen hatte sie jedoch versagt. Nach wie vor war sie eher an die privilegierten Klassen gebunden und die neu auftauchenden internationalen Fragen des Umweltschutzes wie die globale Erwärmung fanden in der amerikanischen Öffentlichkeit keine Resonanz. Es gab Gesetzgebungen und Lippenbekenntnisse zum Wohle der Umwelt und es wurde für ihre Zwecke gespendet, aber die Auswirkungen auf das Verhalten der Amerikaner blieben minimal. Intellektuell war die Nation grün geworden, in ihrem Handeln war sie es noch nicht: „People routinely professed environmentalism but equally as routinely failed to practice it“ (Rothman 1998, S.210). Symbolisch dafür war das 20jährige Jubiläum des Earth Day 1990: „On the twentieth anniversary of the first Earth Day in 1990, more than two hundred thousand people showed up in New York’s Central Park to celebrate their commitment to the environment. Together they created almost forty-five tons of refuse; it is entirely possible that the planet might have been better off if they had justed stayed home“ (Rothman ebd.). Verglichen mit anderen sozialen Bewegungen wiederum war die Umweltbewegung sehr erfolgreich, vor allem was das Wachstum ihrer Mitgliederzahlen anging. Auch öffentliche Meinungsumfagen (siehe Tabellen am Ende) spiegelten die breite Resonanz, die die Themen der Bewegung in der Bevölkerung fanden. Aufgrund der öffentlichen Unterstützung für die Qualität der Umwelt und der sichtbaren Bedrohungen ist es gut möglich, dass die Umweltorganisationen auch in Zukunft Zulauf haben werden.
Vor allem in den 80er Jahren spaltete sich die Bewegung in gemässigte und radikale Gruppen. Hierin spiegelte sich die unterschiedliche Meinung über den richtigen Weg zum Ziel, wobei auch die Ziele nicht komplett übereinstimmten. In erster Linie ging es jedoch um Fragen der richtigen Strategie und weniger um die Inhalte. Auch in der Frage danach, wer die Macht über das Land ausübt, die zentrale oder dezentrale Gewalten, ging es um strategische Fragen. Auch wenn die hier angesprochenen Gruppierungen, die für mehr lokale Kontrolle eintraten, eindeutig keinen Teil der Umweltbewegung widerspiegelten, so gab es doch auch in der grünen Theorie viele, die sich für lokale Kontrolle und gegen staatliche Regulierung
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aussprachen (so etwa Kirkpatrick Sale in Human Scale) und darin den besseren Weg für die Umwelt sahen. Die geschilderte Geschichte zeigt jedoch, dass der Wegfall staatlicher Kontrolle, wenn er auch in diesen Zeiten nie Realität geworden ist, zumindest auf kurze Sicht eher ökonomische Eigeninteressen befriedigen würde als dass er der Umwelt und dem Gemeinnutzen zugute käme -auch wenn der Staat in seinen Leistungen der Umwelt gegenüber durchaus nicht immer zu glänzen vermochte. Neben diesen politisch-theoretischen Fragen ging es bei der Spaltung der Umweltbewegung auch um philosophische Fragen danach, was der Mensch im Verhältnis zur übrigen Natur Wert sei.
Es wird im Übrigen klar, dass nicht alles, was für die Popularität der Bewegung gut war, auch für die Umwelt gut war. Vielmehr war es oft umgekehrt, wie es die Revitalisierung der Bewegung durch die der Umwelt gegenüber unfreundliche Politik der Reagan Administration oder aber auch die Schwächephase der Bewegung während der Präsidentschaft von Carter, der als umweltfreundlich galt, zeigten. Dies gehört aber zu den Gesetzmässigkeiten von sozialen Bewegungen. Angewiesen auf öffentliche Gelder und somit Aufmerksamkeit, stellen grosse Umweltkatastrophen und Konfrontationen in der Politik eine bessere Werbung für die Umweltorganisationen dar als wenn sie nur ein Teil der bürokratischen Politik ist, wenn dies auch genau den ursprünglichen Zielen der eigenen Organisation widerspricht. Das ist wohl auch ein Grund dafür, dass Untergangsszenarien innerhalb der Bewegung in gewisser Weise lieber gesehen werden als Erfolgsstorys darüber, was sich hinsichtlich der Umwelt schon alles verbessert hat. Es soll jedoch an dieser Stelle nicht der Eindruck erweckt werden, dass alle Probleme nur sozial konstruiert seien und nur der Eindruck erweckt werden solle, es gehe der Umwelt schlecht, damit die entsprechenden Organisationen mehr Geld einstreichen. Um dies zu unterstreichen, sei an dieser Stelle nochmal darauf hingewiesen, dass die Probleme real sind und noch vieles zu tun ist: „Although there has been incremental progress in reversing some of the worst forms of visible pollution, it pales in comparison to the changes that are needed“ (Brulle 200, S. 1).
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Tabelle 1: Entwicklung der Mitgliedszahlen der Umweltorganisationen (Dunlap 1992)
Tabelle 2: Öffentliche Meinung zur Umweltqualität 1965-1970 (Dunlap 1992)
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Tabelle 3: Öffentliche Meinung zur Umweltqualität 1968-1976 (Dunlap 1992)
Tabelle 4: Öffentliche Meinung zur Umweltqualität 1980-1990 (Dunlap 1992)
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Literatur
Brulle, Robert J. 2000: Agency, Democracy, and Nature: The U.S. Environmental Movement from a Critical Theory Perspective. Cambridge, Massachusetts: The MIT Press.
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Dunlap, Riley E. 1992: Trends in Public Opinion Toward Environmental Issues: 1965-1990. In: Dunlap, Riley E. and Mertig, Angela G. (Hrsg.): American Environmentalism: The U.S. Environmental Movement 1970-1990. Washington DC: Taylor & Francis.
Freudenberg, Nicholas and Steinsapir, Carol 1992: Not in Our Backyards: The Grassroots Environmental Movement. In: Dunlap, Riley E. and Mertig, Angela G. (Hrsg.): American Environmentalism: The U.S. Environmental Movement 1970-1990. Washington DC: Taylor & Francis.
Guha, Ramachandra 2000: Environmentalism: A global history. New York: Longman. Mitchell, Robert Cameron and Mertig, Angela G. and Dunlap, Riley E. 1992: Twenty Years of Environmental Mobilization: Trends Among National Environmental Organizations. In: Dunlap, Riley E. and Mertig, Angela G. (Hrsg.): American Environmentalism: The U.S. Environmental Movement 1970-1990. Washington DC: Taylor & Francis.
Rothman, Hal K. 1998: The Greening of a Nation? Environmentalism in the United States since 1945. Orlando: Harcourt Brace College Publishers.
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Oskar Marg, 2004, Geschichte der US-amerikanischen Umweltbewegung, München, GRIN Verlag GmbH
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