Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1 : Vorwort 3
Kapitel 2 : Fundamentalismus - Definition 3
Kapitel 3 : Muslimbruderschaft 4
3.1 : Geschichte 4
3.2 : Ideologie 6
3.3 : Bedeutung der Muslimbruderschaft im heutigen Ägypten 7
Kapitel 4 : Neokreationismus „Intelligent Design“ 8
4.1: Geschichte Bedeutung der Bewegung im heutigen Amerika 8
4.2 : Ideologie 9
Kapitel 5 : Nicht-monotheistische Religionen 10
5.1: Hinduismus 11
Kapitel 6 : Fazit 12
Literaturverzeichnis 14
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Kapitel 1: Vorwort
Religiöser Fundamentalismus ist ein Phänomen, welches in heutiger Zeit eine besondere Aufmerksamkeit durch die Häufung religiös motivierter Verbrechen erfährt. In dieser Facharbeit will ich erörtern, warum Menschen sich fundamentalistischen Organisationen anschließen und deren Ideale vertreten. Zunächst wird mit einem Definitionsversuch das Wesen des Fundamentalismus untersucht. Ich werde den Bezug zur Religion anhand von zwei Beispielen erörtern. Entschieden habe ich mich für die „Muslimbruderschaft“ in Ägypten und die neokreationistischen Organisationen in den USA, die durch die „Intelligent Design“ Bewegung Einfluss gewonnen haben. Somit umfasst diese Facharbeit sowohl Fundamentalismus im Islam, als auch im Christentum und befasst sich deshalb vor allem mit den großen, monotheistischen Religionen. Anschließend wird der Bezug zu nichtmonotheistischen Religionen hergestellt. In den heutigen Medien erfährt man größtenteils nur über Fundamentalismus in unseren monotheistischen Weltreligionen. Es stellt sich die Frage, ob der Monotheismus besonders anfällig für fundamentalistische Strukturen ist. Meine Facharbeit wird die Grundfrage im abschließenden „Fazit“ so präzise wie möglich beantworten wollen
Kapitel 2: Fundamentalismus - Definition
Bevor man sich mit den Ausprägungen verschiedener fundamentalistischer Strömungen auseinandersetzt, ist es von Bedeutung, den Begriff „Fundamentalismus“ zu definieren, denn auch wenn der Begriff heutzutage in vielen Medien verwendet wird, wissen die Wenigsten seine genaue Bedeutung. Inzwischen mag in dem Wort „Fundamentalismus“ eine gewisse Brisanz enthalten sein, heißt es doch oft, dass beispielsweise die Attentäter vom 11. September „Fundamentalisten“ waren. Mit dem Wort verbinden nicht zuletzt dadurch viele Europäer diverse Horrorszenarien. Dabei ist die Definition im ursprünglichen, terminologischen Sinn weitaus entschärfter. Als Fundamentalisten bezeichnet man jene Menschen, die ihre jeweilige „heilige Schrift“ wörtlich nehmen (sora scriptura). Der deutsche Politologe Bassam Tibi schreibt dazu, dass für Fundamentalisten „nicht die Ratio, sondern nur die religiöse Schrift als Quelle der Erkenntnis gilt.“ Weiter führt er aus, dass diese Schriftgläubigkeit zwar keinesfalls neu, jedoch „ihre fundamentalistische Spielart ein spezifisches Phänomen und in ihrer Globalität eine Erscheinung des
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späten 20. Jahrhunderts 1 “ sei. Tibi meint damit vor allem den islamischen Fundamentalismus, erstmals trat dieser Begriff jedoch zum Ende des 19. Jahrhunderts in den USA auf. Dort formierten sich protestantische Bewegungen als Antwort auf den aufkeimenden Liberalismus. Anfang des 20. Jahrhunderts erschien die Schriftenreihe „The Fundamentals of Truth“. Dort wurde jegliche politische und religiöse Strömung verurteilt, die ihrer Meinung nach der Bibel widersprachen. Vor allem die Evolutionstheorie Darwins wurde wiederholt von den protestantischen Fundamentalisten angegriffen. Auch heute sind die „Evangelikaner“ in den USA besonders aktiv, dazu folgt später mehr im Kapitel 4. Wir können insgesamt festhalten, dass der Fundamentalismus ein wortwörtliches Schriftverständnis religiöser Texte voraussetzt 2 und somit ein Festhalten an bestehenden Dogmen beinhaltet. Dies führt gleichzeitig zu einer Abwehrhaltung gegenüber Erkenntnissen, die diesen Dogmen unter Umständen grundlegend widersprechen. Der Fundamentalismus ist eine Reaktion auf den Säkularismus. Bassam Tibis These, dass „alle Spielarten des Fundamentalismus vergleichbar und (…) Bestandteil eines globalen Phänomens“ 3 sind, trifft mit Blick auf die eben genannten Merkmale zu. Tibi spricht von einem „eschatologischen Drama“ 3 , in dem die Fundamentalisten als Gotteskrieger die Welt nach ihren Vorstellungen verändern wollen.
Kapitel 3: Muslimbruderschaft
Die Muslimbruderschaft ist eine der einflussreichsten fundamentalistischen Organisationen im Nahen Osten. Inzwischen ist sie in vielen Ländern eine politische Bewegung. Aus ihr haben sich noch radikalere Splittergruppen gebildet. Auch der zweite Mann bei Al-Qaida, Aiman az-Zawahiri, war einst Mitglied in der Muslimbruderschaft. In den folgenden Kapiteln wird nun die Geschichte der Muslimbruderschaft erläutert, anschließend untersuche ich die fundamentalistische Ideologie der Organisation. Abschließend werfen wir einen Blick auf die Bedeutung der Muslimbruderschaft in Ägypten und dem Nahen Osten allgemein.
1 Bassam Tibi: „Fundamentalismus im Islam“, S. 13 (Primus Verlag)
2 Bassam Tibi: „Fundamentalismus im Islam“, S. 14
3 Bassam Tibi: „Fundamentalismus im Islam“, S. 15
3 Bassam Tibi: „Fundamentalismus im Islam“, S. 15
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Kapitel 3.1: Geschichte
Grundlegend für die Erstarkung des Islam als politische Ideologie war die Entstehung der Muslimbruderschaft in Ägypten, die 1928 von Hasan al-Banna ins Leben gerufen wurde. Diese war die erste größere Organisation, die von einem umfassenden islamischen System ausging, welches universell anwendbar sei und auf der Scharia basierte. Al-Banna wuchs in einem kleinbürgerlichen Umfeld auf. Die mögliche „Verwestlichung“ Ägyptens wurde als existenzielle Bedrohung wahrgenommen, sodass der religiös erzogene al-Banna während dem aufkeimenden Nationalismus in Ägypten seine Hauptideologie entwickelte 4 , aus der dann die dschamiyat al-ikhwan al-muslimin (Gesellschaft der Muslimbrüder) entstand. Die Organisation wuchs sehr schnell und hatte 1948 bereits 500.000 Mitglieder. 1949 wurde al-Banna in Kairo erschossen. Offiziell wurde der Täter nie gefasst. Der Verfassungsschutz NRW schreibt jedoch, dass die ägyptische Geheimpolizei für die Tat verantwortlich war 4 . Hasan al-Banna gilt in Kreisen der Muslimbruderschaft bis heute als Märtyrer. Die Muslimbruderschaft entwickelte sich zu einer Massenbewegung, die ihren Einflussbereich nicht nur auf Ägypten beschränkte. Im Iran, in Indien und Pakistan entstanden verwandte Bewegungen („Kämpfer des Islam“ - Fidaijan-e Islam, „Vereinigung des Islam“ - Djamaat-e Islam) 5 . Unter der Herrschaft von Präsident Jamal Abd al-Nasser in den 50er Jahren wurden zahlreiche Mitglieder inhaftiert. Unter ihnen befand sich auch Sayyid Qutb, der zum Vordenker einer militanten islamischen Bewegung wurde und in seinen Werken „die Errichtung einer göttlich legitimierten Herrschaft“ 4 fordert. Seine Gegner erklärte er zu „takfir“ (Ungläubigen). Qutb wurde 1966 in Ägypten hingerichtet. In der Regierungszeit des ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat (1970-1981) entwickelte sich die Muslimbruderschaft zu einer gemäßigteren Organisation. Die Hauptströmung distanzierte sich von Gewalt, erarbeitete Pläne zur Verbesserung der sozialen Lage und begann auch, die bis dato geforderte Gottesherrschaft zu Gunsten von mehr Mitspracherechten der Bevölkerung aufzugeben. Durch die instabile Lage im Nahen Osten (1973: Jom Kippur Krieg) radikalisierte sich auch das Denken vieler Muslimbruderschaft-Anhänger. Was folgte, war die
4 Verfassungsschutz NRW: „Thema im Fokus: Die Ideologie der Muslimbruderschaft“ (Mai
2006), S.2ff
5 Brockhaus Enzyklopädie Ausg. 1989: „Muslimbruderschaft“, 15. Band
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Entstehung diverser Splittergruppen im arabischen Raum, die „sich dem bewaffneten Kampf verschrieben“ 6 . Die bekannteste von diesen Gruppen ist die palästinensische HAMAS. In Ägypten war vor allem die Splittergruppe „Islamischer Jihad“ für mehrere Anschläge auf die Tourismusindustrie und gegen Intellektuelle verantwortlich. Ägypten gelang die Zerschlagung der Organisation in den 90ern „durch den massiven Einsatz repressiver Instrumente“ 7 .
Kapitel 3.2: Ideologie
„Allah ist unser Ziel. Der Prophet ist unser Führer. Der Qur'an ist unser Gesetz. Dschihad ist unser Weg. Sterben auf dem Wege Allahs ist unsere größte Hoffnung.“ 7 So lautet ein Motto der Muslimbruderschaft. Laut al-Banna sei die Spaltung innerhalb der islamischen Gemeinschaft nur durch eine „Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln und Glaubensfundamente zu überwinden.“ 8 Die Muslimbruderschaft sieht die Religion nicht nur als Glaube, sie politisiert den Islam. Am Ende soll der islamische Staat entstehen, denn er sei Gottes Wille auf Erden. Auch Bassam Tibi erkennt dieses Phänomen des islamischen Fundamentalismus und schreibt dazu, dass „die Politisierung der Religion zum Zweck der Errichtung einer angeblichen Gottesherrschaft in erster Linie eine politische und keine religiösspirituelle Erscheinung ist.“ 9 Wichtig ist die Trennung zwischen dem Jihadismus um Usama Bin Laden und dem „klassischen Islamismus“, zu deren Anhängern sich die Muslimbruderschaft zählt. Die Muslimbruderschaft ist somit gemäßigter in ihren Handlungen und sieht sich als Vertreter von bestimmten sozialen Schichten - al-Banna selbst entstammte dem Kleinbürgertum (s.o.). Ihre Taten sind weniger militant als die der Jihadisten, ihr Ziel wollen sie durch die Erziehung der jüngeren Generationen erreichen. Für die Muslime soll eine Rückbesinnung auf das „goldene Zeitalter“ - die erste islamische Gemeinde zu Lebzeiten Muhammeds - das ultimative Ziel sein. 10 Der Islam als Lösung aller Probleme? Geht es
6 Verfassungsschutz NRW: „Thema im Fokus: Die Ideologie der Muslimbruderschaft“ (Mai
2006), S.3
7 Verfassungsschutzbericht Hessen 2005 S.37:
http://www.hessen.de/irj/servlet/prt/portal/prtroot/slimp.CMReader/HMdI/HMdI_Internet/med/b8
d/b8d2e1f8-01d0-b01e-76cd-44e9169fccd5,22222222-2222-2222-2222-222222222222,true.pdf
8 Verfassungsschutz NRW: „Thema im Fokus: Die Ideologie der Muslimbruderschaft“ (Mai
2006), S.3
9 Bassam Tibi: „Fundamentalismus im Islam“, S.20 (Primus Verlag)
10 Verfassungsschutz NRW: „Thema im Fokus: Die Ideologie der Muslimbruderschaft“ (Mai
2006), S.2
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nach der Muslimbruderschaft, so ist genau das der Fall. Der Islam beinhaltet ein Rechtssystem (Scharia), dass auch gleichzeitig als Ordnungssystem zu verstehen und für alle Zeiten gültig ist. Die Durchsetzung der Scharia ist somit der erste Schritt auf dem Weg zum islamischen Staat. Andere Rechtssysteme werden abgelehnt, da sie nicht „Gottes Wille“ widerspiegeln. Der islamische Staat muss vor seinen Feinden verteidigt werden, deshalb werden auch Selbstmordanschläge im Palästinakonflikt gebilligt, da „islamischer Boden“ verteidigt werden muss. Selbstmordattentäter werden somit zu Märtyrern idealisiert, die für den Islam und die Verteidigung der islamischen Gemeinschaft in den Tod gegangen sind. Frauen sind laut MB Männern nicht gleichgestellt (auf Erden). Die Verschleierung der Frau wird für ein „unumstößliches göttliches Gebot“ 10 gehalten. Die Muslime sollen ein Leben führen, welches auf den Geboten und Prinzipien des Koran und der sunna basiert. Jedoch muss betont werden, dass die Fundamentalisten der Muslimbruderschaft die klassische islamische Rechtswissenschaft und Theologie in ihrem Schriftverständnis ignorieren und somit den Koran so interpretieren und auch „aktualisieren“, wie es ihrer Auslegung entspricht. Sayyid Qutb tat dies öfters. Er legte bestimmte Verse im Koran wortwörtlich aus, die in einem historischen Zusammenhang gesehen werden müssen, z.B. Sure 2, 190f: „„Und kämpft um Gottes willen gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen! Aber begeht keine Übertretung (indem ihr den Kampf auf unrechtmäßige Weise führt)! Gott liebt die nicht, die Übertretungen begehen.“ 11 Er verallgemeinerte diese Verse, die während der Auseinandersetzungen der umma und ihrer heidnischen Gegner entstand, um zum Kampf gegen „Ungläubige“ auszurufen.
Kapitel 3.3: Bedeutung der Muslimbruderschaft im heutigen Ägypten Auffällig ist das ambivalente Handeln der Muslimbruderschaft. Einerseits ist sie karitativ und humanitär, andererseits für mehrere Attentate vor allem in den 70er Jahren und auch heute noch durch ideologisch nahe Splittergruppen verantwortlich. Die Muslimbruderschaft ist in Ägypten omnipräsent. Sie genießt den Respekt der Bevölkerung, da sie in vielen Regionen Programme gegen Armut erstellt haben und sozial engagiert sind. Dieser Respekt zeigt sich dadurch, dass die MB
10 Verfassungsschutz NRW: „Thema im Fokus: Die Ideologie der Muslimbruderschaft“ (Mai
2006), S.7
11 Rudi Paret: Der Koran, 1979, Kohlhammer Verlag
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2005 88 Sitze im Parlament erringen konnte - als offiziell „Unabhängige“ gewählte Abgeordnete. Es kommt nicht selten zu Verhaftungen von MB-Mitgliedern, was daran liegt, dass sie als „eine gegen Monarchien, Militärdiktaturen und Einparteienherrschaften“ 12 gerichtete Opposition fungieren und somit die Herrschaftsstrukturen in vielen arabischen Ländern bedrohen. Die letzten Jahre waren somit geprägt von Repressalien. Inzwischen betont die Basis der MB die Wichtigkeit der politischen Teilhabe, sie hat die Formen einer politischen Partei angenommen und spricht sich zumindest öffentlich für ein demokratisches System aus. Offiziell ist die Muslimbruderschaft verboten, in Wahrheit wird sie jedoch auf Grund ihrer enormen Popularität innerhalb der ägyptischen Bevölkerung zumindest geduldet. Die MB betreibt Schulen, Krankenhäuser, Kindergärten und Moscheevereine und hat somit Zugang zu großen Teilen der ägyptischen Bevölkerung.
Kapitel 4: Neokreationismus & „Intelligent Design“
Die Veröffentlichung von Charles Darwins Evolutionstheorie „Über die Entstehung der Arten“ (1858) sorgte für Entrüstung innerhalb aller kirchlicher Institutionen. Darwins Theorie wurde als religionsfeindlich, als blasphemisch, verurteilt. Es stellte einen Hauptbestandteil des alten Testaments in Frage. Doch immer mehr Beweise, die die Evolutionstheorie unterstützten, sorgten auch innerhalb der Kirche für einen Denkprozess. Sie akzeptiert die Evolutionstheorie und hat sich von einem wortwörtlichen Schriftverständnis der Bibel abgewandt. Doch nicht alle passten sich den neuen Gegebenheiten an. „Kreationisten“ halten an der wörtlichen Auslegung der biblischen Schöpfungslehre fest. Gott habe die Bibel diktiert und somit ist es „Gottes Wort“. Kreationisten leugnen wissenschaftliche Forschung, stattdessen versuchen sie, Erkenntnisse bez. der Evolution zu widerlegen und eine eigene Alternative dazu zu präsentieren. Im Folgenden stelle ich die fundamentalistische „Intelligent Design“ Bewegung vor, die es sich zum Ziel gesetzt hat, den Kreationismus in den USA gesellschaftsfähig zu machen.
12 http://www.bmi.bund.de/Internet/Content/Common/Anlagen/Broschueren/2003/Islamismus__Id
__25235__de,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Islamismus_Id_25235_de.pdf - S.55
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Kapitel 4.1 : Geschichte & Bedeutung der Bewegung im heutigen Amerika Die Intelligent Design Bewegung blickt auf eine sehr junge Geschichte zurück. Ende des 20. Jahrhunderts wurde sie zu einer evangelikalischen Alternative der Evolutionstheorie, entwickelt vom Discovery Institute. Das Discovery Institute „gilt als Knotenpunkt der vom christlichen Fundamentalismus verbreiteten Lehre des Kreationismus.“ 13 In den letzten Jahren haben die Neokreationisten um Phillip E. Johnson, einem amerikanischen Autor und Professor der Rechtswissenschaften, erstaunliche Erfolge in mehreren Bundesstaaten erzielt. In Kansas zeigte sich dies am Deutlichsten. Dort beschloss der Schulaufsichtsrat, im Biologieunterricht "Intelligent Design" zuzulassen und die Evolutionstheorie Darwins nur noch mit „Fragezeichen“ gelehrt werden dürfe. Versuche, die biblische Schöpfungstheorie in den Schulbüchern der Amerikaner zu verbreiten, gab es schon öfters. Jedoch zeigte sich keine Bewegung so erfolgreich wie Intelligent Design. Selbst US-Präsident George W. Bush befürwortet die Ziele der „ID“-Bewegung: „Ich glaube, es ist ein Teil der Erziehung, den Menschen verschiedene Denkschulen näher zu bringen. Sie fragen mich, ob die Menschen verschiedene Ideen kennen lernen sollen, meine Antwort ist Ja.“ Schon als Gouverneur in Texas war Bush dafür eingetreten, dass die biblische Schöpfungstheorie in naturwissenschaftlichen Fächern unterrichtet werden sollte. 14 Die Popularität der Bewegung führte dazu, dass 2005 in zwanzig US-Bundesstaaten Gesetzesvorschläge diskutiert wurden, in denen die Evolutionstheorie Charles Darwins’ in Frage gestellt wurde. Ende 2005 gelang es einem Vertreter der ID-Theorie erstmals, einen Artikel in einer biologischen Fachzeitschrift zu veröffentlichen. 15
Kapitel 4.2: Ideologie
Intelligent Design, die akademische Variante der Schöpfungsgeschichte, spricht nicht von Gott, sondern von einer „übernatürlichen Intelligenz“ (einem Designer) hinter allen Dingen. Das liegt hauptsächlich daran, dass der Supreme Court in den USA 1987 urteilte, dass Kreationismus nicht in Schulen gelehrt werden dürfe, und die Trennung von Kirche und Staat gewährleistet werden müsse. Dies führte dazu, dass das Discovery Institute fundamentalchristliche Sprache in ihrer Intelligent
13 http://de.wikipedia.org/wiki/Discovery_Institute
14 http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20651/1.html (inkl. Bush Zitat)
15 http://www.discovery.org/scripts/viewDB/index.php?command=view&id=2177
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Design Theorie vermeidet und stattdessen ID als wissenschaftliche Theorie „verkaufen“ will. Intelligent Design argumentiert, dass das Leben viel zu komplex sei, um durch eine zufällige Evolution entstanden zu sein. Deshalb muss ein intelligenter Designer (Gott) am Werk sein. Sie steht damit im Widerspruch zu den Theorien der Biowissenschaften. Über die Schulen will das Discovery Institute die verhasste Evolutionstheorie verdrängen und die etablierte Wissenschaft angreifen - die „Quelle des Materialismus“. „Der Keil ist zwar relativ klein, aber er kann den Stamm spalten, wenn er an seine schwächsten Stellen gelegt wird“, 16 heißt es in der „Wedge Strategy“ (Wedge=Keil) vom Discovery Institute. Darin werden ebenfalls die Ziele von Intelligent Design formuliert: Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll Intelligent Design als eine anerkannte Alternative zur Evoluti-onstheorie in der Wissenschaft etabliert werden. Der wissenschaftliche Materialismus in seiner „destruktiven Moral“ soll besiegt werden. In zwanzig Jahren soll Intelligent Design die führende Theorie in der Wissenschaft sein. Am Ende will sie das religiöse, politische, kulturelle und ethische Leben „durchdringen“. Spätestens hier erkennt man die fundamentalistischen Ansichten der Intelligent Design Befürworter - das Festhalten an Dogmen, die Abwehrhaltung gegenüber anderen Theorien (in diesem Fall: Evolutionstheorie) und das Ziel der Errichtung einer „Denkschule“, in der nur die Schöpfungstheorie gelehrt wird. Ähnlich wie bei der Muslimbruderschaft der islamische Staat, soll mit Hilfe der Erziehung und Bildung an Schulen am Ende der „Christenstaat“ durchgesetzt werden, die Organisation setzt auch auf politische Unterstützung und versucht selbst, in der Politik Einfluss zu gewinnen. Intelligent Design ist der Versuch, Kreationismus als Wissenschaft zu etablieren.
Kapitel 5 : Nicht-monotheistische Religionen
"Wahrlich, dies ist die schlimmste Seite der Religionen, daß die Gläubigen einer jeden gegen die aller andern sich Alles erlaubt halten und daher mit der äußersten Ruchlosigkeit und Grausamkeit gegen sie verfahren. (...) Doch gehe ich vielleicht zu weit, wenn ich sage alle Religionen: denn, zur Steuer der Wahrheit muß ich hinzufügen, daß die aus diesem Grundsatz entsprungenen fanatischen Gräuel uns doch nur von den Anhängern der monotheistischen Religionen, also allein des
16 http://www.antievolution.org/features/wedge.html
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Judenthums und seiner zwei Verzweigungen, Christentum und Islam, bekannt sind. Von Hindu und Buddhaisten wird Dergleichen uns nicht berichtet." 17 Hat Schopenhauer Recht? Ist der Fundamentalismus ein „monotheistisches Phänomen?“ Es heißt, monotheistische Religionen haben einen Alleinvertretungsanspruch, denn nur ihr Gottesbild ist das einzig „Wahre“. Einen Dialog könne es somit nicht geben - sie allein erheben den Anspruch auf die ultimative Wahrheit. Ich werde nun einen Blick auf nicht-monotheistische Religionen werfen und schauen, ob und in wiefern wir dort Fundamentalismus finden. Bei meinen Recherchen musste ich feststellen, dass die Materialien zu Fundamentalismus in nicht-monotheistischen Religionen immer unbedeutender werden, je kleiner die Religion ist. Obwohl ursprünglich geplant war, neben dem Hinduismus (13,34% der Weltbevölkerung) die zweitgrößte nicht-monotheistische Religion - den Buddhismus (5,89%) mit einzubeziehen, musste ich jedoch schnell feststellen, dass das Material zu dem Thema äußerst rar ist. Man könnte nun daraus folgern, dass Fundamentalismus im Buddhismus nicht existiert, doch wäre das unzureichend - vor allem vor dem Hintergrund, dass auch eine buddhistische Sekte namens „Aum Shinrikyo“, die jedoch ebenfalls andere religiöse Vorstellungen mit den buddhistischen Ansätzen kombinierte, traurige Berühmtheit erlang. Die Sekte verübte in der Tokyoter U-Bahn einen Giftgasanschlag (1995). 18
Kapitel 5.1: Hinduismus
Zuerst muss man feststellen, dass die Übertragung des Begriffes „Fundamentalismus“ auf den Hinduismus schwierig ist, da genau dieses Fundament (z.B. Bibel, Koran) nicht vorhanden ist. Der Hinduismus ist eine Lebensweise und „gründet im Glauben an die Unveränderlichkeit des alles bestimmenden Dharma 19 und der damit verbundenen Gesellschaftsform, dem Kastensystem und der kultischen Differenzierung zwischen »rein« und »unrein«.“ 20 Wer gegen die Kastenordnung verstößt, der muss Angriffe religiöser Fundamentalisten in Indien fürchten. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2001 sollen es über 3000 Angriffe im Bundesstaat Uttar Pradesh gewesen sein. Obwohl inzwischen in städtischen Gebieten die Re- 17 ArthurSchopenhauer: „Über Religion“, Kap. 15
http://www-user.tu-chemnitz.de/~emd/download_file.php?file=13
18 http://www.religio.de/aumpres.html
19 Dharma: hinduistische Ethik
20 http://them.polylog.org/5/ack-de.htm#s4
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gelungen des Kastenwesens „gelockert“ wurden, ist gerade in ländlichen Gebieten die ursprüngliche Form des Kastenwesens noch erhalten. Ähnlich wie beim monotheistischen Fundamentalismus sehen hinduistische Fundamentalisten „im Säkularismus und Liberalismus eine Bedrohung, da beide die Religion marginalisieren und aus dem Dasein drängen.“ 21 Auf Grund der Vorkommnisse heute und im letzten Jahrhundert - Kolonialzeit in Indien, Konflikte mit dem Islam - sehen Hindu-Fundamentalisten die Religion von äußeren Einflüssen bedroht. Ähnlich wie beim islamischen Fundamentalismus sehnt man sich zu der (Früh-)Zeit zurück, in der die Religion noch nicht „verdorben“ war. Die religiösen Fundamentalisten wollen das Sanātana Dharma, die kosmische Ordnung, wiederherstellen. Im 20. Jahrhundert gewann der politisierte Hinduismus immer mehr Einfluss. Die Grenzen zwischen Religion und Politik vermischten sich, das Ziel war eine flächendeckende Hinduisierung Indiens. Gewaltfreiheit, ein bedeutender Aspekt im Hinduismus, wurde von Seiten der Fundamentalisten entweder ignoriert oder neu interpretiert. Auffallend ist wieder die Ähnlichkeit mit dem islamischen Fundamentalismus der Muslimbruderschaft, geprägt vom MB-Mitglied Sayyid Qutb, der einzelne Koranverse einfach uminterpretierte und die Ansichten führender Islamwissenschaftler ignorierte. Auch heute noch führen die Konflikte radikaler Muslime und Hindus zu Ausschreitungen und Terrorakten. Es lässt sich feststellen, dass es auch im Hinduismus fundamentalistische Tendenzen gibt, die oftmals denen monotheistischer Religionen ähneln.
Kapitel 6: Fazit
Zusammenfassend kann man sagen, dass wir in den beiden größten Weltreligionen, die auch beide monotheistisch sind, klare fundamentalistische Strukturen finden können. Dies beruht einerseits darauf, dass der Glaube an den einen Gott ausgrenzend wirken kann, andererseits darauf, dass Anhänger monotheistischer Religionen das Wesen ihrer Religion durch äußere Gesellschaftsprozesse wie den Liberalismus und Säkularismus bedroht sehen können. Im Islam zeigt sich dieses Phänomen besonders, da der Koran wortwörtlich Gottes Wille ist, und somit unfehlbar sein muss. Das Christentum hat hier bereits einen Wandlungsprozess hinter sich, weshalb Fundamentalisten im Christentum inzwischen eine weit niedrige-
21 http://them.polylog.org/5/ack-de.htm#s4
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re Anziehungskraft besitzen als islamische Fundamentalisten. Hinzu kommt, dass nicht-monotheistische Religionen wie der Hinduismus oder der Buddhismus keine „heilige Schrift“ besitzen, mit der christliche und islamische Fundamentalisten ihre Taten und Weltanschauung begründen. Dennoch zeigt das Beispiel des Hinduismus, dass auch nicht-monotheistische Religionen anfällig für Fundamentalismus werden, wenn sie durch Säkularisierungsprozesse „bedroht“ werden. Die ursprüngliche Definition von Fundamentalismus, nämlich Schriftgläubigkeit, trifft hier sicherlich nicht zu. Jedoch erleben wir die „Politisierung der Religion“ (Bassam Tibi) derzeit auch im Hinduismus. Fundamentalismus ist ein dynamisches Phänomen, es betrifft nicht nur das Christentum und den Islam. Überall dort, wo soziale Spannungen herrschen, wo bestehende Gesellschaftssysteme in Frage gestellt werden, finden wir auch fundamentalistische Kräfte, deren Ziele eine Rückbesinnung auf die Wurzeln der Religion mit eigenem Herrschaftsanspruch sind, und deren Pläne sich in verschiedenen Formen (sei es gewaltlos oder gewalttätig) äußern können. Fundamentalisten „der Moderne“ mögen sich selbst als religiöse Kämpfer sehen, sie sind jedoch in Wahrheit politische Aktivisten und obgleich sie schriftgläubig sind, suchen sie sich die Rechtsfertigungen für ihre Ansichten willkürlich aus. All diese Elemente finden sich sowohl in monotheistischen Religionen, als auch in nicht-monotheistischen Religionen.
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Literaturverzeichnis
1. Bassam Tibi: „Fundamentalismus im Islam - Eine Gefahr für den Weltfrieden?“, Primus Verlag, 2002
2. Verfassungsschutz NRW: „Thema im Fokus: Die Ideologie der Muslimbruderschaft“, Broschüre (Mai 2006)
3. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Informationszentrum Asyl und Migration: „Grundlagen des Islam“ Beiträge Workshop Islam am 22.02.2005
4. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Referat 412: „Der Koran - Eine Einführung“, Dezember 2004
5. Brockhaus Enzyklopädie Ausg. 1989: 15. Band, Brockhaus Verlag
6. Verfassungsschutzbericht Hessen 2005 - Nachzulesen unter: http://www.hessen.de/irj/servlet/prt/portal/prtroot/slimp.CMReader/HMdI/HMdI_ Internet/med/b8d/b8d2e1f8-01d0-b01e-76cd-44e9169fccd5,22222222-2222-2222-2222-222222222222,true.pdf
7. Rudi Paret: Der Koran, 1979, Kohlhammer Verlag
8. http://them.polylog.org/5/ack-de.htm#s4
9. http://www.religio.de/aumpres.html
10. http://www.antievolution.org/features/wedge.html
11. http://www-user.tu-chemnitz.de/~emd/download_file.php?file=13
12. http://de.wikipedia.org/wiki/Discovery_Institute
13. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20651/1.html 14.
http://www.discovery.org/scripts/viewDB/index.php?command=view&id=2177
15. „Islamismus in Deutschland - BMI“
http://www.bmi.bund.de/Internet/Content/Common/Anlagen/Broschueiren/2003/Islamis-mus__Id__25235__de,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Islamismus_Id_25235_de.pdf
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10. März 2007
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Arbeit zitieren:
Selissa Salzmann, 2007, Sind die großen monotheistischen Religionen besonders anfällig für fundamentalistische Strukturen?, München, GRIN Verlag GmbH
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Geschichte des Kreationismus in den USA
Amerikanistik - Kultur und Landeskunde
Bachelorarbeit, 14 Seiten
Historischer Jesus und wirklicher Christus
Untersuchung anhand der Texte ...
Theologie - Systematische Theologie
Seminararbeit, 27 Seiten
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