Inhaltsverzeichnis ................................................................... 2
1. Einleitung 3
2. Begriffsdefinitionen 4
2.1 Trümmerliteratur 4
2.2 Gruppe 47. 4
3. Biographie und Werke 5
3.1 Biographischer Hintergrund 5
3.2 Wichtige Werke. 6
4. Historischer Hintergrund 7
5. Der Weg in die literarische Öffentlichkeit 7
6. Die Gemeinschaft der Gruppe 47 9
7. Besonderheiten der Trümmerliteratur. 9
8. Das Bestreben Bölls 9
9. In Anlehnung an Bölls Werk und seine Werte 11
10. Quellen. 12
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Heinrich Böll - Trümmerliteratur
1 Einleitung
„Mit Heinrich Böll ist einer der Großen der deutschen Literatur von uns gegangen...[Er] war ein Anwalt der Schwachen und ein Feind der Selbstgerechtigkeit (von der Richtigkeit des eigenen Handelns u. Denkens überzeugt, dies betonend). Er trat für die Freiheit des Geistes ein, wo immer sie in Gefahr war. Er war unbequem und streitbar, er erregte Anstoß und erzeugte Achtung. Seine mutige, engagierte Wache und immer wieder mahnende Stimme wird uns fehlen. Sein Werk bleibt.“ (von Weizsäcker 1985: o. S.) Heinrich Böll hat seit seiner ersten Veröffentlichung des Buches „Der Zug war pünktlich“ (1949) über viele Jahrzehnte die deutsche Nachkriegsliteratur geprägt. Der deutsche Schriftsteller und Nobelpreisträger fand national sowie international große
Anerkennung. Noch heute haben seine literarischen Werke nichts an Aktualität verloren. Schon die zentralen Aussagen seiner
schriftstellerischen Anfänge beschäftigen sich mit der Menschlichkeit und der Würde der sozialen Gesellschaft. Eigens für die Literatur der Nachkriegszeit etablierte Böll eine spezifische Sprache, die lakonisch, aufrichtig, illustrativ und von hoher atmosphärischer Dichte ist.
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Heinrich Böll - Trümmerliteratur
2 Begriffsdefinitionen
2.1 Trümmerliteratur
Die Trümmerliteratur fand ihren Anfang mit Ende des 2. Weltkrieges. Diese Epoche deutscher Literatur begann 1945 und fand ihr Ende Mitte der 50er Jahre. Sie beschreibt maßgeblich die Menschen, die vor den Trümmern ihres Lebens bzw. ihres ausgebombten Hauses standen. Die Literaten dieser Zeit manifestieren einen Neuanfang für Form, Sprache und Thematik.
2.2 Gruppe 47
Die Gruppe 47 war eine Vereinigung von Schriftstellern und Kritikern. Sie entstand 1947 auf Initiative von H. W. Richter und anderen Autoren und verfolgte kein bestimmtes literarisches Programm. Vielmehr wurde aus den Erfahrungen des 2. Weltkrieges Kritik an der Politik hervorgehoben und die antiautoritäre Einstellung des verantwortlichen Schriftstellers in der Gesellschaft exponiert. Aber nicht nur Trümmerliteratur wurde fester Bestandteil dieser Bewegung, auch die Aufklärung zählte sich zu den vielfältigen Themengebieten. Sie existierte bis 1967.
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Heinrich Böll - Trümmerliteratur
3 Biographie und Werke
3.1 Biographischer Hintergrund
1917: Heinrich Böll wird am 21. Dezember in Köln als achtes Kind des Bildhauers Viktor Böll und seiner Ehefrau Maria geboren. 1928 - 1937: Besuch des Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums in Köln. 1937: Erlangung der Hochschulreife. Böll beginnt eine Lehre zum Buchhändler in Bonn.
1938: Abbruch der Lehre. Einberufung zum Arbeitsdienst. 1939 - 1945: Beginn eines Studiums der klassischen Philologie, dass Böll wegen seiner Einberufung zur Wehrmacht abbrechen muss. Er dient in Polen, Ungarn, der Sowjetunion und Frankreich. Er wird des Öfteren verwundet. Gegen Kriegsende 1945 kommt er in amerikanische und britische Gefangenschaft. Entlassung 1945. 1942: Heirat mit Annemarie Cech. Aus der Ehe gehen vier Söhne hervor.
1946: Beginn eines Studiums der Germanistik in Köln. Seine ersten literarischen Werke entstehen.
1947: Veröffentlichung der ersten Kurzgeschichten: Die Botschaft, der Angriff im „Rheinischen Merkur“. Erstes Gehalt. 1949: Erste Veröffentlichung des Buches Der Zug war pünktlich. Böll berichtet über seine Kriegserlebnisse. 1950: Veröffentlichung des Sammelbandes mit 25 Kurzgeschichten mit dem Titel Wanderer, kommst du nach Spa. 1951: Veröffentlichung des Antikriegsromans Wo warst du, Adam. Beitritt der Gruppe 47. 4
Heinrich Böll - Trümmerliteratur
1972: Nobelpreis für Literatur.
1985: Heinrich Böll stirbt am 16. Juli nach langer Krankheit in Langenbroich in der Eifel.
3.2 Wichtige Werke 1947: Der Zug war pünktlich 1950: Wanderer, kommst du nach Spa… 1951: Wo warst du, Adam? 1954: Haus ohne Hüter
1955: Das Brot der frühen Jahre 1959: Billard um halb zehn 1963: Ansichten eines Clowns 1974: Die verlorene Ehre der Katharina Blum 1983: Die Verwundung 1985: Frauen vor Flusslandschaft
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Heinrich Böll - Trümmerliteratur
4 Historischer Hintergrund
Die deutsche Nachkriegsliteratur wird auch als sogenannte Trümmerliteratur bzw. Kahlschlagliteratur bezeichnet. Hiermit werden nicht nur die zerbombten Städte Deutschlands umschrieben, sondern ebenso die zerstörten Wertvorstellungen und verloren gegangenen Ideale der deutschen Gesellschaft. Sie beschreibt auf unverblümte Weise den Schrecken des Krieges, den damit verbundenen Tod und die individuellen Erfahrungen der Menschen innerhalb der Trümmer. Der 2. Weltkrieg endete am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands. Zwei Tage zuvor wurde Hiroshima von einer amerikanischen Atombombe ausgelöscht und erwirkte die Kapitulation Japans. Im August 1945 wurde Deutschland in vier Besatzungszonen unter den Siegermächten aufgeteilt und es folgten die Entnazifizierung und die Demokratisierung Deutschlands. Erst am 07. September 1949 wurde die Gründung der Bundesrepublik Deutschland vollzogen und teilte das Land politisch. Die deutsche Nachkriegsliteratur spaltete sich ebenso: Einige Literaten widmeten sich gänzlich der Verarbeitung der Geschehnisse aus der Nazizeit, andere wiederum versuchten die Vergangenheit schriftstellerisch zu verdrängen. Somit spaltete sich auch die politische Haltung der Autoren.
5 Der Weg in die literarische Öffentlichkeit
„Am 11. September 1945 erreicht Heinrich Böll nach seiner Überführung vom Kriegsgefangenenlager in Attichy nach La Hulpe das Kriegsgefangenen-Entlassungslager Weeze/Niederrhein, erhält hier einen Tag später seine Papiere, kommt am 15. September nach Bonn und hier in das auf Anordnung der Militärregierung hinter der Bonner Universität eingerichtete Durchgangslager, das er noch am gleichen 6
Heinrich Böll - Trümmerliteratur
Tag verlassen kann. Für Böll beginnt die Nachkriegszeit - geprägt zunächst von den „fürchterlichen Erinnerungen an den Krieg, die nun erst heraufkommen, wo man jeden Tag im Bett schläft“, schreibt er noch am 8. Februar 1948 an Ernst-Adolf Kunz, die zunächst jeglichen Versuch literarischer Produktivität im Keim ersticken. Andere Sorgen stehen im Vordergrund.“ (Böll u.a. 2002: S. 45) Die oben beschriebene Heimkehr Heinrich Bölls aus dem Krieg ist auf viele heimkehrende Soldaten Deutschlands, bzw. was davon übrig war, projizierbar. Das Gefühl von Heimatlosigkeit ist bei den Menschen manifestiert und es herrscht primäre Desorientierung der misstrauischen Bevölkerung.
Im Jahre 1952 manifestierte Böll in seinem „Bekenntnis zur Trümmerliteratur“: Die ersten schriftstellerischen Versuche unserer Generation nach 1945 hat man als Trümmerliteratur bezeichnet (vgl. Böll 1952: o. S.).
Die Trümmerliteratur und ihre Verfasser beschreibt die Menschen, die nach Kriegsende im Jahre 1945 vor ihren Trümmern stehen: Ihren ausgebombten Häusern und ihren Wertvorstellungen des Lebens, die durch krude Gewalt zunichte gemacht wurden. Sie ist maßgeblich von Kriegs- und Heimkehrerliteratur geprägt und der Erinnerung an die grausamen Kriegsjahre. Durch sie wird Deutschlands Ungewissheit bzgl. der politischen, sozialen und gesellschaftlichen Zukunft beschrieben und mit ihr das Gefühl der Heimatlosigkeit verarbeitet, beschrieben und als Mahnmal manifestiert, dass diese nie wieder in Vergessenheit geraten wird.
„Heinrich Böll erinnert sich, um das gegenwärtige zu erkennen, denn „wir sind geboren, um uns zu erinnern.“ (Nürnberger Nachrichten 1995: o. S.)
Böll beschreibt in seinen Romanen und Erzählungen immer wieder die Sinnlosigkeit des Krieges und die fehlende Menschlichkeit in jeglichen Gegebenheiten. Ebenso die Jahre nach dem Krieg sind von
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Heinrich Böll - Trümmerliteratur
Inhumanität geprägt, was Böll stets zum Ausdruck bringt und sich als Trümmerliterat bekennt. 6 Die Gemeinschaft der Gruppe 47
Auch Heinrich Böll schloss sich der Gruppe 47 an, die sich jedes Jahr drei Tage zu einer Versammlung trafen. In dieser Zusammenkunft von außergewöhnlichen Literaten, die die Trümmerliteratur prägten, fanden sich auch große Autoren, wie Günter Grass, Martin Walser und Ingeborg Bachmann. Sie alle formulierten in der lakonischen Sprache der Nachkriegsliteratur, um eine unverstellte Klarheit des literarischen Stils zu wahren und ihre Erzählungen wirklichkeitsnaher zu beschreiben, ihnen einen charakteristischen Habitus zu geben.
7 Besonderheiten der Trümmerliteratur
Die wichtigste Gattung der Nachkriegsliteratur wurde die Lyrik. Sie ersetzte die damals vorherrschende Prosa, da sie durch die NS-Zeit als nicht mehr vertrauenswürdig empfunden wurde. Lediglich die Kurzgeschichte wurde in Form von Prosa von vielen Autoren akzeptiert und angewandt. Diese literarische Kurzform hatte meist eine Länge von vier bis sechs Seiten und war überschaubar und durchweg von Klarheit charakterisiert.
8 Das Bestreben Bölls
Heinrich Böll versuchte nicht nur die grausamen Eindrücke des Krieges in seinen Werken zu verarbeiten. Er wollte die Gesellschaft bzw. den Menschen durch seine Literatur ermahnen, dass er sehen soll. Der Mensch solle nicht nur im Sinne der Optik sehen, sondern auch erkennen und verstehen. 8
Heinrich Böll - Trümmerliteratur
„Aber ich wiederhole: ein gutes Auge gehört zum Handwerkszeug des Schriftstellers, ein Auge, gut genug, ihn auch Dinge sehen zu lassen, die in seinem optischen Bereich noch nicht aufgetaucht sind.“ (Nürnberger Nachrichten 1995: o. S.)
Heinrich Böll möchte damit nicht zum Ausdruck bringen, dass nicht nur außergewöhnliche Literaten die Wahrheit sehen und beschreiben. Besonderes Augenmerk gilt hier den Menschen, die nach dem Krieg vor den Trümmern ihres Lebens standen und sie mit der gnadenlosen Wahrheit des Krieges konfrontiert wurden. „…tatsächlich, die Menschen, von denen wir schrieben, lebten in Trümmern, sie kamen aus dem Kriege, Männer und Frauen in gleichem Maße verletzt, auch Kinder. Und sie waren scharfäugig: sie sahen. […] Und wir als Schreibende fühlten uns ihnen so nahe, daß wir uns mit ihnen identifizierten.“ (Nürnberger Nachrichten 1995: o. S.)
Der Nobelpreisträger versuchte durch seine rechtschaffenden Erzählungen der Nachkriegszeit, den Trümmertexten, den Menschen ein Stück Freiheit wiederzugeben und dem geschundenen Volke Lebensfreude, auch bei aller Entbehrung, zu vermitteln. Im „Bekenntnis zur Trümmerliteratur“ (1952) geht Böll sogar noch einen Schritt weiter und kritisiert Hitlers vergehen an der Menschheit: „[…] Wohin wir blicken, sehen wir die Zerstörungen, die auf das Konto dieses Menschen gehen, der sich Adolf Hitler nannte und keine Augen gehabt hatte, um zu sehen: seine Bilder waren schief […].“ (Nürnberger Nachrichten 1995: o. S.)
Bölls Bekenntnis zur Trümmerliteratur macht vor allem eine Sache deutlich: Wir brauchen uns nicht für die Werke der
Nachkriegsliteratur zu schämen. Vielmehr müssen wir diesen zustimmen und Anerkennung walten lassen, da schon Homer in seinen Erzählungen vom Trojanischen Krieg und von der Heimkehr des Odysseus (aus dem Krieg) berichtete (vgl. Nürnberger Nachrichten 1995: o. S.). 9
Heinrich Böll - Trümmerliteratur
9 In Anlehnung an Bölls Werk und seine Werte
Heinrich Böll bezeichnete sich selbst als eingreifenden Intellektuellen, der mittels seiner literarischen Werke stets die sozial-politische Entfaltung Deutschlands kritisch reflektierte.
Auf die Nachkriegsliteratur bezogen, steht seine Sammlung von Kurzgeschichten Wanderer, kommst du nach Spa und sein Antikriegs-Roman Wo warst du, Adam? exemplarisch für die Trümmerliteratur.
„Die Erinnerung schien sie wie mit tausend Schwertern zu durchschneiden. Da wußte ich, daß der Krieg niemals zu Ende sein würde, niemals, solange noch irgendwo eine Wunde blutete, die er geschlagen hat.“ (Böll 1950: S. 97)
Generell stand nie die Schlacht im Vordergrund, sondern das Individuum, der Mensch, der in seiner Verzweiflung stets mit sich alleine ringt. Durch das beschriebene Leid der Menschen, die die Grausamkeit des Krieges erleben mussten, will Böll auf die Sinnlosigkeit kriegerischer Handlungen verweisen. Dies wird besonders in seinem Roman Wo warst du, Adam? herauskristallisiert. Heinrich Böll beschreibt hier den Krieg als ansteckende Krankheit, die nicht mit einem Abenteuer zu vergleichen sei.
Der Mahnruf gegen den Krieg erstreckt sich durch Bölls gesamtes literarisches Werk und manifestiert seine Antwort auf folgende Frage:
„Worin besteht ihrer Meinung nach heute die Aufgabe und Bedeutung des künstlerischen Schaffens? […] Den Dingen ihren Namen zu geben. Die Wirklichkeit einzuordnen in eine Symbolik, die der Welt innewohnt.“ (Literarische Revue 1949: o. S.)
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Heinrich Böll - Trümmerliteratur
Quellen
Balzer, Bernd (1979): Heinrich Böll, Werke.
Kiepenheuer & Witsch, Köln
Balzer, Bernd (1997): Das literarische Werk Heinrich Bölls. Dtv, München
Nürnberger Nachrichten (1995): Die Wahrheit einer zerstörten Welt.
Heinrich Böll Archiv (2008), Köln
Böll/Schäfer/Schubert (2002): Heinrich Böll. Portrait. Dtv, München
Reid, J. H. (1988): Heinrich Böll. Ein Zeuge seiner Zeit. Dtv, München
Böll, Heinrich (1950): Wanderer, kommst du nach Spa. Friedrich Middelhauve, Opladen
Heinrich Böll (2008): Heinrich Böll. 1917 - 1985 Schriftsteller in Köln. (http://www.heinrich-boell.de/HeinrichBoellUeberDasProjekt.htm; Zuletzt abgerufen am 25.02.08)
Oregon State University (1997): German Literature.
(http://oregonstate.edu/instruct/ger342/heinri~1.htm; zuletzt abgerufen am 22.02.08)
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Heinrich Böll - Trümmerliteratur
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Alexander Roth, 2008, Heinrich Böll - Westdeutsche Nachkriegsliteratur, München, GRIN Verlag GmbH
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