Thema 13: Rationale Erwartungen
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abkürzungsverzeichnis II
Tabellenverzeichnis III
1. Einleitung (Peter Franken) 1
2. Grundlagen der Erwartungsbildung (Peter Franken) 1
2.1 Abgrenzung von Nominalzinsen und Realzinsen 2
2.2 Der erwartete Gegenwartswert 2
2.3 IS-L-MModell 3
2.4 Fisher-Hypothese und ihre Evidenz 6
2.5 Zusammenhang von Erwartungen und Konsum 7
3. Erwartungen (Nils Johann Schneider) 8
3.1 Regressive Erwartungen 8
3.2 Stationäre Erwartungen 8
3.3 Extrapolative Erwartungen 9
3.4 Adaptive Erwartungen 9
3.5 Rationale Erwartungen 10
3.6 Kritik Rationale Erwartungen 11
4. Die Phillips-Kurve und der Arbeitsmarkt (Nils Johann Schneider) 11
5. Fazit (Peter Franken) 13
Literaturverzeichnis IV
I
Thema 13: Rationale Erwartungen
Abkürzungsverzeichnis
bzw. beziehungsweise
d.h. das heißt
z.B. zum Beispiel
NKM Neue Klassische Makroökonomie
Bspw. beispielsweise
r t Realzinsen
i t Nominalzinsen
z t heutige Zahlung
V t diskontierter erwarteter Gegenwartswert
ALQ Arbeitslosenquote
zw. zwischen
II
Thema 13: Rationale Erwartungen
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Abbildung 1: IS-L-MModell S 5: Blanchard Olivier Illing Gerhard S 424 (2004)
Abbildung 2: IS-L-MModell kurze Frist S 5: Blanchard Olivier Illing Gerhard S 425
(2004).
Abbildung 3: Die Phillips Kurve in der Neoklassik S 11: Volkmann R S 145 (2006)
III
Thema 13: Rationale Erwartungen
Literaturverzeichnis
Anderegg Prof. Dr. Ralph (2006): Grundzüge der Geldtheorie und –politik, Skript A-Vwl WS 06/07, Universität zu Köln.
Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard (2004): Makroökonomie, u. a. München. Kap. 14, S.461- 471.
Brockhaus - Die Enzyklopädie: 20. Überarbeitete und aktualisierte Auflage,
6. Band, F.A. Brockhaus, Leipzig/Mannheim.
Felderer, B.; Homburg, S. (1994): Makroökonomik und neue Makroökonomik, 6. Auflage, Berlin/Heidelberg/New York, S.263-268.
Funk, Prof. Dr. Peter (2002/2003): Grundzüge der Makroökonomischen Theorie, Skript Vwl- B, WS 02/03, Universität zu Köln.
Hielscher, T. (1999): Unsicherheit, Erwartungen und die Hypothese rationaler Erwartungsbil- dung, Diskussionsbeiträge des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaft der Freien Universität Berlin, Berlin
Krugman, Paul; Obstfeld, Maurice (2006): Internationale Wirtschaft, Pearson Studium, Mün- chen.
Schilling, G. (1986): Rationale Erwartungen in makroökonomischen Modellen, Wiesbaden.
Volksmann, R. (2006): Einfach Lernen! Makroökonomie, Studentensupport
http://de.wikipedia.org/wiki/Rationale_Erwartung abgerufen am 08.05.2007
http://www.wiwi.uni-frankfurt.de/Professoren/eisen/Tut9Loesung.pdf WS 2005\2006 abgeru- fen am 14.06.2007
IV
Thema 13: Rationale Erwartungen http://www.wiwi.uni-bielefeld.de/~dawid/Lehre/Downloads/VWL1_15.pdf abgerufen am 29.6.2007
V
Thema 13: Rationale Erwartungen
1 Einleitung
Die Seminararbeit mit dem Thema „Rationale Erwartungen“ ist im Rahmen des Proseminars Einführung in die Volkswirtschaftslehre im Sommersemester 2007 entstanden. Rationale Er- wartung ist eine makroökonomische Theorie, die ursprünglich von Muth (1961) und später von Lucas entwickelt wurde. Er erhielt für diese Theorie 1995 den Wirtschaftsnobelpreis. Die Theorie selbst wird verwendet, um zu modellieren, wie Agenten zukünftige ökonomische Ereignisse vorhersagen. Besonders findet sie in den klassischen neokeynesianischen Theorien und Finanzmarkttheorien ihre Anwendung. 1 Wirtschaftliche Entscheidungen hängen nicht nur
davon ab, was heute passiert, sondern auch von den Erwartungen über die Zukunft, denn viele Entscheidungen haben kaum etwas damit zu tun, was heute passiert. Warum sollte ein An- stieg der Verkaufszahlen heute die Investitionspläne beeinflussen, wenn man nicht die Erwar- tung vertritt, dass die Nachfrage auch in Zukunft hoch bleibt? Neue Maschinen bspw. sollten nicht erst einsatzbereit sein, wenn die Nachfrage schon längst wieder abgeflacht ist. Bislang ist die Rolle von Erwartungen vernachlässigt worden. Diese Hausarbeit wird im Folgenden den Einfluss von Erwartungen detailiert untersuchen und kontrastieren.
2 Grundlagen der Erwartungsbildung
Nach Özga (1965, in Schilling 1986) verstehen wir unter einer Erwartung eine Aussage über ein zukünftiges Ereignis, die auf subjektiven, persönlichen Einstellungen und auf objektiven realisierten Beobachtungen basiert. Erwartungen sind unsichere Vorhersagen künftiger Ereig- nisse, die von den Individuen nicht kontrollierbar sind. 2 In der Literatur wird zwischen extra-
polativen, regressiven und adaptiven Erwartungen und diversen Kombinationen dieser Hypo- thesen unterschieden. Charakteristisch für diese Ansätze ist die Beschränkung auf die eigene, vergangene Entwicklung der Schätzgröße. Sie verwenden zur Prognose ausschließlich Ver- gangenheitsdaten der zu schätzenden Variablen und werden deshalb unter der allgemeinen Bezeichnung der autoregressiven Erwartungsbildung zusammengefasst, wie wir später noch genauer erläutern werden. 3 1 Wikipedia abgerufen am 08.05.2007 2 Schilling, S.8, (1986).
3 Schilling, S.23, (1986).
1
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2.1 Abgrenzung von Nominalzinsen und Realzinsen
Zunächst macht es für die weitergehende Betrachtung von rationalen Erwartungen Sinn, zwi- schen Real- und Nominalzinsen zu unterscheiden, da für Wirtschaftssubjekte bspw. bei Kre- ditaufnahme wichtig ist, auf wie viele Güter man in der Zukunft verzichten muss, wenn heute mehr Güter konsumiert werden. Auf der anderen Seite interessiert es, wie viele Güter wir in der Zukunft konsumieren können, wenn wir heute auf eine bestimmte Anzahl derselben ver- zichten.
Unter Nominalzinsen i t versteht man Zinsen, die in einer bestimmten Währungseinheit ausge- drückt werden (z.B. Dollar oder Euro). Demgegenüber versteht man unter Realzinsen r t Zin- sen, die in Einheiten eines Warenkorbes ausgedrückt werden bzw. Zinsen, die Geldwertver- änderungen berücksichtigen 4 . Unter der Verwendung des Verbraucherpreisindexes, zeigt uns
der Realzins auf wie viel Konsum wir morgen verzichten müssen, wenn wir heute eine Ein- heit mehr konsumieren. 5
Daraus ergibt sich ein Realzins in der nächsten Periode von (1+r t ). Anhand des Nominalzinses ist es möglich den Realzins mit Hilfe der erwarteten Inflationsrate zu bestimmen. Auf eine genaue Herleitung der exakten Beziehung sei an dieser Stelle verzichtet, da die Approximati- on ebenfalls zu guten Ergebnissen führt. In einer annähernden Form entspricht diese Glei- chung folgender Beziehung: r t ≈ i t - π e t .
Diese Gleichung liefert wichtige Erkenntnisse:
- Sollte die erwartete Inflation Null sein, dann entspricht der Realzins dem Nominalzins.
- Da die erwartete Inflation in der Regel positiv ist, liegt der Nominalzins über dem Re- alzins.
- Bei gegebenem Nominalzins ist der Realzins umso niedriger, je höher die erwartete Inflation ist.
2.2 Der erwartete Gegenwartswert
Die Thematik des diskontierten erwarteten Gegenwartswerts ist deswegen von Bedeutung, da bei Investitionsüberlegungen, die Produktionssteigerungen und höhere Gewinne ermöglichen, ebenfalls Kosten entstehen. Bei positiven Zinsen müssen zukünftige Gewinne mit dem Zins- satz abdiskontiert werden, d.h. wir berechnen den diskontierten erwarteten Gegenwartswert, um zu entscheiden ob eine Investition rentabel ist.
4 Anderegg, S.89, (2006).
5 Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard, S.413, (2004).
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Ein Euro heute ist im nächsten Jahr 1 + i t Euro wert bzw. ein Euro im nächsten Jahr ist heute 1/(1+i t ) Euro wert. Wer heute 1/(1+i t ) Euro ausleiht, muss in einem Jahr genau einen Euro zurückzahlen. 1/(1+i t ) bezeichnet man als diskontierten erwarteten Gegenwartswert eines Eu- ros aus dem nächsten Jahr. 6
Der Begriff Gegenwartswert besagt, dass wir den heutigen Wert zukünftiger Zahlungen be- trachten. Diskontiert bedeutet, dass zukünftige Zahlungen mit dem Diskontfaktor 1/(1+i t ) ab- gezinst werden. Da der Nominalzins positiv ist, ist der Diskontfaktor kleiner als Eins. Ein Euro im nächsten Jahr ist weniger wert als ein Euro heute. Je höher der Zins, desto niedriger der Gegenwartswert. Die gleiche Logik lässt sich auch auf einen Euro anwenden, der erst in zwei Jahren verfügbar ist. Gegeben sei i t, der Nominalzins in diesem Jahr, und i t+1, der Nomi- nalzins im nächsten Jahr. Wer heute einen Euro für zwei Jahre verleiht, erhält in zwei Jahren (1+i t )(1+ i t+1 ) Euro. Andersgesagt ein Euro heute bringt in zwei Jahren (1+i t )(1+ i t+1 ) Euro. Betrachten wir einen Zahlungsstrom in Euro, der heute beginnt und sich zukünftig fortsetzt. Die heutige Zahlung sei z t , die erwarteten Auszahlungen im nächsten Jahr bezeichnen wir mit z e t+1. Den erwarteten einjährigen Nominalzins bezeichnen wir ähnlich mit i e t+1. So wird der erwartete diskontierte Gegenwartswert dieses Zahlungsstroms V t – das ist der heutige in Euro ausgedrückte Wert aller erwarteten Auszahlungen des Zahlungsstroms – wie folgt berechnet:
V t = z t + 1/ 1+i t * z e t+1 + 1/(1+i t ) * (1+i e t+1 ) * z e t+2 +…
Jede zukünftige Zahlung wird mit ihrem jeweiligen Diskontfaktor multipliziert. Der Gegen- wartswert hängt positiv von gegenwärtigen und zukünftigen Zahlungen ab. Nehmen entweder die heutigen Zahlungen z oder die zukünftigen z e zu, so erhöht sich der Gegenwartswert. Ne-
gativ hängt er von gegenwärtigen und zukünftigen Zinssätzen ab. Eine Zunahme von i heute oder i e in Zukunft lässt den Gegenwartswert sinken. 7
2.3 IS-LM-Modell
Das IS-LM Modell wurde 1937 von J.R. Hicks entwickelt. Dabei bestimmt die IS- Kurve die Beziehung zwischen Zins und Einkommen im Mengengleichgewicht auf dem Güter- und Ar- beitsmarkt und die LM- Kurve die Beziehung zwischen Zins und Einkommen bei Geldange- 6 Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard, S.416, (2004).
7 Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard, S.417, (2004).
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Thema 13: Rationale Erwartungen
bot = Geldnachfrage. 8 Betrachten wir zuerst die IS-Funktion. Die Investitionsbereitschaft der
Unternehmen ist abhängig vom Realzins. Unternehmen produzieren Güter und wollen wissen wie viel sie zurückbezahlen müssen und zwar real und nicht in Geldeinheiten. Folglich be- schäftigt sich die IS-Funktion mit dem Realzins r: Y = C(Y-T) + I(Y,r) + G, mit T = Steuern, I = Investitionen, C = Konsum, Y = Einkommen, G = Staatsaufgaben. Bei der Herleitung der LM-Funktion wird mit der Abhängigkeit der Geldnachfrage des Zins- satzes argumentiert. Hierbei wird Bezug auf den Nominalzins genommen: M/P = YL(i), mit M/P= Geldangebot und L= Geldnachfrage Aus oben genannten Beziehungen sowie der hergeleiteten Definition des Realzins, ergibt sich das IS-LM-Modell wie folgt:
IS: Y = C(Y-T) + I(Y,r) + G (1)
LM: M/P = YL(i) r
≈
i-
π
e
Realzins: (3) Da der Nominalzins die Geldpolitik beeinflusst und der Realzins die Ausgaben und Produkti- on, hängen Auswirkungen aus der Geldpolitik auf die Produktion davon ab, wie sich der No- minalzins auf den Realzins überträgt.
Es ist nun fraglich, ob höheres Geldmengenwachstum zu einem niedrigeren Zins oder zu ei- nem höheren Zins führt. Korrekt ist beides, es hängt von der Betrachtungsfrist ab. In der kur- zen Frist führt ein höheres Geldmengenwachstum zu einem niedrigeren Nominalzins und zu einem niedrigeren Realzins, in der mittleren Frist jedoch erhöht Geldmengenwachstum den Nominalzins, während der Realzins unverändert bleibt. Diese Beziehung gilt es nun näher zu untersuchen. Zunächst einmal setzen wir unsere obige Gleichung (3) in (1), um eine Vereinheitlichung des Zinses zu erhalten: Y= C(Y-T) + I(Y, i- π e )+G und machen uns das Standradmodell des IS-
LM- Modells anhand einer Grafik klar:
8 Funk, S.199, (2002/2003).
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Die IS-Kurve hat einen fallenden Verlauf, da bei gegebener Inflationsrate und abnehmender Zinsen, eine Zunahme von Ausgaben und Produkten zu beobachten ist. Die LM-Kurve hat einen steigenden Verlauf, da eine steigende Produktion bei gegebener Geldmenge zu einer Zunahme des Nominalzinses führt.
Der Punkt A bezeichnet das Gleichgewicht zwischen beiden Kurven. Den Realzins r A ermit- telt man nun grafisch, indem man vom Gleichgewichts-Nominalzins i A die erwartetet Inflati- onsrate π e abzieht.
Betrachten wir nun die kurze Frist: Angenommen die Geldmenge wird von der Zentralbank erhöht. Dies führt in der kurzen Frist zu einer realen Geldmengenerhöhung M/P, wodurch die LM- Kurve nach rechts unten verschoben wird. Der Nominalzins sinkt. In der kurzen Frist werden sich die Inflationserwartungen nicht ändern, wodurch ein bestimmter Realzins dem Nominalzins entspricht. Somit bewegt sich das Gleichgewicht an der IS-Kurve entlang nach unten zu Punkt B, die Produktion steigt und wegen gefallenem Nominalzins ist auch der Re- alzins dementsprechend gesunken.
9 Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard, S.424, (2004).
10 Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard, S.425, (2004).
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Thema 13: Rationale Erwartungen
In der mittleren Frist hat eine dauerhafte Erhöhung der Geldmenge ebenfalls Auswirkungen auf Produktion, Nominal- und Realzins. Es gilt, dass die Produktion auf ihr natürliches Ni- veau zurückgeht und die Inflationsrate der Wachstumsrate der Geldmenge abzüglich des Pro- duktionswachstums entspricht. Desweiteren nehmen wir zur Vereinfachung des Modells an, dass das natürliche Produktionsniveau über die Zeit konstant bleibt. Unter der Annahme eines Nullwachstums der Produktion, entspricht die Inflationsrate der Wachstumsrate der Geld- menge.
Betrachtet man nun wieder die IS-Gleichung: Y=C(Y-T)+I(Y,r)+G, so lassen sich für gege- bene Staatsausgaben und Steuern ersehen, welcher Realzins gewählt werden muss, um das gegebene Produktionsniveau aufrechtzuerhalten. Mittelfristig entspricht die Produktion dem natürlichen Produktionsniveau, wie auch der Realzins in der mittleren Frist bei gegebenem G und T dem natürlichen Realzins entspricht. Damit ergibt sich, dass weder Produktion noch Realzins mittelfristig vom Geldmengenwachstum abhängen.
Ferner ist die erwartete Inflationsrate mittelfristig gleich der Inflationsrate, die wiederum dem Geldmengenwachstum entspricht. In der mittleren Frist also lässt ein Geldmengenwachstum den natürlichen Realzins unberührt, beeinflusst aber die Inflationsrate und den Nominalzins zu gleichen Teilen. Daraus ergibt sich der sogenannte Fishersche Preiserwartungseffekt, den wir nun näher untersuchen. 11
2.4 Fisher Hypothese und ihre Evidenz
Die Fisher-Hypothese, die sich auch der Fishersche Preiserwartungseffekt nennt, besagt, dass bei ansonsten gleichen Bedingungen ein Anstieg der erwarteten Inflationsrate eines Landes den Zinssatz in seiner Währung langfristig im gleichen Verhältnis wachsen lässt. 12 Die Infla-
tionserwartungen schlagen sich in den Nominalzinsen wieder, da der reale Wert der geschul- deten Summe vom realen Wert der zurück zu zahlenden Summe abweicht. Fischer selbst kri- tisiert seinen Ansatz, weil empirisch nur eine unvollkommene Anpassung zu beobachten ist. Dies hängt damit zusammen, dass in der Realität nur unvollkommene Voraussicht herrscht, die Modellannahme aber von vollkommener Zukunftsvoraussicht ausgeht. 13 Dennoch erklärt
die Fisher-Hypothese die Entwicklungen in Deutschland tendenziell gut. Bei einem Rückgang der Inflation, sinken auch die Nominalzinsen.
11 Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard, S.426f, (2004).
12 Krugmann, Obstfeld, S.485, (2006).
13 Anderegg, Grundzüge der Geldtheorie und –politik, S. 88ff, (2006).
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2.5 Zusammenhang von Erwartungen und Konsum
Das Thema des Konsumverhaltens ist gerade daher so wichtig näher zu untersuchen, da statis- tisch weit mehr als 50% des Einkommens eines Haushalts für Konsumausgaben ausgegeben werden. Damit ist auch erklärt, warum viele Ökonomen, wie z.B. Milton Friedman oder Fran- co Modigliani sich mit diesem Gebiet beschäftigen und mit ihren Arbeiten dazu berühmt wurden.
Zur Vereinfachung nehmen wir zunächst an, dass es keine Unsicherheiten in Bezug auf die Zukunft gibt, was in der Realität vollkommen utopisch ist. Der Konsument ist so in der Lage sein optimales Konsumniveau zu bestimmen, indem er zunächst sein heutiges Vermögen er- mittelt. Dabei müssen alle Verbindlichkeiten wie Zinszahlungen oder Kredite von den Ver- mögensgegenständen, z.B. Finanz- und Immobilienvermögen abgezogen werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass auch das Humankapital, welches z.B. aus Aus- und Weiter- bildung gebildet wird, berücksichtigt wird. Aus diesem ermittelten Gesamtvermögen kann das Individuum seinen heutigen Konsum bestimmen, muss dabei aber auch die zukünftigen Peri- oden, in denen er laut Annahme möglichst das gleiche Konsumniveau erreichen möchte, be- rücksichtigen. Sollte das heutige Vermögen nicht für sein präferiertes Niveau ausreichen, wird er sich über Verschuldung Abhilfe schaffen können. 14 Für die heutige Konsumentschei-
dung ist es notwendig, die zukünftigen erwarteten Erträge und Einkommen vorauszusehen und zu berücksichtigen. Mit anderen Worten muss abgewogen werden, ob man heutigen Kon- sum oder zukünftigen Konsum vorzieht. Dafür jedoch ist auch der Realzins eine entscheiden- de Determinante. Bei positivem Realzins führt eine Einschränkung heute zu einem Zusatz- konsum in der Zukunft. Je höher also der Realzins, umso höher liegen die Anreize, zu sparen und heute auf Ausgaben in den Konsum zu verzichten.
Dies ist ein wichtiges Ergebnis. Es gilt jedoch noch zu prüfen, ob die gesetzten Annahmen realistisch sind.
So ist ein konstantes Konsumniveau über den gesamten Lebenszeitraum eines Individuums nicht realitätsnah, da bspw. für Ausgaben in späteren Lebensabschnitten gespart werden muss. Ebenso ist fraglich, ob Konsumenten wirklich rational in Bezug auf ihre Entscheidungen han- deln. Auch die, wie oben bereits erwähnt, unrealistische Annahme über die Nicht-Existenz von Unsicherheiten spielt eine wichtige Rolle. Arbeitslosigkeit und Krankheit können die Konsumpläne eines Individuums stören. Natürlich ist auch eine Kreditaufnahme nicht per se 14 Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard, S.464f., (2004).
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möglich. Dazu sind vielmehr Sicherheiten zu hinterlegen, die nicht jedes Individuum aufwei- sen kann.
Folglich ist eine Konsumentscheidung besonders von dem aktuellen Einkommen abhängig, wenn Haushalte ökonomisch nicht so gut situiert sind. „Reichere“ Haushalte jedoch sind un- abhängiger von aktuellen Einkommen und bemessen zukünftigen Erwartungen dementspre- chend eine höhere Rolle zu als es die weniger ökonomisch gut gestellten Haushalte machen. 15
3. Erwartungen
Die Zukunft ist in der Welt nicht mit Sicherheit bekannt, psychologische Faktoren der Ent- scheidungsbildung des Individuums wurden in der Keynesianischen Tradition vom Pessimis- mus der Investoren oder konkreten Zinserwartungen bestimmt. Der individuelle Konsum hängt vom erwarteten zukünftigen Einkommen und der Vermögensentwicklung ab. Die Entscheidungen über Investitionen hängen von den aktuellen und den erwarteten Gewin- nen und den aktuellen und erwarteten Zinsen ab. Der zukünftige Realzins ist nicht vorherseh- bar. Die Betrachtung des Konsumverhaltens wird durch das Einbeziehen der Erwartungen vertieft. 16
3.1 Regressive Erwartungen
Allgemein differieren die verschiedenen Formen regressiver Erwartungen im Umgang mit dem Wissen um die historische Entwicklung von Variablen. Die Modelle der stationären Er- wartungen und extrapolativen Erwartungen sind nachfolgend dargestellt. 17
3.2 Stationäre Erwartungen
Die einfachste und kostengünstigste Form individueller wirtschaftlicher Entscheidungen sind stationäre Erwartungen. 18 15 Blanchard, Olivier; Illing, Gerhard, S.465ff., (2004).
16 Blanchard, O., S.461, (2004).
17 Hielscher, T., S.11, (1999).
18 Hielscher, T. S.12, (1999).
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Thema 13: Rationale Erwartungen
wobei ersteres den erwarteten Preis der heutigen Periode und der rechte Teil der Preis aus der Vorperiode darstellt.
Das Individuum erwartet den Wert des Vorjahres und lässt Variable wie z.B. die Inflation außen vor.
3.3 Extrapolative Erwartungen
Extrapolative Erwartungen setzen voraus, dass das Individuum seine Erwartung aus vergan- genen Werten realisiert und sich auf einen konkreten Erwartungswert festlegt. Der Erwartungswert ist X * t-1. b ist in diesem Fall der Anpassungskoeffizient, auf dem die zu- künftige Tendenz basiert. b = 0 statische Erwartung. Gegenwartswert ist gleich dem Erwar- tungswert. b = 0 die Tendenz für die nächste Zeitperiode ist die Differenz zw. X t und X t-1 . b < 0 Tendenzumkehr. 19
3.4 Adaptive Erwartungen
Werden lediglich gegenwärtige bzw. vergangene Ereignisse und Erfahrungen verarbeitet, so spricht man von adaptiven Erwartungen. 20
„Wirtschaftssubjekte sind nicht in der Lage die Zusammenhänge in der Wirtschaft exakt zu verstehen. Im Allgemeinen sind ihre Erwartungen daher nicht korrekt, sie passen ihre Erwar- tungen aber unter Berücksichtigung beobachteter vergangener Fehler an.“ 21
Vergangene Erwartungsfehler werden eingebunden, das Individuum entscheidet in diesem Fall nicht unter Einbezug zukünftiger Erwartungsfehler. Fehler durch systematische und sto- chastische Prognosen werden also nicht einbezogen. e =P t-1 - h(P t-1 - P e Formell dargestellt: P t t-1 ) , mit 0 < h < 1 P e e in al- t-1 ist der erwartete Preis aus dem Vorjahr. Im Fall h = 0 wäre der erwartete Preis P t e im Folge- len Jahren t gleich, im anderen Extrem wäre im Falle h = 1 der erwartete Preis P t 19 uni-frankfurt.de/Professoren/eisen/Tut9Loesung.pdfabgerufen am 14.06.2007 20 Brockhaus, 6. Band S. (1997).
21 uni-bielefeld.de/~dawid/Lehre/Downloads/VWL1_15.pdf abgerufen am 29.6.2007
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jahr gleich dem gegenwärtigen Preis. 22 Der erwartete Preis entspräche in letzterem Fall den stationären Erwartungen.
Die erwartete Inflationsrate ermittelt sich durch die in der Vergangenheit beobachteten Infla- tionsraten. „Trendwenden wie z.B. den Übergang von expansiver zu kontraktiver Fiskalpoli- tik“ 23 kann dieses Erwartungsmodell nicht vorhersehen. Zukunftsentscheidende Einflüsse werden also weiterhin als exogen behandelt.
Im Falle einer linearen Entwicklung der Variablen, stellt ist das Modell eine kostengünstige Methode zur Prognostizierung. 24
3.5 Rationale Erwartungen
Die rationalen Erwartungen sind von John F. Muth als Prognosemodell definiert. Die Prognose gilt der Findung des Gleichgewichtslohns durch ökonomische Theorie und ak- tuelle Daten. Die Marktakteure sind angehalten diese Daten zu nutzen, solange ihre Erwar- tungen auf keiner wissenschaftlichen Prognose beruhen, um keinen Nachteil zu erfahren. 25 Alle Marktakteure verfügen über denselben Wissenstand und verfügen über ein einheitliches und umfassendes Wirtschaftsmodell. Vereinfacht lässt sich das Modell wie folgt darstellen: Der Wissensstand I zu Zeitpunkt t setzt sich aus den Datenbestand D und der umfassenden Kenntnis des Modells M zusammen. Im Modell der Rationalen Erwartungen wird davon aus- gegangen, dass die Marktakteure die Zusammenhänge der gewonnenen Erkenntnisse auf die Zukunft projizieren können.
Der sich daraus bildende Erwartungswert der Marktakteure wäre dem optimalen Erwartungs- wert in der Zukunft gleichzusetzen. Der genaueren Berechnung des Erwartungswertes wirken unvorhersehbare Risiken des Marktes entgegen und erfordert einen massiven Einsatz empiri- scher und mathematischer Verfahren. 26 22 vgl. Felderer, B., Homburg, S., S. 237 (1994).
23 Hielscher, T. S.13 (1999).
24 Hielscher, T. S.12f (1999).
25 vgl. Felderer, B., Homburg, S. 240, (1994).
26 uni-frankfurt.de/Professoren/eisen/Tut9Loesung.pdf abgerufen am 14.06.2007
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3.6 Kritik rationaler Erwartungen
Das Modell erfordert das Erheben und Auswerten erheblicher Datenmengen und die Antizipa- tion möglicher Störfaktoren zur Vorhersage zukünftiger Entwicklungen, um diese in die aktu- ellen Marktgeschehnisse einzubinden. Das Ziel ist es alle relevanten Daten letztendlich zu erfassen. Die Annahme der absoluten Informiertheit aller Marktakteure, die Berechenbarkeit aller möglichen relevanten Ereignisse und die Verfügbarkeit der Daten sind markante Schwä- chen dieses Modells. Es wird nie der Fall sein, dass alle Marktakteure dieselben Informatio- nen und Mittel zur Entscheidungsfindung haben werden. Ein Modell bleibt ein Modell, da es keine Wahrheit gibt auf dem Markt, da der Mensch nur auf Basis der eigenen Erfahrung und auf das Verhalten anderer reagiert. 27
4. Die Phillips Kurve und der Arbeitsmarkt
In engem Zusammenhang mit der Erwartungsbildung steht die Phillips-Kurve. Im Jahre 1958 erstellte Arthur W. Phillips eine empirische Untersuchung über den Zusammenhang zwischen der Arbeitslosigkeit und der Differenz der Nominallöhne. Nach Phillips Theorie war bei ge- ringerer Arbeitslosigkeit anzunehmen, dass die Nominallöhne unter gleichen Umständen steigen. Phillips bezog sich auf Daten aus den Jahren 1862 - 1952 für Großbritannien. Die später dargestellte Phillips-Kurve gibt jene Kurve wieder, welche sich den Messwerten am Besten anpasste.
Die Phillips-Kurve hat drei besondere Kennzeichen: die negative Steigung, die hyperbolische Form und der Schnittpunkt mit der Achse der ALQ bei ca. 6%. 28
Der Schnittpunkt der Phillips-Kurve mit der ALQ-Achse hat in der Neoklassik eine besondere Bedeutung, die ALQ des Schnittpunktes gilt als Punkt der Preisniveaustabilität mit einer Mindestarbeitslosigkeit. Diese mindeste ALQ ist langfristig gesehen stabil und maximal kurz- fristig zu beeinflussen.
Der Phillips-Kurve als Widerlegung keynesianischer Wirtschaftspolitik liegen die Annahmen zugrunde, dass deren Nachfragepolitik immer von einer Geldmengenerhöhung ausgeht und damit verbunden auch Preissteigerungen. Die Nominallohnsteigerungen werden zeitweise den Reallohnsteigerungen gleichgesetzt und der Arbeitgeber differenziert zwischen nominalen und realen Werten. Eine Nachfragepolitik zur Verringerung der ALQ, ausgehend von der ent- 27 uni-frankfurt.de/Professoren/eisen/Tut9Loesung.pdf abgerufen am 14.06.2007 28 Felderer, B.; Homburg, S. 242, (1994).
11
Thema 13: Rationale Erwartungen
sprechenden Mindestarbeitslosigkeit, führt zu steigenden Preisen, nicht aber zu höheren Löh- nen bei größerer Arbeitslosigkeit. 29
In diesem Beispiel ersetzen wir die Änderungsrate de Geldlohnes, wie sie Phillips verwandte
durch die Inflationsrate bzw. Preissteigerungsrate und Robert M. Solow in ihrem Aufsatz aus dem Jahre 1960 taten.
30
Bleiben der Nominallohn gleich und das Preisniveau erhöht sich, sinkt der Wert des Real- lohns. Aufgrund der Gleichsetzung der Nominallöhne mit den Reallöhnen geht der Arbeit- nehmer von einem stabilen Geldwert aus.
Die ALQ verringert sich aufgrund der Verminderung der Reallöhne.
Die Phillips-Kurve
Abbildung 3: Die Phillips-Kurve
Punkt A der Grafik stellt eine verminderte ALQ bei einer höheren Preissteigerungsrate dar. Die Illusion des gleich bleibenden Reallohnniveaus wird durch Kenntnis der Arbeitneh- mer aufgelöst. Logische Folge ist die Nachfrage der Arbeitnehmer nach angepassten Löhnen, das Lohnniveau wird angepasst und das Beschäftigungsniveau sinkt auf das Ausgangsniveau. Sollte jetzt die Politik erneut und auf gleiche Weise intervenieren, würden die die gleichen Folgen bei einer höheren Preissteigerungsrate eintreten (siehe Punkt B). Die daraus folgend größere Inflationsrate 31 belegt, das eine konstant geringere ALQ nicht durch eine nachfrageorientierte Politik gehalten werden kann. 32 29 Volkmann, R. S. 144, (2006).
30 Felderer, B.; Homburg, S. 243, (1994).
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Thema 13: Rationale Erwartungen
Die Minimierung der ALQ ist mit einer unvorteilhaften Preissteigerung verknüpft unter den gegebenen Voraussetzungen verknüpft. Dieser Effekt ist als Stagflation bekannt, der Stagna- tion des Wirtschaftswachstum und der erhöhten Inflation.
5. Fazit
Wie sich in der Arbeit herausstellte, spielen Erwartungen über die Zukunft eine große Rolle in Bezug auf den Arbeitsmarkt sowie auf die Konsumentscheidungen heute. Verändern sich die Erwartungen über zukünftige Produktion positiv, so steigen auch das erwartete Arbeitsein- kommen, das Humanvermögen und somit der Gegenwartskonsum. Auf dem Finanzmarkt ergeben sich die gleichen Implikationen. Ein erwartetes Wachstum des Einkommens, bewirkt höhere erwartete Dividenden, Aktienkurse und Finanzvermögen wie auch einen gestiegenen Gegenwartskonsum. Umgekehrt verhält es sich mit sinkenden Erwartungen bezüglich des Einkommens. Der Gegenwartskonsum ob gesunkenem Humanvermögen und/oder gesunke- nen Aktienkurse und damit Finanzvermögen evoziert einen Gegenwartskonsumverzicht. Natürlich macht es einen Unterschied, ob man temporäre oder permanente Änderungen er- wartet. Permanente Einkommenssenkungen führen zu stärkeren Einschränkungen des Kon- sums als es temporäre machen.
31 Der Reallohn ist niedriger als vorher durch die höhere Preissteigerungsrate 32 Volkmann, R. ,S. 144f, (2006).
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Peter Franken, Nils Johann Schneider, 2007, Rationale Erwartungen, München, GRIN Verlag GmbH
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