Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG. 3
2 DIE VIER DIMENSIONEN VON LEISTUNGSBEWERTUNG 3
2.1 Sachliche Dimension 3
2.2 Individualzentrierte Dimension. 4
2.3 Soziale Dimension. 4
2.4 Normative Dimension. 4
3 LEISTUNGSBEWERTUNG - NOTENGEBUNG. 5
3.1 Zusammensetzung der Sportnote 5
3.1.1 Sportlich- motorische Leistungen 6
3.1.2 Individueller Lernzuwachs 6
3.1.3 Soziales und sportliches Verhalten. 7
3.2 Aufgabe und Funktionen von Noten. 8
3.2.1 Pädagogische Funktion 8
3.2.2 Gesellschaftliche Funktion 9
3.3 Sind Noten im Sportunterricht „sinnvoll“ oder „unnötig“ 9
3.3.1 Argumente „pro“ Sportnote 9
3.3.2 Argumente „contra“ Sportnote 9
4 TYPISCHE FEHLER BEI DER LEISTUNGSBEWERTUNG 10
4.1 Der Halo-Effekt. 10
4.2 Logischer Fehler. 11
4.3 Reihungsfehler 11
4.4 Projektionsfehler 11
4.5 Kontrastfehler 12
5 FAZIT 12
6 LITERATURVERZEICHNIS 13
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Steffen Weber: Bewerten von Bewegungs- und Sportunterricht
1 Einleitung
Das Fach Sport hat sich bis in die heutige Zeit zu einem Unterrichtsfach entwickelt, wie jedes andere Fach auch. In fast allen Bundesländern ist die Sportnote inzwischen versetzungsrelevant und seit einigen Jahren sogar als Abiturfach gleichberechtigt etabliert (vgl. Tillmann, 2001, S.45). Aus dieser Verantwortung heraus hat der Sportlehrer die Aufgabe, wie in jedem anderen Fach auch, den Schülern Noten zu erteilen, um diese über ihren persönlichen Leistungsstand zu informieren. Aufgrund dieser Gleichstellung des Unterrichtsfaches Sport sind in den vergangen Jahren die Erwartungen von Schülern und Eltern für eine angemessene und gerechte Notengebung gestiegen. Auf den ersten Blick scheint eine Leistungsbeurteilung der Schüler, in einigen Bereichen, wie beispielsweise der Leichtathletik oder dem Schwimmen sehr einfach, da die individuellen Leistungsergebnisse anhand vorgegebener Leistungstabellen ermittelt werden können.
Inhalt und Thema von Sportunterricht ist jedoch die Begegnung mit dem eigenen Körper und seinen Bewegungen. Befasst man sich aus dieser Intention heraus einmal genauer mit dem Gedanken von Leistungsbewertung im Sportunterricht, wird man schnell feststellen, dass einige sportlich-motorische Leistungen in großem Maße von den genetischen und anthropometrischen Merkmalen der Schüler abhängig sind. In diesem Sinne richtet Tillmann dem Unterrichtsfach Sport eine Sonderstellung ein, indem er die Meinung vertritt, dass im Sport die Einbeziehung von „Verhaltensbewertungen“ eine größere Rolle spielen muss, als in anderen Schulfächern.
Diese Hausarbeit, welche den Titel „Bewerten im Bewegungs- und Sportunterricht“ trägt, behandelt aus diesem Grunde den speziellen und immer aktueller werden Problembereich, der Leistungsbewertung im Schulsport.
2 Die vier Dimensionen von Leistungsbewertung
2.1 Sachliche Dimension
Bei der sachlichen Dimension handelt es sich lediglich um einen Vergleich von Handlungsverläufen und Handlungsergebnissen in Bezugnahme auf eine zuvor gestellte Bewegungsaufgabe. Betrachtet man in diesem Sinne das Beispiel: „Hochsprung“, so ist die Bewegungsaufgabe, die Latte ohne berühren zu überqueren. Aus sachlicher Sicht-
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weise hat ein Schüler diese Aufgabe gelöst, wenn er einen für ihn praktikablen Weg der Lattenüberquerung findet. Für den Lehrer bzw. den Bewertenden zählt hierbei nur das Ergebnis. Ob der Schüler die Latte vorwärts, rückwärts oder vielleicht sogar mit einer Flugrolle überquert spielt keine Rolle.
2.2 Individualzentrierte Dimension
Ziel dieser Art von Leistungsbewertung ist es, den Lern- und Ausbildungsprozess eines jeden Schülers individuell zu betrachten. In diesem Sinne soll vorrangig die Leistungsentwicklung des jeweiligen Schülers bewertet werden. Wichtig hierbei ist es, ein genaues Augenmerk darauf zu legen, wie sich die Leistung der einzelnen Schüler im Verlauf einer Unterrichtseinheit entwickelt. Werden bei dieser Betrachtungsweise bei einem Schüler große Leistungszuwächse beobachtet, wird dieser am Ende eben besser bewertet, als ein Schüler, welcher nur langsam Fortschritte macht.
2.3 Soziale Dimension
Die soziale Dimension ist ein Synonym für den direkten Vergleich mit anderen Schülern oder sogar den Mitschülern. Hierbei wird die Leistung eines jeden Einzelnen in Bezug zu den Leistungen der Anderen gesetzt und auf diese Weise in Form einer Ranglist auf- oder abgewertet. Diese Form von Leistungsbewertung ist jedoch sehr kritisch zu betrachten. Einerseits kann es zum Nach- und Wetteifern anregen und Leistungsentwicklung fördern, andererseits dazu beitragen die Schüler zu Konkurrenzdenken zu animieren und Feindbilder zu projezieren.
2.4 Normative Dimension
Bei der normativen Dimension findet Leistungsbewertung rein anhand von so genannten „Gütemaßstäben“ statt, welche zuvor festgelegt wurden. Bewertungslisten, wie sie beispielsweise in der Leichtathletik vorkommen, stellen in diesem Falle solche „Gütemaßstäbe“ dar. Eine Notenvergabe aufgrund normativer Maßstäbe gestaltet sich sehr problematisch, da bei dieser Form von Bewertung nur das Ergebnis im Vordergrund steht und nicht mehr die individuelle Leistung und Leistungsentwicklung.
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3 Leistungsbewertung - Notengebung
Durch unsere allseits bekannte Notenskala (Noten von eins bis sechs), soll dem Schüler und seinen Eltern eine Rückmeldung über die jeweils erbrachten schulischen Leistungen gegeben werden. Zusätzlich zu der Benotung motorischer Leistungen auf Grundlage von Normtabellen, wie wir sie aus der Leichtathletik kennen, gehen Verhaltensbewertungen mit in die Sportnote ein.
Bei der Vergabe von Noten ist zu beachten, dass jeder Lehrer von Seiten des Schulgesetzes dazu verpflichtet ist Noten zu geben. Welche Benotungsgrundlage der Lehrer zur Feststellung der jeweiligen Schülerleistungen heranzieht, liegt jedoch ganz in seinem Ermessen. Während ein Teil der Lehrer eine rein „objektive“ Notengebung anstreben, bemühen sich andere wiederum gleichzeitig, die Persönlichkeitsentfaltung, die Selbsteinschätzung und die aktive Beteiligung der Schüler am Unterricht mit zu fördern (Tillmann, 2001, S. 47).
3.1 Zusammensetzung der Sportnote
Nach Tillmann setzt sich die Sportnote aus den drei im Folgenden näher beschriebenen Bewertungsaspekten zusammen.
• Sportlich- motorische Leistung
• Individueller Lernzuwachs
• Soziales und sportliches Verhalten
Wie bereits im Verlauf dieser Arbeit angedeutet, entscheidet jeder Lehrer für sich, wie viel Gewichtung er den einzelnen Teilgebieten bei der Notenfindung zukommen lässt. Eine in diesem Sinne relativ aktuelle Zusammensetzung der Sportnote ist seit kurzem im Thüringer Lehrplan verankert, welche in Kooperation mit dem Deutschen Sportleh-rerverbandes erarbeitet wurde.
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Hierbei gestaltet sich die Sportnote als ein Zusammenspiel zwischen der sachlichen Ebene und der sozialen Ebene, wobei die sachliche Ebene etwas stärker gewichtet ist und die Bewertung der motorischen Leistung umfasst, während die soziale Ebene sich aus dem sozialen Verhalten bildet.
Die zuvor angesprochene Gewichtung zwischen sozialer und motorischer Ebene wird auch hier nicht näher thematisiert. Diese unterliegt der jeweiligen Interpretation des Lehrers.
3.1.1 Sportlich- motorische Leistungen
Um den jeweiligen individuellen Leistungsstand motorischer Fähigkeiten bewerten zu können, werden häufig Kriterien wie körperliche Beweglichkeit und Körperbeherrschung als Bewertungsgrundlage herangezogen. Auf diese Weise wird ausschließlich „sportliches Können“ bewertet (Tillmann, 2001, S.47). Dabei spielt es keine Rolle, ob oder in wie fern der Schüler auf dem jeweiligen Gebiet schon einmal Vorerfahrungen gemacht hat, oder nicht.
Ein Beispiel hierzu ist die Bewertung des Cooper-Tests, bei dem die Leistungsbewertung aufgrund von Zuordnung von Noten zu bestimmten Zeitspannen erfolgt. Der Nachteil dieser Form von Leitungsbewertung ist, dass bestimmte sportlich-motorische Leistungen in besonderem Maß von den körperlichen Vorraussetzungen der Schüler abhängen.
3.1.2 Individueller Lernzuwachs
Der individuelle Lernzuwachs des einzelnen Schülers, sollte im Rahmen der Bewertung sportlicher Leistungen das wichtigste Kriterium sein. Die Einbeziehung des individuellen Leistungsfortschrittes in die Gesamtnote kann dazu verhelfen, bei schwächeren und körperlich benachteiligten Schülern das Interesse für den Sport zu wecken und die
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Schüler gleichzeitig zu lebenslangem Sporttreiben zu motivieren (vgl. Tillmann, 2001, S.46). Somit kann es auch diesen Schülern ermöglicht werden, je nach individuellem Lernzuwachs, mittelmäßige bis gute Bewertungen zu erreichen. Zu beachten ist hierbei jedoch, dass eine merkliche Bevorzugung der schlechteren Schüler den Unmut der leistungsstärkeren Schüler nach sich zieht, welche eher auf Grundlage einer „objektiven“ Sichtweise bewertet werden möchten. Aus diesem Grunde sollte man den individuellen Lernzuwachs aller Schüler bei der Notengebung in gleichem Maße berücksichtigen und schon im Voraus mit den Schülern die Form der Bewertung besprechen und ihnen deutlich machen, dass nicht nur die „absolute Leistung“ des Einzelnen bewertet wird, sondern der gesamte Entwicklungszeitraum der jeweiligen Schüler.
3.1.3 Soziales und sportliches Verhalten
Aufgrund der Tatsache, dass im Unterrichtsfach Sport neben der motorischen Leistung das soziale und sportliche Verhalten beurteilt wird und mitbestimmend für die Sportnote ist, erhält das Fach Sport gegenüber den klassischen Unterrichtsfächern eine Sonderstellung. Bereits Anfang dieses Jahrhunderts sieht Tillmann eine Einbeziehung „sozialen und sportlichen Verhaltens“ in die sportliche Leistungsbewertung als positiv. Die Bewertung des „sozialen und sportlichen Verhaltens“ erfolgt aufgrund des persönlichen Eindrucks der Lehrkraft. Welche Aspekte jedoch unter „sozialem und sportlichem Verhalten“ genauer zu verstehen sind, hat der Deutsche Sportlehrerverband verfasst und wird im Weiteren näher erläutert:
• Sportgerechtes und soziales Handeln
Die Schüler verhalten sich untereinander fair, solidarisch und geben gegenseitig Hilfestellung. Zudem werden bestehende Regeln akzeptiert und eingehalten.
• Mitgestalten und Kooperieren
Die Schüler beteiligen sich am Unterricht. Sie übernehmen verschiedene Rollen bei der Unterrichtsgestaltung, so dass sie selbst zu Akteuren des Sportunterrichts werden.
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• Ausüben von Selbst- und Fremdkritik
Die Schüler können persönliche Leistungen und die Leistungen anderer objektiv bewerten, akzeptieren und tolerieren.
• Anwenden von Wissen und Können
Die Schüler erkennen Fehler und können diese korrigieren. Auch ist es ihnen möglich Sicherheitsrisiken zu erkennen und diese zu minimieren.
3.2 Aufgabe und Funktionen von Noten
Eine Zensur ist ein in Kurzform gefasstes Urteil des Lehrenden über ein Verhalten des Lernenden. Durch das in Form einer Zensur abgegebene Urteil erfolgt eine rangmäßige Einstufung des beurteilten Verhaltens im Vergleich zu entsprechendem Verhalten anderer Lernender. Im Weiteren erfolgt mit der Vergabe einer Note im Allgemeinen nicht nur die Benotung einer Fachleistung, sondern gleichzeitig auch eine persönliche Einstufung des Schülers selbst. Somit kann es bei schlechteren Schülern aufgrund ihrer Noten schnell zu einer Gesamtverurteilung kommen. Aus diesem Grunde sollte man sich die Frage nach den Funktionen von Notengebung stellen (vgl. Ziegenspeck, 1999, S.97f).
3.2.1 Pädagogische Funktion
Die Note soll in erster Linie dem Schüler als Rückmeldung bzw. Orientierungshilfe und den Eltern hauptsächlich als Bericht dienen. Noten können auf diese Weise den Schülern helfen, ihre Schwächen und Stärken wahrzunehmen und so ein realistisches Selbstbild aufzubauen. Die Notengebung soll dadurch für den Schüler eine Rückkopplungsfunktion besitzen, um ihn zu verstärkten Anstrengungen oder Beibehalten seiner Lernleistungen anzuspornen. Gute Noten motivieren somit im günstigsten Fall den Erfolg zu halten oder auszubauen. Schlechte Noten sollen dazu motivieren, Defizite auszugleichen.
Die Notengebung kann somit als ein unmittelbares Werkzeug der schulischen Erziehung angesehen werden, besonders aus dem Gesichtspunkt des Anreizes auf gute Noten bzw. die Aussicht auf Bestrafung durch schlechte Noten (Ziegenspeck, 1999, S.107). Genauso spielt die Notengebung eine wichtige Rolle für die Erziehungsberechtigten. Zeugnisse beispielsweise informieren die Eltern, geben eventuell Anlass für Rücksprache mit der Schule und oder für verstärkte Unterstützung des Lernens.
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3.2.2 Gesellschaftliche Funktion
Zensuren haben die gesellschaftliche Funktion zur Steuerung der Schullaufbahn und bilden die Grundlage dafür, welche weiterführende Schule besucht wird und ermöglichen im weiteren Bildungsweg eine Zuweisung von Berufs- und Karrierechancen. In diesem Sinne dienen Noten und Zeugnisse als eine Art Kontroll- und Selektionsfunktion. Im Weiteren dokumentieren und legitimieren Noten gegenüber befugten Dritten (zum Beispiel der Schulaufsicht) das erzieherische Handeln der Lehrer.
3.3 Sind Noten im Sportunterricht „sinnvoll“ oder „unnötig“
Die Frage nach dem Sinn der Sportnote ist seit der Einführung des Sportunterrichts in Deutschlands Schulen immer wieder Auslöser heftiger Debatten gewesen (Tillmann, 2001, S.45). Aufgrund der Mehrperspektivität des Sports lässt dich jedoch die Frage nach dem Sinn der Sportnote nur schwer beantworten, dennoch sollen nun im Folgenden einige Argumente „pro“ und „contra“ Sportnote aufgeführt werden.
3.3.1 Argumente „pro“ Sportnote
Verfechter der Position, „die Sportnote ist sinnvoll und notwendig, verweisen darauf, dass die zentralen Begriffen Leistung, Wettkampf und Rekord die zentrale Sinnrichtung des Sports widerspiegeln (Tillmann, 2001, S.45). Hinzu kommt, dass durch eine Abschaffung der Sportnote dem Unterrichtsfach Sport eine Sonderrolle innerhalb des Schulwesens zukommen würde, was es zu vermeiden gilt. Die Sportnote dient in diesem Sinne der Gleichstellung des Sportunterrichts gegenüber den anderen Fächern (Miethling, 1997, S.24). Nach Tillmann erlaubt kein anderes Unterrichtsfach, eine so exakte Leistungsmessung von Schülern, wie es im Fach Sport möglich ist. Allein dies und der Gedanke daran, dass Noten motivationsfördernd auf die Schüler wirken, sei Grund genug, an der sportlichen Leistungsbewertung festzuhalten. Ein weiterer Punkt welcher häufig zur Rechtfertigung der Sportnote herangezogen wird ist, dass sich die meisten Schüler für eine Beibehaltung der Sportnote aussprechen (Schröter, 1978, S.111f).
3.3.2 Argumente „contra“ Sportnote
Verfechter dieser Position sind häufig der Meinung, dass mit der Sportnote der Eindruck vermittelt wird, dass diese eine reine Leistungsnote ist, was sich gerade in den
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Bereichen der Ballsportarten und dem Tanz in Frage stellen lässt. Auf diese Weise trägt die Sportnote dazu bei, dass der Leistungsbegriff im Sport, heute wie damals, konkur-renzorientiert verstanden wird. Im Schulsport sollte der Spaß und das Ziel zum lebenslangen Sporttreiben im Mittelpunkt stehen und nicht das Streben, nach guten Noten. Die Schüler sollen nicht durch Noten abgeschreckt und vom Sport distanziert werden, sondern zu Körpererfahrungen angeregt werden.
Ein weiteres Problem, was die Vergabe von Noten im Unterrichtsfach Sport in sich birgt ist, dass für Schüler, deren Unsportlichkeit auf ihre genetischen Vorraussetzungen zurückzuführen ist, die Sportnote einen diskriminierenden Charakter hat und zu Komplexen führen kann.
Hinzu kommt, dass bei der Notenfindung meist Faktoren, wie Angst und Bewegungshemmung nur unzureichend berücksichtigt werden (Manthey, 1976, S.30).
4 Typische Fehler bei der Leistungsbewertung
Jede Art von Wahrnehmung, von Bewusstwerden und von Beurteilung hängt von vielen subjektiven Faktoren ab bzw. wird von den unbewussten Voreinstellungen und Erwartungen des Beobachtenden beeinflusst. In Form zwischenmenschlicher Kommunikation sind diese Verhaltensweisen mit Sicherheit eher förderlich, tragen sie doch zu einer Verbesserung der Spontaneität untereinander bei. Bei der Leistungsbewertung können gerade diese Merkmale, aufgrund ihrer geringen Objektivität und Transparenz, zum Nachteil werden.
Auch bei Lehrern treten solche Fehlerquellen auf, speziell natürlich im Schulfach Sport, da hier meist weder eine schriftliche, noch eine mündliche Leistungsüberprüfung erfolgt. Im Folgenden wird kurz aufgelistet, welche subjektiven Fehlerquellen bei der Leistungsbeurteilung in Schulen auftreten können.
4.1 Der Halo-Effekt
Ausgangspunkte für diese Effekte sind die „impliziten Persönlichkeitskonzepte“ und die Bilder, die sich jeder Mensch im Laufe seines Lebens über die Menschen, die Welt und über sich selbst gebildet hat. Dazu gehören im Laufe des Lebens entwickelte Vorlieben und Abneigungen, auch soziale Vorurteile. Beim „Halo-Effekt“, „bestimmt somit ein globaler Allgemeineindruck die Wahrnehmung einzelner Merkmale“ (Ziegenspeck,
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1999, S.175). Wirkt der Schüler somit auf den Lehrer sympathisch, beispielsweise durch gutes Benehmen, so kann sich dies positiv auf seine Note auswirken.
4.2 Logischer Fehler
Der logische Fehler ist verwandt mit dem Halo-Effekt und oft von diesem kaum zu unterscheiden. Beim logischen Fehler wird von einem beobachtbaren Merkmal auf ein anderes geschlossen. Persönlichkeitsmerkmale, die oft bei einer Person auftreten werden auf diese Weise miteinander gekoppelt. Wird eines dieser gekoppelten Merkmale des Schülers beim Lehrer auffällig, so koppelt er automatisch das zweite Merkmal hinzu, obwohl es bei dem Schüler gar nicht zu erkennen ist (vgl. Ziegenspeck, 1999, S.174).
Beispiele: (www.studienseminare-ge-gym.nrw.de)
verschlossen => uninteressiert => unkonzentriert => lernschwach => unintelligent arbeitet wenig in der Schule => faul => schwach => schlechte Note
4.3 Reihungsfehler
Bei der Korrektur von Klausuren neigen die Lehrer, die ersten Arbeiten strenger zu beurteilen, als die letzten. Geben viele Schüler also eine schlechte bzw. gute Leistung ab, so wird der nachfolgende Schüler mit einem anderen Maßstab bewertet (vgl. Ziegenspeck, 1999, S.177). Machen im Sportunterricht viele Schüler eine schlechte Flugrolle, so wird der Lehrer allmählich unterbewusst seine Erwartungen runter schrauben, so dass die Nachfolgenden Schüler mit ebenso schwacher Leistung eine tendenziell bessere Note bekommen.
4.4 Projektionsfehler
Teilweise neigen Lehrer dazu eigene Interessen, Fähigkeiten, Eigenschaften oder Wünsche in die Schüler hineinzuprojizieren bzw. den Schülern zuzuordnen. So werden diejenigen Schüler besser bewertet, von denen der Lehrer glaubt, dass sie ihm ähnlich sind (vgl. Ziegenspeck, 1999, S.179).
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4.5 Kontrastfehler
Vergleicht man beispielsweise im Sportunterricht zwei Schüler bei einer Bewegungsausführung und einer der beiden Schüler fällt dem Lehrer dabei besonders positiv auf, so fällt im selben Moment der andere Schüler möglicherweise mit seiner etwas schwächeren Ausführung gleich sehr negativ auf.
5 Fazit
Nach dieser Seminararbeit sollte klar geworden sein, dass der Traum von einer fairen Sportnote sehr wahrscheinlich für immer nur ein Traum bleiben wird. Es spielen zu viele persönliche Eindrücke und genetische Merkmale eine Rolle, die eine faire Sportnote verhindern würden. Auch die Frage, ob eine Note im Unterrichtsfach Sport sinnvoll oder unnötig ist, lässt sich nicht endgültig klären. Was einem Sportlehrer jedoch bewusst werden sollte ist, dass Inhalt und Thema von Sportunterricht die Begegnung mit dem eigenen Körper und seinen Bewegungen ist. In diesem Sinne und unter Berücksichtigung der verschiedensten genetischen und anthropometrischen Merkmalen der Schüler, sollte von einer reinen sport-motorische Leistungsüberprüfung abgesehen werden. Viel mehr sollte sich die Sportnote aus einem ausgewogenen Verhältnis von sportlicher Leistung, individuellem Lernzuwachs, sozialem und sportlichen Verhalten zusammensetzen. Auf diese Weise kann es gelingen, alle Schüler mit Erfolg und Spaß am Unterricht teilhaben zu lassen und zu lebenslangem Sporttreiben zu motivieren.
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6 Literaturverzeichnis
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RICHT. SCHORNDORF:KARL HOFMANN VERLAG
MESSMER, R. (1997). DIE TURN JURY. SPORTPÄDAGOGIK 21 (4), S.35-37
MIETHLING, W. (1997). BEWERTEN UND ZENSIEREN. SPORTPÄDAGOGIK 21 (4), S.20-27.
SCHERLER, W. (1985). SPIEL UND SPORT MIT KINDERN AUSWERTEN. IN: H.EHNI/J. KRETSCH-
SCHRÖTER, G.(1981). ZENSUREN? ZENSUREN!. BALTMANNSWEILER: PÄDAGOGISCHER VERLAG
BURGBÜCHEREI SCHNEIDER.
TILLMANN, K.-J. (2001). LEISTUNGSBEWERTUNG UND ZENSIERUNG IM FACH SPORT. PÄDAGO-
GIK (2), S.44-48
VOLMAR, M. (1978). MESSEN UND ZENSIEREN IM SPORTUNTERRICHT. BAND 134: SCHRIFTREIHE
ZIEGENSPECK, J. (1999). HANDBUCH ZENSUR UND ZEUGNIS IN DER SCHULE. BAD HEILBRUNN:
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Steffen Weber, 2007, Bewerten im Bewegungs- und Sportunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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