Medien und Gewalt
Führt mediale Gewalt zu realer Gewalt?
Mario Jäckle
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Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung
Seite 3
2. Definition: Gewalt
Seite 4
3. Theorien zur Wirkung Medialer Gewalt
Seite 5
3.1 Katharsistheorie
Seite 5
3.2 Inhibitionsthese
Seite 6
3.3 Habitualisierungsthese
Seite 6
3.4 Suggestionsthese
Seite 6
3.5 Lerntheorie
Seite 7
3.6 Stimulationstheorie
Seite 7
4. Gewalt im TV
Seite 8
5. Gewalt in Computerspielen
Seite 9
6. Fazit
Seite 10
7. Literaturverzeichnis
Seite 11
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1. Einleitung
In einer Geselschaft, in der (fast) jeder Haushalt mindestens ein TV-Gerät be-
sitzt, in der Videos sekundenschnell aus dem Internet geladen werden können
und in der PC-Spiele fast schon aussehen wie die Realität, kommt unweigerlich
die Frage auf, wie und ob Medien einen Einfluss auf das verhalten von Men-
schen haben.
Vor allem nach Amokläufen oder anderer Gewaltaten von jugendlichen wird die
Schuld dafür oft bei den Medien gesucht. Als Beispiel sei hier der Amoklauf
von Eschede genannt.
Ein 19 jähriger Mann tötete in seiner ehemaligen Schule 16 Menschen un
brachte sich danach selbst um. In der anschließenden Ermittlung wurden unter
anderem bei ihm gefundene Gewaltfilme und Computerspiele (z.B. Counterstri-
ke) als Grund für den Amoklauf genannt.
Viele Leute vertreten die Ansicht, dass mediale Gewalt auch zu Gewalt im rea-
len leben führt.
Doch stimmt das?
Was besteht für ein Zusammenhang zwischen Gewalt in Medien und Gewalt in
der realen Welt?
Hat die mediale Gewalt eine stimulierende Wirkung oder hat sie eher den
gegenteiligen Effekt, nämlich den der Abschreckung vor dem Ausführen von
Gewalt?
Zu diesen Fragen gibt es ein breites Spektrum an Literatur, in der Studien und
Analysen vorgestellt, Thesen gebildet und Schlussfolgerungen gezogen wer-
den.
In dieser Arbeit wird eine Auswahl der Theorien zur Wirkung medialer Gewalt,
sowie dazu gehörender Experimente vorgestellt. Darauf folgend wird Gewalt im
TV und in Computerspielen näher betrachtet.
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2. Definition: Gewalt
Kleiter schreibt dazu, dass Gewalt als ,,Durchsetzung eigener Ziele gegen den
Willen eines anderen"
1
definiert ist.
Im Gegensatz zu unserer Gesellschaft, die Gewalt hauptsächlich als zufügen
physischer Schmerzen ansieht, bedeutet dies sowohl das zufügen physischer
Schmerzen (mithilfe von z.B. Schlägen oder Waffen) als auch psychischer Ge-
walt in Form von Drohungen, Beleidigungen und der gleichen.
Theunert beschreibt dies als ,,Manifestation von Macht und/oder Herrschaft,
mit der Folge und/oder dem Ziel der Schädigung des Einzelnen oder Gruppen
von Menschen."
2
Gewalt wird weiterhin in zwei verschiedene Arten eingeteilt: die personelle und
die strukturelle Gewalt. Kunczik schreibt hierzu:
,,Fast alle Untersuchungen befassen sich mit (direkter) personeller Gewalt, wo-
runter die beabsichtigte physische und psychische Schädigung einer Person,
von Lebewesen und Sachen durch eine andere Person verstanden wird.
(indirekte) strukturelle Gewalt ist die einem sozialen System inhärente Gewalt,
die sich vollzieht, ohne dass ein Akteur sichtbar sein muss und ohne dass sich
die Opfer struktureller Gewalt dessen bewusst sein müssen."
3
Mediale Gewalt wiederum, lässt sich in zwei Gruppen spalten, Kunczik bezieht
sich dabei auf Hans Mathias Kepplinger und Stefan Dahlem:
,,Unter der Darstellung realler Gewalt wird dabei die Präsentation von Verhal-
tensweisen verstanden, die physische und psychische Schädigung beabsichti-
gen oder bewirken.
Die Darstellung fiktionaler Gewalt bedeutet demgegenüber die Präsentation
von Verhaltensweisen, die dies nur Vorgeben."
4
Man unterscheidet also zwischen der Gewalt, die z.B. in Nachrichten gezeigt
wird, die Gewalt also, die Gewalttaten mit einem reallen Hintergrund zeigt und
der Gewalt in z.B. Spielfilmen, die auf einem fiktionalen Hintergrund basiert.
Weiterhin kann man Mediale Gewalt in natürliche (,,lebensechte Präsentation
(Realfilm)"
5
) und künstliche (artifizielle Präsentation (Zeichentrickfilme usw.)"
6
)
Darstellungsformen unterteilen.
1 Kleiter, Ekkehard F.: Film und Aggression - Aggresionspsychologie, Weinheim 1997, S.9
2 Theunert, H.: Gewalt in Medien - Gewalt in der Realität, München 1996, S.59
3 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. URL:
http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/redaktion/PDF-Anlagen/medien-gewalt-befunde-der-
forschung-sachbericht-langfassung,property=pdf,bereich=bpjm,rwb=true.pdf, 20.01. 2008. S.7
4 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. URL:
http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/redaktion/PDF-Anlagen/medien-gewalt-befunde-der-
forschung-sachbericht-langfassung,property=pdf,bereich=bpjm,rwb=true.pdf, 20.01. 2008. S.7
5 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. URL:
http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/redaktion/PDF-Anlagen/medien-gewalt-befunde-der-
forschung-sachbericht-langfassung,property=pdf,bereich=bpjm,rwb=true.pdf, 20.01. 2008. S.7
6 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. URL:
http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/redaktion/PDF-Anlagen/medien-gewalt-befunde-der-
forschung-sachbericht-langfassung,property=pdf,bereich=bpjm,rwb=true.pdf, 20.01. 2008. S.7
(Im folgenden zitiert als: Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung
seit 1998. 2004 (Seitenangaben beziehen sich auf die Seite im PDF))
5
3. Theorien zur Wirkung Medialer Gewalt
In der Öffentlichkeit wird viel darüber spekuliert, wie und ob mediale Gewalt
Menschen beeinflusst. Meist wird dabei die Meinung vertreten, dass die Gewalt
in Medien zu einem aggressiveren Verhalten führt.
Es gibt mehrere Studien und Meta-Analysen, die sich mit diesem Thema be-
schäftigen. Bassierend auf diesen Studien und Analysen wurden mehrere The-
orien aufgestellt, von denen einige im folgenden Teil dieser Arbeit vorgestellt
werden.
3.1 Katharsistheorie
,,Die Katharsishypothese erwartet eine Abnahme des aggressiven Verhaltens
nach Konsum von Film-Gewalt...".
7
Man kann diese Theorie bis auf Aristoteles
zurückführen, der Katharsis ,,die homöopathische Reinigung der Affekte" de-
finierte.
8
,,Bei der ,,Katharsis-" oder Reinigungshypothese" wird angenommen,
dass das Sehen von aggressiv-gewalttätigen Handlungen (z.B. in Filmen im
Fernsehen oder auf Videos) beim Betrachter eine Art von Seelenreinigung, d.h.
ein stellvertretendes Abfliessen eigener aggressiver Impulse bewirke. Folge sei
eine Abnahme der Aggressionen."
9
Seymor Feshbach führte 1961 einen Versuch zu dieser Theorie durch. Dabei
bekamen Versuchspersonen einen Boxkampf und einen Film über die Kon-
sequenzen von Gerüchteverbreitung in einer Fabrik zu sehen. Die hälfte der
Versuchspersonen wurde dabei vor dem zeigen des Filmes verärgert und somit
in eine aggressivere Grundstimmung versetzt.
Die Zunahme bzw. die Abnahme aggressiven Verhaltens wurde an der Häufig-
keit aggressiver Assoziationen auf Stimuluswörter geprüft.
Dieser Versuch führte zu folgendem Ergebniss:
Die verärgerten Versuchspersonen zeigten nach dem Boxkampf weniger Ag-
gressionsbereitschaft und es trat somit ein kathartischer Effekt auf.
Bei den nicht verärgerten Personen traten nach dem Boxkampf stimulierende
Effekte auf, d.h. sie waren aggressiver als zuvor.
Feshbach kam somit zu dem Schluss, dass das beobachten gewalttätiger
Handlungen zu einer Verminderung des Aggressionstribes führen.
Dieser Versuch wies laut Kleiter aber einige Mängel auf: ,,z.B. Aggressionsgrad
in der Experimentalgruppe gerade kleiner als in der Kontrollgruppe; keine Expli-
zite Aggressionsmessung der gezeigten Filme, viel zu kurzer Einfluss (...)"
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Feshbach selbst, stellte 1989 fest: ,,die Ergebnisse zeigen mir, dass die Bedin-
gungen, unter denen eine Katarsis auftreten kann, nicht alltäglich sind, wäh-
rend die aggressionsfördernden Bedingungen häufiger vorkommen."
11
7 Kleiter, Ekkehard F.: Film und Aggression - Aggresionspsychologie, Weinheim 1997, S.61
8 vgl. Kunczik, Michael: Gewalt und Medien, 4. aktualisierte Aufl., Köln, Weimar, Wien 1998,
S.20
9 Kleiter, Ekkehard F.: Film und Aggression - Aggresionspsychologie, Weinheim 1997, S.61f
10 Kleiter, Ekkehard F.: Film und Aggression - Aggresionspsychologie,Weinheim 1997, S.62
11 Feshbach, 1971, zitiert in Kunczik, Michael: Gewalt und Medien, 4. aktualisierte Auflage.
Köln, Weimar, Wien 1998, S.72
6
3.2 Inhibitionsthese
Als folge der Katharsistheorie wurde die Inhibitionsthese entwickelt. Diese liegt
vorallem den Thesen von Ekkehard F. Kleiter (1997) zugrunde.
Es wird dabei angenommen, ,,dass die Betrachtung von medialer Gewalt - ins-
bessondere bei nachdrücklicher Präsentation negativer Konsequenzen - einen
abschreckenden und hemmenden Effekt hat."
12
3.3 Habitualisierungsthese
Die Habitualisierungsthese beruht auf der Annahme, dass durch die wiederhol-
te Betrachtung von Gewaltszenen in Medien ,,dazu führen, dass die Empathie-
fähigkeit, d.h. v.a. das Mitgefühl mit den Opfern von Gewalt abnehme, Gewalt
als normales Alltagsverhalten und als geeignetes Konfliktlösungsmittel betrach-
tet werde, d.h. die Toleranz für Gewalt steige und die Hemmschwelle zur eige-
nen Gewaltausübung sinke"
13
Kunczik und Zipfel kritisieren aber, ,,dass die zentrale Problematik der For-
schung zur Habitualisierungsthese darin besteht, dass die wiederholte Betrach-
tung von TV-Gewalt in verschiedenen Studien sehr unterschiedlich operationa-
lisiert wurde."
14
Aufgrund der unterschiedlich durchgeführten Studien kommen sie also zu dem
Schluss, dass die aus den Studien bekannten Ergebnisse ,,als bruchstückhaft
und widersprüchlich bezeichnet"
15
werden müssen.
3.4 Suggestionsthese
Hierbei wird davon ausgegangen, ,,dass die Beobachtung von Mediengewalt
Rezipienten zur Nachahmung reize."
16
Diese These ist sehr umstritten. Man glaubt zwar, dass gewisse Nachahmun-
gaseffekte auftreten können, welche aber auch von individuellen Umständen
und dem sozialen Umfeld beeinflusst werden, ,,die nur äußerst selten in einer
Konstellation zusammentreffen, dass es zu Gewalttaten nach medialem Vorbild
kommt"
17
Kunczik verneint diese These abschliessend vollständig:
,,In jedem Fall beschreibt die Suggestionsthese eher ein Phänomen als den
dahinterstehenden Mechanismus, der schon deshalb komplexer sein muß als
eine reine Suggestion bzw. Imitation, da er offenbar nur bei sehr wenigen Per-
sonen unter bestimmten Bedingungen zum Tragen kommt."
18
12 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. S 14
13 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. S 15
14 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. S 15
15 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. S 15
16 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. S 16
17 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. S 16
18 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. S 16
7
3.5 Lerntheorie
Vertreter dieser Theorie sind der Ansicht, ,,dass aggressives Verhalten auch
über das Prinzip der Nachahmung (Imitation) durch die Beobachtung von
aggressiven Verhaltensweisen einer Vorbildperson (eines ,,Modells") erworben
werden kann."
19
1961 starteten Bandura, Ross und Ross ein Experiment, bei dem drei Gruppen
von Kindern untersucht wurden. Die erste Gruppe beobachteten einen Erwach-
senen, der eine Puppe gegenüber gewaltätiges und aggressives verhalten zeig-
te. Die zweite Gruppe sahen einen Erwachsenen der nicht-aggressive Handlun-
gen gegenüber der puppe ausführte. Die dritte Gruppe schließlich beobachtete
nichts und diente als Kontrollgruppe.
Nach dem Beobachten wurden die Kinder mit der Puppe allein gelassen. Dabei
zeigte sich, das Kinder der ersten Gruppe vermehrt aggressive Handlungen
gegenüber der Puppe ausführten.
Nach Kleiter ,,kann davon ausgegangen werden, dass ein Lernen von aggres-
siven Verhaltensweisen durch Beobachtung und Imitation eines aggressiven
Modelles stattfindet."
20
Nach einem weiteren, etwas abgeänderten Experiment kamen Bandura, Ross
und Ross 1963 zu folgender Feststellung:
,,Das Beobachten aggressiven Verhaltens von Modellpersonen in Filmen (als
Mensch oder als Zeichentrickfigur) erhöht die Wahrscheinlichkeit, bei späte-
rer Frustration die gleichen oder auch andere aggressive Verhaltensweisen zu
zeigen."
21
3.6 Stimulationstheorie
Bei der Stimulationsthese wird davon ausgegangen, ,,dass eine bereits vorhan-
dene Aggressionsdisposition bzw. Aggressivität (entstanden durch Erziehung
und Gesellschaft) lediglich (...) durch sehen von TV-Gewalt im Sinne eines
Katalysatoreffekts ausgelöst, gebahnt, vermittelt, enthemmt (...) oder legitimiert
und dann ausgeführt wird."
22
Dies würde also bedeuten, dass Gewalt im Fernsehen eine stimulierende Wir-
kung auf den Betrachter hat und seine aggressions-Bereitschaft fördern würde.
,,Ein Nachweis des Stimulationsmechanismus ist aufgrund methodischer Män-
gel durch die Studien von Berkowitz und auch durch spätere Studien noch
nicht eindeutig erbracht worden."
23
19Kleiter, Ekkehard F.: Film und Aggression - Aggresionspsychologie,Weinheim 1997, S.63
20Kleiter, Ekkehard F.: Film und Aggression - Aggresionspsychologie,Weinheim 1997, S.63
21 Bandura, A., Ross, D. & Ross, S.A. 1963, zitiert in Kleiter, Ekkehard F.: Film und Aggression -
Aggresionspsychologie,Weinheim 1997, S.66
22 Kunzik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004, S.17
23 Kunzik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004, S.17
8
4. Gewalt im TV
Das Fernsehen ist in unserer Gesellschaft zu einem wichtigen Medium gewor-
den. Die Mehrheit aller Haushalte besitzt mindestens ein TV-Gerät und viele
Kinder und Jugendliche haben bereits einen TV-Gerät in ihrem Zimmer.
Ob es sich nun um Nachrichten, Spielfilme oder Zeichentrickfilme handelt, viele
Sendungen sind von Gewaltszenen und aggressiven Handlungen geprägt.
Kleiter schreibt dazu folgendes:
,,Unter Bezug auf Groebel & Gleich /1993) und Merten (1993) fasst Gleich
(1995, S161) seine Analyse des Gewaltangebots im Fernsehen mit den Worten
zusammen: ,Insgesamt zeigen die inhaltsbezogenen Studien, dass Gewalt im
Fernsehen ,,an der Tagesordnung" ist.
24
Dazu ein paar Fakten:
,,48% aller TV-Sendungen enthalten mindestens eine aggressive Szene.
Die TV-Sendungen enthalten
pro Tag:
70 Morde
pro Woche: 2745 Gewaltszenen
Ein 12jähriger ist Zeuge von 14 000 Morden gewesen.
Davon: 20% im Vorabendprogramm zwischen 18-20 Uhr (Groebel 1992)
USA: Das durchschnittliche Kind sieht bis zum 18. Lj.
200 000 Gewalttaten, darunter 25 000 Morde."
25
Zu der Frage, ob die gezeigte Gewalt eine aggressionsfördernde Wirkung be-
sitz, gibt es mehrere Langzeitstudien, die zu dem Schluss kommen:
,,Die bislang erzielten Befunde sprechen z.T. dafür, dass der Konsum von Me-
diengewalt langfristig zu negativen Auswirkungen auf das Verhalten führen
kann."
26
Gewalt im Fernsehen kann demnach aggressives Verhalten fördern oder gar
erzeugen, doch kommen Experten aufgrund mehrerer Meta-Analysen zu fol-
gendem Ergebniss:
,,Der Beitrag von Mediengewalt zur Erklärung des Gewaltverhaltens beträgt
höchstens 9%, wobei allerdings zu beachten ist, dass diesem Befund auch
einige methodisch nicht einwandfreie Studien zugrunde liegen."
27
Man kann also davon ausgehen, dass Gewalt im TV die aggressions- und Ge-
waltbereitschaft von manchen Menschen zwar erhöhen kann, aber die meisten
gewalttätigen Handlungen auf viele andere Einflußfaktoren zurückzuführen
sind.
24 Kleiter, Ekkehard F.: Film und Aggression - Aggresionspsychologie,Weinheim 1997, S.22
25 Kleiter, Ekkehard F.: Film und Aggression - Aggresionspsychologie,Weinheim 1997, S.22
26 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. S.224
27 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. S.228
9
5. Gewalt in Computerspielen
,,Eine weitere Mediengattung, die in letzter Zeit in der Medien- und Gewaltfor-
schung vermehrte Aufmerksamkeit findet, sind Computerspiele. (...) ,,
28
In Haushalten in Deutschland befinden sich nach angaben des ,,Verbandes der
Unterhaltungssoftware Deutschland e.V. (2003) 2003 ca. 10 Mio. Spielekon-
solen, auf die etwa 19 Mio. Personen ab 10 Jahren zugreifen konnten. 2003
wurden in Deutschland ca. 26 Mio. PC-Spiele und 16 Mio. Konsolenspiele
verkauft."
29
Dem sei noch anzumerken, dass heutzutage nahezu jedem Haushalt ein PC
(und somit die Möglichkeit um PC-Spiele zu spielen besteht) zur Verfügung
steht, und viele Jugendlichen einen eigenen PC besitzen.
Dabei ist bei jugendlichen das Spielen von Computerspielen die vorrangige
Beschäftigung am PC:
,,70% der PC-Nutzer gaben an, alleine 53% mit anderen gemeinsam mindes-
tens einmal wöchentlich Computerspiele zu spielen."
30
Weiterhin heißt es im Projektbericht von Kunczik und Zipfel:
,,Insgesamt lässt sich festhalten, dass Computerspiele eine mittlerweile weit
verbreitete Freizeitbeschäftigung sind ..."
31
Da das spielen am PC offensichtlich einen großen Anteil der Mediennutzung
vieler Personen ausmacht muss man auch den Inhalt von Computerspielen auf
gewalttätigen Inhalt untersuchen:
Computerspiele sind in mehrere Generes unterteilt, von denen die verbreitets-
ten Strategie-, Action-, Simulations-, Sport-, Rollen- und Jump´n Run-Spiele
sind. Eine Einteilung in Spiele mit Gewalttätigem Inhalt und welchem ohne lässt
sich aufgrund dieser Generes nicht treffen.
Daher gibt es eine reihe von Studien, die sich mit dem Auftreten von Gewalt in
Computerspielen beschäftigen.
Laut einer Studie von Lisbeth Schierbeck und Bo Carstens (1998), die 338
Spiele untersuchten, von denen ,,53% der Spiele violente Inhalte aufwiesen."
32
,,Das Opfer der Gewalt war zumeist ein menschliches Wesen (...) aber auch
häufig ein unbelebtes Objekt (...)."
33
Man kann also erkennen, dass Gewalt eine große Rolle in Computerspielen
darstellt.
Doch ist man in der gewalt- und aggressionsfördernden Wirkung von Compu-
terspielen bisher noch unsicher.
Kunczik und Zipfel schreiben dazu, dass Computerspiele eine ,,noch stärke-
re negative Auswirkung als beim Fernsehen befürchten lassen. Die bisherige
Forschung hat zwar Hinweise auf negative Wirkungen im Bereich von Kogniti-
on, Emotion und Verhalten erbracht, die Forschung ist bislang allerdings (...) in
ihren Befunden zu widersprüchlich und insgesamt mit zu vielen Mängeln behaf-
tet, um zu eindeutigen Aussagen zu gelangen."
34
28 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. S.298
29 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. S.229
30 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. S.232
31 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. S.236
32 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. S.238
33 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. S.238
34 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. S.298
10
6. Fazit
Nach der Betrachtung des Standes zur Medienforschung gelangt man zu dem
Schluss, dass sich die Wirkung von medialer Gewalt zur Zeit nicht eindeutig
beschreiben lässt.
Es gibt eine fülle von Studien zu diesem Thema, doch sind diese oft wider-
sprüchlich und nicht eindeutig interpretierbar. Kunczik schreibt hierzu, ,,daß
nicht selten der Untersuchungsfragen nicht angemessene Methoden zum Ein-
satz kommen und für die Analyse neuer Fragestellungen
notwendige methodische Adaptionen und Neuentwicklungen zu
wenigstattfinden."
35
Die meisten der Studien gehen aber mittlerweile davon aus, dass man mediale
Gewalt nicht als Ungefährlich ansehen kann.
Medien wirken nicht auf jeden gleich. es ist gut möglich, dass mediale Gewalt
bestimmte Personengruppen zu aggressiven verhalten ermutigt andere aber
eher abschreckt.
,,Nicht alle Medieninhalte wirken gleich, und nicht jeder Mediennutzer ist in glei-
cher Weise von potentiellen Gefahren der Mediengewalt betroffen"
36
In der Gewalt in der realen Welt spielen viele andere Faktoren, wie das Verhält-
niss zur Familie, die Situation in der Schule sowie andere Soziale, Gesellschaft-
liche und psychologische Faktoren eine Rolle. Nach Kunczik und Zipfel stellt
die Mediengewalt ,,nur einen Faktor innerhalb eines komplexen Bündels von
Ursachen für die Entstehung gewalttätigen Verhaltens dar."
37
Auch sei abschließend noch angemerkt: Gewalttaten und aggressives verhal-
ten haben sich nicht erst seid dem auftreten von Massenmedien entwickelt.
Schon in der Antike wurden kriege geführt und Morde begangen.
35 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. S.260
36 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. S.261
37 Kunczik, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998. 2004. S.261
11
7. Literaturverzeichnis
Kleiter, Ekkehard F.: Film und Aggression - Aggressionspsychologie, Weinheim
1997
Kugnzic, M. / Zipfel A.: Medien und Gewalt. Befunde der Forschung seit 1998.
2004. URL: http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/redaktion/PDF-Anlagen/
medien-gewalt-befunde-der-forschung-sachbericht-langfassung,property=pdf,
bereich=bpjm,rwb=true.pdf, 20.01.2008
Kunczik, Michael: Gewalt und Medien, 4. aktualisierte Auflage. Köln, Weimar,
Wien, 1998, S.20
Informationen zur politischen Bildung: Massenmedien; Nr. 260, Bundeszentrale
für politische Bildung 1998, S.49
Theunert, H.: Gewalt in Medien - Gewalt in der Realität, München 1996, S.59
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