dieser Zeit. Sie war der Ausdruck der Suche aller Romantiker nach einem geistigen und gesellschaftlichen Zentrum. Die neue literarische Strömung versuchte alle geistig-literarischen Strömungen aufzunehmen, die im 18. Jahrhundert in Weiderspruch zum absolutistischen Staat und französischem Klassizismus standen 4
Wenn man über die Romantik spricht, so sollte eine genaue Eingliederung dieser Zeit in Betracht genommen werden. Die erste und für die Analyse der Werke wichtigste Zeit, war die Frühromantik, welche auf die Jahre 1797-1801 zurüchgeht und auch Universalromantik genannt wurde. Diese hatte ihren Ursprung in der Stad Jena. Die Hauptvertreter dieser Zeit waren die Brüder August Wilhelm und Friedrich Schlegel, Friedrich Wilhelm Schelling und die beiden Dichter Ludwig Tick und Novalis 5 . Danach folgte die Hochromantik, auch als Heidelbergerromantik bekannt und in den Jahren 1805- 1814 zu datieren. Hierbei sollten der Dichter Heinrich von Kleist, Clemens Brentano und Achim von Arnim erwähnt werden 6 . Nach dieser Zeit folgte nun die Spätromantik bis hin zum Jahre 1853 7 . Zu den großen Gefühlsschwärmern dieser Zeit gehörten untrer anderen der Dichter Ernst Theodor Amadeus (E.T.A.) Hoffmann, Freidrich de la Motte-Fouqué, Adelbert von Chamisso, Jacob und Wilhelm Grimm sowie Joseph Freiherr von Eichendorff .
Nachdem die so sinnlich gestimmte Epoche nun zeitlich bestimmt ist, wird es nun Zeit ihre typischen Merkmale aufzuzeigen. Der Frühromantiker lebt mit dem Hier und Jetzt im Unfrieden. Typisch für ihn ist die Suche nach dem Anderswo, ganz nach dem Motto „Dort wo ich nicht bin, ist das Glück“. Die Welt gleicht einem mit Hilfe von Alkohol und Opium künstlich geschaffenem Paradiese. Selbst Tabuthemen wie sexuelle Tabus oder das Tabu des Selbstmordes werden Teil der frühromantischen Wirklichkeit. Ein Ausweg daraus scheint die Flucht aus der Wirklichkeit und das überaus intensive Interesse an einer individuell gelebten Religion. Dieses resultiert auch im erhöhten Verständnis für mystische Randerscheinungen. Durch die für die Frühromantik typische Ironie wird alles Gegebene hinterfragt, wobei man oftmals Zeuge einer zuvor durch den Dichter und seine Phantasie geschaffenen Illusion wird, die zum Schluß von ihm selbst einfach zerstört wird 8 . Des weiteren können wir von einer Teilung der Welten sprechen. Wobei es einerseits die Realität gibt und andererseits eine sehr bildhafte und oft imaginäre Welt der Gefühle. An Bedeutung gewinnt das Nichtwirkliche, welches sehr oft in Träumen oder versteckten Sehnsüchten zur Geltung kommt und durch eine
4 Meyers kleines Lexikon „Literatur“, Meyers Lexikonverlag, Zürich 1986, S. 358
5 vgl. Bär Jochen, „Sprachreflexion der deutschen Frühromantik“, walter de Gruyter 1999, S.20
6 Zirbs Wieland, „Literatur Lexikon“, Cornelsen Verlag, Berlin 1999, S. 311
7 http://www.puk.de/turjalei/romantik.htm (05.06.2008)
8 vgl. Kabisch Eva-Maria, „Literaturgeschichte Kurzreferat“, Klett Schulbuchverlag, 1997, S.20
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verschlüsselte und undurchschaubare Sprache dem Leser nahe gelegt wird. Die Frühromantik versteht es den Leser durch Unklarheit und Uneindeutigkeit Platz für Eigenerdachtes zu lassen. Ziel dieses Vorgehens ist die Welten des Unterbewustseins aufzuspühren und dadurch die Geheimnisse der Seele aufzudecken, mit welchen die Literatur bereichert werden soll. Durch die Phantasie und das Gemüt sollte die Dichtung mit Leben erfüllt werden. Hauptstreben war es, die triste Wirklichkeit und den schwierigen Alltag durch Poesie zu bezaubern und damit die Zustände zu überwinden. Das oft in den Werken dargestellte Menschenideal irrt als sehsuchtsvolles und verträumtes Wesen mit dem höchsten Zweck das Leben zu genießen. Somit sind die romantischen Helden oft recht eigenartige Menschen, welche für das praktische Leben unbrauchbare, aber mit reichen individuellen und psychologisch interessanten Zügen ausgestattet worden sind. Ein weiterer Aspekt ist die Naturpoesie. Wenn man aber nach genauen Naturbeschreibungen sucht, so ist die Romantik sicherlich kein guter Platz dafür. Die Beobachtung der Natur wurde lediglich auf die gefühlsmässige Fassung reduziert. Der Naturmensch ist in der Frühromantik ein von der Zivilisation unberührtes Wesen, jedoch stark an das Sinnliche gebunden. Nicht die Gegenstände der Natur sind relevant, sondern lediglich der Geist der Poesie in ihnen. Was den Aufbau der Frühromantischen Werke angeht, so hat man stets das Gefühl ein unvollendetes Werk vor Augen zu haben. Das Fragment ist Teil der „Frühromantischen Philosophie“, welche dieses als Symbol der Grenzenlosigkeit, des Werdens verstehen lässt, ganz nach dem Sinn Schlegels, der die romantische Peosie den anderen Dichtarten vorzieht, da diese wenn auch bereits fertig nun vollständig zergliedert werden können 9 . Das Fragmentarische soll die Unendlichkeit und Ewigkeit definieren 10 . Das was die Romantiker fordern, ist die Vermischung der Gattungen.
„Poesie und Prosa, Genialität und Kritik, Kunstpoesie und Natupoesie bald mischen, bald
verschmelzen, die Poesie lebendig und gesellig, und das Leben und die Gesellschaft poetisch machen(...)“ 11 .
Poesie ist hier als Literatur zu verstehen, Prosa ist Altagssprache, als Kritik meint Schlegel die Selbsteinschätzung und als genial versteht man das, was gesagt und gleich efragt wird. Der Erzählfluss der Texte scheint nicht vollständig - bruchstückhaft, stets gerät man an eine Unterbrechung welche durch das Einfügen kurzer Subtexte, wie Märchen oder Erinnerungen fortgesetzt wird. Dem Dichter Friedrich Schlegel geht aber auch weiter indem er in seinem
9 Herbert Uerlings,“Teorie der Romantik”, Philipp Reclam jun. Stuttgart 2000
10 vgl. Schlosser Horst Dieter, Dtv-Atlas zur deutschen Literatur“, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1983, S. 183
11 ebenda
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116. Athenäums-Fragment, das 1798 mit anderen Fragmenten in der Zeitschrift Athenäum erschien, seine „progressive Universalpoesie“ verschlüsselt 12 . Die Zeitschrift beinhaltete „...überhaupt Alles, was sich durch erhabene Frechheit auszeichnete und für alle anderen Journale zu gut wäre“ 13 .
In dieser Zeitschrift zeigte sich das Experimentieren mit Gedanken und Fragmenten. Auch Friedrich von Hardenberg (Novalis) beteiligte sich an der Entstehung der Zeitschrift. Seine „Blüthenstaubfragmente“ überließ er Schlegel zum Einstreuen zwischen dessen eigene Fragmente. Selbst Novalis nannte seine Fragmente „Bruchstücke des fortlaufenden Selbstgesprächs in mir“. Der Leser wird durch die unabgeschlossene Form des Fragments aufgefordert den Inhalt schöpferisch nachzuvollziehen und weiterzudenken. Auch in dem berühmten 116. Athenäumsfragment tastet man sich an eine Reihe von Fragmenten. Nicht nur das Fragment, welches Teil der „Progressiven Universalpoesie“ Schlegels wurde, sollte für Unendlichkeit stehen. Er betont die Bedeutung indem er die Progressivität mit einbezieht. Schlegel versteht diese als Fortschritt, als etwas niemals endendes. An Kraft gewinnt der Titel ein zweites Mal mit dem Umtaufen der Poesie zur Universalpoesie. Anders gesagt, soll diese als eine im universumweiten Raum vorhandene, sich auf die kosmische Sphäre geöffnete Dichtung verstanden werden. Das Symbol der Harmonie des Universums beschreibt Schlegel in einer der wichtigsten ästhetischen Schriften der Frühromantik „Das Gespräch über die Poesie“. Diese enthält den „Brief über den Roman“, welcher nicht nur über die neue Form des Romans besagt, sondern auch die Sentimentalität erweckt. Er ist der Ansicht die ideale Form des Romans müsse eine Mischform sein. „Ja ich kann mir einen Roman kaum anders denken, als gemischt aus Erzählung, Gesang und anderen Formen." Vorbild für diese Denkweise solle wohl Cervantes' „Don Quixote“, eine Mischform aus Novellen und Gedichten gewesen sein.
Was Schlegel in seiner Unendlichkeit sucht, ist auch dem wohl bedeutendsten Dichter Georg Philipp Friedrich Leopold von Hardenberg- NOVALIS gut bekannt. Für Novalis war die romantische Poesie Ausdruck des innersten Wesens, Aussage seiner tiefsten Gedanken, die sich nach dem Geheimnisvollen und Wunderbaren sehnten. Der Meister hielt das Dichten für eine nicht für jeden erschwingliche von Gott geschenkte Gabe, die nur der Jenige kritisieren dürfe, der es selbst bessser machen könne 14 . Novalis sollte nicht nur aufgrund seines
12 Schmitt Hans-Jürgen, „Die deutsche Literatur in Text und Darstellung“ Romatik I, Philipp Reclam jun. Stuttgart 1993, S.10
13 Baumann Barbara, „Deutsche Literatur in Epochen”, Max Hueber Verlag, München 1985, S.128
14 www.onlinekunst.de/mai/Novalis_bio.htm (06.06.2008)
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Lebenslaufes als großer Romantiker gesehen werden, jedoch auch als solcher nach dem Entstehen seines Werkes „Hymnen an die Nacht“ geehrt werden. Seine Hymnen geben einer tiefen Sehnsucht nach einer höheren Welt oder der Ewigkeit den Ausdruck. Der Tag und die Nacht spielen dabei die Hauptrolle. Das Dunkle in der Nacht verwandelt sich zum Gegenstück des klaren, nüchternen Tages und wird zum romantischen Symbol des Mysteriösen und Tödlichen als Lösung für die Sprängung jeglicher Grenzen und Beginn für das Leben im Jenseits. Eine sehr wichtige Rolle behält dabei die Musik, die sich regelmässig während des Wechsels von Prosaform zur Versform zeigt und die Sphären zwischen Leben und Tod verflechtet. Die Nacht erhält die Rolle der Erlösung, Befreiung und Vereinigung mit der Geliebten, eine Empfindung überirdischer „Lieb und Seligkeit“. Nacht und Tod werden zu einem heiligen Mysterium, indem sich die Seele und Gott begegnen.
„Abwärts wend ich mich zu der heiligen, unaussprechlichen, geheimnisvollen Nacht. Fernab liegt die Welt- in eine tiefe Gruft versenkt - wüst und einsam ist ihre Stelle. In den Saiten der Brust weht tiefe Wehmut. In Tautropfen will ich hinuntersinken und mit der Asche mich vermischen. - Fernen der Erinnerung, Wünsche der Jugend, der Kindheit Träume, des ganzen langn Lebens kurze Freuden und vergebliche Hoffnungen kommen in grauen Kleidern, wie Abendnebel nach der Sonne Untergang. In andern Räumen schlug die lustigen Gezelte das Licht auf. Sollte es nie zu seinen Kindern wiederkommen, die mit der Unschuld Glauben seiner harren? ... Preis der Weltkönigin, der hohen Verkündigerin heiliger Welten, der Pflegerin seliger Liebe- sie sendet mir dichzarte Geliebte - liebliche Sonne der Nacht, -nun wach ich - denn ich bin Dein und Mein- du hast die Nacht mir zum Leben verkündet - mich zum Menschen gemacht - zehre mit Geisterglut meinen Leib, daß ich luftig mit dir
inniger mich mische und dann ewig die Brautnacht währt ... 15 “
In den „Hymnen an die Nacht“ kommt die Idee einer universalen Mittlerreligion zum Vorschein 16 . Dadurch soll gezeigt werden, dass es zwischen dem Menschen und dem Göttlichen stets einen Mittler gibt. Wobei die 3. Hymne diese Rolle der verstorbenen Geliebten verleit, die christliche Religion jedoch Christus als Mittler bevorzugt. Die Begeisterung für die Nacht zeigte auch E.T.A. Hoffmann in seinem „goldenen Topf“, wo er die „Vigilien“in Nachtwachen unterteilte. Der nüchterne Tag und das grelle Licht wurden dabei durch das Phänomen Nacht ausgelöscht, was betonen sollte, dass der Blick auf das Wunderbare nicht durch äußere Reize gestört werden solle. So kann sich der romantische Träumer ungestört seinen erlösenden, poetischen Phantasien hingeben. Hoffmann zeigt aber auch die Kehrseite der nächtlichen, verderblichen Mächte und der dämonischen Traumwelt des Abenteuerlichen und Wahnsinnigen, was vor allem in seinem Roman „Elixiere des Teufels“ und in den Erzählungen „Nachtstücke“deutlich erkennbar ist 17 .
15 http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=1968&kapitel=2&cHash=3b9c9487672#gb_found (08.06.2008)
16 www.wikipedia.org/wiki/Novalis (08.06.2008)
17
http://gutenberg.spiegel.de/index.php?id=5&xid=577&kapitel=8&cHash=1&hilite=die%20elixiere%20des%20t eufels#gb_found (08.06.2008)
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Hoffmanns „Elixiere des Teufels“ werden das zu Hause von zahlreichen Motiven, die in der modernen Psychoanalize wieder auftauchen. So kann etwa der Verlust des Schattens, als Ich-Verlust oder Ich-Spaltung gedeutet werden. Dieses letztendlich als Doppelgängermotiv zu verstehende Element hat bei Hoffmann auch einen biografischen Hintergrund und bietet des weiteren alle Möglichkeiten einer Verwechslungsgeschichte. Das Verwirrspiel hält zum einen den Leser in Spannung, zum anderen aber weiß man bald nicht mehr, was für die Romanfiguren erlebte Realität und was fiktive Einbildung ist, kann dieses aber bereits durchaus als oft vorkommendes und typisch romantisches Element identifizieren.
Als weiteres romantisches Symbol und zwar, das für die Auflösung der Unruhe zwischen Vergangenheit und Gegenwart, wird die für die Romantik typische „blaue Blume“ gesehen, auf dessen Suche sich der Titelheld Novalis begiebt in dem Werk „Heinrich von Ofterdingen“.
Die Unerreichbarkeit der blauen Blume, die Unerfüllbarkeit der Sehnsucht und das damit verbundene ewige Streben werden Teil des romantischen Denkens, dessen Ziel eine Vereinigung mit dem Kosmos zu scheinen mag. Einer der berühmtesten Träume der romantischen Literatur beginnt mit der Beschreibung des Dämmerszustandes indem Realität und Imagination ineinander verfliessen.
„Der Jüngling verlor sich allmählich in süßen Fantasien und entschlummerte“ 18
Der anschließende Traum ist eine Mischung aus Kampf und Gefahr, Liebe und Trennung, Tod und Rüchkehr in das Reich des Lichts und wird zu einem Initiationstraum 19 . Was auch immer dem Hauptheld zustossen wird, darf er durch seinen Traum erahnen. Neben den Bildern des Traums offenbaren sich dem Haupthelden die geheimnisvollen Kräfte der Natur. Ohne die Träume, so weiß Heinrich, ganz nach dem romantischen Vorsatz,
„würden wir gewiß, und so kann man den Traum, wenn auch nicht als unmittelbar von obem gegeben, doch als 20 .
eine göttliche Mitgabe, einen freundlichen Begleiter auf der Wallfahrt zum heiligen Grabe betrachten“
Der Dichter befaßte sich mit dem Phänomenen des Traumes und der Vision (dem „Säuseln des Geistes, welches in der Mitte der innigsten und höchsten Gedanken wohnt“) 21
18 Novalis „Werke, Tagebücher und Briefe“, Hans Joachim Mähl und Richard Samuel, München 1978, S.241
19 Alt Peter Andre, Leiteritz Christiane „Traum-Diskurse der Romantik“ Walter de Gruyter Berlin, 2005, S.3 20 Novalis „Werke“, Bd.1 S.244
21 Glaser Hermann, Lehmann Jakob, „Wege der deutschen Literatur“, Propyläen Taschenbuch, Berlin 1997, S.216
6
Bei Novalis entfalten sich Todeserlebnis, Todessehnsucht und Offenbarung der Wahrheit im Traum zu Grunderfahrungen. Die Motive des Unterwegseins, wie wandern und reisen kreiren sich zu Sinnbildern der Sehnsucht und des Heimwehs. Die Natur, als Vertraute aber dennoch lockende und verführerische bestimmen die damalige Dichtung 22 . Die blaue Blume, ein zentrales Motiv der Romantik, ist ein Symbol für die unerfüllbare Sehnsucht nach dem Unendlichen, ein Symbol der Liebe und der „Weltkraft“:
(...) „fern ab liegt mir alle Habsucht: aber die blaue Blume sehn´ich mich zu erblicken. Sie liegt mir unaufhörlich im Sinn, und ich kann nichts anderes dichten und denken“
Sie lässt ihn sowohl in Zukunft und Vergangenheit schauen, wie auf öffnet den Zugang zu einer Überirdischen Welt, sodass er im Gegensatz zu seinem Vater Dichter werden kann. Das Symbol der blauen Blume wurde von anderen romantischen Dichtern ebenfalls aufgegriffen, so z.B. Tieck 23 . Welcher die blaue Schönheit auch als Sinnbild der Sehnsucht anerkannte
„Wird nur im Herzen dir die Flamme brennen, Hegt sich die Andachtnur in ihrem Schoß, so blüht im Herzen dir
24
die goldene (blaue?) Blume, Auch ungekannt wohnst du im hohen Ruhme“
In Novalis Romanfragment „Heinrich von Ofterdingen“ will er die Welt „romantisieren“. Der Roman thematisiert weniger die äußeren Ereignisse um Heinrich, sondern dessen Innenwelt. Er führt vor Augen, was in der Romanfigur vorgeht. Der „Gang“ führt Heinrich gewissermassen in ein anders Leben, es ist als ob das „helle Licht“ an seinenm Ende für das ewige Leben, das Paradies, stehe. Gleichzeitig aber ist es auch ein Gang nach innen, gemäß Novalis 16. „Blütenstaubfragment“. Dort spielt die gesammte Szenerie im Traum, teilweise sogar im Traum innerhalb eines Traumes. Das Wasser mit seinem Springquell wird zu einer beliebten Metapher für das Unbewusste, aus dem heraus der Traum entsteht. Die ganze Szene erinnert geradezu an einen Drogenrausch bei welchem das Naturerlebnis sich mit erotischen Phantasien des Haupthelden verbinden. Er erlebt die Welt mit allen Sinnen, außer der Akkustik, worauf die „heilige Stille“ hinweist. Die Unmöglichkeit alles in Worte zu kleiden, wird immer wieder betont. Die Rede ist von „unzähligen Funken“, „unendlichen Farben“, oder „unnennbarer Zärtlichkeit“. Derlei Hinweise und die Verschmelzung von Wasser und Feuer sind typisch romantische Verbindungen mit dem Ziel die Realität zu vergessen und in der eigenen Phantasie, im Traum eine positive Gegenwelt zu schaffen. In der romantischen Kunst existieren wie im Märchen Phantasie und Wirklichkeit nebeneinander, wobei die
22 vgl. Kabisch Eva-Maria, „Literaturgeschichte Kurzreferat“, Klett Schulbuchverlag, 1997, S.19
23 Mittelberg Ekkehart „Romantik“, Cornelsen Verlag , Berlin 2000, S. 27
24 Gebhardt Armin, „Ludwig Tieck Leben und Gesamtwerk des Königs der Romantik“, Tectum Verlag Marburg 1997, S. 87
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Phantasie den Vorrang nimmt. Die Wirklichkeit darf und kann von der Phantasie nicht getrennt werden. Die Grenzen des Wunderbaren und Wirklichen sind wie die Gattungen in der Romantik aufgehoben. Das führt dazu, dass der Alltag bedrohliche und phantastische Züge annehmen kann, während die Phantasie zur Realität wird:
„Befindet er sich dann (...) in einem fantasitschen Zauberreich, so wird er glauben, dies Reich gehöre auch noch
in sein Leben hinein, und sei eigentlich der wunderbar herrlichste Teil desselben 25 “
Der einzige der beide Welten zu kennen scheint und als dessen Vermittler gilt, ist der sensible Dichter. Er ist es, der den Blick der Nichtsehenden von der rationalen auf die irrationale Welt lenken darf. Man erkennt an dieser Stelle den Wert der romantischen Vermittlerfunktion, die Wackenroder in der Frühromantik formuliert hatte. Ein weiteres Beispiel der Verschmelzung der beiden Welten, sind in E.T.A. Hoffmanns Werk „Der goldene Topf. Ein Märchen aus der neuen Zeit“ zu finden. Das Kunstmärchen erzählt über den Studenten Anselmus, welcher zwischen Traumwelt und Spießbürgertum hin und her balanziert. Er wird erst erlöst, als er zum Dichter heranreift und selbst das imaginäre Atlantis anerkennt. Hoffmanns Märchen ist nicht zuletzt deshalb einzigartig, weil „in ihm auf eine höchst subtile und originelle Weise Märchenwelt und - häufig satirisch überformte -Realität zusammenkommenund sogar in Wiederstand treten“ 26 . Damit aber nicht genug, denn der Leser selbst wir vom Autor mit in diese Auseinandersetzung gezogen, denn nach der Hoffmannischen Idee soll es ihm ermöglicht werden, auf der in der Realität gesetzten „Himmelsleiter“, den Märchengestalten in eine schönere, mitunter aber auch nicht ungefährliche Fantasiewelt nachzusteigen. In Hoffmanns Roman „Lebensansichten des Katers Murr nebst fragmentarischer Biographie des Kapellmeisters Johannes Kreisler in zufälligen Makulaturblättern“ zählt für den Kappelmeister nur das übersinnliche Reich des Schönen. Die Nebenrolle spielt ein eingebildeter Kater, welcher durchaus fähig ist seine reichen Lebenserinnerungen aufzuschreiben. Er tut dies auf den Rückseiten der Makulaturblätter, auf deren Vorderseite das Leben des Künstlers Kreisler niedergeschrieben wurde. Aufgrund eines Versehens des Verlegers, der die Geschichten durcheinander bringt, kommt es zu ständigen Unterbrechungen der Biographien, was durchaus typisch ist für das bereits angesprochene Fragmentarische. Durch die überhebliche, geschwätzige Autobiographie des Katers wird der Bildungsgang des bürgerlichen Individuums komisch verzerrt nachgeamt. Der fragmentarische Charakter der Kreisler Biographie bildet das Scheitern des romantischen
25 Baumann Barbara, „Deutsche Literatur in Epochen“, Max Hueber Verlag München, 1985, S. 132
26 Lindenhahn Reinhard, „Romantik“, Cornelsen Verlag, 1998, S. 4
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Künstlers an dem Wiederspruch zwischen Ideal und Leben ab. Dadurch wird die Welt des Bürgers und die des Künstlers als unvereinbar gezeigt. Ein weiteres romantisches Beispiel der Ironie, durch welche die Dichter sich über ihre Dichtungen erheben konnten, sind die „szenischen Kunstmärchen“, am Beispiel „des gestilefelten Katers“ gut zu beobachten. Hier wird ein Kindermärchen aufgeführt, bei welchem die Überlegungen der Zuschauer mit in das Spiel eingeflochten werden: „GOTTLIEB (erstaunt): Wie, Kater, du sprichst? DIE KUNSTRICHTER (im Parterre): Der Kater spricht?Was ist dennn das?
FISCHER: Unmöglich kann ich da in eine vernünftige Illusion hineinkommen.“ 27
So sind die Zuschauer nur Spießer, ihr Verstand ist platt und dumm und sie werden ironisiert dargestellt, aber durch ihre zwischenzeitlichen nüchternen Einwände bringen sie es durchaus fertig das Spiel zu durchkreuzen, womit wir es wiedermal mit dem Merkmal des Framgnetarischen konfrontiert werden.
Die Überwindung unterschiedlichster Vorstellungsbereiche ist ein romantiktypisches Element, welches der Theoretiker August Wilhelm Schlegel als „Zug zum Chaos, welches sich hinter jeder Ordnung verberge“ tituliert. Für ihn stehe eine geordnete Dichtkunst mit der platten und eher beschreibenden Form, als charakteristisches Merkmal an zweiter Stelle. Die Poesie der Romantik dagegen, obwohl sie zwar nichts wirklich benennen kann, denn dagegen sträubt sich ihr Thema, so kann sie auf eine sehr gelungene Art und Weise ihre Werke assoziativ als gefühlsvolles Chaos abbilden und somit für ihn und auch die Leser die wichtigste Rolle einnehmen. Man kann in der Romantik zerfließen und sie als die schönste literarische Zeit sehen, oder sie abgrundtief hassen - dies bleibt jedem selbst überlassen. Eines ist jedoch unbestreitbar, es ist sowohl eine sehr interessante Zeit, wie auch literarische Gattung, die jedermann in andere Welten verschlingen kann.
27 http://gutenberg.spiegel.de/index.php?id=5&xid=2873&kapitel=3&cHash=a0444b61952#gb_found (12.06.2008)
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Bibliographie
Alt Peter Andre, Leiteritz Christiane „Traum-Diskurse der Romantik“, Walter de Gruyter Berlin, 2005, S.3
Baumann Barbara, „Deutsche Literatur in Epochen“, Max Hueber Verlag München, 1985, S. 132
Bär Jochen, „Sprachreflexion der deutschen Frühromantik“, Walter de Gruyter 1999, S.20
Gebhardt Armin, „Ludwig Tieck Leben und Gesamtwerk des Königs der Romantik“, Tectum Verlag Marburg 1997, S. 87
Glaser Hermann, Lehmann Jakob, „Wege der deutschen Literatur“, Propyläen Taschenbuch, Berlin 1997, S. 216
Herbert Uerlings,“Teorie der Romantik”, Philipp Reclam jun. Stuttgart 2000
Jeßing Benedikt, „Metzler Goethe Lexikon“, Weimar 1999, S. 420
Kabisch Eva-Maria, „Literaturgeschichte Kurzreferat“, Klett Schulbuchverlag, 1997, S.20
Lindenhahn Reinhard, „Romantik“, Cornelsen Verlag, 1998, S. 7
Meyers kleines Lexikon „Literatur“, Meyers Lexikonverlag, Zürich 1986, S. 358
Mittelberg Ekkehart „Romantik“, Cornelsen Verlag , Berlin 2000, S. 27
Novalis „Werke, Tagebücher und Briefe“, Hans Joachim Mähl und Richard Samuel, München 1978, S.241
Schlosser Horst Dieter, „Dtv-Atlas zur deutschen Literatur“, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1983, S. 183
Schmitt Hans-Jürgen, „Die deutsche Literatur in Text und Darstellung“ Romatik I, Philipp Reclam jun. Stuttgart 1993, S.10
Zirbs Wieland, „Literatur Lexikon“, Cornelsen Verlag, Berlin 1999, S. 311
URL Adressen:
www.wikipedia.org/wiki/Novalis www.puk.de/turjalei/romantik.htm www. lexikon.meyers.de/meyers/Romantik
http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=1968&kapitel=2&cHash=3b9c9487672#gb_found http://gutenberg.spiegel.de/index.php?id=5&xid=577&kapitel=8&cHash=1&hilite=die%20eli xiere%20des%20teufels#gb_found
10
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11
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Malgorzata Banach, 2008, Die Grundzüge der Frühromantik anhand der Werke: „Theorie der Romantik“, „Blüthenstaub“, „Heinrich von Ofterdingen“ und „Hymnen an die Nacht” und andere., München, GRIN Verlag GmbH
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