Gliederung
1. Vorwort
2. Einleitung
3. Niklas Luhmann: Soziologe, Konstruktivist Systemtheoretiker
3.1. Was ist ein System oder Wie erkenne ich ein System?
3.1.1 Prinzip der Beobachtung
3.1.2 Prinzip des Operierens
3.2. Der Mensch ein System?
3.3. Kommunikation, doppelte Kontingenz, Sinn
4. Das Verhältnis von Gesellschaft und Politischem System
4.1 Planung und Steuerung im Politischen System
4.2 Politische Steuerung
4.3 Politische Planung
5. Zusammenfassung
6. Schlussbemerkung
7. Literaturverzeichnis
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1. Vorwort
Niklas Luhmann und die Systemtheorie begleiten mich schon seit dem ersten Semester. Zunächst habe ich mich in den Erziehungswissenschaftlichen Grundlagen mit der religiösen Sozialisation im Sinne Niklas Luhmann auseinandergesetzt. Natürlich ist er mir dann in der Soziologieeinführung, sowie in der Mikrosoziologie, begegnet. Innerhalb der Beratungsansätze habe ich mich mit der systemischen Familientherapie nach Virginia Satir und in der Handlungsebene I mit systemischer Beratung und Begleitung (Aries von Schlippe) innerhalb des Praxisbereichs Erlebnispädagogik auseinandergesetzt. Fasziniert hat mich dabei, dass eine direkte Beeinflussung von außen in das Innere eines Menschen nach dieser Ansicht nicht möglich ist. Es kommt „nur“ eine Bewegung mit absoluter Richtungsoffenheit in Gang. Dies ist, sehr einfach ausgedrückt, ein Kern der Systemtheorie und letztendlich ein Punkt dieser Arbeit, den ich herausarbeiten werde. Dies alles erwähne ich, um zu veranschaulichen, dass die Systemtheorie (wenn ich von der Systemtheorie spreche, schließe ich die verschiedenen Arten der Systemtheorien ein) viele Bereiche des Studiums der Sozialen Arbeit durchdringt. Noch mehr, sie ist eine Theorie, die in allen wissenschaftlichen Bereichen angewendet werden kann und wird. Sie bildet ein Axiom des Denkens; sie ist wie ein Horizont (a priori) in dem die verschiedenen Themen und Probleme erfasst werden können. Sie lässt Zusammenhänge anders verstehen, als dies die „althergebrachte“ Sichtweise zulässt. Die Brille der Systemtheorie ermöglicht eine radikale neue Sichtweise auf Phänomene und Zusammenhänge. Dies wird von Luhmann selbst und anderen Vertreter als Paradigmawechsel im Verständnis der Welt bezeichnet. Obwohl ich mich schon oft mit Niklas Luhmann beschäftigt habe und schon viele Aha-Erlebnisse aus seiner Sicht im privaten, wie im beruflichen Bereich gewonnen habe, fällt mir die Erfassung und Beschreibung seiner Denkweise schwer. Zwar werden mir zunehmend die Begriffe Autopoiesis, Selbstreferenz, Code, strukturelle Kopplung u.s.w. vertrauter, jedoch ergibt sich aus dem einen Begriff eine
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Vielzahl anderer Begriffe, die wiederum andere Möglichkeiten aufzeigen. Dies verwirrt mich, je tiefer ich einsteige. Aber damit stehe ich nicht allein. Nicht umsonst gibt es so viele Einführungen in das Denken Niklas Luhmanns. Letztendlich ist es ein Spezifikum seiner Denkweise, nämlich Kontingenz: es kann so und auch anders sein. Daraus folgt ein weiterer Punkt bei Niklas Luhmann: die Komplexität, bzw. Reduktion der Komplexität. Sein Denken ist weit und reich, wie analog seine Zettelkästen, die ein ganzes Zimmer füllten, zeigen. Seine Schriften sind lang und enthalten sehr viele Anmerkungen und Fußnoten, die gefüllt sind mit Hinweisen, Erklärungen und Untermauerungen. Ich habe großen Respekt vor seinem Wissen und vernetztes Denken. Mir ist aufgefallen, dass er in seinen Büchern zuerst beschreibt, wie etwas nicht sein kann, um dann als wissenschaftlicher Beobachter 2.Ordnung (Kybernetik /Konstruktivismus) der Erkenntnismöglichkeit auf die Spur zu kommen.
Dem konstruktivistischen und systemischen Denken entsprechend, versuche ich -in aller Demut- meine Beobachtung und Verständnis, von Niklas Luhmann und wie andere ihn verstanden und kommuniziert haben, mitzuteilen. Wobei das Finden der angemessenen Worte und das verständliche Ausdrücken der Verhältnisse schwierig sind. Der Satz von Niklas Luhmann, dass „Kommunikation unwahrscheinlich ist (siehe M. Berghaus, S.107)“ mich verzweifeln lässt.
2. Einleitung
Um die Stellung und Begründung des Standortes Niklas Luhmann zu dem Thema: Politische Steuerung und Planung aufzuzeigen, bedarf es der Darstellung seiner systemischen Sicht. Um dann über die Gesamtschau der Gesellschaft zu dem gesellschaftlichen Funktionsgebilde: Politisches System zu kommen. Wie wird die Welt, der Mensch gesehen? Wie werden Systeme, soziale Systeme beschrieben? Welche Strukturen haben sie? Welche Funktionen? Woran ist Kommunikation erkennbar? Was bedeuten die Begriffe Autopoiesis
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und Selbstreferenz? Wieso ist, ein System geschlossen und umweltoffen zugleich?
Schon hier im ersten Teil möchte ich deutlich machen, dass sich die Variablen: gezielte Steuerung und das Systemverständnis nicht zu-einander ordnen lassen. Das systemische Denken schließt eine „in- struktiveInteraktion“ (A. v. Schlippe, S. 69) aus. Jedoch gibt es das Phänomen der Steuerung und Planung im menschlichen Handeln, besser gesagt in der Kommunikation. Dies siedelt Niklas Luhmann bei der strukturellen Kopplung an. Es kommt zu einer Durchdringung (Interpenetration), zu einem Anstoß des selbstreferentiellen autopoietischen Systems, welches sich bewegt. Dieses Sowohl - Als-Auch werde ich dann im zweiten Teil anhand der Problematik der Steuerung und Planung innerhalb des politischen Systems vertiefen. Ich versuche zu beschreiben, wie Niklas Luhmann das politische System sieht, wo er Steuerung und Planung ansiedelt. Zentral sind, neben der Funktion und der Struktur des politischen Systems, die Definition der Codes, insbesondere des Supercodes. Die Auffächerung der Sichtweise, des frühen bis späten Luhmanns, wie ich sie bei Klaus Dammann und Stefan Lang gelesen habe, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen.
3. Niklas Luhmann:
Soziologe, Konstruktivist und Systemtheoretiker Die Soziologie stellt die Gesellschaft in den Mittelpunkt. Niklas Luhmann versteht sich als Beobachter der Gesellschaft, die sich selbst beobachtet und von Soziologen beobachtet wird. Er erhebt mit seiner Sichtweise einen universellen Anspruch. Er ist Vertreter des operativen Konstruktivismus, also dass wir durch Beobachtung, als Operation verstanden, unsere Realität konstruieren. Und er ist ein Systemtheoretiker, der davon ausgeht, dass die Gesellschaft ein System ist, welches alle Systeme, die aus Kommunikation bestehen, umfasst. Systeme sind sebstreferentiell, da sie sich auf sich selber beziehen. Die Mischung dieser drei Ausgangslagen hat ein komplexes
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Werk entstehen lassen, welches versucht die Komplexität der Welt aufzuzeigen und zugleich für ihn in angemessener Weise zu erfassen!
3.1. Was ist ein System? oder Wie erkenne ich ein System? 3.1.1. Prinzip der Beobachtung
Mit der Auseinandersetzung dieser Fragen steige ich zunächst in den Konstruktivismus ein. Es geht nicht darum zu sagen, was etwas ist, sondern zu beschreiben, wie sich etwas verhält. Der Konstruktivismus zeigt auf, dass wir Beobachter unserer Welt sind und dadurch unsere Wirklichkeit konstruieren. Die Frage, ob ein umstürzender Baum Geräusche macht, wenn kein Mensch da ist, führt uns in dieses Denken. Erst das Hören des umstürzenden Baumes, lässt das Geschehene für den einen Beobachter zu seiner Wirklichkeit werden. Somit gibt es viele Beobachtungen und viele Realitäten. Die Folge daraus ist: Wir können die Welt in ihrer Gesamtheit, in ihrer vollständigen Wirklichkeit nicht erfassen und daraus Erkenntnisse für alle ziehen. Der Konstruktivismus ist eine Kognitionstheorie mit der Grundannahme, dass es unmöglich ist, die externe Realität in Erkenntnisse über die Welt abzubilden. (M. Berghaus, S.27)
Das ist die äußere Grenze der Erkenntnis, was nicht heißt, dass wir nicht erkennen können. Eben nur als Beobachter, eben nur in Form einer Konstruktion. Also nicht das etwas ist, sondern für den Beobachter so scheint, dass es so ist. Wir können Eigenschaften, Verhältnisse oder Bewegungen benennen. Dies geschieht durch die Beobachtung der Differenzierung zwischen System und seiner Umwelt. Wissenschaftliche Beobachtung arbeitet mit diesen Differenzierungen.
3.1.2. Prinzip des Operierens
Die Systemtheorie versteht sich als eine allgemeine Theorie, die beschreibt, dass verschiedene Systeme entstehen und untersucht diese. Niklas Luhmann geht davon aus, dass Systeme real in der Wirklichkeit existieren. Ein System zeigt sich - allgemein gesagt: als ein Ganzes,
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welches aus Teilen, besteht. Differenzierter ausgedrückt: als ein wirres Gebilde, welches operiert, d.h. sich bewegt, sich formt und erhält. „Nur ein System kann operieren, und nur Operationen können ein System produzieren. (M. Berghaus, S.39)“
Die Beobachtung ist eine Operation, wie ein System seine Wirklichkeit konstruiert. Diese Beobachtungen lassen sich vergleichen, was Niklas Luhmann als Soziologe tut. Er ist sich bewusst, dass auch seine Sichtweise wieder eine Beobachtung der Unterscheidung der Beobachtung, damit seine konstruierte Welt ist. Dies zeigt sich in seiner Offenheit gegenüber anderen Überlegungen und Kritiken. Luhmann sieht bei Systemen grundlegende Prinzipien, welche die Systeme in ihren Operationen gemein haben. Die Abgrenzung zu einer Umwelt, ermöglicht erst von einem System zu sprechen. Ein System ist Differenz zur Umwelt. Umwelt gibt es nur durch das System. Die Umwelt ist die „Außenseite“ des Systems. (M. Berghaus, S.42)
Diese Differenzierung ist zentral für die Beschreibung von Systemen. Die Erkenntnis durch Beobachtung kann nur erfassen, wodurch sich das eine (Innen- und Außenansicht) vom anderen unterscheidet. Es kommt zur Selbstbeobachtung und Selbstbeschreibung (= Selbstreferenz), zur Beobachtung dieser Selbstbeobachtung und Selbstbeschreibung (=Fremdreferenz). Welche als Beobachtung 2. Ordnung in Anlehnung an die Kybernetik = „die Bezeichnung für ein wissenschaftliches Programm zur Beschreibung der Regelung und Steuerung komplexer Systeme“ (A.v. Schlippe, S.53) beschrieben wird. Luhmann zeigt, aufgrund seiner Beobachtung des Wesens der Systeme, dass Systeme für sich geschlossen sind. Dazu verwendet er den Begriff der Autopoisies (gr. Selbst-Erzeugung). Diesen Begriff und sein dahinter stehendes Konzept haben die Systemtheoretiker von den chilenischen Biologen Humberto Maturana und Francisco Varela übernommen. Autopoietische Systeme sind davon geprägt, dass sie strukturell festgelegt sind, dass sie sich operationell geschlossen verhalten und sie sich selbst erzeugen (vgl. A .v. Schlippe, S.68). Damit ist z.B. offen-
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sichtlich, dass Maschinen keine Systeme sind, sie produzieren zwar, aber nicht sich selbst. Was ist mit dem Menschen?
3.2. Der Mensch ein System?
Der Mensch in seiner Ganzheit gibt es unter diesen Prämissen nicht als ein System. Luhmann beobachtet, das der Mensch an verschiedenen Systemen teil hat, die unabhängig von einander existieren: das biologische System, welches durch Leben/Körper operiert; das psychologische System, welches durch Wahrnehmen, Fühlen, Denken (= Person) operiert; und das soziale System, welches durch Kommunika-tion/Handlungen operiert, das heißt sich autopoietisch bildet, erhält und von seiner Umwelt abgrenzt (vgl. M. Berghaus, S.62, S.73). Biologische Systeme sind die Grundlage für die beiden anderen Systeme. Das Psychische System ist die Voraussetzung des sozialen Systems. Lebendige Systeme wandeln sich ständig und organisieren sich selbst. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten für ein System sich zu verhalten. Es strukturiert sich in seiner eigenen Logik und bringt damit Ordnung in die zahlreichen Möglichkeiten. Ein System ist hochkomplex und fächert sich in verschiedene Subsysteme auf.
„Am Anfang steht also nicht Identität, sondern Differenz (N. Luhmann, Soziale Systeme, S. 112.)“ Gesellschaft besteht für Luhmann nicht aus Menschen sondern aus sozialen Systemen, die für sich im Kommuni-kationsprozess geschlossen operieren, jedoch umweltoffen sind. Das psychische System und das soziale System sind miteinander strukturell gekoppelt. Ohne miteinander verbunden zu sein, kann das eine System auf das andere System reagieren. Die Begriffe Interpenetration oder Durchdringung bringen die Beobachtung zum Ausdruck, dass Informationen vom psychischen System wahrgenommen werden und durch das soziale System kommuniziert werden. Wie ist dieser Austausch, dieses Verstehen möglich, obwohl wir uns im Sinne Luhmanns nicht verstehen können?
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3.3. Kommunikation, doppelte Kontingenz und Sinn Entgegen unserem allgemeinen Verständnis von Kommunikation wie es z.B. Schulz von Thun im Sender -Empfänger- Modell es beschreibt, differenziert Luhmann folglich:
„Menschen können nicht kommunizieren, nicht einmal ihre Gehirne können kommunizieren, nicht einmal das Bewusstsein kann kommunizieren. Nur die Kommunikation kann kommunizieren. (M. Berghaus, S.68)“
Unter Kommunikation versteht Luhmann den Vollzug von drei, bzw. vier Schritten. Zunächst entscheidet sich ein psychisches System (Alter) innerlich, welche Information mitteilungswürdig ist, dann wählt er davon aus, was er mitteilt. Erst wenn ein anderes psychischen System (Ego) dies aufgenommen und selektiv verstanden oder missverstanden hat, ist Kommunikation entstanden. Dies produziert weitere Anschlusskommunikation, welche sich weiter fortsetzt, ohne Ende. Man kann sagen: Die Welt besteht aus sich ständig anschließender Kommunikation. Dies hat evolutionären Charakter und weist auf den Begriff Weltgesellschaft hin.
Die Kommunikation setzt eine Auswahl voraus, die zufällig ist und damit unwahrscheinlich wird. Dies ist im Begriff Kontingenz erfasst. Kontingent ist etwas, was weder notwendig ist noch unmöglich ist; was also so, wie es ist (war, sein wird), sein kann, aber auch anders möglich ist. Der Begriff bezeichnet mithin Gegebenes (Erfahrenes, Erwartetes, Gedachtes, Phantasiertes) im Hinblick auf mögliches Anderssein; er bezeichnet Gegenstände im Horizont möglicher Abwandlungen. Er setzt die gegeben Welt voraus, bezeichnet also nicht das Mögliche überhaupt, sondern das, was von der Realität aus gesehen anders möglich ist. (N. Luhmann, Soziale Systeme, S.152)“
Durch die doppelte Kontingenz, da Alter und Ego in diesem Selektions-vorgang beteiligt sind, kommt es zu einem Prozess der Problemlösung, zur Überwindung der Unwahrscheinlichkeit. Dass ich aus meinem psychischen System etwas verständlich mitteilen kann, ermöglicht mir die Sprache. Dass ich andere ohne direkten Kontakt verständlich erreichen kann, ermöglichen mir die Medien. Dass es mir gelingt, dass eine Kommunikation angenommen wird, ermöglichen mir die symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien, wie Geld, Wissen, Macht
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usw., (=Medien in bestimmten Funktionssystemen). Medien(z.B. Sprache) und Formen (z.B. sprachliche Bilder) zeigen auf eine Grenze und zugleich auf die vielen Möglichkeiten innerhalb dieser hin. Sie sind Konstrukte und Voraussetzungen für Kommunikation. Es sind ähnliche Strukturen vorhanden, die miteinander gekoppelt sind. Was das psychische System, welches denkt und das soziale System, welches kommuniziert verbindet, ist Sinn.
„Sinn ermöglicht die Interpenetration psychischer und sozialer Systembildungen bei Bewahrung ihrer Autopoiesis; Sinn ermöglicht das Sichverstehen und Sichfortzeugen von Bewusstsein in der Kommunikation und zugleich das Zurückrechnen der Kommunikation auf das Bewusstsein der Beteiligten. (N. Luhmann, Soziale Systeme, S.297)“
Sinn ist das umfassende Medium. Es ordnet das Erleben, ist eine Konstruktion und ermöglicht die Durchdringung des psychischen System und des sozialen Systems zu begreifen. „Sinn meint die Bedeutung, die irgend etwas für einen Beobachter hat. (Reese-Schäfer, S.41)“. Sinn hat eine Funktion. Die Funktion Wahrnehmen und Kommunikation selektieren zu können. Dabei spielen unsichtbar die Sozialdimension (Kommunikation), die Sachdimension (Systemdifferenzierung) und die Zeitdimensionen (Evolution)eine Rolle. Sinn ist ein aktives Tun, es wählt Kriterien zur Beobachtung aus. Sinn übersteigt die Unterscheidung von System und Umwelt. Den Grenzen wird Sinn gegeben und damit auch dem Zusammenhang zwischen System und Umwelt.
4. Das Verhältnis von Gesellschaft und Politischem System „ Folgt man … Luhmann und seinem Ordnungssystem, so können Interaktionssysteme von Organisationssystemen unterschieden werden, und beide sind wiederum Bestandteile von Gesellschaft. Dieser Begriff steht für die Gesamtheit aller Kommunikationen. (F.B. Simon, S. 99)“
Gesellschaft beschreibt Luhmann also als ein System, welches sich in autonome Funktionsbereiche ausdifferenziert. Der begründende Vollzug ist die Kommunikation. Gäbe es keine Kommunikation, so gäbe es
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keine Gesellschaft. Gäbe es keine Gesellschaft, gäbe es keine Kommunikation. Beide bedingen sich gegenseitig. Nicht der Mensch steht im Mittelpunkt der Gesellschaft, sondern die Beobachtung der Selbstbeobachtung, also die Differenz, die sich in Kommunikation vollzieht. Daraus folgt, dass Luhmann mit Staatsgrenzen nicht viel anfangen kann. Da Kommunikation sich in der ganzen Welt vollzieht, spricht er von Weltgesellschaft. „Weltgesellschaft ist das Sich-ereignen von Welt in der Kommunikation (Reese-Schäfer, S. 18; N. Luhmann, Gesellschaft der Gesellschaft, S.150)“. Das Politische System zeichnet sich als Teilsystem mit seiner Funktion des Gesamtsystems aus. Niklas Luhmann sieht dieses Funktionsystem als Teil der Gesellschaft an und nicht als übergeordnetes System der Gesellschaft. Politik, wie Kunst oder Wissenschaft bildet ein selbstreferentielles, geschlossenes Subsystem der Gesellschaft. Der Mensch findet sich in der Umwelt des Gesellschaftssystems wieder.
Luhmann differenziert zwischen Politik, Verwaltung und Publikum. Kontakt (Interpenetration) zur gesellschaftlichen Umwelt gibt es zwischen politischen Persönlichkeiten als psychische Systeme, Recht zum Rechtsystem und öffentlicher Meinung zum Massenmediensystem. Die Funktion des politischen Systems beobachtet Luhmann in der Herstellung von kollektiv bindenden Entscheidungen. Politische Parteien sind mit der Vorbereitung von Entscheidungen befasst. Die Politik beschäftigt sich mit Entscheidungsprämissen, die Verwaltung mit der Herstellung von Entscheidungen.
Das symbolisch generalisierte Kommunikationsmedium ist Macht, wodurch sich das politische System vom Wirtschaftsystem mit dem Medium Geld unterscheidet. Das politische System arbeitet mit positiven und negativen Sanktionen. Der Code besteht in der Unterscheidung von Macht und keine Macht. Macht beinhaltet auch Gewalt. Macht codiert sich in Ämter. Diese werden durch Wahlen legitimiert. Die so genannte Supercodierung der Macht findet sich in den Rollen von Regierung und Opposition wieder. Als Programm beschreibt Luhmann politische Ideen und Ideologien.
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4.1. Steuerung und Planung
Die allgemeine Verwendung der Begriffe Steuerung und Planung richten sich auf ein kausales Handeln der Menschen mit Zielrichtung für alle. An diesem Punkt kommen nun Handlungstheorie und Systemtheorie zusammen. Diese Beschreibung von Handlung ist mit der Systemtheorie so nicht vereinbar, da Systeme autopoietisch, geschlossen operieren. „Es steuert immer nur sich selbst anhand seiner eigenen Differenzen und nur aus der Perspektive des involvierten Beobachters“ (S. Lang, S 207). Gezielte Veränderungen sind nur innerhalb des Systems, den Strukturen und Programmen verpflichtet, möglich. Ein System kann das andere System nicht gezielt verändern oder beeinflussen. Ein System zeichnet sich dadurch aus, dass es nach eigenen Gesetzen operiert, autonom handelt. „Die Theorie der sich selbst herstellenden, autopoietischen Systeme kann in den Bereich der Handlungssysteme nur überführt werden, wenn man davon ausgeht, dass die Elemente, aus denen das System besteht, keine Dauer haben können, also unaufhörlich durch das System dieser Elemente selbst reproduziert werden müssen. … es geht um einen eigenartigen Zwang zur Autonomie. (N. Luhmann, Soziale Systeme, S. 28)“
Da das politische System für die anderen Systeme eine Umwelt darstellt, können ihre Kommunikationen und Interaktionen andere Systeme nur anregen oder verstören. Es kann innerhalb ihrer eigenen Autopoiesis zu einer Bewegung kommen. Aber nicht bewusst steuerbar oder gar planbar. An dem Punkt strukturelle Kopplung, Sinn würden sie sich treffen, die ja die Durchdringung der Systeme fassbar machen. Wenn die Anregung für ein anderes System sinnvoll ist, wird sie dies innerhalb ihres Geflechtes, welches ähnlich strukturiert ist, kommunizieren.
„Jede interne Veränderung setzt an den bereits bestehenden Strukturen an und ist durch deren Funktionsregeln bestimmt. Änderungen kann von außen - durch das Medium, in dem ein System operiert, bzw. durch die Umwelt - lediglich induziert, nicht jedoch zielgerichtet festgelegt (determiniert) werden. (F.B. Simon S.78)“
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Nicht nur Steuerung eines Systems von außen ist nicht möglich, sondern auch Planung wie sich ein System verhält ist unwahrscheinlich.
4.2. Politische Steuerung
Die politische Steuerung der Gesellschaft ist eine zentrale Frage der Politik. Politik differenziert in ihren Beobachtungen zwischen Ereignissen die Macht geben und Ereignissen die zu weniger Macht führen. Dieser Code erhält eine Steigerung in der Supercodierung. Die Rollen Regierung oder Opposition beschreiben die machtbesetzten Rollen innerhalb des Systems. Gibt es einen Steuerungsanlass, so geht es in der Kommunikation um Differenzminimierung. Etwas wird erst zum Steuerungsanlass, wenn es intern thematisiert wird. Nicht die Schlagzeile der Bildzeitung dirigiert die politische Kommunikation, nur wenn das politische System dies selbst zum Thema macht, wird es zu einem Steuerungsanlass. Die Parteien haben ein Interesse daran zu zeigen, dass ihre Intervention, wenn sich Erfolg eingestellt, als ihre Leistung verbucht werden, um damit im Wahlkampf zu punkten. Denn es geht ja in diesem System um Macht! Nur lässt sich schwer feststellen, ob jenes Gespräch oder jene Interaktion genau diesen Erfolg herbeigeführt hat. Angesichts der Komplexität der Welt, der komplexen Bewegungen der verschiedenen Teilsysteme, ist eine mono-kausale Erklärung nicht möglich.
„Während man steuert…, passiert gleichzeitig milliardenfach schon etwas anderes, das man, weil gleichzeitig, weder kennen noch kausal beeinflussen kann. ( K. Dammann, S.5)“
Die Steuerungswirkung der Politik unterscheidet sich nicht von anderen Umwelteinflüssen, die auf das eigene oder auf anderen Systeme einwirken. Im Rahmen der Autonomie des Systems kann es zur Selbststeuerung kommen. Dadurch, dass andere Systeme die Umwelt des politischen Systems darstellen, kann es zur Anregung zur selbstreferentiellen Selbssteuerung, zur Differenzminimierung kommen. Somit kommt es zur Steuerung in der Gesellschaft, aber nicht zur Steuerung der Gesellschaft.
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Politische Steuerung ist begrenzt von und durch Organisationen möglich. Durch die Bewegung eines Systems werden richtungsoffene Bewegungen in ihren Umwelten auslösen. Hier greift wieder das Phänomen der Interpenetration. Auf Grund der strukturellen Kopplung kann es zur Durchdringung und damit auch zu einer Art Steuerung kommen. Auf der Programmebene, welches die Struktur eines Systems darstellt, kann eine Änderung gesteuert eintreten.
4.3. Politische Planung
Die Theorie der Planung hängt mit folgenden Bausteinen zusammen:
- „durch die Auffassung der Trennung von Politik und Verwaltung als funktionaler Differenzierung des politischen Systems
- durch die Ausweitung der klassischen Vorstellung von Richtigkeit und Rationalität einzelner Entscheidungen zu einem Begriff der Systemrationalität
- und durch die Auffassung der Planung als Reflexivität des Entscheidungsprozesses (N. Luhmann, Politische Planung, S. 80)“
Politik nimmt die Rolle ein Entscheidungsprämissen zu formulieren, die von der Verwaltung, als Handlungssystem in bindende Entscheidungen umgesetzt werden, die von der gesellschaftlichen Umwelt als verbindlich akzeptiert werden. Politik und Verwaltung sind zwei Teilsysteme, die verschiedene Organisationen und verschiedene Sprachen haben. Sie zeichnen sich durch strukturelle Differenz aus. Planung ist ein reflexiver Vorgang. Etwas wird als Problem erkannt, welches eine Entscheidung notwendig macht, die den Rahmen der Lösung aufzeigt. Es werden tragfähige Entscheidungsprogramme kommuniziert. Die Verwaltung ist für die Ausführung mit geeigneten Mittel zuständig. Die Komplexität wird durch die Modelle Oben/Unten und Zweck/Mittel reduziert. Beide leisten einen Beitrag zur Reduktion der Komplexität der Welt durch die Herstellung und Umsetzung der kollektiv bindenden Entscheidungen. Sie bedingen sich gegenseitig und sind zusammen innerhalb der Systemgrenzen steuerungsfähig. Pläne und Programme sind das Ergebnis des politischen Prozesses und die Voraussetzung des Verwaltungshandelns. Politik setzt
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Entscheidungsprämissen, aber trifft keine Entscheidungen. Planen heißt über Entscheidungen entscheiden. (N. Luhmann, Politische Planung, S. 67“) Organisation ist eine allgemeine Voraussetzung für Planung. Eine Persönlichkeit, die entscheidet, ist eine Voraussetzung für Pläne.
Der Prozess der politischen Planung ist nicht einfach mit der Funktion des politischen Systems, Bildung von kollektiv bindenden Entscheidungen, in Einklang zu bringen. Aus der Funktion bilden sich Strukturen und die sind in einem differenzierten System nicht einfach zu erkennen. Der Prozess der Planung liegt zwischen den beiden Teilbereichen Politik und Verwaltung und ist dynamisch. Entscheidungen, Entscheidungsprämissen eröffnen die komplexe Welt weiterer Entscheidungen, die an die Verwaltung mit ihren Entscheidungsmöglichkeiten weitergegeben werden. Nur wenn die Politik sich für Entscheidungsprämissen entschieden, hat kann der Verwaltungsapparat in Gang kommen. Jedoch ist manches politische Entscheiden in der Verwaltung zu finden und manches Verwaltungshandeln in der Politik.
„Politische Planung ist nicht die Stärke, sondern die Schwäche einer solchen Systemstruktur, der Engpass, der die Leistungsfähigkeit eines funktional differenzierten politischen Systems begrenzt.(N. Luhmann, Politische Planung, S. 83)“
An diesem Punkt setzt Luhmann eine sinnvolle, mögliche Planung an.
5. Zusammenfassung
Steuerung und Planung im bisherigen Politikverständnis ist nach Luhmanns Systemtheorie nicht möglich. Sie sind zu finden in den Systemstrukturen und bewegen sich innerhalb der Systemgrenzen. Die Art und Weise ergeben sich aus der Logik eines Systems. Durch strukturelle Kopplung und Sinn ist eine Durchdringung anderer Systeme möglich und somit wirken auch systemeigene Planungen und Steuerungen auf andere Systeme. Jedoch nicht in einem konditionalem Verhältnis, sondern in Richtungsoffenheit und in komplexen Handlungsmöglichkeiten. Das etwas und wie etwas wirkt,
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lässt sich beobachten. Es lässt sich aber nicht bestimmen welche Aktion, welches Ziel erreicht und somit kann auch nicht gesagt werden, was welchen zu erwartenden Erfolg bringt. Eine ständige Beobachtung und Reflexion sind die notwendigen Handwerkzeuge um im Problemlösungsprozess weiterzukommen.
6. Schlussbemerkung
Ich finde es erstaunlich, dass Politik an ihrem Steuerungsanspruch und an der Planbarkeit der Gesellschaft, so wie sie es tut, festhält. An vielen Beispielen lässt sich aufzeigen, dass bestimmte politische Handlungen, nicht das gewünschte Ergebnis produziert haben und es auch nicht konnten.
Zum Beispiel das Einwirken der Politik auf das Wirtschaftssystem. Mindestlöhne festzusetzen und vorzuschreiben hatte nicht den Effekt, dass Arbeitnehmer nun dem entsprechend gerecht bezahlt werden. In der systemeigenen Logik des Wirtschaftsystems löste es andere Wege aus. Arbeitnehmer werden nun zunehmend über Zeitarbeitsfirmen beschäftigt. Qualifiziertes Personal nicht angestellt, sondern Niedrigqualifizierte, die in den systemeigenen Organisationen geschult werden, werden zu günstigeren Tarifen eingestellt. Das Programm der Wirtschaft ist nun mal der Preis und das Medium: Geld. Die Systemtheorie hilft dabei Zusammenhänge neu zu begreifen. Schuldzuweisungen oder das Verantwortlich-Machen für Ereignisse angesichts des Bewusstseins der Komplexität und der Verstrickungen der Welt sind so nicht möglich. Alle unlösbaren Gesellschaftsprobleme zur Aufgabe zur haben, ist eine Überforderung des politischen Systems und im Grunde utopisch.
Damit stellen sich für mich Fragen, wie überhaupt gesellschaftliche Probleme angegangen werden können, wie gesellschaftliche Werte vermittelt und zu tragfähigen Grundlagen werden und wie wir in Zukunft entsprechend unseren Ansprüchen handeln können.
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7. Literaturverzeichnis
Baecker, Dirk (Hrsg.) Niklas, Luhmann: Einführung in die Systemtheorie. 3. Aufl. Heidelberg: Carl-Auer-Verlag, 2006
Berghaus, Margot: Luhmann leicht gemacht. 2. Aufl. Köln: Böhlau Verlag, 2004
Dammann, Klaus; Grunow, Dieter; Japp, P. Klaus (Hrsg.): Die Verwaltung des politischen Systems. Neuere systemtheoretische Zugriffe auf ein altes Thema. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1994
Lange, Stefan: Niklas Luhmann Theorie der Politik. Eine Abklärung der Staatsgesellschaft. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, 2003 Luhmann, Niklas: Politische Planung. Aufsätze zur Soziologie von Politik und Verwaltung. 5. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaft, 2007 Luhmann, Niklas: Die Politik der Gesellschaft. Frankfurt/M, 2000 Luhmann, Niklas: Macht. Stuttgart: Ferdinand Enke Verlag, 1975 Luhmann, Niklas: Politische Theorien im Wohlfahrtsstaat. München: Günter Olzog Verlag, 1981
Luhmann, Niklas: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1987
Reese-Schäfer, Walter: Niklas Luhmann zur Einführung. 5. erg. Aufl. Hamburg: Junius-Verlag, 2005
Schuldt, Christian: Systemtheorie. 2. Aufl. Hamburg: Europäische Verlagsanstalt, 2006
Simon, B. Fritz: Einführung in Systemtheorie und Konstruktivismus. 2. Aufl. Heidelberg: Carl-Auer-Verlag, 2007
Von Schlippe, Aries; Schweitzer, Jochen: Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung. Göttingen: Vandenhoeck&Ruprecht, 2003
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Nicole Mosler, 2008, Wie steht Niklas Luhmann zur politischen Steuerung und Planung?, München, GRIN Verlag GmbH
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