Fachhochschule Coburg
Fachbereich Sozialwesen
Jugend und Jugendkulturen
Diplomarbeit
von
Kandlbinder Jakob
12.01.2003
Inhaltsverzeichnis
A Einleitung ... 4
B Jugend und Jugendkulturen der 50er und 60er Jahre und der Gegenwart... 7
1 Begriffsbestimmungen ... 7
1.1 Der Jugendbegriff ... 7
1.2 Der Kulturbegriff ... 9
1.3 Die Begriffe `Szene´ und ´Clique´ ... 10
1.4 Der Begriff `Gleichaltrigengruppe´ bzw. `Peergroup´ bzw. `Peers´ ... 12
1.5 Die Begriffe ´Jugendkultur(en)´, ´Subkultur´ und ´Jugendsubkultur´ ... 14
1.5.1 Der Jugendkulturbegriff ... 14
1.5.2 Der Subkulturbegriff ... 16
1.5.3 Der Jugendsubkulturbegriff ... 20
1.5.4 Persönliche Stellungnahme und Zusammenfassung ... 21
2 Jugend und Jugendkulturen der 50er Jahre ... 23
2.1 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Hintergründe ... 23
2.1.1 Kampf zweier Kulturen, Konsumrausch und Beginn der `Kommerziellen Jugendkultur´ ... 23
2.1.2 Kleidungskämpfe, Mediatisierung, stilistische Freiräume und Charakter der Jugend ... 25
2.1.3 Schmutz und Schund ... 29
2.2 Die `Halbstarken` ... 31
2.2.1 Der Begriff `Halbstarker` ... 32
2.2.2 Historische Vorläufer ... 33
2.2.3 Erscheinungsbild, Filme und Musik ... 34
2.2.4 Krawalle und Randale ... 36
2.2.5 Soziale Herkunft und Altersstruktur der ´Halbstarken` ... 37
2.2.6 Deutungen und Bewertungen der Rebellion ... 38
2.2.7 Das Ende der `Halbstarken` ... 40
2.3 Die `Teenager´ ... 41
2.3.1 `Teenager´ als Produkt ... 42
2.3.2 Verbündete der Jugendlichen ... 43
2.3.3 Vom „folk devil“ zum ´Teenager´? ... 44
2.4 Die ´Existentialisten` ... 45
3 Jugend und Jugendkulturen der 60er Jahre ... 47
3.1 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Hintergründe ... 47
3.1.1 Gesellschaftliche und politische Situation der 60er Jahre ... 48
3.1.2 Emanzipation und Sexuelle Revolution ... 49
3.2 Die ´Beat´-Kultur ... 50
3.2.1 Entstehung des ´Beat´ ... 51
3.2.2 Der `Beat´ als Massenbewegung ... 52
3.2.2.1 Der gemeinsame Aufstieg der Beatles und der `Beat´-Musik ... 52
3.2.2.2 Reaktionen der Erwachsenengesellschaft ... 55
3.2.2.3 Die ´Beat´-Musik als Katalysator für ein neues Lebensgefühl ... 56
3.2.3 Das Ende der `Beat´-Ära ... 57
3.3 Die Studentenproteste ... 57
3.3.1 Schwabinger Jugend- und Studentenkrawalle ... 58
3.3.2 Vorboten und politische Hintergründe bzw. Rahmenbedingungen der Studentenproteste ... 59
3.3.3 Entwicklung und Verlauf der Studentenbewegung ... 61
3.3.4 Deutungen und Bewertungen der Revolte ... 64
3.3.5 Auswirkungen der Rebellion ... 64
3.4 Die ´Hippie´-Kultur ... 65
4 Jugend und Jugendkulturen der Gegenwart ... 67
4.1 Die ´Techno´-Kultur ... 67
4.1.1 Die Musik ... 68
4.1.2 Raves, Clubs, Paraden und Parties ... 71
4.1.3 Wertorientierung: „Love, peace, unity and happyness“ ... 72
4.1.4 ´Techno´ und Drogen ... 73
4.1.5 Stil und Mode ... 74
4.1.6 Das Tanzen als Weg zum Glück ... 74
4.1.7 Deutungen und Bewertungen der `Techno´-Bewegung ... 75
4.2 Die (rechte) ´Skinhead´-Bewegung ... 76
4.2.1 Wurzeln der `Skinhead´-Bewegung ... 76
4.2.2 Soziale Herkunft und Wertorientierung der (rechten) ´Skins` ... 78
4.2.3 Entstehungsbedingungen für die Bildung rechtsorientierter ´Skinhead´-Gruppen und Gründe für rechtsextremistische Gewalt ... 80
4.2.4 Deutungen und Bewertungen der (rechten) ´Skinhead´-Gruppen ... 82
4.3 Die ´Rap/HipHop´-Kultur ... 83
C Abschließende Erörterung: Versuch einer Beleuchtung des Wandels von Jugend und Jugendkulturen ... 86
1 Wertewandel ... 86
2 Wandel der Bedeutung von Peergroups und Jugendkulturen ... 88
3 Strukturwandel der Jugendphase ... 90
4 Individualisierung, Pluralisierung, Differenzierung, Kommerzialisierung und Mediatisierung ... 92
5 Ausblick ... 95
Literaturverzeichnis ... 96
Primärliteratur ... 96
Sekundärliteratur ... 100
„Diese heutige Jugend ist von Grund auf verdorben, sie ist
böse, gottlos und faul. Sie wird nie wieder so sein wie die
Jugend vorher, und es wird ihr niemals gelingen, unsere
Kultur zu erhalten!“1
A EINLEITUNG
Ein babylonischer Kulturkritiker soll dies vor ca. 5000 Jahren gesagt haben. Dieses Zitat läßt unschwer erkennen, daß die Jugend an sich schon vor vielen tausend Jahren ein brisantes Thema war und Anlaß zu heftigsten Diskussionen gegeben hat. Daß diese Brisanz bis zur heutigen Zeit keineswegs an Bedeutung verloren sondern sogar zugenommen hat, ist nicht verwunderlich. Dies belegen einerseits die jüngsten Erkenntnisse, daß jugendliche Peergroups mittlerweile schon fast der Familie und Schule den Rang als wichtigste Sozialisationsinstanzen abgelaufen haben, und andererseits der höchst ambivalente und mannigfaltige Charakter einer gegenwärtigen Jugend, die sich in eine kaum mehr überschaubare Artenvielfalt von Jugendkulturen mit jeweils eigenen Norm- und Wertvorstellungen, Kleidung und Sprache ausdifferenziert und pluralisiert hat.
In den nun folgenden Kapiteln meiner Diplomarbeit werde ich mich diesen Ausdifferenzierungen und Pluralisierungen von Jugend widmen. Ich werde zum einen bedeutende, aktuelle Jugendkulturen, deren gesellschaftliche Entstehungsbedingungen und die Wesensmerkmale bzw. die Gemeinsamkeiten der jeweiligen Mitglieder im Denken und Handeln zu erkunden versuchen. Zum anderen werde ich zeitlich einen Schritt zurück zu den historisch-gesellschaftlichen Ursprüngen gehen und die Jugend bzw. einige wichtige Jugendkulturen der 50er und 60er Jahre, deren Ausgangspunkte, Anreger bzw. Auslöser (Medienkultur, USA, England usw.) und gesellschaftliche bzw. kulturelle Trends beleuchten. Dies halte ich für unbedingt notwendig, da der heutige Charakter der Jugend und die Artenvielfalt von unterschiedlichsten Jugendkulturen ihren Ausgangspunkt in den 50er bzw. 60er Jahren mit dem Einsetzen der vielschichtigen Modernisierung haben (d.h. Mediatisierung, Kommerzialisierung usw.). Zudem ist in diesen beiden Dekaden der Ursprung für wesentliche Elemente unserer heutigen Vorstellung von Jugend zu finden, d.h. erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts beginnt die ´Realgeschichte´ von der Jugend, die mit dem gegenwärtigen Bedeutungsinhalt übereinstimmt.2
Im letzten Kapitel meiner Arbeit werde ich auf die Wandlungs- und Veränderungsprozesse, die sich im Laufe der vergangenen 50 Jahre innerhalb der Jugend bzw. der Jugendkulturen vollzogen haben, nachzuzeichnen versuchen, denn die Jugend bzw. Jugendkulturen der Gegenwart unterscheiden sich, obgleich (oder gerade weil) sie ihren Ursprung in den 50er und 60er Jahren haben, mittlerweile in vielen Aspekten deutlich von der Jugend bzw. den Jugendkulturen der 50er und 60er Jahre.
Jeder, der von dieser Arbeit einen zeitlichen Querschnitt vom Phänomen Jugend bzw. Jugendkultur im 20. Jahrhundert erwartet hat, wird jetzt natürlich etwas enttäuscht sein. Ich bin aber der Meinung, daß ein solcher Querschnitt in Bezug auf Vollständigkeit und absolute Korrektheit schon allein wegen des eingeschränkten Umfangs einer Diplomarbeit unmöglich ist. Ich glaube sogar, daß man selbst für wenige Jahrzehnte - so wie das bei meiner Arbeit ist - ja sogar für ein einzelnes Jahrzehnt oder eine einzelne Jugendkultur Jahre der Recherche bräuchte, um Anspruch auf Vollständigkeit der gewonnen Erkenntnisse erheben zu können. Und selbst dann wird man kaum annehmen können, nun alles über die Jugendlichen (die es an sich ja gar nicht gibt: Wer sind ´die´ Jugendlichen?) z.B. der 50er Jahre erfaßt zu haben.
-Was aber macht das ganze Thema Jugend bzw. Jugendkultur so schwer und komplex?-
Mit Sicherheit die vielen geschichtlichen Vorgänge, die Jugend so wie sie z.B. heute ist, oder vielleicht gestern noch war, erst ´möglich´ gemacht haben oder diese wenigstens begünstigt haben. So ist es natürlich falsch zu sagen:
„Heute beginnen die 50er bzw. 60er Jahre - die Jugend ebenso - ein Neuanfang für alle Beteiligten - vergeßt alles andere!“ Es gibt stets ein ´Vorher´ und ein ´Danach´ welches beachtet werden muß, will man verstehen wie sich Jugendkultur im Laufe der Zeit entwickelt hat. Selbstverständlich ist das einem Jugendlichen an sich egal, wenn man ihm erzählen sollte, daß z.B. die Erfindungen und der Einsatz der Massenmedien in den 50er Jahren als Grundlage maßgeblichen Einfluß auf sein heutiges Erscheinungs- und Darstellungsbild in der Gesellschaft haben. Auch wenn die Zusammenhänge oft verschwommen erscheinen mögen, so sind es doch immer wieder in der Vergangenheit gesetzte Marksteine, die eine nachfolgende Jugendkultur beeinflussen können. Demzufolge ist es für eine Arbeit zu diesem Thema unumgänglich, die Vorgänge, die sich auf die Entwicklung von Jugendkultur ausgewirkt haben könnten, zu realisieren und auch darauf einzugehen.
Ein weiteres Problem bei der Ausführung einer solchen Arbeit sind auch die vielen Ausnahmen, die es schon fast unmöglich machen von ´einer Jugend´ oder ´den Jugendlichen´ zu reden. Denn es wird immer wieder Menschen geben, die von sich zu Recht behaupten können:
„Also so war das bei mir aber überhaupt nicht - das habe ich anders erlebt!“
Je mehr man sich mit ´Jugend´ auseinandersetzt, um so komplexer scheinen die Zusammenhänge zu sein, die zu ihren jeweils aktuellen Erscheinungsbildern geführt haben.
[...]
1 Babylonischer Kulturkritiker in T. Faix, 1997
2 vgl. D. Baacke, 1999 bzw. J. Zinnecker, 1987 bzw. V. Brand, 1993
Arbeit zitieren:
Jakob Kandlbinder, 2003, Jugend und Jugendkulturen, München, GRIN Verlag GmbH
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