Inhaltsverzeichnis
A. Die Beschäftigung mit Geschichte darf nicht auf rein deskriptivem Niveau
verbleiben 4
B. Leben, Werk und Wirkung 5
1. SCHALLMAYERs Leben im zeitgeschichtlichen Kontext 5
1.1 Wirtschaftliche und soziale Entwicklungen 6
1.2 Politische und weltanschauliche Einflüsse 7
2. Rationalisierung der menschlichen Fortpflanzung: “Vererbung und Auslese.
Grundri ß der Gesellschaftsbiologie und der Lehre vom Rassedienst 8
2.1 Die wissenschaftlichen Grundlagen des Rassedienstes 8
2.1.1 Biologische Grundlagen 9
2.1.2 Warum jetzt Rassedienst nötig ist 9
2.1.3 Historische und sozialphilosophische Überlegungen 11
2.2 Ziele und Wege des Rassedienstes 12
2.2.1 Volksmehrungspolitik 12
2.2.2 Wege der Volkseugenik 13
3. Kontroversen in der Rezeption 14
3.1 Rassismus oder internationale Selektion? 14
3.2 Kritische Würdigung und Wirkungsgeschichte 15
C. Das Risikopotential der eugenischen Bewegung wird mit politischem Weitblick
beurteilt 17
Literaturverzeichnis 18
3
Dem deutschen Romancier sind keine rationalen Erklärungen für das Geschehene
Doch auch das Dritte Reich legte sich nicht wie ein dämonischer Zauber über Deutsch-
Die schlichte Beobachtung, bestimmte nationalistische, völkische und eugenische Ge-
Im schwäbischen Mindelheim wird Wilhelm Schallmayer 1857 geboren. Sechs Jahre nach der Gründung des Deutschen Reiches legt er 1877 sein Abitur ab und dient vor Studienbeginn ein Jahr freiwillig. Während dieser Phase lernt er den auch in Süddeutschland damals recht ausgeprägten Militarismus hassen.
Zunächst beginnt er Jura zu studieren, belegt aber ab 1879 Medizin und Philosophie in Leipzig und später München. Seine Promotion betreibt er bei Prof. Bernhard von GUDDEN, der später als Arzt von König Ludwig II. große Bekanntheit erlangen sollte. Thematische Aspekte seiner 1886 abgeschlossenen Dissertation über „Die Nahrungsverweigerung und die übrigen Störungen der Nahrungsaufnahme bei Geisteskranken” finden sich vielfach in SCHALLMAYERs Hauptwerk wieder.
Als Facharzt für Dermatologie lässt er sich in Kaufbeuren nieder, reist viel und wird in seiner zweiten Ehe Vater von Zwillingen. Im Dreikaiserjahr 1888 beginnt die Regierungsphase des 29-jährigen WILHELM II. und damit besonders außenpolitisch eine sehr unruhige Zeit.
Mit der Schrift „Über die drohende physische Entartung der Culturvölker” erscheint 1891 die erste deutschsprachige Veröffentlichung eugenischer Gedanken. Bis zum öffentlichkeitswirksamen Erfolg SCHALLMAYERs durch die Zuerkennung des Krupp-Preises 1900 finden diese Ideen jedoch kaum Resonanz. Ab 1894 hält sich SCHALLMAYER einige Jahre in China auf und betreibt dort Studien der chinesischen Kulturgeschichte - eine Erfahrung, die sich auch in seinem Hauptwerk niedergeschlagen hat.
Nach seiner Rückkehr gibt er 1897 die Praxis auf, um sich in München ganz dem Studium der Rassenhygiene und Eugenik zu widmen. Seinen mit dem Krupp-Preis ausgezeichneten Beitrag veröffentlicht SCHALLMAYER 1903 unter dem Titel “Vererbung und Auslese”. Das sehr erfolgreiche erste deutsche Standardlehrbuch der Eugenik erscheint 1918 - am Ende des Ersten Weltkrieges - in einer dritten, völlig neu überarbeiteten Auflage. Nach seinem Tod im Oktober 1919 wurde diese Fassung unverändert nochmals aufgelegt; falls nicht anders vermerkt, wird diese vierte Auflage von 1920 im Folgenden zitiert.
5
Insgesamt hat Wilhelm SCHALLMAYER etwa 50 Publikationen zu medizinischen und eugenischen Themen veröffentlicht.
Während seines Lebens ereigneten sich tiefgreifende gesellschaftliche und politische Umwälzungen, die sicherlich SCHALLMAYERs Denken und Persönlichkeit prägten. Die Wilhelminische Epoche stellt den geschichtlichen Rahmen seines Werkes dar, und die Auflage von 1918 steht besonders unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges. Das Ende der Monarchie in Deutschland, die Annahme des Versailler Vertrages und der Beschluss der Weimarer Verfassung 1919 waren historische Ereignisse, die in seinen letzten Lebensmonaten stattfanden.
1.1 Wirtschaftliche und soziale Entwicklungen
Das Phänomen der Industrialisierung prägte die gesellschaftlichen Verhältnisse der Wilhelminischen Zeit. Durch die verzögerte politische Einheit Deutschlands setzte diese wirtschaftliche Entwicklungen später ein als in den übrigen europäischen Nationalstaaten, dafür aber um so heftiger.
Zwar lässt sich anhand der Beschäftigtenzahlen bereits ab 1850 ein verstärktes Wachstum im sekundären Sektor feststellen, aber erst die Reichseinigung zusammen mit der französischen Kriegsentschädigung führten zu den „Gründerjahren“ 1871-73. Die enorme Dynamik dieser Jahre kollabierte jedoch im anschließenden „Gründerkrach“. Doch die Grundtendenz aus den ersten Jahren des Deutschen Reiches blieb erhalten: Nach 1870 lebte die Hälfte der Deutschen vom Erwerb in der Landwirtschaft. Ab 1890 übertraf die industrielle die agrarische Wertschöpfung und ab 1900 überwogen auch die Beschäftigtenzahlen in der Industrie.
Arbeit zitieren:
Johannes Huber, 2003, Die Anfänge der deutschen Eugenik, München, GRIN Verlag GmbH
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