INHALT
1 EINLEITUNG 3
2 GRUNDLAGEN 4
2.1 HISTORISCHER HINTERGRUND 4
2.2 RAHMENBEDINGUNGEN 4
3 AUFBAU UND ABLAUF 6
3.1 ERZÄHLAUFFORDERUNG 6
3.2 HAUPTERZÄHLUNG 7
3.3 NACHFRAGETEIL 9
3.3.1 Immanente Nachfragen 9
3.3.2 Externe Nachfragen 10
3.4 INTERVIEWABSCHLUSS 11
4 BIOGRAPHISCHE FALLREKONSTRUKTION 12
4.1 TRANSKRIPTION UND ANONYMISIERUNG 12
4.2 ANALYSEVERFAHREN 13
5 MÖGLICHKEITEN FÜR DIE SOZIALE ARBEIT 16
6 SCHLUSS 18
7 LITERATURLISTE 19
1 Einleitung
Was hat die individuelle und selbsterzählte Lebensgeschichte eines einzelnen Menschen mit der Funktion und den Strukturen der gesamten Gesellschaft zu tun? Diese Frage lässt sich hier sicherlich nicht vollständig beantworten. Versucht man jedoch die Komplexität der Gesellschaft zu verstehen, kann man sich zunächst die rekonstruierte Biographie eines Gesellschaftsmitgliedes zunutze machen, indem das Individuum biographisch respektive autobiographisch in Bezug zur Gesellschaft gesetzt wird. 1 Wie aber gelange ich an die Lebensgeschichte eines mir unbekannten Menschen und womit kann ich sie für die Sozialforschung verwertbar aufbereiten? Dieser Fragestellung gehe ich in dieser Hausarbeitarbeit nach und beschreibe eingehend, wie eine individuelle Biographie erstellt und ausgewertet werden kann. Zu Beginn der Arbeit stelle ich die Methode des narrativ biographischen Interviews vor und gehe kurz auf die Entstehung sowie die allgemeinen methodischen Grundlagen ein. Schwerpunktmäßig befasse ich mich mit der praktischen Interviewführung und den darin enthaltenen Besonderheiten. Dabei wird jeder einzelne Schritt der Forschungsmethode ausführlich dargestellt und erläutert. Anschließend komme ich zur Auswertung und Analyse des Interviews. Hierbei gehe ich speziell auf das von Gabriele Rosenthal weiterentwickelte Verfahren ein, da es in der mir vorliegenden Literatur die aktuellste Form der Analyse darstellt. Dieses sehr komplexe Verfahren stelle ich in den einzelnen Arbeitsschritten kurz dar. Abschließend versuche ich auf drei unterschiedliche Ebenen Parallelen von der qualitativen Forschungsmethode des narrativ biographischen Interviews zur praktischen Sozialen Arbeit herzustellen, um damit die Praxisrelevanz für zukünftige Sozialarbeiter aufzuzeigen.
1 Vgl. Fischer - Rosenthal, Wolfram; Rosenthal, Gabriele (1997a): Narrationsanalyse biographischer
Selbstpräsentation, in: Hitzler, Ronald; Honer, Anne (Hrsg.): Sozialwissenschaftliche Hermeneutik. Opladen, S. 133
3
2 Grundlagen
2.1 Historischer Hintergrund
„Das narrative Interview ist eine Spezialform des qualitativen Interviews, die Schütze (1977) entwickelt und propagiert hat. Im narrativen Interview wird der zu Befragende aufgefordert, zu dem im Gespräch benannten Gegenstand zu erzählen, was natürlich voraussetzt, dass der zu Befragende eine entsprechende Kompetenz besitzt.“ 2 Fritz Schütze, der viele Jahre als Universitätsprofessor in der damaligen Gesamthochschule Kassel am Fachbereich Sozialwesen und Gesellschaftswissenschaft lehrte, wurde in seiner Arbeit hauptsächlich durch die Einflüsse amerikanischer Soziologen geprägt. Die phänomenologisch orientierte Soziologie von Alfred Schütz und der Symbolische Interaktionismus, der aus der Chicago School um George Herbert Mead hervorgegangen ist, lassen sich ebenso wie die Konversationsanalyse und die von Anselm Strauss und Barney Glaser entwickelte Grounded Theory als Grundlage für Schützes Weiterentwicklung einer eigenständigen qualitativen Forschungsmethode wiederfinden. 3 Eine weiterführende Auseinandersetzung und umgreifende Vertiefung dieser Konzeption, besonders auf dem Gebiet der biographischen Fallanalyse, führen seit Mitte der 1980 Jahre Gabriele Rosenthal und Wolfram Fischer - Rosenthal durch. 4
2.2 Rahmenbedingungen
Bei narrativ biographischen Interviews werden die potentiellen Informanten gebeten ihre eigenen Erlebnisse in Form einer Geschichte darzustellen. Dabei geht es um Erlebnisse mit sozialwissenschaftlichen Interesse, lebensgeschichtliche, alltägliche, situative und / oder kollektiv - historische Ereignisabläufe, in die der Erzähler selbst
2 Lamnek, Siegfried (1995): Qualitative Sozialforschung. Band 2. Methoden und Techniken. 3., korrigierte Auflage,
Weinheim, S.70
3 Vgl. Küsters, Ivonne (2006): Narrative Interviews. Grundlagen und Anwendungen. Wiesbaden, S. 18
4 Vgl. Loch, Ulrike; Schulze, Heidrun (2002): Biographische Fallrekonstruktion im handlungstheoretischen Kontext
der Sozialen Arbeit, in: Thole, Werner (Hrsg.): Grundriss Soziale Arbeit. 2., überarbeitete Auflage, Opladen, S. 564
4
war. 5 involviert Es handelt sich um ein „universell einsetzbares
Forschungsinstrument.“ 6 Die persönliche Partizipation des Interviewten an dem zu untersuchenden Forschungsereignis ist eine der bedingenden Voraussetzungen für ein erfolgreiches Interview. Denn nur dann hat der Erzähler eine kognitive Repräsentation des Handlungsablaufs gebildet, welche er aktualisieren und als Narration reproduzieren kann. Weiterhin muss der Interviewte dem Geschehen in der Vergangenheit eine gewisse Aufmerksamkeit gewidmet haben, damit die Erinnerung daran wieder hervorgerufen werden kann. Die zu untersuchenden sozialen Phänomene müssen einen Prozesscharakter aufweisen, da nur über Abläufe, die beginnen, sich entwickeln und einen, auch vorläufigen Abschluss darstellen, kann eine Erzählung entstehen. Für einen Forschungsgegenstand, der einen ständig wiederkehrenden und routinierten Handlungsablauf darstellen will, beispielsweise den Tagesablauf oder eine Beschreibung der Arbeit, ist das narrativ biographische Interview nicht geeignet, denn hierbei würde der Befragte nur zusammenfassend berichten, Fakten und Daten darlegen oder argumentieren. Es käme jedoch zu keinem Erzählstrom der eigenen Handlungsgeschichte, wie er für die biographische Fallrekonstruktion notwendig ist. 7
5 Vgl. Glinka, Hans - Jürgen (2003): Das narrative Interview. Eine Einführung für Sozialpädagogen. 2. Auflage,
Weinheim und München, S. 9
6 Fischer - Rosenthal, Wolfram; Rosenthal, Gabriele (1997a): S. 136
7 Vgl. Küsters, Ivonne (2006): S. 30 ff.
5
3 Aufbau und Ablauf
Vor dem eigentlichen Interviewbeginn findet ein Vorgespräch statt, in dem die formalen Absprachen über den Ort und die Zeit des Treffens ebenso erörtert werden wie die Anfrage bei dem Gesprächstermin ein Aufnahmegerät verwenden zu dürfen. Auch wenn die Absprachen oft nur fernmündlich stattfinden, wird hierbei das erste Vertrauensverhältnis aufgebaut, welches unbedingt für ein erfolgreiches Interview notwendig ist. Jedem Biographen muss vorher die Wahrung der Anonymität zugesichert werden. Das Vorgespräch sollte nicht das Thema des Interviews vorwegnehmen, da sonst der gewünschte Effekt einer Stehgreiferzählung unmöglich wird. 8
3.1 Erzählaufforderung
Die Erzählaufforderung ist einer der wichtigsten Bestandteile des narrativ biographischen Interviews, da hierbei der Interviewte mit einer sehr allgemein gehaltenen Einstiegsfrage dazu aufgefordert wird, seine Lebensgeschichte respektive spezielle Phasen oder Bereiche seiner Biographie wiederzugeben. 9 Der Einstiegs- oder Erzählstimulus muss sorgfältig durchdacht und konzipiert werden. Der Biograph soll nicht direkt auf das Prozessgeschehen gelenkt oder beeinflusst werden, jedoch sofort und so umfassend wie möglich mit seiner Erzählung beginnen. Die Befragten nehmen die Stimuli oft sehr ernst und reagieren deutlich spürbar auf die Formulierungen und versuchen ihre Erzählung genau darauf abzustimmen. Auch die Informationen über den Interviewverlauf können in die Erzählaufforderung einfließen. Der Interviewte muss wissen, dass er in seiner Haupterzählung nicht unterbrochen wird, der Forscher sich lediglich einige Aufzeichnungen macht, sonst jedoch schweigt. 10 Eine sehr offene Form der Fragestellung kann folgender Maßen aussehen:
8 Vgl. Küsters, Ivonne (2006): S. 54 -55
9 Vgl. Fischer - Rosenthal, Wolfram; Rosenthal, Gabriele (1997): Warum Biographieanalyse und wie man sie macht,
in: Zeitschrift für Sozialforschung und Erziehungssoziologie. 17. Jg., S. 414
10 Vgl. Küsters, Ivonne (2006): S. 44
6
Arbeit zitieren:
Stephan Krause, 2008, Das narrativ biographische Interview, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Auswertung qualitativer Interviews nach der Methode der Rekonstruktive...
Seminararbeit, 25 Seiten
Multiperspektivische Fallarbeit am Beispiel der Hilfeplanung
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 18 Seiten
Lebenslaufforschung - Welche Rolle spielt die Sozialisation im Erwachs...
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Seminararbeit, 22 Seiten
Adipositas - Probleme von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen
Hausarbeit, 21 Seiten
Soziales Lernen in der Grundschule - Beweggründe und Ziele
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 17 Seiten
Biographieforschung und biographische Lernprozesse
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Seminararbeit, 23 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Nachbarschaftseffekte - Räumlich konzentrierte Armut und ihre Folgen f...
Soziologie - Wohnen, Stadtsoziologie
Bachelorarbeit, 33 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Der gute Sozialarbeiter - Reflexion zur Frage der Grundhaltung in der ...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 15 Seiten
Einführung in die Biographieforschung mit geschichtlichem Rückblick
Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation
Hausarbeit, 11 Seiten
Stürmen Frauen die Bastion der...
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Hausarbeit, 26 Seiten
Vorurteile und Stereotypen in der sozialpsychologischen Vorurteilsfors...
Psychologie - Sozialpsychologie
Seminararbeit, 21 Seiten
Stephan Krause hat den Text Das narrativ biographische Interview veröffentlicht
Stephan Krause hat einen neuen Text hochgeladen
Komparative empirische Sozialforschung
Anwendungsfelder und aktuelle ...
Tilo Beckers, Jörg Hagenah, Ulrich Rosar, Klaus W. Birkelbach
Theorie der Gesellschaft und empirische Sozialforschung
Zur Logik der Aufklärung des U...
Gerhard Stapelfeldt
Praxisbuch Empirische Sozialforschung
in den Erziehungs- und Bildung...
Hannelore Reicher, Hubert Stigler
0 Kommentare