Gliederung
I. Einleitung: Anmerkungen zur Vorgehensweise und Zielen
der Arbeit
Seite 3 - 4
II. Hauptteil:
Seite 5 - 19
1. Erläuterungen zur Persönlichkeit des P. Cornelius Scipio Aemilianus
Seite 5 - 7
2. Untersuchungen zur Quellenlage des 3. punischen Krieges
Seite 7 - 8
3. P. Cornelius Scipio Aemilianus und die römische Politik
gegen über Karthago
Seite 8 - 19
3.1 Die römische Politik bis 154 v. Chr.
Seite 8 - 9
3.2 Zuspitzung der Lage durch die Gesandtschaftsreise Catos
Seite 9 - 12
3.3 Kriegsgegner und Scipios Reise zu Massinissa
Seite 12 - 13
3.4 Die römische Entschlossenheit im Bezug auf die Unterwerfung der
Karthager
Seite 13 - 15
3.5 Scipios eifriger Einsatz im Kriegsgeschehen
Seite 15 - 19
III. Schluss: Inwiefern galt das rücksichtslose Vorgehen Roms und
Scipios im 3. Punischen Krieg als gerechtfertigt /
ungerechtfertigt ?
Seite 19 - 21
IV. Literaturverzeichnis
Seite 22 - 23
2
I. Einleitung
Der militärische Disput zwischen den Römern und den Karthagern hat eine lange Geschichte. Der 1. Punische Krieg (264- 241) entzündete sich an einem Konflikt, in dessen Mittelpunkt die Stadt Messana stand. Die Marmetiner, denen von Hieron II am Longanos eine schwere Niederlage beigebracht wurde, wandten sich Hilfe suchend sowohl an die Römer, als auch an Karthago. Daraufhin entsandte Hannibal II eine Besatzung nach Messana, die jedoch vom röm. Heer, unter dem Konsul Ap. Claudius Caudex vertrieben wurde. Als das röm. Heer daraufhin nach Sizilien übersetzte, brach ein bewaffneter Konflikt zwischen Rom auf der einen Seite, Hieron II und Karthago auf der anderen aus. Im Friedensvertrag wurde vermerkt, dass „Karthago Sizilien “und die Inseln zwischen Sizilien und Italien“ räumen, sowie eine Kriegsentschädigung von 3200 Talenten, 1000 sofort, den Rest in 10 Jahresraten, zahlen sollte.“ 1 Im 2. Punischen Krieg (218- 202) zielten die Römer darauf ab, Karthago vom keltischen Vorfeld Norditaliens fernzuhalten. Hasdrubal ging auf den Vertrag ein, weil er der Erweiterung des karthagischen Herrschaftsgebietes in Spanien keinerlei Schranken wies. Diese Expansionsfreiheit auf Seiten der Karthager sollte zum Ausbruch des 2.Punischen Krieges führen. Als Hasdrubals Nachfolger, Hannibal IV, einen großen Feldzug weit über Tagos und Tajo hinaus führte und er im folgendem Jahr auch Saguntum eroberte, hielt es Rom noch nicht für nötig einzugreifen, weil es im 2. Illyrischen Krieg und in militärische Operationen in Norditalien verwickelt war. Nachdem Hannibal allerdings 218 auch noch die Ebrolinie überschritt, war das Maß voll. Rom reagierte und stellte den Karthagern das Ultimatum Hannibal auszuliefern. Diese weigerten sich jedoch auf die Forderung der Römer einzugehen, so dass eine Kriegserklärung Roms an Karthago folgte. „ Beide Seiten ergriffen noch im Sommer 218 die Offensive“. 2 Nach anfänglichen Erfolgen auf Seiten der Karthager (s. Vernichtungsschlacht bei Cannae, August 216) und anschließenden Bündnissen (s. Süditalische Gemeinde Capua, Kooperationsabkommen mit Philippos V von Makedonien) folgte eine Wende mit Hilfe eines Stellungskrieges, in welchem die Römer Rückeroberungen erzielten. (212: Syrakusai, 211: Capua, 209: Tarentum, 210-206: Spanien) Im Jahre 205 schloss Rom Frieden mit Philippos V und ein Jahr später setzte P. Cornelius Scipio, Scipio Aemilianus` Großvater, nach Afrika über und zwang Hannibal dadurch Italien zu verlassen. Dieser wurde in der Entscheidungsschlacht von Zama (202) vernichtend geschlagen und Karthago zum Friedensschluss gezwungen. Auch der Friedensvertrag des 2. Punischen Krieges sollte fatale Folgen für die Karthager mit sich
1 Der Neue Pauly, Enzyklopädie der Antike, Band 10, hrsg. von Hubert Cancik und Helmuth Schneider, Verlag J.B.
Metzler, Stuttgart/ Weimar 2001, Seite 593
3
bringen, die sogar noch erdrückender waren, als die des 1. Punischen Krieges. Rom legte Karthago sowohl Rüstungs- und Souveränitätsbeschränkungen auf (Auslieferung der Flotte / Kriegselefanten bis auf 10 Einheiten, Verbot außerhalb Afrikas Krieg zu führen) als auch eine Kriegsentschädigung von 15000 Talenten, zu zahlen in 50 Jahresraten. Allesamt Kriegsfolgen, die den Karthagern schwer zusetzten.
Diese knappe Zusammenfassung der Ereignisse der ersten beiden Punischen Kriege zeigt auf, dass es Karthago trotz intensiver Bestrebungen nicht gelang sich dem Einflussbereich Roms zu entziehen. Die Ausbruchsversuche brachten lediglich noch härtere Konsequenzen mit sich, welche die Karthager schon so lange über sich ergehen lassen mussten. Der 3. Punische Krieg rundete die kompromisslose Vorgehensweise Roms gegenüber Karthago schließlich ab. Nach 118 Jahren erbitterter Streitigkeiten wird Karthago zerstört und ein langer Abschnitt der Unterdrückung auf Seiten Karthagos beendet. „Und die Karthager wurden bei der Eroberung ihrer Stadt so vollständig vernichtet, dass der Tod ihnen jeden weiteren Schmerz über ihr Schicksal nahm….“ 3
In der folgenden Arbeit möchte ich auf eine der „anziehendsten Persönlichkeiten der römischen Republik“ 4 , auf P. Cornelius Scipio Aemilianus und dessen hervorragende militärische, wie politische Leistung, nämlich die Zerstörung Karthagos im 3. Punischen Krieg (149 bis 146 vor Christus) näher eingehen und beurteilen, ob diese Leistung tatsächlich so hervorragend war. Zunächst werde ich mir die Frage stellen, was für eine Persönlichkeit Scipio Aemilianus war, um so sein Handeln besser verstehen zu können. Anschließend wird die Quellenlage des 3. Punischen Krieges näher erläutert werden, wobei ich die Arbeit an Cicero, Appian und vor allem an Polybios orientieren werde, der das Kriegsgeschehen unglaublich fesselnd und lebendig schildert. Der Schwerpunkt der Untersuchungen liegt jedoch auf Scipios politischer wie militärischer Vorgehensweise gegenüber Karthago im 3. Punischen Krieg. Wobei sich die Frage stellen wird, inwiefern die brutale, erbarmungslose Zerstörung Karthagos als wirklich notwendig und dadurch gerechtfertigt galt.
2 DNP, Enzyklopädie der Antike, Bd. 10, Cancik, Hubert; Schneider, Helmuth; (Hg.),Verlag J.B. Metzler,
Stuttgart/ Weimar 2001, Seite 594
3 Pol.38.1,6 entnommen aus: Polybios Geschichte II, eingeleitet und übertragen von Hans Drexler, Zürich und
Stuttgart, 1963, Seite 1307
4 Bilz , Konrad ,Die Politik des P. Cornelius Scipio Aemilianus, Stuttgart 1935, Seite 1
4
II. Hauptteil
1. Erläuterungen zur Persönlichkeit des P. Cornelius Scipio Aemilianus
Die Meinungen bezüglich der Persönlichkeit des Scipio Aemilianus sind gespalten. Fakt ist, dass er Ende 185 oder Anfang 184 v. Chr. als 2. Sohn des Pydnasiegers L. Aemilius Paullus und der Tochter des C. Papirius Maso, dem Konsul von 231, geboren wurde. Als sein älterer Bruder gilt Q. Fabius Maximus Aemilianus zu nennen. Scipio´s Vater war bekannt für seine strenge aristokratische Haltung und den Sieg über den makedonischen König Perseus im Jahre 168 v. Chr. Er verzeichnete viele militärische Erfolge und verstarb im Jahre 160 v. Chr. Aemilius Paullus legte großen Wert darauf seine eigene Erziehung auch auf seine beiden Söhne zu übertragen, so dass er die beiden in Philosophie und Rhetorik in griechischen Wissenschaften unterrichten ließ. Dies hatte zum einen Scipios hohe Bildung, zum anderen sein großes Interesse an der griechischen Kultur zur Folge. Er verband griechischen Geist mit römischer Macht. Doch Scipio galt keinesfalls als fanatischer Philhellenist. Er war nicht ununterbrochen am lesen und lernen, sondern ging z.B. leidenschaftlich gerne auf Jagd oder trainierte seine militärischen Fähigkeiten. „ In der Blüte der Jugendkraft, von der Natur ausgezeichnet dafür ausgestattet, so wie ein edler Jagdhund ,gewann er hier [in Makedonien] große Erfahrung und Gewandtheit in der Jagd, und die Leidenschaft für sie blieb ihm treu.“ 5 Cicero stellt Scipio hierbei Q. Aelius Tubero gegenüber, der im Unterschied zu Scipio seine gesamte Freizeit der Philosophie widmete. „Tag und Nacht sahen wir den hochverdienten und einsichtsvollen Quintus Tubero unter Leitung eines Philosophen dieser Wissenschaft obliegen; hingegen an seinem Oheim Africanus konnte man kaum merken, dass er sich damit beschäftigte, und doch tat er es. 6 168 v. Chr. wurde der junge Scipio ins Haus der Cornelii Scipiones, wenig später in das der Fabii Maximi adoptiert. Beide Familien galten als die vornehmsten und einflussreichsten Roms. Nach dem Perseusfeldzug (168 v. Chr.) nahm er an der Reise seines Vaters durch Griechenland teil, was eine noch engere Bindung an die griechische Kultur zur Folge hatte. Als schließlich 166 v. Chr. der griechische Geschichtsschreiber Polybios die Erziehung und Belehrung Scipios und dessen Bruders übernahm, erreichte die Bindung Scipios an Griechenland ihren Höhepunkt. „ Ein innerer Drang zog [den damals noch nicht ganz 18 jährigen Scipio] zu dem fast doppelt so alten Griechen hin.“ 7 Scipio zu Polybios: „Wenn ich nur den Tag schauen könnte, an dem du
5 Pol. 32.15,8f, entnommen aus: Polybios Geschichte II, eingeleitet und übertragen von Hans Drexler, Zürich und
Stuttgart, 1963, Seite 1231
6 Cic.,de orat., 3. 87, übersetzt, eingeleitet und erläutert von Raphael Kühner, München, Seite 286
7 Bilz , Konrad ,Die Politik des P. Cornelius Scipio Aemilianus, Seite 7
5
alles andere zurückstellst, dich nur mir widmest und ganz mit mir lebst.“ Denn von dem Augenblick an werde ich glauben meines Hauses und meiner Vorfahren wert zu sein.“ 8 Scipio selbst bestimmte das Erziehungsziel: Die Vorbereitung auf seine politische Laufbahn. Der Schüler zeigte sich stets als zielstrebig und ehrgeizig. „ Er gab sich nicht dem Leichtsinn seiner Altersgenossen hin, sondern erwarb sich durch Sittsamkeit, Selbstbeherrschung, Uneigennützigkeit, besonders in Geldangelegenheiten, Achtung vor dem Volke und übertraf in kurzer Zeit alle seine Standesgenossen. Ihr erstes Streben, ihr erster Wetteifer um alles Gute und Schöne war darauf gerichtet, den Ruhm des Maßhaltens in allen Dingen, einer sittlich untadeligen Lebensführung zu gewinnen und darin die Altersgenossen zu übertreffen.“ 9 Trotz seiner engen Bindung an die griechische Kultur darf jedoch nicht vergessen werden, dass Scipio immer seiner Heimat Rom treu blieb. Seine häufigen Aufenthalte in Griechenland entfernten ihn nicht von der eigenen Heimat, näherten ihn jedoch seiner zweiten Heimat, Griechenland, an. Charakteristisch für Scipios Haltung ist eine strenge aristokratische Linie, die er wohl von seinem Vater übernahm. Als seine Richtlinien galten sowohl die „Erhaltung der Vätersitte“ (sehr Traditionsbewusst) und natürlich die „ Reinhaltung der Aristokratie“. Er wollte zwar für das Volk arbeiten, niemals jedoch mit diesem. Wenn Scipio nach seinem Vorbild gefragt wurde, nannte er seinen Adoptivgroßvater P. Cornelius Scipio Africanus maior, den Bezwinger Hannibals in der Schlacht bei Zama (im 2. Punischen Krieg). Auch er war berühmt für seine militärischen Leistungen und die brutale, gewissenlose Vorgehensweise dabei. Insofern lässt sich eine Parallele ziehen, zwischen seinem rücksichtslosen Vorgehen gegenüber Karthago im 2. Punischen Krieg und Scipios grausamer Zerstörung Karthagos im Jahre 146 v. Chr. „ Er [Scipio] verfolgte zweifellos vom Standpunkt der römischen Machtinteressen eine reale, wenn auch gewalttätige Politik. Ich möchte in seinem Verhalten keinen Abfall von der Tradition des Africanus maior sehen, denn er führte im eigentlichen Sinne konsequent die Politik seines Adoptivgroßvaters fort.“ 10 Dennoch scheint sein Adoptivgroßvater eine weniger radikale Linie befolgt zu haben. Er war zu Verhandlungen bereit (z.B. mit Hannibal, vor der Schlacht bei Zama) und wollte Karthago bestehen lassen, wie sich im weiteren Verlauf zeigen wird. Insofern waren beide Männer zwar militärisch überaus erfolgreich, Africanus maior dagegen eindeutig milder und gerechter als sein Adoptivenkel.
Im Jahre 152 v. Chr. wird Scipio Mitglied des Senates und seine lange politische Karriere beginnt. ( Zeit seines politischen Wirkens: 155- 129 v. Chr.) Nach zahlreichen Feldzügen in
8
Pol. 32.10 , entnommen aus : Polybios Geschichte II, eingeleitet und übertragen von Hans Drexler, Zürich und
Stuttgart, 1963, Seite 1230
9 Pol. 32. 11.2 f., entnommen aus: Polybios Geschichte II, eingeleitet und übertragen von Hans Drexler, Zürich und
Stuttgart, 1963, Seite 1231
10 Bilz , Konrad, Die Politik des P. Cornelius Scipio Aemilianus, Seite 33/34
6
Arbeit zitieren:
Eva Ortegel, 2004, P. Cornelius Scipio Aemilianus und die römische Politik gegenüber Karthago vom Friedensvertrag von 201 bis zu Karthagos Zerstörung, 146 v. Chr., München, GRIN Verlag GmbH
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