Inhaltsverzeichnis
Einleitung 4
1. Möglichkeiten und Grenzen von E-Learning in
Bildungseinrichtungen 9
1.1 E-Learning aus der pädagogischen Anwenderperspektive 9
1.1.1 E-Medien 10
1.1.1.1 Präsentationsmedien 10
1.1.1.2 Interaktionsmedien 11
1.1.2 E-Communication 12
1.1.2.1 E-Instruktion/ Teleteaching 12
1.1.2.2 E-Tutoring 14
1.1.2.3 E-Moderation/ E-Coaching 15
1.2 Formen des E-Learning 18
1.2.1 Hard- und Softwaretechnische Infrastrukturen zur
Realisierung von E-Learning 19
1.2.1.1 Hardware 19
1.2.1.2 Software 20
1.2.2 Computer Based Training (CBT) 21
1.2.3 Web Based Training (WBT) 22
1.2.4 Formen des Computer Based Training und
Web Based Training 22
1.2.4.1 Tutorielle Lernprogramme 23
1.2.4.2 Lernsoftware 23
1.2.4.3 Autorensysteme 25
1.2.5 Blended Learning 25
1.3 Vor- und Nachteile von E-Learning 28
1.3.1 Vorteile von E-Learning 28
1.3.2 Nachteile von E-Learning 32
1.4 Rolle der Motivation 32
1.5 Wandel der Lehrerrolle 33
2
2. E-Learning in der Ausbildung von Gesundheitsfachberufen 37
2.1 Zum Begriff der „Gesundheitsfachberufe“ 37
2.2 E-Learning in der Ausbildung von Pflegeberufen 42
2.2.1 E-Medien in Einrichtungen der Pflege 42
2.2.2 E-Learning in der Pflegeausbildung 43
2.3 E-Learning in der Ausbildung von Berufen
Berufen der Primärversorgung 49
2.4 Vor- und Nachteile von E-Learning in der Ausbildung von Gesundheitsfachberufen 51
3. Das Autorensystem „Hot Potatoes“ 55
3.1 Modul 1: JQuiz 56 3.2 Modul 2: JCloze 57 3.3 Modul 3: JCross 58 3.4 Modul 4: JMix 59 3.5 Modul 5: JMatch 60 3.6 Modul 6: Masher 61
4. Schlussbetrachtung 62
5. Literaturverzeichnis 65
6. Anhang 71
7. Glossar 74
3
Einleitung
Für den Begriff des E-Learning (englisch: electronic learning - elektronisch unterstütztes Lernen) lassen sich im Internet und in der Literatur zahlreiche Definitionen finden:
So versteht Kerres E-Learning, „als einen Oberbegriff für alle Varianten internetbasierter Lehr- und Lernangebote.“ 1
Mayr und Seufert hingegen nehmen in ihrer Definition Bezug auf die Gestaltung von Lernumgebungen und beschreiben den Begriff folgendermaßen: „E-Learning findet statt, wenn Lernprozesse in Szenarien ablaufen, in denen gezielt multimediale und (tele-) kommunikative Technologien integriert sind.“ 2 Eine Begriffserweiterung nimmt Reusser vor, er begreift unter E-Learning „nicht allein offene und betreute Formen des Online-Lernens, letztere auf der Basis einer Lernplattform, sondern auch Offline-Formen wie das Lernen mit Lernprogrammen, z.B. auf CD-ROM oder DVD“ 3 .
Diese zahlreichen, vielfältigen Definitionen machen offensichtlich, dass E-Learning als Oberbegriff für „jegliche Formen von Lernarrangements steht, bei denen digitale Medien für die Präsentation und Distribution von Lernmaterialien und / oder zur Unterstützung zwischenmenschlicher Kommunikation zum Einsatz kommen 4 .“
Aus technisch - anwendungsbezogener Sicht umfasst E-Learning ein weites Feld an Anwendungen und Prozessen, von Web Based Training (WBT), Computer Based Training (CBT), Virtual Classrooms bis hin zu Formen wie dem Blended Learning. Das junge Forschungsgebiet E-Learning befindet sich derzeit mitten in einem Wandel von der Pionier- und Experimentierphase zur nachhaltigen Implementierung 5 . Es ist jedoch noch nicht in den Alltag der beruflichen Bildung eingezogen und so für viele Lehrende und Lernende noch Neuland. Dabei ist es gerade in der beruflichen Ausbildung von großer Bedeutung, E-Learning als einen
1 Kerres (2001a): Multimediale und telemediale Lernumgebungen.Konzeption und Entwicklung. S. 14
2 Mayr/Seufert (2002) : Fachlexikon E-Learning. Wegweiser durch das e-Vokabular. S. 45
3 Reusser (2003): E-Learning als Katalysator und Werkzeug didaktischer Innovation. S. 182
4 Kerres (2001b): Von der Pionierleistung in den Alltag Nachhaltige Implementierung mediengestützter Lehre. S.17
5 vgl. Kerres, 2001b, S.17
4
festen Bestandteil des Schul- und Unterrichtswesens zu integrieren. Dies ist vor allem an zwei Hauptgründen fest zu machen:
(1) An Berufsschulen findet der allgemein bildende und fachspezifische Unterricht unterschiedlich organisiert statt. Oft wird er in bestimmten Turnusabschnitten gehalten. So besuchen die Berufslernenden oft nur einmal pro Woche an zwei Tagen den Unterricht. Oder er wird in Blockform gehalten und wechselt sich in einem bestimmten Rhythmus zwischen Schule, Arbeit im Betrieb oder dem Praktikum ab. Je nach Turnusmodell kann es passieren, dass sich die Lehrenden und Lernenden über einen kürzeren oder längeren Zeitraum nicht sehen. Erarbeitete Inhalte aus verschiedenen Unterrichtssequenzen rücken in den Hintergrund und können nur noch rudimentär wiedergegeben werden. Die Schüler und Schülerinnen müssen erst wieder den „roten Faden“ finden, wenn sie nach einigen Tagen oder Monaten im Betrieb oder im Praktikum wieder die Schulbank drücken. Die Arbeit im Betrieb und der Besuch einer beruflichen Bildungseinrichtung sind zwei, zwar durch den Konsens des Theorie-Praxisbezuges verbundene Ausbildungsabschnitte, dennoch müssen die Lernenden eine klare Abgrenzung vornehmen. Sie stecken in einem moralischen Dilemma. In der Schule sollen sie nicht über die Probleme auf Arbeit nachdenken und umgekehrt sollen sie während des Arbeitsalltages nicht über den nächsten Test in der Schule grübeln. Nur so kann eine maximale Leistungseffizienz in beiden aneinander gekoppelten Lernumgebungen geschaffen werden. E-Learning nimmt hier eine unterstützende Funktion wahr. So könnten Schulforen, wie sie auch schon verbreitet in anderen Schulformen vorkommen, eine wichtige Hilfe sein, um einen fließenden Übergang zu ermöglichen. In diversen Schulforen können Lehrende und Lernende miteinander in Kontakt treten, Probleme diskutieren, Absprachen treffen, oder auf verschiedene Unterrichtsinhalte zuzugreifen, die für sie selbst bedeutsam sind. So können auf unkomplizierte und direkte Art und Weise rund um die Uhr Lernfortschritte erzielt werden.
(2) Neben diesen strukturellen Begebenheiten sprechen aber auch fächerunabhängige Bildungsabsichten für einen vermehrten Einsatz elektronischer Lernarrangements. Die Vermittlung von Allgemein- und Fachwissen ist nicht die einzige Zielstellung der schulischen Berufsbildung. Die Lernenden sollen ebenso unter Berücksichtigung ihrer Persönlichkeit und ihrer Interessen, ihre Methoden-, Sozial- und
5
Selbstkompetenz erkennen und erweitern. Sie arbeiten zum Beispiel mit dem Computer, insbesondere dem World Wide Web, dort können sie recherchieren, eigene und / oder fremde Texte und Beiträge diskutieren, informieren oder beurteilen.
Durch den bewussten Einsatz von digitalen Medien zielen Lehrpersonen darauf ab, ihre Lernarrangements zu verbessern und erweitern damit auch die Möglichkeiten für die Lernenden, Dinge auf vielfältige Art und Weise zu erlernen, zu vertiefen und anzuwenden. Beide Seiten gewinnen dadurch neue Erkenntnisse über Lern-, Arbeits-und Denkprozesse sowie über die gesellschaftliche und technologische Entwicklung. Nur so kann in einer rasanten Informationsgesellschaft, in der wir leben, Schritt mit der aktuellen Entwicklung gehalten werden. Heute ist der größte Teil der Informationen digitalisiert und somit für den einfachen Konsumenten viel schneller zugänglich als noch vor einigen Jahren. Enorme Datenmengen können in kürzester Zeit abgerufen, gespeichert, verwendet und wieder neu verbreitet werden. Um bei dieser Entwicklung auf dem neuesten Stand zu bleiben, ist ein richtiger Umgang mit den elektronischen Medien unabdingbar.
Computer gehören zu unserem täglichen Leben und sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie sind ein wichtiges, wenn nicht sogar das wichtigste Arbeits- und Informationswerkzeug der heutigen Zeit.
Untersuchungen belegen, dass rund 68 Prozent der deutschen Bevölkerung zwischen 16- und 65 Jahren Zugang zum Internet haben. Auch die Zugriffe der Deutschen auf den weltweiten Datenapparat steigen rapide an. So belegen Umfragen, dass etwa 55 Prozent der Deutschen täglich und weitere 27 Prozent mehrfach pro Woche online gehen. Nur 17 Prozent nutzen es im Augenblick selten oder gar nicht. Auch eine andere Studie aus dem Jahr 2006 macht das gewachsene Interesse am Medium Computer deutlich: Deutschland belegt im EU - Vergleich den vierten Platz bei der durchschnittlichen Ausstattung der Haushalte mit Rechnern. Mehr als 77 Prozent der deutschen Haushalte verfügen über einen Computer. 6
6 vgl. ZPR (2006): 68 % haben Zugang zum Internet, 6 % nutzen es trotzdem nicht. unter: www. digitale-chancen.de/content/stories/index.cfm/aus.2/key.2436/secid.16/secid2.49 (Stand: 28.1.07)
6
Trotz einer gestiegenen Vielfalt an technischen Möglichkeiten mit Hilfe des Computers herrscht immer noch eine spürbare Hilflosigkeit beruflicher Bildungseinrichtungen vor, diese Ressourcen auszuschöpfen. Dieses Manko war für mich Anlass, das Thema E-Learning in der beruflichen Bildung zu untersuchen und Entwicklungspotentiale aufzudecken. Ich will durch meine Arbeit aufzeigen, welche Formen des E-Learning in der Ausbildung von Gesundheitsfachberufen angewandt werden, welchen Nutzen sie bringen und an welche Grenzen diese stoßen. Daher lautet die Leitfrage meiner wissenschaftlichen Belegarbeit:
„Welche Möglichkeiten und Grenzen von E-Learning gibt es in der Ausbildung von Gesundheitsfachberufen?“.
Im ersten Teil möchte ich einen umfassenden Überblick zum Thema E-Learning erarbeiten. Dabei spielen folgende Leitfragen eine wichtige Rolle:
1. Was bedeutet E-Learning aus der pädagogischen Anwenderperspektive heraus?
2. Welche Formen von E-Learning gibt es?
3. Welche Möglichkeiten eröffnen E-Learning - Szenarien, an welche Grenzen stoßen sie?
4. Welche Rolle spielt die Motivation beim Einsatz von E-Learning? 5. Mit welchen neuen Anforderungen werden die Lehrenden konfrontiert?
Im zweiten Teil meiner Arbeit beschäftige ich mich dann explizit mit dem Einsatz von E-Learning in der Ausbildung von Gesundheitsfachberufen. Nach einer kurzen Erläuterung zum Begriff der „Gesundheitsfachberufe“ werde ich anhand der Ausbildung von Pflegeberufen und von Berufen in der Primärversorgung aufzeigen, inwieweit E-Learning zur Vermittlung, Vertiefung und Wiederholung in der schulischen und praktischen Ausbildung eingesetzt wird. Außerdem soll geklärt werden, welches didaktische Potential hierbei nutzbar gemacht werden kann.
Zur Bearbeitung dieses Abschnittes habe ich deswegen diese Fragen formuliert:
7
1. Was verbirgt sich hinter dem Begriff der „Gesundheitsfachberufe“ und welche Berufsgruppen/ Einzelberufe lassen sich diesem zuordnen?
2. Welche Rolle spielt E-Learning in der Ausbildung von ausgewählten Gesundheitsfachberufen?
3. Welche Vor- und Nachteile ergeben sich aus dem Einsatz von E-Learning in der Ausbildung von Gesundheitsfachberufen?
Im dritten Teil meiner wissenschaftlichen Arbeit werde ich mich näher mit dem Autorensystem „Hot Potatoes“ auseinandersetzen, mit dem ich mich eine Zeit lang beschäftigt habe. Ich werde aufzeigen, was dieses Programm im Einzelnen leistet, wie es strukturiert ist und werde Vorschläge unterbreiten, wie man die einzelnen Module dieses Autorensystems sinnvoll in den Unterricht integrieren kann. Auf folgende Fragen werde ich dabei eingehen:
1. Was verbirgt sich hinter dem Autorensystem „Hot Potatoes“?
2. Was leistet dieses Programm?
3. Wie kann es im Rahmen der Ausbildung von Gesundheitsfachberufen umgesetzt werden?
Den letzten Abschnitt meiner wissenschaftlichen Arbeit nimmt die Schlussbetrachtung ein, in der ich die Innovation des E-Learning nochmals kritisch reflektieren werde. Der Schwerpunkt soll dabei auf der Abwägung von Möglichkeiten und Grenzen des Programms in der Ausbildung von Gesundheitsfachberufen, aber auch in der allgemeinen schulischen Bildung sein. Nachstehende Fragen stehen dabei im Zentrum meiner Betrachtungen:
1. Welchen Nutzen bringt E-Learning?
2. Welchen Stellenwert nimmt E-Learning in der beruflichen Bildung ein?
3. Welche Stellung nimmt E-Learning in der Zukunft der (beruflichen) Bildung ein?
8
1. Möglichkeiten und Grenzen von E-Learning im Bildungssystem
1.1 E-Learning aus der pädagogischen Anwenderperspektive
Zunehmend wird die Auffassung vertreten, dass auch in der schulischen Berufsausbildung allein konventionelle Formen von Lehr- und Lernarrangements nicht mehr ausreichen. Schlagwörter wie E-Learning, selbstgesteuertes Lernen, Blended Learning, Computer Based Training, Web Based Training, etc. sind nach wie vor in aller Munde, mit dem Ziel eine Optimierung von Lehr- und Lernbedingungen in unterschiedlichen Qualifizierungsmaßnahmen beruflicher Bildungsinstituten zu erreichen. 7 Dennoch zeigen Untersuchungen, dass E-Learning immer noch als eine Bildungsinnovation bezeichnet werden kann 8 und als solche wird sie auch behandelt. Selten gibt man ihm eine Chance und wenn doch, dann nur zaghaft, und nach mehrfacher Aufforderung. Aber warum? Liegt es daran, dass der moderne Begriff „E-Learning“ eher abschreckt, als neugierig macht, weil viele damit nur eine weitere komplizierte Technik auf dem Computermarkt assoziieren? Oder empfinden die meisten Lehrenden Genugtuung in ihren konventionellen Lernarrangements? Fühlen sie sich sicher in ihrem didaktischen Know-How und haben gar Berührungsängste mit der neuen, fremden Methode?
Zugegeben, wenn man sich mit dem Thema E-Learning näher auseinandersetzt, so bietet sich anfangs ein Dschungel aus englischsprachigen, technisch versierten Begriffen und zahlreichen Abkürzungen, die im ersten Moment eine einschüchternde Wirkung haben, es sei denn man ist einer jener Computerfreaks, die mit solchen Wörtern täglich herumjonglieren. Die zahlreichen Definitionen von E-Learning, wie sie im Internet, Büchern und Zeitschriften zu finden sind, sind für ein besseres Verständnis der Frage, was E-Learning eigentlich ist, auch nicht sehr hilfreich. Dabei bedeutet es laut Euler und Seufert aus der pädagogischen Anwenderperspektive heraus nichts anderes, als dass sich die Lernenden zur Unterstützung ihres Aneignungsprozesses auf zwei neue Komponenten berufen können, die ihnen als zusätzliches Hilfsmittel zur Verfügung stehen: E-Medien und
7 vgl. Tiemeyer (2005): E-Learning in der beruflichen Bildung. S. 7
8 vgl. Euler/ Seufert (2005): Von der Pionierphase zur nachhaltigen Implementierung - Facetten und Zusammenhänge einer pädagogischen Innovation. S. 7
9
E-Communication. 9 Deshalb werde ich im Folgenden auf diese zwei Komponenten näher eingehen, wenn auch nur oberflächlich, da sie oftmals - besonders die Komponente E-Communication - in Einrichtungen der beruflichen Bildung, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle spielen.
1.1.1 E - Medien
E-Medien, stehen den Lehrenden und Lernenden in unterschiedlichen Variationen zur Verfügung und sind häufig untereinander verknüpft. Euler unterscheidet hierbei grob zwischen Präsentations- und Interaktionsmedien.
1.1.1.1 Präsentationsmedien
Präsentationsmedien dienen der anschaulichen und verständlichen Darbietung von Lehrinhalten. Dabei reicht deren Spektrum von klassischen Printmedien, wie Lehrbüchern, Aufgabenblättern und Skripte, bis hin zu audiovisuellen Medien. Im Zusammenspiel mit E-Learning stehen gerade solche multimedial aufbereiteten Lerngegenstände im Vordergrund, die über die klassischen Varianten der Printmedien hinausgehen und weitgehende Möglichkeiten zur Veranschaulichung von Lerninhalten bieten. 10
Zwei Beispiele für Präsentationsmedien, die schon erfolgreich in der schulischen Ausbildung von Gesundheitsfachberufen Anwendung finden, sind:
- Die filmisch-authentische Darbietung einer Fallsituation - in der beispielsweise ein ausgewählter Ausschnitt einer Problemsituation in einer Praxis und / oder einer anderen medizinischen Einrichtung im Mittelpunkt steht, oder aber eine spielerische Darbietung einer praxisnahen Fallsituation, wie die Betreuung von Patienten vor einem operativen Eingriff, bei Beratungsgesprächen, etc.
- Eine weitere Möglichkeit bieten Präsentationsfolien mit Animationselementen. Wo unter Anwendung einer PowerPoint-Präsentation eine bessere Veranschaulichung verschiedener Themengebiete und Lerninhalte vorgenommen werden kann. Dies könnte zum Beispiel zur unterstützenden Darstellung von Diagrammen oder
9 vgl. Euler/Seufert, 2005 , S. 4
10 vgl. Euler (2005a) : Didaktische Gestaltung von E-Learning-unterstützten Lernumgebungen., S. 232
10
Statistiken genutzt werden, wenn es um die Inkubationszeit bzw. um die globale Verbreitung bestimmter Infektionskrankheiten geht. Möglichkeiten des Einsatzes bieten sich aber auch zum besseren Verständnis durch die Visualisierung von Krankheitsbildern an.
1.1.1.2 Interaktionsmedien
Interaktionsmedien hingegen erfüllen aus didaktischer Sicht prinzipiell die Funktion, die in Präsenzveranstaltungen durch die Lehrenden übernommen werden. Das heißt, sie fordern und fördern die Lernenden dadurch, dass sie in einem höherem Maße die gelehrten Unterrichtsinhalte aktiv er- und verarbeiten, auf variierende Problemsituationen anwenden oder kritisch reflektieren müssen. Im Kern können Interaktionsmedien über folgende Komponenten in das Unterrichtsgeschehen mit eingebaut werden:
1. - durch Fragestellungen, die auf die Reproduktion und das Verstehen von Wissen zielen.
2. - durch Aufgabenstellungen, die auf die Anwendung von erlerntem Wissen zielen und den Lernenden dadurch die Möglichkeit geben, bisher erlernte abstrakte Fachinhalte auf konkrete praxisnahe Situationen anzuwenden.
3. - durch Problemstellungen, die ihrerseits auf die Kreativität der Lernenden zielen. Denn durch die bloße Anwendung bereits erlernten Wissens kann ein Problem selten vollständig gelöst werden, eine spezielle Problemsituation lässt sich nur durch das Einbringen eigener Ideen und deren praktischer Umsetzung erfolgreich bewältigen. 11
Diese Komponenten der Frage-, Aufgaben- und Problemstellung können anhand verschiedener medialer Einheiten in den Unterricht integriert werden. Zum Beispiel über:
- Selbst- bzw. fremdproduzierte Angebote an Lernsoftware (Tutorials, Simulationsspiele, etc.),
- Arbeitsanaloge Lernaufgaben, die die Lernenden mit einer praxisnahen Problemstellung konfrontieren und ihnen einen Hintergrund an unterschiedlichen
11 vgl. Euler/Seufert, 2005, S. 5
11
Lernressourcen zur Verfügung stellen, die die Lernenden selbst zur Er- und Bearbeitung der Lerninhalte verwenden können.
- Fallaufgaben, die unterschiedliche Anforderungen implizieren. So gibt es:
1. den Problemlösungsfall (case-problem-method), bei dem für eine im Fall „verpackte“ Problemsituation eine Lösung erarbeitet werden soll.
2. den Untersuchungsfall (case-incident-method), bei dem notwendige
3. den Problemfindungsfall (case-study-method), bei dem die verborgenen
4. den Beurteilungsfall (stated-solution-method), bei dem vorgegebene
1.1.2 E-Communication
E-Communication ermöglicht E-Learning mit Hilfe von Telekommunikationsnetzen. Dadurch wird ein schneller Zugriff auf räumlich entfernt liegende Lehr- und Informationssoftware ermöglicht. Des weiteren schaffen sie die Grundlage dafür, dass Menschen raum- und zeitunabhängig interaktiv miteinander in Kontakt treten können, zum Beispiel über Chatrooms, E-Mails, Diskussionsforen, etc. Abhängig von der zugrunde liegenden Lernumgebung und der darin vorgesehenen Rolle der Lehrenden lassen sich verschiedene Lehraktionsformen für das E-Learning unterscheiden. Der wesentliche Unterschied ergibt sich dabei durch die unterschiedlichen sozialen Aktivitäten der Lehrenden bei der Unterstützung der Lernenden und bei der Gestaltung von Unterricht. Euler unterscheidet hier zwischen drei verschiedenen „E-Lehr-Aktionsformen“ der E-Communication.
12 vgl. Euler, 2005a, S. 233
12
1.1.2.1 E-Instruktion/Teleteaching
E-Instruktion bzw. Teleteaching beschreibt eine Lernumgebung in der der Lehrende (auch als Teleteacher bezeichnet) über das Netz zu einer bestimmten Zeit Inhalte vermittelt. 13 Dies ist beispielsweise dann gegeben, wenn ein Vortrag synchron über das Internet übertragen wird. Das heißt, dass ein Teil der Lernenden präsent ist und die anderen diesen Vortrag parallel (dann meist geringfügig zeitlich versetzt) über das Netz mitverfolgen können. In der Literatur wird dies auch oft als „Live-Elearning“ 14 oder als „virtuelles Klassenzimmer“ bezeichnet. Während diese E-Lehr-Aktionsform in Einrichtungen der beruflichen Bildung noch nicht zur Ergänzung bzw. zur Neugestaltung des regulären Unterrichtsgeschehens genutzt wird, so zählt es bei vielen Hochschulen schon zum Standardrepertoire. Als Beispiel sind hier die Technische Universität Dresden und die Universität Osnabrück zu nennen, die im Studiengang Höheres Lehramt an Berufsbildenden Schulen im Fach Gesundheit und Pflege die E-Learning Veranstaltung „Pflege- und Medizinethik“ zum ersten Mal 2006 in telemedialer Kooperation per Internet durchführten. Da diese Kooperation für beide Universitäten als gewinnbringend eingestuft wurde, konnte sich dieses Seminar in beiden Institutionen erfolgreich etablieren. In didaktischer Hinsicht, bedeutet E-Instruktion bzw. Teleteaching nichts anderes als „eine Direktübertragung traditioneller Vorlesungen via Videokonferenz.“ 15
13 vgl. Euler, 2005a, S. 234f.
14 Tiemeyer, 2005, S. 48
15 Effelsberg/Gaiser (2005): Teleteaching. S. 2.
Unter: http://www.e-teaching.org/lehrszenarien/vorlesung/teleteaching/Teleteaching.pdf (Stand: 29.3.07)
13
In der folgenden Grafik ist ein Teleteaching-Senario stark vereinfacht dargestellt:
Abbildung 1: Teleteaching-Szenario 16
Vortragsort Fernhörsaal
- Lehrender wird aufgenommen - Bild des Lehrenden wird projiziert
- Fernhörsaal wird projiziert - Fernhörsaal wird aufgenommen
- Audio-Übertragung - Audio-Feedback möglich
1.1.2.2 E-Tutoring
E-Tutoring bezeichnet eine Lernumgebung, in der eine Lehrperson nur dann zur Verfügung steht, wenn die Lernenden im Prozess des selbstorganisierten Lernens mit Medien eine Lernhilfe bzw. ein Feedback durch einen Lehrenden benötigen. Von den Lehrenden werden dann beispielsweise prozessbezogene Lernhilfen bereitgestellt. Diese Form des selbstorganisierten Lernens kann in die Sozialformen des Einzel-oder Gruppen- bzw. Teamlernens eingebettet sein. 17 Beim tutoriellen Lernen steht die Motivation und die Selbststeuerung der Lernenden im Mittelpunkt. Vorteil des E-Tutoring ist, dass die Lernenden bei der Nutzung von Web Based Training, ebenso wie beim Computer Based Training eigenverantwortlich ihr Lerntempo bestimmen können.
16 Effelsberg/Gaiser, 2005, S. 3
17 Euler, 2005a, S. 234
14
18 Abbildung 2: Beispiel: E-Tutoring - Teletutoring
1.1.2.3 E-Moderation/ E-Coaching
E-Moderation bzw. E-Coaching bezieht sich auf Lernumgebungen, innerhalb derer die Lernenden telekommunikativ an einer komplexen Aufgaben- oder Problemstellung selbstverantwortlich arbeiten. Der Lernprozess wird dann von einem Lehrenden über das Netz moderiert bzw. im Rahmen eines Coachings begleitet. Ein Beispiel ist das gemeinsame Bearbeiten einer Projektaufgabe. Das heißt, relativ stabile Schülergruppen bearbeiten über einen längeren, begrenzten Zeitraum eine Frage- oder Problemstellung mit relativem Neuigkeitsgehalt. 19
18 Euler, 2005a, S. 234
19 vgl. Euler, 2005a, S. 235
15
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Dana Musialzyk, 2007, Möglichkeiten und Grenzen von E-Learning in der Ausbildung von Gesundheitsfachberufen, München, GRIN Verlag GmbH
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