7. Quellenverzeichnis
8. Eidesstattliche Erklärung
3
1. Hintergründe der Konferenz von Bretton Woods
Die Konferenz von Bretton Woods und ihre Ergebnisse sind als Reaktion auf die Abwertungswettläufe und den Protektionismus zwischen den beiden Weltkriegen zu verstehen. 1 Jeder Staat versuchte durch eine Abwertung der heimischen Währung die Exporte zu erhöhen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Diese nicht-kooperative Maßnahme des Gefangenendilemmas konnte jedoch nur erfolgreich sein, wenn ein Staat stärker abwertete als ein anderer. Daraus ergab sich eine sogenannte „beggar-my-neighbour-policy“, d.h., es wurde durch eine Währungsabwertung Arbeitslosigkeit ins Ausland exportiert, um so die inländische Beschäftigung zu stabilisieren. Daraus ergab sich unweigerlich ein Teufelskreis, der Abwertungswettlauf, der in Massenarbeitslosigkeit und Hyperinflation in den einzelnen Staaten gipfelte.
Protektionismus hingegen meint handelspolitische Konzeptionen, die verschiedene Maßnahmen beinhalten, deren Zweck es sein soll, einzelne Sektoren oder die gesamte Volkswirtschaft vor Importkonkurrenz zu schützen.
Die Folge des Abwertungswettlaufes und des Protektionismus war der Zusammenbruch des Goldstandards (darunter versteht man die Bindung eines Wertes der Währungseinheit an den Goldwert), daraus wiederum resultierte die Weltwirtschaftskrise zwischen 1929 und 1932. Eine Reform des Weltwährungssystems war des weiteren so dringend erforderlich, da sich vor und während des Zweiten Weltkrieges eine extreme Massierung der Bestände an Währungsgold in den USA vollzogen hatte (1938 besaßen die USA ca. 55% der offiziellen Goldreserven – die UDSSR nicht miteinbezogen – zehn Jahre später bereits 71%). 2 Zusätzlich zu dem Mangel an internationalen Reserven und der daraus resultierenden fehlenden internationalen Liquidität, führten Devisenkontrollen zu der Idee einer stabilen Wäh-rungsordnung, um die Funktionsfähigkeit des Güter- und Kapitalverkehrs zwischen den Staaten zu gewährleisten. 3 Darüber hinaus wurden die einzelnen Bestimmungen des Bretton-Woods-Abkommens stark von der Instabilität des Preisniveaus, der Unbeständigkeit der Finanzlage und der fehlenden internationalen wirtschaftlichen Integration in den Jahren zwischen den Kriegen beeinflusst. Es sollte versucht werden, eine Wiederholung dieser Ereignisse zu vermeiden, indem ein internationales Währungssystem geschaffen wurde, das Vollbeschäftigung und Preisniveausta-
1 Vgl.Gabler (1997), Band 2, S.693, Spalte 1.
2 Vgl. Czada, P. u.a. (1988), S.57.
3 Vgl. Knoppik, C. (2001), S.193.
4
bilität fördern würde. Jedoch sollte es den einzelnen Ländern möglich sein, ein Zahlungsbilanzgleichgewicht zu erreichen, ohne dass Restriktionen den internationalen Handel beschränkten.
Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen hatte die geistigen Väter des Bretton-Woods-Abkommens überzeugt, dass floatende Wechselkurse 4 der Grund für vorhersehbare Unbeständigkeiten und schädlich für den internationalen Handel waren.
Ebenso hatte diese Periode gezeigt, dass die Regierungen der einzelnen Länder nicht bereit waren, sowohl den Freihandel als auch feste Wechselkurse aufrechtzuerhalten, wenn der Preis dafür langfristige Arbeitslosigkeit in ihren Ländern wäre. 5 Um einer ähnlichen Situation in Zukunft entgegenzuwirken, beauftragte Großbritannien den Nationalökonom, Diplomat, Politiker und Publizist John Maynard Keynes und die USA Harry Dexter White, den Assistenten des Finanzministers Henry Morgenthau, Modelle für die Neu-ordnung der Weltwirtschaft zu entwickeln. Die beiden Staaten verfolgten jedoch unterschiedliche Ziele: Die USA als größte internationale Gläubigernation präferierte Inflationsvermeidung, das weltweit hochverschuldete Großbritannien dagegen gab der nationalen Vollbeschäftigung den Vorzug. In den Vorschlägen der Ökonomen wurden diese Präferenzen berücksichtigt, schließlich jedoch eine Kompromisslösung gefunden, wobei die Vorschläge Whites etwas überwogen.
2. Das System von Bretton Woods
2.1 Die Internationale Währungs- und Finanzkonferenz der Vereinten und iAssoziierten Nationen Vom 1. bis 22. Juli 1944 fand in Bretton Woods, New Hampshire (USA) die „Internationale Währungs- und Finanzkonferenz der Vereinten und Assoziierten Nationen“ statt, kurz auch Konferenz von Bretton Woods genannt. Erklärtes Ziel war eine umfassende Neuordnung der Weltwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. 6 Die 44 teilnehmenden Nationen unterzeichneten während dieser Währungs- und Finanzkonferenz das sogenannte Bretton-Woods-Abkommen. Dieses Abkommen trat am 27. Dezember 1945, nach der Ratifizierung durch 30 Staaten in Kraft. Auf Basis dieses Abkommens wurden der Internationale Währungsfonds und
4 Engl.: Floating Exchange Rate, bezeichnet einen Wechselkurs der sich ohne Interventionen der Zentralbank am
Devisenmarkt bildet.
5 Vgl. Krugman, P. u.a. (2000), S.547.
6 Vgl. Gabler (1997), Band 2, S.693, Spalte 1.
5
die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung gegründet. 7 Der internationale Handel, eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit, sowie ein internes und externes Gleichgewicht sollten gefördert werden. Des weiteren legten die USA und Großbritannien, als ehemaliges Leitwährungsland, in Bretton Woods den Grundstein für das Festkurssystem der Nachkriegszeit unter Gewährleistung möglichst freier Konvertibilität der Währungen. 8 Die Mitgliedstaaten verpflichteten sich für ihre Währungen entweder Goldparitäten oder Paritäten zum US-Dollar, der wiederum selbst eine Goldparität aufwies, zu vereinbaren. 9 Der Begriff Parität bezeichnet „...im allgemeinen Sinn das Austauschverhältnis zwischen der Währung eines Landes und einem anderen Werteträger...“. 10 „Damit wurde der US-Dollar zur neuen Leitwährung der Weltwirtschaft“. 11 Auf dieses Weise sicherten die Vereinigten Staaten von Amerika ihre wirtschaftspolitische Vormachtstellung in der Nachkriegsära, da das Abkommen von Bretton Woods eine enge Verflechtung von US-amerikanischer Wirtschaft und Weltwirtschaft unter US-amerikanischer Vorherrschaft zur Folge hatte. 12
2.2 Der Internationale Währungsfonds
Der Internationale Währungsfonds (IWF / IMF 13 ) ist eine internationale Organisation, deren Mitgliedstaaten (anfangs waren es 29, im Jahre 2001 bereits 183) sich vertraglich zur Einhaltung eines bestimmten Verhaltenskodex 14 und der gegenseitigen Hilfe bei der Finanzierung von Zahlungsbilanzdefiziten verpflichteten. Der IWF soll ein funktionsfähiges Weltwährungssystem ermöglichen, indem er starke Schwankungen der nationalen Währungen vermeidet und dafür sorgt, dass die Mitgliedstaaten zahlungsfähig bleiben. So sollte der internationale Handel stabilisiert werden. Der IWF nahm am 1. März 1947 in Washington D.C. (USA) seine Arbeit auf.
Der internationale Währungsfonds hatte im Jahr 2001 183 Mitglieder. Höchstes Organ ist der Gouverneursrat, dem die Mitgliedstaaten je einen Vertreter, in der Regel den Finanzminister oder Notenbankpräsidenten, stellen. Dieser Rat tagt einmal jährlich und entscheidet über Grundsatzfragen, wie z.B. die Aufnahme neuer Mitglieder oder Quotenänderungen.
7 Vgl. Microsoft® Encarta® Professional 2002, Stichwort: „Bretton Woods, Konferenz von“. 8 Vgl. Arnold, L. (2002), S.48.
9 Vgl. Microsoft® Encarta® Professional 2002, Stichwort: „Bretton Woods, Konferenz von“. 10 Microsoft® Encarta® Professional 2002, Stichwort: „Parität (Wirtschaft)“.
11 Microsoft® Encarta® Professional 2002, Stichwort: „Bretton Woods, Konferenz von“.
12 Vgl. Microsoft® Encarta® Professional 2002, Stichwort: „Bretton Woods, Konferenz von“. 13 Engl.: International Monetary Fund (IMF).
14 Dieser Verhaltenskodex betraf die enge Zusammenarbeit in Fragen der internationalen Währungspolitik und des zwischenstaatlichen Zahlungsverkehrs.
6
Das Gewicht der jeweiligen Länder im Exekutivdirektorium, dem die laufende Geschäftsführung obliegt, setzt sich aus der Quote und dem wirtschaftlichen Potenzial zusammen. Das Exekutivdirektorium hat 24 Mitglieder und tagt gewöhnlich drei Mal pro Woche. Die Leitung übernimmt ein geschäftsführender Direktor, welcher für fünf Jahre gewählt wird. Er ist gleichzeitig Vorsitzender des Exekutivdirektoriums und oberster Dienstherr der Mitarbeiter des IWF.
Die Stimmrechtsanteile werden durch das Einlagekapital definiert. Jedes IWF-Mitgliedsland erhält 250 Basisstimmrechte, des weiteren ein Stimmrecht pro 100.000 Sonderziehungsrechten der Quote. 15 Die westlichen Industriestaaten halten ca. 2/3 der Stimmen. Die fünf größten Kapitalgeber 2001 waren die USA mit 17,16%, Japan mit 6,16%, Deutschland mit 6,02% sowie Großbritannien und Frankreich mit jeweils 4,97% des Einlagekapitals. Diese 5 Staaten stellen je einen Exekutivdirektor. Saudi-Arabien hat 1978 durch seine Großkredite einen eigenen Sitz erhalten. Darüber hinaus stellen China (seit 1980) und später Russland je einen Vertreter. Die restlichen 16 Direktoren werden von den übrigen Ländergruppen nach ihrer regionalen Zugehörigkeit gewählt. 16
Abb. 1: Organisation von IMF und IBRD
15 Vgl. Deutsche Bundesbank (1992), S.4-6.
16 Vgl. IWF Jahresbericht 2001.
7
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Michael Hamoser, 2003, Die Dollarkrise im Währungssystem von Bretton Woods, Munich, GRIN Publishing GmbH
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