Architektur als Zeichen
am Beispiel von Daniel Libeskinds
Museumsbauten
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 2
2. Der Begriff des Dekonstruktivismus ... 4
3. Architektur als Text am Beispiel des Jüdischen Museums Berlin... 6
3.1 Architektur als Erfahrung des Anderen... 6
3.2 Der architektonische Text ... 8
3.3 Das architektonische Zeichen nach Umberto Eco... 9
4. Grundlegende Gestaltungselemente Libeskinds Museumsbauten ... 12
4.1 Die Chaos und Ordnungs-Dichotomie ... 12
4.2 Der Form und Funktions-Zusammenhang ... 13
4.3 Die Symbole Leere und Labyrinth ... 13
4.3.1 Das Felix Nussbaum-Haus form follows memory... 14
5. Fazit ... 17
6. Literaturverzeichnis... 19
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1. Einleitung
Mitte des 18. Jh. schuf Giambattista Piranesi die wahrscheinlich ersten dekonstruktivistischen
Zeichnungen - ,,skurrile frühe Vorformen autonomer Architektur" (Pahl 1999: 186). Da er die
Begriffe Dekonstruktion und Dekonstruktivismus nicht kannte, wird ihm nachgesagt, im
Unterbewusstsein bereits ,,das ,Abbauen' vertrauter baulicher Elemente und ihr Wiederauf-
bauen in veränderter, ungewisser Bedeutung
" voraus gedacht zu haben (vgl. ebd.). Mitte der
80er Jahre des 20. Jh. etablierte sich eine neue Formensprache, die Charles Jencks als ,,neuer
Expressionismus"
bezeichnete (Stöbe 1999 zit. n. Jencks 1988: 93). Frei von einheitlichen
und konventionellen Codes entstanden fragmentierte und chaotisch wirkende Formen. Erste
Strukturen architektonischer Dekonstruktion wurden in den USA in der zweiten Hälfte der
70er Jahre, z.B. durch Frank O. Gehry und Peter Eisenmann, entwickelt. So fand 1988 die
erste und sehr umstrittene Ausstellung Deconstuctivist Architecture im New Yorker Museum
of Modern Art statt, an der auch Daniel Libeskind teilnahm (vgl. Pahl 1999: 196).
Libeskind, 1946 in Lódz, Polen, geboren, gilt als international renommierter Architekt und
Stadtplaner jüdischen Glaubens. Sein Schaffen reicht von kulturellen Einrichtungen wie
Museen und Konzertgebäuden über Landschafts- und Stadtplanungen bis hin zum Entwurf
von Bühnenbildern, Installationen und Ausstellungen. Er studierte Architektur an der Cooper
Union for the Advancement of Science and Art in New York und erhielt 1970 sein Diplom.
Zu seinen Lehrvätern zählten u. a. Peter Eisenmann, Richard Meier, Charles Gwathmey und
Steven Holl. An der Universität von Essex, Großbritannien, erhielt er 1971 einen
Postgraduierten-Abschluss in Architekturgeschichte und -theorie. Nachdem er 1989
schließlich den Wettbewerb für die ,,Erweiterung des Berlin Museums mit Abteilung
Jüdisches Museum" gewonnen hatte, eröffnete er 1990 sein Architekturbüro in Berlin.
Mittlerweile existieren drei Hauptsitze in New York, Zürich und Mailand. Weltweit arbeiten
ca. 140 Angestellte für Libeskinds Architektur. Libeskind erhielt bereits zahlreiche
Architektur-Preise und Ehrendoktorwürden und gilt als einer der wichtigsten Vertreter des
Dekonstruktivismus. Weltweite Berühmtheit erlangte er mit seinem Entwurf für den Freedom
Tower in New York, mit dem er den Wettbewerb zur Gestaltung des Ground Zero gewann.
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Der Entwurf wurde vom Chefarchitekten David Childs inzwischen modifiziert. Zum World Trade Center-
Wiederaufbau siehe Christiner P.: http://www.egghof.com/NewYork/wtcneu.htm (Stand: 16.01.2008).
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Wenn Libeskinds Bauten dekonstruktivistische sind, was sind dann die Zeichen dekonstrukti-
vistischer Architektur?
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Da Libeskinds Architektur zwar als jene deklariert, insbesondere
jedoch als textuelle Architektur in architekturtheoretischen Diskurs interpretiert wird, sollen
dafür bezeichnende Gestaltungselemente der Museumsbauten Jüdisches Museum Berlin und
Felix Nussbaum-Haus in Osnabrück mittels der Theorie der textuellen Architektur nach Peter
Eisenmann und des semiotischen Ansatzes nach Umberto Eco betrachtet werden. Die als
Zeichen abstrahierten Elemente der Architektur wie Türen, Fenster oder Materialien werden
von Daniel Libeskind ganz bewusst eingesetzt. Wie können Zeichen und Symbole des
Gebauten deren beabsichtigte Wirkung unterstützen? Was kommunizieren darüber hinaus der
grundlegende Zusammenhang von Form und Funktion sowie die Chaos und Ordnungs-
Dichotomie über die Gesellschaft bzw. über den Architekten?
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Die Einteilung von Architektur erfolgt in Anlehnung an Schäfers nach verschiedenen Kriterien wie dem
vorherrschenden Baustil, der Kunst- und Kulturepoche, dem Zweck und den Funktionen der Gebäude, den
vorherrschenden Baumaterialien, den Formen der Raumauffassung sowie nach der Lage und Verbundenheit des
Gebäudes mit anderen Gebäuden (vgl. Schäfers 2006: 17f). In der vielschichtigen Auseinandersetzung mit
gegenwärtigen Architekturströmungen kann von Klassifizierungen nicht abgesehen werden. Im 20. Jh. werden
Stile durch die Konfrontation des einen Stils mit anderen Stilen bestimmt. Ein festes Zentrum der
Stilorientierung existiert nicht mehr. Stile sind vielmehr Systeme der äußeren Differenzierung (zwischen
verschiedenen Stilen) und der inneren Differenzierung (innerhalb eines Stils) geworden. (Vgl. Friesen 2006: 2f)
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2. Der Begriff des Dekonstruktivismus
Der Dekonstruktivismus ist, in Anlehnung an Pahl, keine Epoche, die sich durch einen
bestimmten Stil auszeichnet oder eine Gegenbewegung gegen die Moderne und
Postmoderne.
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Vielmehr ist es ,,eine Möglichkeit zur Darstellung einer geistigen Haltung"
(Pahl 1999: 188).
Der Begriff Dekonstruktion - ein Hybrid aus den binären Oppositionen Konstruktion und
Destruktion - wurde von dem französischen Philosophen Jacques Derrida (1930) begründet
und aus der Philosophie in den Architekturdiskurs übersetzt. Seit Bernard Tschumi
gemeinsam mit Jacques Derrida in den 80er Jahren des 20. Jh. am Projekt ,,Parc de la
Villette" in Paris zusammenarbeitete, gibt es neben einer textlichen Referenz auch einen
persönlichen Austausch zwischen philosophischer Dekonstruktion und architektonischen
Dekonstruktivismus. Dekonstruktion gilt als wichtigstes Element des Poststrukturalismus
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und beruft sich v.a. auf den sprachlich-textuellen und ideologisch-metaphysischen Aspekt von
Kultur. Nach Derrida unterliegt Dekonstruktion keiner eindeutigen Bestimmung. Ohne seine
Konzepte
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detailliert zu betrachten, schreibt der Dekonstruktivismus im Wesentlichen zentrale
westliche Konzepte und Positionen neu. (Vgl. Nünning 2004: 105)
Dekonstruktion meint nicht die Verneinung von Konstruktion, wie es die Vorsilbe ,De' in
ihrer sprachlichen Deutung nahe legt. Neben dem Moment der De-struktion enthält er auch
einen der Kon-struktion. Dekonstruktion bezeichnet die Ambiguität, Überliefertes zu
demontieren mit dem gleichzeitigen Bewusstsein, nicht ohne dieses auszukommen.
Der Annahme, dass Dekonstruktion die Moderne kritisiert und zerstört, setzt Stöbe entgegen,
dass Dekonstruktion deren Hintergründe und Strukturen aufdeckt (vgl. Stöbe 1999: 155).
Betroffen sind die vorherrschend klassischen Werte, wie z.B. Ordnung, Harmonie, Wahrheit
und Schönheit. Eine wirklich moderne Architektur müsse an den Zeitgeist anschließen und so
Erfahrungen wie Chaos, Unsicherheit und Entfremdung reflektieren (vgl. ebd.).
Dekonstruktivistische Architektur, so Jacques Derrida, befreit sich von einer vorherrschenden
Ästhetik, Schönheit, Nützlichkeit und der Funktionalität der Gebäude (vgl. ebd. zit. n.
Derrida: 191). Indem sie Konflikte artikuliert und ästhetisiert, revolutionieren Dekonstrukti-
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Auf die formalen Ähnlichkeiten dekonstruktivistischer Architektur zum russischen Konstruktivismus, zum
italienischen Futurismus und zum deutschen Expressionismus wird in dieser Arbeit kein Bezug genommen.
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Der Poststrukturalismus entwickelt sich in den 1960er-1980er Jahren aus der Neudefinition des Struktura-
lismus. Bedeutend dabei ist der Rekurs auf die linguistische Wende (linguistic turn), die eine Beeinflussung
vieler Wissenschaften von der Linguistik und Semiotik bedeutet.
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Derrida wendet sich mit seinen Schlüsselkonzepten der Schrift (,,écriture") und der Differenz (,,différance/
différence
") gegen die logozentrischen Illusionen des abendländischen Denkens. Er wendet sich damit gegen die
,Präsenz' einer unmittelbar gegebenen und in der Sprache vergegenwärtigten Wirklichkeit. (Vgl. Nünning 2004:
105)
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visten die ästhetische Wahrnehmung. Ziel der Dekonstruktion sei es, klassische Bedeutungs-
Einheit ab
zubauen, um Bedeutungs-Vielheit aufzubauen (vgl. Pahl 1999: 190f). Friesen
spricht von einer neuen Ästhetik der Differenz: Dissonante Ordnungen führen zu neuen
Ganzheiten in der gesamten Kunstwelt in der ersten Hälfte des letzten Jh.
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Treffendere
Bezeichnungen für den dekonstruktivistischen Stil wären demzufolge De-harmonisierung,
De-komposition oder Ent-be-deutung
(vgl. Pahl 1999: 191).
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Während in der Metaphysik die Geschichte der menschlichen Kultur als Einheit gedacht wird, führen
Forschungen von Nietzsche und Foucault zu der Erkenntnis, dass das Heterogene Wahrheit bedeute. Mit der
Säkularisierung der Ursprungs der Menschheit durch die Abstammungslehre, nicht Gott stehe am Ursprung der
Menschheit, sondern die Affen, offenbart sich die angenommene Einheit der Geschichte als eine Vielheit. Eine
neue Ästhetik der Vielheit bestimmt das 20. Jh. (Vgl. Friesen 2006: 4)
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