Die Schilderung der Varusschlacht in den antiken Quellen 1
Inhalt
I. Vorwort. 2
II. Die antiken Quellen. 3
Velleius Paterculus. 3
Tacitus 6
Florus 9
Cassius Dio 11
III. Fazit. 14
IV. Literaturverzeichnis 16
I. Vorwort
Quintili Vare, legiones redde! 1 Diesen Ausspruch soll Kaiser Augustus gemacht haben, als er von der katastrophalen Niederlage des Publius Quinctilius Varus hörte, die dieser im Jahre 9 n. Chr. in Germanien erlitten hatte. Die Ereignisse, die sich im Jahre 9 n. Chr. in Germanien abspielten, sind uns bis heute nicht in allen Einzelheiten bekannt, in vielen Fällen kann man nur Vermutungen anstellen und muss geduldig abwarten, ob eventuell neue archäologische Funde weitere Aufschlüsse in den verschiedenen Fragestellungen geben können. Die Frage, die bis heute an erster Stelle steht, wenn man sich mit der clades Variana beschäftigt, ist die Frage nach dem Wo. In dieser Frage ± aber auch in allen anderen, die die Schlacht betreffen ± sind es die literarischen Hinterlassenschaften der antiken Autoren, die unsere wichtigsten Quellen darstellen. Daneben sind es die archäologischen Funde, die die Aussagen der Texte unterstreichen oder auch in Frage stellen können. Gerade die Archäologie, die in der neueren Zeit durch immense technische Fortschritte immer genauere Aussagen treffen und bessere Analysen zu Funden vorlegen kann, ist eine wichtige Teildisziplin in der Erforschung der Geschehnisse rund um die Schlacht. Jedoch hat selbst ein interdisziplinäres Forschen bis heute keine absolute Gewissheit in den Fragen nach dem Ort und dem genauen Verlauf der Schlacht bringen können. So existieren alleine zur Frage der Lokalisierung des Schlachtfelds weit über 700 verschiedene Theorien 2 von Wissenschaftlern und solchen Leuten, die gerne welche wären. Im Zentrum dieser Arbeit sollen die antiken Textquellen stehen. Sie sollen näher betrachtet und analysiert werden und es sollen Fragen an die Texte gestellt werden: Was sagt der Text über die Schlacht aus? Welche Quellen hatte der jeweilige Autor? Wie glaubwürdig ist er? Wie werden die an der Schlacht beteiligten Personen charakterisiert? Diese und weitere Fragen sollen schließlich nach Möglichkeit umfassend beantwortet werden und in einem Fazit münden. Die Textquellen, die hier näher betrachtet werden sollen, sind Auszüge aus den Werken folgender Autoren: Velleius Paterculus, Tacitus, Florus und Cassius Dio. Wichtig bereits an dieser Stelle zu erwähnen ist es, dass keiner der Autoren direkt Zeuge der Schlacht gewesen war und somit alle Autoren schon ihrerseits auf Berichte über die Geschehnisse angewiesen waren. Es lassen sich auch noch bei weiteren Autoren, die die Schlacht ebenfalls nicht direkt miterlebt haben, (u.a. Ovid, Marcus Manilius, Strabon, Sueton) Textstellen finden, die die Varusschlacht zum Thema haben, jedoch wird an dieser Stelle aus Platzgründen darauf verzichtet, diesen Autoren eigene Kapitel zu widmen. Eine
1 Suet. Aug. 23.
2 Vgl. Callies 1995: S. 175.
weitere Quelle, die leider keine Beachtung finden kann, ist das nicht erhaltene Werk des älteren Plinius, die bella Germaniae, die in zwanzig Büchern die römischen Germanienkriege zum Thema hatten 1 . Dieses Werk hätte unter Umständen der Schlüssel zu des Rätsels Lösung sein können, da wegen seines Umfangs von zwanzig Büchern ein gewisser Detailreichtum in Bezug auf die Varusschlacht vorausgesetzt werden kann.
II. Die antiken Quellen
Velleius Pate rculus
Velleius Paterculus entstammte einer angesehenen Familie aus Kampanien, lebte etwa in der Zeit von 20 v. Chr. bis 30 n. Chr. und kam im Militär 2 und später in der Politik zu großen Ehren. Des weiteren war er ein römischer Historiker und verfasste gegen Ende seines Lebens zwei Bücher zur römischen Geschichte, die Historia Romana. Es soll nun die Textstelle 3 in den Historia Romana betrachtet werden, in der die Schlacht geschildert wird. Zuerst eine inhaltliche Paraphrase der Textstelle: Erst vor kurzer Zeit sei der Pannonische und Dalmatische Krieg beendet worden, als die Nachricht eintraf, dass Varus in Germanien mit drei Legionen, drei Reiterabteilungen und sechs Kohorten gefallen sei. Es folgt eine Charakterisierung des Varus. Er sei von sanftem Wesen, ruhigem Charakter und habe einen unbeweglichen Geist. Geldgier sei ein weiteres Merkmal von ihm gewesen und er hatte geglaubt, er könne die Germanen mit dem Recht statt mit dem Schwert bezwingen und hielt deswegen im Sommer in Germanien Tribunale ab. So seien die Germanen, die schlau und zur Lügen geboren waren, seinem Willen gefolgt und ließen sich scheinbar auf die Forderung des Varus, Streitigkeiten auf dem Rechtswege zu lösen, ein und gaben ihm somit das Gefühl, seine Reformen stießen auf fruchtbaren Boden. Doch angeführt von Arminius, einem jungen und tapferen Mann, der den Rang eines römischen Ritters bekleidete, stellten die Germanen den Römern eine Falle und setzten einen Termin für einen Anschlag auf das römische Heer fest. Trotz einer Warnung des Segestes, so schreibt Velleius Paterculus weiter, hielt Varus dem Arminius weiterhin die Treue und steuerte somit seinem Untergang entgegen. Die Schlacht selbst wird im Folgenden nicht beschrieben 4 , nur ihr
1 Vgl. Plinius Epist. 3,5,4 und Tac. ann. 1,69.
2 Vgl. Maurach 1995: S. 167.
3 Vell. 2,117-119.
4 Velleius Paterculus hatte angekündigt, die Schlacht in einem weiteren Buch genauer schildern zu wollen,
schaffte dies in seinem Leben jedoch nicht mehr.
Ergebnis wird betrauert. 6R VHL GLH 1LHGHUODJH DXI ÄGLH 6FKODIIKHLW GHV )HOGKHUUQ GLH 7UHXORVLJNHLW GHV )HLQGHV XQG GLH 0LJXQVW GHV 6FKLFNVDOV³ 1 zurückzuführen. In der zum Kampf ungünstigen Umgebung, die mit Wald-, Sumpfgebieten und Fallen gespickt war, wurde das Heer regelrecht abgeschlachtet und Varus selbst hatte (wie schon sein Großvater), so Velleius Paterculus, mehr Mut zum Sterben als zum Kämpfen und nahm sich das Leben. Von den Lagerpräfekten verhielt sich der eine tapfer, der andere riet zur Kapitulation und wurde sodann hingerichtet. Ein weiterer ließ seine Truppen im Stich und floh, wurde aber als Deserteur umgebracht. Beendet wird die Textstelle mit dem Hinweis, dass der Körper des Varus zerfleischt und sein Haupt an Marbod geschickt worden sei, der es weiter zu Augustus bringen ließ. Dieser bestattete das Haupt des Varus schließlich im Familiengrab. Velleius Paterculus, der etwa 30 n. Chr. starb, schrieb noch sehr zeitnah zu den Geschehnissen in Germanien. Leider nennt er in seinem Bericht keine Details zu der Schlacht an sich, er sagt lediglich, dass es sie gab, so dass man zum eigentlichen Schlachtgeschehen und dessen Örtlichkeit keine Erkenntnisse aus seinem Bericht ziehen kann 2 . Man kann dafür aber allerhand über die Außendarstellung des Varus, die in der Zeit des Tiberius zunehmend schlechter wurde 3 , erfahren. So wird Varus bei Velleius Paterculus durchweg negativ dargestellt. Er beginnt mit der Aufzählung der negativen Charaktereigenschaften des Feldherrn, wie z.B. dessen körperliche und geistige Unbeweglichkeit und Geldgier, ferner dessen Untauglichkeit für den Kriegsdienst 4 . Es wird von Velleius gleich zu Anfang des Berichts die scheinbare Unfähigkeit des Varus in den Vordergrund gestellt, die im Folgenden noch erweitert werden soll. So bildet bei Velleius ÄGLH DQJHEOLFKH 0DQLH GHV 9DUXV H[]HVVLY GDV U|PLVFKH 5HFKW ]X YHUZLUNOLFKHQ GHQ 6FKZHUSXQNWGHU9RUZUIH³ 5 . Denn, so kann der Text durchaus interpretiert werden, es sei doch von vornherein klar gewesen, dass man ein so barbarisches Volk wie die Germanen, nicht mit Hilfe des Rechts zivilisieren könne. Und so nutzten die Germanen, die zwar Barbaren, aber durchaus nicht dumm waren 6 , als logische Konsequenz das Handeln des Varus aus, um unter Führung des Arminius, einen Anschlag gegen das römische Heer zu planen. Sie ließen Varus in größter Sorglosigkeit schwelgen und befolgten dessen Anordnungen, so dass er sogar eine Warnung des Segestes, Arminius hätte einen Anschlag
1 Goetz/Welwei 1995: S. 49.
2 Vgl. Callies 1995: S. 176.
3 Vgl. Dau mer 2005: S. 95.
4 Vell. 2,117,2.
5 Dau mer 2005: S. 92.
6 Vell. 2,118,1.
Arbeit zitieren:
Aljoscha Riehn, 2008, Die Schilderung der Varusschlacht in den antiken Quellen, München, GRIN Verlag GmbH
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