Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 4
2. DAS KIRCHENJAHR 5
3. DIE FUNKTIONEN DER HEILIGENFESTE IM MITTELALTERLICHEN ALLTAG 5
4. DIE ENTSTEHUNG DES HEILIGENKULTS 7
4.1. Verehrung bei den Römern 7
4.2. Verehrung in nachrömischer Zeit 8
4.3. Verbreitung der Brauchkultur an den Festtagen 9
5. DAS ALLERHEILIGE-N UND ALLERSEELENFEST 9
5.1. Entstehung 9
5.2. Brauchtum an Allerheiligen und Allerseelen - Der Armeseelenkult 10
5.2.1. Schmücken der Gräber 11
5.2.2. Die Armeseelenspeisung 11
5.2.3. Die Nacht der Geister und Dämonen 12
5.2.4. Gedanken an die eigene Auferstehung 12
6. DIE FEIER DES HEILIGEN MARTIN VON TOURS 12
6.1. Leben des Heiligen Martin von Tours 12
6.2. Bedeutung des Martin von Tours für die Entwicklung der Heiligenverehrung 14
6.3. Das Martinsfest im Brauch 15
6.3.1. Martini als wichtiges Fest des bäuerlichen Jahres 15
6.3.2. Die Martinsumzüge 15
6.3.3. Die Martinslaterne 16
6.3.4. Das Martinsfeuer 16
6.3.5. Die Martinsgans 17
6.3.6. Die bacchischen Martinsbräuche 18
7. DIE FEIER DER HEILIGEN BARBARA VON NIKOMEDIEN 19
7.1. Das Leben der Heiligen Barbara 19
7.2. Die Verehrung der Heiligen Barbara 20
7.3. Das Barbara-Brauchtum 21
7.3.1. Das Barbaraschießen der Artilleristen 21
7.3.2. Barbarabrauchtum in Bergbaugebieten 21
7.3.3. Barbarazweige und Barbaraweizen 22
2
7.3.4. Liebesorakel 22
7.3.5. Umbinden der Bäume mit Stroh 22
7.4. Barbara als Lichtträgerin 22
8. SCHLUSS 24
9. QUELLEN 25
10. BILDNACHWEIS 26
3
1. Einleitung
In meiner Arbeit möchte ich die Wichtigkeit der Kirchenfeste, besonders der Heiligenfeste, für den mittelalterlichen Alltag herausarbeiten. Da die Anzahl der Heiligenfeste im Jahreskreis jedoch enorm ist und jedes Fest zu behandeln den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen würde, werde ich mich nur auf einige allgemeine Punkte beziehen. So soll nicht nur kurz auf die unterschiedlichen Funktionen der Heiligenfeste im Mittelalter, sondern auch auf die Entstehung und Verbreitung des Heiligenkults eingegangen werden. Dabei stellen sich die Fragen, wie wichtig sie für den mittelalterlichen Alltag waren, vor allem aber auch, wie sie begangen wurden, welche Bräuche sich um die Heiligenfeste entwickelten, welche Gedanken dahinter stecken. Interessant erscheint mir überdies hinaus, inwieweit sich Parallelen zwischen dem mittelalterlichen und dem heutigen Brauchtum finden lassen und inwieweit das zugehörige Gedankengut bis heute erhalten blieb. Dies möchte ich anhand von vier Heiligenfesten untersuchen. Zum einen das Allerheiligen und das Allerseelenfest, da sich diese beiden Feste konstant vom Mittelalter bis heute einer großen Beliebtheit erfreuen. Anschließend möchte ich auf die beiden Feste des Heiligen Martin von Tours und der Heiligen Barbara von Nikomedien eingehen. Dabei soll nicht nur das mittelalterliche Brauchtum, das sich um diese beiden Feste entwickelte, im Mittelpunkt stehen, sondern vor allem auch, warum sie für die Menschen im Mittelalter so wichtig waren. Ebenso interessant erscheint, dass sie genau im Gegensatz zueinander stehen: während die Verehrung der Heiligen Barbara hauptsächlich auf ihr Martyrium, ihr Wirken nach dem Tod, zurückzuführen ist, wird der Heilige Martin von Tours gerade wegen seiner Taten im Leben verehrt. Er war der erste ,confessor’, der erste ,Bekenner’ und besitzt somit auch eine besondere Bedeutung für die Geschichte der Heiligenverehrung. Während Sankt Martin heute noch zu den bekannteren Festen zählt, geraten die Bräuche zu Barbara immer mehr in Vergessenheit.
Die Bräuche der Heiligenfeste zu konservieren, stellt daher eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit dar. Dieses Ziel verfolgt auch Jürgen Küster, auf dessen Werk „Heiligenfeste im Brauch. Von Dreikönig bis St. Stephan“ ich mich hauptsächlich beziehe. Er beschreibt eine Vielzahl von Bräuchen an bekannten und unbekannteren, an allgemeinen und regionalen Heiligentagen und bezieht sich dabei nicht nur auf die Durchführung dieser Kulte im Mittelalter, sondern geht auch genauer auf ihren Ursprung und ihre Entwicklung bis heute ein.
4
2. Das Kirchenjahr
Die Anzahl der Fest- und Gedenktage für Heilige schwankt in den einzelnen Ländern und Regionen. Grund hierfür ist, dass neben den wirklichen arbeitsfreien Feiertagen, den großen Festen wie Epiphanias, Ostern, Pfingsten, Weihnachten, Himmelfahrt, Allerheiligen, etc. auch Halbfeiertage und regionale, bzw. lokale Heiligenfeste (z.B. Eligius, Fridolin, Kilian, Lullus...) hinzukommen. Vorraussetzung für eine wirklich verinnerlichte Auseinandersetzung mit diesen Heiligenfesten besteht im Bekenntnis zum katholischen Glauben.
So ist die „Entfaltung besonderer Heiligenbräuche vorwiegend auf ländliche Gemeinden oder Städte [beschränkt], deren konfessionelle Struktur auch in der Moderne noch ein (katholisches) Gemeinschaftsleben ermöglicht.“ 1
In diesem Zusammenhang muss ebenfalls die Kommerzialisierung der Heiligenfeste genannt werden, hinter der ja oftmals die wahren christlichen Bezüge zu den Bräuchen zurückbleiben. Denn wie kann man bei unseren heutigen Valentins- und Nikolaus-/Weihnachtsmannfesten noch deren eigentliche Funktion im „Erziehungsplan“ der Kirche erkennen? 2
3. Die Funktionen der Heiligenfeste im mittelalterlichen Alltag
Die Heiligenfeste hatten im Mittelalter aber nicht nur die Funktion der Erziehung zu einem guten Christen, sondern erfüllten auch einen praktischen Zweck. Denn obwohl man das Fest als etwas Besonderes, nicht Alltägliches begriff, sind Alltag und Festtag im Mittelalter doch eng miteinander verwoben. Schließlich waren (und sind es auch heute noch) die meist zyklisch wiederkehrenden Kirchenfeste, die unseren Alltag ordnen und somit zu Bestandteilen desselben werden. 3 In diesem Zusammenhang müssen natürlich auch, als kleinste „Einheit“ der kirchlichen Feiertage, die Sonntage erwähnt werden, die wöchentlich als Feier der Auferstehung Christi begangen wurden. Da sich diese, dem Herrn geweihten Tage, jedoch vom Alltag auch abheben sollten, beschloss man bereits auf Synoden des frühen
6. Jahrhunderts, dass an diesen Tagen keinerlei weltliche Arbeiten verrichtet werden durften. Allein beim Arbeitsverbot blieb es jedoch nicht. Auch das Abhalten von Markt und Gericht,
1 Jürgen Küster, Heiligenfeste im Brauch. Von Dreikönig bis St. Stephan, Freiburg, Basel u. Wien 1988, S. 10
2 vgl. Ebd. S. 11
3 Hans-Werner Goetz, Der kirchliche Festtag im frühmittelalterlichen Alltag. In: Altenburg, D.; Jarnut, J. u. Steinhoff, H.-H.(Hrsg.), Feste und Feiern im Mittelalter, Sigmaringen 1991, S. 53
5
sowie das Austragen von Fehden und sogar das Reisen wurden untersagt. Dass diese Einschnitte in den Alltag nicht von allen Menschen begrüßt wurde, sei dahin gestellt. 4 Kirchenfeste brachten jedoch nicht nur Einschränkungen für die Bevölkerung des Mittelalters, sondern sie waren auch soziale Ereignisse. Denn wann kam schon eine so große Menschenmenge zusammen, als an den Heiligenfesten, an denen die Menschen Äcker und Felder im Umkreis von über einer Meile füllten, nur um einen Blick auf die heilsversprechende Reliquie des lokalen Heiligen werfen zu können? Wann gab es schon mal eine bessere Gelegenheit, sich in der neuesten Mode zu präsentieren, die Verwandten zu einem üppigen Festmahl einzuladen und ausgelassen bis in die Morgenstunden zu trinken und zu tanzen? 5 Oftmals konzentrierten sich um die Heiligenfeste zusätzlich auch noch andere, weltliche Festlichkeiten, wie zum Beispiel Jahrmärkte. So wurde der Tag des Ortsheiligen meist zum jährlichen Festhöhepunkt. 6
Neben der belehrenden und sozialen Funktion, kam den Heiligenfesten jedoch auch noch eine andere praktische Funktion zu: die Datierung. Besonders im Mittelalter, aber auch in der frühen Neuzeit war man es gewohnt, die Tagesdatierung nach dem kirchlichen Festkalender vorzunehmen.
„Dazu benutzte man aber nicht alle Heiligenfeste des Kalenders, sondern nur einzelne [die wichtigsten]; die übrigen Tage bezog man auf diese,“ heißt es bei Ernst Opgenoorth. 7
So lautete zum Beispiel die Bezeichnung für den 23. Juni ,am Abend St. Johannis Baptistae’. Da diese besonderen Tage auch vom Volk besonders begangen wurden, konnte man so sicherstellen, dass die datierten Ereignisse im Gedächtnis der Menschen blieben. Somit wurden die Feste zu markanten Orientierungshilfen. 8 Dies ist auch der Grund, warum so oft politische Aktionen des Mittelalters auf ein Kirchenfest fielen. Denn für Krönungen, Reichstage, Landfrieden, Belehnungen, Hochzeiten, Schwertleiten, Herrschereinzüge, Klostergründungen, Papstweihen, Reichsversammlungen, etc. wählte man oft hohe kirchliche Feiertage aus. Hans-Werner Goetz erklärt diese Handlungsweise folgendermaßen: „Wichtige Handlungen des politischen und religiösen Alltags wurden dadurch hervor- (und aus dem Alltag heraus-)gehoben, daß man sie an Festtagen stattfinden ließ und damit gewissermaßen heiligte.“ 9
4 Hans-Werner Goetz, Der kirchliche Festtag im frühmittelalterlichen Alltag. S. 55
5 Ebd. S. 56-57
6 Ebd. S. 61
7 Opgenoorth, E.: Einführung in das Studium der neueren Geschichte; S. 146
8 Goetz, H.-W.: Der kirchliche Festtag im frühmittelalterlichen Alltag. S. 58
9 Ebd. S. 60
6
Aber nicht nur für die Politik spielten die Heiligenfeste eine wichtige Rolle, sondern auch für die Wirtschaft. Schließlich waren es meist die Tage von Heiligen, an denen die bäuerlichen Zinsabgaben fällig wurden.
„Für die grundherrschaftlichen Abgaben haben sich im Laufe des frühen Mittelalters überall die gleichen Festtagstermine mit typischen, allerdings von Grundherrschaft zu Grundherrschaft variierenden Abgaben eingebürgert: Ostern, Weihnachten, Pfingsten, Bittage oder Himmelfahrt, Martin, Johannes, Remigius sowie vor allem die lokalen Heiligen- und Weihefeste, [...].“ 10
Auf diese spezielle Funktion der Heiligenfeste werde ich aber später noch genauer im Punkt 6.3.1., am Beispiel des Martinfestes, eingehen.
4. Die Entstehung des Heiligenkults
Der Heiligenkult des Katholizismus entwickelte sich aus dem Totengedenken der Frühchristen, denn bereits damals kamen die Angehörigen des Verstorbenen an dessen Grab zusammen und hielten eine Andacht. Infolge der Christenverfolgungen während des
2. Jahrhunderts sprengte dieser Brauch bald die privaten Kreise, denn innerhalb kürzester Zeit galt es, immer mehr Märtyrern an ihrem Grabe zu huldigen. Der Inhalt der Andachten handelte meist vom irdischen Tod als Voraussetzung für das ewige Leben, also für die Auferstehung in der „civitas dei“, in der Gemeinschaft der Heiligen bei Gott. 11 Dies ist auch der Grund, warum man den Todestag der Märtyrer ausgerechnet mit einem Jubelfest huldigte; man feierte sie als Schüler und Nachahmer Christi. Daher bezeichnete man auch den Tag ihres Todes als „dies natalis“, denn der Märtyrer wurde durch seinen Tod in der Gottesgemeinschaft wiedergeboren. Dort erwartet ihn ein „ewiger Festtriumph“ 12 , dem auf der Erde durch einen Feiertag Entsprechung geschaffen werden sollte.
4.1. Verehrung bei den Römern
In römischen Quellen des frühen 3. Jahrhunderts werden die „frühesten Berichte über liturgische Feiern der Todestage von Märtyrern [...]“ 13 überliefert. Diese Feiern fanden noch direkt am Grabe des Märtyrers statt, so dass man noch nicht von einer überregionalen Bedeutungserweiterung ausgehen kann. 354 n.Chr. wurden laut Furius D. Philocalus bereits an 22 Tagen Märtyrerfeste gefeiert. Während dieser Feiern, wurde meist das Martyrium
10 Hans-Werner Goetz, Der kirchliche Festtag im frühmittelalterlichen Alltag. S. 60-61
11 Jürgen Küster, S. 12
12 Ebd. S. 12
13 Ebd. S. 13
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Arbeit zitieren:
Sophia Schroll, 2008, Heiligenfeste im Jahreskreis, München, GRIN Verlag GmbH
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