Vom Fachbereich Psychologie
der Philipps-Universität Marburg als Dissertation
am _20.10.1997____________________________________________
angenommen.
Tag der mündlichen Prüfung am _18.05.1998________________
DANKEND ERWÄHNT
Bedanken möchte ich mich bei Herrn Prof. Dr. Hans Werner Bierhoff, Fachbereich Psychologie der Universität Bochum, weil er mich angeregt hat, diese Dissertation zu tätigen und sich auch nach seinem Weggang aus Marburg als Zweitgutachter für meine Dissertation zur Verfügung gestellt hat. Bedanken möchte ich mich ebenfalls bei Herrn Prof. Dr. Gert Sommer, Fachbereich Psychologie der Universität Marburg, der sich bereit gefunden hat, die Erstbetreuung meiner Dissertation danach zu übernehmen und hilfreiche Kommentare zu dieser Arbeit zu geben. Mein Dank gilt ferner Frau Prof. Dr. Ingeborg Stelzl, Fachbereich Psychologie der Universität Marburg, für Kommentare zum Methodikteil der Arbeit.
Bedanken möchte ich mich weiterhin bei allen Menschen, die sich bereit gefunden haben, Zeit und Energie zur Verfügung zu stellen, um an meiner Untersuchung teilzunehmen, und die auf diese Weise meine Dissertation erst ermöglicht haben. Ich finde es besonders bei der heutigen schnellebigen Zeit nicht selbstverständlich, wenn sich jemand als Untersuchungsteilnehmer für eine wissenschaftliche Forschung zur Verfügung stellt, ohne selbst unmittelbar einen greifbaren direkten Vorteil zu haben. Weiterhin ist mir beim Anfertigen dieser Arbeit immer wieder bewußt geworden, wieviel Vorarbeit durch andere Forscher, deren Lehrer, meiner direkten Lehrer, Universitätsdozenten, Eltern etc. notwendig war, um eine solche Arbeit überhaupt erst möglich zu machen. Ein Literaturverzeichnis stellt insofern nur einen recht oberflächlichen und unvollständigen Hinweis auf die Mühen und Vorleistungen anderer Menschen dar. Ihnen allen soll an dieser Stelle mein ausdrücklicher Dank gelten.
VORWORT
In den letzten 25 Jahren ist das Interesse an der Erforschung der Gesundheit des Menschen, der Verbindung von Diathese, Streß und Streßfolgen, ständig gewachsen. Mediziner, Psychologen, Soziologen und Biologen haben sich aus ihrem Blickwinkel und mit ihrer jeweils speziellen Herangehensweise diesem Thema zugewandt. Innerhalb der Psychologie wird über die Teilgebiete Klinische Psychologie, Gesundheitspsychologie, Gemeindepsychologie, Sozialpsychologie und Arbeits-, Betriebs-und Organisationspsychologie dieses weite Gebiet erforscht. Hierbei hat neben dem Streßkonzept und dem Bewältigungskonzept diejenige Konzeptualisierung, die im angloamerikanischen Sprachraum mit „social support“ und im deutschen Sprachraum mit „sozialer Unterstützung“ oder „sozialem Rückhalt“ umschrieben wird, das größte Interesse innerhalb und außerhalb der wissenschaftlichen Forschungsgemeinschaft gefunden. Es reiht sich auch die vorliegende Arbeit in diesen allgemeinen Trend ein. Zu hoffen ist, daß mit dieser Arbeit das Wissen über das Wesen und die Wirkungen von sozialen Beziehungen und seiner Verbindungen zu anderen Merkmalen erweitert werden kann. Es wird an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, daß Teile dieser Dissertation aus meiner Diplomarbeit (Wolf, 1991), die ich am Fachbereich Psychologie der Universität Marburg getätigt habe, wörtlich oder mit Änderungen übernommen wurden. Dies trifft zu für Teile des Vorworts, der Überschriften der Abschnitte, der Einleitung sowie des theoretischen und empirischen Hintergrunds über Streß, soziale Unterstützung und Persönlichkeitsvariablen. Weiterhin gilt dies für Teile der Erklärung der verwendeten Methodik im Methoden- und Ergebnisteil. In der Folge wird bei Bezeichnungen von Menschen in der Regel die männliche Sprachform gewählt, weil die ständige Nennung der männlichen und weiblichen Person oft sprachlich umständlich wirkt und vom Leser als Belastung empfunden wird. Dies ist jedoch nicht als Bevorzugung bzw. Geringschätzung eines der beiden Geschlechter gemeint. In all diesen Fällen ist die männliche und weibliche Person in gleicher Weise geschätzt.
INHALTSVERZEICHNIS
Seite
DANKEND ERWÄHNT. III
VORWORT IV
1. EINLEITUNG 1
2. THEORETISCHER UND EMPIRISCHER HINTERGRUND 2
2.1 Einführung in die Problemstellung - Die Verbindung
zwischen Streß und Gesundheit. 2
2.2 Streß 5
2.2.1 Die Konzeptualisierung von Streß und Stressoren 5
2.2.2 Die Operationalisierung von Streß und Stressoren:
Entwicklung von diagnostischen Meßinstrumenten 15
2.2.3 Scheidung / Trennung, Partnerschaftskonflikt und
Pr üfung als Beispiele für Streß 24
Scheidung / Trennung, Partnerschaftskonflikt 24
Pr üfung 37
2.3 Soziale Unterstützung 41
2.3.1 Die Konzeptualisierung von sozialer Unterstützung 41
2.3.2 Die Operationalisierung von sozialer Unterstützung:
Entwicklung von diagnostischen Instrumenten 49
2.3.3 Modelle zur Wirksamkeit sozialer Unterstützung 58
Die Vielfalt formaler Modelle 58
Das Haupteffekt-Modell 64
Das Puffereffekt-Modell 70
2.4 Persönlichkeitsvariablen in ihrer Beziehung zu Streß
und sozialer Unterstützung 82
2.4.1 Persönlichkeitsvariablen als Moderatoren von Streß
und in Verbindung mit sozialer Unterstützung 82
2.4.2 Einsamkeit, Selbstwert und Ängstlichkeit 93
Einsamkeit 93
Selbstwert 97
Ängstlichkeit 100
2.5 Ableitung des psychologischen Untersuchungsgegenstands 103
3. METHODE 112
3.1 Psychologische Hypothesen 112
Haupthypothesen 112
Nebenhypothesen 112
Weitere interessierende Berechnungen 113
Testtheoretische Überprüfungen 116
3.2 Untersuchungsplanung 117
3.2.1 Versuchsplan 117
Studie 1 117
Studie 2 117
3.2.2 Unabhängige und abhängige Variablen 118
Studie 1. 118
Studie 2. 119
3.2.3 Störvariablen 121
Studie 1 121
Studie 2 122
3.2.4 Untersuchungsablauf 122
Studie 1 122
Studie 2 123
3.3 Konkretisierung der Variablen, Meßinstrumente 125
Studie 1. 125
Demographischer Fragebogen (DEFRA) 125
Wahrgenommener Streß - Perceived Stress Scale
(PSS) 126
Depressivit ät - Beck-Depressions-Inventar (BDI) 127
3.4 Probanden ...............................................146
3.5 Formalisierte und operationalisierte Hypothesen .........148 3.5.1 Formalisierung der Hypothesen .........................148
3.5.2 Operationalisierung der Hypothesen ....................162
3.6 Untersuchungsauswertung .................................164 3.6.1 Statistische Verfahren, Testplanung, Entscheidungskriterien ............................................164
3.6.2 Beschreibung der Datenauswertung ......................182
Studie 1 und Studie 2 183
4. ERGEBNISSE 185
4.1 Demographische Daten der Stichproben 185
Studie 1 185
Studie 2 185
4.2 Deskriptive Daten von Skalen 188
4.2.1 Faktorenanalysen 188
Studie 1. 189
BDI 189
EPI 191
ISEL 192
SE -Skala 194
IPC-Fragebogen 195
Studie 2. 197
CES -D 197
FSKN -SW 198
UCLA 199
F -SOZU 200
Studie 1 und 2. 203
PSS 203
STAI 205
4.2.2 Verteilungsparameter der Skalen 207
4.2.3 Reliabilitäten der Skalen 216
4.3 Inwiefern unterscheiden sich Personen mit Partnertren-
nung in Vergangenheit, Partnertrennung in Zukunft,
Partnertrennung in Vergangenheit und Zukunft, Prüfung
in Zukunft, Kontrollpersonen und Erstsemesterstuden-
ten ? 218
Ergebnisse der Tests von Haupthypothese 1 226
4.4 Querschnittskorrelationen 230
Gesamtstichprobe von Studie 2. 230
Teilstichproben von Studie 2 240
4.5 Gibt es Geschlechtsunterschiede? 245
4.6 Haupteffekte von sozialer Unterstützung 248
4.7 Puffereffekte von sozialer Unterstützung 249
4.7.1 Gibt es Puffereffekte von sozialer Unterstützung? 249
Gesamtstichprobe von Studie 2. 249
Ergebnisse der Tests von Haupthypothese 2 256
Ergebnisse der weiteren Berechnungen 256
Teilstichproben von Studie 2. 257
Ergebnisse der Berechnungen 257
4.7.2 Sind Persönlichkeitsvariablen primär für den Puffer-
effekt von sozialer Unterstützung verantwortlich? 261
Gesamtstichprobe von Studie 2. 261
Ergebnisse der Tests von Haupthypothese 3.a. 262
Ergebnisse der weiteren Berechnungen 266
4.7.3 Gibt es primär einen Puffereffekt von Unterstützung
unter Kontrolle von Persönlichkeitsvariablen
(Suppressionseffekt)? 266
Gesamtstichprobe von Studie 2. 266
Ergebnisse der Tests von Haupthypothese 3.b. 273
Ergebnisse der weiteren Berechnungen 274
Teilstichproben von Studie 2. 275
Ergebnisse der Berechnungen 275
4.8 Interaktionseffekte von Persönlichkeitsvariablen mit
Stre ß. 279
4.8.1 Gibt es Interaktionseffekte von
Pers önlichkeitsvariablen mit Streß? 279
Gesamtstichprobe von Studie 2. 279
Ergebnisse der Tests von Nebenhypothese 1 283
Ergebnisse der weiteren Berechnungen 283
Teilstichproben von Studie 2. 283
Ergebnisse der Berechnungen 286
4.8.2 Ist soziale Unterstützung / Belastung oder eine zwei-
te Persönlichkeitsvariable primär für den Interak-
tionseffekt von Persönlichkeitsvariablen mit Streß
verantwortlich? 286
4.8.3 Gibt es primär einen Interaktionseffekt von Persönlichkeitsvariablen mit Streß unter Kontrolle von Unterstützung, Belastung oder einer zweiten Persönlichkeitsvariable (Suppressionseffekt)? ..............299
4.9 Diskriminieren Persönlichkeitsvariablen zwischen Personen, für die Unterstützung unter Streß hilfreich, hinderlich oder unwirksam ist?..........................311
4.10 Beeinflußt wahrgenommene soziale Unterstützung die Entwicklung und Erhaltung von relativ stabilen Persönlichkeitsvariablen oder von Depressivität?........332 Ergebnisse der Berechnungen ......................334
4.11 Beeinflußt Depressivität die Entwicklung und Erhaltung von wahrgenommener sozialer Unterstützung?..............334 Ergebnisse der Berechnungen ......................335
4.12 Inwiefern stellt die Operationalisierung von Streß in wahrgenommenen Streß in der Form der Perceived Stress Scale (PSS) eine unabhängige Variable dar?..............336
Ergebnisse der Berechnungen ......................337
5. DISKUSSION..............................................................................339
5.1 Demographische und deskriptive Daten sowie
Verteilungsparameter von Skalen.........................339
5.2 Gruppenunterschiede .....................................342
5.3 Querschnittskorrelationen, Geschlechtsunterschiede, Haupteffekte von sozialer Unterstützung.................347
5.4 Puffereffekte von sozialer Unterstützung ................352 5.4.1 Gibt es Puffereffekte von sozialer Unterstützung? .....352 5.4.2 Sind Persönlichkeitsvariablen primär für den Puffereffekt von sozialer Unterstützung verantwortlich? ......................................364
5.5 Interaktionseffekte von Persönlichkeitsvariablen mit Streß...................................................368 5.5.1 Gibt es Interaktionseffekte von Persönlichkeitsvariablen mit Streß? ......................................368 5.5.2 Ist soziale Unterstützung / Belastung oder eine zweite Persönlichkeitsvariable primär für den Interaktionseffekt von Persönlichkeitsvariablen mit Streß verantwortlich? ................................371
5.6 Diskriminieren Persönlichkeitsvariablen zwischen Personen, für die Unterstützung unter Streß hilfreich, hinderlich oder unwirksam ist?..........................375
5.7 Beeinflußt wahrgenommene soziale Unterstützung die Entwicklung und Erhaltung von relativ stabilen Persönlichkeitsvariablen oder von Depressivität?........378
6. ZUSAMMENFASSUNG..............................................................380
7. LITERATURVERZEICHNIS. 382
8. ANHÄNGE 455
Anhang A: Fragebogen 455
Anhang B: Parameter von demographischen Daten 477
Anhang C: Konfidenzintervalle der Korrelationskoeffizienten 485
Tabelle 1. Alter und Geschlecht (Studie 1, Querschnittsstichprobe, N=108) ............................185 Tabelle 2. Alter und Geschlecht (Studie 2; N=275) ..........185 Tabelle 3. Familienstand (N=275) ...........................186 Tabelle 4. Partner-Existenz (N=275) ........................186 Tabelle 5. Partnerschaftsdauer in Monaten (N=128) ..........186 Tabelle 6. Partnertrennung in der Vergangenheit (innerhalb der letzten zwölf Monate, N=275) ..............186 Tabelle 7. Trennungsdauer vom Partner in Monaten (N=156) ...186 Tabelle 8. Dauer der Partnerschaft vor der Trennung in Monaten (N=157) ...............................186 Tabelle 9. Kontakt zum Partner / zur Partnerin nach Partnertrennung (N=157) .......................187 Tabelle 10. Vorhandensein eines neuen Partners / einer neuen Partnerin nach einer Trennung (N=157) ...187 Tabelle 11. Partnertrennung in Zukunft (N=272) .............187 Tabelle 12. Anzahl der Freunde des Probanden (N=270) .......187 Tabelle 13. Prüfung in der Vergangenheit (N=275) ...........187 Tabelle 14. Zeitpunkt der Prüfung in der Vergangenheit (in Wochen; N=76) .................................187 Tabelle 15. Art der Prüfung in der Vergangenheit (N=78) ....188 Tabelle 16. Prüfung in der Zukunft (N=274) .................188 Tabelle 17. Zeitpunkt der Prüfung in der Zukunft (in Wochen; N=115) ................................188 Tabelle 18. Art der Prüfung in der Zukunft (N=114) .........188 Tabelle 19. Rotierte Faktor Matrix des Beck-Depressions-
Tabelle 20. Rotierte Faktor Matrix des Eysenck-Persönlich-
Tabelle 21. Rotierte Faktor-Matrix der Interpersonal Sup-
Tabelle 22. Faktor-Matrix der SE-Skala mit Ladungen und Kommunalitäten der Items ......................195 Tabelle 23. Rotierte Faktor-Matrix des IPC-Fragebogens mit Ladungen und Kommunalitäten der Items .........196 Tabelle 24. Faktor-Matrix der CES-D (Center for Epidemio-
Tabelle 25. Faktor-Matrix der FSKN-SW (Frankfurter Selbst-
Tabelle 26. Faktor-Matrix der UCLA (University of Califor-
Tabelle 27. Rotierte Faktor-Matrix des F-SOZU-A
Tabelle 28. Rotierte Faktor-Matrix der Skala für wahrge-
Tabelle 29. Rotierte Faktor-Matrix des State-Trait-Angst-
Tabelle 30. Kennwerte der PERI-Skala für allgemeine Lebensereignisse (PERI) .......................209 Tabelle 31. Kennwerte der PERI-Subskala für mit Gewinn verbundene Lebensereignisse (PERI-G, N=275) ...209 Tabelle 32. Kennwerte der PERI-Subskala für ambivalente Lebensereignisse (PERI-A) .....................209 Tabelle 33. Kennwerte der PERI-Subskala für mit Verlust verbundene Lebensereignisse (PERI-L) ..........209 Tabelle 34. Kennwerte der Skala für wahrgenommenen Streß (PSS) .........................................210 Tabelle 35. Kennwerte der Center for Epidemiological Studies Depression Scale (CES-D) ..............210
Tabelle 36. Kennwerte der Skala State-Ängstlichkeit (Form X1 des State-Trait-Angst-Inventars; STASTATE) .210 Tabelle 37. Kennwerte der Skala Trait-Ängstlichkeit (Form X2 des State-Trait-Angst-Inventars; STATRAIT) .210 Tabelle 38. Kennwerte der University of California Los Angeles Einsamkeitsskala (UCLA) ...............211 Tabelle 39. Kennwerte der Frankfurter Selbstkonzeptskalen, Subskala Selbstwertschätzung (FSKN-SW) ........211 Tabelle 40. Kennwerte der Subskala für emotionale Unter-
Tabelle 41. Kennwerte der Subskala für praktische Unter-
Tabelle 42. Kennwerte der Subskala für soziale Integration
Tabelle 43. Kennwerte der Skala für wahrgenommene soziale
Tabelle 44. Kennwerte der Skala für soziale Belastung des
Tabelle 45. Kennwerte der Skala für Reziprozität der so-
Tabelle 46. Kennwerte der Skala für Anzahl sämtlicher Nen-
Tabelle 47. Kennwerte der Skala für Anzahl sämtlicher Nen-
Tabelle 48. Kennwerte der Skala für Anzahl der Nennungen
Tabelle 49. Kennwerte der Skala für Anzahl der Nennungen
Tabelle 50. Kennwerte der Skala für Anzahl der Nennungen
Tabelle 51. Kennwerte der Skala für Anzahl der Nennungen
Tabelle 52. Kennwerte der Skala für Anzahl der Nennungen
Tabelle 53. Kennwerte der Skala für Anzahl der Nennungen
Tabelle 54. Kennwerte der Skala für Anzahl der Nennungen
Tabelle 55. Kennwerte der Skala für Anzahl der Nennungen
Tabelle 56. Kennwerte der Skala für Anzahl sämtlicher Nen-
Tabelle 57. Kennwerte der Skala für Anzahl sämtlicher Nen-
Tabelle 58. Halbierungs-Konsistenzen der Skalen ............217 Tabelle 59. Einfaktorielle Varianzanalysen von fünf (bzw.
Tabelle 60. Einfaktorielle Varianzanalysen von zu drei
Tabelle 61. Querschnittskorrelationen der Skalen, des Al-
Tabelle 62. Ausgewählte Querschnittskorrelationen von Studie 2 .........................................237 Tabelle 63. Querschnittskorrelationen der Skalen, des Al-
Tabelle 64. t-Tests von Geschlecht als unabhängiger Variable in Studie 2 ..........................246 Tabelle 65. Analyse der Haupteffekte von Skalen für so-
Tabelle 66. Analyse der Puffereffekte von sozialer Unter-
Tabelle 67. Analyse der Puffereffekte von sozialer Unter-
Tabelle 68. Analyse der Puffereffekte von Unterstützung
Tabelle 69. Analyse der Puffereffekte von Unterstützung
Tabelle 70. Analyse der Puffereffekte von sozialer Unter-
Tabelle 71. Analyse der Puffereffekte von sozialer Unter-
Tabelle 72. Analyse der Puffereffekte von sozialer Unter-
Tabelle 73. Analyse der Interaktionseffekte von Persön-
Tabelle 74. Analyse der Interaktionseffekte von Persön-
Tabelle 75. Analyse der Interaktionseffekte von Persön-
Tabelle 76. Analyse der Interaktionseffekte zwischen Per-
Tabelle 77. Analyse der Interaktionseffekte zwischen Per-
Tabelle 78. Analyse der Interaktionseffekte von Persön-
Tabelle 79. Analyse der Interaktionseffekte von Persön-
Tabelle 80. Analyse der Interaktionseffekte von Persön-
Tabelle 81. Dreifache Interaktion zwischen allgemeinen
Tabelle 82. Dreifache Interaktion zwischen Gewinnereignis-
Tabelle 83. Dreifache Interaktion zwischen ambivalenten
Tabelle 84. Dreifache Interaktion zwischen Verlustereig-
Tabelle 85. Dreifache Interaktion zwischen wahrgenommenem
Tabelle 86. Dreifache Interaktion zwischen allgemeinen Le-
Tabelle 87. Dreifache Interaktion zwischen Gewinnereignis-
Tabelle 88. Dreifache Interaktion zwischen ambivalenten
Tabelle 89. Dreifache Interaktion zwischen Verlustereig- nissen (PERI-L), einzelnen Unterstützungs-
Tabelle 90. Dreifache Interaktion zwischen wahrgenommenem
Tabelle 91. Einfluß von einzelnen Unterstützungsmaßen auf
Tabelle 92. Einfluß von wahrgenommenem Streß (PSS) auf
Tabelle 93. Staatsangehörigkeit (Ursprungskultur; N=273) ...477 Tabelle 94. Anzahl der Probanden mit Anzahl von Geschwistern (N=273) .................................477 Tabelle 95. Anzahl von Probanden mit Geschwisterposition (N=275) .......................................477 Tabelle 96. Trennungsinteresse (N=157) .....................478 Tabelle 97. Kinderanzahl der Probanden (N=275) .............478 Tabelle 98. Wohnsituation (N=275) ..........................478 Tabelle 99. Schulbildung (N=275) ...........................479 Tabelle 100. Derzeitige Tätigkeit (hauptsächlich; N=275) ...479 Tabelle 101. Dauer der beruflichen Tätigkeit im Betrieb (in Monaten, falls berufstätig; N=115) ........479
Tabelle 102. Sozioökonomischer Status: Berufsgruppe der
Tabelle 103. Sozioökonomischer Status: Berufsgruppe der
Tabelle 104. Aktivitäten in Sport- und Freizeitvereinen (N=274) .......................................481 Tabelle 105. Aktivitäten in politischen Organisationen (N=274) .......................................481 Tabelle 106. Aktivitäten in Bürgerinitiativen (N=274) ......481 Tabelle 107. Aktivitäten in Interessenvertretungen (N=274) .481 Tabelle 108. Aktivitäten in Kirchen (N=274) ................481 Tabelle 109. Aktivitäten in kulturellen Vereinigungen (N=274) .......................................482 Tabelle 110. Aktivitäten in informellen Gruppen (N=274) ....482 Tabelle 111. Aktivitäten in Selbsthilfegruppen (N=274) .....482 Tabelle 112. Sonstige Aktivitäten (N=274) ..................482 Tabelle 113. Alltagskontakte zu Freunden und Bekannten (N=274) .......................................483 Tabelle 114. Alltagskontakte zu Hausbewohnern und Nachbarn (N=275) .......................................483 Tabelle 115. Alltagskontakte zu Familienangehörigen (N=275) .......................................483 Tabelle 116. Alltagskontakte zu Arbeitskollegen und Vorgesetzten (N=275) ...............................483 Tabelle 117. Aktivitäten in Interessenvertretungen (N=274) .484 Tabelle 118. Zeitraum des Wohnens am derzeitigen Wohnort (in Monaten; N=274) ...........................484
Abbildung 1. Schematische Darstellung des Haupteffekt-Modells ........................................65 Abbildung 2. Schematische Darstellung des Puffereffekt-Modells ........................................71 Abbildung 3. Schematische Darstellung von gegenläufigen In-
Abbildung 4. Schematische Darstellung eines dreifachen
Abbildung 5. Interaktionen aus Tabelle 66 ...................254 Abbildung 6. Interaktionen aus Tabelle 68: Exemplarische Auswahl .......................................264 Abbildung 7. Interaktionen aus Tabelle 69: Exemplarische Auswahl .......................................271 Abbildung 8. Interaktionen aus Tabelle 73 ...................282 Abbildung 9. Interaktionen aus Tabelle 75: Exemplarische Auswahl .......................................291 Abbildung 10. Interaktionen aus Tabelle 76: Exemplarische Auswahl .......................................297 Abbildung 11. Interaktionen aus Tabelle 77: Exemplarische Auswahl .......................................304 Abbildung 12. Interaktionen aus Tabelle 85: Exemplarische Auswahl .......................................319 Abbildung 13. Interaktionen aus Tabelle 86 bis Tabelle 90: Exemplarische Auswahl .........................328
1 1. EINLEITUNG
_______________________________________________________________
1. EINLEITUNG
Streß ist ein bekanntes Alltagsphänomen, das jeder Mensch erlebt. Die meisten Personen kennen die Erfahrung, daß sie sich „gestreßt“ fühlen. Bemerkenswert ist jedoch die Tatsache, daß sich Menschen in ihrer Reaktion auf Streß unterscheiden. Während einige Menschen streß-reaktiv sind und in ihrer physischen und psychischen Gesundheit beeinträchtigt werden, zeigen sich andere streß-resistent und bleiben offensichtlich gesund. Was unterscheidet diese beiden Gruppen von Menschen? Welche unterschiedlichen Faktoren führen dazu, daß eine Frau, deren Ehemann soeben verstorben ist oder ein Mann, dessen Partnerin sich von ihm getrennt hat, in der Folge eine „Depression“ entwickeln und eine andere Frau oder ein anderer Mann, denen jeweils das gleiche Schicksal widerfahren ist, nicht? Warum bekommt ein leitender Angestellter einer Firma einen Herzinfarkt, während sein Kollege sich bester Gesundheit erfreut? Zeichnen sich Menschen in ihrer Reaktion auf Streß durch besondere Eigenschaften aus, welche sind dies, und wie lassen sich diese Merkmale herausfinden?
Forscher, die sich in der jüngeren Vergangenheit mit diesen Fragen beschäftigt haben, fanden bei ihren Untersuchungen heraus, daß Personen, die verschieden auf Streß reagieren, sich unter anderem durch das ihnen zuteil werdende Ausmaß an sozialem Rückhalt unterscheiden. Materielle Hilfen, Sympathie und Zuwendung seitens Angehöriger, Freunde und Arbeitskollegen scheinen offensichtlich Menschen vor den schädigenden Wirkungen von Streß zu schützen. Noch nicht ausreichend geklärt ist jedoch die Frage, ob nicht bestimmte persönliche Eigenschaften von Menschen wie z.B. Ängstlichkeit oder Selbstwertschätzung für den Streß-Schutzeffekt von sozialer Unterstützung indirekt verantwortlich sind. Mehr Licht in das Dunkel dieses unklaren Sachverhalts zu bringen, ist das Ziel dieser Arbeit.
2 2. THEORETISCHER UND EMPIRISCHER HINTERGRUND
_______________________________________________________________
2. THEORETISCHER UND EMPIRISCHER
HINTERGRUND
2.1 Einführung in die Problemstellung - Die Verbindung
zwischen Streß und Gesundheit
Körperliche Gesundheit und psychisches Wohlbefinden sind im Leben eines Menschen die zentralen Werte. Im Bereich der psychologischen Literatur haben sich in diesem Zusammenhang in den letzten Jahren die Fachgebiete Gemeindepsychologie (M. Levine & Perkins, 1997; Orford, 1991; Röhrle & Sommer, 1995) und Gesundheitspsychologie zunehmend entwickelt (Bengel, 1993; Brannon & Feist, 1997; H.S. Friedman, 1992; Lohaus, 1993; Miltner, Birbaumer & Gerber, 1986; Paulus, 1994; R. Schwarzer, 1996, 1997; Sheridan & Radmacher, 1992; J. Siegrist, 1996; S.E. Taylor, 1995; Westermayer & Bähr, 1994). In unserer Zeit ist eines der wichtigsten Forschungsziele der Gesundheitspsychologie der Erkenntnisgewinn über die Auswirkungen von Streß auf psychophysiologisches Befinden. So wurden in den letzten 30 Jahren beständig Indizien gesammelt, die einen Zusammenhang zwischen kürzlich eingetretenen streßreichen Ereignissen und physischen und psychischen Variablen belegen. Zahlreiche Verbindungen dieser Lebensereignisse mit Depressivität (z.B. Benjaminsen, 1981; G.W. Brown & Harris, 1978; George, Blazer, D. Hughes & Fowler 1989; Henderson, 1990; Paykel, Myers, Dienelt, Klerman & Pepper, 1969; Kendler, Kessler, Walters, C. MacLean, M.C. Neale, Heath & Eaves, 1995), neurotischen Beeinträchtigungen (Tennant & G. Andrews, 1978), koronaren Herzerkrankungen (Birbaumer, 1986a; Boman, 1988; Hinkle, 1974; Theorell, 1974; siehe Überblick bei Strube, 1991), Verlauf von Krebserkrankungen (Birbaumer, 1986b; Geyer, 1993; Ja- cobs & Charles, 1980), Reaktionen des Immunsystems und vor al-
3 2. THEORETISCHER UND EMPIRISCHER HINTERGRUND _______________________________________________________________
lem Immunsuppression (z.B. Kennedy, Kiecolt-Glaser & Glaser, 1990; Esterling, Kiecolt-Glaser, Bodnar & Glaser, 1994; siehe Überblicke bei Ader, Felten & Cohne, 1991; Glaser & Kiecolt-Glaser, 1994; Hodel, & Grob, 1993; Schedlowski & Tewes, 1996; Vollhardt, 1991), psychosomatischen Beschwerden (Frese, 1985), dem Burnout-Syndrom (einem Amalgam aus emotionaler Erschöpfung, Depersonalisation und reduziertem persönlichem Leistungsvermögen; Burisch, 1994; Gusy, 1995; Kleiber, Enzmann & Gusy, 1993; Schaufeli, Maslach & Marek, 1993), dem posttraumatischen Belastungssyndrom (Davidson, D. Hughes, Blazer & George, 1991) und anderen psychischen und physischen Maßen der Beeinträchtigung des Wohlbefindens (siehe z.B. Davison & J.M. Neale, 1996, Kap. 8; B.S. Dohrenwend & B.P. Dohrenwend, 1974, 1978; Filipp, 1990; Greif, Bamberg & Semmer, 1991; Katschnig, 1980; Leplow & Ferstl, 1998; Rabkin & Struening, 1976) konnten identifiziert werden. Darüber hinaus mehren sich die Indizien, daß zusätzlich auch genetische Dispositionen die Sensibilität von Personen für induzierten Streß im Hinblick auf psychophysiologischen Distreß beeinflussen (z.B. Kendler et al., 1995). Die dabei ermittelten Zusammenhänge zwischen Meßwerten auf Skalen, die Streß erfassen, und Meßwerten auf Skalen, die psychisches und physisches Befinden erfassen, sind jedoch in den meisten Fällen nur mäßig hoch, mit empirischen Korrelationen selten höher als r=.30 (S. Cohen & Hoberman, 1983; Davison & J.M. Neale, 1988, S. 227; Thoits, 1983; Wagner, Compas & Howell, 1988). Dies legt die Vermutung nahe, daß eine kausale Verbindung zwischen Lebensstreß und psychophysiologischen Folgen, sollte sie existieren, nur gering ist. Nicht alle Menschen haben demnach in Verbindung mit Streß erhöhte Gesundheitsprobleme.
Aus diesem Grund ist in der jüngeren Forschungsliteratur verstärkt die Diskussion aufgekommen, inwiefern individuelle Unterschiede die Beziehung zwischen streßreichen Lebensereignissen und Folgesymptomen moderieren (z.B. Bandura, 1977; Blaney & Ganellen, 1990; Frese, 1991; J.H. Johnson & I.G. Sarason, 1979a; Kobasa & Puccetti, 1983; Rosenbaum, 1990; I.G. Sarason, Pierce & B.R. Sarason, 1994; R. Schwarzer, 1992; R. Schwarzer &
4 2. THEORETISCHER UND EMPIRISCHER HINTERGRUND _______________________________________________________________
Leppin, 1997; R.E. Smith, J.H. Johnson & I.G. Sarason, 1978; Stone & J.M. Neale, 1984).
Neben anderen Variablen konnte dabei in erster Linie das Menschen zuteil werdende Ausmaß an sozialer Unterstützung als ein solcher diskriminierender Streßmoderator identifiziert werden (siehe Überblicke bei S. Cohen & Syme, 1985a; Gottlieb, 1988; Laireiter, 1993; Pierce, B.R. Sarason & I.G. Sarason, 1996; Röhrle, 1994; I.G. Sarason & B.R. Sarason, 1985a; B.R. Sarason, I.G. Sarason & Pierce, 1990a; R. Schwarzer & Leppin, 1989; Veiel & Baumann, 1992a). Forschungsergebnisse ergaben, daß soziale Unterstützung nicht nur in direktem positiven Zusammenhang zu psychischem und körperlichem Wohlbefinden steht, sondern darüber hinaus ein hohes Ausmaß an Unterstützung auch gegen die schädlichen Auswirkungen von Streß schützen kann. Forscher, die diesem Schutzeffekt von sozialer Unterstützung nachspürten, konnten jedoch nicht in jedem Fall einen solchen Puffereffekt von sozialer Unterstützung finden (z.B. Alloway & Bebbington, 1987; S. Cohen & Wills, 1985; G.F. Koeske & R.D. Koeske, 1991). Dabei ist bisher nicht nur weitgehend ungeklärt, unter welchen speziellen Bedingungen ein Puffereffekt von sozialer Unterstützung ermittelt werden kann, sondern auch, inwiefern nicht andere stabile Persönlichkeitsvariablen wie z.B. Ängstlichkeit oder Selbstwertschätzung indirekt für den Interaktionseffekt von sozialer Unterstützung und Streß ver-antwortlich sind (S. Cohen & Syme, 1985b; S. Cohen & J.R. Edwards, 1989; S. Cohen, D.R. Sherrod & Clark, 1986). Die genannten Forschungslücken ein Stück aufzufüllen und Erkenntnisgewinne in diesem bedeutenden Gebiet der Wissenschaft zu erreichen ist das Ziel der vorliegenden Arbeit. An einer Stichprobe von Personen soll daher neben dem Haupteffekt auch der Puffereffekt von sozialer Unterstützung in Verbindung mit Persönlichkeitsvariablen unter unterschiedlicher Konzeptualisierung von Streß analysiert werden. Weiterhin soll parallel dazu die Verbindung zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und Streß untersucht werden. Und schließlich sollen mögliche Interaktionen zwischen Streß und Persönlichkeitsvariablen erkundet wer- den.
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2.2 Streß
2.2.1 Die Konzeptualisierung von Streß und Stressoren
Streßforschung nimmt in Psychologie und verwandten Wissenschaften einen breiten Raum ein (I.G. Sarason & Spielberger, 1975, 1976, 1979, 1980; Spielberger & I.G. Sarason, 1975, 1977, 1978; Spielberger, I.G. Sarason & Milgram, 1982; Spielberger, I.G. Sarason & Defares, 1988; Spielberger, I.G. Sarason & Strelau, 1989; Wortman, Sheedy, Gluhoski & Kessler, 1992; siehe Überblicke bei Avison & Gotlib, 1994; Cooper, 1996; Glaser & Kiecolt-Glaser, 1994; Goldberger & Breznitz, 1993; Gray, 1987; H.B. Kaplan, 1996; Krohne, 1998; T.W. Miller, 1996; Nitsch, 1981; Noshpitz & Coddington, 1990; Semmer, 1992; Wolff, 1997a, b, c).
In der Streß-Theorie in ihrer ursprünglichen Form (Selye, 1950), die auch heutzutage noch im medizinischen Fachbereich weit verbreitet ist, wurde Streß als eine allgemeine und unspezifische Anpassungsreaktion des Organismus auf jede Art von Reizen, auf die das Individuum passiv reagiert und die bei allen Individuen konstant auftritt, angesehen. Seitdem hat in den letzten Jahren in der wissenschaftlichen Gemeinde die Konzeption des Transaktionalen Streß-Modells (Compas, Malcarne & Banez, 1992; Folkman, 1992; C.J. Holahan & Moos, 1994; Lazarus, 1966, 1977; Lazarus & Folkman, 1984) und in der Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie in einem leicht modifizierten Imbalance-Modell (McGrath, 1976, 1981) am meisten Beachtung und allgemeine Anerkennung gefunden. Nach Lazarus ist Streß ein Phänomen der Interaktion zwischen einem Individuum und einem Stressor in seiner Umwelt. Essentiell ist demnach, daß Streß durch kognitive Prozesse zu-stande kommt. Wahrgenommene Reize bzw. Ereignisse der Umwelt werden von einer Person bewertet (primary appraisal, Ereigniseinschätzung). Gleichzeitig wird die kognitive Repräsentation der eigenen Person bzw. das Selbstmodell aktiviert (secondary appraisal, Ressourceneinschätzung). Die interne Abbildung des
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Ereignisses wird entweder als Herausforderung oder als Bedrohung oder als Schaden / Verlust eingeschätzt. Bei der Aktivierung des kognitiven Selbstmodells werden die eigenen Kompetenzen und Bewältigungsreserven (Coping-Ressourcen) geprüft, um den Anforderungen der Umwelt zu begegnen. Wird das Ereignis so bewertet, daß es die internen Ressourcen überfordert, so wird von dem Individuum Streß erlebt, und nur in diesem Fall sind Stressoreffekte zu erwarten. Als drei weit gefaßte Lebensbereiche, in denen Streß sich ereignen kann, werden dabei die Bereiche Gesundheit bzw. materielle Güter, soziale Beziehungen und Selbstwertschätzung unterschieden. Streß ist also nach Lazarus nicht nur die belastende Situation selbst, sondern auch die Reaktion auf die Situation: Die Einwirkung objektiv streßvoller Ereignisse wird bis zu einem gewissen Grade durch die Wahrnehmung bzw. kognitive Einschätzung des Individuums in ihrem Streßausmaß bestimmt (Lazarus, 1966, 1977). Nach dieser Argumentation sind Ereignisse letztlich die kognitiv veränderte emotionale Antwort auf das objektive Ereignis (Lazarus, 1977). Die Antwort basiert demnach nicht nur auf irgendeiner, dem Ereignis innewohnenden Qualität, sondern auch auf persönlichen und kontextuellen Faktoren (S. Cohen, Kamarck & Mermelstein, 1983). Danach scheint es so zu sein, daß die unerwünschten Gesichtspunkte von Lebensereignissen mindestens so wichtig sind wie die Veränderung des Lebens durch diese Ereignisse (Mueller, D.W. Edwards & Yarvis, 1977; Redfield & Stone, 1979). Für das Transaktionale Streßmodell können empirische Belege angeführt werden (z.B. Compas, Wagner, Shavin & Vanatta, 1986).
Für die Konzeptualisierung von Streß ist weiterhin die Differenzierung von Anspannungsstreß (tension stress) und Anstrengungsstreß (effort stress) von Bedeutung. Anspannungsstreß wird durch die Erkenntnis einer Soll-Ist-Diskrepanz einer Variablen ausgelöst (z.B. Entdecken eines Fehlers). Anstrengungsstreß wird erlebt durch eine Handlung, die unternommen wird, um die Diskrepanz zu überwinden und die von negativer Rückmeldung begleitet ist (z.B. Vermindern eines Fehlers). Für das als Re- aktion folgende Coping-Verhalten des Individuums scheinen neben
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Kognitionen und Emotionen auch überdauernde und kurzzeitige Motivationen von Bedeutung zu sein (Apter & Svebak, 1989). Zur definitorischen Klärung ist es weiterhin sinnvoll, zwischen Stressor (bzw. Belastung), Anforderung, Beanspruchung, Überbeanspruchung und Distreß zu unterscheiden (siehe auch bei Semmer & Udris, 1995; Wheaton, 1994). Der Begriff Stressor (bzw. Belastung) bezeichnet den externen streß-auslösenden Reiz der Umwelt, der die Wahrscheinlichkeit von Streßzuständen beim Individuum erhöht. Unter Anforderung soll das „Verlangen“ des Stressors von der externen Seite verstanden werden. Beanspruchung kennzeichnet im neutralen Sinne die Inanspruchnahme bzw. die Auswirkungen der Belastungen auf den Organismus. Jeder Stressor (bzw. jede Belastung) stellt seinerseits eine Anforderung, die auf der Seite des Individuums zu einer Beanspruchung führt. Nicht jede Beanspruchung führt notwendigerweise beim Individuum zu Streß. Streß erfährt das Individuum nur im Falle der Überbeanspruchung (engl. strain). Mit Anforderung und Beanspruchung werden nach dieser Definition sehr ähnliche Sachverhalte mit verschiedener Betonung beschrieben. Schließlich bezieht sich Distreß auf die generalisierte Reaktion auf der Verhaltensseite des Individuums bzw. auf die ausgelösten Symptome als Indikatoren von Dysfunktionalität beim psychophysiologischen System.
Es ist ferner zweckmäßig, aufgrund der Natur von Stressoren und ihrer Wirkungsweise auf das Individuum Kategorien von Stressoren zu unterscheiden. So kommt Wheaton (1994) auf Basis der Literaturübersicht der letzten 30 Jahre und empirischen Analysen zu einer Unterscheidung von sieben Kategorien von Stressoren: Kindheitstraumas, Lebensereignisse des früheren Erwachsenseins (mindestens zwei Jahre zuvor), langfristige chronische Stressoren, jüngst innerhalb des letzten Jahres eingetretene chronische Stressoren, innerhalb des letzten Jahres aufgetretene lebensverändernde Ereignisse, gegenwärtige „daily hassles“ und „Nicht-Ereignisse“ innerhalb des letzten Jahres. Es kann gezeigt werden, daß zeitlich vorausgehende Stressoren zeitlich spätere bedingen, und daß jeder dieser Stressoren ei-
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nen unabhängigen Beitrag zu verschiedenen psychischen und physischen Distreßmaßen leistet.
In der Forschungsgeschichte über streß-auslösende Faktoren wurde dem Bereich der lebensverändernden Ereignisse die größte Aufmerksamkeit zuteil (z.B. G.W. Brown & Harris, 1978; Holmes & Rahe, 1967; Redfield & Stone, 1979; siehe Überblicke bei B.S. Dohrenwend & B.P. Dohrenwend, 1974; Montada, Filipp & Lerner, 1992). Als lebensverändernde Ereignisse bzw. kritische Lebensereignisse bezeichnet man „im Leben einer Person eintretende Ereignisse, die eine mehr oder minder abrupte Veränderung in der Lebenssituation einer Person mit sich bringen“ (Filipp, 1982, S. 772). Aspekte der Konzeptualisierung von kritischen Lebensereignissen sind 1. die raumzeitliche Verdichtung eines Geschehensablaufs sowohl innerhalb der Person als auch in der dinglich-sozialen Umwelt und 2. das relative Ungleichgewicht in dem bis dahin aufgebauten Passungsgefüge zwischen Person und Umwelt (Filipp, 1982).
Die ursprüngliche Forschung über kritische Lebensereignisse ging noch davon aus, daß lebensverändernde Ereignisse nicht notwendigerweise persönliche Katastrophen oder negative Erfahrungen darstellen müssen, sondern auch Ereignisse sein können, die nach allgemeinen Maßstäben positive Erfahrungen darstellen (z.B. Holmes & Rahe, 1967). Inzwischen konnte die Forschung jedoch nachweisen, daß nur die negativ eingeschätzten Ereignisse Distreß nach sich ziehen (J.H. Johnson & I.G. Sarason, 1979b; Tennant & G. Andrews, 1978; Thoits, 1983; Vinokur & Selzer, 1975).
Typische lebensverändernde Ereignisse sind der Tod eines (Ehe-)Partners, die Scheidung / Trennung von einem (Ehe-)Partner, die Geburt oder der Tod eines Kindes, eine ernsthafte Verletzung oder Erkrankung, eine Anklage vor Gericht, der Beginn einer gerichtlich angeordneten Freiheitsentziehung, ein Wohnungsumzug in eine schlechtere Wohngegend, das Scheitern an einer akademischen Prüfung, der Wechsel der Arbeitsstelle ohne Beförderung oder der Verlust des Arbeitsplatzes. Im Unterschied zu den großen, kritischen Lebensereignissen werden relativ kleine, alltägliche Unannehmlichkeiten des Le-
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bens als „daily hassles“ (Kanner, Coyne, C. Schaefer & Lazarus, 1981) oder Mikrostressoren (McLean, 1976) bezeichnet. Sie sind definiert als „die irritierenden, frustrierenden und bedrängenden Anforderungen, die zu einem gewissen Grad die täglichen Verrichtungen mit der Umwelt charakterisieren“ (Kanner et al., 1981, p. 3). Stressoren von der Art der „daily hassles“ können entweder den Charakter eines Ereignisses oder eines chronischen Stressors haben. In diese Kategorie fallen solche Stressoren wie z.B. Konflikte mit dem Partner, mit Arbeitskollegen, Nachbarn oder mit Kunden, nicht funktionierendes technisches Gerät, Zeitdruck, Dinge verlegen oder verlieren, den Alltag planen, Mahlzeiten vorbereiten, Dinge am Haus oder in der Wohnung reparieren, warten müssen, zu viele Unterbrechungen, Formulare ausfüllen, Straßenverkehrsprobleme oder einfach nur „das Wetter“. Viele große negative Ereignisse sind oft nur darum als stressende Lebensereignisse zu interpretieren, weil sie zu täglichen Mikrostressoren führen (z.B. Arbeitslosigkeit zu geringeren finanziellen Ressourcen, zu Verlust der sozialen Beziehungen zu Arbeitskollegen und bei Langzeitarbeitslosigkeit zu Verlust der Selbstwertschätzung). Entscheidend ist bei den Mi-krostressoren vor allem die Kumulation solcher Ereignisse, die zu einem Dauerzustand von kognitiv und emotional erfahrenem Streß führen kann (Eckenrode & Gore, 1990; Udris & Frese, 1988). Damit nun nicht jedes kleine Ereignis als stressend eingestuft wird, sind nur solche Bedingungen als Stressor zu bezeichnen, bei denen die aversive Situation von subjektiv hoher Intensität und subjektiv längerer Zeitdauer ist und die Vermeidung des Zustands als subjektiv wichtig bewertet wird (Greif, 1983).
Als Traumas werden solche Stressoren bezeichnet, die in ihrer Einwirkung überwältigend und als Lebenserfahrung spektakulär, entsetzlich oder nur tiefgehend beunruhigend sind (Wheaton, 1994). Kennzeichnend für traumatische Ereignisse ist weiterhin, daß die meisten Menschen von ihnen beeinträchtigt sind, auch wenn das Trauma nur von kurzer Dauer ist, und daß das jeweilige Trauma nur relativ wenigen Menschen in ihrem Le- ben widerfährt. Unter Traumas fallen Stressoren wie z.B. Krieg,
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Heckenschützenfeuer, Folter, Atomunfälle, Naturkatastrophen, Tod des Ehepartners oder eines Kindes, Raub und Vergewaltigung. Unter Kindheitstraumas sind darüber hinaus jedoch auch Erfahrungen wie Tod eines Elternteils sowie sexueller Mißbrauch in der Kindheit, das Aufwachsen mit einem alkohol- bzw. drogenabhängigen Elternteil, physische Gewalt und Verletzung als Kind in der elterlichen Familie, die erlebte Scheidung der Eltern und längerer Krankenhausaufenthalt in der Kindheit zu zählen. Als chronische Stressoren bezeichnet man Stressoren, die im Vergleich zu diskreten Lebensereignissen von ihrer Natur her eher fortlaufend schwierig und beanspruchend, progredierend und heimtückisch sind (Wheaton, 1994). Sie starten nicht notwendigerweise mit einem Ereignis, sondern entwickeln sich allmählich, als fortlaufende problematische Bedingungen in sozialen Umwelten und sozialen Rollen. Sie haben in ihrer Stimulusfunktion im Vergleich zu Lebensereignissen ferner einen längeren Zeitverlauf vom Anfang bis zu ihrer Lösung. Chronische Stres-soren sind in ihrem Verlauf oft unvorhersehbar und haben ein offenes Ende ohne eine Lösung zu versprechen. Sie sind verbunden mit Faktoren wie Überlastung des Individuums, exzessiver Aufgaben- und Rollenforderung, übermäßiger Komplexität, Ungewißheit, Konflikt, Beschränkung der Wahlfreiheit, zu geringer Belohnung oder persönlicher Bedrohung. Chronische Stressoren entstammen typischerweise aus sozialen Rollen mit Rollengrenzen und Rollenidentitäten (Pearlin, 1983; Wheaton, 1994). Solche Stressoren enthalten Überlastungen aus Aufgaben- und Rollenforderungen, Ungleichheit der Ressourcen oder Belohnungen im Vergleich zu getätigten Investitionen in Rollen, das Mißlingen von Reziprozität in Rollen (als häufiger Grund für interpersonale Konflikte), Rollenkonflikte (resultierend aus der Unvereinbarkeit der Anforderungsstruktur verschiedener Rollen), Gefangenschaft in Rollen (beim Wunsch nach Ausgang aus einer sozialen Rollensituation, wenn dies nicht möglich ist), Umstrukturierungen von Rollen mit Neuzuteilung von Verantwortlichkeiten und Erwartungen innerhalb existierender Rollen und Belastungen aus dem Nicht-Besitz er- wünschter sozialer Rollen.
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Beispiele für solche chronische Stressoren sind die Pflege eines dauerhaft kranken oder alten und gebrechlichen Familienangehörigen, der sich stetig und allmählich erhöhende Alkoholkonsum eines Partners, die Drogeneinnahme eines minderjährigen Sohnes, sich eingeengt fühlen in einer sozialen Beziehung, sexuelles Unerfülltsein, der Ablauf einer Ehescheidung über mehrere Jahre, die Änderung der Rollenanforderungen eines alleinerziehenden Elternteils nach einer Scheidung, zu geringer Kontakt zu Kindern nach einer Scheidung, langfristige oder wiederholte Konflikte mit Kollegen am Arbeitsplatz, zu geringer Arbeitslohn, ökonomische Deprivation (z.B. aufgrund von langfristiger Arbeitslosigkeit), erfolglose Partnersuche und unerfüllter Kinderwunsch (Wheaton, 1994). Daneben sind als weitere Unterkategorie chronischer Stres-soren sogenannte Umgebungsstressoren bzw. Makrosystemstressoren abzugrenzen (Wheaton, 1994). Diese sind nicht an Rollen gebunden, sozial diffus und allgemein in ihrem Ursprung. Unter Umge-bungsstressoren fallen Dinge wie Wirtschaftsrezession, keine oder eine geringe Anzahl offener Arbeitsstellen, Kriminalität in der Wohnumgebung, Schwierigkeiten im Wohnlebensraum, Zeitdruck (als allgemeines gesellschaftliches Phänomen) und soziale Komplexität wie z.B. Schwierigkeiten bei der Suche nach passenden Freunden oder einem kompatiblen romantischen Partner auf-grund ungünstiger Bedingungen der Wohn- und Arbeitsumwelt. Als Nicht-Ereignisse können solche Stressoren bezeichnet werden, die Ereignisse betreffen, die erwünscht oder erwartet sind, und die sich nicht ereignen (Gersten, Langner, Eisenberg & Orzeck, 1974). Zu dieser Kategorie von Stressoren gehören Dinge wie z.B. das Ausbleiben einer geplanten Beförderung, das Ausbleiben einer erwünschten Schwangerschaft, die Verweigerung eines Darlehns und das Nicht-Antreten einer geplanten Reise. Wie aus der obigen Beschreibung von Stressoren zu erkennen ist, gibt es bei der Zuteilung von Stressoren zu Kategorien zum Teil die Möglichkeit der Mehrfachzuordnung. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, daß die einzelnen Kategorien von Stres-soren theoretisch und empirisch unterscheidbar sind und eine Zuteilung von Stressoren zu den Kategorien in der Regel ein-
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deutig möglich ist (Wheaton, 1994). So kann die Zuordnung zu den Kategorien „Ereignisstressor“ oder „chronischer Stressor“ von der jeweiligen Betonung abhängen, wie z.B. im Falle von „geschieden sein“ und „in Scheidung leben“. Neben der Konzeptualisierung von Streß basierend auf den Kognitionen von Menschen (Lazarus, 1966; Lazarus & Folkman, 1984) wurden in der Forschungsliteratur weitere Konzeptionen wie z.B. nach den Antezedentien psychischer Probleme (G.W. Brown & Harris, 1978) oder der Wahrscheinlichkeit des Zusammentreffens bzw. der wahrgenommenen Ähnlichkeit von Ereignissen erstellt (Skinner & Lei, 1980). Daneben wurden Versuche unternommen, auf empirischem Wege Konzeptionen zu finden (z.B. Redfield & Stone, 1979; Skinner & Lei, 1980) oder verschiedene theoretische Ansätze zu integrieren (z.B. Lucas, 1993). In der Folge wurde als ein neuer Ansatz eine Integration der verschiedenen dimensionalen Schemata entwickelt und Lebensereignisse unterteilt auf den Dimensionen Wünschbarkeit (Gewinn - Verlust), Kontrollierbarkeit (ja - nein), Dauer der Folgen (kurz - lang) und Lebensbereich (physisches Befinden bzw. materielle Güter, soziale Beziehungen, Leistung und soziale Rolle; Cutrona & Russell, 1990). Forschungsergebnisse zeigen, daß Unerwünschtheit, Unkontrollierbarkeit und lange Dauer der Folgen mit Depressivität verbunden sind. Negative Lebensereignisse haben größere Effekte auf psychophysiologisches Befinden als positive Lebensereignisse (Thoits, 1983). Weiterhin scheint der Aspekt der Bedrohung eher zu einer affektiven Überlastung und derjenige der Unkontrollierbarkeit eher zu einer kognitiven Überlastung zu führen (Kofta & Sedek, 1989). Eine neueres Streß-Modell stellt das der Bewahrung der sozialen Quellen dar (Conservation of Resources Model oder COR-Modell; Hobfoll, 1988, 1989; Hobfoll, Lilly & A.P. Jackson, 1992; Hobfoll & Stephens, 1990). Das COR-Modell ist eine allgemeine Theorie der menschlichen Motivation mit besonderer Relevanz für die Bewältigung von Streß (Hobfoll et al., 1992). Es wurde als Antwort auf Kritik am Transaktionalen Streß-Modell (Lazarus, 1966, 1977) aufgestellt (Hobfoll, 1988; Hobfoll et al., 1992; Hobfoll & Stephens, 1990).
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Das Transaktionale Streß-Modell von Streß (Lazarus, 1966, 1977), das von einer Imbalance zwischen Stressor und Bewältigungsquellen ausgeht, wird als tautologisch kritisiert, weil sich Stressor und Bewältigungsquellen gegenseitig definieren, und der Ansatz somit ohne einen Anker ist (Hobfoll & Stephens, 1990): Im Transaktionalen Streß-Modell werden Anforderungen als innere oder äußere Ereignisse definiert, die Ressourcen heraus-fordern. Daran anschließend können streßvolle Ereignisse nur erkannt werden, wenn sie die Bewältigungskapazität des Individuums herausfordern. Umgekehrt ist Bewältigungskapazität diejenige Eigenschaft, die den Wirkungen von Stressoren entgegenwirkt. Somit können Anforderungen und Bewältigungsressourcen jeweils nur dann erkannt werden, nachdem die jeweils andere Tatsache erkannt ist.
Im Transaktionalen Streß-Modell ist darüber hinaus der Begriff der Anforderung lediglich dadurch definiert, daß das Individuum subjektiv eine Anforderung wahrnimmt. Es wird in dem Modell nicht angezeigt, ob ein positives oder negatives, internes oder externes Ereignis in eine Anforderung resultiert (Hobfoll & Stephens, 1990). Empirische Ergebnisse zeigen jedoch, daß unerwünschte Ereignisse Streß verursachen (z.B. Thoits, 1983), und daß Menschen allgemein darüber übereinstimmen, welche Ereignisse unerwünscht sind (B.S. Dohrenwend, Krasnoff, Askenasy & B.P. Dohrenwend, 1978). Ferner wird auf diese Weise keine Grenze zwischen Streßreaktionen und psychischen Störungen des Individuums gezogen, was die Erforschung von Streßreaktionen erschwert (Hobfoll, 1988; Hobfoll & Stephens, 1990). Schließlich wird durch das Modell Streß durch Unterbelastung postuliert, was empirisch nicht bestätigt werden kann (Hobfoll, 1988). Die genannten Kritikpunkte erschweren über diese theoretische Implikationen hinaus empirische Überprüfungen des Transaktionalen Streßmodells (Bastine, 1990, Kap. 5). Im COR-Modell wird Streß definiert als eine Reaktion auf die Umwelt, in der es eine wahrgenommene Bedrohung eines Netto-Verlustes an Ressourcen, einen wahrgenommenen Netto-Verlust an Ressourcen oder eine Wahrnehmung, daß eine Investition von Res- sourcen keinen Netto-Gewinn produziert, gibt. Persönliche, in-
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dividuelle Wahrnehmungen werden dabei zwar als wichtig, jedoch über weite soziale Bereiche als gleichartig angesehen. Ressourcen werden definiert als jene Objekte, persönliche Charakteristiken, Bedingungen oder Energien, die für ein Individuum oder eine Gruppe einen hohen Stellenwert haben oder die als ein Mittel dienen, um diese Objekte, persönliche Charakteristiken, Bedingungen oder Energien zu erreichen (Hobfoll & Stephens, 1990).
Objekte sind demnach charakterisiert durch ihre physische Natur (z.B. Transportmittel). Persönliche Charakteristiken sind wertvolle Eigenschaften der eigenen Person zur Erreichung von Zielen (z.B. Selbstwertschätzung). Bedingungen sind wertvolle Zustände (z.B. Besitz). Und Energien können zur Erreichung anderer Quellen genutzt werden (z.B. Wissen oder Geld). Weiterhin werden Verlust und negativer Wechsel bzw. Übergang als Bestandteile von Streß angesehen (Hobfoll et al., 1992; Hobfoll & Spielberger, 1992).
Folgerungen aus dem COR-Modell sind, daß Menschen eine aktive Rolle in der Schaffung ihrer Umwelt und ihrer sozialen Lebensumstände, die in Verlust oder Gewinn resultieren, spielen. Dominante Umweltbedingungen oder soziale Umstände werden jedoch ebenfalls berücksichtigt. Des weiteren benutzen Menschen Ressourcen, um andere Ressourcen zu erhalten und zu schützen. Dies bedeutet, daß die Bewältigung von irgend etwas bestimmte Kosten nach sich zieht, weil in die Bewältigungshandlung Ressourcen investiert werden müssen. Schließlich wird davon ausgegangen, daß der Verlust oder der Gewinn von Ressourcen dazu neigt, negative oder positive Spiralen hervorzubringen (Hobfoll et al., 1992). Für chronischen Streß bzw. Verlust konnte dieses Spiralmodell empirisch bestätigt werden (Lane & Hobfoll, 1992). Auch das COR-Modell impliziert, daß als streß-auslösende Reize Stressoren in der Umwelt die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Streß erhöhen. Erste empirische Überprüfungen des COR-Modells haben inzwischen stattgefunden, wobei theoretische Modellannahmen bestätigt werden konnten (Hobfoll et al., 1992; Hobfoll & Lilly, 1993; Lane & Hobfoll, 1992). Dieses Streß-
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Ingo A. Wolf, 1998, Effekte von Stress, sozialer Unterstützung und Persönlichkeitsvariablen auf psychisches Befinden, München, GRIN Verlag GmbH
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