Seelsorge an Trauernden
als Begleitung von Lebensgeschichte
von Patrick Wacker
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Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung __________________________________________________ 2
1.1. Seelsorge __________________________________________________ 2
1.2. Lebensgeschichte im Kontext von Seelsorge_______________________ 3
2. Seelsorge im Kontext von Tod und Trauer __________________________ 5
2.1. Individualisierung als bestimmender Faktor für Trauer_____________ 5
2.2. Trauer ___________________________________________________ 7
2.3. Aufgabe der Seelsorgenden __________________________________ 9
2.4. Trauerarbeit im christlichen Kontext __________________________ 11
3. Zusammenführung ___________________________________________ 12
4. Literaturverzeichnis___________________________________________ 14
2
1. Hinführung
In diesem ersten Teil der Ausarbeitung werden die Hauptbegriffe ,,Seelsorge" und ,,Lebensge-
schichte" erörtert, um dann im Hauptteil näher auf Seelsorge im Kontext von Tod und Trauer
einzugehen. Dort wird der Begriff der ,,Trauer" näher erläutert. Ziel wird sein, den Todesfall
bzw. die daraus resultierende Trauer lebensgeschichtlich einzuordnen bzw. die Relevanz der
Trauer für die Lebensgeschichte aufzuzeigen.
Ein weiterer Aspekt wird die christliche Intention der Seelsorge sein. Tod und Trauer als reli-
giöse Relevanzpunkte werden hierbei beachtet und es wird der Versuch gemacht, die Chancen
einer christlich intendierten Seelsorge hervorzuheben.
1.1. Seelsorge
Während der Begriff ,,Seelsorge" eigentlich säkularen Ursprungs ist, so ist der heutige
Sprachgebrauch auf eine kirchliche Praxis bezogen. Dieser kirchliche Bezug findet sich schon
bei Basilius von Caeserea und hat durch Martin Luthers Gebrauch ,,zentrale Bedeutung für
die kirchl. Amtspraxis erlangt"
1
.
Neben der konfessionell bedingten unterschiedlichen Gebräuche des Seelsorgebegriffs von
der cura animarum generalis (Katholizismus) und der cura animarum specialis (Protestan-
tismus), ist eine Differenzierung in die intentionale Seelsorge, die funktionale Seelsorge und
die dimensionale Seelsorge hilfreich.
2
Dieser dreifache Gebrauch nützt m.E. auch den Begriff
der Seelsorge und auch die Seelsorge an sich in Bezug auf Lebensgeschichte anzuwenden.
Denn von der allgemeinen dimensionalen Beschreibung als Ideal konkretisiert sich das Mo-
dell über die strukturelle Beschreibung als Funktion hin zu einer Intention im Sinne einer
Veranlassung, in welcher dann auch die religiösen Relevanzpunkte Beachtung finden.
Geschieht Seelsorge aus einer Veranlassung, dann ist noch nicht geklärt, was Seelsorge ei-
gentlich ist. Neben den landläufigen deutlichen Vorstellungen über eine Definition ist in der
Poimenik die Begrifflichkeit diffus.
3
Da Seelsorge nicht nur Gespräch bedeutet - und falls
1
Ziemer, Jürgen, Art. Seelsorge. I. Zum Begriff, in RGG
4
7 (2004), 1111.
2
Vgl. ebd.
3
Vgl. Pohl-Patalong, Uta, Seelsorge. Konzeption / Kontexte / Lebensgestaltung / Seelsorgegespräch, in: Gräb,
Wilhelm/Weyel, Birgit, Handbuch Praktische Theologie, Gütersloh 2007, [675].
3
doch, dann ist die Frage wie ein Gespräch seelsorgerlich qualifiziert ist -
4
erfordert es zum
einen Seelsorge als Konstrukt zu betrachten und zum anderen eine inhaltlich weite Definition
zu verwenden: ,,Seelsorge ist christliche Unterstützung der Lebensgestaltung."
5
Dadurch wird
Seelsorge nicht nur dimensional beschrieben, sondern auch gefordert. Vorteil kann hier beim
initialen Gebrauch der Seelsorge sein, dass sie sich immer an der dimensionalen Beschrei-
bung verifizieren lässt, also einer Kontrollfunktion gleich kommt.
Betrachtet man die verschiedenen Handlungsfelder
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in der heutigen Seelsorgepraxis, so er-
scheint es wenig überraschend, dass die Konzeptionen und Methoden mindestens genauso
vielseitig sind. Zwar spiegelt sich in einer Vielzahl der Ansätze die Idee der Seelsorgebewe-
gung
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wider, man kann jedoch nicht von einer aktuellen übergreifenden konzeptionellen
Strömung sprechen. Neben Einflüssen aus der Psychologie (Systemische Therapie) und der
Soziobiologie haben die gegenwärtigen Konzepte die Tendenz sich auf Schwerpunkte zu ver-
lagern und erheben daher keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Sie bewegen sich bspw.
in einer eindeutigen Thematik wie etwa die Interkulturelle Seelsorge und die Feministische
Seelsorge, oder eben auch in einer Alltagswahrnehmung, in der die Biografie, die Lebensge-
schichte, als Erzählung seelsorgerliche Relevanz erhält. Die Konstruktion bzw. die Rekon-
struktion von Lebensgeschichte kann und sollte dann Aufgabe von Seelsorge werden.
Interessant an dieser Stelle ist die mögliche Vereinbarung von Seelsorge hinsichtlich einer
Lebensgeschichte und Seelsorge in Krisensituationen wie etwa einem Todesfall. Eine Ver-
zahnung von Konzeptionen innerhalb der Pluralität erscheint hier nicht nur möglich, sondern
notwendig und ist vielleicht der eigentliche Gewinn bzw. der Nutzen dieser Pluralität.
1.2. Lebensgeschichte im Kontext von Seelsorge
Bei der Fülle seelsorgerlicher Handlungsfelder in der Gegenwart wird deutlich, dass Seelsor-
ge lebensbegleitend ist und zwar in vielfältiger Weise: Sie kann auf bestimmte Berufsfelder
(Polizeiseelsorge) oder auf die Freizeitgestaltung (Urlaubsseelsorge) bezogen werden oder sie
nutzt die neuen Medien (Internetseelsorge), um einerseits zeitgemäß zu agieren, wohl aber
4
Diese Frage stellt sich natürlich immer beim seelsorgerlichen Handeln. Gerade aber bei der verbalen Kommu-
nikation, die oft alltäglich ist, ist die seelsorgerliche Qualifizierung schwerlich auszumachen.
5
Pohl-Patalong, Seelsorge, 676.
6
Vgl. Ziemer, Begriff, 1116; vgl. Pohl-Patalong, Seelsorge, 681-685; Dies., Art. Seelsorge. III. Konzeption und
Methoden, in: RGG
4
7 (2004), 1116.
7
Die geschichtliche Entwicklung der Seelsorge soll hier nicht ausgeführt werden, da dies an vielen anderen
Stellen getan wurde. Bei Begriffen wie etwas ,,Seelsorgebewegung" wird ein Vorverständnis vorausgesetzt.
4
auch Schwellenängste abzubauen. Seelsorge ist demnach individuell abrufbar bzw. zugäng-
lich und daher auf die Klientinnen und Klienten zugeschnitten.
Neben der Pluralität der Konzepte spiegelt sich also auch eine Pluralität von Lebensentwürfen
und somit auch Biografien wider. Die ,,Wahlbiografie" löste die ,,Normalbiografie" ab.
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Da-
her sind Seelsorgende gefordert in besondere Weise die Lebensgeschichte der Klientinnen
und Klienten zu würdigen oder gar in den Mittelpunkt des Seelsorgegesprächs zu stellen.
Bei dem synonymen Gebrauch der Begriffe ,,Lebensgeschichte" und ,,Biografie" ist es hilf-
reich den Unterschied zum ,,Lebenslauf" darzustellen.
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Während der Lebenslauf alle Ereignis-
se und Empfindungen eines Lebens beschreibt, ist eine Biografie bzw. Lebensgeschichte nur
selektiv. Dahingehend ist bei dem Begriff ,,Lebensgeschichte" die Betonung auf Geschichte
sinngebend, da es sich bei Lebensgeschichte um eine Erzählung handelt. Sie ist verdichtet,
zeitlich ungeordnet und entspricht nicht dem eigentlichen Lebenslauf. Die Erzählung der Le-
bensgeschichte/Biografie
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ist somit immer ein Konstrukt.
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Zu beachten ist hierbei, dass ein solcher Prozess des Erinnerns und Erzählens, also die biogra-
fische Wiedergabe, immer auf die gegenwärtige Lage der Erzählerin oder des Erzählers bezo-
gen ist. Das Konstrukt ist also stets aktuell: ,,Biographie wird vielmehr hergestellt, kon-
struiert, ,geschrieben' und zwar immer von einem je gegenwärtigen Beobachterstandpunkt
aus."
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Ausgangspunkt hierfür ist die Fähigkeit eines Menschen sich zu erinnern. Der Erinnerungs-
prozess entspricht dem Suchen nach dem eigenen Selbst und bildet somit ein Selbstverständ-
nis heraus; das Ziel ist die Identität des Menschen. Da die Identität in der heutigen Zeit durch
eine immer mehr funktional ausdifferenzierte Gesellschaft von außen nicht mehr gegeben ist,
wird diese ,,zur spezifischen Eigenleistung des Individuums"
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. Eine solche gesellschaftliche
Präposition führt zur o.g. Wahlbiografie. Dies mag widersprüchlich klingen, jedoch meint der
Begriff nicht die frei Wahl zu einer Biografie, sondern die Wahl zu einer biografischen Ges-
taltung. Der Zwang zur Biografie ist in der Tat gesellschaftlich bedingt und kann dementspre-
chend zu Unsicherheiten und Überforderungen führen. An dieser Stelle hat die Seelsorge die
Aufgabe zu ordnen.
8
Vgl. Meyer-Blanck, Michael / Weyel, Birgit, Arbeitsbuch praktische Theologie: Ein Begleitbuch zu Studium
und Examen in 25 Einheiten, Gütersloh 1999, 108; Karle, Isolde, Seelsorge als Thematisierung von Lebensge-
schichte. Gesellschaftsstrukturelle Veränderungen als Herausforderung der evangelischen Seelsorgetheorie, in:
Wohlrab-Sahr, Monika (Hg.), Biographie und Religion. Zwischen Ritual und Selbstsuche, Frankfurt / New Y-
ork, 1995, 210.
9
Vgl. Meyer-Blanck, Arbeitsbuch, 110; Karle, Lebensgeschichte, 205f.
10
Da die beiden Begriffe synonym verstanden und gebraucht werden, entscheide ich mich für den Gebrauch des
Begriffs ,,Lebensgeschichte" um Irritationen zu vermeiden.
11
Vgl. Karle, Lebensgeschichte, 206.
12
Ebd.
13
Ebd., 207.
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