Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2.1 Machiavellis Menschenbild 4
2.2 Machiavellis Geschichtsverständnis 5
3.1 Der Kreislauf der Staatsformen 9
3.2 Die beste Staatsform ist die Republik 11
3.3 Auf- und Niedergang der Republik 14
4. Schlussbetrachtung 16
5. Literaturverzeichnis 17
2
1.Einleitung
Der Begriff Machiavellismus wird vielfach verwandt als Vorwurf und synonym gebraucht mit Bezeichnungen für skrupellose Politik und amoralische Techniken des Machterhalts. Dies ist sicherlich die in negativster Absicht interpretierte Darstellung der Werke des florentinischen Staatstheoretikers. In seiner Schrift Il Principe zieht Machiavelli den Schluss, dass der Führer des Staates nach reinen Machtinteressen verfahren müsse und in seinem an die Staatsräson gebundenen Handeln selbst über dem Gesetz stehe. Damit beschreibt Machiavelli allerdings nur das beste Verhalten des Fürsten in einer absolut krisenhaften Situation. Bezogen auf den Normalbeziehungsweise den Idealfall lesen sich seine Vorstellungen, wie die Discorsi zeigen, jedoch ganz anders. Hier zeigt sich Machiavelli als klassischer Vertreter republikanischer Denkweise, der die Freiheit der Republik als Grundlage eines lebendigen Gemeinwesens preist.
Diese Arbeit ist dem Republikaner Machiavelli gewidmet und beschäftigt sich mit der Frage, warum Machiavelli die Republik als die beste Staatsform ansieht und wie er sie sich konkret vorstellt.
Wichtig zum Verständnis seiner politische Theorie sind sein Geschichtsverständnis und sein Menschenbild, die gleichsam als Basis seines Denkgebäudes dienen. Diese werden im ersten Teil der Arbeit vor dem Hintergrund ihrer Entstehung erläutert. Im Hauptteil werden die sechs Regierungsformen aristotelischen Typs und der Kreislauf der Staatsformen nach dem Verständnis Machiavellis behandelt, um im Anschluss in Machiavellis Sinne die Republik als beste Staatsform zu begründen und deren Wesen idealtypisch zu beschreiben. Schlussendlich soll noch eine Einschätzung zur Stabilität und den Perspektiven einer machiavellistischen Republik versucht werden.
Wie kann seine Republik dem Zyklus des Verfalls widerstehen oder zumindest eine möglichst lange Lebensdauer erreichen? Welche Beispiele gelten ihm als Vorbild?
3
2.1 Machiavellis Menschenbild
Machiavellis Menschenbild ist ein wichtiger Aspekt in der Konzeption seiner politischen Theorie und ist Grundlage seiner Gedanken zu Menschen- und Staatsführung. Sein Verständnis entwickelte er vor allem im Studium der Antike und durch die Lektüre ihrer Geschichtsschreiber, insbesondere der des Livius. 1 Sein derart geprägtes Menschenbild läuft konträr zu vielen anderen Denkern seiner Zeit, die die Freiheit und Rationalität des Menschen postulierten. Nach eigener Aussage im Vorwort zu seinen Discorsi verfolgt er den Anspruch, den Menschen ihren Irrtum zu nehmen und aus der Geschichte die richtigen Schlüsse zu ziehen. 2 Ein anthropologischer Pessimismus wohnt seiner darauf fußenden Herleitungen inne und wird bereits im dritten Kapitel des ersten Buches der Discorsi auf einen programmatischen Punkt resümiert: „Alle Schriftsteller, die sich mit politischen Dingen beschäftigt haben, stimmen darin überein, und die Geschichte belegt es durch eine Menge Beispiele, daß, wer einer Republik Verfassung und Gesetze gibt, alle Menschen als böse voraussetzen und unterstellen muß, daß sie so oft ihre üblen Neigungen zeigen werden, wie ihnen Gelegenheit dazu geboten wird.“ 3 Machiavelli geht dabei von einer unveränderlichen Natur des Menschen aus. Die Menschen würden stets von den gleichen Trieben, Liebe und Furcht, beherrscht. Im Laufe der Geschichte ist der Mensch, unabhängig von politischen Konstellationen, immer den gleichen Eigenschaften und Leidenschaften unterworfen. Dass Machiavelli die Menschen als verlogen, raffgierig, korrumpierbar etc. sieht, erklärt sich sicherlich auch vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund des Werks und der damaligen politischen Krise Italiens. Seine pessimistische Grundhaltung reflektiert die Enttäuschung über die Realität, nachdem die Renaissance ein so optimistisches Menschenbild gezeichnet hatte.
1 Vgl. Münkler, Herfried, Niccolo Machiavelli, Politische Schriften, Frankfurt am Main, 1990, S. 128
2 Ebd., S. 128
3 Ebd., S. 137
4
„Als nun die aus dem humanistischen Lebensideal erwachsenen Ansätze zu einer Neuordnung des individuellen und des gesellschaftlichen Lebens am Ausgang des 15. Jahrhunderts an der Wirklichkeit der historischen Gegebenheiten zerbrachen und nur noch eine neue Weltflucht in eine literarisch-ästhetische „vita contemplativa“ übrig blieb, offenbart sich die Krise der Zeit in einer Krise des humanistischen Menschenbildes.“ 4 Machiavelli sieht die Gründe für die politische Krise in der Verkommenheit der Fürsten, aber auch im Sittenverfall im Innern der italienischen Staaten. Zweites führt er auf den menschlichen Ehrgeiz, die ambizione zurück, die mit Eigennutz und dem Streben nach Reichtum und Macht zu übersetzen ist. Die schlechten Eigenschaften der Menschen seien zum bestimmenden Element gesellschaftlichen und politischen Handelns geworden. 5 Machiavelli verschleiert jedoch, dass sich sein Menschenbild im Zuge des von ihm selbst miterlebten gesellschaftlichen Prozesses, der die politische Krise nach 1494 auslöste, konditioniert hat. Dieser Prozess war gekennzeichnet durch die Anfänge des Konkurrenzkapitalismus in Florenz, welcher privates Gewinnstreben und Ausbeutung beförderte, neue Bedingungen des politischen Machtkampfes schuf und das Gemeinwesen unterminierte. 6 Von Machiavelli werden diese Einzelerfahrungen zu einer Art ahistorischem Prinzip umgedeutet und als Ausdruck der Boshaftigkeit in der menschlichen Natur interpretiert. Die ambizione sitzt in jedem Menschen und tritt besonders stark in der Krise hervor. Da die ambizione nicht endgültig zu befriedigen ist und ihr damit keine Grenzen gesetzt sind, wirkt sie sich so negativ auf das Gemeinwesen aus, dass sie eine ständige Gefahr für die politische Ordnung darstellt.
4 Deppe, Frank, Niccolo Machiavelli, Zur Kritik der reinen Politik, Köln, 1987, S. 300
5 Ebd., S. 300
6 Ebd., S. 300
5
Arbeit zitieren:
Benjamin Siegert, 2006, Niccolo Machiavellis Begriff der Republik, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Einsichten zum Elementaren - Überlegungen zu den grundlegenden didakti...
Politik - Didaktik, politische Bildung
Hausarbeit (Hauptseminar), 16 Seiten
Der Israel-Palästina Konflikt und die vergeblichen Versuche, ihn zu lö...
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Der historische Begriff des politischen Handelns bei Hannah Arendt: Ut...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 35 Seiten
Die Ursachen der Studentenproteste in den sechziger Jahren
Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
Seminararbeit, 17 Seiten
Alfred Müller-Armack und Ludwig Erhard: Das Konzept der Sozialen Markt...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 22 Seiten
Politisches System der USA: Parteien- und Wahlsystem
Politik - Internationale Politik - Region: USA
Seminararbeit, 20 Seiten
Erving Goffmans Verknüpfung von Geschlecht und Interaktion
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Referat (Ausarbeitung), 17 Seiten
Die Ausgestaltung der Sozialen Marktwirtschaft in den 50er Jahren. Das...
Politik - Politische Systeme - Historisches
Seminararbeit, 24 Seiten
Die "didaktische Wende"- Kurt Gerhard Fischers Ideengut und ...
Politik - Didaktik, politische Bildung
Seminararbeit, 20 Seiten
Der NATO-Doppelbeschluss - Historische Chance oder Ende der Entspannun...
Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Zum Begriff von Macht und Gewalt bei Hannah Arendt
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 21 Seiten
Das Verhältnis von Exekutive und Legislative im parlamentarischen Regi...
Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche
Hausarbeit (Hauptseminar), 33 Seiten
Die Theorie der "neuen Kriege"
Darstellung und kritische Anal...
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Seminararbeit, 19 Seiten
Der Verlauf des israelisch-palästinensischen Konflikts seit 1993 - Das...
Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Die Deutsche Wirtschaftsverfassung
Jura - Europarecht, Völkerrecht, Internationales Privatrecht
Seminararbeit, 18 Seiten
Über Hannah Arendts "Macht und Gewalt"
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Seminararbeit, 20 Seiten
Benjamin Siegert's Text Niccolo Machiavellis Begriff der Republik ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Benjamin Siegert hat den Text Niccolo Machiavellis Begriff der Republik veröffentlicht
Benjamin Siegert hat einen neuen Text hochgeladen
The Prince: By Niccolo Machiavelli with Related Documents
Niccolo Machiavelli, William J. Connell
Niccolo Machiavelli's the Prince on the Art of Power: The New Illustra...
Niccolo Machiavelli, Cary J. Nederman
The Prince by Niccolo Machiavelli - Large Print Edition
Niccolo Machiavelli, Shawn Conners, William K. Marriot
Fortune Is a Woman Fortune Is a Woman Fortune Is a Woman: Gender and P...
Hanna Fenichel Pitkin
Politics and Philosophy: Niccolo Machiavelli and Louis Althusser's Ale...
Mikko Lahtinen, Gareth Griffiths, Kristina Kohli
Life of Castruccio Castracani: Related by Niccolo Machiavelli and Sent...
Niccolo Machiavelli, Richard J. Overy, Andrew Brown
0 Kommentare