Universität Zürich
Institut für Politikwissenschaft
Abteilung Internationale Beziehungen
Kolloquium Internationale Beziehungen (II), Sommersemester 2006
Kolloquiumsbeitrag
Die chinesische Bankenreform
Finanzmarktliberalisierung in China
23. April 2006
Autor
Matthias Jud
Sinologie, Völkerrecht, Politikwissenschaft
Diese Kolloquiumsarbeit gibt im Allgemeinen Teil einen Überblick zur
Wirtschaftsentwicklung Chinas seit 1978 und schildert kurz die relevanten sozioökonomischen
Probleme des Landes.
Im Besonderen Teil wird die chinesische Bankenreform besprochen, welche die aktuellen
Missständen im chinesischen Bankensektor beheben soll. Schliesslich folgt eine kurze
Bestandesaufnahme der Situation der in China tätigen ausländischen Banken, welche indirekt an
der Reform beteiligt sind.
Kolloquiumsarbeit Internationale Beziehungen SS06 - Matthias Jud
Die chinesische Bankenreform Finanzmarktliberalisierung in China
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I
NHALTSVERZEICHNIS
A. A
LLGEMEINER
T
EIL
:
D
IE CHINESISCHE
W
IRTSCHAFT UND IHRE
P
ROBLEMFELDER
... 3
1.
Chinas Wirtschaftsentwicklung seit 1978 ... 3
2.
Sozioökonomische Probleme ... 6
2.1. Überalterung der Gesellschaft...6
2.2.
Fehlendes Pensions- und Gesundheitssystem ...6
2.3.
Hohe Ausbildungskosten...6
2.4.
Anzeichen einer Deflation...7
3.
Anpassungen und Herausforderungen ... 8
3.1. Strukturelle Anpassungen ...8
3.2.
Die vier grossen Herausforderungen...8
B.
B
ESONDERER
T
EIL
:
D
IE CHINESISCHE
B
ANKENREFORM
... 9
1.
Die Probleme im Bankensektor... 9
1.1. Die notleidenden Kredite ...9
1.2.
Bürokratie und Personalüberhang ...10
1.3.
Technologischer Nachholbedarf ...10
1.4.
Träger Agrarbereich ...10
2.
Die Bankenreform ... 11
2.1.
Positive Voraussetzungen ...11
2.2.
Negative Voraussetzungen...11
2.3.
Bisherige Bemühungen ...12
2.4
Aktionärsreform und Reform der Kreditvergabe ...13
3.
Ausländische Beteiligungen am Beispiel von Schweizer Banken ... 14
3.1.
Aktuelle Situation...14
3.2.
Auflagen ...14
3.3. Probleme...15
3.4.
Positive Aussichten für die ausländischen Akteure ... 16
4. Schlussbemerkungen... 18
5. Bibliographie... 19
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Die chinesische Bankenreform Finanzmarktliberalisierung in China
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A. A
LLGEMEINER
T
EIL
:
D
IE
CHINESISCHE
W
IRTSCHAFT
UND
IHRE
P
ROBLEMFELDER
1.
Chinas Wirtschaftsentwicklung seit 1978
In den 30 Jahren seit Deng Xiaoping am Nationalen Parteikongress 1978 sehr vorsichtig,
zunächst mit kleinen "kapitalistischen Experimenten" in Sonderwirtschaftszonen, den Übergang
von der zentralen Planwirtschaft zur Marktwirtschaft einleitete, hat sich die chinesische
Volkswirtschaft mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von ca. 9.5 Prozent sehr
positiv entwickelt.
1
2
3
Als man 1980 als offizielle Zielsetzung die Vervierfachung des Bruttosozialprodukts bis
Ende des Jahrtausends propagierte, war man sich selbst von amtlicher Seite her nicht sicher, ob
dies überhaupt möglich sei. Dieses Ziel, nämlich bis zum Jahr 2000 ein BIP von 2.8 Billionen
Yuan Renminbi (dt: Volkswährung; RMB) zu erreichen, wurde dann aber um ein Mehrfaches
übertroffen, indem die Ziffer 2002 die 10 Billionen-Grenze überschritt (ca. 1.2 Billionen US-
Dollar).
4
2005 betrug das BIP gemäss Schätzungen der CIA 1.83 Billionen USD.
5
1
Deutsche Bank Research 2002: 1
2
http://english.gov.cn/2006-02/08/content_182571.htm: 2005
3
www.woek.de/china/pdf/china_wirtschaftsdaten.pdf
4
People's Daily Online: 2002: 12. Nov.
5
http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/ch.html
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Die chinesische Bankenreform Finanzmarktliberalisierung in China
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Am 16. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas (KPC), vom November 2002 wurde
von Staatschef Jiang Zemin, dem Nachfolger Dengs, ein neues Ziel formuliert. Man wollte nun
bis 2020 den Aufbau einer so genannten "fairly well-off society", zu Deutsch einer "ziemlich
wohlhabenden Gesellschaft", anstreben.
6
Dieser politische Terminus, erklärtes Hauptziel der
Kommunistischen Partei, bildet auch heute noch einen der wichtigsten Eckpfeiler der
chinesischen Staatsdoktrin, und wird in den heimischen Medien täglich erwähnt.
Per Ende 2005 betrug Chinas BIP laut Schätzungen des CIA World Factbook ca. 1.8
Milliarden USD, was in China einer Kaufkraftparität
7
von 8.2 Billionen USD entspricht. China
rangiert somit nach den USA und der EU auf Platz 3 der Weltrangliste, was dieses Land zu einem
der grössten Märkte der Welt macht. Nicht zuletzt der somit riesige Finanzsektor bietet deshalb
ausländischen Investoren grosse Chancen.
Tabelle: BIP - Weltrangliste nach Kaufkraftparität
Rank Country
GDP (purchasing power parity) Date of Information
World
$ 59,380,000,000,000
2005 est.
1
United States
$ 12,370,000,000,000
2005 est.
2
European Union
$ 12,180,000,000,000
2005 est.
3
China
$ 8,158,000,000,000
2005 est.
4
Japan
$ 3,867,000,000,000
2005 est.
5
India
$ 3,678,000,000,000
2005 est.
6
Germany
$ 2,446,000,000,000
2005 est.
7
United Kingdom
$ 1,867,000,000,000
2005 est.
8
France
$ 1,816,000,000,000
2005 est.
6
http://english.people.com.cn/200211/12/eng20021112_106678.shtml
7
Eine Kaufkraftparität liegt dann vor, wenn der Wechselkurs so bestimmt wird, dass bei gegebenem Preisniveau in
zwei Ländern die Kaufkraft der in- und ausländischen Währung gleich hoch ist. Das heisst nichts anderes, als dass
die Preise für dieselben Produkte gleich sind respektive gleich gesetzt werden.
Die Kaufkraftparität ist also eine Vergleichsgrösse, bei der ein repräsentativer Warenkorb weltweit miteinander
verglichen wird. So kann man ersehen, wie hoch die Kaufkraft einer gewissen Geldsumme in einem beliebigen Land
ist. Weltberühmt ist der Big-Mac-Index der englischen Zeitschrift "Economist". (Online im Internet:
http://www.blw.admin.ch/agrarbericht2/d/international/vergleiche.htm [Stand 23.04.2006])
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Italy
$ 1,645,000,000,000
2005 est.
10
Brazil
$ 1,580,000,000,000
2005 est.
36
Switzerland
$ 262,100,000,000
2005 est.
8
Tabelle: BIP Weltrangliste 2004
Rang
Staat
Millionen US-Dollar
1
United States
11,667,515
2
Japan
4,623,398
3
Germany
2,714,418
4
United Kingdom
2,140,898
5
France
2,002,582
6
Italy
1,672,302
7
China
1,649,329
8
Spain
991,442
9
Canada
979,764
10
India
691,876
17
Switzerland
359,465
9
Für das Jahr 2020 sieht man es von behördlicher Seite als ein realistisches Ziel an, das
BIP von 2000 nochmals zu vervierfachen, nämlich auf 35 Billionen Yuan RMB (ca. 4.3 Billionen
USD).
10
Will man aber der offiziellen Webseite der Chinesischen Regierung (www.gov.cn)
glauben schenken, so verfügt China bereits heute über eine "ziemlich wohlhabenden
Gesellschaft". Das von Jiang Zemin formulierte Ziel wäre somit also bereits realisiert.
"China, economically extremely backward before 1949, has become one of the world's
major economic powers with the greatest potential, and the overall living standard has reached
that of a fairly well-off society.", so die Zeitung People's Daily, das Sprachrohr der Partei.
11
Es
stellt sich natürlich die berechtigte Frage, ob diese offizielle Regierungsdarstellung auch wirklich
8
http://www.cia.gov/cia/publications/factbook/geos/ch.html
9
http://web.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/DATASTATISTICS/0,,contentMDK:20399244~menuPK:
1504474~pagePK:64133150~piPK:64133175~theSitePK:239419,00.html
10
http://english.people.com.cn/200211/12/eng20021112_106678.shtml
11
http://english.gov.cn/2006-02/08/content_182571.htm
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für alle der ca. 1.3 Milliarden Chinesen der Wahrheit entspricht. Eine nähere Untersuchung zum
Thema ginge aber über den Rahmen dieser Arbeit hinaus.
2.
Sozioökonomische Probleme
12
2.1. Überalterung der Gesellschaft
China verfolgt seit den 70er Jahren eine recht strikte Ein-Kind-Politik. Einem Paar mit
Kinderwunsch wird von staatlicher Seite nur ein Kind zugestanden. Ausnahmen gibt es, wenn
beide Eltern Akademiker sind oder selbst aus Ein-Kind-Familien stammen. Ursprünglich wollte
man das Problem der drohenden Überbevölkerung lösen, steuert aber mittlerweile schon der
Gefahr einer Überalterung entgegen.
2.2. Fehlendes Pensions- und Gesundheitssystem
Bis zur langsamen Einführung von marktwirtschaftlichen Mechanismen gab es in der
Volksrepublik das Prinzip der "eisernen Reisschale", d.h. jedem Mitarbeiter eines beliebigen Art
von Betrieb, "Einheit" (Danwei) genannt, wurden kostenlose Gesundheitsversorgung und andere
Leistungen zur Verfügung gestellt, oft bis zur Heiratsvermittlung und Wohnungszuteilung. Aus
diesem Grund und wegen der traditionellen chinesischen Familienstrukturen war ein Pensions-
und Gesundheitssystem nach westlichem Vorbild bisher unnötig. Die Veränderung der
chinesischen Gesellschaftsstrukturen jedoch lässt dieses Problem je länger je mehr akut
erscheinen.
2.3. Hohe Ausbildungskosten
In einer typischen Familie kümmern sich heute vier Grosseltern zusammen mit 2 Eltern um ein
Einzelkind, dass natürlich die bestmögliche Ausbildung erhalten soll.
13
Allerdings sind gute
Ausbildungsplätze, z.B. an renommierten Universitäten ein knappes Gut und kosten viel Geld.
12
Dieses Kapitel beruht im wesentlichen auf einem Interview mit Urs Schöttli, NZZ-Korrespondent Peking,
vom 25. Jan. 2006
13
Dieses Phänomen wird oft als 4-2-1-Problem bezeichnet.
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